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OK

Endgegner Steuer

Heute habe ich mir einen Traum wahr gemacht, ich habe in der 50er-Zone ein Auto mit dem Fahrrad überholt. Nicht von rechts, sondern von links, so wie Autos sich auch gegenseitig überholen würden.

Es war einer dieser von mir kürzlich kritisierten 35-in-der-50er-Zone-Fahrer und die habe ich langsam über.

Dass das überhaupt möglich war, lag daran, dass es bergab ging. Von Bonn-Ippendorf nach -Poppelsdorf herunter sind es 6 Prozent Gefälle. Mit dem Fahrrad bekomme ich hier gut und gerne mal 55 km/h auf den Tacho – wenn mich Autofahrer:innen wie die heute nicht ausbremsen.

Ganz ungefährlich war das nicht und sinnvoll eigentlich auch nicht, aber spaßig irgendwo schon. Hab leider nicht mitbekommen, was die Fahrerin dabei gedacht hat.

Aber ganz ehrlich: Die Leute nerven mich sooo sehr. Was soll das? Macht ihr das auch? Fahrt ihr 30 oder 40, da wo 50 erlaubt sind? Ich habe solche Schnarchnasen dauernd vor mir, die kein Hindernis vor sich haben und auch ganz sicher keinen Parkplatz suchen. Es scheinen mir immer mehr zu werden.

A propos immer mehr Autos: Steigt man Freitagmittag für eine Runde Sport aufs Rad, schiebt man sich natürlich an der Blechlawine vorbei. Und schaut man mal etwas genauer in die Cockpits, sieht man dort in den seltensten Fällen mehr als eine Person in einem Auto. Der so viel gescholtene Individualverkehr: er findet nach wie vor statt.

Was ich mich hier heute gefragt habe: Wenn doch eh jeder alleine fährt, warum dann eigentlich diese riesigen Autos? Selbst ein kleiner Viersitzer, wie ich ihn habe, ist für den Zweck noch überdimensioniert, von einer Limousine oder einem SUV ganz zu schweigen.

Muss nicht genau der sein und die gleichen Eigenschaften haben, aber wenn es nur ums Pendeln geht, hat der Renault Twizy genau die richtige Größe (Bild: Renault).

Den Luxus, den ein Auto bietet (flexibel, regendicht, schnell, bequem, keine Körperkraft notwendig) möchte niemand missen, verstehe ich gut. Aber warum belässt man es dann nicht bei Ultrakleinstwagen von der Größe (nicht unbedingt dem Aussehen und der Offenheit) eines Renault Twizy? Es würden mehr davon auf die Straße passen, Rückstaus würden kürzer, es würde weniger Abstellfläche benötigt. Platz für 1 Person + 1 Wocheneinkauf/zweite Person = das perfekte Pendlerauto. Warum nicht mehr davon?

An den letzten Abenden habe ich mich dazu gezwungen, meine Unterlagen für die Einkommensteuer 2019 + 2020 zusammenzusuchen und die für 2021 schon einmal vorzubereiten, mit allem, was schon da ist. Ist so ungefähr das spießigste, was man mitten im Hochsommer (falls man das so nennen kann) abends machen kann, aber ich wollte das ein für alle Mal erledigt haben.

Es gibt kaum etwas, wovor ich so sehr zurückschrecke, wie vor Buchhaltung, Steuer und anderem Papierkram – und was seinen Schrecken dann auch ebenso schnell verliert, wenn man einmal dabei ist. Wie der größte aller Endgegner, den du nach fünf Schuss dann doch schon erledigt hast.

Diesmal falle ich aber nicht in alte Verdrängungsmuster. Deswegen hier ein Reminder to my future Self, wie leicht so eine Einkommensteuererklärung(svorbereitung) eigentlich ist:

  • Du nimmst alle Nachweise, die du schon für deine Umsatzsteuervoranmeldungen herausgesucht und verbucht hast.
  • Du schaust die Kontoauszüge/“Finanzreporte“ der betreffenden Monate durch, was zusätzlich noch EKSt-relevant sein könnte und suchst auch dafür die Nachweise zusammen
  • Das sind Reisekosten, Gesundheitskosten, Fortbildungen, Versicherungen, Altersvorsorge, Handwerkerrechnungen, Wohnnebenkosten für das Arbeitszimmer, Spenden und andere Rechnungen, die aus irgendeinem Grund umsatzsteuerfrei waren oder dafür nicht relevant, nun aber noch zählen können.
  • Das alles sortierst du zusammen, elektronisch, Papier, egal, und gibst es dem Steuerberater, der den Rest macht. Fertig.
  • Wenn du schlau bist, suchst du die passenden Rechnungen schon dann heraus, wenn du gerade deine USt.-VA machst. Es kostet dich nur 5 Minuten extra.
  • Und wenn du die komplette Übersicht haben willst, verbuchst du die USt-VA mit samt den Extra-Rechnungen für die EKSt.-Erklärung nicht quartalsweise, sondern monatlich. Es wird dich nicht länger als eine halbe Stunde kosten.
  • Ja, dann bist du halt nen Spießer! Aber du hast 1 große Sorge weniger, die die jedes Mal viel Zeit und Geld kostet.

Okay, und jetzt weiter mit interessanten Themen.

Vielleicht ist es einfach allgemein keine gute Idee, wenn Politiker Bücher schreiben… Klar, sie haben viel zu sagen. Aber die geborenen Schriftsteller scheinen sie selten zu sein…

Müssen sie in meinen Augen aber auch nicht sein. Sie sollen gute Politik machen und sonst eigentlich nichts.

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Hm

Essen für alle

Das Radio meldete gerade, dass im ersten Rutsch über 150 Millionen Euro an Sachspenden für die Opfer der Flutkatastrophe zusammengekommen seien. Das ist sehr löblich, auch wenn das natürlich nicht reichen wird.

Mir fiel aber vor allem etwas Anderes auf, als ich vor einer Woche für einen Tag dort helfen war: Von Sachspenden konnten sich die Leute dort kaum noch retten, die Koordinationsstellen winkten sogar ab. Auch für Helfer gab es en masse zu trinken und zu essen. Das war nicht das Problem.

Ich finde, das vergisst man all zu oft. Dass Lebensmittel hierzulande so billig und im Überfluss vorhanden sind, dass wir die Straße damit pflastern könnten. Es ist so billig und wir haben so viel davon, dass wir uns selbst konditionieren müssen. Welthistorisch gesehen ist das alles andere als selbstverständlich. Es ist eine Errungenschaft, die heute kaum noch einer zu schätzen weiß. Sollte man sich aber hin und wieder mal ins Gedächtnis zurückrufen.

Das gleiche mit dem Leben in relativer Sicherheit, mit sehr vielen Freiheiten, mit einem funktionierenden Gesundheitssystem. Wo beinahe jeder ein Dach über dem Kopf hat. Weswegen es ja so schmerzt zu sehen, wie viele Menschen an Ahr und Erft da jetzt genau das temporär verloren haben. Sicher: Es ist längst nicht alles perfekt, aber setzen wir trotzdem alles daran, diese Errungenschaften zu behalten und nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen!

Du sollst dein wichtigstes neues Produkt vorstellen. Dann verlegst du die Präsentation mitten in den Hochsommer, informierst die Presse vorher (und hinterher) nicht, kündigst an, das Ding nur in China verkaufen zu wollen. Und das Gerät selbst – wird bis auf ein klares Highlight so lala. Ich fürchte, Huaweis Smartphone-Sparte hat so langsam fertig. Der Bann durch die US-Regierung war in meinen Augen übertrieben und nicht fair, aber in jedem Falle wirksam. Schade, ich mochte die…

Portugal knüpft Corona-Lockerungen an die Impfquote. U.a. Wegfall von Maskenpflicht im Freien, wenn im September 70 Prozent geimpft sind, Öffnung von Kneipen und Nachtclubs, wenn es im Oktober 85 Prozent sind. Das ist gar nicht mal so dumm, auch wenn ich für die Leute hoffe, dass es da nicht zu Nötigungen und Drangsalierungen kommt… Glaube ich aber gar nicht mal. In Deutschland würden Impfverweigerer eher vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, als sich zum Wohle der Allgemeinheit impfen zu lassen.

Wir müssen die Kommunisten besiegen, indem wir Pingpong spielen… Der Deutsche Dimitrij Ovtcharov macht das Spiel seines Lebens und verliert dennoch gegen den – so gesehen – Michael Jordan des Tischtennis, Ma Long aus China, knapp mit 9:11 im 5. Satz. Mir ist Dimo nicht unbedingt sympathisch, aber das hätte er eigentlich verdient gehabt:

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Right

Impfen

60 Prozent der Über-18-Jährigen in Deutschland sind jetzt mindestens 1x gegen Corona geimpft, 50 Prozent 2x. Gehen wir mal davon aus, dass noch nicht alle, die wollten, an Impfstoff gekommen sind, dass einige erstmal in Urlaub wollten und dass der eine oder die andere sich vielleicht doch lieber erstmal überreden lassen wollte. Dann kommen da sicher noch einige Nachzügler. Ich rechne mit 66 Prozent vollständig Geimpften bis Ende September. Mehr werden es wohl nicht mehr werden, sagt mir mein Gefühl.

Und eigentlich könnte mir das egal sein. Ich darf alles wieder, mir wird jetzt nichts mehr passieren. Und genau das wünsche ich denen, die sich nicht impfen lassen sollen (Schüler etwa – warum eigentlich nicht?) oder können (!) auch. Denen wünsche ich ein wenig Normalität mehr denn je. Sollten sich auch Impfverweigerer einmal überlegen: Es geht nicht um euch, es geht um die Anderen!

Die aktuellen Zahlen aus UK und den Niederlanden klingen eigentlich fast zu schön um wahr zu sein. Vierte Welle dort eventuell schon gebrochen. Vergleichsweise sehr niedrige Zahlen von Krankenhauseinweisungen, Intensivbettenbelegungen und Toten. Wie der Tagesspiegel meldet, könnte das aber auch schlicht mit den Schulferien dort zusammenhängen. Wenn hier Optimismus angebracht ist, dann also erstmal vorsichtiger. Aber mit etwas Glück und Verstand kämen wir auch hier trotz schon beginnender vierter Welle und 1/3 Impfverweigerer um weitere Lockdowns herum. Das wäre doch was.

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Yeah

Superspießerevent

Ich, ein Spießer? Niemals!

Aber ich fahre E-Bike und trage einen Helm dazu. Natürlich nur, um damit Sport zu machen und auf Tour zu gehen.

Ich gehe an den meisten Abenden etwa zur gleichen Zeit schlafen und am Wochenende auch mal eine Stunde später. Aber nur, weil mein Handy sagt, die Forschung lehre uns, dass regelmäßige Schlafzyklen das Wohlbefinden stärkten.

Ich trinke kaum noch Alkohol. Aber nur, weil mir das wirklich nicht mehr viel gibt und ich ohne genauso viel Spaß haben kann.

Ich esse kaum noch Fleisch. Aber nur, weil Käse ja genauso gut schmeckt wie Wurst, ach was: besser! Und weil ich dieses Fleischersatzzeug wirklich, wirklich mag.

Ich fahre einen Volkswagen, aber nur, weil das Auto, das ich vorher hatte, superunzuverlässig war und keinen TÜV mehr bekommen hat.

Mein Abendessen habe ich mittlerweile auf etwa 1700 Uhr verlegt. Danach nehme ich an den meisten Tagen keine Kalorien mehr zu mir. Aber nur, weil ich ein für alle Mal schlank werden, meine natürliche Körperform finden und dafür abnehmen will. Seit drei Jahren jetzt.

Ich habe jetzt endlich das mit der Altersvorsorge geregelt. Aber nur, weil die gesetzliche Rente ja hinten und vorne nicht mehr reichen wird.

Heute bin ich früher vom Training weg und nur noch kurz mit ins Vereinsheim gegangen. Aber nur, weil ich dringend meine Steuer fertig machen muss. Abends um neun.

Ich ärgere mich, wenn junge Leute auf dem Platz vor meinem Fenster in der Woche nachts um 2 noch Krach machen. Aber nur, weil ich schlafen muss, um tagsüber meinem seriösen Job nachzugehen, um Geld zu verdienen, um mir den Urlaub und die Yuppie-Wohnung im gentrifizierten Stadtteil leisten zu können.

Spießer? Ihr vielleicht!

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Yeah

Barbier

Ich kann mittlerweile verstehen, warum Leute gerne zu einem guten Friseur gehen. Man fühlt sich da wie ein König oder eine Königin auf dem Thron und erhascht ein kleines bisschen Wellness in der Ödnis des Immergleichen. Mein letzter Besuch dort ist 15 Jahre her…

Heute dann mein erster Besuch überhaupt bei einem Barbier. Ich hatte während Corona meinen Bart immer weiter wachsen lassen, um ihn dann nach der Impfung mal richtig hübsch machen zu lassen und Corona für mich damit abzuschließen. Noch am selben Nachmittag nach meiner 2. Impfung hatte ich dort einen Termin ausgemacht. Nun war es so weit.

Man bot mir einen Whisky an (ich habe angenommen), der mir zugeteilte Barbier beriet mich erst, dann schnitzte er filigran eine halbe Stunde lang mit dem Haarschneider, der Schere, dem Rasiermesser, wieder dem Haarschneider, wieder dem Messer und wieder der Schere Muster in die Kanten meines Barts. Hat gepudert, gepinselt, gekämmt, aufgetragen, wieder gepinselt, noch einmal gepudert und wieder aufgetragen. Und dann gab es noch ein paar Minuten unter einem heißen, feuchten Handtuch.

Ich muss hinterher wie ein Honigkuchenpferd gestrahlt haben, und wollte allen Leuten davon erzählen. Ich glaube, ja, das Klischee, dass Frauen (und Männer!) sich darüber freuen, wenn man ihnen nach einem Friseurbesuch Aufmerksamkeit schenkt, kommt nicht von Ungefähr. Das macht die Welt ein Stückchen besser.

Ich freue mich auf meinen nächsten Termin in 15 Jahren.

(Corona ist natürlich noch nicht vorbei, leider. Aber ich habe beschlossen, jetzt einfach so weiter zu leben wie vorher. So gut es eben geht.)

(Und so viel anders sehe ich übrigens gar nicht aus. Bart jetzt etwas kürzer und ordentlicher und bisschen hübscher ist’s sicher auch.)

(Nächste Station: Optiker. Endlich mal eine Brille finden, die zu mir passt.)

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Sigh

Federalism kills

Alexander Krei schrieb vergangene Woche einen lesenswerten Beitrag darüber, wie WDR, SWR und Katastrophenschutz bei den Unwettern an Ahr, Wupper und Erft mit über 100 Toten allesamt sehr, sehr schlecht ausgesehen haben. So haben SWR und WDR in den Wetter-Beiträgen im TV vom Abend vor der Katastrophe vor ein paar nassen Füßen gewarnt. Die Einspieler zeigten Camper, die sich beklagen, weil Campen bei Dauerregen ja keinen Spaß macht. So wurde aber auch der SWR offenbar nicht über die höchste Gefahrenlage gewarnt. Das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz schrieb Krei auf Nachfrage, dass die Warnung der Bevölkerung Ländersache sei:

„Die Einschätzung der Gefahrenlage erfolgt […] zunächst lokal in den Katastrophenschutzbehörden vor Ort und wächst bei Bedarf bis auf Landesebene auf.“

Krei dazu:

„Offenkundig muss es also irgendwo zwischen all den Zuständigkeiten versäumt worden sein, den SWR in der tödlichen Flut-Nacht über die wichtige Gefahrendurchsage zu informieren.“

Das darf doch bitte nicht wahr sein, dass wegen irgendeinem Zuständigkeitsquatsch lebenswichtige Warnungen untergehen. Es kann doch nicht angehen, dass unser eigentlich löblicher Föderalismus zu einer kafkaesken Maschine mutiert ist, in der jeder nur seins macht, in der unliebsame Entscheidungen nach oben oder unten delegiert werden und die Institutionen untereinander stille Post spielen. Es sterben Menschen deswegen! Wann fangen wir endlich mal an, die Kommunikationswege der Behörden zu optimieren?

Die Cleveland Indians sind jetzt die Cleveland Guardians. Ein toller, kurzer Spot dazu auf Twitter mit Tom Hanks als Erzähler beweist sehr schön, warum Veränderung keinesfalls immer schlecht sein muss.

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Hm

Let’s face it

# Ich könnte hier jetzt heroisch mit einem Helfie posieren, wie drei Kumpels und ich am Freitag spontan einer älteren Dame an der Ahr in Sinzig geholfen haben, ihren Garten und Keller per Kärcher und Schubkarre vom Hochwasser-Schlack zu befreien. Aber am Ende wäre das auch nicht viel mehr als Katastrophentourismus.

# Ja, wir wollten helfen, ja, wir haben geholfen. Aber am Ende war es auch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein an einem Ort, an dem es eigentlich schon viel Hilfe gab (was sehr löblich ist!). Es war gut, mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Leute dort durchgemacht haben. Aber richtig etwas verändern konnten wir nicht. Und ganz ehrlich: Angesichts der Ausmaße würde es wohl erst etwas verändern, wenn ganz Bonn einen Monat lang täglich dort aushilfe, wo es am dringendsten ist.

# Geld überweisen. Vor ziemlich genau 10 Jahren schrieb ich auf Basic Thinking mal einen Beitrag darüber, dass Geld überweisen so einfach und schnell wie E-Mail schreiben sein müsste. Das war noch vor dem Aufkommen von Fintechs, der Standard-Umstellung auf IBAN und vor Echtzeitüberweisungen. Von einigen Kommentatoren wurde ich zurechtgewiesen, ich solle doch bitte nur von Dingen schreiben, von denen ich Ahnung hätte. Gerade eben habe ich einem Bekannten Geld gepaypalt. Nicht einmal eine Minute später whatsappte er zurück: „danke, ist angekommen!“. Das geht natürlich schon länger, aber erst da fiel mit auf, dass Geld überweisen heute wirklich so einfach wie E-Mail schreiben ist (und es trotzdem noch einfacher ginge). Und dass jeder, der mal eine Idee für eine bessere Welt hat, sich bloß nicht von Miesmachern die Suppe vollweinen lassen sollte.

# Verbal fighting. Vorhin zog ich als Regenschutz eine Plastiktüte über den Sattel der E-Schwalbe, die ich gerade teste und die ich vor unserem Haus geparkt habe. Das urige Retro-Design im knalligen Orange sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit. Eine ältere Dame aus dem Nachbarhaus bemerkte im Vorbeigehen, „oh, fährt die elektrisch?“, und entschuldigte sich im gleichen Moment lachend: „Damit wollte ich nicht ausdrücken, dass ich damit nicht einverstanden gewesen wäre, wenn sie nicht elektrisch wäre.“ Ich lachte freundlich zurück: „Ganz ehrlich? Das wäre mir auch egal gewesen.“ Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich reagiere bereits auf mögliche Kritik immer noch übertrieben wehrhaft. Aber es wird langsam besser. Und ich glaube mittlerweile, das ist durchaus nicht unangebracht in dieser Gesellschaft, sich rhetorisch so gut es geht verteidigen zu können. Der Tag wird kommen, an dem ich das mal für etwas wirklich Wichtiges brauche.

# Corona-Sensationalismus: Ich dachte, ich wäre der letzte, der Meldungen über Corona übertrieben nennen würde. Aber mittlerweile ist es so weit. Der Beitrag unten stammt aus der FR von heute Abend, aber er hätte genauso gut aus einer der 1.000 anderen derzeit gleich klingenden Online-Postillen stammen können. Und er kann einem eine Heidenangst einjagen. „Rasant steigende Inzidenz“. 😱 „Trotz aller Warnungen!“ 😱😱 „Delta-Variante kaum noch kontrollierbar“ 😱😱😱.

Nein, ich fange jetzt nicht an zu schreiben, dass da eine große Verschwörung in Gange wäre. 😉 Aber kritisieren muss ich die Kollegen trotzdem. Denn vor der Sensationalisierung sollte der Blick doch wenigstens einmal auf alle Zahlen fallen. Ja, über 40.000 Neuinfektionen pro Tag sind eine Menge. Allerdings sieht es für mich ganz klar so aus, als wäre Britain längst over the peak. Die Zahlen sinken schon wieder, die vierte (oder eigentlich da erst dritte) Welle scheint gebrochen:

64 Todesfälle an einem Tag, dazu 618 Patienten landesweit auf Intensivstationen und 4.658 Patienten in Krankenhäusern. Das ist nicht nichts, aber das ist gerade mal noch ein Fünftel bis ein Zehntel von dem, was GB bei der letzten Welle trotz Lockdowns im Winter verzeichnet hatte. Und diesmal hat wohl gemerkt alles wieder auf. Die Leute feiern in Discos, sie sitzen vollgepackt in Restaurants und Pubs. Trotzdem: vergleichsweise sehr wenige Todesfälle…

… deutlich weniger Krankenhauseinweisungen und Personen auf Intensivstationen:

Spielt das überhaupt gar keine Rolle mehr? Geht es nur noch um die Zahl der Infizierten? Der Eindruck, der nach Lektüre solcher Nachrichten wie oben bei den Leuten aber bleibt, ist: „Boris Johnson ist ein Vollidiot, die spinnen, die Briten, sie spielen mit Menschenleben und sie handeln völlig unverantwortlich“. Nein, tun sie (ausnahmsweise mal) nicht. Andere Länder, die mit dem Impfen noch nicht so weit sind, sollten und dürfen vorsichtig sind, wen sie da aus GB ins Land lassen und wen nicht. Aber Britain itself is doing just fine. Und das darf man ruhig auch mal so aufschreiben.

# Die letzte Folge der 2. Staffel von „The Mandalorian“ setzt Maßstäbe, mehrfach. Großartig!

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Argh

Hell is other Verkehrsteilnehmer

Egal, ob ich in letzter Zeit mal zu Fuß, mit dem Auto, dem Fahrrad oder, wie aktuell, einem E-Moped unterwegs bin: Sie rauben mir den letzten Nerv, diese sonderbaren Verkehrsteilnehmer. Raser, Drängler und rabiate Radfahrer meine ich nicht, die kennt man ja schon, ohne die würde fast etwas fehlen. Es sind eher diese bisher kaum besprochenen Speziäe:

  • Die Nur-Nach-Gehör-über-die-Straße-Geher: Sie gehen einfach, wenn kein Auto zu sehen ist. In letzter Zeit sehe ich vor allem alte Männer, die das tun. Oh, und ich meine hier nicht diejenigen welchen, die schon zum Gehen angesetzt haben, mit einem Bein auf dem Radweg stehen und dann doch noch stoppen. Ich meine Leute, die einfach so gehen. Die schon zwei Meter weit auf der Fahrbahn sind, wenn du gerade den Berg runtergerauscht kommst. Die dich noch nicht einmal bemerkt haben, wenn du mit deinem – erstaunlicherweise – lautlosen Fahrrad schon direkt hinter ihnen bist. Überfahren darfst du sie natürlich trotzdem leider nicht.
  • Die Komme-Was-Wolle-zu-zweit-Nebeneinander-Geher: Ihr trefft sie vor allem gerne vor euch auf schmalen Fußwegen, wenn ihr es selbst gerade eilig habt. Sie bestehen darauf, nebeneinander zu gehen und dabei den ganzen Weg auszufüllen. Sie bemerken euch aber nicht hinter sich, egal, wie laut ihr absichtlich schlurft oder wie sehr ihr ihnen schon in den Nacken atmet. Natürlich gibt es genau dann keine Möglichkeit, irgendwie zu überholen, meist weil Gegenverkehr kommt. Ihr könnt gut und gerne 50 Meter lang hinter ihnen hergehen, sie hören euch erst, wenn ihr euch laut räuspert oder sie irgendwann ansprecht und wörtlich bittet, zur Seite zu treten.
  • Die 40-in-der-50er-Zone-Fahrer: Sie fahren gerne vor euch im dichten Feierabendverkehr. Die Ampel habt ihr hinter euch gelassen, die Tempo-30-Zone ist gerade vorbei, aber der im Auto vor euch macht trotzdem keine Anstalten, in irgendeiner Art und Weise schneller zu werden. Er bleibt bei 30 oder – sehr gerne auch – 40, da wo 50 erlaubt sind. Könnte ja bald die nächste Ampel kommen… Gibt es natürlich nicht nur in 50er-Zonen. Jeder kennt auch die, die nach einer Ampel auf der Landstraße weiter 70 fahren. Neulich habe ich mal mit dem Fahrrad in einer Tempo-30-Zone ein Auto überholt, das stoisch bei 25 blieb.

So sehr die Hölle hier die Anderen sind. So sehr ist es manchmal auch die Verkehrsführung, die sie dazu treibt. Oft sehe ich einen Tempo-30-Hinweis mit gleichzeitigem Baustellen-Schild, obwohl die Baustelle da schon lange nicht mehr ist. Manchmal fehlt ganz offensichtlich das Schild, das eine Beschränkung wieder aufhebt. Es gibt Autofahrer, die bergauf hinter und neben mir auf dem Rad herkriechen, weil sie wegen des 1,50-Abstandsgebots nicht überholen dürfen. Eine völlig unrealistische Regelung, in meinen Augen, die den dichten Feierabendverkehr noch weiter ausbremst und die Autos zu gefährlichen Überholmanövern verleitet. Wie übrigens auch Autos und vor allem LKW, die mich auf dem E-Moped überholen, weil das aus absurden gründen nicht schneller als 45 km/h schnell sein darf.

Es ist immer wieder ein Chaos da draußen. Und du kannst dir nie sicher sein, dass du da lebend wieder raus kommst. Du bist den Anderen hilflos ausgeliefert und wenn es nicht um gefährliche Situationen geht, dann rauben sie dir mit ihren Marotten den allerletzten Nerv.

Ich weiß schon, warum ich lieber im Home Office arbeite.

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Sigh

Der sonderbarste Sommer aller Zeiten

Vielleicht wundert sich der eine oder die andere, wenn er/sie das jetzt liest, aber, ja: Wir haben tatsächlich gerade Sommer.

Das soll keine Schelte alleine über das Wetter sein, das wäre auch zu billig. Aber dieses nur manchmal warme und sonnige Wetter ist auch eine der Komponenten für diese komische Zeit gerade:

  • Es ist plötzlich alles wieder möglich, aber gleichzeitig nicht sinnvoll. Du kannst dich sogar ungeimpft und ungetestet in eine Gaststätte reinsetzen. Du kannst in Kellerbars gehen. Viele Leute tun das auch und denken sich nichts dabei. Die Tatsache, dass ich das vorerst nicht mache, kommt mir zwar vernünftig, aber schon ungewöhnlich vor. Ich könnte es, es würde mir Spaß machen und trotzdem mache ich es nicht, weil – Virus.
  • Es wird nicht gut ausgesehen. Das ahnt man im Grunde jetzt schon. Die Nachbarn haben schon die vierte Welle, wir beschwören sie gerade mit aller Macht herauf. Spätestens im September sind wir dann auch so weit.
  • Damit einher geht wohl auch der nächste Lockdown. Und das ist umso absurder, als dass man das jetzt schon weiß und es dadurch unausweichlich scheint, obwohl es das streng genommen nicht sein müsste.
  • Und wenn du beim Gedanken an einen Lockdown bloß müde abwinkst, stimmt auch irgendwo was nicht. Keine Angst, kein Ärger, nur noch Gleichgültigkeit. Wir hatten jetzt schon so viele davon, machen kannste eh nix. Soll er halt kommen, ich komm drauf klar, muss ich ja, schaffe ich auch.
  • Ärgerlich ist nur, dass trotzdem kein Ende in Sicht ist. Wann ist der Driss endlich vorbei? Dieses Jahr noch? Erst im Frühling? Nie? Wann kann ich wieder nach Singapur reisen? Oder Australien? Keiner weiß es.
  • Dann sollte mein Urlaub Mitte August eigentlich in die Niederlande gehen. Aber da sind sie jetzt schon so weit, wie wir erst im Herbst. Risikogebiet aktuell, Hochinzidenzgebiet ziemlich sicher bis dahin. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von aktuell über 400. Mit entsprechenden Einschränkungen. Könnte ein toller Urlaub werden…
  • Dabei sind die Krankenhäuser dort leer, wenn ich das richtig sehe. Die Niederlande verzeichnen in den letzten Tagen Zahlen der an und mit Corona Verstorbenen im einstelligen Bereich. Landesweit wohl gemerkt. Laut dem niederländischen Institut für Gesundheit und Umwelt sind in der vergangenen Woche ganze 31 Patienten auf Grund von Corona auf die Intensivstation verlegt worden. Pro Woche, nicht pro Tag. Trotz tausender neuer Corona-Fälle täglich. Das klingt jetzt wirklich nicht mehr gefährlicher als die Grippe (Impfung sei dank?). Was sagt also die Zahl der Erkrankten und die 7-Tages-Inzidenz überhaupt noch aus? Sind wir dann nicht im Grunde schon so weit, dass wir „nach der Impfung“ zur Normalität zurückkehren könnten?
  • Und dann liegt derzeit diese gespenstische Stimmung über Bonn. Man merkt es irgendwie, dass 15 km weiter „Ground Zero“ ist. Viele Leute in Bonn feiern und genießen den Sommer zwar trotzdem, aber es fehlt ein wenig die Unbeschwertheit. Vielleicht ist es auch dieser Gedanke daran, dass so etwas erst der Anfang war von dem, was in Zukunft traurige Normalität werden wird: Naturkatastrophen noch und nöcher, die wir nicht verhindern können.
  • Und moralisch? Ich sehe viele Menschen in der Umgebung gerade ihren Camper packen und in Urlaub brausen. Sollte man nicht lieber hier bleiben und irgendwie helfen? Sollte man?
  • Sicher, die Meldungen widersprechen sich, ob da nun jeder einzelne zum helfen kommen soll oder ob der dann wieder weggeschickt wird. Und ich habe ja nicht frei, nur weil nebenan Katastrophe war. Die Arbeit brummt und die Steuer ist langsam aber sicher fällig, auch wenn ich das gerne geflissentlich ignoriere. Aber stimmt schon. Wenn man wollte, könnte man mit anpacken. Ich habe nur noch nicht herausgefunden, wie am besten. Und ich habe ganz ehrlich einen Heidenrespekt vor dem, was mich dort erwarten würde.

Kurzum: Nee, so ist das alles nichts. Irgendwie müssen wir da in diesen Sommer noch den Turn reinkriegen. 🙂

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Yeah

Eine Woche ohne Dusche

Der Traum eines jeden kleinen Jungen – ausprobiert, damit ihr es nicht müsst.

Aber im Ernst, wie kam ich da jetzt drauf? Vergangene Woche Donnerstag habe ich meine Zweitimpfung mit Biontech bekommen (worüber ich sehr dankbar bin). Am nächsten Morgen kam ich kaum aus dem Bett. Kaffee, Dusche, alles half nicht, ich war wie in Watte gepackt. Als auch am Samsung klar war, dass ich wohl noch etwas länger unter den Nebenwirkungen laborieren würde, stand ich mehr oder weniger gar nicht erst auf.

Am Sonntag kam mir die Idee, da vielleicht ein kleines Experiment draus zu machen. Wie lange würde ich ohne eine Dusche durchhalten? Die Zeit war eigentlich perfekt. Sport konnte ich wegen der Erkältungserscheinungen eh nicht machen, Leute treffen auch nicht so wirklich, das Wetter war eher frühlingshaft als sommerlich.

„Ohne Dusche“ heißt übrigens nicht, dass ich gar keine Körperhygiene betrieben hätte. Mein Deo und etwas Parfüm benutzte ich weiterhin. Einige sensible Stellen wusch ich einzeln trotzdem, bei anderen wie Achseln, Kniekehlen, Ellenbogen… kam täglich meine Geheimwaffe feuchtes Toilettenpapier zum Einsatz. Ich dürfte also all die Tage nicht gestunken haben. Ist das Zeug denn gut für die Haut? Na ja geht so, könnte schlechter:

Wasser ist unbedenklich. 😅 Das ist doch toll.

Am Montagabend nahm ich in Köln am Fühlinger See an einem Stand-up-Paddle-Kurs teil. Ich hatte mich vorher noch mit Sonnenmilch eingecremt, fiel aber während des Kurses fünf, sechs Mal in den See. Auch eine Art Duschersatz. Hinterher hätte ich trotzdem normalerweise noch geduscht. Aber, come on. Ein recht natürlicher See ohne viel Verschmutzung. Viel besser geht es doch kaum. Zuhause befreite ich allerdings meine Füße unter der Brause noch einmal vom Sand.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (die Tage 4-5) wurde es langsam fies. Also nicht in der Form dass ich gestunken hätte (dürfte ich nicht haben), sondern dass es auf der Haut unangenehm wurde und stellenweise anfing zu jucken. Das kann natürlich an den Erzeugnissen der Mücken und Wasserflöhe gelegen haben, die montags auf dem See wie Hyänen über mich herfielen (Zufall?). Einige Körperstellen hatte ich da wirklich tagelang nicht von Hand gesäubert. Zum Beispiel die Beine bis auf die Kniekehlen oder den Rücken.

Am Mittwoch an Tag 5 hätte ich am liebsten aufgehört. Es wäre einfach herrlich angenehm gewesen, über den ganzen zirpenden Mist (Körper) mal fünf Minuten lang eine Ladung Wasser zu gießen. Statt dessen versuchte ich, beinahe den ganzen Körper mit feuchtem Toilettenpapier abzureiben. Für ein kurzzeitiges Frischegefühl kaum schlechter als eine Dusche.

Meine Haut jubelte indes. Musste ich eigentlich sonst einige Stellen nach dem Duschen immer eincremen, war diesmal alles schon von Haus aus „in Butter“ (kann natürlich auch an der regenbedingt hohen Luftfeuchtigkeit gelegen haben). Selbst meine Haare – seit Tagen nicht entölt – schimmerten nicht fettig und fühlten sich auch nicht so an. Na gut: Die Glatze habe ich regelmäßig mit feuchtem Toilettenpapier poliert, der Haarkranz ist aktuell nur 2mm lang. Da sieht man keine fettigen Haare. Aber abgesehen davon, dass es oberflächlich an einigen Stellen ein wenig juckte und ziepte, fühlte ich mich „tief drin“ wohl in meiner Haut.

Bei unseren Vorfahren, ja selbst bei unseren Eltern und Großeltern, war es keinesfalls usus, täglich zu duschen. Dermatologen nennen das ohnehin einen Irrsinn. Wir tun es für das tägliche Frischegefühl, auch ein wenig, um abzuschalten und morgens in die Gänge zu kommen. Wirklich notwendig ist das nicht, gut für die Hautflora auch nicht.

Es kam, wie es kommen musste. An Tag 7 (heute) wachte ich morgens auf und dachte mir: Och, eigentlich könntest du noch ein paar Tage so weiter machen. Passt doch alles.

Dass ich mir jetzt gleich nach dem Runtertippen dieser Zeilen doch noch noch ein Bad gönnen werde, hängt schlicht damit zusammen, dass ich gerade zum ersten Mal seit einer Woche wieder Sport gemacht habe. Und nee, sorry. Schwitzen und danach nicht duschen geht für mich nicht. Das musst entklebt werden. Bin gespannt, wie das wird. Sich in Wasser legen: komische Vorstellung. Kriege ich da am Ende Ausschlag von? 😅

Und jetzt? Was habe ich daraus gelernt? Na ja, zum einen ist die Welt nicht untergegangen. Wenn jetzt mal das Wasser ausfallen sollte oder ich unterwegs auf Reisen bin: Mal einen Tag oder gar drei nicht duschen?! 😱 Früher undenkbar. Jetzt hat die Vorstellung irgendwie ihren Schrecken verloren. Gut so!

Im Alltag würde ich es jetzt den Gegebenheiten anpassen. Tatsächlich mache ich an den meisten Tagen der Woche Sport und danach brauche ich eine Dusche. Aber an Tagen, an denen es kalt ist, ich hier im Home Office keinen treffe, mich nicht viel bewege und auch so irgendwie in die Gänge komme? Werde ich wohl immer mal wieder einen Tag skippen. Kein Problem.

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Right

Elfenbeinturm

Heute Morgen wachte ich auf, und es war ruhig. Ich ging auf meinen Balkon, lukte raus und sah nichts Besonderes. Es schien noch weiter geregnet zu haben in der Nacht, wie auch schon fast den ganzen Tag davor. Nervig, kein echter Sommer halt, aber mehr auch nicht.

Hätte ich 30 Kilometer weiter weg gewohnt, könnte ich jetzt tot sein. Die Nachrichten heute sind unfassbar. Im Kreis Euskirchen sind 15 Menschen tot, an der Ahr, wo ich gerne wandern gehe, mindestens 18. Viele weitere werden vermisst. Zur Stunde meldet Tagesschau.de 58 Tote und noch viele Vermisste. Das ist schon jetzt eine größere Katastrophe als das Oder-Hochwasser von 2002. Und dabei hat es „bloß“ einen Tag lang geregnet…

Die Leute dort dachten wahrscheinlich das gleiche wie ich. Dass es halt was mehr regnen würde. Dass, wenn es schlecht läuft, nachher vielleicht der Keller unter Wasser steht. Mehr nicht.

In Schuld an der Ahr sind nun ganze Häuser eingestürzt. Die Leute wurden in der Nacht vom Wasser überrascht und hatten teils nicht mehr Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. In Wuppertal ist eine Talsperre übergelaufen, bei der nahe Euskirchen droht die Staumauer noch zu brechen. Meine Güte, was ist los…

Klimawandel, sagen die einen. Kann gut sein. Aber ganz ehrlich: Was feilschen wir jetzt noch darum, wie viel Grad mehr wir dem Planeten zumuten können? Das ist doch längst zu spät. Die Katastrophe ist da und von jetzt an wird es nur noch schlimmer werden. Tun wir doch alles dafür, um es nicht weiter zu verschlimmern und betreiben wir lieber proaktives Katastrophenmanagement. Darum wird es auch in der nächsten Wahl gehen. Eigentlich egal, wer gewinnen wird, denjenigen bleibt gar nichts anderes übrig, als sich des Themas anzunehmen.

Ich sitze hier derweil in meinem Elfenbeinturm und weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Das hier scheint der sicherste Ort der Welt zu sein. Eine stabile Demokratie, Freiheit, Sicherheit, gemäßigtes Klima, Reichtum. Und morgens stehst du auf und hast keine Katastrophe vor der Tür (toi, toi, toi, zu allem).

Aber machst du es dir zu bequem, rettest du die Welt auch nicht.

Update: Und ach so und ach ja, wo ich jetzt die ersten Reels sehe, wie wenig Armin Laschet und alle Kanzler(kandidaten) vor ihm sich herzlich wenig für den Klimawandel geschert haben, wo der „Spiegel“ doch schon 1986 einen Kölner Dom im Hochwasser auf dem Titelbild hatte.

Ganz ehrlich: Wer von uns hat das denn?!? Politiker machen doch auch nichts Anderes als das, was wir nur vehement genug von ihnen fordern. Und da hat das vor Greta eben nur eine kleine Minderheit. Oder anders gesagt: Der, der die letzten 20 Jahre herzlich gerne Fleisch gegessen hat, rege Billigflieger genutzt, seine Klamotten aus China online bestellt und lieber in ein neues iPhone statt in Infrastrukturprojekte in armen Ländern investiert hat, der werfe den ersten Stein.

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Yeah

There goes my Summer Holiday…

Schade…

Wie lange dauert es, bis so eine Welle gebrochen ist? Schafft ihr das in nem Monat?

Dann wollte ich eigentlich dahin…

Wobei die Impfungen anzuschlagen scheinen und das Ganze dann weniger bedrohlich wirkt…

Damit nachher keiner sagen, es hätte keiner ahnen können: In spätestens drei Wochen haben wir dieselbe Welle auch in NRW, wenn wir jetzt nichts tun.

Werden wir natürlich nicht.

Und wenn ich einfach jetzt schon fahre…? 🤔

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Hm

Notes to self

# Was mir bei einer Krankheit (oder den Nebenwirkungen einer Impfung) am besten hilft, um die Zeit totzuschlagen: Online-Shopping. Minimal anspruchsvoll, komfortabel, zeitraubend, notwendig. Ich kaufe natürlich nur notwendige Dinge…

# Wenn ich meditiere, bin ich danach meist ein paar Minuten früher mit Dingen fertig. Wenn ich nicht meditiere, laufe ich gefühlt meist hinter meinen Aufgaben hinterher. Das ist der Hauptunterschied bei mir.

# Ich habe mich jetzt genug mit vermeintlicher Weltliteratur herumgeschlagen und mir bleibt maximal noch ein halbes Leben für den Rest. Von jetzt an ist für mich ein guter Roman nur noch ein solcher, den ich nicht mehr aus der Hand legen mag. Das gilt auch für dich, Kinder, Pink Floyd und so…

# Die Niederlande führen wieder Corona-Maßnahmen ein, nachdem sie erst kürzlich beinahe alle Corona-Beschränkungen aufgehoben haben. Überall im westlichen Ausland steigen die Infiziertenzahlen und die 7-Tages-Inzidenzen wieder deutlich. Aber wir in Deutschland sind wenigstens klug, lernen von den anderen, sehen das Unheil kommen und heben die Maßnahmen gar nicht erst auf. Dann hätten wir ja bald die nächste Welle und die wollen wir natürlich verhindern. Wir haben endlich dazu gelernt!

# Haha, nur ein Scherz. Natürlich machen wir die Discos trotzdem wieder auf. Schließlich ist die 7-Tages-Inzidenz ja unter 10 gefallen. Da kann keinem was passieren, richtig? 😃🤷🏻‍♂️

# Borgen, Staffel 1 nachgeholt. Politik und alle ihre Fallstricke, leicht und verständlich. Macht irre Spaß!

# Morgen steigt das EM-Finale und ich bin tatsächlich für Italien. Finde, die englischen Fans haben sich nicht gut benommen und jetzt der erste Titel nach über 50 Jahren, wo man gerade aus der EU ausgetreten ist… Würde das falsche Zeichen setzen und den Nationalismus noch weiter stärken. Obwohl ich’s dem Team und gerade Gareth Southgate schon gönnen würde.

# Ich mag dieses kurze Format hier. Vielleicht lässt sich damit hin und wieder arbeiten.

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Right

Never stop learning from other people

Gestern war ich mit Mattes und ein paar seiner Freunde auf dem Bukahara-Konzert. Ob das jetzt Corona-mäßig eine gute Idee war, wer weiß. Auf jeden Fall war es ein sehr netter Abend.

Wobei, eigentlich muss man das differenzieren. Denn ich habe mich anfangs sehr, sehr schwer getan, weil ich einiger in unserer kleinen Gruppe nicht kannte und ganz ehrlich verlernt habe, wie man mit Menschen, die man neu kennenlernt, interagiert. Als hätte ich damit nicht sowieso schon Schwierigkeiten, war ich jetzt durch Corona völlig eingerostet, musste praktisch gestern neu lernen, wie man kommuniziert.

Und das war sehr nett und aufschlussreich. B. erzählte mir von seiner Weltreise, wohin man in Indien gut reisen kann, und kam immer wieder humorvoll auf seine Suche nach der Liebe zu sprechen. Mit F. unterhielt ich mich eine Weile über Tischtennis. Und R. wusste an dem Abend noch nicht, ob er am nächsten Tag eine Konferenz würde leiten müssen. Sehr nette, normale Leute.

Mit dem Mattes war ich danach noch einen Absacker auf dem Frankenbadplatz trinken. Neben uns die Jungs gingen uns ziemlich mit ihrer Mucke auf den Sack. Aber wie das immer so ist, man sagt ja nichts. Irgendwann kam das Ordnungsamt und hat für Ruhe gesorgt. Die Jungs waren wenig begeistert.

Einer von ihnen kam danach in unsere Richtung getorkelt, haute vorher noch seine Flasche in den nächsten Mülleimer, schimpfte aufs Ordnungsamt und fragte uns, ob wir eine Zigarette für ihn hätten. Meistens sage ich in einem solchen Moment dann einfach: „Ich rauche nicht, sorry.“ Das habe ich mir irgendwie so als Standardfloskel angewöhnt.

Mattes antwortete aber etwas ganz anderes. Den genauen Wortlauf weiß ich nicht mehr, aber es war etwas wie: „Ist das dein Ernst? Ich geb dir doch jetzt keine Zigerette! Du hast dich gerade völlig daneben benommen, zeigst keinerlei Einsicht und jetzt willst du dafür auch noch belohnt werden?“

😳

Ich war einigermaßen baff. Ich hatte völlig verlernt, dass man solche Situationen nicht immer zwingend deeskalieren oder ignorieren muss. Man kann den Leuten ruhig mal höflich die Meinung geigen…

Wie ging es weiter? Der Typ begann sich zu rechtfertigen, Mattes legte nochmal nach, irgendwann gab der Typ auf und ging einfach zu seinen Leuten zurück. Wirklich interessant! Werde ich mir abschauen. Und chapeau, Mattes!

My point being: Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehe inzwischen meist mit einer gewissen Erwartungshaltung in Situationen. Oft liege ich damit richtig. Nach über 40 Jahren auf diesem Planeten hat man einiges an Erfahrung gesammelt. Aber vieles kommt am Ende eben doch anders und man beraubt sich vieler Erfahrungen, wenn man von allem ausgeht, das würde schon irgendwie so sein, wie man es erwartet. Als würde derjenige, den man da sieht, genau das sein, was man von ihm erwartet.

Oder anders gesagt: Ich werde mir in den Hintern treten, um ja nicht aufzuhören, von anderen zu lernen. Und generell weniger erwarten.

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Argh

Ich fürchte, das wird uns noch um die Ohren fliegen

Ich bin heute mal durch die Bonner Innenstadt gewandert und beinahe aus meinen Latschen gekippt. Da sitzen die Leute wieder engst an engst draußen oder halb draußen, abgeschirmt durch Schirme und transparente Wände, also praktisch drinnen.

Das sind Leute drinnen bei geschlossener Tür in einer Tanzschule und, nun ja, tanzen. Da sitzen Leute drinnen in Restaurants, obwohl draußen genug frei wäre. Und dann sah ich vor einem Restaurant noch das hier:

Komm, scheißegal, werfen wir alle Vorsicht über Bord. Corona ist ja gerade vorbei, oder?

Ich kann’s echt nicht fassen, dass so viele Leute anderthalb Jahre seit Corona offenbar immer noch nichts gelernt haben. Ihr wollt die Normalität zurück? Dann seid doch nicht so doof und verspielt das alles binnen ein paar Wochen.

Ja, ihr seid möglicherweise schon geimpft, ja, eventuell seid ihr negativ getestet. Aber das bringt doch nen Scheiß, wie auch der Vorfall in einer Discothek in Enschede zeigt.

Es tut mir Leid, ich kann’s nicht anders sagen: ihr seid einfach zu doof.

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Möh

Corona als Ausrede

Am Mittwoch spielen Bukahara open air in Bonn. Und zwei Freunde haben mich unabhängig voneinander gefragt, ob ich dahin mitkommen mag.

Ich habe nein gesagt. * / ** / *****

Die Band habe ich diesen Frühling rauf und runter gehört (was lustigerweise keiner der beiden Freunde wissen konnte) und eigentlich wäre ich sehr gerne mal wieder auf ein Konzert gegangen. Gab es ja auch immerhin schon über 2 Jahre nicht.

Und die Zahl bringt mich ein wenig zum Nachdenken. Denn, klar, anderthalb Jahre lang war das jetzt mehr oder weniger nicht möglich, auf ein Konzert zu gehen. Aber auch vor Corona kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt auf einem gewesen wäre. In der „lachenden Kölnarena“ war ich noch im Februar 2020, falls man das Konzert nennen kann. Aber auch dazu habe ich mich überreden lassen.

Oder anders gesagt: Großer Konzertgänger war ich noch nie. Und so langsam, wo ganz langsam und wahrscheinlich auch erst einmal nur vorübergehend wieder so etwas wie Normalität einkehrt, muss ich mir und müsst auch ihr euch die Frage stellen: Was habe ich nur wegen Corona nicht gemacht? Und wofür war Corona in den letzten anderthalb Jahren eine willkommene Ausrede?

Zum Beispiel habe ich mir in den letzten Monaten ausgemalt, wie ich die halbe Welt bereisen würde, mal einen Monat von hier, mal einen Monat von da aus arbeiten würde. Wenn der Corona-Mist doch bloß endlich vorbei wäre!

Die Chance dazu hätte ich schon seit Jahren gehabt, und ich habe sie seltenst genutzt. Das Maximum bisher waren 3 Wochen Singapur, von der 1 Woche Urlaub war. ***/**** Und jetzt, wo die Möglichkeit wieder zum Greifen nahe ist, merke ich, dass ich vor der Idee ganz schön Respekt habe. Einen Monat lang nicht meinem mittlerweile doch ganz schön durchstrukturierten Alltag nachgehen können, ein völlig ungewohntes Umfeld betreten, meine gemütliche Komfortzone verlassen… gruselige Vorstellung.

Am gruseligsten aber ist die Vorstellung, dass da irgendwann plötzlich keine Pandemie mehr ist, auf die man alles schieben kann…

Zeit, sich ein paar Ausreden zu überlegen. 🙂

* Abgesagt habe ich, weil ich erst am Donnerstag meine zweite Impfung bekomme.

** Da wäre ich ja bekloppt, wenn ich jetzt auf den allerletzten Metern noch Corona riskierte.

*** Und im Nachhinein war das eigentlich eine verdammt coole Zeit, auch wenn ich mich teilweise ganz schön einsam gefühlt, dann aber gerade deswegen Dinge unternommen habe, um Menschen kennenzulernen und dann jemand sehr Nettes kennengelernt habe.

**** Und das würde jetzt alles noch etwas anders, besser laufen.

***** Am Ende habe ich dann doch noch zugesagt. Ich habe das Corona-Konzept des Veranstalters gesehen und halte es für gut. Wird schon nichts passieren. Hoffe ich.

Es ist so weit! Targeted Advertising stuft mich als „mit Niederländisch-Kenntnissen“ ein. 😃

Was hieß nochmal „klus“? 🤔

Mein Gott, die Arme!

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OK

Die Sache mit diesem Selbstbewusstsein

Neulich fuhr ich mit dem Auto zu einem Termin in die Eifel und war schon etwas spät dran. Noch in Bonn etwa 150 Meter vor dem Kreisverkehr zur Autobahnauffahrt hatte sich ein kleiner Stau gebildet. Die Müllabfuhr war da am Werk, direkt dahinter ein weiterer LKW, daneben: eine Verkehrsinsel.

Ich hatte die Wahl: Mich dahinter einordnen, warten, bis die Müllabfuhr so weit war, gegebenenfalls auf meine Chance zum Überholen warten, bestimmt 5 Minuten verlieren und damit zu spät zum Termin kommen. Oder in einem bold move ohne Anzuhalten direkt links daran vorbeiziehen.

Ich dachte nicht lange nach und entschied mich für Letzteres. Die Schlange hinter der Müllabfuhr bewegte sich ohnehin gerade nicht, das Personal war auf der Straßenseite mit der Arbeit beschäftigt, es kam kein Gegenverkehr, ich überholte die ganze Baggage links von der Verkehrsinsel. Erst bei Überholen sah ich, dass zwischen Müllabfuhr und dem LKW dahinter noch ein PKW eingeschlossen war, der da nicht herauskam. Vielleicht hat der Fahrer sich in dem Moment über mich geärgert, rausgekommen wäre er dort aber ohnehin nicht.

Ein weiteres Erlebnis heute beim Edeka an der Kasse. Der Kassierer checkte die Packung Eier, die ich kaufen wollte und stellte fest: eins davon kaputt. „Wollen Sie sich grad eine neue Packung holen. Wir rechnen die hier schonmal ab, Sie zahlen, lassen Ihren Einkauf hier und kommen dann einfach wieder an die Kasse.“ Und ich, mit Blick auf die Schlange hinter mir: „Äh, einfach wieder durch den Laden hierhin und an der Schlange vorbei?“ Der Kassierer, schon etwas genervt: „Jaja, einfach wieder an diese Kasse kommen. Ihren Einkauf können Sie solange hier stehen lassen.“

In meinem Hinterkopf sangen bereits die Urängste Kanon: Du wirst Aufsehen erregen, wenn du an der Schlange vorbeirennen willst, die anderen werden dich dafür anhassen, werden dich gar nicht durchlassen, dich beschimpfen, der Kassierer wird dich nicht mehr erkennen. Besser, du stellst dich einfach nochmal hinter allen an, wartest die 5 Minuten in Ruhe ab, bis du wieder dran bist und hoffst, dass der Kassierer sich dann noch an dich erinnert.

Time for a bold move again: Ich ging durch den Eingang wieder rein, nahm die Packung Eier aus dem Regal, sah auf dem Weg zur Kasse, dass bei meinem Kassierer zwar eine recht lange Schlange war, an der Nachbarkasse aber gerade keiner stand. Ich überholte auf den letzten Metern noch einen Dude, der sich dort anstellen wollte, zog an der anderen Schlange vorbei, wedelte mit der Packung gegenüber meinem Kassierer, der mich sofort erkannte, nahm meinen Einkauf mit und verschwand mit einem „danke, schönen Abend noch!“.

Und ich glaube sogar, außer ihm ist das nirgendwem großartig aufgefallen. Niemand hat mich böse angeguckt, niemand hat sich beschwert, wahrscheinlich hatten die meisten in der Kürze der Zeit nicht einmal die Möglichkeit zu denken: Was macht der denn da!

Story #3, ebenfalls heute: Ich musste in den Obi, um Alleskleber zu kaufen (siehe Beitrag von gestern). Direkt vor dem Eingang wollte ich meine FFP2-Maske aufsetzen – worauf die Gummihalterung an der linken Seite an einem Punkt abriss. Shit, und jetzt? Eine andere hatte ich nicht dabei. Irgendwie wieder festknoten? Nicht möglich. Ich wollte die Halterung um mein Ohr wickeln und so tun, als wäre sie noch intakt. Dabei riss die linke Halterung auch an der anderen Stelle ab. Na toll! Was nun? Jetzt nach Hause gehen und morgen wiederkommen?

Ich entschied mich, die Maske um das rechte Ohr gespannt zu lassen und sie an der der linken Seite mit der Hand festzuhalten, damit zum Infostand am Eingang zu gehen und die Leute dort zu bitten, mir eine neue Maske zu verkaufen, die ich dann sofort anziehen würde. Aber wie das bei Obi immer so ist: Der Infostand ist längst auch gleichzeitig Kasse und dort hatte sich bei der einzigen verfügbaren Mitarbeiterin bereits eine Schlange gebildet. Also doch aufgeben und zurück nach Hause?

Nein, auch hier time for a bold move: Ich ging einfach in den Laden rein, meine Maske an der einen Seite festhaltend, sah, dass sie Klebstoff direkt an einem Stand hinter Eingang und Infostand haben, schnappte mir schnell die bestaussehende Packung, marschierte direkt damit zur Infostand-Kasse und griff dort in der Auslage noch nach einem Doppelpack FFP2-Masken.

Die Kassiererin sah mich verblüfft an. Aber bevor sie etwas sagen konnte, erklärte ich: „Die Maske ist mir gerade kaputt gegangen. Ich kauf schnell eine neue.“ Sie nickte und hatte keine Fragen.

Mein altes Ich hatte kein Selbstbewusstsein und hätte sich alle drei Male wohl brav hinten angestellt oder wäre nach Hause gegangen, hätte dadurch viel Zeit verloren, sich irgendwie unbeholfen benommen und hinterher geärgert.

Mein neues Ich hat so etwas wie Selbstbewusstsein entwickelt. Und das fühlt sich nicht nur besser an und erleichtert im Alltag viele Dinge. Der viel wichtigere Punkt ist: Es hat auch niemand irgendeinen Nachteil dadurch. Mir geht es besser, den anderen nicht schlechter. Vielleicht freut es sie sogar, dass da jemand ist, mit dem sie klar kommunizieren können und wissen woran sie sind.

Oder anders gesagt: Wenn ich mich unbeholfen zweimal in jede Schlange stelle, weil ich mich nicht traue, ist niemandem damit geholfen. Ist für Menschen mit wenig Selbstbewusstsein leicht gesagt, weiß wohl niemand besser als ich selbst, aber mein Rat muss trotzdem lauten: Macht einfach! Traut euch! Nicht in einer Art und Weise, dass ihr andere dabei zur Seite drängt. Aber schon so, dass ihr klar für euch selbst einsteht. Traut euch!

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Right

Wann war euch zum letzten Mal langweilig?

Und so kam es denn, dass ich einen substantiellen Teil meines Mittwochabends damit verbrachte, die „Relaxliege“ wieder zusammenzunähen, die ich vor wenigen Wochen erst bei Amazon geshoppt hatte.

War nämlich nicht mehr viel mit Relaxen. Der Bezug drohte sich am Schwerpunkt aufzulösen. Diesen Typ Liege hatte ich schon mehrmals, und meistens hatte er immer ein paar Jahre gehalten. Diesmal ist aber offenbar einfach die Qualität schlecht. Warum ich sie dann nicht einfach zurückschicke? Weil die Liege riesig ist, ich die Verpackung nicht mehr habe, sie erst zur Post fahren müsste, solche Liegen gerade Lieferschwierigkeiten haben… und überhaupt. Erstmal sehen, ob sich da nicht von Hand noch was machen lässt.

Was mich zum heutigen Thema bringt: Eigentlich ist hier bei mir immer was zu tun. Vor der Arbeit meditiere ich meist schon und mache meinen Sprachkurs, dann arbeite ich und dann geht eine Freizeitaktion los. Und wenn das nicht Liege-Zusammennähen ist, dann war es in den letzten Monaten Bilder aussortieren, dann ist es Wohnung umgestalten, Daten aussortieren, die Steuer machen, Finanzielles weiter regeln, Sport treiben, eventuelle Auslandsaufenthalte nach Corona oder überhaupt noch den Sommerurlaub planen und, ach ja, bloggen.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann mir zum letzten Mal langweilig war. Das muss irgendwann vor Corona gewesen sein. Es kann natürlich damit zusammenhängen, dass ich hier in der Stadt wohne, wo immer was los ist. Vielleicht aber auch einfach daran, dass ich Wege gefunden habe, mich immer zu beschäftigen. Langeweile habe ich als kein schönes Gefühl in Erinnerung, vermisse ich also nicht. Und kurz vor dem Burnout stehe ich auch nicht; im Gegenteil. Dieses Ständig-Aktivsein macht mir Spaß, solange das Tempo nicht zu hoch ist.

Wie ist das bei euch? Geht euch das ähnlich? Kommt ihr besser mit Langeweile klar als früher? Und wann war euch zum letzten Mal so richtig langweilig?

Es hört übrigens nie so richtig auf. Nachdem ich mit dem Nähen fertig war, wollte ich die Naht eigentlich noch kleben, um die Haltbarkeit zu verbessern. Mein Sekundenkleber war aber schon völlig eingetrocknet, muss ich erstmal neuen kaufen. Immer ist was – das kann nervend oder schön sein.

Jalousie und Eifersucht heißt im Niederländischen dasselbe. Denkt mal drüber nach! ☝🏻

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Hm

An diese EM wird man noch lange zurückdenken

Die EM 2020 macht mittlerweile so richtig Spaß. Ich habe hochdramatische, mitreißende Spiele gesehen, etwa das 4:2 von Deutschland gegen Portugal oder heute Abend die beiden Achtelfinalduelle. Da hatte Spanien schon 3:1 geführt, ehe Kroatien kurz vor dem Abpfiff noch ausglich, Spanien aber in der Verlängerung nichts anbrennen ließ und letztlich 5:3 gewann. Gleich anschließend noch einmal fast das gleiche: Die Schweiz hatte Frankreich schon fast im Sack, doch dann drehte der Weltmeister die Partie, führte plötzlich 3:1, ehe die Schweiz nochmal zurück kam, auf 3:3 ausglich und es in die Verlängerung und schließlich ins Elfmeterschießen ging – wo völlig überraschend die Schweiz gewann. Das hochgelobte Italien tat sich schwer gegen Österreich. Die Niederlande sind gar schon ausgeschieden, ebenso Titelverteidiger Portugal, der sich diesmal nicht durchmogeln konnte. Und Deutschland-England morgen? Trotz Favoritenrolle für England bislang völlig offen. Also kurzum: Sportlich gesehen ein fantastisches Turnier!

Und in den Stadien feiern die Fans mittlerweile wie früher. Rom, Amsterdam, Kopenhagen, Sevilla und München halten sich noch zurück mit der Masse an Zuschauern, belassen es bei jedem fünften Platz. London, Budapest und Sankt Petersburg sind da nicht so empfindlich. Hier sind alle oder fast alle Plätze besetzt, hier feiern die Fans Arm und Arm, hier kommt richtig Stimmung auf – hier findet die Delta-Variante paradiesische Zustände vor.

Und das hat Folgen. Da wären nicht nur die hunderten finnischen Fans, die nach Rückkehr aus Sankt Petersburg positiv getestet wurden. Da wäre auch die traurige Zahl von mittlerweile hundert Corona-Toten täglich in Petersburg. Und Teams und Fans reisen munter durch Europa. London lässt morgen gegen Deutschland 45.000 Zuschauer rein – immerhin keine deutschen Fans, das ist vernünftig. Aber der Rest wird sich beinahe auf den Füßen stehen. Und ob Ungarn wirklich kaum neue Fälle registriert?

Die Delta-Variante ist noch einmal deutlich ansteckender, hier reicht oft schon ein flüchtiger Kontakt. Selbst die alte Devise, dass man draußen ziemlich safe ist, gilt so nicht mehr. Was jetzt eigentlich helfen würde, wäre ein harter Lockdown. Das ist den Leuten natürlich nicht mehr zu vermitteln, gerade im Sommer. Aber zumindest alle Vorsicht über Bord zu werfen, wie es gerade an manchen Stationen der Euro passiert, halte ich für völlig unangebracht. Die EM könnte so zum Pandemietreiber werden. Und die UEFA tut herzlich wenig, um das einzudämmen, agiert sogar gerade ein wenig wie ein Staat im Staate. Verlangt Zuschauer in den Stadien, erklärt einfach alles für sicher und schert sich auch nicht darum, was sonst in den teilnehmenden Ländern so für Kontaktbeschränkungen gelten.

Ich will hier nicht zum Spielverderber werden – dafür habe ich gerade auch selbst viel zu viel Spaß an den Spielen. Aber hier geht man in meinen Augen zu sorglos mit dem Thema Corona um. Wenn man später an diese EM zurückdenkt und einem dazu nicht zuerst diese tollen Spiele einfallen, sondern sie als Treiber der vierten Welle in die Geschichte einginge – das wäre sehr, sehr, sehr schade.

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Yeah

Nighthiking Testrun: Nachts allein im Wald

Gegen 2230 Uhr gehe ich von zu Hause los. Es ist noch etwas hell, mit 18 Grad recht warm, einige Betrunkene torkeln durch die Gegend. Ein normaler Freitagabend in der Altstadt – und ich beschließe, wandern zu gehen. Nighthiking, wie neulich einmal geplant.

Der Anfang unterscheidet sich nicht von einem normalen Spaziergang. Im Winter war ich eigentlich täglich im Dunkeln spazieren. Nur geht es diesmal eine andere Strecke entlang. Über Endenich und Ippendorf möchte ich in Richtung Waldau und Venusberg und über Kessenich zurück nach Hause.

Es ist viel los auf den Straßen. Auf der Viktoriabrücke hängen zwei Männer Wahlplakate auf, ein getunetes Auto fährt vorbei. In Endenich wird es langsam ruhiger. Ich treffe einige Gruppen Jugendlicher, die mich teils sogar grüßen. Ich bin noch nicht so weit, dass es mir leicht fällt, Fremde ebenfalls freundlich zurückzugrüßen, aber ich möchte daran arbeiten.

Kurz vor Lengsdorf gibt es zum ersten Mal ein kurzes, unbeleuchtetes Stück Wiese. Ich kenne den Weg aber von meiner Standard-Radstrecke. Für die ersten Gehversuche bei Nacht habe ich eine halbwegs bekannte Strecke ausgewählt. Es ist sternenklar, ich erkenne den Weg schemenhaft und lasse die Taschenlampe am Smartphone absichtlich aus, was halbwegs gut gelingt.

Aber schon kommen die nächsten 2 Kilometer beleuchtete Strecke in Ippendorf, bevor endlich ein Stückchen Wald naht, in dem ich mich noch nicht ganz so gut auskenne. Und plötzlich ist es zappenduster. Zum ersten Mal beschleicht mich ein leicht mulmiges Gefühl. Hier kenne ich den Weg nicht und sehe für einen Moment nichts, aber auch wirklich nichts:

Die Augen gewöhnen sich dann recht schnell an die Dunkelheit und der Weg vor mir lässt sich zumindest erahnen. Die Baumkronen allerdings schlucken das Licht. Ich versuche, mich durchzutasten und auch meine anderen Sinne einzuschalten. Es ist ruhig, nur entfernt höre ich ein wenig das Rauschen der Stadt. Da, ein Käuzchen! Ansonsten: nichts.

Ein wenig aufgeregt bin ich schon. Klar, die Zivilisation kann nicht weit weg sein. Was unterscheidet das Ganze überhaupt von einer Nachtwanderung, wie wir sie früher im Zeltlager auch immer gemacht haben? Dass ich diesmal ganz alleine unterwegs bin. Im Grunde kann mir nichts passieren, aber die Urängste sind natürlich aktiv.

Irgendwann stehe ich vor einer Weggabelung und weiß nicht weiter, die Sicht ist schlecht. Ich schalte nun doch die Taschenlampe des Smartphones en. Und mir ist sofort, als wäre damit auch das mulmige Gefühl ausgeknipst. Ich fühle mich auf einen Schlag unverwundbar. Sicher, wenn nun plötzlich jemand vor mir stünde, wüsste ich 0,0, was ich machen würde. Aber wo soll da jetzt auch jemand herkommen?

Irgendwann komme ich an der Waldau an. In der Nähe höre ich eine Gruppe Jugendlicher, die dort wohl abhängt, etwas trinkt und Musik hört. Ab hier kenne ich die Strecke ungefähr. Es geht auf den Venusberg zu. Ich knipse die Funzel aus und versuche noch einmal, mich in der Dunkelheit zu orientieren. Einmal stolpere ich über einen Stein und falle fast hin. Ansonsten klappt die Orientierung gut, und auch das beklemmende Gefühl kehrt nicht zurück.

Ein paar Mal erschrecke ich mich dann doch, als ich etwas Helles, Unidentifizierbares am Wegesrand sehe. Aber das sind nur Schilder. Pflanzen, die die Taschenlampe erfasst, wirken in einigem Abstand, als würden sie sich bewegen. Aber der Schrecken darüber geht schnell vorbei.

Am Venusberg schließlich hat mich die Zivilisation im Grunde wieder. In der Klinik dort herrscht noch reges Treiben. Nur dahinter geht ein kleines Stück nocheinmal den Wald hinunter nach Kessenich (oder Dottendorf?), das ich noch nicht kenne. Ich lande schließlich am Hindenburgplatz (der tatsächlich immer noch heißt).

Das war’s also schon, und das Riesenabenteuer war das alles nicht. Aber ein ganz netter Spaziergang. Beim nächsten Mal auf jeden Fall: mehr Wald!

Kurz vor der Reuterstraße sehe ich etwas auf dem Boden liegen: zwei Geldscheine! Da liegen doch glatt 120 Euro vor mir auf dem Boden. Ich rufe erstaunt „oha“ aus – das kann eigentlich kein Zufall sein. Ein, zwei Minuten sehe mich etwas ratlos um. Wie kommt das Geld dahin? Ist hier irgendwo eine versteckte Kamera? Was damit tun?

Ich möchte eine auf dem Rad vorbeifahrende Frau um Rat fragen und spreche sie mit „Entschuldigung“ an, aber sie fährt einfach weiter (kann ich ihr nicht verübeln, es ist mittlerweile nach 0100 Uhr und ich bin ein Mann).

Mein Gewissen sagt mir, dass mir das Geld nicht zusteht und es jemand anders nötiger hat. Außerdem kommt der, der es verloren hat, vielleicht noch einmal zurück, um es zu suchen. Aber einfach da liegen lassen kann ich es auch nicht, dann würde es der Wind weg wehen. Ich beschließe, es beim nächstbesten Auto unter den Scheibenwischer zu klemmen. Irgendwer wird es dort irgendwann finden, sich darüber freuen – und vor allem wundern, welcher Verrückte das Geld dort hingeklemmt hat, statt es selbst einzustecken.

Auf der Baumschulallee überholen mich drei gut gelaunte Punker, die eine leere Kiste Bier tragen und denen ich einen schönen Abend wünsche. Ich frage: wohin des Weges, sie sagen: nach Hause! Morgen früh wäre eine Demo gegen das neue Polizeigesetz und da müssten sie um 1040 Uhr am Bahnhof sein. Ich wäre herzlich eingeladen.

Gegen kurz vor 0200 dann schließlich schlage ich auf dem Frankenbadplatz auf, setze mich noch kurz, trinke was aus meiner Wasserflasche, sortiere paar Fotos und lasse den Abend ausklingen.

Nein, ein echtes Aventure war das nicht, aber ein guter Start und ein schöner, kleiner Trip. Werde ich auf anderer Strecke wiederholen!

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Yeah

1 Meal 1 Day

Es ist gar nicht mal eine Challenge gerade, es hat sich einfach nur so ergeben in letzter Zeit. Mir fiel auf, dass…

  • Ich eigentlich gar nicht so viel Nahrung brauche, wie ich manchmal esse
  • Besonders wenn ich an dem Tag Sport treibe
  • Essen mich oft irgendwie müde macht und damit auch unproduktiv
  • Und alles in allem erstaunlich viel Zeit kostet (Planen, Einkaufen, Zubereiten, Essen, Sacken lassen, wieder wach werden…)
  • Das Timen von Mahlzeiten mich zusätzlich gestresst hat, zu viel von ihnen abhing („Kann ich jetzt schon los oder muss ich vorher noch was essen?“ Inzwischen fahre ich einfach.)
  • Trinken von Wasser, Tee oder Kaffee ganze Mahlzeiten ersetzen kann
  • Ich besser einschlafe, wenn die letzte Mahlzeit lange genug zurückliegt.
  • Das alles mit ein wenig Training gar mal so schwierig ist.
  • Besonders wenn man eh schon seit Jahren beinahe täglich intervallfastet.
  • Meine Mahlzeiten langsam kleiner werden, auch wenn ich immer noch essen kann wie ein Scheunendrescher.
  • Der Hungertod nicht an jeder Ecke lauert. Nicht in diesen Breiten.

Das Ganze mache ich jetzt seit etwa 2 Wochen an den meisten Tagen, wenn auch nicht an allen. Und es klappt eigentlich ganz gut. Positivster Effekt: Ich nehme Hunger nicht mehr per se als etwas Schlechtes wahr, etwas, das sofort bekämpft werden müsste. Eher als angenehmes Signal: Ah, der Körper meldet sich. Vielleicht arbeitet er gerade an was, im Idealfall geht er an die Fettreserven.

„Hunger ist Hysterie des Körpers“ sagte Extremsportler und Abenteurer Rüdiger Nehberg einmal. Und ich verstehe mittlerweile, was er damit meinte.

Nur 1 Mahlzeit am Tag bedeutet übrigens bei mir meistens nicht: nur 1 Kalorienaufnahme am Tag. Ich trinke 2-3 Kaffee dazu, meistens Milchkaffee (sonst wäre das Leben auch zu trist). Und hin und wieder gibt es ein paar kleine Snacks, zum Beispiel 1 Apfel, 1 Banane oder ein paar handvoll Nüsse.

Ein wenig verändert hat das Projekt auch, was ich esse. Ich denke mir, wenn es schon nur 1x am Tag eine Mahlzeit gibt, dann soll die auch halbwegs lecker sein (warum war mir das früher egal? 🤔).

Ich weiß gar nicht, wie das jetzt weiter geht. Ich plane weder, das zu forcieren oder es darauf anzulegen. Ich glaube, ich mache es einfach nach Gefühl.

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Möh

Ich komme mit Introvertierten nicht gut klar

Ich befasse mich derzeit wieder verstärkt mit dem Thema extrovertiert/introvertiert. Darüber, dass ich selbst das Paradebeispiel eines Introvertierten bin, schrieb ich bereits. Bei der Gelegenheit habe ich noch einmal nachgedacht, wer von den Menschen, die ich kenne oder die mir mal über den Weg gelaufen sind, wohl auch ähnlich gestrickt sein könnten. Und jetzt kommt der „Witz“: Ich selbst bin eigentlich auch gar nicht sooo heiß auf andere Introvertierte – zumindest wenn man es auf ihre/unsere eher schlechteren Eigenschaften herunterbricht. Gehen wir das mal durch. Besonders introvertierte Menschen…

  • Integrieren sich nicht [weil sie gelernt haben, dass sich Anpassen nur noch unglücklicher macht]
  • Wirken oft mies gelaunt [weil sie schnell überfordert sind]
  • Gehen nicht gerne auf Partys oder generell aus [weil sie von großen Menschenmassen schnell überfordert sind]
  • Sagen eher selten, wie sie sich fühlen [weil sie erst Vertrauen zu einer anderen Person aufbauen müssen]
  • Erzählen allgemein eher wenig von sich aus [weil sie sich und das, was sie erleben, oft gar nicht für sooo wichtig halten oder sie gelernt haben, daran gar nicht interessiert sind]
  • Müssen meist erst angesprochen werden [neue Kontakte aufzubauen, fällt ihnen schwer]
  • Man weiß nie, woran man bei ihnen ist [sie neigen zu weniger Körpersprache und reagieren aus Überforderung heraus manchmal einsilbig]
  • Sie reden nicht viel in Meetings [weil sie über Dinge lieber ein wenig nachdenken statt sie sofort rauszuposaunen, sie nicht selten von besonders Extrovertierten untergebuttert werden und sie Meetings oder gar Brainstormings generell nicht sonderlich mögen].
  • Sie kosten Energie, denn der Gesprächspartner/ die Gesprächspartnerin muss sich um sie bemühen [da ihnen Zuhören leichter fällt als Reden].
  • Von daher benötigen sie auch sehr viel Verständnis.
  • Sie lassen sich lieber einladen als dass sie selbst jemanden einladen [das Zuhause ist der sichere Rückzugsort, da kommen nur Leute rein, die als „safe“ deklariert wurden und Verständnis dafür haben, wenn man sie irgendwann wieder wegschickt].
  • Sie ziehen sich manchmal einfach zurück, ohne dass man genau wüsste warum [um ihre Batterien wieder aufzuladen, meist hat sie irgendwas oder irgendwer überfordert]
  • Oft sieht man sie tagelang nicht [weil sie der Job, Beziehungen oder sonst etwas überfordern und sie dann jetzt nicht auch noch andere Leute treffen können, die wieder Energie kosten]
  • Sie sagen oft aus fadenscheinigen Gründen ab [s.o. weil ihre Batterien einfach leer sind und sie jetzt nicht auch noch Menschenmassen um sich herum haben können].

Das alles beschreibt den „Extremfall“ eines/r Introvertierten. Wenn ihr so wollt, habe ich hier auch gerade meine eigenen schlechten Eigenschaften aufgelistet. Nicht jede/r Intovertierte ist derart veranlagt, und es gibt viele Misch- und Zwischenformen zwischen Intro- und Extraversion. Und ich kenne auch mindestens einen Introvertierten, der reden kann wie ein Wasserfall (allerdings ohne dabei anderen auf die Nerven zu gehen, darauf gibt er Acht).

Aber schaue ich mir die Liste der negativen Eigenschaften an, denke ich mir: Puh! Wenn da jetzt so jemand um die Ecke käme, hätte ich eigentlich auch gar nicht so viel Bock darauf, mich mit dem lange zu befassen. Was hätte ich denn davon?

Und das ist eben auch das Dilemma von Introvertierten. Sie wissen um ihre schlechten Eigenschaften, wissen auch, dass das alles für Andere gar nicht mal so spannend ist, können aber nicht raus aus ihrer Haut und Sozialkontakte brauchen sie halt eben doch.

Die meisten meiner Freunde und Bekannten würde ich als „so mittig“ beschreiben. Sie sind anderen Menschen eher zugewandt, sie haben da auch offensichtlich mehr Spaß dran (sonst würden sie mich nicht treffen wollen), sie können meist besser reden als ich (was mir lieb ist, dann muss ich nicht so viel erzählen), sie können aber auch zuhören. Das ist mir besonders wichtig. Wer das nicht kann, den werde ich niemals zu Hause einladen.

Neulich hatte ich mal beruflich mit einem extrem Extrovertierten zu tun und, nun ja, es kam, wie es kommen musste. Wir haben uns eine Weile zur Zusammenarbeit zusammengerauft, aber dann knallte es irgendwann. Trotzdem mochte ich ihn irgendwo. Er war ne echte Type. Hätte ich mit einem Introvertierten zusammenarbeiten müssen – würden wir das wahrscheinlich noch heute. Aber es wäre wahrscheinlich weniger interessant geworden.

Ich finde das alles faszinierend.

Und in der nächsten Woche reden wir mal über die guten Eigenschaften von Introvertierten. Die gibt es nämlich auch.

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Yeah

Alle Bilder aussortiert

Das heute waren die letzten. Und ich kann daher mit Stolz vermelden: Ich bin offiziell fertig, ich habe alle Bilder, die ich jemals geschossen habe, fertig aussortiert. In Zahlen ausgedrückt:

  • Ausgangsmaterial: Über 100.000 Fotos und Videos
  • Jetzt reduziert auf etwa 6.500
  • Davon 6.100 erinnerungswürdig, aus Urlauben etc.
  • Und 400, die ich als druckfähig eingestuft habe
  • davon 60, die ich nun wirklich ausdrucken und in meiner Wohnung aufhängen möchte
  • Weitere 60 (unter den 400), die ich erst noch bearbeiten müsste, bevor ich sie eventuell auch ausdrucken kann.
  • Das Ganze hat mich alles in allem rund 6 Monate auf Trab gehalten.

War es das wert? Auf jeden Fall! Nicht nur, weil ich jetzt viele schöne Bilder habe, mit der ich meine Wohnung dekorieren kann. Das Ganze hat auch mich verändert, mir viele, viele Ereignisse in Erinnerung gerufen und mich einiges vor allem über mich selbst erkennen lassen. Wird mir helfen, mit der Vergangenheit abzuschließen und ein besserer Mensch zu werden. Und wenn sich’s alleine dafür gelohnt hat…

Komm, zeig wenigstens ein Bild aus deiner Endauswahl! Na gut, eins…

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Hm

Wandern vs. Radfahren

Radfahren und Wandern taugen beide wunderbar gegen Bewegungsmangel. Laufen kommt wegen Kniebeschwerden bei mir aktuell nicht in Frage, also ist Radfahren mein bevorzugter Ausdauersport geworden. 5 Tage lang habe ich jetzt mal eine Radikaldiät ausprobiert: Nur 1 Mahlzeit am Tag (+ 2 Milchkaffee) und jeden Tag ca. 1h Radfahren, pro Tour jeweils mindestens 3x den Venusberg rauf. Es ist zu früh für eine Bewertung, aber ich glaube, dass das durchaus auch gut für die Fettverbrennung ist. Nur täglich lässt sich das nicht aushalten. Ich habe heute mal eine Pause davon gebraucht und ganze 2 Mahlzeiten gegessen. In den nächsten Wochen möchte ich solche Phasen trotzdem immer mal wieder einschieben.

Was ich aber eigentlich sagen will: So gerne ich auch Rad fahre, es hat einen anderen Effekt auf mich als Wandern. Echte Entspannung setzt für mich beim Radfahren erst deutlich später ein. Beim Wandern bin ich eigentlich schon nach einer halben Stunde in einer völlig anderen Welt. Das dauert beim Radfahren länger, durchaus ein paar Tage. Das eine ist also kein Ersatz für das andere und ich muss unbedingt mal wieder wandern. Ob nachts oder tags, eigentlich egal. Wegen des heißen Wetters, würde ich nachts sogar derzeit weiter befürworten.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich auf meinem Balkon in kurzen Klamotten. Die große Hitze des Tages ist vorbei, es weht ein laues Lüftchen, ich schwitze keinen Tropfen. Es ist das ideale Wetter für mich.

Für später notiert: laut Wetter Online, Apple (The Weather Channel) und Google (Weather.com) haben wir: Temperatur: 24 Grad Celsius, gefühlte Temperatur: ebenfalls 24 Grad C, Luftfeuchtigkeit: 59%, Windgeschwindigkeit: 8 km/h, Luftdruck: 1014 hPa, UV-Index: 0, sternenklarer Himmel, keine Sonne, weil Nacht. So bitte gerne öfter!

50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, oder gut 40 Millionen Menschen, sind jetzt mindestens 1x gegen Covid-19 geimpft, und das hat beinahe 6 Monate gedauert. Man hat nicht den Eindruck, dass sich die Quote in den letzten Wochen enorm beschleunigt hätte. Dazu fehlte und fehlt einfach der Impfstoff und die Organisation verläuft nach wie vor chaotisch. Trotzdem hält die Bundesregierung an dem Plan fest, jedem Erwachsenen bis Ende Juli, also in 6 Wochen, ein Impfangebot machen zu wollen.

Impfangebote, zumindest über Haus- und Fachärzte, sind meist auf die gleiche Woche beschränkt, in der Praxen ein paar Tropfen Impfstoff bekommen. Wir können also großzügigerweise die erste Augustwoche noch in die Rechnung mit rein nehmen, also 7 Wochen ab heute.

Mal grob überschlagen: Zieht man von den noch zu impfenden 40 Millionen Menschen der deutschen Bevölkerung die Minderjährigen ab, etwa 15 Millionen, die aber auch schon teilweise geimpft werden, sollen in den nächsten Wochen also 25 Millionen noch verbleibende Erwachsene neu geimpft werden, zusätzlich zu den Zweitimpfungen, die noch anstehen.

Das glaubt ihr ja wohl selber nicht, dass das klappt.

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Eigentlich habe ich gar nichts gegen Smalltalk

Er muss nur von Herzen kommen.

Heute Abend war ich mit dem Vässla Bike in der Bonner City unterwegs, das ich gerade teste. Feines Ding, das lässt sich jetzt schon sagen:

Um ein Foto für meinen kommenden Testbericht zu machen, habe ich dann tatsächlich direkt an der Rheinpromenade gehalten, wohl wissend, dass das für Aufmerksamkeit sorgen würde. Aber das war mir heute mal egal. Vielleicht wollte ich das sogar mal ein wenig.

Früher habe ich mich bei sowas immer gerne versteckt aus einer latenten Angst heraus… Ich habe neulich mal versucht zu erörtern, was da eigentlich hinter steckt. Ich glaube, es ist nur die Angst, in dem Moment nicht schlagfertig zu sein und nichts Adäquates auf eventuelle Bemerkungen antworten zu können. Früher schwang auch immer die Angst mit, da könnte sich einer wegen irgendwas beschweren. Aber da würde ich heute einfach mit meinen zurechtgelegten Floskeln „tatsächlich?“, „ah ja?“ oder „habe ich nicht gewusst“ drauf reagieren.

Heute Abend dauerte es denn auch nicht lange, bis ein älterer Mann auf mich zu kam, und wir ein wenig über das Bike quatschten und darüber, dass E-Scooter eigentlich gar nicht so schlecht seien und die Leute bescheuert, die die Dinger einfach im nächsten Gewässer entsorgen würden.

Als der Mann kurz danach gegangen war und ich zur Rückfahrt aufbrechen wollte, kam noch eine Frau auf mich zu. Ich dachte erst, sie interessiere sich auch für das Bike, aber ihr ging es eher um den alten Mann, mit dem ich davor gesprochen hatte. Der würde seit 5 Tagen bei ihnen im Hof auf der Parkbank schlafen, auch in der prallen Sonne. Welchen Eindruck er auf mich gemacht hätte.

Wir redeten noch ein bisschen. Stellte sich heraus, dass sie sich nur Sorgen um ihn machte und ihm auch schon etwas zu trinken raus gestellt hatte. Ich sagte, der wäre mir sehr entspannt und gelassen vorgekommen. Sie wollte das mal weiter beobachten. Ich dankte ihr dafür, dass sie sich für den Mann interessierte und mich danach gefragt hatte.

Zwei nette Gespräche innerhalb von 5 Minuten. Also nicht viel mehr als Smalltalk, der aber jeweils von Herzen kam. Das mag ich, dann mag ich Menschen sogar. 🙈 Und wenn sie nett sind und mich nicht irgendwie anstrengen, könnte ich das auch noch viel länger.

Würde ich gerne öfters probieren.