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97: Keine Idee für eine Überschrift

Wir nähern uns der 100. Und ich muss gestehen, ich hatte schon vergessen, die 100 wovon das eigentlich gewesen sein wird. Hab dazu nochmal Folge 1 gecheckt. Damals war noch Mai, die Serie hieß „Aventure Pieces“ und man verwendete damals erst # vor jeder Nummer, später Punkte. Ich hatte noch kein E-Bike, sondern testete gerade E-Mopeds. Und ich hatte offenbar Spaß daran, mit dem Weißabgleich meiner Smartphone-Kamera herumzuspielen. Hui, das waren Zeiten!

Warum mache ich das hier eigentlich?

Nein, keine Sorge, sind keine Selbstzweifel, aber die Sinnfrage stellt sich mir schon. Selbstmarketing ist ebenso überschätzt wie bei mir nicht mehr existent, seit ich nicht mehr bei Facebook und Twitter aktiv bin. Seitdem ist dafür innere Ruhe bei mir eingekehrt. Also warum noch den Hansel spielen und auf Rampensau machen?

Andererseits raten alle Lebensratgeber dringendst zur Pflege eines Tagebuchs. Ich mache das lieber öffentlich, weil ich das irgendwie so gewohnt bin, hier mit euch interagieren und hin und wieder einen erzählen oder ein paar Bilder posten kann. Das macht schon mehr Spaß.

Im Bonner Unverpackthaus habe ich heute Vergangenheit und Zukunft an einem Ort gesehen. So war es früher, so macht es auch heute wieder Sinn!

Und dann bin ich in die Kaffeerösterei meines Vertrauens gegangen und hab mir Kaffee in einer beschichteten Papierverpackung geben lassen, weil ich noch gar keine Kaffeedose habe. 🙄 Nächstes Mal dann.

Wir haben die ersten Spiele verlegt, aber jetzt führt kein Weg mehr dran vorbei: Am Donnerstag ist unser erstes Spiel in der neuen TT-Saison. Und ich habe mich entschlossen mitzuspielen. Die Entscheidung fiel gestern, als die Infektionszahlen noch niedrig waren und ich die Gefahr für gering eingeschätzt habe, mir was Schlimmes zu holen. Heute meldet das RKI dann wieder 1.407 Neuinfektionen, die meisten davon in NRW, vor allem aber 12 neue Todesfälle bundesweit. Das sind deutlich mehr als neulich… Na toll. Aber jetzt habe ich zugesagt, jetzt ziehe ich’s auch durch. Es wird unser einziges Spiel im September bleiben. Vielleicht auch das einzige überhaupt…

Noch 1 Bild:

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87: Autumn is coming

Jedes Jahr um die Zeit stelle ich für gewöhnlich alles in Frage. Die Arbeit fällt mir schwer, die IFA kommt und nervt, weil die Business-Kasper da wieder einmal von Innovationen reden, die keine sind (obwohl ich’s diesmal gar nicht so schlecht finde), mit englischen Business-Floskeln um sich schmeißen und entweder nicht zugeben wollen und tatsächlich nicht verstehen, dass das, was sie da präsentieren, zu 90 Prozent Spielzeuge für Erwachsene sind. Der Beitrag, den ich gerade dazu schreibe, fällt mir erstaunlich schwer zu schreiben, obwohl ich mir schon die besten Sachen rausgesucht habe. Aber vielleicht ist es auch einfach das. Die Zeit des Jahres ist da, in der die Tage kürzer werden, der Schlafbedarf steigt. Die Temperaturen tagsüber lassen dich noch in dem Glauben, dass Sommer ist. Aber spätestens abends ist klar: der Herbst ist da.

Normal ereilt mich jetzt die Herbst- oder Winterdepression. Aber diesmal sind ein paar Dinge anders. Ich weiß, was dagegen zu tun ist. Es geht Samstag noch einmal auf die Piste (Rhein-Route, letzte 2 Etappen) und ansonsten fahre ich einfach alles runter und mache es mir hier gemütlich.

Nur das mit der Weltrettung, das bleibt jetzt mal als Projekt. Danke Jens und Boris schon einmal für eure (deprimierenden 😉 Kommentare dazu. Geht da nicht doch noch etwas? Kann doch nicht das Ende sein…

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86: Okay, let’s save the world

Oder anders gesagt: Was ist euer Plan zur Rettung der Welt?

Ökologisch, vor allem. Denn alles andere leitet sich davon ab.

Denn ich hab das Gefühl, es wird langsam ernst. Wir sind nur noch nicht so weit, dass wir das begriffen haben. Und niemand möchte darüber belehrt werden.

Habt ihr eine Idee?

Nee, jetzt mal so richtig im Ernst und so.

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85: Pläne und Gedanken

Heute ist nichts passiert. Deswegen nur ein paar Pläne und Gedanken:

  • Ich würde gerne einmal einen Marathon laufen. Vielleicht bekomme ich in dieser oder der nächsten Woche von Christian ein paar Tipps, wie das geht und (na ja, in dem Falle aufgrund der Gesundheit auch) ob.
  • Wenn es am Wochenende halbwegs trocken bleibt, würde ich gerne den Rest der Rhein-Tour von Hertogenbosch bis Hoek van Holland in Angriff nehmen.
  • Ich habe in meinen ersten ETF-Sparplan investiert. Aber aus Gründen führt die Bank die Order erst am 15.9. aus.
  • Es ist ein halbwegs nachhaltiger ETF. Ich dachte: Warum nicht.
  • Frage (mehr an mich selbst): Kann die Welt noch irgendwie gerettet werden, und wenn ja, wie kann ich beruflich meinen Teil dazu beitragen? Einiges, was man bei den Kollegen so liest, macht nicht gerade Hoffnung. Und CO2 ist nur eins der Probleme.
  • Das Projekt Entrümpeln und Entmüllen geht mal wieder in die Endphase. Die hatte ich schon mehrfach angekündigt, und im Grunde stimmt das auch jedes Mal. Aber kurz vor dem Ende liegen einfach noch verdammt große Brocken, die viel Zeit fressen.
  • No one said it would be easy. And maybe easy isn’t the way that would help.
  • Wie großartig ist (bisher) „The Last Dance“? Wann immer ich bisschen Zeit übrig habe, verschlinge ich das gerade.
  • „Felix Krull“ hingegen… Ja, ich mag es bestimmt vor allem deswegen bislang (39%) nicht so sehr, weil es anspruchsvoll ist. Wer mag schon intellektuell gefordert werden von etwas, was eigentlich Schulstoff ist…
  • 50% there. 🙂 Das Gute daran, dass neulich meine Espressomaschine defekt war, ist, dass ich mich gerade noch einmal mit Kaffeezubereitung befasse und viel dazu auf YouTube schaue. Wäre schön, das irgendwann zu 100% hinzukriegen.

Bild des Tages:

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78: Meine große Wahlplakatanalyse

Ich muss hier eine kleine Warnung voranstellen. Es wird hier etwas gemein werden. Ich kenne die meisten KandidatInnen noch nicht, weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau, wer ihr seid und wofür ihr inhaltlich steht. Aber ihr habt mich und die ganze Altstadt in den letzten Wochen mit Wahlplakaten nur so zugekleistert. Ich analysiere deswegen hier erstmal nur die Bilder, die ihr dafür eingebracht habt. Und, ja, ich weiß auch, dass ihr Wahlkampf genauso wenig mögt wie ich, er in einer Demokratie aber leider dazugehört. Let’s go!

Soll, vermutlich, ausstrahlen: I bim’s, euer OB, der in sich ruhende, kluge Typ mit den weißen Haaren. Und seitdem ich im Amt bin, wird in Bonn mal wirklich was gebaut.

Wirkt auf mich: Doch erstaunlich seriös. Der hatte einen guten Fotografen, der Mann, an dem selbst Vorwürfe wie die Baufiasken Beethovenhalle und Viktoriabrücke abperlen könnten. Die waren ja ohnehin maßgeblich noch von seinem Vorgänger geplant worden.

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Klarer Favorit, wird im ersten Wahlgang 40-50% der Stimmen bekommen und in der Stichwahl 60-70.

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Wir machen das hier zusammen, so Workshop-mäßig. Und ihr dürft auch mitmachen, ich entscheide nicht über eure Köpfe hinweg, mehr Demokratie wagen!

Wirkt auf mich: Wie eine übermotivierte Mittelstufen-Klassenlehrerin: „So jetzt alle mal die Bücher weglegen, wir machen ein Bräin-stoar-minng! Kommt, macht mal alle mit. Jeanluca-Kevin: Leg mal das Nintendo weg! Das hier ist viel spannender. Na kommt, macht mit, ach kommt schooon!“

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Der Kampf um Platz 2 ist noch lange nicht entschieden. Für die SPD wird es eng.

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Bonn ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin der Stadt verbunden und ich würde sie mit Leidenschaft führen.

Wirkt auf mich: Hallo, ich bin die Katja und ich kleide mich ganz bunt, weil schon die GründungsväterInnen meiner Partei sich so gekleidet haben. Und wenn ich groß bin, dann wäre ich gerne mal Oberbürgermeisterin einer ganz tollen Stadt.

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Spricht nur einen kleinen Teil der Wählerschaft an, anders als in anderen Großstädten werden die Grünen bei der Bonner OB-Wahl nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Entspannter Dude, mit dem kannste reden, der hat auch was im Köpfchen, „digital“ ist für ihn kein Fremdwort.

Wirkt auf mich: Nicht unsympathisch, nicht übertrieben. Clever von der FDP, diese Bunt-auf-Schwarzweiß-Wahlplakate nochmal auszugraben, mit denen auch Christian Lindner vor drei Jahren in den Bundestag eingezogen ist. Aber wer sagte damals noch so schön: „Dreitagebart und ein paar schwarz-weiße Fotos sind noch keine Politik.“

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Der Mann sitzt in einer zu kleinen Partei, aber im Rennen um Platz 2 hat er noch nicht verloren.

Gemeint ist hier das obere Bild der Linkspartei, das untere ist mehr so Typ Horst Lichter, isch kandidiere.

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Jung, erfahren, unbestechlich. Ihr müsst gar nicht warten, bis Kevin Kühnert sich für erfahren genug hält, mich könnt ihr jetzt schon haben.

Wirkt auf mich: Ein bisschen wenigsagend, fast schon lustlos. Nach dem Motto: Wir wissen, dass wir eh nicht gewinnen können, aber wir müssen wenigstens so tun als ob. Wer ist der Typ, wofür steht er, was ist sein großes Ziel außer gegen die CDU zu sein?

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Um die 5%.

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Wir sind so divers wie möglich und deswegen gut.

Wirkt auf mich: Wie ein versprengter Haufen derer, die den etablierten Parteien aufgrund kruder Ideen zu exotisch waren. Die Inglourious Basterds der Nordstadt. Für jeden der Kandidaten fällt mir spontan ein B-Promi ein, der genauso aussieht. Viktor Lukaschenko inklusive.

Prognose, alleine aus Basis des Wahlkampffotos: <1%

Was meint ihr?

Update, noch zwei Kandidaten:

Soll, vermutlich, ausstrahlen: Ich bin unkonventionell! Und ich verbinde das Traditionelle (alten VW-Bus) mit dem Modernen (hipstermäßig mit altem VW-Bus campen gehen).

Wirkt auf mich: Wählt mich, dann brause ich mit der Kohle davon.

Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: 2-5 Prozent. Aber ganz ehrlich: Die männlichen Kandidaten dieser OB-Wahl, auch Manka, kommen allesamt besser bei mir an als die weiblichen. Woran liegt das?

Unfair! Die Partei darf Satire und deswegen mit der Wahrheit werben, also dem, was die anderen gerne würden. Prognose: >1%.

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74: Corona als Aventure

In nicht mal mehr zwei Wochen wartet ein Aventure, das ich mir Stand jetzt gerne ersparen würde: die neue Tischtennis-Saison. Natürlich haben die Verbände ein Sicherheitskonzept mit Desinfektionen, Abstand, Lüftung etc. vorgesehen. Aber die Aerosolparty wird natürlich trotzdem steigen. In kleinen Turnhallen sammelt sich über den Abend die Atemluft von Dutzenden in der Halle. Und wenn einer davon Corona hat… joa, dann bekommst du es auch.

Ich kann mir im Grunde jetzt schon ausmalen, wie das laufen wird. Bei Heimspielen und solange es noch halbwegs warm draußen ist, kann ich mich zum Spießer aufspielen und die Türen auf Durchzug stellen. Bei Auswärtsspielen werde ich darum bitten müssen und als Weirdo dastehen, wenn ich das tue. Denn die meisten Leute werden die Maßnahmen als lächerliche, überflüssige, von oben diktierte Pflicht ansehen und irgendwann auf die meisten Regeln scheißen. Spätestens dann, wenn das Thermometer draußen unter 10 Grad fällt.

Man stellt mich (und die Anderen) vor das Dilemma, entweder mitzuspielen, die Abende mit einem mulmigen Gefühl zu verbringen und sich im schlimmsten Fall Corona einzuhandeln. Viele denken sich auch hier: na was soll’s. Weil die Medien gerade eiskalt darin versagen, Einzelfälle zu schildern, die Langzeitfolgen der Infizierten zu beschreiben und damit angemessen vor der Krankheit zu warmen. Oder ich spiele eben nicht mit, weil mir meine Gesundheit wichtiger ist. Und laufe damit Gefahr, als Kameradenschwein dazustehen, weil ich meine Mannschaft und meinen Verein im Stich lasse…

Hab noch keine Ahnung, wie ich das lösen soll.

Wer das mit Corona noch ernst nimmt, ist die Mondorfer Fähre, auf der ich heute auf Rückweg meiner kurzen Radtour vorbeikam. Ein Schild weist auf Bedeckung von Mund und Nase hin. Shit, ich hab meine Maske gar nicht dabei, will aber nicht den ganzen Weg zurück. Also fahre ich auf die Fähre, halte mich abseits, improvisiere und ziehe mein T-Shirt hoch und über Mund und Nase und sorge mit einer Hand dafür, dass es auch dort bleibt. Wir sind schon weit über der Hälfte, als der Fährmann mich abkassieren kommt. Ob ich keine Maske dabei hätte? – Nein, leider nicht, deswegen würde ich das T-Shirt dafür benutzen. – Es wäre Maskenpflicht an Bord. Wenn ich keine dabei hätte, müsste ich eine kaufen, Vorschrift. – Äh, nun gut. Was sie koste? – 1,80, das gleiche wie eine Überfahrt mit Fahrrad. – Na gut.

Er nimmt das Geld und geht eine Maske holen, überreicht sie mir und bittet mich, sich aufzuziehen, was ich auch tue. Kaum fünf Sekunden später legen wir an… 🙄

Bisschen witzlos eigentlich. Finde trotzdem, er hat sich korrekt verhalten. Lieber einer nimmt’s ein bisschen zu ernst, als dass es allen egal ist.

Eigentlich wollte ich mal Schriftsteller werden, aber ich bin gerade so weit davon entfernt wie nur irgendwas. Hab trotzdem mal mein altes Manuskript wieder ausgegraben, mich dran erinnert, dass ich vor fast 15 Jahren mal ein Seminar zu kreativem Schreiben besucht habe, und ein, zwei jecke Ideen von damals wiedergefunden. Vielleicht probiere ich es einfach mal mit einer.

Schreiben kann ich übrigens besser, wenn es mir schlecht geht. Geht es mir gut, fehlen mir die entsprechenden Emotionen. Von daher „gut“, dass ich gerade ins Nach-Urlaubs-Loch gefallen bin (Pilger nennen es auch Post-Pilger-Syndrom). Die Klarheit im Urlaub, die Reduktion auf das Wesentliche, die Einfachheit, die vielen neuen Eindrücke, die Menschen, die man unterwegs trifft, bei einem Sporturlaub auch, wie Körper und Geist in Eintracht sind (jaja!). Das alles hört mit einem Schlag auf, und der Alltag mit all seinen Pflichten zieht wieder ein. Ich habe mich schon viermal aufs Fahrrad geschwungen seitdem und einmal war ich (mit erbärmlichem Fitnesswert) joggen. Aber es ist alles nicht dasselbe. Du versuchst, deinen Alltag möglichst bunt zu machen, vielleicht mal ein anderes Café und Restaurant auszuprobieren, was Schönes zu lesen. Das alles macht es auch ein bisschen erträglicher. Aber am Ende hilft nur, es auszuhalten, zu wissen, dass das Loch eben leider kommt, sich nach ein paar Tagen dann aber auch wieder schließt.

Ein bisschen erträglicher gemacht hat es heute ein leckerer Eiskaffee im Galestro:

Und ein fantastischer Köfte-Teller im Sela Beef Döner am Kaiserplatz (die nehmen hier Steak-Fleisch statt dem üblichen Billigfleisch!). Danke an Bonngehtessen für den Tipp!

Und ein bisschen nachgeholte Schulliteratur:

Max Frisch: „Andorra“. Jaja! In der Mittelstufe nur von der Parallelklasse drangenommen. Wir hatten dafür irgendnen anderen Driss, weiß gar nicht mehr welchen, nur dass es ziemlich sicher eins dieser hässlichen gelben Reclam-Hefte war. „Andorra“ gefällt mir. Die gefährliche Stereotypisierung und Gleichgültigkeit der Anderen als Thema. Passend dazu:

Friedrich Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame“. Herrlich zynisch, wie eine Gemeinde ihre Moral verkauft und eine vermeintliche neue Moral einführt, um an das große Geld zu kommen. Dabei muss man nur leider über eine Leiche gehen, aber die hat ja irgendwo auch selbst Schuld daran, wenn man sich das alles nur so ein bisschen zurechtbiegt… Wohlstand auf Kosten Anderer, den man sich erlaubt, indem man das alles schönredet, was man so tut. Willkommen im Jahr 2020.

Was habt ihr noch an Schulliteratur, was euch in guter Erinnerung geblieben ist? Ich hab gerade Lust, da einiges nachzuholen.

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.72: Ein klarer Fokus

… war schon toll zu haben. Im Urlaub an den meisten Tagen zu wissen, wohin, das hat mächtig beflügelt. Erst einmal in die Schweiz, dann durch die Schweiz, und dann wieder zurück. Vor jeder Etappe stand meist ein Fragezeichen, wohin es genau gehen soll, aber sobald es fiel, konnte mich nichts und niemand aufhalten.

Es wäre immer gut, so einen Fokus zu haben, auch in Beruf, Hobby und Sport, ohne dass es in Stress ausartet. Gar nicht so einfach…

Mein erster Versuch, was aus dem Urlaub mitzunehmen, war das frühe Aufstehen. Und am dritten neuen Arbeitstag ist es morgens schon erheblich später geworden. 😉 Ich glaube, das wird auf Dauer nichts. Was eigentlich schade ist, weil frühes Aufstehen und damit verbunden früher Feierabend gut mit einer Hitzewelle harmonieren würde.

Bei offenem Fenster zu schlafen, was ich zeitgleich versucht habe, ist am Bonner Frankenbadplatz aber keine gute Idee. Es ist da einfach zu laut, und obwohl ich erstaunlich gut dabei einschlafen kann, ist der Schlaf nicht wirklich erholsam.

Arbeiten ist ganz nebenbei anstrengender als Radfahren, zumindest für den Kopf. Da scheint er schlicht mehr Schlaf zu brauchen.

Wenn ich eins aus dem Urlaub gerne mitnehmen wollte, was mir besonders gut gefallen hat, dann ist das – die Bialetti aus der ersten AirBnB-Wohnung. Steht für mich für Ferien, Ferienwohnungen, irgendwie ein gutes Lebensgefühl. Ich habe mir eine bestellt, eine, die (okay, bisschen weniger Urlaubsgefühl) auch auf dem Induktionsherd funktioniert.

Das hatte überraschenderweise nichts damit zu tun, dass meine Espressomaschine seit heute bei der Reparatur ist. Die Heißwasserdüse wollte nicht mehr aufhören zu tropfen…

Die Public Beta von macOS Big Sur führt bisher dazu, dass ich heute dreimal den Akku aufladen musste. Im Firefox stürzt jedes zweite Browser-Fenster ab. Das kriegen sie hoffentlich noch in den Griff…

Ja, jetzt sieht alles was iPad-mäßiger aus. Das isses dann aber auch im Großen und Ganzen. Da von „macOS 11“ zu sprechen, scheint mir reichlich übertrieben.

Mal nachgeschaut, wie weit es eigentlich noch bis Hoek van Holland ist (dem offiziellen Ende der Eurovelo 15 entlang des Rheins). Wieder mal festgestellt: Die Strecke ist das geringste Problem. Das bekäme man an einem Freitagmittag startenden Wochenende hin. Das eigentliche Problem ist die An- oder Abreise mit Bahn und Fahrrad. Ja, die kriegen jetzt Geld, ja, die investieren jetzt. Aber Radreisen sind im Kanon der Deutschen Bahn (die auch in die Niederlande fährt) nicht ernsthaft vorgesehen, in ICEs ohnehin nicht. Ich fürchte, das wird sich auch nicht großartig ändern.

Lustig in diesem Zusammenhang: Gerhard Schröders aktuelle Ehefrau Soyeon Schröder-Kim sorgt sich um den Zustand der Deutschen Bahn. Was sie vermutlich nicht ahnt (aber ruhig mal nachrecherchieren könnte): Mit einem der Hauptverursacher der Misere teilt sie das Bett. Der und sein Duzfreund Hartmut Mehdorn hielten es damals für eine gute Idee, die Bahn auf Kosten der Reisenden kaputtzusparen, damit sie für Investoren attraktiv würde (wie auch immer das genau funktionieren sollte). Schröder ist derweil damit beschäftigt, seinem ehemaligen Regierungssprecher seine getönten Altersmemoiren zu diktieren. Motto, wie früher auch schon: Toll, wie ich das alles wieder hinbekommen habe.

Wenn’s in Bonn mal regnet, dann aber auch richtig. Meinen Olivenbaum hat’s umgeworfen:

Paar Meter weiter der halbe Baum liegt zur Stunde immer noch da.

Einmal noch, weil’s so schön war:

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.44: Regenradeln

Even more notes to self:

  • Investier nochmal in bessere Regenklamotten
  • Auf jeden Fall aber in eine Regenhülle für den Helm
  • Wenn du den ganzen Tag im Regen radeln musst, gönn dir ein Hotelzimmer (oder Jugendherberge, wenn du geizig bist). Sonst wird der Kladderadatsch nie im Leben trocken, du wirst elendig frieren und nein, so ne harte Sau bist du nicht, dass dich das stählt.
  • Ich hoffe, es wird nicht zu viel regnen, wenn du unterwegs bist. Spaß ist nämlich was Anderes.

An der Sieg könnte es ansonsten echt hübsch sein:

Hätten sie nicht die Stromtrasse ausgerechnet dort lang gebaut.

Tolles (und beängstigendes) Video von Vox. Der Mensch breitet sich auf der Erde immer weiter aus und macht damit Pandemien wie jetzt von Covid-19 wahrscheinlicher:

Ich habe mehr und mehr den Verdacht, dass das alles nicht unbedingt gut ausgehen wird. Gar nicht mal im Hinblick auf eine Pandemie. Aber der Klimawandel könnte veheerende Folgen haben, und das Video zeigt auch, dass der Mensch gerade nicht viel Besseres zu tun hat, als die Wälder weiter abzuholzen, Steppen- und Wüstenbildung damit weiter zu befördern, immer mehr Land unfruchtbar zu machen. Wo sollen bald 8, 9, 10 Milliarden Menschen da noch Zugang zu sauberem Wasser, zu genug Essen bekommen? Gute Ideen fehlen. Die klügsten Köpfe entwickeln lieber Maßnahmen, wie sich Autos noch eleganter fahren und wie sich Shopping-Erlebnisse verbessern lassen. Hm…

Hättet ihr ein anderes Stock-Foto genommen, wäre ich bestimmt drauf reingefallen…

Da sind doch sonst immer irgendwelche fröhlich lächelnden Frauen mit Bluetooth-Headset zu sehen. Und die Sparkasse würde eher „Die Sparkasse sorgt sich“ schreiben. Und außerdem habe ich gar kein Sparkassen-Konto. Aber, hey, nah dran!

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Aventure Pieces #15: Gone South

Weil ich heute nichts Besseres zu tun hatte, bin ich einfach mal so weit nach Süden gewandert, wie ich Lust hatte.

Ich kam bis zum Bahnhof Rolandseck (der auch ein Restaurant mit ziemlich teurer Abendkarte hat) und fuhr dann nach einer kleinen Stärkung zurück nach Bonn. Habt ihr auch mal sowas gemacht? Wie weit kamt ihr?

Note to self: Challenge vorbereiten, den Rhein bis an die Mündung hoch zu fahren. In die Schweiz wollte ich ja eh. Frage ist nur noch, ob mit Moped oder E-Bike (ich tendiere mittlerweile zu Letzterem).

Gertie the Dinosaur (1914), der wohl erste zusammenhängende Cartoon der Filmgeschichte (hat tip to Nils):

Außerdem: Das Kabinett des Dr. Caligari (1920, hundert Jahre alt!) (hat tip: dto.). Schon toll mit den expressionistischen Kulissen und dieser eindrucksvollen Mimik. Gruselig finde ich ihn jetzt zwar nicht mehr so, aber auch mit der überraschenden Wendung dürfte er Filmgeschichte geschrieben haben:

Ich gebe aber zu, dass ich den Film ab dem ersten Drittel auf doppelte Geschwindigkeit gestellt habe (geht mit YouTube!), was mehr so dem heutigen Erzähltempo entspricht. Trotzdem ein toller Film!

Ein wenig werde ich das Genre hier noch verfolgen, danach schauen wir uns mal an, was der Tonfilm so zu bieten hat(te). 😉

Spike Lee darüber, dass das Fixieren und gezielte Bewusstlos-Machen eines Menschen in Gewahrsam offenbar zur Polizeiroutine gehört. Zusammenschnitt zweier realer und eines fiktiven Falls:

Wenn du beim Ausmisten Tagebücher deiner Kindheit findest, nochmal liest und herausfindest, was von Anfang an das Problem gewesen sein könnte… Oh Mann… Deswegen wichtiger Tipp auch nochmal an angehende Minimalisten und Frugalisten (heute einen Podcast darüber gehört, die sind noch krasser): Schmeißt nicht alles weg, sortiert clever aus!

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Aventure Pieces #9

Schöne und auch traurige Visualisierung der bislang 100.000 Corona-Toten in den USA in der New York Times. Scrollytelling at its best.

It’s all about dem aerosoles, baby, Doc Drosten says. Ja, und jetzt? Ein paar Jahre kein Fitnessstudio, kein Tischtennis, Großraumbüros nur noch mit einem Drittel an Personal? Kann es ja irgendwie auch nicht sein.

Wenn Gerhard Schröder zusammen mit Bela Anda einen Podcast macht… dann habe ich da irgendwie Bock drauf. Die Person Schröder habe ich immer gemocht. Coole Type, Vollblutrhetoriker, einer, mit dem ich gerne mal ein Abend durchzechen würde. Politisch habe ich ihn gehasst. Neoliberaler als ein Christian Lindner es sich in seinen feuchtesten Träumen ausmalen könnte, hat er eine derart entmenschlichte Privatisierung vorangetrieben, dass selbst Helmut Kohl bei dem Gedanken schlaflose Nächte bekommen hätte. Er hat den Sozialstaat so massiv gekappt, dass in diesem Land mittlerweile blanker Hass regiert, woran wir bis heute knabbern und seine Partei letztendlich zu Grunde gehen wird (die erst in Scharping-Geschwindigkeit zu verstehen beginnt, warum sie plötzlich keiner mehr liebt). Könnte polarisieren, so ein Podcast, aber dafür ist die Person Schröder schon wieder zu sehr von sich eingenommen; der ganze Mist klingt zu hart, als dass man sich vorstellen könnte, dass nur eine Person für all das verantwortlich ist. Reinhören werde ich trotzdem oder gerade deswegen mal.

Mein Test mit dem E-Moped Kumpan 1954 RI ist online. Wenn es nur nicht so teuer wäre…

Charlie Chaplin: The Pawnshop (1916). Toll 🙂

I’m giving you some night pics:

Kleine Gutenachtmusik: Knight Rider Theme mit 8 Cellos:

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Aventure Pieces #1

Liebes Logbuch. Ach nee, die Phrase ist zu ausgelutscht. Aventure Seeker! Irgendwie hat sich das hier noch nicht eingegroovt, und ich glaube, das liegt daran, dass täglich zwar allerhand passiert, aber irgendwie dann doch zu wenig, um jedes ?!* Mal einzeln drüber zu bloggen. Hier heute also mal in Bildern, was ich so erlebt habe.

Mit dem Test-E-Moped nach Godesberg, um da zwei weitere E-Mopeds zu testen. Wenn, dann all in. Den hier:

Niu MQI+ Sport 45

Und diesen hier:

Niu NQI Lite 45

Der kleinere hat mir noch etwas besser gefallen.

Und wenn man schon mal da ist…

Das mit dem Kaffee auf dem Rückweg ist in so fern spooky, dass da ein blauer VW Bus hinter meiner Malhzeit stand…

Wenn ich zuhause Essensfotos mache, steht da nämlich auch immer einer:

Jeder kennt das Problem…

Aber keine Angst, die Rettung ist schon unterwegs!

Talking about solutions. Das hier, im Rewe, finde ich clever:

Um danach dann an der Kasse mit Karte zu bezahlen und wie JEDES VERDAMMTE MAL vom Gerät aufgefordert zu werden, die Scheiß-PIN über die Corona-verseuchte Tastatur einzugeben.

Auch Kneipen werden kreativ:

Ich bin sicher nicht der Erste, der das zum Schießen findet (und nicht einmal mehr sicher, ob ICH das zum ersten Mal zum Schießen finde):

Walking around my hood. Das ist fast schon hübsch für ein Graffity. Warum nicht mal was Politisches machen (oder ist es das schon)?

So wie Joko, Klaas und Sophie Passmann in ihrer 15-minütigen Kunstdarbietung gestern, um einfach mal zu zeigen, was Frauen sich Tag für Tag so anhören dürfen (dabei hätten sie für mein Empfinden sogar ruhig noch härter auftreten können):

Genau, Debian. Ich weiß, wie der Treiber meiner Ethernet-Karte heißt und will den aus hunderten Vorschlägen auswählen, ohne das Touchpad benutzen zu können, das du offenbar auch nicht erkannt hast…

Zum Abschluss noch was Hübscheres. Paar Bilder von der schönen Abendstimmung:

Thanks for watching!

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The Day Corona Died

Nächste Woche beginnt die Fußballbundesliga wieder, ich werde wieder Tischtennis spielen und ins Fitnessstudio gehen können. Ich dürfte mehr als einen Freund jetzt auch in der Öffentlichkeit treffen. Restaurants, Biergärten, sogar Kneipen werden in Kürze wieder aufmachen.

All das wurde heute bekannt. Damit darf ich dann fast alles, was meinen Alltag vor Corona ausgemacht hat. Weit reisen darf ich noch nicht, aber was einen Trip in die Schweiz angeht, wirkt jeglicher Pessimismus offenbar fehl am Platz. Selbst die Bonner Freibäder sollen nun bereits im Mai wieder öffnen, nachdem es anfangs hieß, die würden garantiert diesen Sommer geschlossen bleiben (aber da gehe ich eh nicht rein).

Es mag Zufall sein, aber es scheint mir fast, als wäre damit auch die Wirtschaft endgültig wieder angesprungen. Just heute bekam ich Angebote für vier Testgeräte, mit denen ich teilweise schon nicht mehr gerechnet hatte, weil sie sich wegen Corona immer weiter verzögert hatten oder Ansprechpartner schlicht nicht reagiert hatten. Ein weiteres Testgerät bestellte ich vor zwei paar Tagen privat, und es kam passenderweise heute schon an.

Alles, was ungewiss war, ist heute konkret geworden. Und ich frage mich: Corona? Gab’s das mal? Gibt’s das noch? Ich bin kein Experte, aber angesichts dessen, was wir die letzten Wochen alle aus vermeintlich gutem Grund entbehren mussten, geht mir das jetzt alles fast zu schnell. Das ist keine Lockerung mehr, das ist ein Von-der-Leine-Lassen.

Wenn das mal gut geht…

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Extrovertierte, wie geht es euch?

Ich will hier keine große emotionale Geschichte erzählen, wie ich eines Tages zu mir selbst fand. Vielleicht abgekürzt so, dass ich eigentlich immer schon wusste, dass etwas an mir anders ist, und ich erst vor ein paar Jahre endlich erkannt und vor allem akzeptiert habe, was eigentlich.

Nein, schwul bin ich nicht. Das hätte zumindest den Vorteil gehabt, recht früh zu wissen, was los ist. Ein alter Schulfreund hat irgendwann herausgefunden, dass er hochsensibel ist, was wie eine Offenbarung für ihn war. Bei mir kam der erhellende Moment erst, als ich vor ein paar Jahren in einem Fachbuch (ich weiß leider nicht mehr in welchem) eine Beschreibung darüber las, wie genau sich eigentlich Introversion äußert. Ach du Scheiße, dachte ich in dem Moment. Das bin ja 1:1 ich!

Heute habe ich mich größtenteils damit arrangiert, dass es mich anstrengt, neue Menschen kennzulernen, dass ich Clubs wenig abgewinnen kann, nicht gerne telefoniere, in Meetings eher still bin, manchmal tagelang niemanden sehen mag, viel Zeit für mich selbst und meinen Rückzugsraum brauche. Toll finde ich es schon immer noch nicht, aber ich habe aufgehört, jemand anders sein zu wollen, und versuche jetzt, das Beste daraus zu machen.

Paradiesische Zeiten gerade für Introvertierte, könnte man meinen. Behördlich verordnetes Zuhausesein, keine Meetings, keiner, der mit dir auf eine Party will. Auf Heise erschien dazu neulich ein interessanter Beitrag, dass es so toll aber doch wieder nicht ist. Denn plötzlich wollen die Anderen täglich Videokonferenzen machen. „Ich würde heute lieber zuhause bleiben“ sticht nicht mehr als Ausrede, weil eh jeder zuhause ist. Und bei Introvertierten, die mit anderen zusammen wohnen, ist es gerade auch schlecht mit dem Rückzugsraum.

Ich selber komme hier eigentlich gut klar, alleine auf meinem 55qm Rückzugsraum mit Balkon. Ich habe genug zu tun, vor meinem Haus ist Action, hin und wieder treffe ich den Einen oder die Aandere auch live (mit dem nötigen Sicherheitsabstand).

Was mir in diesen Zeiten eher Sorgen macht, sind die Extrovertierten. Keine Möglichkeit rauszugehen, keine Meetings, keine Leute im Büro. Wer alleine wohnt, kann keine Freunde treffen und weiß (so meine Vorstellung) gerade nichts mit sich anzufangen. Die Batterien durch neue Kontakte aufladen: gerade nicht möglich.

Drum sagt mal, Extros, wie geht’s euch gerade? Kommt ihr zurecht, braucht ihr Hilfe? Sagt mal an!

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Purpose

Du brauchst nen Purpose (alt-deutsch: Bestimmung oder Berufung) im Leben, sagen die Influencer. Brauchst du nicht, sagt Ralf Senftleben aktuell im „Zeit zu Leben“-Newsletter. Den Newsletter habe ich vor Ewigkeiten mal abonniert und nie abbestellt, auch wenn er mittlerweile zu einer grenzwertigen Verkaufsveranstaltung verkommen ist. Hin und wieder erinnern sie sich aber mal daran, was sie mal waren und worum es in dem Letter eigentlich ging. Heute also, direkt von der Leber weg die Einleitung:

„Liebe Leserin, lieber Leser,

du brauchst keine Vision.

Du brauchst auch keine Berufung.

Ziele brauchst du eigentlich auch nicht, obwohl Ziele manchmal schon nützlich sind, um deine Energie auf einen Punkt zu fokussieren.

Damit du Orientierung und Richtung im Leben bekommst, brauchst du nur eine Sache:

Du brauchst eine klare Idee davon, wer du bist und was dir wichtig ist im Leben. Dann ergeben sich die nächsten Schritte automatisch.“

Hells yeah! Geht doch!

Wobei ich mir manchmal schon denke, dass so eine Bestimmung ganz nett wäre. Viel können, aber gar nicht wissen, was man damit eigentlich anstellt, das wirkt wie verschenktes Potenzial. Irgendwie habe ich meinen Purpose noch nicht gefunden. Und ihr?

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Code und Text

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Sie

Sie stand alleine in der Ecke, wie so oft, klein und etwas linkisch, und schaute hinüber in unsere Richtung, merkte, dass wir tuschelten und über sie sprachen. Wie immer nicht zu enträtseln, was sie dachte. Lachte sie etwa? Uns aus oder an? Keiner von uns hatte je mit ihr gesprochen. Sie sei was seltsam, sagte mal ein Bekannter aus der Stufe, ohne das genauer zu erklären.

Ein Kumpel wankte zu uns herüber, schwer zu sagen, wie viel er schon auf hatte. Er war längst in seiner berühmten Zuneigungsphase, umarmte, vor allem und nicht immer sehr erfolgreich, Vertreter der Damenwelt, gerne auch mit zwei brennenden Zigaretten gleichzeitig im Mund. „Geh doch mal zu ihr rüber“, sagte sein bester Freund schelmisch und deutete auf sie. Er drehte sich langsam zu ihr um, bevor er plötzlich halb gespielt, halb im Ernst mit den Tränen kämpfte: „Ich trau mich nicht!“ Wir lachten. Vielleicht auch, weil sie nicht nur sonderbar war, sondern auch nicht gerade das, was Jungs in dem Alter für hübsch erachteten.

Sie hatte eine Freundin, mit der sie für gewöhnlich auf dem Schulhof stand. Sie standen immer alleine, wollten wohl für sich bleiben. Selbst was für eine Stimme sie hatte, hätte ich nicht sagen können. Im Unterricht murmelte sie nur leise was, und das auch nur, wenn der Lehrer sie ansprach.

Es muss Monate später gewesen sein. Ich stand bei einem Bekannten und lauschte seinen gestelzten Tiraden, als plötzlich sie dazu kam. Was niemand ahnte: die beiden kannten sich, sie arbeiteten zusammen. Zum ersten Mal hörte ich sie sprechen. Über die Arbeit, über besondere Erlebnisse dort. Sie lachte, während sie erzählte. Ihre Stimme klang, wenn auch etwas aufgeregt, sympathischer als erwartet.

„Und?! Was hat sie gesagt?!“ Nach der Pause bestürmten mich zwei Mitschüler, die das Ganze staunend beobachtet hatten. Und so laut, dass wirklich alle es hören konnten: „Was hat sie für eine Stimme? Kann sie wirklich sprechen?“

Danach passierte nichts weiter, sie ging ihrer Wege, ich hing weiter mit meinen Kumpels rum, wie das eben so ist in den letzten Monaten auf der Schule. Das letzte Zeugnis, das sie dort von sich gab, war ein übertrieben lustiges Foto in der Abizeitung zusammen mit ihrer Freundin, von der ich mir dachte: passt irgendwie nicht. Ein Mitschüler, der das Bild sah, schüttelte den Kopf: „Oh Gott!“

Es muss 15 Jahre später gewesen sein, mindestens. Auf Facebook hatte sich der alte Jahrgang wieder versammelt, tauschte sich aus. Man lud Bekannte ein und die wiederum Bekannte. Und doch war ich erstaunt, eines Tages ihren Namen dort zu lesen. Sie kommentierte den Beitrag eines alten Mitschülers, ich glaube, es ging um Politik. Ich schrieb auch etwas dazu und stimmte ihr zu. Zum Schluss schickte ich ihr eine Freundschaftsanfrage, warum auch nicht? Ich hatte auf Facebook mittlerweile mehr als 300 mehr oder weniger echte Freunde.

Als ich am nächsten Morgen meinen Facebook-Account öffnete, sprangen mir 30 Benachrichtigungen entgegen. Sie hatte meine Freundschaftsanfrage angenommen, mein Profil besucht und fast jeden meiner Beiträge kommentiert und gelikt. Es wirkte völlig übertrieben, so hätte sonst keiner reagiert! Ich hatte doch mehr oder weniger nur hallo gesagt.

Und da erst dämmerte es mir.

Es blieb bei den Benachrichtigungen, mehr hörte ich nicht mehr von ihr. Erst nach und nach beschlich mich der Gedanke, zwischen den Zeilen so etwas wie ein „Danke“ gelesen zu haben. Danke, dass mich endlich mal jemand wie einen ganz normalen Menschen behandelt hat.

Ich habe keine guten Erinnerungen an die Schule. Viele Jahre waren einfach Mist. Ich war der Außenseiter, die Lehrer mochten mich nicht, ich habe mich oft einsam gefühlt, als würde ich einfach nicht reinpassen. Besonders nett zu den anderen war ich vielleicht auch deswegen schlicht nicht. Erst viel später habe ich das alles hinter mir gelassen, irgendwie doch noch die Kurve gekriegt.

Aber ich hatte bis dahin nie daran gedacht, dass es für Andere diese Kurve vielleicht nie gegeben hat.