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Tech

60 Euro mit der Bahn

Meine Mutter war mit der Bahn im Allgäu. 8:30 Stunden – und 60 Euro hin und zurück aus Nordwestdeutschland. „Kannste nicht meckern“, sagte sie. „Ja“, hätte ich beinahe geantwortet. „Für den Preis kannst du ja nicht mal fliegen“ …

Ich denke, dass wir uns nochmal ernsthaft mit dem Konzept Hyperloop beschäftigen sollten. Fliegen ist schnell und (noch) erschreckend billig, aber Gift für die Umwelt. Bahnreisen dauert ewig, nervt und ist nur mit Glück so billig wie die Fahrt ins Allgäu. Der Hyperloop wäre ein perfekter Kompromiss. Fast so schnell wie Fliegen, aber kaum schädlich für die Umwelt. Die Infrastruktur würde aber natürlich Abermilliarden kosten. Geht also nicht.

Warum eigentlich nicht? Das Bahnnetz haben unsere Vorfahren in den 1840ern und 1850ern maßgeblich aufgebaut. Reicher waren die Provinzregierungen damals auch nicht, Deutschland war noch nicht einmal ein Land. Es folgten in den Jahrzehnten danach Abermilliarden für die Elektrifizierung, für ein Straßennetz, für Wasser und Kupfernetze für die Telekommunikation. Aber wenn es heute darum geht, ein flächendeckendes Glasfaser- oder 5G-Mobilfunknetz, geschweige denn ein Hyperloop-Netz aufzubauen, sind plötzlich die Kosten zu hoch. Sonderbar.

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Yeah

Urlaub von Deutschland

Ich bin jetzt 1 Monat hier in Scheveningen und langsam wird’s hübsch. Das liegt gewissermaßen auch daran, dass ich meine Erwartungen komplett heruntergeschraubt habe. Ich arbeite immer noch fleißig, bin aufmerksam im Kurs, strebe rum, hab noch keine Hausaufgabe vergessen, lerne hunderte von Vokabeln. Aber nach 4 Wochen hier habe ich auch eingesehen, dass die geplanten 7 Wochen einfach nicht reichen werden, um flüssig in der Sprache zu werden – auch wenn die Fortschritte enorm sind.

Ich verwünsche dich, oh Caspar G., der du mir damals sagtest: „Ein Deutscher braucht sicher nicht mehr als 2-3 Monate, um Niederländisch zu lernen.“ Schön wär’s. Zeitunglesen auf Niederländisch und den Sinn verstehen ist das eine. Die Leute verstehen oder es gar selber sprechen, eine ganz andere Nummer…

Aber seit ich weiß, dass das halt nichts mehr wird, dass ich hier auch keine großen Freundschaften mehr schließe und gewissermaßen auch nichts muss, gehe ich es komplett entspannt an. Die letzten 3 Wochen möchte ich die rare Freizeit für ein bisschen Sightseeing nutzen. Und ein paar Besuche kommen ja auch noch vorbei.

Dies ist mein längster Auslandsaufenthalt seit dem Studium, und es ist phänomenal. Das Land rockt, die Gegend rockt, die Leute rocken. Vielleicht ist es auch schlicht toll, einfach mal nichts mitzukriegen von dem ewigen Hin und Her der Nachrichten aus Deutschland. Ob die designierte Ampelkoalition jetzt Sondierungs- oder Koalitionsgespräche führt, ob die 7-Tage-Inzidenz wieder gestiegen, ob in Bonn irgendeine Brücke gesperrt ist… scheißegal ist mir das, zumindest mal für ein paar Wochen.

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OK

Maid

„Hey, wann soll die Reinigungskraft diese Woche zu dir kommen? Sie ist da relativ flexibel.“

„Wann würde es ihr denn am besten passen?“

„Das ist egal, sie legt ihre Termine meist um die Termine der Leute herum.“

„Aber sie braucht echt nicht nur wegen mir zu kommen. Ich richte mich da gerne auch nach ihr.“

„Nein, das passt schon. Also: wann am liebsten?“

„Okay, dann morgen um 1100.“

„Hey hallo, na wie geht’s, was macht der Sprachkurs?“

„Danke, alles gut. Schön, Sie wiederzusehen! Wie geht es Ihnen?“

„Ja gut, eigentlich. Nur bisschen aus der Puste. Ich bin jetzt 40 Minuten mit dem Rad hierhin gefahren und es ist ganz schön windig heute.“

„Was, 40 Minuten nur wegen mir?! Das wusste ich nicht!“

„Neinein, das passt schon, ich richte mich da nach den Kunden. Und mein Mann ist auch mitgekommen. Der wartet so lange draußen und geht bisschen spazieren oder einkaufen.“

„Das ist echt toll. Aber bitte! Beim nächsten Mal legen Sie das doch so, dass Sie grad noch meine Wohnung mitmachen, wenn Sie sowieso schon hier im Haus arbeiten.“

„Neinein, wirklich, kein Problem.“

„Doch, bitte, machen Sie das so! Mir ist es egal und für Sie ist es viel vernünftiger.“

„Okay.“

Dass ich zuletzt die Serie „Maid“ auf Netflix gesehen habe, bei der eine junge Mutter sich als Reinigungskraft verdingen muss, von der Chefin quer durch die Gegend gehetzt wird, oft zu spät kommt, weil sie Arbeit, Wohnungssuche und Kinderbetreuung jonglieren muss, mal bezahlt wird und mal nicht und sowieso viel zu wenig verdient, um sich das teure Leben zu leisten, hat natürlich nicht zum Verlauf dieser Diskussionen beigetragen und Netflix-Gucken ist nur bloßer Zeitvertreib, der die Zuschauer unverändert zurücklässt. 😉

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Right

Stress und Einsamkeit

… scheinen verwandt zu sein. Vor ein paar Tagen fühlte ich mich plötzlich furchtbar allein hier und habe die halbe Welt verflucht. Zum zweiten Mal schon, seit ich hier bin. Dabei war eigentlich nichts passiert. Unsere Sprachlehrerin hatte einfach nur angekündigt, dass unser Mittwochkurs ausfallen, aber später nachgeholt würde. Ach so und ach ja, nächste Woche die Stunden voraussichtlich auch.

Ich wäre beinahe ausgerastet. Denn das hat meine Pläne ziemlich durcheinander gewürfelt. Ich mach das hier ja alles nicht zum Spaß, außerdem habe ich hier keinen, mit dem ich Niederländisch oder überhaupt reden kann. Fällt der Kurs aus, bringt mich das buchstäblich vom Kurs ab. Außerdem komme ich mit dem Vokabellernen nicht hinterher. Und mit allem anderen irgendwie auch nicht. Was mache ich hier eigentlich? Was will ich mir hier beweisen, außer dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre? Ich fühle mich alt und allein.

Dienstagabend bin ich dann irgendwann aus dem Haus, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Die Luft war überraschend mild. Ich setzte einen Schritt vor den nächsten und dann noch einen. Und wurde immer langsamer und nachdenklicher dabei. Was mache ich hier eigentlich? Mache ich das richtig? Tut mir das gut? Bringt es irgendwem was, wenn ich derart unter Druck stehe? Wer macht mir den Druck überhaupt außer ich mir selbst? Wäre es klug, jetzt aufzuhören? Bin ich wirklich einsam oder einfach nur gestresst?

Ich fiel in einen tiefen, langen Schlaf und am nächsten Morgen war ich direkt dankbar, dass der Kurs ausfiel – sonst hätte ich gar nicht so lange schlafen können. Außerdem hatte ich dadurch plötzlich unfassbar viel Zeit. Erst einmal keine weiteren Aufgaben. Dafür Zeit, Vokabeln nachzulernen und mich in Ruhe der Arbeit zu widmen. Mich auch mal um ein paar private Dinge zu kümmern. Plötzlich sah das alles gar nicht mehr so schlimm aus. Den Druck hatte ich mir offenbar hauptsächlich selbst gemacht. Und statt mich über die unerwartete Pause zu freuen, hatte ich mich über sie geärgert.

Mittlerweile geht es mir wieder gut, bin ich auch plötzlich die Ruhe selbst. Drei Wochen bin ich noch hier, das ist gar nicht mal mehr so schrecklich viel. Und ich hab noch viel zu erledigen. In Delft war ich jetzt, aber in Leiden noch nicht. Amsterdam hat noch mal einen längeren Besuch verdient. Noch nicht einmal auf den Haagsen Markt (größter Markt der Niederlande) habe ich es bisher geschafft. Und mir fehlen noch Fischbrötchen, Frikandel und Bitterballen auf meiner kulinarischen Reiseliste. Übernächstes Wochenende kommt Besuch. Und ein bisschen Zeit für Vokabeln und weiteres Lesen und Hörverstehen bleibt natürlich auch noch. Es wird vielleicht nicht ganz reichen mit dem Fluent in 7 Weeks. Aber dann ist das halt so. Schließe mache ich das alles ja eigentlich zum Spaß…

Weniger Stress = weniger Einsamkeit. Da scheint durchaus was dran zu sein.

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Argh

Millionär – und dann?

Die gesetzliche Rente wird nicht reichen – so weit, so bekannt. Also musst du dir selbst was ansparen, wenn du im Alter nicht unter der Brücke schlafen und Flaschen sammeln willst. Aber: wie viel eigentlich?

Kann man nachrechen, etwa auf zinsen-berechnen.de. Und da wird schnell klar: Wenn du noch im halbwegs gesitteten Alter die Arbeit niederlegen willst und auch noch 20 Jahre was vom Leben haben, dann wird das teuer, auch mit den im Alter steigenden Gesundheitskosten. Mieten und Immobilienpreise klettern fröhlich weiter, Heizkosten auch. Lang verhaal koort: Du brauchst Kohle!

Wenn ich meinen Lebensstandard ungefähr halten will – ich hab’s mal nachgerechnet – brauche ich nach heutiger Kaufkraft etwa 400.000 Euro. 500.000 wären besser. Die Preise steigen aber noch munter weiter. Wer weiß, was noch alles kommt wegen Klimawandel, Wohnungsbedarf und so weiter. Die geringere Kaufkraft eingerechnet, sind wir dann eher bei 600.000. Mach 750.000 draus, wenn du im Alter sorgenfrei leben willst. Klar: Es kann sein, dass du nach 2 Jahren Rente den Löffel abgibst, dann hättest du so viel gar nicht gebraucht. Aber man will ja optimistisch bleiben.

750.000 Euro – da sind wir nicht mehr weit weg von 1 Million. Und da man sich ja höhere Ziele stecken soll, um dann wenigstens die kleinen zu erreichen, muss das eigentlich das verrückt anmutende Ziel für jeden sein: Millionär werden, bis du alt bist, damit du dir in diesem Lande (Deutschland) noch einen Lebensabend leisten kannst.

Ich finde, sich selbst einen ETF-Sparplan oder Ähnliches anzulegen, macht das ganze noch viel greifbarer als irgendeine Renten- oder Lebensversicherung. Da würdest du einen monatlichen Betrag an deine Versicherung zahlen und einfach darauf vertrauen, dass da am Ende was bei rumkommt. Sorgen los, Gedanken los (viel Geld los). Bei einem eigenen Sparplan, sieht du regelmäßig die Zahlen. Du siehst, was du schon angespart hast, wie viel Zinsen es schon gab – und du hoffst dir insgeheim natürlich, dass aus den 7,3 Prozent demnächst 8,4 Prozent werden. Denn es ist ja dein schönes Geld für den hoffentlich schönen Lebensabend.

Das macht etwas mit einem. Geld verdirbt, das steht für mich außer Frage. Oder sagen wir es so: Es lässt sich kaum vermeiden, dass deine Gedanken auch irgendwann um das Geld kreisen, dass du – notwendigerweise – anhäufst.

Beispiel: Das Verwahrentgelt, das viele Banken jetzt einführen. Das sind mehr oder weniger Kontoführungsgebühren, wenn du einen gewissen Freibetrag überschreitest. Es heißt nicht so, aber im Grunde sind das Negativzinsen. Dein Geld wird weniger statt mehr. Ich habe deswegen jetzt einen Teil meines Ersparten auf ein anderes Konto überwiesen, um diese Gebühren zu sparen. Das ist schon a rich guy’s move. Vor ein paar Jahren hätte ich mir – selbst wenn ich das Geld gehabt hätte – darüber keine Gedanken gemacht.

Ich bin kein Materialist, ich würde mein Geld nie in einen teuren Sportwagen oder Ähnliches stecken. Aber ich merke schon, dass sich mein Verhalten mit steigendem Kontostand verändert. Eine Wohnung für weit über 1.000 Euro im Monat in Den Haag oder Singapur? Klar! Für ein paar Monate geht das, die Seele will ja auch was Hübsches. Und von der Steuer lässt sich’s auch absetzen. A money-minded move!

Ein technisches Spielzeug wie meine jüngst erworbene Amazfit Neo für 30, 50 oder auch mal 100 Euro? Hätte ich vor 10 Jahren gar kein Geld für gehabt. Heute denke ich nicht groß nach, sondern mache einfach. Oder im Supermarkt. Klar kaufe ich nicht per se das teuerste, klar schaue ich vorher auf das Preisschild. Aber ich lade ein, was mir gefällt. Und ob dann an der Kasse am Ende 20 oder 30 Euro stehen, ist mir egal. Das macht für mich kaum einen Unterschied. So hätte ich vor 5 oder 10 Jahren schon nicht gedacht.

Neulich sprang meine alte Klapperkiste von Auto nicht an. Ich hatte ein paar Tage davor erst die Glühbirne am Rücklicht getauscht. Eventuell hat das etwas damit zu tun. Klima hat het auto’tje natürlich auch nicht. Warum tue ich mir das eigentlich an, dachte ich mir da kurz? Warum nicht einfach alles an Umweltboni und Finanzierung mitmachen und dir einen hübschen Cupra kaufen? Leisten könntest du ihn dir.

Weil ich ihn schlussendlich nicht brauche, aber selbst das sind Gedanken, die ich vor vier Jahren noch nicht hatte. Damals, als ich mein erstes Auto kaufte und damit zum Nordkap fuhr, um ein kleines Aventure zu erleben, war mir das herzlich egal. Hauptsache, es tut, was es soll. Dieses Gefühl von Freiheit – es schwindet beim Gedanken an Geld.

Der Prozess ist schleichend. Ich will das nicht, ich will nicht geld-orientiert leben. Ich will nicht so werden wie eine mir bekannte Person, die genervt ist, wenn man sie nur anruft, immer kurz angebunden, schrecklich oberflächlich, gehetzt wirkend, aber ein dickes Autos fahrend, immer getrieben von den eigenen Besitztümern und allem, was damit einhergeht.

Ich bin so nicht, aber ich weiß, dass ich irgendwie auch ständig von A nach B hetze, dass das alles irgendwie mit den vielen Dingen zu tun hat, die ich machen will und die letztendlich auch irgendwie mit Geld zu tun haben. Ich merke, dass es mir auf die Nerven geht, in der Fußgängerzone um Geld angebettelt zu werden und alle paar Meter jemanden sitzen zu sehen, der meine Kohle will. Ich habe weniger Mitleid mit den Leuten als vor 10 Jahren und ich gebe ihnen heute nicht mehr Geld als damals, auch wenn ich heute deutlich mehr habe.

Ich war nur einmal im Ahrtal helfen, andere sind da jede Woche oder – heute gehört – haben ihre Jobs aufgegeben und sind dauerhaft dahin gezogen, um beim Wiederaufbau zu helfen. Ich habe meine zwei Wochen Urlaub diesen Sommer lieber auf dem Rad und auf Zeltplätzen verbracht. Ich mache hier in den Niederlanden einen 7-wöchigen Sprachkurs, der mir beruflich wahrscheinlich nichts bringen wird (außer Begeisterung zu wecken, Lernfähigkeit zu stärken und den Kopf nochmal bisschen zu verjüngen). Ich hätte statt dessen auch in Bonn bleiben und mehrmals die Woche abends an die Ahr fahren können. Bedarf ist da. Aber, klar, ich habe genug Ausreden auf meiner Liste, warum das irgendwie nicht geht und ich da gerade nicht helfen kann und konnte. Gebrechen, keine Zeit, keine spezielle Erfahrung, bin außer Landes… Aber klar, wäre am Ende doch möglich gewesen. Wollte ich es nicht, weil mich das vom Geldverdienen abgelenkt hätte?

Wie bleibt man einerseits frei, bescheiden, hilfsbereit und glücklich? Und sichert sich andererseits bestmöglich finanziell ab, denkt ans Geld und schert sich trotzdem nicht darum? Wie geht das? Wie macht ihr das?

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Argh

Wozu eigentlich noch Facebook? II

Dass es Probleme bereiten kann, wenn einige der wichtigsten Kommunikationskanäle der Welt in den Händen nur einer Firma liegen, hat man am Dienstag beim historischen, globalen Facebook-Ausfall gesehen. Gleichzeitig trat die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen auf und warf dem Konzern vor, Profit über das Wohlergehen seiner Nutzer zu stellen. Ein paar Gedanken dazu:

  • Dass bei einem börsennotierten Unternehmen Profit über alles geht, sollte einen jetzt nicht so sehr verwundern, das ist nichts Besonderes.
  • Dass wichtige soziale und private Medien in den Händen eines börsennotierten Unternehmens liegen, ist aber so oder so eine ganz schlechte Idee.
  • Was bin ich froh, dass wir mit der E-Mail zumindest noch einen Kommunikationsweg haben, der nicht in den Händen nur eines globalen Konzerns liegt!
  • Wozu eigentlich noch Facebook? Ich stelle die Frage mittlerweile seit Jahren. Klar, dem Unternehmen gehört mehr als nur dieses schmierige, gleichnamige Social Network. Um WhatsApp kommt man so schnell nicht herum. Instagram ist noch vergleichsweise friedlich und sauber – was auf der anderen Seite auch wieder für Probleme sorgt. Aber Facebook-Facebook… Man liest und hört sehr oft davon, wie sehr das Social Network uns zu sozialen Zombies mache, die Meinungsmache dort beeinflusst sei, die Rechten es unterwandert hätten und dort alles nur noch hässlich und schlimm sei. Ja, dann benutzt es halt nicht! Ich mache das seit Jahren so. Das geht. Längst.
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Yeah

Twee weken al in Nederland

Es fühlt sich an wie ein ganzer Monat, so viel steht fest. Ebenfalls steht fest, dass es ein Meilenstein gestern war, dass sie mir endlich das Swapfiets geliefert haben und ich wieder sporten kann. Oder dass Spielberichte der deutschen Fußballbundesliga auf Englisch schon seltsam anmuten, aber anders hier nicht zu empfangen sind. Und dass mir Gesellschaft fehlt, zumindest an den Wochenenden, wenn ich dafür Zeit hätte.

Dass mir gestern ein (vermutlich) Obdachloser vor meinem Haus ein fröhliches „Goedemorgen!“ und „Hoe gaat het?“ zugerufen hat und ich seitdem hoffe, ihn bald mal wieder zu sehen, spricht auch irgendwo Bände. Nein, nicht dass ich mit einem Obdachlosen nicht genauso gut reden könnte wie mit jedem anderen auch. Aber dass ich sonst einfach noch keine Gesprächspartner hier gefunden habe, mit denen das genauso gut geklappt hätte. Außer mit der wirklich netten (und sehr gründlichen!) polnischen Putzfrau, die heute kam, die aber nur Englisch spricht. Oder meiner polnischen Klassenkameradin (die einzige noch verbliebene), mit der ich mich immer freue, nach dem Kurs noch ein paar Sätze zu wechseln, bevor wir dann beide meist schnell weg müssen.

Ich habe mich bei Meetup angemeldet und es ist schon gek, was es da alles gibt. Aber so einfach ist das gar nicht zu Treffen zu gehen, wenn man weiterhin nicht ganz gesund ist (der verfluchte Nacken ist immer noch verzogen) und mit all den Vorbereitungen, Nachbereitungen, Vokabeltrainings und Hausaufgaben ganze Abende gefüllt sind. Aber morgen Abend habe ich beschlossen, mache ich einfach mal irgendwas mit irgendwelche Leuten.

In meiner kleinen Kammer hier fühle ich mich mittlerweile pudelwohl. Vor allem, wenn der Regen gegen die Fenster peitscht oder der Wind um das Dach weht und ich mich daran erinnere, dass ich hier an einem tollen Ort direkt am Meer sitze. Morgen noch, dann ist es mit den Regentagen angeblich auch erst einmal vorbei. Was aber auch nicht schlimm ist, denn soooo viel von der Stadt habe ich noch gar nicht gesehen, die altehrwürdigen Unistädte Delft und Leiden sind gerade mal eine knappe Stunde mit dem Fahrrad entfernt, nach Amsterdam wollte ich eigentlich auch noch mal (knappe Stunde mit dem Zug). Und in vier Wochen geht es ja eigentlich auch schon zurück. Beeilt euch, wenn ihr mich noch besuchen wollt!

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Argh

2 Wochen ohne Sport

Eine Challenge, die ich mir eigentlich gerne erspart hätte. Aber mir ist einfach keine gute Idee gekommen, wie ich hier Sport hätte machen können. Ohne Fahrrad, vom Arzt abgeraten laufen zu gehen, Corona-technisch noch nicht wieder bereit ins Fitnessstudio zu gehen und dann noch mit verzogenem Nacken, dass so etwas wie Tischtennis nicht möglich war.

Heute hat Swapfiets mir dann endlich das versprochene Fiets geliefert und ich bin direkt erst einmal eine Stunde durch die Oostduinen damit gesportet. Ein wunderbares Gefühl, mit dem sich auch tausend Sorgen irgendwie direkt in Luft aufgelöst haben.

Was mich zum Kern dieses Beitrags bringt. Die 2 Wochen haben mir überhaupt nicht gut getan. Die Welt kam mir plötzlich klein, undankbar und hoffnungslos vor. Mein Wohlbefinden hat stark gelitten, mein Stresslevel war höher als normal. Und häufiger als notwendig fiel mir die Decke auf den Kopf – obwohl ich hier in einer neuen Umgebung bin und jeden Tag Neues erlebe. Nein, das möchte nie wieder erleben. Von jetzt an zurück zu 5x Sport in der Woche! Was ich euch natürlich auch rate…

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Möh

Puh!

Eigentlich immer schön, wenn es ein paar Herausforderungen im Leben gibt. Die letzten Tage haben mich aber echt geschlaucht und ich bin gestern und heute kaum wach geworden. Noch dazu habe ich mir den Nacken verzogen. Das kann zum einen daran liegen, dass es nun wirklich auch hier langsam Herbst und damit kalt wird. Zum anderen aber sicher auch daran, dass das hier mittlerweile ganz schön viel Programm ist.

Man will ja auch was mitnehmen von all dem… Dreimal die Woche habe ich 2 Stunden Sprachkurs, manchmal auch 2,5h. Klingt erstmal nicht so viel. Ist aber schon deswegen anstrengend, weil wir nur noch zwei Kursteilnehmer sind, ich also bei jeder zweiten Frage auch dran komme. Dann geht es darum, das Gelernte nachzubereiten, Vokabeln zu lernen, den Wortschatz durch Lesen zu aktivieren. Pro Lerntag werden es etwa 50 Vokabeln mehr auf meiner Liste. Und weil unsere Lehrerin offenbar auch will, dass was hängen bleibt, gibt sie uns massig Hausaufgaben auf. Heute Abend saß ich drei Stunden an allem. Meinen Job mache ich natürlich trotzdem Vollzeit weiter. Und dann wollte ich ja auch noch täglich De Volkskrant lesen…

Und wenn dann noch einige Kleinigkeiten nicht funktionieren, wird es wirklich was viel.

Eine Kleinigkeit wie, dass ich an meinem Auto das Rücklicht reparieren, sprich: die Birne austauschen musste, das Auto aber aufgrund der kranken Parkplatzsituation hier 2 km von meinem Apartment entfernt steht. Dass ich hier erst keinen Schrauberdreher hatte, um die Mutter des Rücklichts zu lösen und alle Albert Heijns und Kruidvats der Gegend keinen anbieten. Und als ich dann endlich einen DIY-Markt gefunden, dort einen gekauft habe und damit wieder die 2 km zum Auto bin, hat der nicht gepasst. 🙄 Das Gewinde war völlig ausgeleiert. Ich also wieder die 2km zurück. Heute wollte ich wieder in den DIY-Markt gehen, um den Dreher auszutauschen. Da hat der Laden doch ausgerechnet mittwochs zu. 🙄🙄

Und dann hat es auch noch geregnet, ich hab ewig keinen Sport mehr gemacht und mein Nacken tut ja auch noch weh. 😩

Konstruktiver Journalismus, Jürgen, keine Rumheulerei hier!

Okay okay, also irgendwie habe ich mich dann doch noch aus dem Schlamassel befreit:

  • Erstmal bin ich lekker in den TigerShark Coffee, um Luft zu holen, einen Kaffee zu trinken und De Volkskrant zu lesen (die Niederlande bekommen auch eine neue Regierung!).
  • Dann habe ich meine AirBnB-Gastgeber angeschrieben, ob die mir nicht vielleicht sogar einen Schraubenschlüssel ausleihen könnten. Konnten sie! Hätte man auch früher mal drauf kommen…
  • Ich habe zusätzlich alles in meinen Rucksack gepackt, was irgendwie einen breiten Schlitzschraubendreher ersetzen könnte. Dosenöffner, Kuchengabel, Brötchenmesser…
  • Damit bewaffnet, habe ich eine Regenpause abgewartet und bin sehr schnellen Schrittes zum Auto gewandert, um wenigstens so ein bisschen was wie Sport zu machen.
  • Und siehe: Schon der Schraubendreher meiner Gastgeber passte auf Anhieb. Nach 10 Minuten brannte wieder Licht.
  • Zurück auch noch einmal schnellen Schrittes.

Mal gucken, ob ich den anderen Schraubendreher morgen noch gegen Geld omruilen kann. Mittlerweile hat sich sogar Swapfiets gemeldet und will mir am Montag endlich ein Fahrrad vorbei schicken. Dann hätte ich wenigstens noch 1 Monat damit. Und wenn der Nacken wieder gut ist, schaffe ich’s vielleicht doch noch mal zu diesem ominösen Tischtennisklub hier vor Ort. Oder ich gehe am Wochenende einfach mal ne Runde laufen, was soll’s. Fitnessstudio? Puh…

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Hm

Één week in het buitenland

Seltsam. Jetzt bin ich gerade mal eine gute Woche hier und jetzt fällt mir fast schon wieder die Decke auf den Kopf. Ich war mehr als 5x bereits am Strand, über 5x im Albert Heijn oder im Hoogvliet. Erst nach ein paar Tagen habe ich die urige Jurriaan Kokstraat mit kleinen Cafés und überproportional vielen Surfshops entdeckt – und sie mittlerweile dann auch wieder so oft abgeschritten, dass ich sie beinahe in- und auswendig kenne.

Nee doch, schon krass. Wie schnell man sich an einem Ort heimisch fühlen kann. Das heißt noch nicht einmal, dass hier nichts Neues passieren würde. Heute etwa saß ich zum ersten Mal außen an dem Café des benachbarten Theaters, das ich eigentlich anfangs mal zu meinem Third Place erklären wollte. Tag 9 vor Ort und heute habe ich es zum ersten Mal dahin geschafft… Dort habe ich immerhin die überregionale Tageszeitung „De Volkskrant“ gelesen (schon zum 2. Mal würde ich gerne zur Gewohnheit machen), in dem – voll meta – eine Rezension des neuen Musicals abgedruckt war, das in eben diesem Theater seit neuestem läuft (Aladdin, das Musical).

Mir fehlt der Sport. Der ist eigentlich essentiell, gerade wenn man viel lernt. Aber mir fällt nichts ein, was ich machen kann. Laufen soll ich noch nicht wieder. Swapfiets kommt nicht in Quark, mir ein Leihrad zu stellen (und ich fürchte fast, das wird auch nichts mehr). In ein Fitnessstudio (Basic-Fit sitzt direkt um die Ecke) mag ich irgendwie noch nicht gehen. Heute hätte ich eigentlich mal zum örtlichen Tischtennisclub gehen wollen, mir aber praktischerweise am Morgen den Nacken verzogen. Kein Sport bekommt mir nicht gut. Ich werde dann maulig, aggressiv und unausgeglichen. Any tips?

Aber ansonsten mag ich das hier! Es ist allenfalls was stressig gerade.

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Right

Wahl ’21

  • Bin froh, gerade nicht in Deutschland zu sein.
  • Gute Chance immerhin, dass Laschet wirklich verhindert wird.
  • <15% ist ein Desaster für die Grünen.
  • Deutschland hat der SPD also vergeben.
  • Aber nur um Laschet zu verhindern?
  • Und damit die Grünen nicht an die Macht kommen?!
  • Klimawandel? Ahr-Katastrophe? Alles schon vergessen?
  • Es wird also alles weiter gehen wie bisher.
  • Dann kann ich mich jetzt ja wichtigeren Dingen widmen.
  • 🤷🏻‍♂️
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Möh

Life is much more simple when you’re young

15:

Findet die mich cool, finde ich die süß?
Herr Hospach hat uns echt viel aufgegeben.
Wenn ich groß bin, werde ich Schriftsteller!

45:

Ganz schön teuer geworden, so Wohnungen!
Wie mag das wohl erst in 20 Jahren aussehen?
Und wie soll ich das dann alles bezahlen?
Falls der Klimawandel dann nicht eh alles ruiniert hat.
Verdammt, die Grünen!
Ob sich die Klimakrise noch aufhalten lässt?
Und wie kriegen wir das hin, ohne dass wir Wohlstand aufgeben?
Weiß gar nicht, wo ich die ganze Arbeit unterbringen soll.
Muss ja nebenher noch neue Konzepte entwerfen.
Und Sport nicht vergessen, sonst werde ich gar nicht erst so alt.
Familie gründen wird wohl nichts mehr.
Wüsste aber auch eh nicht, wie ich das alles bezahlen sollte.
Verdammt! Die Autoversicherung ist wieder teurer geworden.
Und die Heizkosten erst.
Ich war doch gerade erst 35?!
Bleibt gar nicht mal mehr so viel Zeit, bis das Leben schon wieder vorbei ist.
Kann ich wenigstens noch 2 der Träume realisieren, die ich mal hatte?
Muss schon wieder zum Zahnarzt wegen so nem Mist.
Mann, bin ich aus der Puste!
War ich gestern wirklich nur ne Runde laufen? Komme mir vor, als wäre ich überfahren worden.
Schriftsteller werd ich wohl nicht mehr, ich wüsste gar nicht wann ich das machen sollte.
Aber immerhin mach ich sowas Ähnliches.

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Right

Deutsche und Niederländer

Okay, falls man das überhaupt verallgemeinern kann (ich finde: ein bisschen schon), so kommen mir viele Niederländer etwas direkter vor als Deutsche. Kein Verstecken im Kontext: Gerade heraus, was man denkt, egal ob Lob oder Kritik. Dass bei niederländischen Männern zwischen 40 und 60 gerade irgendwie die Beethoven-Mähne im Wet-Look in ist: wohl einfach nur eine andere Mode.

Dass uns das Land, was Infrastruktur, Architektur, Agrikultur, Innovation und Wohlstand angeht, um geschätzte 20 Jahre voraus ist, würde ich auf simples Vorhandensein der notwendigen Finanzen zurückführen. Denen fehlen eben keine 2.000 Milliarden in der Bilanz, die bei uns die Wiedervereinigung gekostet hat. Das ist ganz schön viel Geld, mit dem man viele tolle infrastrukturelle Projekte hätte anstoßen können.

Eins ist mir aber noch aufgefallen: Was ich bisher so gesehen habe, sind mir viele Niederländer weniger darauf bedacht, sich irgendwie anzupassen. Man ist dann mal da, man ist dabei auch schon mal laut, man macht direkt sein Ding und kümmert sich erst einmal wenig darum, was andere davon halten könnten. Klar, man tritt dabei schon niemanden auf den Fuß, und täte man es doch, würde man sich höflichst und ehrlichst entschuldigen. Aber man weiß auch, was man darf und kann und füllt diesen Raum voll aus. Fühlt sich jemand dadurch gestört, hat man auch kein Problem damit, sorry zu sagen und ein paar Oktaven tiefer zu singen. Aber man hat diesen vorauseilenden Gehorsam nicht, den ich Deutschland so oft sehe. Wir können hier nicht so laut sein, wir müssen uns hier so und so benehmen, wir gehen schon ganz rechts die Straße entlang, weil da irgendwann ein Auto kommen könnte. Da sind wir dann doch oft sehr angepasst.

Ja, blöde Generalisierungen… Gilt natürlich nicht für alle, sind nur Beobachtungen, gibt viele Gegenbeispiele… Ihr wisst, was ich meine.

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Yeah

Foto’s aan Zee

Falls noch einer überlegt, ob er mich besuchen will…

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OK

1/2 Woche in Scheveningen

Gerade bei der Hausaufgabe war es mir zum ersten Mal, dass ein Satz ohne nachzudenken geschossen aufs Papier kam. Ansonsten kostet mich alles viel Gehirnschmalz, aber die Zeit verfliegt und ist besonders intensiv. Mein vierter Tag hier geht schon gerade zu Ende.

Denke ich an frühere Bildungseinrichtungen zurück, gab es da eigentlich drei Typen:

  1. Schule: Eine Art Diktatur, bei der die Herrschenden die Allmacht haben (ist heute längst nicht mehr so, war es aber in den 90ern noch!) und die beherrschte Klasse den Druck aneinander ablässt oder sich Sündenböcke dafür sucht.
  2. Studium: Die Demokratisierung der Bildung. Du musst fast gar nichts (ist heute auch nicht mehr so), dabei interessiert sich aber auch keiner für dich. Weniger Druck untereinander als auf der Schule
  3. Echte Erwachsenenbildung: VHS-Kurse, Erste-Hilfe-Kurs, Fortbildungen. Wie du aussiehst, was du anhast, wie alt du bist, wer du überhaupt bist – alles egal. Du hast den Kurs bezahlt und damit die gleichen Rechte wie alle. Der Dozent kümmert sich um dich und deine dummen Fragen. Hier fallen die üblichen Rollenmodelle weg. Dafür gibt es meist keinerlei Evaluierung, ob du auch wirklich etwas lernst. Das ist dann deine Sache.

Ich fühle mich gerade wie bei einem Mix aus diesen 3 Typen. Wir haben Frontalunterricht, schreiben mit Kugelschreiber auf Papier ins Lehrbuch und bekommen Hausaufgaben auf. Das Niveau ist durchaus das eines Sprachkurses auf der Universität. Straffes Programm, viel nachzubereiten, dazu werden die Hausaufgaben noch abgefragt (andererseits gibt es keinen Eintrag in irgendein Klassenbuch, wenn du die Hausaufgaben nicht machst oder vom Sitznachbar abschreibst und dich dabei erwischen lässt). Aber es gibt nur ganz wenig Druck, der irgendwo abgelassen werden müsste.

Gut, es ist Tag 4. Und wir pauken ziemlich viel Stoff. Trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich etwa heute den Dude im Swapfiets-Büro (ich will mir eins ausleihen), direkt auf Englisch angesprochen habe. Die Schlange hinter mir ist lang, die Vertragsmodalitäten hätte ich nicht gut verstanden. Aber ja, ich drücke mich noch. Auch weil mir noch viele Alltagssätze fehlen.

Heute Abend am Eingang vom Supermarkt wollten ein anderer Mann und ich gleichzeitig rein und haben uns dann solange gegenseitig vorlassen wollen, bis er dann irgendwann lachte und einfach gegangen ist. Das wäre eigentlich der Moment gewesen, an dem ich dann irgendeinen lustigen Spruch hätte bringen können, um mit den jeweiligen Locals warmzuwerden. Aber mir wäre schon auf Deutsch nichts eingefallen… Und die Antwort hätte ich auch nicht verstanden. Ist noch ein weiter Weg.

Andererseits hilft es ungemein, 24 Stunden am Tag von Niederländisch und Niederländern (bis auf die erstaunlich vielen deutschen Touristen) umgeben zu sein. Wäre schon ein Wunder, wenn da nicht was hängen bliebe.

Die Hausaufgaben habe ich geschafft (Mann, ist das viel!), aber schon jetzt komme ich mit der Nachbereitung nicht ganz hinterher. Doch wie an der Uni damals…

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Right

Schulbank 3.0

Seit heute bin ich also wieder Schüler. Nun ist es jetzt nicht so, dass ich in den letzten Jahren nicht auch einiges Neues gelernt hätte. Aber dazu war ich meist auf nur einzelnen Fortbildungen oder VHS-Kursen. Nichts, bei dem man dauerhaft sonderlich gefordert worden wäre. Hier ist das anders.

Wir sind ein sehr kleiner Kurs, der in Niederländisch vom B1- aufs B2-Level gehievt werden will. Neben mir nur noch zwei Mitschüler: der Engländer, der beruflich viel mit niederländischen Firmen zu tun hat, und die Polin, deren Mann beruflich hierhin gezogen ist, und die mindestens B2-Level braucht, um hier arbeiten zu dürfen.

Der Engländer scheint mir schon recht flüssig in der Sprache zu sein. Die Polin und ich haben an unterschiedlichen Fronten mit ähnlichen vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich bin ziemlich fit in der Grammatik, aber mir fehlen noch viele, viele Wörter und die, die ich schon kenne, fallen mir längst nicht immer ein. Aber daran arbeiten wir jetzt, denn der Kurs ist natürlich komplett auf Niederländisch.

Was hat sich getan seit der Schulbank in den 1990ern und dem Studium in den frühen 2000er-Jahren? Wenig und viel zugleich. Wir haben eine Art gruppenorientierten Frontalunterricht mit Whiteboard statt Tafel. Wir benutzen ein gedrucktes Kursbuch für den Unterricht, von dem es auch einen Online-Teil gibt.

Der Engländer war der erste, der per App für jeden unbekannte Wort auf seinem Smartphone rumgehämmert hat. Ich fragte nach seiner weapon of choice – Google Translate. Davor hatte ich schon iTranslate ausprobiert, heute Abend kamen noch DeepL, Linguee und noch eine NL-EN-Übersetzungsapp hinzu, die irgendwie keinen Namen hat. Sie haben eins gemeinsam: sie sind alle scheiße… Auf dem Notebook habe ich im Browser ein Lesezeichen zum Pons Online-Wörterbuch DE-NL gesetzt. Das ist zwar werbefinanziert, aber ansonsten erstaunlich gut.

Denn immerhin: Es gibt jetzt das Internet. Man kann alles nachschlagen, es müssen keine Wissenslücken bleiben. Nur ob die Informationen verlässlich sind – das muss leider immer wieder bezweifelt werden. Sooo viel scheint sich seit damals also doch nicht getan zu haben.

Ansonsten geht es mir gut. Scheveningen ist auch bei etwas kälterem Wetter noch schön. Jeder Sonnenstrahl wird natürlich dankend angenommen. Im Supermarkt habe ich mir heute automatisch eine Maske aufgesetzt – als einziger. Wahrscheinlich werde ich damit auch bald aufhören, weil mir das irgendwann zu affig wird, das als einziger zu tun, jetzt wo doch „alle“ geimpft sind. Morgen möchte ich mal in die Stadt und mich nach einem Swapfiets erkundigen. Sonderbarerweise sind parkende Fahrräder hier aber auch nicht viel lieber gesehen als Autos. A propos: Es wurde noch nicht abgeschleppt und hat auch noch kein Ticket erhalten. Ich scheine mit etwas Glück tatsächlich den einen von nur zwei Orten in ganz Scheveningen gefunden zu haben, an denen man kostenlos parken kann.

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Yeah

Mein erstes politisches Gespräch auf Niederländisch

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und so. Dabei komme ich erst nach fast 5 Stunden müde und mit massiven Rückenschmerzen in Scheveningen an. Nicht viel Zauber für den Anfang…

Und erstmal geht es weiter mit Herausforderungen. Meine Unterkunft finde ich recht schnell, sie sieht heel prachtig eruit! Aber parkeren? Ist hier so ne Sache. Schon unterwegs habe ich mal nach „parkeren scheveningen“ im Web gesucht und auch meine AirBnB-Hosts gefragt. Einhellige Meinung aller Quellen: wissen wir nicht so genau, ändert sich oft und ist auf jeden Fall teuer und sehr kompliziert. Vor dem Haus ist gerade ein Parkplatz frei… Come on, eben halten, ausladen und kurz alles in die Wohnung bringen. Ich riskier’s.

Und es passiert wirklich nichts. Die Wohnung ist toll, genau wie beschrieben. Ich gehe wieder runter und frage die erstbeste Passantin auf Niederländisch, wie es hier mit dem Parken aussehe. Wisse sie auch nicht so genau, sagt sie. Sie glaube, 2 Stunden für einen Mondpreis. Ich gehe noch einmal gucken und die Website des direkt angrenzenden Parkhauses checken. 30 Euro pro Tag! Bei Vorreservierung billiger. Die Website sagt: 200+ Euro pro Monat in der Hauptsaison, die immer noch läuft. Na klasse.

Auf dem Hinweg war mir, ich hätte da ein paar Autos wild an der Hauptstraße parken sehen. Da fahre ich jetzt wieder hin und will das auch machen. Es ist fast 2 km die Straße runter, aber es ist noch ein Platz frei und tatsächlich: kein Schild oder irgendwas. Und zwei Lücken vor mir: ein Auto mit Siegburger Kennzeichen. Ich parke da einfach mal. Meine Vermieter frage ich, ob ich das wohl darf – keine Antwort bisher. Morgen frage ich mal in der Sprachschule, ob die was wissen und sicherheitshalber werde ich noch einmal nachsehen, ob das Auto dann noch da steht…

Den Weg zurück laufe ich. Die Gegend ist wirklich schön. Ein kleiner Kanal, ein ziemlich großer Park, tatsächlich Menschen die für eine – ich vermute Familienfeier – direkt auf der Straßen feiern und tanzen. Ich komme an einem Skaterpark mit angrenzendem Koffieshop (so ein Zufall?) vorbei und muss wohl ein Stückchen zu weit gelaufen sein. Denn plötzlich stehe ich vor dem Strand:

Und den kannte ich bisher tatsächlich noch nicht. Und ist. das. schön. hier! Eine moderne Promenade, viel Sand, tolle Beachclubs, Restaurants, Bars. Ich mache ein paar Fotos, als ich plötzlich hinter mir eine Stimme höre:

„Goedenavond meneer, en hoe gaat het me jou?“

Der junge Typ im Anzug mit leichtem Seitenscheitel, den ich gerade schon dabei beobachtet habe, wie er Aufkleber mit einem akropolisartigen Symbol auf Laternen und Straßenschilder klebt.

Ich frage ihn in gebrochenem Niederländisch zurück, wie es ihm gehe und wofür die Aufkleber stünden. Er fragt, woher ich komme und ob es in Deutschland auch so wenig Auswahl bei den Parteien und wenig direkte Demokratie gebe. Käme drauf an, versuche ich zu sagen. Eigentlich hätten wir genug Demokratie und auch Parteien, auch wenn sich viele davon gar nicht so sonderlich voneinander unterscheiden würden und keine die echten Probleme angehe – aber da scheitere ich knapp dran. Ob es denn eine Partei gebe, die genau meinen politischen Ansichten entspräche, fragt er noch. Ich bekomme nichts anderes hin, als auf Volt zu verweisen, die es ja auch europaweit gebe. Ah, Volt, sagt er, die kenne er, die pro-europäische Partei. Ja genau, sage ich noch.

Er will noch etwas hinzufügen, lässt es dann. Seine Begleiterin grinst sonderbarerweise in sich hinein. Er verabschiedet sich sehr höflich per Händedruck, auch seiner Begleiterin gebe ich die Hand. Na also! Ich habe fast alles verstanden, was er gesagt hat, und die ganze Zeit über haben wir die Sprache nicht gewechselt. Mein erstes politisches Gespräch auf Niederländisch!

Später google ich die Partei namens Forum voor Democratie und da wird mir klar, warum seine Begleiterin so gegrinst hatte. Laut Wikipedia ist die FVD eine EU-skeptische, nationalkonservative Partei in den Niederlanden. 😂

Aber immerhin: Er ist gegenüber dem Gast sehr höflich geblieben, auch als er erkannt hat, dass ich politisch eher auf der anderen Seite stehe. Und irgendwie bin auch ich freundlicher geblieben, als ich es sicher wäre, hätte ich vorher gewusst, wer da vor mir steht. Ein wenig Unvoreingenommenheit – täte mancher politischer Diskussion gar nicht schlecht.

Ich schlendere noch ein wenig über die verdammt schöne Strandpromenade, besuche den „Pier“, eine schiffsförmige Mischung aus Mall und Restaurantmeile mit angrenzendem Riesenrad und Bungieturm direkt am Strand. Wunderschön!

Als ich Google Maps nach dem Rückweg frage, zeigt die App die beiden Punkte fast nebeneinander an. Meine Wohnung ist wirklich nur fünf Gehminuten vom Epizentrum entfernt! Die Gegend ist lebhaft, voller Cafés und Restaurants. Es ist alles was teurer, ja, aber wunderschön und belebt. Heute war das Wetter noch einmal super. Ob es bei Regen und Kälte auch alles noch so schön ist, wird sich zeigen. Aber bisher: wunderschön!

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Yeah

Bonn wacht auf

Jetzt, wo für mich mehr oder weniger ein neuer Lebensabschnitt beginnt, für den ich unbedingt aus Bonn raus kommen wollte, wird es hier plötzlich wieder hübsch. Es gibt Outdoor-Kinos, Live-Outdoor-Wahlkampfdebatten direkt vor meiner Tür (aber ich hatte keine Zeit dorthin zu gehen), Konzerte und Theater sowieso, die Leute machen Sport im Park, die Straßen sind voller Menschen. Vor dem Kaiserplatz kann man bei schönem Wetter mittlerweile ziemlich gut Fußball gucken oder kurz einen Blick auf die Fahrraddemo werfen, die dort lang geht.

Ein neues Brauhaus hat in der Innenstadt geöffnet (Sion zwar, aber was soll’s), auch die Gegend um den HBF kommt langsam aus dem Quark (auch wenn der Style da immer noch ghetto-chic ist). Die Wirte von Nyx und Flynn’s Inn wollen das Anno wiederbeleben. Ähnliches Konzept wie früher zwar, aber im Nebensatz ließen sie die Info fallen, dass der Laden 12 Zapfhähne bekommen soll. Beinahe eine Craftbeer Bar! Es geht aufwärts hier. Warum wollte ich noch mal weg?

Na ja, weil vor ein paar Wochen halt noch alles schlief, Corona noch am Start war, ich jeden Quadratmeter hier im Umkreis hundert mal abgelatscht hatte und man auf jeden Fall ja mal raus muss, aber irgendwie nicht konnte. Jetzt bin ich über beides froh. Dass ich doch noch mal hier weg komme und dass ich mich bei die Rückkehr nicht grämen muss. Bonn ist schön, Bonn lebt wieder, ich freue mich, bald wieder hier zu sein!

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Hm

In die Spur

Puh. Also Herbstdepression würde ich das jetzt nicht mehr nennen. Aber bisschen aus der Spur bin ich gerade. Klar, am Sonntag geht’s auch schon los mit meinem ersten echten längeren Auslandsaufenthalt seit 2004: Sieben Wochen Niederlande. (Fast auf den Tag genau in dem Moment übrigens, in dem ich, bis auf 1/2 Jahr Singapur, seit 20 Jahren in Bonn wohne.)

Und irgendwie kam das jetzt alles schneller als gedacht. Ja, ich musste hier mal raus, ja, manchmal muss ich mich selber auch zwingen, mal aktiv zu werden und coole Sachen zu machen, und ja, das könnte richtig klasse werden. Aber irgendwie fehlte mir zuletzt einfach mal ein Tag, um alles mal ein wenig sacken zu lassen. Ich hab die letzten Wochen irgendwie nur noch funktioniert. Das war auch nicht wirklich gesund. Ich hoffe, an der See bleibt mal ein bisschen Zeit um abzuschalten. Ich melde mich mit Fotos, wenn es so weit ist!

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Hm

Thoughts and Deeds

Die Herbstdepression hat mich dieses Jahr jetzt schon erwischt. Irgendwo auf dem Weg nach Düsseldorf und zurück letztes Wochenende ist meine Energie völlig auf der Strecke geblieben, und ich hänge gerade noch ziemlich durch. Nicht schlimm, aber irgendwo: ärgerlich.

Zumal ich es getan und die AirBnB-Wohnung in Scheveningen gebucht habe. Nachdem ich ein wenig mit dem Host auf Niederländisch gechattet hatte und er mir dann preislich sogar noch deutlich entgegengekommen ist, gab es kein Argument mehr dagegen. 🙂 7 Wochen Niederlande also jetzt. Already starting end of next week.

Und ja, es kann sein, dass mich das alles ein wenig überfordert hat. Im Sommer reiße ich manchmal Bäume aus und plane in der Geschwindigkeit auch den Herbst ein. Und mittendrin geht mir dann die Energie aus. Einfach unpraktisch, zumal man sowas wie einen Sprachkurs und einen Auslandsaufenthalt am besten ja mit Feuereifer angeht. Jetzt ist also erstmal Bremse angesagt.

74,4 kg zeigte die Waage gerade an, abends. Ich habe auf der Radreise neulich wirklich abgenommen und kann das weiter empfehlen für jemanden, der dringend und gesund Gewicht verlieren möchte. Aus „Spaß“ nochmal unter 70 kg kommen, das war eigentlich mein Ziel. Würde aber nochmal richtig schwer, zumal mir jetzt dafür auch Zeit und Energie fehlen und ich auch mit Campingplätzen irgendwie fertig bin.

Irgendwann im letzten Jahr scheint sich da etwas geändert zu haben. Vielleicht weil das ganze Land plötzlich in Campern oder als Bikepacker unterwegs war und dann irgendwo unterkommen musste, was wohl gar nicht so einfach war und zu Konflikten geführt hat. Ich hab mir in diesem Sommer schon einiges Geschimpfe oder sonderbar abweisendes Verhalten von Campingplatzbesitzern anhören dürfen. Aber der Campingchef vom letzten Wochenende hat dann alles getoppt. Und irgendwie habe ich jetzt gar nicht mehr so die Lust auf Campen. Die Platzbetreiber scheinbar auch nicht.

Kevin Can F*** Himself: Hat bei mir einen Nerv getroffen und ich habe mich königlich amüsiert. Klar gibt es Schwächen, zum Beispiel das „Warum eigentlich?“ und das Ende. Aber diese Mischung aus Sitcom und Drama fand ich von der Machart her herrlich unterhaltsam. Can recommend, at best in English.

Schreiben fällt mir gerade noch recht schwer irgendwie. Ich lasse es mal für heute dabei.

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Right

Aus kleinen Verhältnissen

Right…

Die eigentliche Wohnung, die ich mir für die Unterkunft zu einem Sprachkurs in Scheveningen ausgeguckt hatte, war jetzt nicht gannnnz so teuer. Aber doch, sie sprengt eigentlich mein Budget. Und wäre nicht wirklich notwendig, denn einige Kurse ließen sich auch ganz online buchen.

Der Witz ist: Es ließe sich schönrechnen. Es wäre eine Geschäftsreise/Bildungsreise/Werbungsaufwand, ich könnte die Kosten voll steuermindernd gelten machen und da ich in diesem Jahr im Grunde noch keine Geschäftsreise hatte, würde mich die Wohnung durch die Steuer, die ich durch sie einspare, am Ende etwa die Hälfte kosten. Und damit läge sie in meinem Budget.

Was dann dagegen spricht? Es ist alles in allem verdammt viel Geld für etwas, das nicht zwingend notwendig wäre. Und ich komme aus kleinen Verhältnissen. Ich bin eigentlich immer gut damit gefahren, die Kosten nicht ausufern zu lassen und auf sparsamem Fuß zu leben. Hat mir nicht geschadet, würde ich behaupten. Hat mir aber vielleicht doch den einen oder anderen „dekadenten“ Spaß nicht erlaubt.

Toll wäre es schon, also das mit der Wohnung. Ich wäre 7 Wochen mehr oder weniger nur in den Niederlanden, fast direkt am Meer, und würde nur Niederländisch hören und sprechen. Dann würde auch mal wirklich was hängen bleiben. Die nächstgünstigere Unterkunft ist auch gar nicht mal sooo viel preiswerter (die Randstad ist einfach verdammt teuer, siehe Bild oben!) und nebenbei könnte ich mir ein wenig die Startup-Szene vor Ort anschauen.

Ich kann mich nicht entscheiden und muss da wohl noch mal drüber schlafen… Zumindest davon weiß ich, dass es meistens hilft. 🙂

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Right

Essensmythen

Auf meinem Biketrip neulich habe ich ca. 2 bis 3 Kilogramm abgenommen. Mittlerweile wiege ich um die 75 kg und damit fast 20 kg weniger als zu meinen „schwersten“ Zeiten. Das schreibe ich nicht, um damit rumzuprahlen. Ich sehe es als Zeichen dafür, dass es mir sehr geholfen hat, ein paar Essensmythen, gelernte Verhaltensregeln und Denkmuster abzulegen, die ich mich früher eindeutig vom Schlanksein abgehalten haben. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen von euch auch.

  • „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ -> Dachte ich lange und hab mir entsprechend morgens schon den Bauch vollgeschlagen. Dann hatte ich paar Stunden später schon wieder Hunger und vor allem Durst und das ging den ganzen Tag so weiter. Mittlerweile frühstücke ich eigentlich kaum noch, meistens ist meine erste „Mahlzeit“ des Tages ein Milchkaffee und dann kommt erst viel später was „Festes“. Auch auf Radreisen bin ich schon dutzende Kilometer gefahren, ohne auch nur eine einzige Kalorie zu mir genommen zu haben. Ein guter Tag ist es dann trotzdem geworden. Nur auf den Kaffee vorher mag ich nicht verzichten. Das kann aber zur Not ein schwarzer sein.

    Wichtiger finde ich, dass die erste Mahlzeit eine halbwegs nahrhafte ist, egal, wann sie dann stattfindet. Tage, die mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten beginnen, enden bei mir komischerweise nie gut.
  • „Du musst doch was essen!“ -> „Sonst kippst du um“, „fällst vom Fleisch“ etc. Nee. Da passiert nichts. Alles ausprobiert von „ohne Frühstück aus dem Haus“ über „eine Mahlzeit übersprungen“ bis hin zu „einen ganzen Tag nichts gegessen“. Mir ging’s dabei immer noch gut. An heißen Tagen hatte ich allenfalls mal ein wenig „Kreislauf“ oder war mies gelaunt. Aber das war es dann auch schon.
  • „Hunger ist was Schreckliches!“ -> Ja, für diejenigen, die wirklich nichts haben und essen können. Aber für uns in der Überflussgesellschaft kommt es in meinen Augen darauf an. Seit ich intervallfaste, nehme ich Hunger unterschiedlich wahr. Manchmal ist es wirklich ein unangenehmes Gefühl, das ich beseitigen möchte. Viel öfter aber fühlt er sich beinahe befreiend an.
  • Wer nichts isst, kann auch nichts leisten. -> Stimmt vielleicht für den, der körperlich arbeitet. Der braucht auch was auf die Brust, sonst kann er keine Steine/Zementsäcke/LKW-Reifen mehr durch die Gegend schleppen. Und wir Büromenschen? Hier ist in meinen Augen das Gegenteil der Fall. Viele Mahlzeiten lähmen eher, weil sie den Verdauungstrakt über Gebühr beanspruchen. Wer den ganzen Tag auf seinem Schreibtischstuhl hockt, braucht erheblich weniger Nahrung und ist sogar leistungsfähiger, wenn er weniger isst.
  • „Drei Mahlzeiten am Tag“. -> Auch damit bin ich aufgewachsen. Dreimal ist eigentlich auch ein guter Rhythmus für einen gesunden Menschen. Ich habe das nur leider lange missverstanden mit „Schlag dir dreimal am Tag den Bauch voll“. Und ständig war ich müde deswegen, weil der Verdauungstrakt die ganze Energie beanspruchte. Einfaches Frühstück, mittags was Leichtes, abends je nach Gusto. Das würde ich einem gesunden Menschen heute empfehlen. Da passt dann sogar manchmal noch ein Stück Kuchen dazwischen.
  • „Frühstück, Mittag, Abendessen“ -> Es gibt mittlerweile Tage, an denen esse ich nur 1x. Meistens ist das der späte Nachmittag. Wie nennt sich dann diese Mahlzeit? Brinner? Problematisch an solchen Bezeichnungen finde ich, dass mit ihnen auch ein latenter Zwang einhergeht. Es ist Mittag – ich soll also essen, nur weil es die Uhrzeit so will? Das ist doch Quatsch. Essen wann man Hunger hat, klingt schon etwas besser. Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat, finde ich noch viel besser.
  • „Wer nichts isst, wird magersüchtig.“ -> Nee, das ist was ganz anderes. Magersucht geht mit psychischen Problemen einher, das Verhältnis zu Nahrung und zum eigenen Körper ist getrübt. Wer einfach nur weniger und seltener isst, aber auf gesunde Ernährung und Sport achtet und dabei mit und nicht gegen seinen Körper arbeitet, hat wenig zu befürchten.

Also kurz gesagt: Wer weniger isst, fällt nicht vom Fleisch. Er fällt auch nicht um, wenn er mal eine Mahlzeit überspringt oder sogar mal einen ganzen Tag nichts isst. Der Tag kann immer noch gut werden, ihr könnt immer noch Leistung bringen. Hunger muss kein schlechtes Gefühl sein. Büromenschen brauchen deutlich weniger Kalorien am Tag als Menschen, die körperlich arbeiten. Und wir essen im Großen und Ganzen eher viel zu viel als zu wenig. Musste alles mal gesagt werden.

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OK

Traveling more lightly

Das sind die Dinge, die ich auf meinem Bikepacking-Trip kürzlich nicht (links) oder nur ganz selten (rechts) gebraucht habe:

Links seht ihr vor allem Notfallzeugs: Regenhose, Regengamaschen, Fahrradschlauch, Mantelheber, Notfallwasser. Dazu Extra-Masken, Wäscheleine, feuchte Reinigungstücher, Kaugummis.

Jeweils nicht gebraucht habe ich das zum einen, weil ich tatsächlich auch nach 7.500 km mit dem E-Bike noch nie eine Panne hatte (toi toi toi) und weil ich mit Hilfe von Wetter-Apps, Planung und Hotelzimmern i.d.R. versuche, Regentage komplett zu umgehen. Um meine 1-Liter-Flasche Wasser wieder aufzufüllen, steuere ich mit Hilfe von Google Maps meist Friedhöfe an.

Note to self: Beim nächsten Mal lieber mehr Kleidung zum Wechseln mitnehmen. Hosen gehen vielleicht auch zweimal, Shirts nicht. Bis auf Nässe und Kälte nervt nichts mehr, als andauernd waschen zu müssen.

Die nur 1x oder ganz selten benutzten Gegenstände sind zweites Ausgeh-T-Shirt, Gesichtscreme, Notfall-Studentenfutter (Radfahren macht kaum hungrig) und das Solarladegerät. Es gab schlicht zu wenig Sonne.

Ganz nebenbei könnte ich eigentlich schon wieder los. 🙂 Mal sehen ob es in der angeblich schönen kommenden Woche für ein paar Tagestrips reicht.

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Right

Nur 3 Songs

Der niederländische Radiosender NPO 3 FM, den ich sehr gerne höre, hat einen Podcast namens „Onbewoond Eiland“, in dem Leute über ihre Lieblingsmusik berichten. Das Szenario: Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet und habt nur einen (solarbetriebenen?!) Bluetooth-Speaker dabei, auf dem tagein, tagaus nur dieselben drei Songs laufen können. Ihr wisst nicht ob ihr jemals gerettet werdet und ihr könnt nichts an der Auswahl verändern. Es müssten immer die gleichen Songs sein. Wenn ihr die Wahl hättet: welche wären das?

Ich finde die Frage fast schwerer zu beantworten als die drei Songs, die ich noch einmal gerne hören würde, bevor ich sterbe. Es müssten eben drei Songs sein, die euch maximal wenig auf die Nerven gehen. Das will weise ausgesucht werden. Mir fallen spontan ein paar ein, die ich damals rauf und runter gehört habe, über die ich mich danach trotzdem immer gefreut habe, wenn sie im Radio kamen und die ich auch heute noch gut hören kann. Warum weiß ich nicht. Es sind, zum Beispiel:

  • Fire, Water, Burn von Bloodhound Gang (the roof is on fire!)
  • Song 2 von Blur (mochte ich anfangs gar nicht)
  • Run Boy Run von Woodkid
  • Turn it up, fire it up (Busta Rhymes)
  • Zero Gravity von Kate Miller-Heidke (ein Beitrag zum Eurovision vor ein paar Jahren, aber der hat mich sowas von gekriegt)
  • Mist, sind schon fünf
  • Und natürlich noch viele, viele, die mir erst hinterher wieder einfallen würden, vor allem aus der Alternative-Schiene

Welche wären das bei euch? Und denkt daran: Es gäbe nie wieder was Anderes zu hören.

In der ersten Woche nach dem Urlaub habe ich mich nach dem ersten Schock wieder gefangen. Die Arbeit nur am Smartphone war sehr lehrreich, meine Pläne von Aufenthalten außerhalb Bonns leben noch und werden sogar realistischer und eigentlich bin ich gerade ziemlich happy. Genaueres bei Zeiten.

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Möh

Urlaubsspirit in den Alltag rüberholen (oder auch nicht, a sad story)

Ich kam einen Tag früher als geplant aus dem Urlaub wieder und hatte also noch den Sonntag übrig. Und eigentlich hatte ich gar keine Lust, wieder im Alltag anzukommen. Langweiliges Bonn… Ich wollte den Urlaubsspirit mitnehmen:

  • Direkt 1 Monat Aufenthalt in Amsterdam buchen für einen Sprachkurs und um die Startup-Szene dort zu erkunden
  • Vielleicht gleich ein neues Blog dazu starten, Gründer in Cafés zu Audio-Interviews treffen? Das alles auf Englisch? Warum nicht!
  • 1 Monat in Düsseldorf buchen, nur um die Stadt zu erkunden
  • 2-3 Monate in Singapur buchen, um das Zusammenleben mit Kristine zu testen. Das Land lässt (nur!) Deutsche wieder rein. How cool is that!
  • Planen, mir schnellstmöglich eine neue Brille zu kaufen
  • Für die Arbeit 1 Woche lang testen, nur mit dem Smartphone zu arbeiten (verrückte Urlaubsidee)
  • Bargeldlos first. Künftig immer erst fragen, ob ich mit Karte bezahlen kann. Bisschen Modernität in dieses Land bringen.
  • So schnell wie möglich nach Poppelsdorf und dort beim frittierenden Holländer Frikandel Spezial mit Patat und einer Portie Bitterballen bestellen.

Und es ging auch direkt gut los. Ich fand online ein bezahlbares, kleines Zimmer in Amsterdam, ein superhübsches WG-Zimmer zur Zwischenmiete in Düsseldorf, zusammen bewohnbar mit zwei Dudes. Und in Amsterdam noch einen Notnagel für verhältnismäßig wenig Geld auf AirBnB. Ich schrieb die beiden WGs direkt an.

Sie antworteten nicht. Wohnungen in Singapur schienen plötzlich exorbitant teuer, der Markt schien einfach noch nicht angesprungen zu sein. Und als ich heute noch einmal für Amsterdam schaute, war der günstige Notnagel schon weg. Plötzlich gab es nur noch Wohnungen auf AirBnB für mindestens 3.000 Euro. Gerne auch 8.000 oder noch mehr… Okay, dann Utrecht? Rotterdam? Genauso teuer. Nach Brillen schaute ich mich heute in der Bonner Innenstadt um, aber fand nichts, was mich auf Anhieb umgehauen hätte. Ohnehin müsste ich vorher einen Sehtest machen. Nächster freier Termin: am Mittwoch. Der nahende September füllte sich gleich mit fünf weiteren Terminen – in Bonn. Lohnte sich dann ein Monat in Düsseldorf überhaupt noch? Oder sollte ich nur Düsseldorf machen und dafür die Niederlande skippen? Aber was würde dann aus dem Sprachkurs – und der neuen Blog-Idee?

Und so sitze ich schon am ersten Arbeitstag nach meinem Urlaub ernüchtert danieder. Den Urlaubsspirit, die Leichtigkeit, das Grenzenlose mit in den Alltag zu nehmen, ist so ziemlich fehlgeschlagen. 🙁

Bis auf das 1-Woche-ohne-Laptop-Experiment. Damit habe ich trotz einiger Bauchschmerzen darüber, wie das eigentlich gehen soll, direkt angefangen (und es klappt bisher erstaunlich gut). Und bis auf das bargeldlose Zahlen. Als mich der Kellner im Restaurant (auch noch ein wenig Urlaubsspirit) fragte, ob mit Karte oder bar, sagte ich nicht mehr relfexartig „bar“, sondern antwortete nach kurzem Zögern mit „Karte“.

Am Abend fand ich dann doch noch ein paar halbwegs bezahlbare und sehr schöne AirBnBs in Singapur für Dezember und Januar. Eine Seite, die ich bis dahin noch nicht entdeckt hatte, bot ein gut aussehendes Zimmer in Amsterdam für immerhin unter 1.000 Euro an. Vielleicht sollte ich sowieso erstmal in Ruhe schauen, wo es Sprachkurse gibt, wann sie anfangen, wie das da mit Corona aussieht und auf welchem Level ich überhaupt bin. Und Düsseldorf? Vielleicht reichen da ja auch erstmal zwei Wochen.

Entscheide ich mich am Mittwoch nach dem Sehtest für eine hübsche Brille, wäre das eigentlich noch früh genug. Und als Belohnung gibt es anschließend in Poppelsdorf Frikandel Spezial. (Wer kommt mit?!)

Vielleicht muss man es einfach nur mal wieder etwas ruhiger angehen lassen… Dann klappt’s auch mit dem Spirit.