Kategorien
Yeah

.49: Deutsch

Jetzt fängt er hier schon an, Schopenhauer zu zitieren, ohne ihn jemals gelesen zu haben…

Schönes Zitat auf jeden Fall von Schopi (neulich im Radio gehört), in dem er den Nationalstolz als platteste Art des Stolzes bezeichnet:

Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Oder auch: wow! Wer es schafft, in eine scharfe Kritik auch noch ein Kompliment einzubauen, hat eigentlich schon halb gewonnen. Das Problem ist in meinen Augen nur weit vielschichtiger. Und zwar, dass einige leider gar nicht so dumme Köpfe Nationalstolz als Machtmittel erkannt haben und sehr erfolgreich auf Bauernfängerei bei eben den (vielfach wirklich) armen Schweinen gehen, die in der Tat oft nichts Anderes mehr haben als das. Und die lassen das dann an den noch ärmeren Schweinen raus. Das macht mich schon irgendwie traurig.

Ich frage mich gerade ohnehin: Ist Stolz nicht sowieso gegenüber der Freude das schwächere Gefühl? Bedarf es dann überhaupt Stolz für irgend etwas? Ich kann stolz darauf sein, wenn ich mir ein eigenes Haus gebaut habe. Aber wäre es ein nicht viel schöneres Gefühl, sich über die Errungenschaft zu freuen? Jedes Mal wieder. In meinen Augen ja.

Mit „Deutsch“ im Titel meine ich allerdings eigentlich die deutsche Rechtschreibung. Mit einem Kollegen zusammen arbeiten wir sie gerade noch einmal auf. Und, heftigster Dude, ich sage euch: Wäre das ein Videospiel, dann wären die drei mächtigsten Bosse, in der Reihenfolge:

  • Kommasetzung
  • Zusammen- und Getrenntschreibung
  • Groß- und Kleinschreibung (Endgegner)

Ich arbeite seit 20 Jahren irgendwie journalistisch, aber ich würde wahrscheinlich in einem Diktat für die 10. Klasse bestenfalls mit einem Ausreichend bestehen.

Was ich daran interessant finde: Nicht nur ich, womöglich auch der Duden. Denn der hat nach eigener Aussage selbst teilweise davor kapituliert. Ich zitiere aus seinem Regelwerk zu Getrennt- und Zusammenschreibung:

Allerdings ist die Unterscheidung von Wortgruppen und Zusammensetzungen nicht immer eindeutig möglich.

Wegen der Komplexität der Getrennt- und Zusammenschreibung kann es allerdings Grenzfälle geben, die mit diesen Regeln nicht eindeutig zu klären sind. Wenn auch das Wörterverzeichnis nicht weiterhilft, stehen den Schreibenden gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen offen.

Soso, „gewisse Freiräume für eigene Entscheidungen“. Sehr nett.

In Regel D51 geht es um Wörter wie „abhandenkommen“ und „übereinstimmen“, die man zusammenschreibt, „wenn der erste Bestandteil als frei vorkommendes Wort ungebräuchlich ist“.

„Ungebräuchlich“ ist aber auch schon wieder eine schwammige Aussage und dürfte im Auge des Betrachters liegen. Mir kommt oft etwas abhanden, ich finde das ziemlich gebräuchlich.

Laut Regel D54 schreibt man Zusammensetzungen, deren erster Teil ein Substantiv ist, normalerweise getrennt, also:

  • Auto fahren
  • Rad fahren

Aaaber nicht, wenn das „Substantiv als verblasst gilt“, was auch schon wieder im Auge des Betrachters liegt. Laut Duden sind das Wörter wie:

  • eislaufen
  • nottun

„Rad fahren“ also auseinander, „eislaufen“ zusammen? Ja, völlig logisch.

Oder frei nach Schopenhauer: Der arme Tropf, der nichts hat, hat wenigstens seine Rechtschreibung, an der er sich hochziehen und mit der er andere belehren kann, sonst würde er sehen können, was für ein Unsinn das teilweise ist.

Dummerweise ist genau das Teil meines Jobs…

Bild: ZDF

Weniger bissig als erwartet, aber trotzdem eine jecke Idee der „Anstalt“, eine Folge von „Ich bin Rassist, holt mich hier raus“ zu drehen. Spielt im „Dschungel“ mit zwei schwarzen Moderatoren und vier weißen Deutschen, die von sich behaupten, keine Alltagsrassisten zu sein und die ganze Aufregung um vermeintlichen Rassismus in Deutschland nicht verstehen, bis sie den Spiegel vorgehalten bekommen. Ich fand die Charaktere etwas unecht, aber bei der ersten Challenge, vor allem dem Date, hab ich mich weggeschmissen.

Banksy vandalisiert die Londoner U-Bahn. Aber Banksy darf das:

View this post on Instagram

. . If you don’t mask – you don’t get.

A post shared by Banksy (@banksy) on

That’s what I call a ride!

Schade, ich mochte den Laden. Aber ernsthaft. Ihr macht (laut Deko) den Megamonstersale, und alles, was ihr bietet, sind 10 Prozent?!

Langsam wird’s abstrakt…

Eine Antwort auf „.49: Deutsch“

Ach, Stolz sollte man auch nicht unterschätzen, seit Paläozän treibt es uns auch voran… Aber ich weiß was du meinst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.