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Lelystad

Lelystad gibt es erst seit 55 Jahren. Kein Haus, keine Straße, kein Baum ist älter. Die Hauptstadt der niederländischen Provinz Flevoland liegt auf einem Polder, der dem IJsselmeer abgerungen wurde. Heute hat die junge Stadt knapp 80.000 Einwohner.

Und das ist wenig. Denn das ähnlich alte, benachbarte Almere ist dank der Nähe zu Amsterdam mittlerweile fast dreimal so groß. Lelystad liegt zu isoliert. So richtig kam die Entwicklung der Stadt nie in Schwung. Als ich am Samstag hier vorbei kam und einen Schlafplatz suchte, nutzte ich die Chance, mir das Örtchen einmal anzuschauen.

Schon kurz vor der Stadtgrenze wunderte ich mich: alles so ruhig hier, so richtig still. Und da soll jetzt gleich eine recht große Stadt kommen? Zunächst war ich optimistisch. Ich erreichte als erstes ein Wohngebiet, aber sah dort bis auf eine Spaziergängerin niemanden. Auf den fast 3km bis zum Campingplatz ebenfalls nur eine gute Handvoll Menschen. Es war beinahe nichts zu Hören als das Rauschen der vielen Bäume. Insgesamt SEHR wenig los für einen Samstagabend in einer nun auch nicht soo kleinen Stadt.

Am nächsten Morgen gegen 1030 Uhr fuhr ich in Richtung Innenstadt auf der Suche nach einem Kaffee. Das Zentrum war hier praktisch wie ausgestorben, kein Laden hatte geöffnet. Die wenigen Menschen, die ich sah, wirkten eher in sich gekehrt. Die Architektur entsprechend ihres Alters. Vieles leider natürlich in den 1970ern und 80ern entstanden.

Auf den Bildern seht ihr vielleicht, dass da irgendetwas Entscheidendes fehlt: Menschen. Die Stadt wurde durchaus auch so konzipiert, dass sie die Verkehrsströme voneinander trennt, Auto- und Radfahrer sich praktisch kaum mal begegnen und dass es einfach ruhig ist. Nicht wenige Städte und Stadtteile, gerade in den Niederlanden, sind derart geplant worden. Aber hier sind die Planer in meinen Augen übers Ziel hinausgeschossen: Lelystad ist ZU ruhig geworden, die Atmosphäre: gespenstisch.

So sehr mich das Konzept einer „ganz neuen Stadt“ auch interessiert hat. Der hier fehlte etwas. Und nicht nur ein paar hübsche, historische Gebäude. Etwas, das Zusammenhalt schafft. Etwas, dass die durchaus vorhandenen Einwohner auch mal rauskommen lässt. Eine Seele. Habe ich in Lelystad leider nicht gefunden.

CODA auf Apple TV+: Was für ein schöner Film! So herzerwärmend gespielt, man verzeiht ihm jedes Successstory-Klischee.

Deutsch ist keinesfalls die einzige Sprache mit nicht enden wollenden Wortungetümen:

Die medewerkerstevredenheidsonderzoek (Mitarbeiterzufriedenheitsuntersuchung -> im Deutschen tatsächlich noch ein paar Buchstaben länger) toppt auch die bezienswaardigheid (Sehenswürdigkeit).

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