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Komme vor lauter Lesen nicht mehr zum Fernsehen

Hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde. 😅

Es wird bestimmt auch nicht für immer sein, dazu kenne ich mich zu gut. Aber jetzt gerade lese ich vier Dinge gleichzeitig, darunter zwei Bücher, eins zum Wegminimieren, eins über Literatur, aktuell auch regelmäßig die „Zeit“. Dafür ging fast mein ganzes Wochenende drauf und so blieb mir keine Zeit, um einige Filme nachzuholen, die ich noch nachholen wollte, zum Beispiel „Oppenheimer“ oder „Crazy Rich Asians“, den ich für das Singapur-Buch noch studieren wollte.

Frage an euch: Wie macht ihr das? Wann lest ihr? Wie lange braucht ihr dafür? Die aktuelle „Zeit“ habe ich nach zwei Tagen zu 2/3 durch. Kann man sicher auch ganz schaffen, wenn man die Woche über auf lästige Zeitfresser wie Arbeit verzichtet. Bin ich ein langsamer Leser oder bin ich bloß der einzige, der ehrlich ist und das Ding wirklich zu großen Teilen ganz liest?

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Ach, iPhone…

Ein Shuttler ist ein Badminton-Spieler, verriet dann Google. Und Loh Kean Yew der erste Singapurer, der Weltmeister im Badminton wurde, was für die kleine Nation ein Riesending ist.

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Schweinhunde, wollt ihr ewig leben!

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Double Challenge

„… dann noch einmal alle Schränke ausmisten (aber das dürfte schnell gehen, das habe ich ja schon mehrfach gemacht), dann dürfte es das eigentlich gewesen sein“, schrieb ich Nicky.

„So in nem Jahr bist dann fertig?“, schrieb sie zurück.

„Eigentlich wollte ich im April schon fertig sein…“

„Da würde ich gerne gegen wetten.“

„Challenge accepted“. 😁

Es gibt Gründe dafür, warum Männer im Schnitt als weniger intelligent gelten als Frauen. Vielleicht, weil man uns ständig herausfordert und wir uns dann zu Sachen hinreißen lassen, die uns viel Zeit und Energie kosten. 🙄

In diesem Falle ist es aber sinnvoll. Ich wollte ja ohnehin endlich mal fertig werden mit dem Minimieren. Jetzt habe ich einen Anreiz dafür.

Und weil zeitgleich noch die BMI-Challenge mit Christian läuft, wird mir die nächsten Monate sicher nicht langweilig werden.

Wenn alles klappt, bin ich dann Ende April 2024 ebenso rank und schlank wie meine Wohnung, ich hätte alle meine Dämonen abgeschüttelt und endlich die Energie für etwas Neues, was auch immer.

Doch, das könnte gut werden. Bin motiviert!

Worum wir gewettet haben? Der/die Verlierer:in muss dem anderen den Flug zu einem gemeinsamen Städetrip irgendwo in Europa zahlen. Werde ich gewinnen. 🙂

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Telefon wegdigitalisieren

Mein Nacken bringt mich derzeit um den Schlaf, ist dauerverzogen und das mittlerweile seit Wochen. Ich bin jetzt so weit, dass ich dafür sogar zum Arzt gehen würde. Und, weil mir das immer wieder passiert, soll es jetzt mal ein Osteopath sein.

Bei Osteopathen scheint es ein Ding zu sein, dass nur der Anrufbeantworter läuft, man sein Anliegen, seinen Namen und seine Nummer aufs Band spricht und der Osteopath später persönlich zurückruft. Habe ich so bei zwei Praxen gemacht und gedacht: hey, mal nicht zu diplomatisch sein. Sag, dass es dir übel geht, du Schmerzen hast und möglichst schnell drankommen möchtest. Ist ja auch die Wahrheit.

Osteopath 1 hat sich bis heute nicht gemeldet, Osteopath 2 immerhin rief binnen einer Stunde schon zurück, war sehr verständnisvoll, bot mir einen Termin kommende Woche an und riet mir außerdem, mir von meinem Hausarzt ein Privatrezept für ihn ausstellen zu lassen. Dann würde meine Kasse einen Teil davon bezahlen. Aber ganz wichtig: Müsse ein Privatrezept sein, auf dem bis zu drei Behandlungen vermerkt wären.

Kompliziert, aber ich merkte mir das, eigentlich bin ich zu schüchtern, um um mein Recht zu kämpfen, rief aber dann doch bei meinem Hausarzt an, sagte erst, ich wolle vorbeikommen – „nee, bei ’nem verzogenen Nacken können wir nichts machen, der Doktor ist Internist“ – und fragte dann, ob ich mir ein oben beschriebenes Rezept abholen dürfe. Durfte ich. Bekam ich dann auch später.

Ich kann mittlerweile telefonieren. Ich tue es immer noch nicht gerne, eine latente Angst schwingt immer noch mit, aber es geht irgendwie, wenn es muss. Und das war ganz sicher nicht immer so. Als Jugendlicher sehr schüchtern, mit einem Sprachfehler „ausgestattet“, Selbstbewusstsein sowieso keins, zeitweise depressiv und ganz nebenbei keinerlei Telefonvokabelskills im Repertoire (was sagt man da eigentlich so, wie geht so ein Telefonat?). Und dann sagt die Gegenseite was wie: „Rufen Sie doch kurz durch!“ oder meldet sich genervt mit: „Was wollen Sie?“

Woran ich bei der Arztaktion dachte: Was ist mit all den Menschen, die – anders als ich – heute immer noch schüchtern, depressiv oder ohne Selbstbewusstsein sind? Die einen Sprachfehler haben oder einfach Angst vor dem Telefonieren? Laut einer Studie von JIM aus dem Jahr 2018 haben um die 30 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren Angst davor, Tendenz eher steigend. Bei Erwachsenen gibt es leider keine Studien dazu, aber ich bin mir sicher, dass viele diese Angst aus der Jugend mitnehmen oder sogar noch vergrößern.

Psychologen suchen nach Ursachen und Lösungen für die Telefonphobie. Mal eben am Telefon eine Pizza bestellen oder einen Arzttermin ausmachen – das dürfe einem doch keine Angst machen.

Ich hätte eine Lösung dafür: Das Telefon wegdigitalisieren! Dinge wie Arzttermine ausmachen, Pizza bestellen oder den Friseur nach einer Spülung fragen, sollten standardmäßig online erledigt werden können. Auch weil Telefonieren in solchen Fällen aufhält, Zeit kostet, für beide Seiten ein Umweg ist. Während der Corona-Pandemie, als man Erkrankungen des eigenen Kinds in der Kita an das Gesundheitsamt telefonisch durchgeben sollte und nicht durchkam, konnte das sogar Menschenleben kosten.

Also weg damit! Wir können das Telefon an sich ja behalten – für manch eine Kommunikation wie mit Freunden, die man lange nicht gesprochen hat etwa, für Eltern, die einem zum Geburtstag gratulieren wollen oder für Informanten mit brisanten Insiderinformationen über eine sichere Leitung. Aber standardmäßig ginge es doch einfacher, Terminabsprachen oder Nachfragen digital online zu erledigen.

Würde vielen Menschen die Teilnahme am täglichen Leben wieder ermöglichen. 💁🏻‍♂️

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Tischtennis-YouTuber Adam Bobrow hat den berühmtesten Tech-Vlogger Marques Brownlee zum Duell herausgefordert. Und das ist nicht nur amüsant geworden, sondern sehr lehrreich für alle, die denken, Tischtennis sei einfach nur: gerade den Ball übers Netz zu lupfen. Nee, nämlich nicht, das bekommt auch Brownlee zu spüren:

Der Place ist ganz nebenbei dope. Er nimmt dich standardmäßig auf Video auf, und wenn du einen guten Schlag gemacht hast, drückst du auf einen Knopf, das System extrahiert die letzten 30 Sekunden der Aufnahme, in denen dein Monsterschlag vorkam und mailt ihn dir als Link per E-Mail. How cool ist that?

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Lese gerade noch einmal „Learning to See Creatively“ von Bryan Peterson. Und rückblickend war das wohl das Buch, das meine Fotoskills am weitesten nach vorne gebracht hat. Es inspiriert mich gerade noch einmal neu zu solchen Bildern (übrigens aufgenommen mit dem iPhone):

Bin überrascht, wie viel aus dem Buch ich längst verinnerlicht habe. Das zweite Lesen liest sich wie eine Wiederholung. Wer möchte – ich werde es nach dem Lesen aussortieren.

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Hab kein Halloween gefeiert, dieses Jahr. Die Nachbarn ein paar Straßen weiter aber offenbar schon. SEHR COOLE Deko!

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Die Bayern sind im DFB-Pokal gegen Drittligist Saarbrücken ausgeschieden. 🙂 Freuen tut mich das selbstverständlich nur, weil das auch die Meisterschaft endlich mal wieder spannend machen könnte. Die anderen dürften sehen können, dass die Bayern derzeit eben doch schlagbar sind.

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Sozialkaufhaus Netto

Ich hab heute später gearbeitet und bin dann noch kurz vor Ladenschluss in den Netto an der Kölnstraße eingefallen, weil der Penny bei mir renoviert (und weil Netto irgendwie das vielfältigere Sortiment hat. Discounter. Vielfalt. Jaja…)

Der Typ vor mir an der Kasse sieht etwas hektisch aus. Vielleicht liegt’s auch nur daran, dass er schon aufs Band aufgelegt aber offenbar noch was vergessen hat. Er schaut mich kurz an, dann seine Sachen auf dem Band, noch einmal mich, dann wendet er sich dazu, noch einmal nach hinten zu gehen. Ich nicke ihm zu und signalisiere ihm damit: Ich halte dir deinen Platz frei!

Tue ich dann auch, nur dass sich in der Zwischenzeit ein junger Kerl hinter mich stellt, der wirklich nur Zwiebeln und Porree in der Hand hat. Klare Sache, den lasse ich vor, sogar noch vor den Typen, dessen Platz ich freihalte. Scheint auch für niemanden ein Problem zu sein, außer dass unser dreier Sachen auf dem Band nun sehr dicht gepackt sind und es an der Kasse keine Warentrenner gibt.

„Macht nichts“, sagt die – kurz vor Ladenschluss erstaunlich gelassene – Kassiererin. „Ich hab das im Blick.“ Und ehe ich es mich versehe, befinde ich mich in einer kleinen Unterhaltung mit der Verkäuferin und dem Typ vor mir, der inzwischen wiedergekommen ist. Die Kassiererin: „Ich hab die hier weggeholt. Mir tut vom dauernden Zurückschieben sonst der Arm weh“. Der Typ geht darauf ein und sie unterhalten sich erstaunlich lange über Belangloses. Warentrenner, Ladenschluss (noch vier Minuten bis dahin), wenig Geld und dass die Zeiten gerade hart seien. Ich werfe zwischendurch aus was ein. „Die guten Zeiten liegen hinter uns“, sagt der leicht hektische Typ. „Na ja, ganz so schlimm ist es noch nicht“, entgegnet die Verkäuferin.

Der Typ verabschiedet sich dann mit einem Lächeln. Ich komme auch noch dran und werde sehr nett behandelt. Hinter mir hat noch einer ein Glas Pastasauce runtergeschmissen. Die zweite Verkäuferin sagt: „Machen Sie sich keinen Kopf. Das haben wir schnell weggemacht.“

Ich packe noch in Ruhe meine Sachen in den Rucksack, höre hinter mir noch Stimmen, brauche auch eine Weile, weil ich viel zu viel eingekauft habe und in meinem Rucksack alles re-organisieren muss. Als ich fertig bin und mich umdrehe, erschrecke ich fast. Ich bin der letzte Kunde, die Stimmen stammen von den beiden Verkäuferinnen und dem Filialleiter, die nur noch auf mich warten.

Sie lachen, als ich meinen Fauxpas bemerke und mich entschuldige. „Alles gut, dazu sind wir ja da.“ Ich schaue auf die Uhr: Es ist genau 2100 Uhr, Ladenschlusszeit. Wir verabschieden uns freundlich, dann machen sie den Laden dicht.

War nett und hätte ich gar nicht erwartet. Im Netto in der Kölnstraße trifft sich auch die „Szene“ und nicht selten kommt da einer an die Kasse, der eigentlich gar kein Geld hat oder es gerade nicht findet und sich irgendwie trotzdem was holen will. Die Verkäufer:innen dort müssen einiges mitmachen. Umso erstaunlicher, dass sie kurz vor Ladenschluss noch die Ruhe weg und sogar noch Lust auf ein kleines Schwätzchen haben.

Bei „Sozialkaufhaus“ denkt man immer irgendwie an einen Gebrauchtwarenladen mit Plunder und Rabattmarken. Dass aber ein Netto oder ähnlicher Discounter die Funktion auch erfüllen kann, der Gedanke kam mir noch gar nicht. Hier wird niemand weggeschickt, egal wie arm oder reich er ist oder wie verranzt er aussieht. Hier gibt es Dinge des täglichen Bedarfs für einen Appel und ein Ei. Hier redet jeder mit jedem. Hier wird an einem ungemütlichen Herbstabend sogar noch ein wenig Menschlichkeit zelebriert. Sozialer geht geht es kaum!

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Harry

Sitzt immer noch da unten, und langsam wird es kalt. Learning: Nichts geht von alleine, ich werd das irgendwie selbst in die Hand nehmen müssen. Zumindest rauszukriegen, was da los ist und wo das Bürgergeld hinwandert, das ihm bewilligt worden ist.

Zeit habe ich dafür eigentlich keine und Ahnung von der Thematik leider auch nicht. Da hilft nur: Schneeballrecherche und das ein wenig stückeln. Jeden Tag ein bisschen weiter forschen. Hab heute für den Anfang noch einmal mit der GA-Redakteurin telefoniert und zumindest einen Kontakt bekommen, den ich mal anrufen kann.

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Der Arsch! Kopiert meine Idee und meint dann auch noch, mich unbedingt übertrumpfen zu müssen! 😤

Spaß! 😅 Coole Aktion! Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst!

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A propos coole Aktion: Ich lach mich kaputt! 🤣

Warum ist von uns keiner auf die Idee gekommen?

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Cannabis

Ihr überfordert mich… Ich wollt das legalisieren, habt das aber immer noch nicht (oder habe ich da was verpasst?) und jetzt nennt ihr es schon legal, warnt aber gleichzeitig vor einer Zukunft, die ihr selbst heraufbeschwören wollt. Meta!

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Lovescam-Nachrichten reißen nicht ab, und wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass die ihre Texte neuerdings mit einer Bilderkennungs-KI erstellen? 🤔

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Fitbit

Ähem, wenn du mal so freundlich wärst, auf dein Handgelenk zu gucken, mein Lieber! Aber nein, die Gen X ist ja nur noch via E-Mail zu erreichen… 🙄

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Ich brauche keinen Urlaub. Ich warte einfach, bis es Herbst wird und gucke aus dem Fenster:

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Trier-Bonn an 1 Tag

Kleines Aventure am Schluss des Urlaubs, und ich gebe zu, ich musste mir vorher ein wenig Mut antrinken. Na ja, am Abend vorher gab es ein großes Guinness und ein kleines Hophouse in einem Trierer Irish Pub, während ich auf dem Handy die Route absteckte, mehr dann auch nicht. Die Kellnerin hat mich die ganze Zeit gesiezt, das weiß ich noch.

Der Ursprungsplan war, die Strecke durch die Eifel an 2 Tagen anzugehen, und mich am ersten irgendwie bis zum Nürburgring durchzuschlagen. Dort gibt es einen Zeltplatz, und das wären etwa 100 km Wegstrecke mit 1.300 Höhenmetern. Ich sah auf meinen bereits gespeicherten Strecken nach: Auch bei meinen ersten Etappen in den und im Westerwald waren es jeweils 1.100 Höhenmeter, wenn auch nur 70 km Strecke. Bisschen weniger, aber das war machbar gewesen. Die Alternative wäre die Bahn bis Koblenz und von da mit dem Rad nach Hause, aber das wäre lame und keine echte Rundreise. Ich beschließe, es zu versuchen.

Morgens um 0630 geht der Wecker, um kurz nach 0800 gebe ich den Chip an der Rezeption am Trierer Campingplatz ab und fahre los. Die ersten 50 km sind tatsächlich fast kerzengerade. Es geht über den Trierer Norden und Schweich an der Mosel entlang und dann über das Salmtal nach Wittlich. Unterwegs stoppe ich einmal für ein kleines Frühstück und kaufe ein paar Snacks im Supermarkt für später.

Als ich im Salmtal ankomme, bin ich aus dem Häuschen, als ich das Stadion des FSV Salmrohr entdecke. Ich bin kein Groundhopper, aber ein kleiner Fußballnostalgiker: Salmrohr ist wohl der kleinste Verein, der jemals in der 2. Bundesliga gekickt hatte, damals in den 80ern, als ich anfing mich für Fußball zu interessieren. Doch das Stadion sieht ziemlich verwaist aus. Am Hintereingang fange ich einen Bauarbeiter ab, der dort gerade zu Werke ist. Nein, da würde derzeit niemand spielen, da gäbe es irgendwie Probleme mit einem Finanzier. Er würde sich ansonsten gar nicht für Fußball interessieren, er kenne keinen einzigen Spieler. Ich kann es kaum glauben und zähle ein paar deutsche Nationalspieler auf. Er winkt ab: nie gehört. Aber er sei Fernfahrer gewesen und wäre 5 Millionen Kilometer gefahren in seinem Leben. Hört, hört! Ich darf kurz auf den Platz und ein Foto schießen:

In Wittlich geht es dann den Berg hinauf, aber ich habe Glück: Komoot leitet mich etliche Kilometer über den fantastisch ausgebauten Maare-Mosel-Radweg. Die Steigerung ist stetig und nur moderat bei 2-3 Prozent. Es geht sogar durch einige Tunnel hindurch. Hinter dem alten Bahnhof Plein sehe ich die Werbung für einen Biergarten um die Ecke. Es ist 1200, es ist heiß, die Hälfte der Strecke habe ich. Ich kehre kurz dort ein und gönne mir ein fantastisches Hanfbier. Hätte er selbst gebraut, sagt nickend der Wirt, in Personalunion auch Braumeister der kleinen Brauerei.

Der Weg danach führt durch kleine Dörfer, Wald, viele Felder. An einem kleinen Ort mache ich Mittagspause, irgendwo nahe Mehren auf einem Friedhof fülle ich meine Trinkflaschen wieder auf. Es ist merklich kühler hier oben und da ich durch die Steigungen schwitze, wird mir bei den Abfahrten ganz schön kalt. Aber bisher ist das alles moderat und gut machbar mit den Steigungen. Irgendwo hier beschließe ich: Ich ziehe das durch mit dem Eintagestrip nach Bonn, wird schon klappen!

Gegen 1600 komme ich in die Nähe des Nürburgrings – und werde ihn nicht in allerbester Erinnerung behalten. Zum ersten schickt mich Komoot über die alte Südschleife, die heute nur noch bei Events als Parkplatz genutzt wird und ansonsten brach liegt. Die Asphaltdecke ist aber formidabel, und das ist tückisch, denn sie verschleiert die auf einmal enorme Steigung. Mein Fahrradcomputer zeigt 6, 8, später auch teils 15 Prozent Steigung an, und das über mehrere Kilometer. Mir läuft die Soße, und als ich die Steigung überwunden habe, hat Komoot nichts Besseres im Sinn, als mich 2 Kilometer über die Bundesstraße zu schicken, die keinen Bürgersteig oder Fahrradweg hat. Das wäre anderswo zu verkraften, aber hier fahren die Jungs mit ihren getuneten Maschinen auch abseits des Rings megasportlich. Ich gebe Gas, dass ich da schnellstmöglich rauskomme und habe Glück, dass ich als einziger Radfahrer unter Mobilisten offenbar besonders auffalle und deswegen nicht übersehen werde.

Kurz nach 1700 erreiche ich Adenau – ein hübsches Städtchen, in dem auch gerade ein kleines Fest stattfindet. Die 100 km habe ich mittlerweile geschafft, und ab jetzt soll es viele Kilometer nur bergab gehen. Ich rufe am Zeltplatz an: bis 2100 hätte die Rezeption auf, sagt der Mann. Es ist da 1730, und das Navi zeigt noch 3:20h an. „Ich komme“, sage ich ihm. Das werde ich jetzt schaffen!

Die Strecke von Adenau bis Altenahr ist nicht nur beinahe eben, sie ist auch wunderwunderschön. Ich war an der Ahr selten mal weiter gekommen als (von Bonn aus gesehen) Altenahr, aber hier bietet sich dem Auge noch einmal richtig etwas, von ruhigen Flussauen über toll erhaltene Fachwerkhäuser bis hin zu Bergkapellen. Dazu ist der Radweg hier bis auf einige Flutschäden richtig gut ausgebaut.

Hinter Altenahr aber ist der Spaß vorbei, denn Komoot schickt ich den Berg hinauf. Und zwar erst im Ort und danach – verdammt, schon wieder – kilometerweit über die seitenstreifenfreie Bundesstraße. Auf der es jetzt natürlich auch noch bergauf geht. Ich versuche, den doch zahlreichen Autos und mir selbst einen Gefallen zu tun, indem ich in der immerhin halbwegs gut ausgebauten Gosse nach oben hechte. Spaß macht es trotzdem keinen, und obwohl keiner hupt, weiß ich natürlich, dass ich den Autofahrern hier gehörig auf die Nerven gehe. Aber anders geht es den Berg hier nicht hoch.

Nassgeschwitzt aber immerhin unversehrt komme ich in Hilberath an, und werde mit diesem magischen Ausblick versöhnt:

Ab jetzt geht es bis auf einige Kleinigkeiten nur noch bergab, hinter Berkum sogar 10 Kilometer bei formidablem Gefälle in einem hinunter Richtung Mehlem. Bonn-Mehlem natürlich. Ich hab’s geschafft und freue mich wie ein kleines Kind, als ich das Ortsschild passiere.

Jetzt nur noch weiter bis Rolandswerth, wo ich auf dem Campingplatz unterkommen möchte. Die 15 km bis nach Hause hätte ich zwar jetzt auch noch geschafft, aber ich würde viel lieber noch eine Nacht campen und morgens mit Siebengebirgsblick aufwachen. Um kurz nach 2030 erreiche ich die Rezeption und werde draufgelassen. Ich baue das Zelt auf, mache mich frisch und bekomme dann sogar noch sehr netten Besuch.

Etwas über 150 km zeigt der Fahrradcomputer an, etwa 1.600 Höhenmeter (meine Smartwatch sagt sogar: fast 2.000). Gut 12 Stunden war ich also unterwegs; im Hellen gestartet, noch im Hellen angekommen. Und der Witz ist: Ich bin noch nicht einmal besonders kaputt von der ganzen Reise. Sooo schlimm war’s nämlich am Ende gar nicht. Hart, aber weniger hart als befürchtet. Und doch bin ich da jetzt schon ein wenig stolz drauf: Einmal ohne Motor durch die ganze Eifel an nur einem Tag – muss mir erstmal einer nachmachen. 🙂

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Nahweh

Seit einer Woche habe ich Urlaub, und ich bin immer noch in Bonn. ??‍♂️ Ich hätte in der Zeit schon den Kilimandscharo besteigen, in die Karibik jetten oder zumindest durch halb Europa mit dem Rad touren können. Aber irgendwie… war mir da nicht nach.

Statt dessen habe ich jetzt einfach gemacht, worauf ich Lust hatte, darunter:

  • Einen tollen Abend bei den Dropkick Murphys in sehr netter Begleitung verbringen
  • Ein Tischtennis-Workshop Aufschlag-Rückschlag besuchen
  • Ein Bierchen mit Christian trinken
  • Mit meiner Nachbarin ein Lagerfeuer machen und Sternschnuppen gucken
  • Ein neues Fahrrad kaufen und damit die Gegend erkunden
  • Endlich mal in der Pommesbude an der Fähre unten in Godesberg was essen
  • Laaaange schlafen
  • Viel, viel abhängen und dabei ein Handyspiel spielen
  • Einen Coming-of-Age-Roman lesen („Hard Land“ von Benedict Wells)
  • Idee für einen eigenen Coming-of-Age-Roman entwickeln. Muss ein Protagonist dafür unbedingt 15 sein? Warum nicht mal 45? ?
  • Zuhause Kaffee trinken, Kekse essen, alkoholfreien Aperol-Spritz trinken, mich wundern, wo die Nachmittage geblieben sind.
  • Dinge weiter wegminimieren. Freunden wie Jens dabei alte Bilder von der Oberstufenfahrt nach London rüberschicken.
  • Vergangenheitsbewältigung vorantreiben.
  • Den Bundesliga-Auftakt Werder-Bayern nebenher laufen lassen (0:4 – aber das habe ich auch nicht anders erwartet).

Heute war ich noch drauf und dran ins Kino zu gehen. Barbenheimer interessiert mich tatsächlich auch. Liefen aber keine passenden Vorstellungen.

Nachdem ich mit dem Rad durchs Siebengebirge, das Ahrtal, die Grafschaft und Wachtberg gefahren und dabei auch mehrfach nass geworden bin, muss ich sagen: Wow! Erstaunlich, was ich noch gar nicht gesehen hatte hier in der Gegend. Jetzt aber dafür so ziemlich alles.

Und ja, langsam könnte ich mir eigentlich auch noch mal was anderes anschauen. Es zieht mich in den Westerwald, auch wenn das anstrengend wird. Hab heute schon mal angefangen zu packen. Morgen könnte es losgehen.

Oder auch übermorgen…

Urlaub soll ja entspannen. Am Ende gibt man Kopf und Geist am besten das, was sie brauchen. Bei mir in diesem Jahr also eher Nahweh als Fernweh.

Fühlt sich aber alles andere als verbraten an, die Woche Urlaub.

Und gibt ja noch eine.

*

Schlafsack-Meditation

Bei der Hülle meines Schlafsacks war die Kordel aus der Öse. Also wieder reinfriemeln, das Ding, sonst kriegst du den nicht platzsparend verpackt. Es gibt den alten Trick mit einer Sicherheitsnadel oder zumindest Büroklammer. Tja, doof, wenn man die alle wegminimiert hat. Sicher, irgendwo fliegt bestimmt noch eine rum, oder ich hätte beim Nachbarn fragen können. Da fiel mir aber eine Übung ein, die der Andy von der Meditations-App Headspace in seinem Ashram mal machen musste: in brütender Hitze mit einer Schere den Rasen mähen.

Gut, brütende Hitze war in meinem Schlafzimmer zum Glück nicht, aber kühl war es auch nicht. Und die Kordel musste da schon wieder rein. Also beschloss ich, mich hinzusetzen und die ohne Hilfsmittel da in aller Ruhe wieder reinzubugsieren. Und nichts anderes dabei zu machen. Ein Geduldsspiel.

In den ersten Minuten lief mir die Soße. Ich war noch aufgeheizt vom hektischen Packen und Durchdiewohnungrennen. Und nun sollte ich mich hinsetzen und diesen Quatsch machen, der mit einem Hilfsmittel nur ein paar Augenblicke dauern würde.

Nach etwa drei Minuten hatte ich rund ein Viertel der Kordel zurück in die Schlaufe bekommen. Ich wollte aufspringen, rüber ins Wohnzimmer, den üblen Film anstellen und nebenher laufen lassen, den ich neulich angefangen habe zu streamen – um die Zeit irgendwie sinnvoll (?) zu nutzen. Ich riss mich zusammen und blieb auf der Bettkante sitzen.

Nach ein paar Minuten schossen mit Gedanken durch die Kopf, Musik, ich plante die Tour in den Westerwald und überlegte mir, wie ich meine Sachen am besten packen könnte, dachte an alte Freunde und überlegte mir, wie ich das Zurückfriemeln der Schnur weiter optimieren könnte.

Nach etwa zehn Minuten war ich deutlich ruhiger. Ich schwitzte nicht mehr, hatte keine Eile mehr. So, als wäre ich voll in der Tätigkeit aufgegangen. Ich will nicht sagen, es kamen Ruhe, Bestimmung und grenzenlose Zufriedenheit über mich, aber zumindest die Hektik war weg.

Zwanzig Minuten waren rum, da konnte ich das Ende der Kordel schließlich durch das andere Ende der Öse ziehen. Am Ende war ich zufrieden über das Erreichte, vor allem, dass ich es so durchgezogen und mich mit nichts anderem abgelenkt habe.

Moral von der Geschicht? Keine, aber machen kann man das ruhig mal so. War eine interessante Erfahrung.

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Was gibt es da zu lachen? ??

(Nichts ins Bild reinmontiert, übrigens, der Smiley ist wirklich da auf dem Anhänger.)

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Funny van Dannen: Wenn du zur Ruhe kommst (2022):

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1x Rückenwind bitte

Mister Ziellos war heute bei der Impfärztin und hat sich für eine Weltreise präparieren lassen. War schon jeck, wie wir da saßen.

  • „Indien und Indonesen, sagten Sie? Und auch richtig tief drin so ohne Luxushotels? Da gebe ich Ihnen auf jeden Fall Gelbfieber, Meningokokken, Typhus, und ich würde auch noch Tollwut empfehlen. Was ist mit Afrika?“
  • „Ja, nehme ich auch noch!“

So leicht wird da nie wieder dranzukommen sein. Vorletzte Woche erst den Termin gemacht, weil die Impfärztin zufällig die Urlaubsvertretung meines Hausarztes ist und ich ja mit kaputtem Fuß dahin musste. Da bot sich das irgendwie an, gleich mal was Vorausschauendes zu machen.

Drei Impfungen gab’s heute, zwei Impfstoffe hatten sie nicht mehr im Kühlschrank, ein paar andere kommen aus zeitlichen Gründen (Mehrfachimpfung) besser erst im September dran. Die Liste ist lang, und zu meiner Krankenkassen-Wahl (ich hatte noch nie eine andere) bekam ich ein Lob. Die würde das alles übernehmen, sonst hätte mich der Spaß mal eben locker 800 Euro gekostet.

Und das alles für einen, der überhaupt noch gar keine konkreten Weltreisepläne hat… Na ja, Indonesien ist wirklich geplant, das nächste Mal, wenn es nach Singapur geht, und das muss es ja schon aus Recherchegründen. Und ein bisschen Fernweh hat das heute schon alles erzeugt. Die aktuelle Wetterlage übrigens auch.

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Heute Abend war dann irgendwie Rückenwind. Lange habe ich mit mir gerungen, mich dann entschlossen, das Buch doch noch einmal zu überarbeiten und neu herauszubringen. Monatelang jetzt tatsächlich daran gearbeitet. Und heute Abend war es dann so weit. Die letzten Arbeiten an Cover und Satz für das Taschenbuch und das Ebook. Ich saß auf meiner Couch, schlürfte eine Portion Grießbrei, hörte zufällig richtig gute Musik auf Spotify und irgendwie dauerte alles recht lange, aber klappte dann auch.

Yee-hah!

Dauert jetzt nur noch bisschen, bis es auch verfügbar ist. Ich schreib dann separat noch mal was dazu.

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Netter Ansatz und irgendwie auch respektvoll, die Müllabfuhr „Team Orange“ zu nennen. ?

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Gestern in Buschhoven (Radtour, weil immer noch Fuß kaputt):

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Impala Ray: The Gambler (2015):

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Ängste und Schwächen an die Leine hängen

Andy von der Meditations-App Headspace sagte in einer Folge der sehr guten Netflix-Serie „A Guide To Meditation“ einmal, dass er sich seine Gedanken wie Autos auf einer Autobahn vorstelle. Er steht dabei auf einer Brücke und schaut sich das bunte Treiben an, das seine Gedanken sind, ohne sie sich dabei zu eigen zu machen.

Manchmal kann ich das auch, ich kann einfach von meinen Sorgen und Nöten abstrahieren. Dann bin ich ganz gechillt und stelle mir vor, ich würde meine Ängste und Schwächen einfach an die Wäscheleine im Garten hängen. Dann wäre ich sie vorübergehend los und müsste mir keine Gedanken um sie machen, während sie draußen hängen und erstmal „trocknen“ können. Wenn ich sie dann reinhole, sind sie schon gar nicht mehr so „nass“, also bedeutsam. Ich kann sie dann im Schrank verstauen, wo ich mich nur ab und an mal mit ihnen befassen muss. Oder sie tragen und der ganzen Welt offen zeigen. Dann merke ich vielleicht, dass sich gar nicht alle über mich und meine Schwächen lustig machen, sondern sie gar nicht beachten. Und ich sie dann irgendwann auch nicht mehr. Und wenn sie ausgedient haben, kommen sie einfach weg. ??‍♂️

Ich bin bei weitem noch nicht so weit, dass mir das immer gelänge. Aber es tut es tatsächlich manchmal, und dann fühle ich so frei, ich könnte die ganze Welt umarmen.

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42 km: Joachim und ich sind heute 42 km von Bonn-Tannenbusch über Weilerswist bis nach Köln (Sülz) gelaufen. Die ersten 15 km liefen bei mir noch ganz gut, aber dann bin ich zunehmend eingebrochen. Ich brauchte nach 20 km dringend eine Pause (am Swister Turm), nach 30 km nochmal eine (am Bleibtreusee) und hab mich von da eigentlich nur noch ins Ziel geschleppt.

Zumindest gefühlt. Die Daten sagen etwas anderes aus: Zwar waren wir am Anfang etwas schneller als am Schluss, komplett kollabiert sind wir (oder bin ich, Joachim war durchgehend fit) eigentlich nicht. Auch für die meisten Kilometer am Schluss hatten wir noch einen Schnitt über 5 km/h. Und insgesamt, Pausen mit eingerechnet, sind knapp 9 Stunden für 42 km eine immer noch ziemlich gute Zeit.

Das Ding ist nämlich: Es lief zwar nicht rund bei mir, aber ich hab weiter gemacht, so gut ich halt konnte. Und hab jetzt ein gutes Resultat (gäbe uns die Schulnote: 2) als Ergebnis. Nach einer Wanderung, bei der ich das Gefühl hatte, es wäre richtig mies gelaufen.

Hat man das nicht sogar öfter? Dass man denkt, etwas wäre die Vollkatastrophe gewesen, aber dann beschwert sich keiner, keiner lacht, die anderen haben vielleicht noch Nachfragen, mehr aber auch nicht. Vom Chef gibt’s kein Lob, aber auch keinen Tadel, und alles läuft weiter wie gehabt. Achtet mal drauf, so schlecht ist die Basisversion von uns gar nicht. Und dass man völlig und komplett ein Desaster vom Zaun bricht, ist die absolute Ausnahme.

Ganz nebenbei bin ich übrigens sogar recht froh, dass es heute mal nicht so lief. Zwei Monate bleiben noch, und ich weiß jetzt unter anderem, dass ich nochmal ein paar andere Schuhe testen sollte und an welchen Stellschrauben ich noch drehen kann.

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Swister Turm:

Bleibtreusee:

Köln (Symbolfoto):

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Tauben: Die haben gar noch ein Nest gebaut und ein Ei reingelegt. Das habe ich jetzt aber noch entfernt. Ein Küken, das süß ist und dabei alles vollkackt, ist genug. Dürfte auch langsam flügge werden. Ich finde, das reicht als mein Beitrag für den Fortbestand der umstrittenen Spezies.

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You Lousy Bunch of Nonconformists!

Wenn ich mal schaue, mit wem ich eigentlich so befreundet oder besser bekannt bin, sehe ich aber auch gar keine:n klassische:n Karrierist:in darunter. Mit überwiegender Mehrheit sind es (seid ihr!) Menschen, die nicht den geraden Weg gehen oder gegangen sind. Und selbst die, die hochqualifizierte Berufsabschlüsse gemacht haben und jetzt in einer Behörde arbeiten oder in einem angesagten Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, nehmen den Job nicht ernster, als man es muss.

Ich sehe viele Profis auf ihrem Gebiet, wieder einmal beinahe ausnahmslos Menschen, die ihre Sache gewissenhaft und sehr gut machen, einige, die auch gut dabei verdienen oder recht viel arbeiten. Und nicht selten auch jemand, der seine Arbeit durchaus gerne macht. Aber für kaum jemanden ist es mehr als das: eine Arbeit, ein Job, maximal ein Stück weit Leidenschaft. Aber nichts, woraus alleine das Leben bestünde. In meinem Freundes- und näheren Bekanntenkreis fällt mir schlicht kein einziger Karrierist ein. Ihr seid ein lausiger Haufen von Nonkonformisten!

Wie angenehm.

Kann man sich höchstens die Frage stellen, warum ich nur mit solchen Menschen befreundet bin. Weil ich selbst auch so bin? Klar. Weil Karrieristen mir meine eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen führen würden und ich das nicht mag? Sicher auch. Aber schon hauptsächlich, weil Nonkonformisten für mich die interessanteren Menschen sind. Menschen mit Herz, Ecken und Kanten, die die Schönheit in etwas anderem suchen als im Mammon oder auf der Karriereleiter.

Und noch einmal: Wie angenehm!

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Ich war schon lange nicht mehr am Rhein. Genau genommen noch gar nicht, seit ich aus Portugal zurück bin. Gibt auch gar nicht so viel zu sehen gerade, vom Fluss ist wenig da. Aber schön ist’s da schon immer wieder noch:

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Hollow Coves: The Woods (2017)

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Stream of Portoness

Mein Flug geht um 0630, mein Uber-Fahrer ist um 0410 schon da. Ich möchte all die Airlines verfluchen, die nur so früh morgens eine Strecke bedienen. Um die Zeit kommt niemand irgendwo mit öffentlichem Nahverkehr zu einem Flughafen. Es wird immer teuer, und es ist mitten in der Nacht.

Umso erstaunlicher, dass der Portuenser Flughafen trotzdem schon gerappelt voll ist, als wir gegen 0445 dort aufschlagen. Die Schlange vor der Sicherheitsschleuse ist 100 Meter lang, als ich mich einreihe und wächst unaufhörlich weiter. Als ich die Schleuse passiere, geht die Schlange genau einmal komplett durch die Abflughalle, beginnt und endet vor der Schleuse. Verrückt.

Vor allem, dass ich mir vorkomme, als sähe ich als einziger zerrupft aus, alle anderen frisch und top gestyled. Wie machen die das um diese Zeit?!

Ich habe durchgemacht. Nicky, Juan und ich haben am letzten Abend noch ein wenig gefeiert, was gegessen, ein, zwei Bierchen getrunken, erst um kurz vor 0100 kommen wir nach Hause. Was jetzt, fragt Nicky: „Willst dich nochmal schlafen legen oder durchmachen?“ Ich denke kurz nach. Würde ich jetzt schlafen gehen, müsste ich zweieinhalb Stunden später schon wieder aufstehen, noch duschen, packen, alles, wäre ziemlich fertig.

Tu ich mal was Verrücktes, denke ich mir: ich mache durch. Seit meiner Erfahrung mit Alicante im März hat das Thema Durchmachen seinen Schrecken ohnehin verloren. Und zu meiner Überraschung machen Nicky und Juan mit. ? Der Wahnsinn an einem Sonntagabend! Gut, Juan hat am Tag danach frei, Nicky und ich sind Freelancer. Aber zu tun haben wir genug. Ich denke mir nur: Es macht jetzt keinen großen Unterschied mehr, ob ich durchmache oder nicht. Fit wäre ich um 0430, wenn das Taxi kommen soll, so oder so nicht. Dann lieber noch ein wenig Parteh machen.

Wir spielen Drawful, hören basslastige Musik, essen Snacks, trinken noch einen Portwein zusammen, tanzen, bestellen Bier und Chips über einen Lieferdienst. Die Zeit vergeht wie im Fluge, aber drei Stunden mitten in der Nacht können trotzdem verdammt lang sein. Zwischendurch verabschiede ich mich kurz zum Zähneputzen, machen mir um 0330 noch einen Kaffee. Frage den Uber-Fahrer, der sich um 0410 schon ankündigt, per App ob er noch 10 Minuten warten kann und ob er auch einen Kaffee möchte? Aber er versteht die Frage leider falsch.

Das Ganze erinnert mich an die alten Zeiten, als wir drei noch unter ganz anderen Voraussetzungen lange Abende auf dem Balkon hatten. Ein Gefühl von Freiheit, wie ich es lange nicht mehr gespürt habe. Meine besten Freunde wohnen in Porto. Das ist schade, aber sollte mir auch helfen, immer mal wieder rauszukommen, wenn mich der deutsche Alltag auffrisst.

Am Gate arbeite ich schonmal ein bisschen, im Flugzeug selbst kriege ich nicht viel hin. Lese mein Buch weiter, höre Musik, schaue eine Folge Big Little Lies auf dem iPhone, gucke mir die Leute an. Der Typ in der Bank vor mir ist eindeutig Portuenser. Ich sehe das, als er aufsteht, um seine Sitznachbarin durchzulassen, und sich in meine Richtung dreht. Er hat nicht dieses Lauernde, Nüchterne, Misstrauische, das ein Deutscher irgendwie hat. Wofür ich einem Deutschen aber auch nicht die Schuld geben würde; es ist die Gesellschaft, die einen dazu macht. Der Typ da jedenfalls guckt völlig arglos und nett, als könne ihm nichts irgendetwas anhaben.

Ich habe die Portuenser schätzen gelernt, die mittlerweile mehrere Male, die ich Porto jetzt besucht habe. Die Leute dort haben nicht viel Geld, sie haben es aber – wahrscheinlich gerade deswegen – überhaupt nicht eilig. Fleißig und hilfsbereit sind sie dennoch. Aber sie scheinen mir der Arbeit längst nicht alles unterzuordnen, auch nicht irgendwie neidisch auf diejenigen zu sein, die mehr Geld haben. Und das sind mittlerweile einige in der Stadt. Und dann vor allem immer dieses Zurückhaltende, Ehrliche, völlig Ungekünstelte. Sind tolle Menschen da. Ich habe zwar noch nicht verstanden, warum da außerdem diese Schwermut in den Menschen wohnt (Saudade!). Das hat der gemeine Spanier oder Italiener zum Beispiel nicht so, wenn wir jetzt mal ganz platt generalisieren.

Ich steige aus dem Flugzeug, und es klingelt sofort auf meinem gerade erst eingeschalteten Handy. Mathias ist dran. Der Mathias, mit dem ich vor Ewigkeiten mal zusammen gearbeitet habe, mit dem ich vor drei Jahren zum letzten Mal telefoniert hatte. Warum ruft er jetzt an? Er will mir einen Auftrag gleich heute Mittag überlassen, für den er selbst keine Zeit hat. Ah ja. 🙂 Ich denke tatsächlich kurz nach, Gelegenheiten beim Schopfe packen? Aber dann sage ich doch ab. Habe ja gerade die Nacht durchgemacht und will erstmal kurz ins Bett, und dann habe ich gerade mehr als genug zu tun. Aber interessant: Sowas passiert mir irgendwie immer nur, wenn ich verreise.

Aus dem Flughafenbus steige ich am Innenministerium aus und will in die Straßenbahn rein. Wäre zwar nicht weit zu laufen, aber ich habe mir gestern beim Wandern mit Nicky in Gaia ein wenig den Knöchel überreizt. Eine ältere Frau kommt auf mich zu, sieht mich da mit Rucksack und Rollkoffer stehen und fragt, ob ich zum Bahnhof wolle. Ich bin nach 24 Stunden auf den Beinen mittlerweile komplett verstrahlt und sage ja. Da kommt eine zweite, ältere Frau dazu, um mir ebenfalls zu helfen. „Also, wenn Sie zum Bahnhof wollen, dann müssen Sie umsteigen. Gerade fährt nur die 65 und die fährt nicht zum Bahnhof. Die 62 fährt gerade nicht. Die 65 fährt nach…“

Ich muss die beiden reizenden Damen bremsen. Ich kenne mich hier ja aus, will auch gar nicht wirklich zum Bahnhof, nur in sein Richtung. Das Missverständnis ist dann schnell geklärt. Ich bedanke mich herzlich, winke beiden zum Abschied auch noch einmal zu. Deutsche können nämlich durchaus auch nett und hilfsbereit sein, es wird ihnen nur nicht leicht gemacht – also muss man das fördern.

Um elf bin ich zuhause und lege mich ohne große Umschweife direkt schlafen. Eine Sukkulente in meinem Badezimmer hat’s erwischt (wieso ausgerechnet die ??) Alle anderen Pflanzen scheinen noch zu leben. Ich schlafe bis um zwei, dann startet mein Arbeitstag, ein bisschen später. Prima, ab jetzt dann also wieder Alltag. Habe ich tatsächlich ein klein wenig vermisst. Porto, Nicky und Juan vermisse ich aber auch schon ein jetzt. Waren tolle zwei Wochen gewesen. Gerne wieder!