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Yeah

Die Sache mit dieser Selbstakzeptanz

Seit etwa Anfang des Jahres habe ich immer mal wieder Phasen, die ungewöhnlich für mich sind. In denen…

  • Ich mir fast alles zutraue
  • Fast keine Angst vor irgendwas habe
  • Völlig in mir selbst ruhe
  • Superentspannt bin
  • Mich nicht ständig selbst hinterfrage
  • Den Tag so gestalte, wie ich gerne möchte
  • Es mir egal ist, was andere von mir denken
  • In denen ich niemanden brauche, um glücklich zu sein
  • Schon gar keine Partnerschaft
  • Pannen und Probleme zwar passieren, aber mich nicht tangieren
  • Ich aus mir heraus lächele und einfach positiv gestimmt bin
  • Was dann auch auf andere wirkt, die dann zurücklächeln
  • Ich andere mit meinen Ideen mitreißen kann

Dann schmiede ich Pläne, die ich mir sonst nicht zutraue, etwa, jetzt doch mal um die Welt zu reisen. Normal schrecke ich davor zurück vor allem aus Angst vor Einsamkeit unterwegs. Aktuell überhaupt nicht.

Zweimal hatte ich diesen Anflug schon, und einige Tage später war das wieder vorbei. Diesmal hält es schon eine ganze Weile. Wenn ihr mich fragt, was das ist, würde ich sagen: ein gesundes Selbstbewusstsein, das mit Selbstannahme einher geht.

So ungefähr, stelle ich mir vor, kann das funktionieren mit einem glücklichen Leben, so könnte es Spaß machen, damit wäre auch der Welt gedient.

Nur hatte ich das irgendwie noch nie. Normal sind bei mir schreiend laute Selbstzweifel an allen Ecken und Enden die Regel. Wie ist denn das bei euch? Was ist da der Normalfall? Würde mich jetzt echt mal interessieren.

*

AI

Ich finde es hochspannend, was die Großkonzerne gerade zum Thema KI raushauen. Es macht mittlerweile allen Anschein, als könnte es unseren Alltag verbessern und weit weniger Arbeitsplätze kosten, als mal befürchtet.

Googles Project Astra letzte Woche sah schon sehr vielversprechend aus:

Microsofts Recall auf den neuen Copilot+-PCs gestern dann auch:

Und dann noch OpenAIs GPT-4o:

Problem ist hier nur, dass die Stimme „Sky“ doch etwas sehr nach Scarlett Johansson klingt, sogar das leicht heisere, das Scarlett in der Stimme hat. Die Stimme und vor allem die wahnsinnig gute Umsetzung der Sprachsteuerung erinnerten nicht wenige an den 2013er-Film „Her“ von Spike Jonze, in dem sich Joaquin Phoenix in die KI-Stimme von Scarlett Johansson verliebt (obwohl er auch Amy Adams in echt haben könnte 🙄):

Zehn Jahre später Realität geworden. Schon klein bisschen gruselig. Ich war schon von der Sprachsteuerung der ChatGPT-App mit der 3.5-Version begeistert, auch wenn ich da mit nem Dude spreche, der aber auch so Nachdenk-Ähs einbaut und damit täuschend echt klingt. GPT-4o soll das jetzt also noch besser hinkriegen. Ich würde es gerne mal ausprobieren, aber seit dem Upgrade kommt bei mir keine Verbindung mehr zustande.

Scarlett Johansson ist auch nicht amused. Zumal OpenAI sie wohl vergangenen Herbst kontaktiert hatte, um der KI ihre Stimme zu verleihen und sie abgelehnt hatte.

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Erinnerungen wiederherstellen

Da graute mir am meisten vor: Meine externe Festplatte noch einmal nach alten Erinnerungen durchsehen, die ich über die Jahre wahllos dort gespeichert hatte. Am Ende habe ich es mir einfach gemacht:

  • Alles, was nicht nach Arbeit aussah, habe ich mir noch einmal angeschaut
  • Alles, was ich ohne reichlich Aufwand nicht mehr hätte öffnen können, habe ich einfach gelöscht…

Zu letzterem gehörten vor allem alte E-Mails von vor über zwanzig Jahren. Wären sicher noch einige Schätze darunter gewesen, aber ohne Installation alter E-Mail-Programme und Wiederherstellen der Dateien nicht mehr lesbar. Good Riddance!

Und dann gab es auch noch ein paar schöne Erinnerungen. Tatsächlich ein Verzeichnis alter Bilder, von deren Existenz ich nichts mehr wusste. Der Prototyp für einen Podcast, den ich einmal produzieren wollte, von dem ich nicht dachte, ihn jemals aufgenommen zu haben, und der gar nicht einmal so schlecht klang.

Eine Zeitlang war ich mal in einem Chor und dachte mir damals: Wenn ich auch nur eine Sache aus dieser Zeit mitnehmen könnte, dann wäre das, wie wir „Tourdion“ singen. Und siehe da: Das scheine ich irgendwann tatsächlich mal aufgenommen zu haben. Womit weiß ich nicht mehr, eventuell mit meinem allerersten Smartphone? Man hört mich leider raus und besser wäre es gewesen, das Aufnahmegerät näher an den Sopran und Alt zu halten, die konnten das besser. Aber immerhin: Es gibt einen Mitschnitt dieser Erinnerung. 🙂

Ebenfalls behalten: ein paar alte Arbeitsproben und meine Diplomarbeit. Alle anderen Unterlagen aus dem Studium habe ich ausnahmslos gelöscht.

War eine schöne Erinnerung. Ich rate euch dazu, das auch einmal zu machen, am besten wenn ihr, wie ich heute Abend, in guter Stimmung seid. Dann bessert die sich noch weiter auf.

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Sei einfach du selbst

Nun, das erste Problem daran ist zu wissen, wer man denn überhaupt ist. Dauert ja etwas und verlangt auch einige Mühen, das herauszufinden. Ich bin seit einigen Jahrzehnten dabei.

Und dann ist da da Bürgerliche Gesetzbuch, das dir einige Dinge vorschreibt. Ich bin kein Jurist, aber ich vermute mal, des gesunden Miteinanders Willen. Ich kann zum Beispiel nicht, um die Überschrift hier mal wörtlich zu nehmen, einfach mal ich selbst sein und so auf die Straße rennen, wie Gott mich schuf. Gäb Ärger, es sei denn, er wäre Kunst, müsste dann aber vorher angemeldet werden.

Und dann ist da der moralische Komplex. Man brüllt nicht einfach mitten am Nachmittag laut in der Nachbarschaft herum oder trägt noch braune Cordhosen mit Schlag zum karierten Hemd.

Nein? Nun, Ersteres ist den Jungs, die da täglich auf dem Platz vor meiner Tür sitzen, herzlich egal, so wie ihnen fast alles egal ist. Letzteres ist fluid, kannst du schon tragen, wirst du nur eventuell sozial für ausgegrenzt, zumindest solange, bis es wieder in Mode kommt, und das passiert.

Hier sind wir auch beim eigentlichen Thema: Sich immer noch darum scheren, was man jetzt macht und was nicht, obwohl man sich schon gefunden hat, aufs BGB eingeschworen ist und sogar Mode mitmacht, soziale Normen mitspielt. Spätestens dann muss man eigentlich damit aufhören, sich in vorauseilendem Gehorsam selbst zu zensieren. Oder sich seinen Ängsten zu unterwerfen. Oder einer kruden Vorstellung davon, wie man selbst eigentlich zu sein hat.

Gar nicht mal so einfach, eigentlich. Aber ich werde das mal versuchen.

Danke, Nicky!

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Mentor yourself!

Manchmal steht man vor einer gravierenden Entscheidung, hat aber die Erfahrung nicht. Wohin jetzt gehen? Was jetzt tun? Links oder rechts, ja oder nein. Gut, wenn man einen Mentor dafür hat, der einem mit Rat und Tat zu Seite steht.

Ich finde viele Analogien zu Filmen. Einer meiner Lieblingsfilme ist mittlerweile Gravity: Selbstunsichere Astronautin muss ihre Selbstunsicherheit überwinden, um am Leben zu bleiben. Aber kein Ding, wenn man George Clooney als Mentor hat. Bis man ihn dann plötzlich nicht mehr hat und selbst entscheiden muss.

Wenn du einen Mentor hast: Gut so! Nutze die Chance, lerne von ihm, wachse an ihr. Sehr oft im Leben hat man allerdings keinen und ist auf sich alleine gestellt. Was dann tun?

Ich habe mir in solchen Situationen oft Rat von Freunden geholt, manche Entscheidungen Kollegen aufgebrummt, sie einfach vertagt oder gar nicht angegangen. Alles nur so semi-gute Ideen. Klar, manchmal lösen sich Probleme wahrlich von selbst, Freunde können gute Ratgeber sein, wenn sie etwas von dem verstehen, wonach du sie fragst. Und auch Kollegen wissen viel. Aber sehr oft habe ich Entscheidung einfach „outgesourct“, die ich zu feige war selbst zu treffen. Hätte ich doch nur einen Mentor gehabt…

Nun, hatte ich bei näherer Betrachtung, haben wir alle schon in uns eingebaut. Nennt sich: Bauchgefühl. Das Bauchgefühl, das uns meistens mitteilt, ob etwas richtig oder falsch ist. Mit ihm schaltet man den Kopf ja nicht aus. Der Kopf ist in das Gefühl schon eingearbeitet. Das funktioniert deutlich besser nach einigen Jahren Erfahrung, als wenn wir Neuling auf einem Gebiet sind. Aber mit ein paar Jahren Berufserfahrung? Bauch! Er trifft meist die richtigen Entscheidungen.

Nicht immer, klar. Niemand trifft immer die richtigen Entscheidungen. Das Risiko ist immer da, Fehler zu machen. Manchmal bekommen wir die Chance, eine falsche Entscheidung noch zu korrigieren, manchmal nicht. Aber eine Entscheidung müssen wir treffen. Zum Glück sind nicht alle so grav(ity)ierend, dass wir unseren Bauch dafür fragen müssen. Aber wenn doch, ist er der beste Mentor, den wir kriegen können. Nutze ihn!

*

Technik, die entgeistert

Zwei Stunden. Zwei Stunden heute am Mittag, um meine verdomden Bremsbeläge am Fahrrad auszutauschen. Weil man dafür nämlich das ganze Rad abschrauben muss, ja logo. Ey, es hat doch früher nicht so ewig gedauert, sein Fahrrad zu reparieren, oder etwa doch? Und da soll noch einer sagen, Technik würde unser Leben immer leichter machen.

Okay, früher habe ich alle Nasen lang Reifen flicken, die Kabel wieder in den Dynamo stecken, Ketten ölen oder Birnen austauschen müssen. Das ist heute zum Glück sehr viel seltener geworden. Dafür brauchst jetzt aber zwei Stunden, um Bremsbeläge zu tauschen, musst bei einer Nabe einen Ölwechsel machen oder – na gut, das war’s. Einfacher aber: nicht wirklich. Nur anders komplex.

Well worth it, though: Bremsbeläge getauscht, die Schutzblechhalterung vom freundlichen Fahrradmechaniker um die Ecke geradebiegen lassen, die Reifen mal wieder aufgepumpt (hatten noch 2 bar…), bisschen Staub abgeputzt, währenddessen mit Nachbarn geschnackt. Es fühlte sich danach wie ein neues Fahrrad an. Also ruhig mal bisschen Zeit investieren, um Dinge zu erledigen. Kann sich lohnen.

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Im Auge des Sturms

Screenshot

Sieht vor Ort dann so aus:

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Keiner will Bayern-Trainer werden

Eine wunderbare Anekdote in einer Saison, in der Bayern unter Umständen keinen Titel holt, Leverkusen Meister wird und die selbstgenügsame (und irgendwie viel zu groß geratene) Bank an Ehrenpräsidenten und sonstwelchen Entscheidungsträgern keinen Trainer überzeugt bekommt, das Pulverfass dort anzufassen und ein Jahr den Platzhalter für Xabi Alonso zu spielen, bevor der seine Mission bei Leverkusen beendet hat. Mir geht langsam das Popcorn aus. Einfach herrlisch!

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Ren: Hi Ren

Abgefahrenste Mischung aus Song und Monodrama, das ich je gesehen habe. 9 Minuten, die deine Sicht auf Musik für immer verändern werden.

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Fallout

Wie grandios ist bitte Fallout, die Serie?!

Ich weiß, ich war von der ersten Folge noch nicht gerade überzeugt, nicht nur wegen der überzogenen Gewaltdarstellung. Für mich wirkte das anfangs noch wie ein erneuter Aklatsch von The Walking Dead/ The Last of Us gekreuzt mit Westworld und einer Prise Wayward Pines. Und auch Sci-Fi-Dystopien mit Experimenten perfekter Gesellschaften gab es schon. Vielleicht erinnert sich noch einer an die Serie Ascension.

Bei Fallout zeigt sich aber schon bald, dass es um mehr geht und dass sich die Macher um eine teuflisch spannende Geschichte und vielschichtige Charaktere bemüht haben. Die gutgläubige Lucy, die plötzlich Kämpfermentalitäten entwickelt, als ihr Bunker von Rebellen gestürmt wird. Knappe Maximus, ein Außenseiter, der die Chance erhält, Ritter zu werden. Und über allen der abscheuliche Kopfgeldjäger Cooper auf persönlichem Rachefeldzug – gegen wen bleibt lange unklar – der sicher nicht zufällig an den „Mann in Schwarz“ aus Westworld erinnert.

Mehr und mehr sickert Folge für Folge der Hintergrund der Geschichte ein und die Charaktere entwickeln eine erstaunliche Verwandlung. Ritter, die zu feigen Schweinen werden, indoktrinierte Bunkerbewohner, die auf der Suche nach der Wahrheit erstaunlichen Mut offenbaren und ein vermeintlicher Antagonist, dessen Rolle auf einmal gar nicht mehr so klar ist.

Schon das Setting der Hintergrundstory ist phänomenal. Die Gesellschaft in einer Art alternativem 1960 hat bereits einen Atomkrieg hinter sich, setzt auf Robotik und Technik wie eine Smartwatch-ähnliche Manschette und hat Rassenkonflikte überwunden. Drei Dinge allerdings nicht: Krieg, Unrecht und Kapitalismus. Und gegen jene rebelliert diese Serie letztlich auf eindrückliche Weise. Es wirkt vom Plot her alles stimmig, selbst die wenigen, aber äußerst brutalen Kampfszenen unterstreichen den Zweck. Und auch die Gesellschaftskritik ist nicht zu übersehen: Darf sich eine Elite (Europa/USA/westliche Demokratien) auf eine Insel der Glückseligkeit zurückziehen, wenn gerade wegen ihr die Welt um sie herum zusammenbricht?

Amazon Prime hatte mit der ersten Großproduktion Ringe der Macht wenig Glück. Mit Fallout ist dem Videodienst nun ein Volltreffer gelungen. Starke Geschichte, großartige Schauspieler, tolle Kulissen, Musik und Kostüme. Ich gucke kaum noch Serien und das ist auch gut so. Aber ich kann jetzt schon Staffel 2 (bereits angekündigt) kaum noch erwarten. Ich hoffe, es dauert nicht zu lange damit!

Und wer es noch nicht getan hat: unbedingt anschauen!

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Xavier Rudd: Follow the Sun

Die Welt ausblenden und Xavier Rudd hören

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1:45 Minute

Sport bietet viele Lebensweisheiten. Man muss nur die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Was ich gestern Abend nicht tat.

Nach drei Stunden Tischtennis-Training, darunter zwei Stunden Einzeltraining, spielte ich noch eine Partie gegen Cedric und verlor recht klar. Cedric gab mir hinterher ein paar Tipps, was ich besser machen könnte. Unter anderem mit meinem Vorhand-Topspin. Den würde ich irgendwie nicht ganz richtig machen.

Du interessierst dich nicht für Tischtennis, das ist schade, aber in Ordnung. Wichtig ist hier nur zu wissen: Der Vorhand-Topspin ist so in etwa der wichtigste Angriffsschlag im Tischtennis, wenn nicht der wichtigste Schlag überhaupt. Vergleichbar vielleicht mit dem Dribbling beim Fußball oder dem Schalten beim Autofahren. Schwer zu lernen, aber sollte man schon können, wenn man in der Tätigkeit aktiv ist.

Cedric zeigte mir anhand einer Trockenübung, wie der Topspin wirklich geht. Ich versuchte ihn nachzuahmen, bekam es nicht hin…

– „Du hebst die Schulter zu sehr nach oben, lass den Arm nach vorne schwingen.“
– „So?“
– „Du ziehst wieder nach oben. Hol den Schwung aus der Schulter und dreh den Oberkörper dabei.“
– „So?“
– „Jetzt drehst du nur den Oberkörper. Hol den Schwung mehr aus der Hüfte.“
– „So?“
– „Nein, jetzt…“

Cedric hatte eine Engelsgeduld, aber ich bekam es nicht hin… Gut, ich hatte da schon dreieinhalb Stunden Training hinter mir, lechzte nach einem Schluck Wasser und mein Kopf war voll.

– „Ich werde es zuhause mit Trockenübungen vor dem Spiegel versuchen“, versprach ich.
– „Oder nimm dich dabei auf Video auf“, schlug Cedric noch vor.

Als ich wieder zuhause war, war ich zerknirscht. Seit über 30 Jahren spiele ich jetzt Tischtennis, hab nur ein leicht gehobenes Fortgeschrittenenniveau erreicht. Seit etwa einem halben Jahr nehme ich zudem gelegentlich Einzeltraining, den Vorhand-Topspin hatten wir natürlich da schon längst behandelt. Aber ich kann den Schlag immer noch nicht richtig.

Es ist zudem so, dass ich oft erstarre und gar nichts mehr hinkriege, wenn mir einer eine Übung vormacht. Das ist auch bei Kunst oder Musik so, und das war schon im Sportunterricht in der Schule so, wo ich selten mal über eine 3 hinauskam. Auch super, wenn jetzt plötzlich Erinnerungen daran und diesen besch* Sportlehrer hochkommen. Mir fehlen da anscheinend einfach Spiegelneuronen. Oder bin ich schlicht zu dumm dafür? Oder gar zu dumm für alles? Zu einer Karriere in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik hat es ja auch nicht gereicht.

Kurz kam mir dann gestern Abend der Gedanke, es zu akzeptieren und einfach so weiterzumachen. Dann bin ich halt zu doof und kann nicht jeden Schlag richtig. Von Tischtennis hängt zum Glück nicht das eigene Wohlbefinden und ganz selten nur das Wohl der Welt ab (eine erfreuliche Ausnahme war die Pingpong-Diplomatie). Ganz, ganz kurz kam mir dann auch die Idee, Tischtennis ganz dranzugeben, weil, wenn man sich in seinem Elend suhlt, man zu Übertreibungen neigt. Aber den Gedanken verwarf ich ganz schnell wieder.

Heute Abend schwang ich mich aufs Rad, was mir immer gut tut, fuhr ein paarmal den Berg rauf und wieder runter und kam recht gut gelaunt nach Hause. Das Badewasser lief bereits ein, da beschloss ich, die Energie zu nutzen, um noch schnell die Trockenübungen für den Vorhand-Topspin zu machen, wie Cedric versprochen.

Ich baute in meinem Schlafzimmer kurz das Stativ auf, klemmte das iPhone ein, drückte auf Play, schwang ein wenig den Arm und beobachtete mich dabei im Display. Hey, das sah schon gut aus. Noch etwas mehr ausholen. Wirklich schwingen lassen. Okay, jetzt, so könnte es gehen. Ich trat einen Schritt zurück, sah mich dann noch besser selbst im Display. Und schon Sekunden später gelang es mir: Ich hatte den nötigen Schwung raus, von hinten nach vorne, Oberkörper und Hüfte schwangen wie von selbst mit. Schnell! Kurz den Schläger ausgepackt und geschaut, ob es auch damit funktioniert. Jepp, noch bisschen anders, aber genauso einfach. Fünfmal geschwungen, dann sah es gut aus. Könnte ich das auch noch mit der Rückhand? Mal versuchen. Doch, sah ebenfalls gut aus, ein paarmal hörte ich sogar ein „Woosh“-Geräusch dabei, was wohl bedeutet, dass ich das dynamisch genug gemacht hatte. So könnte es gehen. Morgen und übermorgen nochmal, und dann das alles mal an der Platte mit Mitspielern/Gegnern ausprobieren. Aber genug, ich wollte ja ins Bad.

Ich ging zum iPhone und wollte die Aufnahme stoppen. Da sah ich die Anzeige im Display: 1:45 Minute. Das ganze Brimborium hatte nicht einmal 2 Minuten gedauert. 1:45 Minute, und ich kenne nun die Grundbewegung des Schlags, von dem ich dachte, ich wäre zu doof dafür, ich könne das einfach nicht, ich könne im Grunde gar nichts, ich sollte es doch einfach lassen.

1:45 Minute…

Ja, sicher, ich werde noch ein paar Minuten:45 mehr brauchen, um die Bewegung zu verinnerlichen, sie auch an der Platte umzusetzen und sie so zu verfeinern, dass meine Gegner reihenweise die Flucht ergreifen. 😉 Viel länger aber wahrscheinlich auch nicht…

1:45 min…

Ich muss euch nicht sagen, was diese Erkenntnis für dich, für mich, für alle bedeutet, tue es aber trotzdem: Du bist nicht zu doof dazu. Du lernst vielleicht nur anders und besser in einem anderen Umfeld als andere. Oft liegt es am Lehrer, den Mitschülern, deiner Verfassung an dem Tag und wie viel Aufmerksamkeit du gerade noch hast. Vielleicht lernst du auch anfangs besser alleine oder bist eher der Typ, der mit anderen Leuten besser lernen kann. Aber nein, gerade wenn du schon ein gewisses Level in etwas erreicht hast (und das hast du meist), dann bist du definitiv nicht zu doof.

1:45 min…

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Gar nicht erst depressiv werden

Man rät depressiven Menschen während einer Therapie unter anderem zu:

  • Viel Schlaf
  • Viel Bewegung
  • Gute Hydration
  • Gesunde Ernährung
  • Verzicht auf Alkohol
  • Vermeidung von Stress
  • Einnorden der Erwartungen an sich selbst. Du bist nur ein Mensch, du musst die Welt nicht alleine retten.

Also alles natürlich, sofern das möglich ist. Und erst sobald das toxische Umfeld verlassen ist, wenn eins vorliegt, klar.

Also wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass eine Depression bei jemandem nicht durch etwas anderes ausgelöst ist als Stress, ließe sie sich im Vorfeld vermeiden, wenn man die Punkte oben beachtet. Im Prinzip hat man alle davon selbst in der Hand, es ist nur sehr schwer, die meisten davon umzusetzen.

Das mit dem Alkohol zum Beispiel. 🙄

Aber im Ernst: Depressionen sind (längst nicht immer, aber) häufig stressbedingt, und sie werden dann kuriert. Es wird noch sehr wenig dafür getan, sie im Vorneherein zu vermeiden. Sollte man tun.

*

War ein Schnappschuss von der langsam nachlassenden Kirschblüte gestern Abend. Nix Filter und so, ich weiß auch noch nicht mal, wodurch auch der Hintergrund so fliederfarben geworden ist. Könnte aber ganz nebenbei eins der schönsten Landschaftsfotos sein, die ich je geschossen habe. 🤔🤷🏻‍♂️

*

Und hier wollte ich mal in Reel-Form lustig sein. Vielleicht hat’s ja funktioniert. (Einbetten ging leider nicht.)

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Das Gefühl, es schaffen zu können

Gestern saß ich eine Stunde konzentriert am Rechner, habe meine restlichen Belege für die Steuererklärungen 2022 und 2023 zusammengesucht und zur Steuerberaterin rübergeschickt. Etwas, was ich bekanntlich sehr gerne tue.

Aber irgendwann mittendrin, als ich da saß, merkte ich, ich bin erstaunlich ruhig, ganz gelassen, für eine Steuererklärung wenig verschwitzt*. Da merkte ich irgendwo, dass irgendwas in mir „klick“ gemacht hatte. Das Thema ist jetzt eigentlich abgehakt, vielleicht sogar final. Ich weiß jetzt, wie das geht, was ich machen muss, was reingehört und was nicht, wie ich das automatisieren kann. Jetzt schaffe ich das auch mit dem final Minimieren**. Oder überhaupt alles. Was soll mich stoppen. ***

Schlimm ist eigentlich nur, wenn einem dieses Gefühl abgeht. Die Herausforderung ist die gleiche, die Aufgaben sind dieselben, aber es fühlt sich dann unmöglich an. Mir geht’s mal so, mal so. Und ich weiß noch nicht, was dieses Gefühl beeinflussen kann.

* Das ist für gewöhnlich kein Angstschweiß vor einer hohen Nachzahlung, ich bekomme meist etwas wieder, sondern mehr das Stressschwitzen aufgrund eines Absolutnichtwollens.

** Muss ich auch. Ich hab noch genau drei Wochen, um mein ganzes Leben final fertig minimiert zu haben. Zumindest ist es das, worüber ich mit Nicky gewettet habe. Zum Glück nur um 100 Euro. Aber das wird verdammt knapp. Andererseits hat Nicky gerade ganz andere Sorgen, vielleicht vergisst sie das vorübergehend. 😉 Und, wie früher schon einmal gesagt: Unterschätze niemals einen Aventurer auf einer Challenge. In drei Wochen geht noch einiges.

*** Es kann immer eine Menge passieren. Ich kann mir das Bein brechen, irgendeine Behörde kann auf die Idee kommen, 5.000 Euro für irgendwas nachzuverlangen, von dem ich nicht mal wusste, dass es das gibt, der Himmel kann einstürzen. Und sowieso: Sooner or later God’s gonna cut you down. Wie geht ihr mit dem Wissen darüber um, dass irgendwann doch eh alles vorbei sein wird?

*

Glasfaser

Gestern klingelte einer an der Tür und fragte, ob ich Glasfaser. Im Nachhinein wäre ich versucht gewesen so etwas zu sagen wie:

„Machen Sie Witze? Ich bin Technikjournalist von Beruf! Ich teste täglich die neuesten Gadgets und Tools, die viel Bandbreite verschlingen, hochauflösende Bilder, Videos, Streaming, 4K, 8K, wöchentlich Videokonferenzen, KI! Ich habe eine Fülle an Smart-Home-Geräten hier, bestimmt 30 internetfähige Geräte, kürzlich meinen Fernseher von Kabel auf IPTV umgestellt.

Mir reicht selbstverständlich noch meine 50-Mbits-DSL-Leitung!“

Habe ich aber natürlich nicht. Ich war wie immer nett und hab ihm so höflich wie möglich zu verstehen gegeben, dass ich an der Haustür nie etwas kaufe.

*

Kirschblüte

It’s here!

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Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Du kennst vielleicht auch einige Bücher, Filme, Theaterstücke oder Serien, in denen die Handelnden die vierte Wand durchbrechen. Sie wenden sich dann direkt an das Publikum. Shakespeare etwa hat das in einigen Stücken gemacht. Bekannt geworden sind auch die Momente in der Serie „House of Cards“, in der der Protagonist dem Zuschauer sein Handeln erklärt. Gleich in der allerersten Szene beginnt dieses Spiel, das sich bis zum Ende seines Auftretens in mehreren Staffeln immer wiederholt:

Mel Brooks geht in seiner Star-Wars-Satire „Spaceballs“ noch ein paar Schritte weiter. Er spielt immer wieder mit der Tatsache, dass das Ganze ein Film ist. Etwa wenn der Antagonist direkt in die Kamera fragt: „Haben das alle verstanden?“, die Sturmtruppen glauben, die Rebellen nach einer wilden Verfolgungsjagd in der Falle zu haben, dabei haben sie nur deren Stunt-Doubles erwischt. Oder wo der 1. Offizier die Idee hat, man könne doch einfach ein Instant-Video des Films, den man gerade dreht, einlegen und vorspulen, um so in Erfahrung zu bringen, was die Gegenseite als nächstes tut:

Metafiktion nennt sich das. Das Auflösen zwischen Realität und Fiktion. Und genau das treibt Autor Italo Calvino in seinem Roman „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ auf die Spitze. Schon auf der ersten Seite wendet sich Calvino an Leserin und Leser und begrüßt sie im Buch. Es dauert nicht lange, da wird der Leser zum Handelnden, quasi zur Hauptfigur. Die Leserin folgt im im letzten Drittel des Buchs.

Ab Seite 30 ufert der Plot dann völlig aus. Plötzlich spielt Calvino mit der Idee, dass sich Seiten eines anderen Buchs in das seine verloren haben. Du als Leser gehst dem Ganzen auf den Grund und landest in der Druckerei, sprichst mit dem Verleger, stellst dabei fest, dass selbst die vertauschten Seiten gar nicht echt sind und die Wahrheit vielleicht in völlig anderen Büchern liegen – aus denen nach und nach Kapitel um Kapitel im Buch auftauchen. Nebenbei verliebst du dich in eine mysteriöse Büchernärrin, findest dich plötzlich auf der Flucht wieder und stellst fest, dass der Übersetzer des Buchs in all dem seine Finger haben könnte.

Was für ein Wahnwitz! Calvino persifliert dabei ganz nebenbei zahlreiche Literaturstile, vom südamerikanischen Historienepos über einen japanischen Erotikzyklus bis hin zum französischen Groschenroman. Vor allem der Auszug aus letztem ist so herrlich übertrieben, dass ich mich beinahe weggeschmissen habe. Alles in allem eine bunte Reise durch die moderne Literatur wohl mit der Aussage, dass jedes Buch auf seine Weise einzigartig ist, jeder jede Geschichte anders wahrnimmt, aber kein Autor dieser Welt etwas wäre ohne seine Leser.

Toll!

Und wo ich oben eh schon bei Filmen war: Erinnert hat mich das irgendwie an „Everything Everywhere All At Once“. Wahrscheinlich wegen der vielen Sprünge, dem Genremix, den vielen Subplots und der wahnwitzigen Handlung. Falls ihr den Film gesehen habt: So ungefähr könnt ihr euch Calvinos Buch vorstellen. Es sollte mehr von sowas geben.

„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ wurde aber anscheinend noch nicht verfilmt. Dürfte auch schwer werden, aber würde sich lohnen.

Die ersten drei Titel auf meiner Bücherliste habe ich damit gelesen. Jetzt bin ich sehr auf eins der nächsten gespannt. Vielleicht wird’s „Rayuela“, ein Buch, dessen Kapitel man in beliebiger Reihenfolge lesen können soll.

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Podcasts auf dem Fernseher

Ich habe mir tatsächlich nach über 5 Jahren ohne mal wieder einen Fernseher zugelegt. Warum weiß ich selber gar nicht so genau. Choose your favorite answer among those four:

  • Zum Fußballgucken
  • Um mal wieder mit Menschen zusammen was gucken zu können
  • Weil Filme und Serien auf dem großen Bildschirm mehr Spaß machen
  • Als Deko-Objekt

Irgendwie sind es tatsächlich alle vier Gründe. Punkt 2 wundert mich auch am meisten, aber irgendwie ist das doof, nie jemanden einladen zu können, um mal nen Film, nen Fußballspiel oder den Eurovision zusammen zu gucken, weil das auf dem Laptop nicht so die brilliant experience ist. Weil ich mir einen Samsung „The Frame“ zugelegt habe, kann ich den jetzt auch als Bilderrahmen benutzen (Ein passendes Schränkchen kommt noch):

Und noch etwas habe ich die ersten zwei Tage damit viel gemacht: Podcasts hören! Das Ding hat nämlich auch eine Spotify-App, und irgendwie höre ich gerade wieder gerne vermehrt Podcasts, während ich mein Handyspiel spiele. Weil der Fernseher zufällig auch den besten Lautsprecher aller Geräte hier im Raum hat (die anderen beiden sind Notebook, Handy und Smartwatch), höre ich Podcasts gerade auf dem Fernseher tatsächlich am liebsten:

Und dann verwende ich ihn im Bildmodus außerdem gerne als Leselampe, weil meine eigentliche neue zwar superstylisch aussieht, aber zu funzlig ist…

Stimmt schon, energietechnisch (Klasse F) werde ich in die Hölle kommen.

*

Dienstanbieter is‘ nich‘

Was das Thema Live-Fernsehen anbelangt und wer mein nächster Anbieter wird, wo der Kabelanschluss bald wegfällt, muss ich demnächst mal auf dem Trendblog was zu schreiben. Ich glaube nämlich: gar keiner. ARD und ZDF kann ich in HD über die Mediatheken-Apps der Smart-TV-Oberfläche live streamen. Alle anderen 700 Sender brauche ich in 101 % der Fälle eigentlich nicht. Gemein nur, dass RTL die wenigen Länderspiele, die ARD und ZDF nicht zeigt, gegen teuer Geld streamt.