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Right

Wahl ’21

  • Bin froh, gerade nicht in Deutschland zu sein.
  • Gute Chance immerhin, dass Laschet wirklich verhindert wird.
  • <15% ist ein Desaster für die Grünen.
  • Deutschland hat der SPD also vergeben.
  • Aber nur um Laschet zu verhindern?
  • Und damit die Grünen nicht an die Macht kommen?!
  • Klimawandel? Ahr-Katastrophe? Alles schon vergessen?
  • Es wird also alles weiter gehen wie bisher.
  • Dann kann ich mich jetzt ja wichtigeren Dingen widmen.
  • 🤷🏻‍♂️
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Möh

Life is much more simple when you’re young

15:

Findet die mich cool, finde ich die süß?
Herr Hospach hat uns echt viel aufgegeben.
Wenn ich groß bin, werde ich Schriftsteller!

45:

Ganz schön teuer geworden, so Wohnungen!
Wie mag das wohl erst in 20 Jahren aussehen?
Und wie soll ich das dann alles bezahlen?
Falls der Klimawandel dann nicht eh alles ruiniert hat.
Verdammt, die Grünen!
Ob sich die Klimakrise noch aufhalten lässt?
Und wie kriegen wir das hin, ohne dass wir Wohlstand aufgeben?
Weiß gar nicht, wo ich die ganze Arbeit unterbringen soll.
Muss ja nebenher noch neue Konzepte entwerfen.
Und Sport nicht vergessen, sonst werde ich gar nicht erst so alt.
Familie gründen wird wohl nichts mehr.
Wüsste aber auch eh nicht, wie ich das alles bezahlen sollte.
Verdammt! Die Autoversicherung ist wieder teurer geworden.
Und die Heizkosten erst.
Ich war doch gerade erst 35?!
Bleibt gar nicht mal mehr so viel Zeit, bis das Leben schon wieder vorbei ist.
Kann ich wenigstens noch 2 der Träume realisieren, die ich mal hatte?
Muss schon wieder zum Zahnarzt wegen so nem Mist.
Mann, bin ich aus der Puste!
War ich gestern wirklich nur ne Runde laufen? Komme mir vor, als wäre ich überfahren worden.
Schriftsteller werd ich wohl nicht mehr, ich wüsste gar nicht wann ich das machen sollte.
Aber immerhin mach ich sowas Ähnliches.

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Right

Deutsche und Niederländer

Okay, falls man das überhaupt verallgemeinern kann (ich finde: ein bisschen schon), so kommen mir viele Niederländer etwas direkter vor als Deutsche. Kein Verstecken im Kontext: Gerade heraus, was man denkt, egal ob Lob oder Kritik. Dass bei niederländischen Männern zwischen 40 und 60 gerade irgendwie die Beethoven-Mähne im Wet-Look in ist: wohl einfach nur eine andere Mode.

Dass uns das Land, was Infrastruktur, Architektur, Agrikultur, Innovation und Wohlstand angeht, um geschätzte 20 Jahre voraus ist, würde ich auf simples Vorhandensein der notwendigen Finanzen zurückführen. Denen fehlen eben keine 2.000 Milliarden in der Bilanz, die bei uns die Wiedervereinigung gekostet hat. Das ist ganz schön viel Geld, mit dem man viele tolle infrastrukturelle Projekte hätte anstoßen können.

Eins ist mir aber noch aufgefallen: Was ich bisher so gesehen habe, sind mir viele Niederländer weniger darauf bedacht, sich irgendwie anzupassen. Man ist dann mal da, man ist dabei auch schon mal laut, man macht direkt sein Ding und kümmert sich erst einmal wenig darum, was andere davon halten könnten. Klar, man tritt dabei schon niemanden auf den Fuß, und täte man es doch, würde man sich höflichst und ehrlichst entschuldigen. Aber man weiß auch, was man darf und kann und füllt diesen Raum voll aus. Fühlt sich jemand dadurch gestört, hat man auch kein Problem damit, sorry zu sagen und ein paar Oktaven tiefer zu singen. Aber man hat diesen vorauseilenden Gehorsam nicht, den ich Deutschland so oft sehe. Wir können hier nicht so laut sein, wir müssen uns hier so und so benehmen, wir gehen schon ganz rechts die Straße entlang, weil da irgendwann ein Auto kommen könnte. Da sind wir dann doch oft sehr angepasst.

Ja, blöde Generalisierungen… Gilt natürlich nicht für alle, sind nur Beobachtungen, gibt viele Gegenbeispiele… Ihr wisst, was ich meine.

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OK

1/2 Woche in Scheveningen

Gerade bei der Hausaufgabe war es mir zum ersten Mal, dass ein Satz ohne nachzudenken geschossen aufs Papier kam. Ansonsten kostet mich alles viel Gehirnschmalz, aber die Zeit verfliegt und ist besonders intensiv. Mein vierter Tag hier geht schon gerade zu Ende.

Denke ich an frühere Bildungseinrichtungen zurück, gab es da eigentlich drei Typen:

  1. Schule: Eine Art Diktatur, bei der die Herrschenden die Allmacht haben (ist heute längst nicht mehr so, war es aber in den 90ern noch!) und die beherrschte Klasse den Druck aneinander ablässt oder sich Sündenböcke dafür sucht.
  2. Studium: Die Demokratisierung der Bildung. Du musst fast gar nichts (ist heute auch nicht mehr so), dabei interessiert sich aber auch keiner für dich. Weniger Druck untereinander als auf der Schule
  3. Echte Erwachsenenbildung: VHS-Kurse, Erste-Hilfe-Kurs, Fortbildungen. Wie du aussiehst, was du anhast, wie alt du bist, wer du überhaupt bist – alles egal. Du hast den Kurs bezahlt und damit die gleichen Rechte wie alle. Der Dozent kümmert sich um dich und deine dummen Fragen. Hier fallen die üblichen Rollenmodelle weg. Dafür gibt es meist keinerlei Evaluierung, ob du auch wirklich etwas lernst. Das ist dann deine Sache.

Ich fühle mich gerade wie bei einem Mix aus diesen 3 Typen. Wir haben Frontalunterricht, schreiben mit Kugelschreiber auf Papier ins Lehrbuch und bekommen Hausaufgaben auf. Das Niveau ist durchaus das eines Sprachkurses auf der Universität. Straffes Programm, viel nachzubereiten, dazu werden die Hausaufgaben noch abgefragt (andererseits gibt es keinen Eintrag in irgendein Klassenbuch, wenn du die Hausaufgaben nicht machst oder vom Sitznachbar abschreibst und dich dabei erwischen lässt). Aber es gibt nur ganz wenig Druck, der irgendwo abgelassen werden müsste.

Gut, es ist Tag 4. Und wir pauken ziemlich viel Stoff. Trotzdem erwische ich mich dabei, wie ich etwa heute den Dude im Swapfiets-Büro (ich will mir eins ausleihen), direkt auf Englisch angesprochen habe. Die Schlange hinter mir ist lang, die Vertragsmodalitäten hätte ich nicht gut verstanden. Aber ja, ich drücke mich noch. Auch weil mir noch viele Alltagssätze fehlen.

Heute Abend am Eingang vom Supermarkt wollten ein anderer Mann und ich gleichzeitig rein und haben uns dann solange gegenseitig vorlassen wollen, bis er dann irgendwann lachte und einfach gegangen ist. Das wäre eigentlich der Moment gewesen, an dem ich dann irgendeinen lustigen Spruch hätte bringen können, um mit den jeweiligen Locals warmzuwerden. Aber mir wäre schon auf Deutsch nichts eingefallen… Und die Antwort hätte ich auch nicht verstanden. Ist noch ein weiter Weg.

Andererseits hilft es ungemein, 24 Stunden am Tag von Niederländisch und Niederländern (bis auf die erstaunlich vielen deutschen Touristen) umgeben zu sein. Wäre schon ein Wunder, wenn da nicht was hängen bliebe.

Die Hausaufgaben habe ich geschafft (Mann, ist das viel!), aber schon jetzt komme ich mit der Nachbereitung nicht ganz hinterher. Doch wie an der Uni damals…

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Right

Schulbank 3.0

Seit heute bin ich also wieder Schüler. Nun ist es jetzt nicht so, dass ich in den letzten Jahren nicht auch einiges Neues gelernt hätte. Aber dazu war ich meist auf nur einzelnen Fortbildungen oder VHS-Kursen. Nichts, bei dem man dauerhaft sonderlich gefordert worden wäre. Hier ist das anders.

Wir sind ein sehr kleiner Kurs, der in Niederländisch vom B1- aufs B2-Level gehievt werden will. Neben mir nur noch zwei Mitschüler: der Engländer, der beruflich viel mit niederländischen Firmen zu tun hat, und die Polin, deren Mann beruflich hierhin gezogen ist, und die mindestens B2-Level braucht, um hier arbeiten zu dürfen.

Der Engländer scheint mir schon recht flüssig in der Sprache zu sein. Die Polin und ich haben an unterschiedlichen Fronten mit ähnlichen vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich bin ziemlich fit in der Grammatik, aber mir fehlen noch viele, viele Wörter und die, die ich schon kenne, fallen mir längst nicht immer ein. Aber daran arbeiten wir jetzt, denn der Kurs ist natürlich komplett auf Niederländisch.

Was hat sich getan seit der Schulbank in den 1990ern und dem Studium in den frühen 2000er-Jahren? Wenig und viel zugleich. Wir haben eine Art gruppenorientierten Frontalunterricht mit Whiteboard statt Tafel. Wir benutzen ein gedrucktes Kursbuch für den Unterricht, von dem es auch einen Online-Teil gibt.

Der Engländer war der erste, der per App für jeden unbekannte Wort auf seinem Smartphone rumgehämmert hat. Ich fragte nach seiner weapon of choice – Google Translate. Davor hatte ich schon iTranslate ausprobiert, heute Abend kamen noch DeepL, Linguee und noch eine NL-EN-Übersetzungsapp hinzu, die irgendwie keinen Namen hat. Sie haben eins gemeinsam: sie sind alle scheiße… Auf dem Notebook habe ich im Browser ein Lesezeichen zum Pons Online-Wörterbuch DE-NL gesetzt. Das ist zwar werbefinanziert, aber ansonsten erstaunlich gut.

Denn immerhin: Es gibt jetzt das Internet. Man kann alles nachschlagen, es müssen keine Wissenslücken bleiben. Nur ob die Informationen verlässlich sind – das muss leider immer wieder bezweifelt werden. Sooo viel scheint sich seit damals also doch nicht getan zu haben.

Ansonsten geht es mir gut. Scheveningen ist auch bei etwas kälterem Wetter noch schön. Jeder Sonnenstrahl wird natürlich dankend angenommen. Im Supermarkt habe ich mir heute automatisch eine Maske aufgesetzt – als einziger. Wahrscheinlich werde ich damit auch bald aufhören, weil mir das irgendwann zu affig wird, das als einziger zu tun, jetzt wo doch „alle“ geimpft sind. Morgen möchte ich mal in die Stadt und mich nach einem Swapfiets erkundigen. Sonderbarerweise sind parkende Fahrräder hier aber auch nicht viel lieber gesehen als Autos. A propos: Es wurde noch nicht abgeschleppt und hat auch noch kein Ticket erhalten. Ich scheine mit etwas Glück tatsächlich den einen von nur zwei Orten in ganz Scheveningen gefunden zu haben, an denen man kostenlos parken kann.

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Yeah

Mein erstes politisches Gespräch auf Niederländisch

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne und so. Dabei komme ich erst nach fast 5 Stunden müde und mit massiven Rückenschmerzen in Scheveningen an. Nicht viel Zauber für den Anfang…

Und erstmal geht es weiter mit Herausforderungen. Meine Unterkunft finde ich recht schnell, sie sieht heel prachtig eruit! Aber parkeren? Ist hier so ne Sache. Schon unterwegs habe ich mal nach „parkeren scheveningen“ im Web gesucht und auch meine AirBnB-Hosts gefragt. Einhellige Meinung aller Quellen: wissen wir nicht so genau, ändert sich oft und ist auf jeden Fall teuer und sehr kompliziert. Vor dem Haus ist gerade ein Parkplatz frei… Come on, eben halten, ausladen und kurz alles in die Wohnung bringen. Ich riskier’s.

Und es passiert wirklich nichts. Die Wohnung ist toll, genau wie beschrieben. Ich gehe wieder runter und frage die erstbeste Passantin auf Niederländisch, wie es hier mit dem Parken aussehe. Wisse sie auch nicht so genau, sagt sie. Sie glaube, 2 Stunden für einen Mondpreis. Ich gehe noch einmal gucken und die Website des direkt angrenzenden Parkhauses checken. 30 Euro pro Tag! Bei Vorreservierung billiger. Die Website sagt: 200+ Euro pro Monat in der Hauptsaison, die immer noch läuft. Na klasse.

Auf dem Hinweg war mir, ich hätte da ein paar Autos wild an der Hauptstraße parken sehen. Da fahre ich jetzt wieder hin und will das auch machen. Es ist fast 2 km die Straße runter, aber es ist noch ein Platz frei und tatsächlich: kein Schild oder irgendwas. Und zwei Lücken vor mir: ein Auto mit Siegburger Kennzeichen. Ich parke da einfach mal. Meine Vermieter frage ich, ob ich das wohl darf – keine Antwort bisher. Morgen frage ich mal in der Sprachschule, ob die was wissen und sicherheitshalber werde ich noch einmal nachsehen, ob das Auto dann noch da steht…

Den Weg zurück laufe ich. Die Gegend ist wirklich schön. Ein kleiner Kanal, ein ziemlich großer Park, tatsächlich Menschen die für eine – ich vermute Familienfeier – direkt auf der Straßen feiern und tanzen. Ich komme an einem Skaterpark mit angrenzendem Koffieshop (so ein Zufall?) vorbei und muss wohl ein Stückchen zu weit gelaufen sein. Denn plötzlich stehe ich vor dem Strand:

Und den kannte ich bisher tatsächlich noch nicht. Und ist. das. schön. hier! Eine moderne Promenade, viel Sand, tolle Beachclubs, Restaurants, Bars. Ich mache ein paar Fotos, als ich plötzlich hinter mir eine Stimme höre:

„Goedenavond meneer, en hoe gaat het me jou?“

Der junge Typ im Anzug mit leichtem Seitenscheitel, den ich gerade schon dabei beobachtet habe, wie er Aufkleber mit einem akropolisartigen Symbol auf Laternen und Straßenschilder klebt.

Ich frage ihn in gebrochenem Niederländisch zurück, wie es ihm gehe und wofür die Aufkleber stünden. Er fragt, woher ich komme und ob es in Deutschland auch so wenig Auswahl bei den Parteien und wenig direkte Demokratie gebe. Käme drauf an, versuche ich zu sagen. Eigentlich hätten wir genug Demokratie und auch Parteien, auch wenn sich viele davon gar nicht so sonderlich voneinander unterscheiden würden und keine die echten Probleme angehe – aber da scheitere ich knapp dran. Ob es denn eine Partei gebe, die genau meinen politischen Ansichten entspräche, fragt er noch. Ich bekomme nichts anderes hin, als auf Volt zu verweisen, die es ja auch europaweit gebe. Ah, Volt, sagt er, die kenne er, die pro-europäische Partei. Ja genau, sage ich noch.

Er will noch etwas hinzufügen, lässt es dann. Seine Begleiterin grinst sonderbarerweise in sich hinein. Er verabschiedet sich sehr höflich per Händedruck, auch seiner Begleiterin gebe ich die Hand. Na also! Ich habe fast alles verstanden, was er gesagt hat, und die ganze Zeit über haben wir die Sprache nicht gewechselt. Mein erstes politisches Gespräch auf Niederländisch!

Später google ich die Partei namens Forum voor Democratie und da wird mir klar, warum seine Begleiterin so gegrinst hatte. Laut Wikipedia ist die FVD eine EU-skeptische, nationalkonservative Partei in den Niederlanden. 😂

Aber immerhin: Er ist gegenüber dem Gast sehr höflich geblieben, auch als er erkannt hat, dass ich politisch eher auf der anderen Seite stehe. Und irgendwie bin auch ich freundlicher geblieben, als ich es sicher wäre, hätte ich vorher gewusst, wer da vor mir steht. Ein wenig Unvoreingenommenheit – täte mancher politischer Diskussion gar nicht schlecht.

Ich schlendere noch ein wenig über die verdammt schöne Strandpromenade, besuche den „Pier“, eine schiffsförmige Mischung aus Mall und Restaurantmeile mit angrenzendem Riesenrad und Bungieturm direkt am Strand. Wunderschön!

Als ich Google Maps nach dem Rückweg frage, zeigt die App die beiden Punkte fast nebeneinander an. Meine Wohnung ist wirklich nur fünf Gehminuten vom Epizentrum entfernt! Die Gegend ist lebhaft, voller Cafés und Restaurants. Es ist alles was teurer, ja, aber wunderschön und belebt. Heute war das Wetter noch einmal super. Ob es bei Regen und Kälte auch alles noch so schön ist, wird sich zeigen. Aber bisher: wunderschön!

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Hm

In die Spur

Puh. Also Herbstdepression würde ich das jetzt nicht mehr nennen. Aber bisschen aus der Spur bin ich gerade. Klar, am Sonntag geht’s auch schon los mit meinem ersten echten längeren Auslandsaufenthalt seit 2004: Sieben Wochen Niederlande. (Fast auf den Tag genau in dem Moment übrigens, in dem ich, bis auf 1/2 Jahr Singapur, seit 20 Jahren in Bonn wohne.)

Und irgendwie kam das jetzt alles schneller als gedacht. Ja, ich musste hier mal raus, ja, manchmal muss ich mich selber auch zwingen, mal aktiv zu werden und coole Sachen zu machen, und ja, das könnte richtig klasse werden. Aber irgendwie fehlte mir zuletzt einfach mal ein Tag, um alles mal ein wenig sacken zu lassen. Ich hab die letzten Wochen irgendwie nur noch funktioniert. Das war auch nicht wirklich gesund. Ich hoffe, an der See bleibt mal ein bisschen Zeit um abzuschalten. Ich melde mich mit Fotos, wenn es so weit ist!

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Hm

Thoughts and Deeds

Die Herbstdepression hat mich dieses Jahr jetzt schon erwischt. Irgendwo auf dem Weg nach Düsseldorf und zurück letztes Wochenende ist meine Energie völlig auf der Strecke geblieben, und ich hänge gerade noch ziemlich durch. Nicht schlimm, aber irgendwo: ärgerlich.

Zumal ich es getan und die AirBnB-Wohnung in Scheveningen gebucht habe. Nachdem ich ein wenig mit dem Host auf Niederländisch gechattet hatte und er mir dann preislich sogar noch deutlich entgegengekommen ist, gab es kein Argument mehr dagegen. 🙂 7 Wochen Niederlande also jetzt. Already starting end of next week.

Und ja, es kann sein, dass mich das alles ein wenig überfordert hat. Im Sommer reiße ich manchmal Bäume aus und plane in der Geschwindigkeit auch den Herbst ein. Und mittendrin geht mir dann die Energie aus. Einfach unpraktisch, zumal man sowas wie einen Sprachkurs und einen Auslandsaufenthalt am besten ja mit Feuereifer angeht. Jetzt ist also erstmal Bremse angesagt.

74,4 kg zeigte die Waage gerade an, abends. Ich habe auf der Radreise neulich wirklich abgenommen und kann das weiter empfehlen für jemanden, der dringend und gesund Gewicht verlieren möchte. Aus „Spaß“ nochmal unter 70 kg kommen, das war eigentlich mein Ziel. Würde aber nochmal richtig schwer, zumal mir jetzt dafür auch Zeit und Energie fehlen und ich auch mit Campingplätzen irgendwie fertig bin.

Irgendwann im letzten Jahr scheint sich da etwas geändert zu haben. Vielleicht weil das ganze Land plötzlich in Campern oder als Bikepacker unterwegs war und dann irgendwo unterkommen musste, was wohl gar nicht so einfach war und zu Konflikten geführt hat. Ich hab mir in diesem Sommer schon einiges Geschimpfe oder sonderbar abweisendes Verhalten von Campingplatzbesitzern anhören dürfen. Aber der Campingchef vom letzten Wochenende hat dann alles getoppt. Und irgendwie habe ich jetzt gar nicht mehr so die Lust auf Campen. Die Platzbetreiber scheinbar auch nicht.

Kevin Can F*** Himself: Hat bei mir einen Nerv getroffen und ich habe mich königlich amüsiert. Klar gibt es Schwächen, zum Beispiel das „Warum eigentlich?“ und das Ende. Aber diese Mischung aus Sitcom und Drama fand ich von der Machart her herrlich unterhaltsam. Can recommend, at best in English.

Schreiben fällt mir gerade noch recht schwer irgendwie. Ich lasse es mal für heute dabei.

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Right

Aus kleinen Verhältnissen

Right…

Die eigentliche Wohnung, die ich mir für die Unterkunft zu einem Sprachkurs in Scheveningen ausgeguckt hatte, war jetzt nicht gannnnz so teuer. Aber doch, sie sprengt eigentlich mein Budget. Und wäre nicht wirklich notwendig, denn einige Kurse ließen sich auch ganz online buchen.

Der Witz ist: Es ließe sich schönrechnen. Es wäre eine Geschäftsreise/Bildungsreise/Werbungsaufwand, ich könnte die Kosten voll steuermindernd gelten machen und da ich in diesem Jahr im Grunde noch keine Geschäftsreise hatte, würde mich die Wohnung durch die Steuer, die ich durch sie einspare, am Ende etwa die Hälfte kosten. Und damit läge sie in meinem Budget.

Was dann dagegen spricht? Es ist alles in allem verdammt viel Geld für etwas, das nicht zwingend notwendig wäre. Und ich komme aus kleinen Verhältnissen. Ich bin eigentlich immer gut damit gefahren, die Kosten nicht ausufern zu lassen und auf sparsamem Fuß zu leben. Hat mir nicht geschadet, würde ich behaupten. Hat mir aber vielleicht doch den einen oder anderen „dekadenten“ Spaß nicht erlaubt.

Toll wäre es schon, also das mit der Wohnung. Ich wäre 7 Wochen mehr oder weniger nur in den Niederlanden, fast direkt am Meer, und würde nur Niederländisch hören und sprechen. Dann würde auch mal wirklich was hängen bleiben. Die nächstgünstigere Unterkunft ist auch gar nicht mal sooo viel preiswerter (die Randstad ist einfach verdammt teuer, siehe Bild oben!) und nebenbei könnte ich mir ein wenig die Startup-Szene vor Ort anschauen.

Ich kann mich nicht entscheiden und muss da wohl noch mal drüber schlafen… Zumindest davon weiß ich, dass es meistens hilft. 🙂

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Right

Essensmythen

Auf meinem Biketrip neulich habe ich ca. 2 bis 3 Kilogramm abgenommen. Mittlerweile wiege ich um die 75 kg und damit fast 20 kg weniger als zu meinen „schwersten“ Zeiten. Das schreibe ich nicht, um damit rumzuprahlen. Ich sehe es als Zeichen dafür, dass es mir sehr geholfen hat, ein paar Essensmythen, gelernte Verhaltensregeln und Denkmuster abzulegen, die ich mich früher eindeutig vom Schlanksein abgehalten haben. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen von euch auch.

  • „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ -> Dachte ich lange und hab mir entsprechend morgens schon den Bauch vollgeschlagen. Dann hatte ich paar Stunden später schon wieder Hunger und vor allem Durst und das ging den ganzen Tag so weiter. Mittlerweile frühstücke ich eigentlich kaum noch, meistens ist meine erste „Mahlzeit“ des Tages ein Milchkaffee und dann kommt erst viel später was „Festes“. Auch auf Radreisen bin ich schon dutzende Kilometer gefahren, ohne auch nur eine einzige Kalorie zu mir genommen zu haben. Ein guter Tag ist es dann trotzdem geworden. Nur auf den Kaffee vorher mag ich nicht verzichten. Das kann aber zur Not ein schwarzer sein.

    Wichtiger finde ich, dass die erste Mahlzeit eine halbwegs nahrhafte ist, egal, wann sie dann stattfindet. Tage, die mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten beginnen, enden bei mir komischerweise nie gut.
  • „Du musst doch was essen!“ -> „Sonst kippst du um“, „fällst vom Fleisch“ etc. Nee. Da passiert nichts. Alles ausprobiert von „ohne Frühstück aus dem Haus“ über „eine Mahlzeit übersprungen“ bis hin zu „einen ganzen Tag nichts gegessen“. Mir ging’s dabei immer noch gut. An heißen Tagen hatte ich allenfalls mal ein wenig „Kreislauf“ oder war mies gelaunt. Aber das war es dann auch schon.
  • „Hunger ist was Schreckliches!“ -> Ja, für diejenigen, die wirklich nichts haben und essen können. Aber für uns in der Überflussgesellschaft kommt es in meinen Augen darauf an. Seit ich intervallfaste, nehme ich Hunger unterschiedlich wahr. Manchmal ist es wirklich ein unangenehmes Gefühl, das ich beseitigen möchte. Viel öfter aber fühlt er sich beinahe befreiend an.
  • Wer nichts isst, kann auch nichts leisten. -> Stimmt vielleicht für den, der körperlich arbeitet. Der braucht auch was auf die Brust, sonst kann er keine Steine/Zementsäcke/LKW-Reifen mehr durch die Gegend schleppen. Und wir Büromenschen? Hier ist in meinen Augen das Gegenteil der Fall. Viele Mahlzeiten lähmen eher, weil sie den Verdauungstrakt über Gebühr beanspruchen. Wer den ganzen Tag auf seinem Schreibtischstuhl hockt, braucht erheblich weniger Nahrung und ist sogar leistungsfähiger, wenn er weniger isst.
  • „Drei Mahlzeiten am Tag“. -> Auch damit bin ich aufgewachsen. Dreimal ist eigentlich auch ein guter Rhythmus für einen gesunden Menschen. Ich habe das nur leider lange missverstanden mit „Schlag dir dreimal am Tag den Bauch voll“. Und ständig war ich müde deswegen, weil der Verdauungstrakt die ganze Energie beanspruchte. Einfaches Frühstück, mittags was Leichtes, abends je nach Gusto. Das würde ich einem gesunden Menschen heute empfehlen. Da passt dann sogar manchmal noch ein Stück Kuchen dazwischen.
  • „Frühstück, Mittag, Abendessen“ -> Es gibt mittlerweile Tage, an denen esse ich nur 1x. Meistens ist das der späte Nachmittag. Wie nennt sich dann diese Mahlzeit? Brinner? Problematisch an solchen Bezeichnungen finde ich, dass mit ihnen auch ein latenter Zwang einhergeht. Es ist Mittag – ich soll also essen, nur weil es die Uhrzeit so will? Das ist doch Quatsch. Essen wann man Hunger hat, klingt schon etwas besser. Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat, finde ich noch viel besser.
  • „Wer nichts isst, wird magersüchtig.“ -> Nee, das ist was ganz anderes. Magersucht geht mit psychischen Problemen einher, das Verhältnis zu Nahrung und zum eigenen Körper ist getrübt. Wer einfach nur weniger und seltener isst, aber auf gesunde Ernährung und Sport achtet und dabei mit und nicht gegen seinen Körper arbeitet, hat wenig zu befürchten.

Also kurz gesagt: Wer weniger isst, fällt nicht vom Fleisch. Er fällt auch nicht um, wenn er mal eine Mahlzeit überspringt oder sogar mal einen ganzen Tag nichts isst. Der Tag kann immer noch gut werden, ihr könnt immer noch Leistung bringen. Hunger muss kein schlechtes Gefühl sein. Büromenschen brauchen deutlich weniger Kalorien am Tag als Menschen, die körperlich arbeiten. Und wir essen im Großen und Ganzen eher viel zu viel als zu wenig. Musste alles mal gesagt werden.

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Yeah

Erstmal Urlaub

„Es ist in unserem ureigenen nationalen Interesse, die Welt zu impfen.“

Sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, nachdem Deutschland erstmals auf bereits bestellten Astrazeneca-Impfstoff verzichtet und 1,3 Millionen Impfdosen an die Covax-Initiative abgibt, um auch Menschen in Entwicklungsländern zu impfen.

Dass das am gleichen Tag bekannt wird, an dem die Gesundheitsministerkonferenz beschließt, dass für Astrazeneca-Geimpfte eine dritte Impfung notwendig wird und erste Pharmazeuten das Vakzin als „verbrannt“ bezeichnen, ist natürlich Zufall. 😬

Aber genug vom Weltgeschehen. Ich mache erstmal Urlaub. Also richtig los geht’s wohl erst am Sonntag. Und dann über kurz oder lang in die Niederlande. Ob ich von unterwegs blogge, weiß ich noch nicht. Das Handy habe ich auf jeden Fall dabei. Eventuell wird’s hier mal wieder etwas bildlastiger. Oder ich blogge gar nicht? Aber mal sehen…

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OK

Post-Minimalismus

Die Welt wird nach Corona nicht mehr die gleiche sein. Und wahrscheinlich endet auch für mich persönlich dann ein Lebensabschnitt. Wenn alles klappt, bin ich dann „fertiger“ Minimalist, der alles in seinem Leben, was er nicht braucht, aussortiert hat. Und dann?

Was ich weiß, ist, dass ich nicht so weitermachen möchte, wie im Moment. Auf der Arbeit komme ich mir festgefahren und teilweise rückwärtsgewandt vor. Ich war selten offen für Neues. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich mich die letzten Jahre viel mit der Vergangenheit beschäftigt habe. Das sollte dann auch bald mal ein Ende haben. Und Bonn? So schön es hier ist, immer nur hier zu sein, ist zu wenig inspirierend. Selbst der Trip nach Düsseldorf übers letzte Wochenende war befreiend und erbauend.

Ich möchte die Welt sehen – nicht nur aus privaten, auch aus beruflichen Gründen. Eine Art Inspirational World Trip. Mal das Silicon Valley sehen, China, Südostasien, Australien – mir Green Startups anschauen, Konzepte zur Stadtentwicklung, Gewinnung neuer Energien, Dinge, die den Planeten und das Leben darauf besser machen. Warum eigentlich nicht!

Ich hoffe nur, Corona „endet“ auch wirklich irgendwann mal und freies Reisen kehrt zurück.

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Argh

Mopped-Aventure, ungeplantes

Eigentlich sollte das gar kein Aventure werden. Ich wollte die 70-80km von Bonn nach Düsseldorf mit der E-Schwalbe zurücklegen. 120 km Reichweite zeigt das Display bei voll geladenem Akku normal an, und eine Langstreckenfahrt für meinen Testbericht fehlte eh noch. What could possibly go wrong…

Nun, zum einen schonmal, dass mir der Wind ziemlich schnell, ziemlich kräftig entgegen bläst. 120-130km schafft die Schwalbe bei idealen Bedingungen. Aber, nun ja, bei dem Sturm, der da am Niederrhein auf mich zu weht… Vielleicht hätte sogar alles gepasst, wenn ich mich zum anderen nicht noch einmal kapital verfahren hätte.

Wo genau ich falsch abbiege oder eben nicht abbiege, finde ich erst viel später heraus. Aber ohne Navi ist Köln die Hölle. Und Navi auf einem Moped? Das Smartphone mit Google Maps geht nicht mal eben an den Lenker. Bliebe eigentlich nur noch, AirPods in die Ohren zu stopfen und Ansagen zu hören. Aber 2 Stunden lang? Die fallen ja eh irgendwann raus. Aber ohnehin müßig, wenn man bei den AirPods vorher „brauche ich nicht“ denkt und sie absichtlich zu Hause lässt, genauso wie das iPhone-Ladgerät…

Ich verpasse also meine Ausfahrt irgendwo auf dem Kölner Militärring, weil dort nirgendwo etwas von „B9“, „Fühlingen“ oder „Worringen“ steht, und halte weiter munter auf Köln-West zu. Kurz vor der Autobahnauffahrt nach Aachen dämmert mir, dass da etwas nicht stimmen kann. So verliere ich etwa eine Dreiviertelstunde, womit ich auch langsam spät dran bin für das geplante Treffen und etwa 15 km extra abspule. Das soll sich noch rächen…

Wieder auf der richtigen Spur, beeile ich mich. Die Straßen rund um Dormagen sind nicht gut, der Wind braust richtig auf. Mir ist mittlerweile trotz Jacke und langer Hose bitterkalt. Vielleicht hätte ich doch vorher etwas essen sollen… Der Akkustand sinkt und sinkt – auf 40, 30, 20 Prozent, und Neuss will einfach nicht näher kommen. Immer wieder muss ich anhalten und auf Maps nach dem Weg schauen. Im Kopf schmiede ich längst den Plan B, einfach so weit zu fahren, wie der Akku mich trägt, das Ding vor einer Ladesäule zu parken mit dem Taxi ans Ziel zu gelangen.

Kurz vor der Rheinbrücke nach Düsseldorf sind noch 15 Prozent im Akku, beinahe pro Minute wird es 1 Prozent weniger. Ich wage die Überfahrt trotzdem. Je zentraler, desto mehr Ladesäulen ohnehin. Und so geht es in mehreren Spuren um Kurven, Autos brettern um mich herum. Aus Straßen wurden Tunnel, einer unterquert sogar die Altstadt. Wo bin ich genau, wo muss ich hin, was, wenn die Anzeige, die bei 8% angekommen ist, gar nicht so genau ist und das Ding im Tunnel einfach aus geht?

Auf letzter Rille und laut Display mit <5% Akku schaffe ich es schließlich doch noch in mein Hotel und parke direkt davor. Geschafft!

Oder?

Nein, eine Lademöglichkeit hätten sie leider nicht, sagt der Portier des Hotels, das mit eigenen Parkplätzen im Hof wirbt. Da könne man auch kein Kabel oder was rauslegen. Aber es gebe bestimmt Ladesäulen für E-Autos in Parkhäusern in der Nähe. Er wisse zufällig ein Parkhaus, könne aber nicht sagen, ob da auch Ladesäulen wären. Schon gut, winke ich ab, es gibt ja Apps. Mittlerweile bin ich aber so spät dran, dass ich keine Zeit mehr habe, mich darum zu kümmern, ich muss zum Treffpunkt in der Altstadt. Passenderweise nehme ich einen E-Scooter dorthin…

Als ich spät abends wiederkomme, untersuche ich eine Ladesäule der Stadtwerke Düsseldorf in der Nähe meines Hotels nach der Möglichkeit, mich dort per App anzumelden. Aber keine Chance. Die Säule hat keine QR-Codes, App-Angaben, irgendwas. Die Website der Stadtwerke Düsseldorf zeigt keine eigene App an. Die Säule besteht auf eine Entsperrung per Ladekarte, die ich nicht habe. Die App TankE, die mir in Bonn treue Dienste geleistet hatte, gilt auch für Köln, Dormagen, Leverkusen, Oberhausen und eigentlich alle Städte rund um Düsseldorf – außer Düsseldorf. Ich lade die App Chargemap, die außer der Säule, vor der ich stehe, und die ich wohl nicht benutzen kann, noch genau 5 weitere mit Schuco-Stecker im Düsseldorfer Innenstadtbereich findet. 2 davon in Parkhäusern, die jetzt und am Sonntag geschlossen haben. Bei 2 davon steht nicht beschrieben, wie sie sich nutzen lassen. Aber um mal eben dahin zu fahren und es zu probieren, reicht mein Restakku nicht mehr. Daran habe ich überhaupt nicht gedacht: Dass das irgendwie ein Problem werden könnte, den Akku in Düsseldorf zu laden, um damit dann wieder nach Hause zu kommen.

Ich kehre konsterniert in mein Hotelzimmer zurück, es ist mittlerweile 1 Uhr. Aus Versehen fällt mir das Wasserglas im Bad aus der Hand und zerspringt in tausend Teile. Ich renne zur Rezeption und lasse mir Kehrblech und Handfeger geben und lade nach Beseitigung der Sauerei noch einige weitere Apps mit Ladekarten herunter. Mittlerweile geht auch der iPhone-Akku zur Neige. Wer hätte auch ahnen können, dass ich den dafür brauchen könnte… Irgendwann kann ich einfach nicht mehr, geschweige denn kann ich noch einen klaren Gedanken fassen. Und ich beschließe, dass mein Zukunfts-Ich sich darum kümmern muss. Gute Vorsätze mal sonstwohin gesteckt

Ich schlafe erstaunlich gut und sonntagsmorgens um 8 sieht die Welt schon deutlich rosiger aus. Ich stehe auf und beschließe, die Säule in der Nähe in noch einmal bei Tageslicht in Augenschein zu nehmen. Dabei setze mir eine Fallback-Lösung, mit der ich leben könnte: Im Notfall die Schwalbe halt in Düsseldorf stehen zu lassen, mit dem Zug nach Hause zu fahren und den Hersteller zu bitten, das Testmoped halt statt in Bonn, in Düsseldorf abzuholen… Selbst Schuld, wenn er die Akkus fest verbaut… 🙄

Als ich bei „meiner“ Ladesäule ankomme, sehe ich, dass die Klappe vor der Schuco-Steckdose, die gestern fest verriegelt war, diesmal nur angelehnt ist. Ich hebe sie an und, siehe da, ich komme an die Steckdose! Aber würde da auch Strom fließen? Ich beschließe, mein Glück zu versuchen, laufe zurück zum Hotel, hole den Helm und fahre die Schwalbe langsam rüber. Der Akku zeigt nun sogar wieder 8 Prozent an. Immerhin.

Aber meine Freude wehrt nicht lang: Zwar kann ich vor Ort den Ladestecker einstecken, aber es fließt nicht automatisch Strom. Ich probiere noch zwei weitere Apps, melde mich samt Zahlungsdaten bei zwei angeblich bundesweit operierenden Ladediensten und ihren Apps an. Ich kann darin sogar meine Ladesäule und die Steckdose, die ich möchte, auswählen und den Vorgang einleiten. Aber es passiert nichts, es kommt immer eine Fehlermeldung.

Eins habe ich aber noch nicht probiert. Auf der Klappe steht: „fest herunterdrücken“. Meinen die damit davor oder danach? Egal, ich probiere es: Stecker rein, Klappe zu, in der App den Ladevorgang starten, bange Sekunden warten, ob es klappt…

Es klappt nicht. Es kommt wieder die gleiche Fehlermeldung, die Klappe geht nicht mehr auf und der am Moped fest installierte Stecker ist nun darin gefangen. Ah ja, natürlich…

Mir bleibt keine andere Wahl mehr. Mit den mitterweile nur noch 25 Prozent Restakku im iPhone rufe ich den auf der Säule angegebenen Notruf an. Sonntagsmorgens um kurz vor 9. Ob da überhaupt schon jemand wach ist?

Aber ich habe tatsächlich Glück. Nach kurzer Wartezeit ist ein hilfsbereiter Mitarbeiter dran, ich erkläre ihm die Sachlage, er gibt Tipps, die nicht helfen, dann gibt er auf und sagt, er würde jetzt einen Techniker schicken. Dauere 15-20 Minuten. Und er hält Wort. Mit einem E-Smart kommt tatsächlich nach einer Viertelstunde ein netter Kerl vorgefahren.

Er bewundert die Schwalbe und ist gleichzeitig überrascht, dass es sowas auch elektrisch gibt. Mit ein paar Handgriffen hat er die Ladesäule geöffnet, die Luke entriegelt und den Stecker befreit. Ich erkläre ihm noch, was ich versucht habe, aber er winkt freundlich ab: damit kenne er sich auch nicht aus.

Wir kommen ins Gespräch. Ich sage ihm, dass ich aus Bonn käme und auch wieder dahin zurück müsse und ohne „Tankkarte“ der Stadtwerke wohl auch an anderen Ladesäulen keinen Erfolg haben dürfte. Er versteht und ist zum Glück die Sorte Notfallhelfer, die nicht eher geht, als dass das Gesamtproblem auch wirklich gelöst ist. Und er macht den Vorschlag, dass ich ihm zum Betriebsgelände der Stadtwerke hinterherfahre und die Schwalbe dort auf dem Hof lade. Ob der Akkustand dafür noch reichen würde? „3-4km gehen vielleicht noch“, sage ich. „Das sollte reichen“, sagt er. Und wir fahren los.

Es geht ein paar Kilometer weiter irgendwo ins Gewerbegebiet. Autohaus reiht sich an Autohaus. Da links plötzlich ein riesiger Hof mit grün-weißen Gebäuden und Fahrzeugen. Hier biegt er ab, ich folge ihm. Nach kurzem Tratsch mit dem Pförtner sind wir auf dem Gelände, ich fahre die Schwalbe unter ein Vordach (sie hat es wirklich noch geschafft), und tatsächlich: Hier ist eine Außensteckdose, an die ich die Schwalbe anschließe.

Wie lange die jetzt laden müsse, fragt der nette Techniker, der kurz davor ist, mich zu duzen? „Jetzt wo der Akku fast leer ist: 4 bis 5 Stunden“, sage ich. Mein Helfer in der Not ist verblüfft: „So lange noch? Also darauf hätte ich auf Dauer keine Lust.“ Ich zucke mit den Achseln, eher zustimmend als verneinend.

Nachdem ich mich herzlichst dankend verabschiedet habe und er nicht genau versteht, warum, mache ich mich vom Gelände, schalte einen E-Scooter frei, für den ich mich erst registrieren muss. Ich will anfahren, nichts passiert, nochmal – nichts. Das ist natürlich jetzt nichts Weltbewegendes mehr, aber was ist denn heute bloß los mit der Technik! Natürlich nicht weiter schlimm: Eine Straßenecke weiter steht ein weiterer Scooter (einer wieder anderen Marke) und der funktioniert.

Zurück im Hotel sucht der Portier auf meine Bitte aufopferungsvoll die gesamte Rezeption nach einem iPhone-Ladekabel ab. Er findet aber nur 27 Kabel mit anderen Stecker-Typen. Trotzdem danke. Ich dusche endlich in Ruhe, checke aus, kehre für einen Kaffee im best bewerteten Café der Gegend ein und frage auch dort nach einem iPhone-Ladekabel. Und siehe: sie haben eins und bieten mir an, mein iPhone direkt hinter der Theke zu laden. Dafür müsse ich es kurz hergeben, damit sie es an ihren Ladestecker anschließen können. So herum also… Etwas zögerlich beschließe ich, dass ich den Typen vertrauen kann (4.8/5 auf Google Maps, come on) und gebe mein iPhone für eine knappe halbe Stunde aus der Hand. Ein sonderbares Gefühl des Ausgeliefertseins. Nicht schön. Aber natürlich passiert nichts. Sie geben mir mein zu 45% geladenes iPhone am Ende einfach wieder.

Auch Phil, den ich danach zum Mittag treffe, ist vorgewarnt und bringt ein Ladekabel und ein iPad mit, an dem ich mein iPhone laden kann. (Allersuperherzlichsten Dank!) Nach einem Mittagessen und Kaffee und erstaunlich schnell vergangenen 2-3 Stunden bietet Phil mir an, über seinen Account ein Carsharing-Auto zu buchen (die Variante hatten wir noch nicht) und mich damit auf dem Weg zu seinem Park+Ride bei den Stadtwerken rauszulassen. Für den einzigen verfügbaren Wagen müssen wir gefühlt einmal durch die halbe Stadt laufen. Aber es ist witzig und je länger wir brauchen, desto voller wird der Akku der Schwalbe.

Und endlich klappt mal was auf Anhieb: Phil setzt mich wie geplant bei den Stadtwerken ab, der Pförtner lässt mich durch, die Schwalbe ist voll geladen, ich schaue mir auf Maps die erstaunlich einfache Wegbeschreibung durch die Stadt an und fahre den gleichen Weg zurück, den ich gekommen bin. Keine Experimente mehr heute!

Der Weg ist toll, ab Neuss einfach immer die B9 herunter, zwar schon wieder mit Gegenwind, aber deutlich weniger als gestern. Eine Gruppe entgegenkommender Moped-Fahrer grüßt. Auch verfahre ich mich nicht. Und obwohl die Fahrt erstaunlich lange 2:30h dauert, macht sie sehr viel Spaß. Und mit knapp 30 Prozent Restakku erreiche ich schließlich die Bonner City.

Was für ein verrückter Ritt! Ich behaupte ja, Abenteuer zu mögen, und hinterher habe ich immer was zu erzählen (was ihr gerade lest). Aber das Ganze hat auch Nerven gekostet und mich mehr altern lassen, als mir lieb ist. Die Art von Aventure brauche ich eigentlich nicht. Zumindest nicht so.

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OK

Endgegner Steuer

Heute habe ich mir einen Traum wahr gemacht, ich habe in der 50er-Zone ein Auto mit dem Fahrrad überholt. Nicht von rechts, sondern von links, so wie Autos sich auch gegenseitig überholen würden.

Es war einer dieser von mir kürzlich kritisierten 35-in-der-50er-Zone-Fahrer und die habe ich langsam über.

Dass das überhaupt möglich war, lag daran, dass es bergab ging. Von Bonn-Ippendorf nach -Poppelsdorf herunter sind es 6 Prozent Gefälle. Mit dem Fahrrad bekomme ich hier gut und gerne mal 55 km/h auf den Tacho – wenn mich Autofahrer:innen wie die heute nicht ausbremsen.

Ganz ungefährlich war das nicht und sinnvoll eigentlich auch nicht, aber spaßig irgendwo schon. Hab leider nicht mitbekommen, was die Fahrerin dabei gedacht hat.

Aber ganz ehrlich: Die Leute nerven mich sooo sehr. Was soll das? Macht ihr das auch? Fahrt ihr 30 oder 40, da wo 50 erlaubt sind? Ich habe solche Schnarchnasen dauernd vor mir, die kein Hindernis vor sich haben und auch ganz sicher keinen Parkplatz suchen. Es scheinen mir immer mehr zu werden.

A propos immer mehr Autos: Steigt man Freitagmittag für eine Runde Sport aufs Rad, schiebt man sich natürlich an der Blechlawine vorbei. Und schaut man mal etwas genauer in die Cockpits, sieht man dort in den seltensten Fällen mehr als eine Person in einem Auto. Der so viel gescholtene Individualverkehr: er findet nach wie vor statt.

Was ich mich hier heute gefragt habe: Wenn doch eh jeder alleine fährt, warum dann eigentlich diese riesigen Autos? Selbst ein kleiner Viersitzer, wie ich ihn habe, ist für den Zweck noch überdimensioniert, von einer Limousine oder einem SUV ganz zu schweigen.

Muss nicht genau der sein und die gleichen Eigenschaften haben, aber wenn es nur ums Pendeln geht, hat der Renault Twizy genau die richtige Größe (Bild: Renault).

Den Luxus, den ein Auto bietet (flexibel, regendicht, schnell, bequem, keine Körperkraft notwendig) möchte niemand missen, verstehe ich gut. Aber warum belässt man es dann nicht bei Ultrakleinstwagen von der Größe (nicht unbedingt dem Aussehen und der Offenheit) eines Renault Twizy? Es würden mehr davon auf die Straße passen, Rückstaus würden kürzer, es würde weniger Abstellfläche benötigt. Platz für 1 Person + 1 Wocheneinkauf/zweite Person = das perfekte Pendlerauto. Warum nicht mehr davon?

An den letzten Abenden habe ich mich dazu gezwungen, meine Unterlagen für die Einkommensteuer 2019 + 2020 zusammenzusuchen und die für 2021 schon einmal vorzubereiten, mit allem, was schon da ist. Ist so ungefähr das spießigste, was man mitten im Hochsommer (falls man das so nennen kann) abends machen kann, aber ich wollte das ein für alle Mal erledigt haben.

Es gibt kaum etwas, wovor ich so sehr zurückschrecke, wie vor Buchhaltung, Steuer und anderem Papierkram – und was seinen Schrecken dann auch ebenso schnell verliert, wenn man einmal dabei ist. Wie der größte aller Endgegner, den du nach fünf Schuss dann doch schon erledigt hast.

Diesmal falle ich aber nicht in alte Verdrängungsmuster. Deswegen hier ein Reminder to my future Self, wie leicht so eine Einkommensteuererklärung(svorbereitung) eigentlich ist:

  • Du nimmst alle Nachweise, die du schon für deine Umsatzsteuervoranmeldungen herausgesucht und verbucht hast.
  • Du schaust die Kontoauszüge/“Finanzreporte“ der betreffenden Monate durch, was zusätzlich noch EKSt-relevant sein könnte und suchst auch dafür die Nachweise zusammen
  • Das sind Reisekosten, Gesundheitskosten, Fortbildungen, Versicherungen, Altersvorsorge, Handwerkerrechnungen, Wohnnebenkosten für das Arbeitszimmer, Spenden und andere Rechnungen, die aus irgendeinem Grund umsatzsteuerfrei waren oder dafür nicht relevant, nun aber noch zählen können.
  • Das alles sortierst du zusammen, elektronisch, Papier, egal, und gibst es dem Steuerberater, der den Rest macht. Fertig.
  • Wenn du schlau bist, suchst du die passenden Rechnungen schon dann heraus, wenn du gerade deine USt.-VA machst. Es kostet dich nur 5 Minuten extra.
  • Und wenn du die komplette Übersicht haben willst, verbuchst du die USt-VA mit samt den Extra-Rechnungen für die EKSt.-Erklärung nicht quartalsweise, sondern monatlich. Es wird dich nicht länger als eine halbe Stunde kosten.
  • Ja, dann bist du halt nen Spießer! Aber du hast 1 große Sorge weniger, die die jedes Mal viel Zeit und Geld kostet.

Okay, und jetzt weiter mit interessanten Themen.

Vielleicht ist es einfach allgemein keine gute Idee, wenn Politiker Bücher schreiben… Klar, sie haben viel zu sagen. Aber die geborenen Schriftsteller scheinen sie selten zu sein…

Müssen sie in meinen Augen aber auch nicht sein. Sie sollen gute Politik machen und sonst eigentlich nichts.

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Hm

Essen für alle

Das Radio meldete gerade, dass im ersten Rutsch über 150 Millionen Euro an Sachspenden für die Opfer der Flutkatastrophe zusammengekommen seien. Das ist sehr löblich, auch wenn das natürlich nicht reichen wird.

Mir fiel aber vor allem etwas Anderes auf, als ich vor einer Woche für einen Tag dort helfen war: Von Sachspenden konnten sich die Leute dort kaum noch retten, die Koordinationsstellen winkten sogar ab. Auch für Helfer gab es en masse zu trinken und zu essen. Das war nicht das Problem.

Ich finde, das vergisst man all zu oft. Dass Lebensmittel hierzulande so billig und im Überfluss vorhanden sind, dass wir die Straße damit pflastern könnten. Es ist so billig und wir haben so viel davon, dass wir uns selbst konditionieren müssen. Welthistorisch gesehen ist das alles andere als selbstverständlich. Es ist eine Errungenschaft, die heute kaum noch einer zu schätzen weiß. Sollte man sich aber hin und wieder mal ins Gedächtnis zurückrufen.

Das gleiche mit dem Leben in relativer Sicherheit, mit sehr vielen Freiheiten, mit einem funktionierenden Gesundheitssystem. Wo beinahe jeder ein Dach über dem Kopf hat. Weswegen es ja so schmerzt zu sehen, wie viele Menschen an Ahr und Erft da jetzt genau das temporär verloren haben. Sicher: Es ist längst nicht alles perfekt, aber setzen wir trotzdem alles daran, diese Errungenschaften zu behalten und nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen!

Du sollst dein wichtigstes neues Produkt vorstellen. Dann verlegst du die Präsentation mitten in den Hochsommer, informierst die Presse vorher (und hinterher) nicht, kündigst an, das Ding nur in China verkaufen zu wollen. Und das Gerät selbst – wird bis auf ein klares Highlight so lala. Ich fürchte, Huaweis Smartphone-Sparte hat so langsam fertig. Der Bann durch die US-Regierung war in meinen Augen übertrieben und nicht fair, aber in jedem Falle wirksam. Schade, ich mochte die…

Portugal knüpft Corona-Lockerungen an die Impfquote. U.a. Wegfall von Maskenpflicht im Freien, wenn im September 70 Prozent geimpft sind, Öffnung von Kneipen und Nachtclubs, wenn es im Oktober 85 Prozent sind. Das ist gar nicht mal so dumm, auch wenn ich für die Leute hoffe, dass es da nicht zu Nötigungen und Drangsalierungen kommt… Glaube ich aber gar nicht mal. In Deutschland würden Impfverweigerer eher vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, als sich zum Wohle der Allgemeinheit impfen zu lassen.

Wir müssen die Kommunisten besiegen, indem wir Pingpong spielen… Der Deutsche Dimitrij Ovtcharov macht das Spiel seines Lebens und verliert dennoch gegen den – so gesehen – Michael Jordan des Tischtennis, Ma Long aus China, knapp mit 9:11 im 5. Satz. Mir ist Dimo nicht unbedingt sympathisch, aber das hätte er eigentlich verdient gehabt:

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Right

Impfen

60 Prozent der Über-18-Jährigen in Deutschland sind jetzt mindestens 1x gegen Corona geimpft, 50 Prozent 2x. Gehen wir mal davon aus, dass noch nicht alle, die wollten, an Impfstoff gekommen sind, dass einige erstmal in Urlaub wollten und dass der eine oder die andere sich vielleicht doch lieber erstmal überreden lassen wollte. Dann kommen da sicher noch einige Nachzügler. Ich rechne mit 66 Prozent vollständig Geimpften bis Ende September. Mehr werden es wohl nicht mehr werden, sagt mir mein Gefühl.

Und eigentlich könnte mir das egal sein. Ich darf alles wieder, mir wird jetzt nichts mehr passieren. Und genau das wünsche ich denen, die sich nicht impfen lassen sollen (Schüler etwa – warum eigentlich nicht?) oder können (!) auch. Denen wünsche ich ein wenig Normalität mehr denn je. Sollten sich auch Impfverweigerer einmal überlegen: Es geht nicht um euch, es geht um die Anderen!

Die aktuellen Zahlen aus UK und den Niederlanden klingen eigentlich fast zu schön um wahr zu sein. Vierte Welle dort eventuell schon gebrochen. Vergleichsweise sehr niedrige Zahlen von Krankenhauseinweisungen, Intensivbettenbelegungen und Toten. Wie der Tagesspiegel meldet, könnte das aber auch schlicht mit den Schulferien dort zusammenhängen. Wenn hier Optimismus angebracht ist, dann also erstmal vorsichtiger. Aber mit etwas Glück und Verstand kämen wir auch hier trotz schon beginnender vierter Welle und 1/3 Impfverweigerer um weitere Lockdowns herum. Das wäre doch was.

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Yeah

Superspießerevent

Ich, ein Spießer? Niemals!

Aber ich fahre E-Bike und trage einen Helm dazu. Natürlich nur, um damit Sport zu machen und auf Tour zu gehen.

Ich gehe an den meisten Abenden etwa zur gleichen Zeit schlafen und am Wochenende auch mal eine Stunde später. Aber nur, weil mein Handy sagt, die Forschung lehre uns, dass regelmäßige Schlafzyklen das Wohlbefinden stärkten.

Ich trinke kaum noch Alkohol. Aber nur, weil mir das wirklich nicht mehr viel gibt und ich ohne genauso viel Spaß haben kann.

Ich esse kaum noch Fleisch. Aber nur, weil Käse ja genauso gut schmeckt wie Wurst, ach was: besser! Und weil ich dieses Fleischersatzzeug wirklich, wirklich mag.

Ich fahre einen Volkswagen, aber nur, weil das Auto, das ich vorher hatte, superunzuverlässig war und keinen TÜV mehr bekommen hat.

Mein Abendessen habe ich mittlerweile auf etwa 1700 Uhr verlegt. Danach nehme ich an den meisten Tagen keine Kalorien mehr zu mir. Aber nur, weil ich ein für alle Mal schlank werden, meine natürliche Körperform finden und dafür abnehmen will. Seit drei Jahren jetzt.

Ich habe jetzt endlich das mit der Altersvorsorge geregelt. Aber nur, weil die gesetzliche Rente ja hinten und vorne nicht mehr reichen wird.

Heute bin ich früher vom Training weg und nur noch kurz mit ins Vereinsheim gegangen. Aber nur, weil ich dringend meine Steuer fertig machen muss. Abends um neun.

Ich ärgere mich, wenn junge Leute auf dem Platz vor meinem Fenster in der Woche nachts um 2 noch Krach machen. Aber nur, weil ich schlafen muss, um tagsüber meinem seriösen Job nachzugehen, um Geld zu verdienen, um mir den Urlaub und die Yuppie-Wohnung im gentrifizierten Stadtteil leisten zu können.

Spießer? Ihr vielleicht!

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Yeah

Barbier

Ich kann mittlerweile verstehen, warum Leute gerne zu einem guten Friseur gehen. Man fühlt sich da wie ein König oder eine Königin auf dem Thron und erhascht ein kleines bisschen Wellness in der Ödnis des Immergleichen. Mein letzter Besuch dort ist 15 Jahre her…

Heute dann mein erster Besuch überhaupt bei einem Barbier. Ich hatte während Corona meinen Bart immer weiter wachsen lassen, um ihn dann nach der Impfung mal richtig hübsch machen zu lassen und Corona für mich damit abzuschließen. Noch am selben Nachmittag nach meiner 2. Impfung hatte ich dort einen Termin ausgemacht. Nun war es so weit.

Man bot mir einen Whisky an (ich habe angenommen), der mir zugeteilte Barbier beriet mich erst, dann schnitzte er filigran eine halbe Stunde lang mit dem Haarschneider, der Schere, dem Rasiermesser, wieder dem Haarschneider, wieder dem Messer und wieder der Schere Muster in die Kanten meines Barts. Hat gepudert, gepinselt, gekämmt, aufgetragen, wieder gepinselt, noch einmal gepudert und wieder aufgetragen. Und dann gab es noch ein paar Minuten unter einem heißen, feuchten Handtuch.

Ich muss hinterher wie ein Honigkuchenpferd gestrahlt haben, und wollte allen Leuten davon erzählen. Ich glaube, ja, das Klischee, dass Frauen (und Männer!) sich darüber freuen, wenn man ihnen nach einem Friseurbesuch Aufmerksamkeit schenkt, kommt nicht von Ungefähr. Das macht die Welt ein Stückchen besser.

Ich freue mich auf meinen nächsten Termin in 15 Jahren.

(Corona ist natürlich noch nicht vorbei, leider. Aber ich habe beschlossen, jetzt einfach so weiter zu leben wie vorher. So gut es eben geht.)

(Und so viel anders sehe ich übrigens gar nicht aus. Bart jetzt etwas kürzer und ordentlicher und bisschen hübscher ist’s sicher auch.)

(Nächste Station: Optiker. Endlich mal eine Brille finden, die zu mir passt.)

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Sigh

Federalism kills

Alexander Krei schrieb vergangene Woche einen lesenswerten Beitrag darüber, wie WDR, SWR und Katastrophenschutz bei den Unwettern an Ahr, Wupper und Erft mit über 100 Toten allesamt sehr, sehr schlecht ausgesehen haben. So haben SWR und WDR in den Wetter-Beiträgen im TV vom Abend vor der Katastrophe vor ein paar nassen Füßen gewarnt. Die Einspieler zeigten Camper, die sich beklagen, weil Campen bei Dauerregen ja keinen Spaß macht. So wurde aber auch der SWR offenbar nicht über die höchste Gefahrenlage gewarnt. Das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz schrieb Krei auf Nachfrage, dass die Warnung der Bevölkerung Ländersache sei:

„Die Einschätzung der Gefahrenlage erfolgt […] zunächst lokal in den Katastrophenschutzbehörden vor Ort und wächst bei Bedarf bis auf Landesebene auf.“

Krei dazu:

„Offenkundig muss es also irgendwo zwischen all den Zuständigkeiten versäumt worden sein, den SWR in der tödlichen Flut-Nacht über die wichtige Gefahrendurchsage zu informieren.“

Das darf doch bitte nicht wahr sein, dass wegen irgendeinem Zuständigkeitsquatsch lebenswichtige Warnungen untergehen. Es kann doch nicht angehen, dass unser eigentlich löblicher Föderalismus zu einer kafkaesken Maschine mutiert ist, in der jeder nur seins macht, in der unliebsame Entscheidungen nach oben oder unten delegiert werden und die Institutionen untereinander stille Post spielen. Es sterben Menschen deswegen! Wann fangen wir endlich mal an, die Kommunikationswege der Behörden zu optimieren?

Die Cleveland Indians sind jetzt die Cleveland Guardians. Ein toller, kurzer Spot dazu auf Twitter mit Tom Hanks als Erzähler beweist sehr schön, warum Veränderung keinesfalls immer schlecht sein muss.

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Hm

Let’s face it

# Ich könnte hier jetzt heroisch mit einem Helfie posieren, wie drei Kumpels und ich am Freitag spontan einer älteren Dame an der Ahr in Sinzig geholfen haben, ihren Garten und Keller per Kärcher und Schubkarre vom Hochwasser-Schlack zu befreien. Aber am Ende wäre das auch nicht viel mehr als Katastrophentourismus.

# Ja, wir wollten helfen, ja, wir haben geholfen. Aber am Ende war es auch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein an einem Ort, an dem es eigentlich schon viel Hilfe gab (was sehr löblich ist!). Es war gut, mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Leute dort durchgemacht haben. Aber richtig etwas verändern konnten wir nicht. Und ganz ehrlich: Angesichts der Ausmaße würde es wohl erst etwas verändern, wenn ganz Bonn einen Monat lang täglich dort aushilfe, wo es am dringendsten ist.

# Geld überweisen. Vor ziemlich genau 10 Jahren schrieb ich auf Basic Thinking mal einen Beitrag darüber, dass Geld überweisen so einfach und schnell wie E-Mail schreiben sein müsste. Das war noch vor dem Aufkommen von Fintechs, der Standard-Umstellung auf IBAN und vor Echtzeitüberweisungen. Von einigen Kommentatoren wurde ich zurechtgewiesen, ich solle doch bitte nur von Dingen schreiben, von denen ich Ahnung hätte. Gerade eben habe ich einem Bekannten Geld gepaypalt. Nicht einmal eine Minute später whatsappte er zurück: „danke, ist angekommen!“. Das geht natürlich schon länger, aber erst da fiel mit auf, dass Geld überweisen heute wirklich so einfach wie E-Mail schreiben ist (und es trotzdem noch einfacher ginge). Und dass jeder, der mal eine Idee für eine bessere Welt hat, sich bloß nicht von Miesmachern die Suppe vollweinen lassen sollte.

# Verbal fighting. Vorhin zog ich als Regenschutz eine Plastiktüte über den Sattel der E-Schwalbe, die ich gerade teste und die ich vor unserem Haus geparkt habe. Das urige Retro-Design im knalligen Orange sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit. Eine ältere Dame aus dem Nachbarhaus bemerkte im Vorbeigehen, „oh, fährt die elektrisch?“, und entschuldigte sich im gleichen Moment lachend: „Damit wollte ich nicht ausdrücken, dass ich damit nicht einverstanden gewesen wäre, wenn sie nicht elektrisch wäre.“ Ich lachte freundlich zurück: „Ganz ehrlich? Das wäre mir auch egal gewesen.“ Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich reagiere bereits auf mögliche Kritik immer noch übertrieben wehrhaft. Aber es wird langsam besser. Und ich glaube mittlerweile, das ist durchaus nicht unangebracht in dieser Gesellschaft, sich rhetorisch so gut es geht verteidigen zu können. Der Tag wird kommen, an dem ich das mal für etwas wirklich Wichtiges brauche.

# Corona-Sensationalismus: Ich dachte, ich wäre der letzte, der Meldungen über Corona übertrieben nennen würde. Aber mittlerweile ist es so weit. Der Beitrag unten stammt aus der FR von heute Abend, aber er hätte genauso gut aus einer der 1.000 anderen derzeit gleich klingenden Online-Postillen stammen können. Und er kann einem eine Heidenangst einjagen. „Rasant steigende Inzidenz“. 😱 „Trotz aller Warnungen!“ 😱😱 „Delta-Variante kaum noch kontrollierbar“ 😱😱😱.

Nein, ich fange jetzt nicht an zu schreiben, dass da eine große Verschwörung in Gange wäre. 😉 Aber kritisieren muss ich die Kollegen trotzdem. Denn vor der Sensationalisierung sollte der Blick doch wenigstens einmal auf alle Zahlen fallen. Ja, über 40.000 Neuinfektionen pro Tag sind eine Menge. Allerdings sieht es für mich ganz klar so aus, als wäre Britain längst over the peak. Die Zahlen sinken schon wieder, die vierte (oder eigentlich da erst dritte) Welle scheint gebrochen:

64 Todesfälle an einem Tag, dazu 618 Patienten landesweit auf Intensivstationen und 4.658 Patienten in Krankenhäusern. Das ist nicht nichts, aber das ist gerade mal noch ein Fünftel bis ein Zehntel von dem, was GB bei der letzten Welle trotz Lockdowns im Winter verzeichnet hatte. Und diesmal hat wohl gemerkt alles wieder auf. Die Leute feiern in Discos, sie sitzen vollgepackt in Restaurants und Pubs. Trotzdem: vergleichsweise sehr wenige Todesfälle…

… deutlich weniger Krankenhauseinweisungen und Personen auf Intensivstationen:

Spielt das überhaupt gar keine Rolle mehr? Geht es nur noch um die Zahl der Infizierten? Der Eindruck, der nach Lektüre solcher Nachrichten wie oben bei den Leuten aber bleibt, ist: „Boris Johnson ist ein Vollidiot, die spinnen, die Briten, sie spielen mit Menschenleben und sie handeln völlig unverantwortlich“. Nein, tun sie (ausnahmsweise mal) nicht. Andere Länder, die mit dem Impfen noch nicht so weit sind, sollten und dürfen vorsichtig sind, wen sie da aus GB ins Land lassen und wen nicht. Aber Britain itself is doing just fine. Und das darf man ruhig auch mal so aufschreiben.

# Die letzte Folge der 2. Staffel von „The Mandalorian“ setzt Maßstäbe, mehrfach. Großartig!

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Argh

Hell is other Verkehrsteilnehmer

Egal, ob ich in letzter Zeit mal zu Fuß, mit dem Auto, dem Fahrrad oder, wie aktuell, einem E-Moped unterwegs bin: Sie rauben mir den letzten Nerv, diese sonderbaren Verkehrsteilnehmer. Raser, Drängler und rabiate Radfahrer meine ich nicht, die kennt man ja schon, ohne die würde fast etwas fehlen. Es sind eher diese bisher kaum besprochenen Speziäe:

  • Die Nur-Nach-Gehör-über-die-Straße-Geher: Sie gehen einfach, wenn kein Auto zu sehen ist. In letzter Zeit sehe ich vor allem alte Männer, die das tun. Oh, und ich meine hier nicht diejenigen welchen, die schon zum Gehen angesetzt haben, mit einem Bein auf dem Radweg stehen und dann doch noch stoppen. Ich meine Leute, die einfach so gehen. Die schon zwei Meter weit auf der Fahrbahn sind, wenn du gerade den Berg runtergerauscht kommst. Die dich noch nicht einmal bemerkt haben, wenn du mit deinem – erstaunlicherweise – lautlosen Fahrrad schon direkt hinter ihnen bist. Überfahren darfst du sie natürlich trotzdem leider nicht.
  • Die Komme-Was-Wolle-zu-zweit-Nebeneinander-Geher: Ihr trefft sie vor allem gerne vor euch auf schmalen Fußwegen, wenn ihr es selbst gerade eilig habt. Sie bestehen darauf, nebeneinander zu gehen und dabei den ganzen Weg auszufüllen. Sie bemerken euch aber nicht hinter sich, egal, wie laut ihr absichtlich schlurft oder wie sehr ihr ihnen schon in den Nacken atmet. Natürlich gibt es genau dann keine Möglichkeit, irgendwie zu überholen, meist weil Gegenverkehr kommt. Ihr könnt gut und gerne 50 Meter lang hinter ihnen hergehen, sie hören euch erst, wenn ihr euch laut räuspert oder sie irgendwann ansprecht und wörtlich bittet, zur Seite zu treten.
  • Die 40-in-der-50er-Zone-Fahrer: Sie fahren gerne vor euch im dichten Feierabendverkehr. Die Ampel habt ihr hinter euch gelassen, die Tempo-30-Zone ist gerade vorbei, aber der im Auto vor euch macht trotzdem keine Anstalten, in irgendeiner Art und Weise schneller zu werden. Er bleibt bei 30 oder – sehr gerne auch – 40, da wo 50 erlaubt sind. Könnte ja bald die nächste Ampel kommen… Gibt es natürlich nicht nur in 50er-Zonen. Jeder kennt auch die, die nach einer Ampel auf der Landstraße weiter 70 fahren. Neulich habe ich mal mit dem Fahrrad in einer Tempo-30-Zone ein Auto überholt, das stoisch bei 25 blieb.

So sehr die Hölle hier die Anderen sind. So sehr ist es manchmal auch die Verkehrsführung, die sie dazu treibt. Oft sehe ich einen Tempo-30-Hinweis mit gleichzeitigem Baustellen-Schild, obwohl die Baustelle da schon lange nicht mehr ist. Manchmal fehlt ganz offensichtlich das Schild, das eine Beschränkung wieder aufhebt. Es gibt Autofahrer, die bergauf hinter und neben mir auf dem Rad herkriechen, weil sie wegen des 1,50-Abstandsgebots nicht überholen dürfen. Eine völlig unrealistische Regelung, in meinen Augen, die den dichten Feierabendverkehr noch weiter ausbremst und die Autos zu gefährlichen Überholmanövern verleitet. Wie übrigens auch Autos und vor allem LKW, die mich auf dem E-Moped überholen, weil das aus absurden gründen nicht schneller als 45 km/h schnell sein darf.

Es ist immer wieder ein Chaos da draußen. Und du kannst dir nie sicher sein, dass du da lebend wieder raus kommst. Du bist den Anderen hilflos ausgeliefert und wenn es nicht um gefährliche Situationen geht, dann rauben sie dir mit ihren Marotten den allerletzten Nerv.

Ich weiß schon, warum ich lieber im Home Office arbeite.

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Sigh

Der sonderbarste Sommer aller Zeiten

Vielleicht wundert sich der eine oder die andere, wenn er/sie das jetzt liest, aber, ja: Wir haben tatsächlich gerade Sommer.

Das soll keine Schelte alleine über das Wetter sein, das wäre auch zu billig. Aber dieses nur manchmal warme und sonnige Wetter ist auch eine der Komponenten für diese komische Zeit gerade:

  • Es ist plötzlich alles wieder möglich, aber gleichzeitig nicht sinnvoll. Du kannst dich sogar ungeimpft und ungetestet in eine Gaststätte reinsetzen. Du kannst in Kellerbars gehen. Viele Leute tun das auch und denken sich nichts dabei. Die Tatsache, dass ich das vorerst nicht mache, kommt mir zwar vernünftig, aber schon ungewöhnlich vor. Ich könnte es, es würde mir Spaß machen und trotzdem mache ich es nicht, weil – Virus.
  • Es wird nicht gut ausgesehen. Das ahnt man im Grunde jetzt schon. Die Nachbarn haben schon die vierte Welle, wir beschwören sie gerade mit aller Macht herauf. Spätestens im September sind wir dann auch so weit.
  • Damit einher geht wohl auch der nächste Lockdown. Und das ist umso absurder, als dass man das jetzt schon weiß und es dadurch unausweichlich scheint, obwohl es das streng genommen nicht sein müsste.
  • Und wenn du beim Gedanken an einen Lockdown bloß müde abwinkst, stimmt auch irgendwo was nicht. Keine Angst, kein Ärger, nur noch Gleichgültigkeit. Wir hatten jetzt schon so viele davon, machen kannste eh nix. Soll er halt kommen, ich komm drauf klar, muss ich ja, schaffe ich auch.
  • Ärgerlich ist nur, dass trotzdem kein Ende in Sicht ist. Wann ist der Driss endlich vorbei? Dieses Jahr noch? Erst im Frühling? Nie? Wann kann ich wieder nach Singapur reisen? Oder Australien? Keiner weiß es.
  • Dann sollte mein Urlaub Mitte August eigentlich in die Niederlande gehen. Aber da sind sie jetzt schon so weit, wie wir erst im Herbst. Risikogebiet aktuell, Hochinzidenzgebiet ziemlich sicher bis dahin. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von aktuell über 400. Mit entsprechenden Einschränkungen. Könnte ein toller Urlaub werden…
  • Dabei sind die Krankenhäuser dort leer, wenn ich das richtig sehe. Die Niederlande verzeichnen in den letzten Tagen Zahlen der an und mit Corona Verstorbenen im einstelligen Bereich. Landesweit wohl gemerkt. Laut dem niederländischen Institut für Gesundheit und Umwelt sind in der vergangenen Woche ganze 31 Patienten auf Grund von Corona auf die Intensivstation verlegt worden. Pro Woche, nicht pro Tag. Trotz tausender neuer Corona-Fälle täglich. Das klingt jetzt wirklich nicht mehr gefährlicher als die Grippe (Impfung sei dank?). Was sagt also die Zahl der Erkrankten und die 7-Tages-Inzidenz überhaupt noch aus? Sind wir dann nicht im Grunde schon so weit, dass wir „nach der Impfung“ zur Normalität zurückkehren könnten?
  • Und dann liegt derzeit diese gespenstische Stimmung über Bonn. Man merkt es irgendwie, dass 15 km weiter „Ground Zero“ ist. Viele Leute in Bonn feiern und genießen den Sommer zwar trotzdem, aber es fehlt ein wenig die Unbeschwertheit. Vielleicht ist es auch dieser Gedanke daran, dass so etwas erst der Anfang war von dem, was in Zukunft traurige Normalität werden wird: Naturkatastrophen noch und nöcher, die wir nicht verhindern können.
  • Und moralisch? Ich sehe viele Menschen in der Umgebung gerade ihren Camper packen und in Urlaub brausen. Sollte man nicht lieber hier bleiben und irgendwie helfen? Sollte man?
  • Sicher, die Meldungen widersprechen sich, ob da nun jeder einzelne zum helfen kommen soll oder ob der dann wieder weggeschickt wird. Und ich habe ja nicht frei, nur weil nebenan Katastrophe war. Die Arbeit brummt und die Steuer ist langsam aber sicher fällig, auch wenn ich das gerne geflissentlich ignoriere. Aber stimmt schon. Wenn man wollte, könnte man mit anpacken. Ich habe nur noch nicht herausgefunden, wie am besten. Und ich habe ganz ehrlich einen Heidenrespekt vor dem, was mich dort erwarten würde.

Kurzum: Nee, so ist das alles nichts. Irgendwie müssen wir da in diesen Sommer noch den Turn reinkriegen. 🙂

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Yeah

Eine Woche ohne Dusche

Der Traum eines jeden kleinen Jungen – ausprobiert, damit ihr es nicht müsst.

Aber im Ernst, wie kam ich da jetzt drauf? Vergangene Woche Donnerstag habe ich meine Zweitimpfung mit Biontech bekommen (worüber ich sehr dankbar bin). Am nächsten Morgen kam ich kaum aus dem Bett. Kaffee, Dusche, alles half nicht, ich war wie in Watte gepackt. Als auch am Samsung klar war, dass ich wohl noch etwas länger unter den Nebenwirkungen laborieren würde, stand ich mehr oder weniger gar nicht erst auf.

Am Sonntag kam mir die Idee, da vielleicht ein kleines Experiment draus zu machen. Wie lange würde ich ohne eine Dusche durchhalten? Die Zeit war eigentlich perfekt. Sport konnte ich wegen der Erkältungserscheinungen eh nicht machen, Leute treffen auch nicht so wirklich, das Wetter war eher frühlingshaft als sommerlich.

„Ohne Dusche“ heißt übrigens nicht, dass ich gar keine Körperhygiene betrieben hätte. Mein Deo und etwas Parfüm benutzte ich weiterhin. Einige sensible Stellen wusch ich einzeln trotzdem, bei anderen wie Achseln, Kniekehlen, Ellenbogen… kam täglich meine Geheimwaffe feuchtes Toilettenpapier zum Einsatz. Ich dürfte also all die Tage nicht gestunken haben. Ist das Zeug denn gut für die Haut? Na ja geht so, könnte schlechter:

Wasser ist unbedenklich. 😅 Das ist doch toll.

Am Montagabend nahm ich in Köln am Fühlinger See an einem Stand-up-Paddle-Kurs teil. Ich hatte mich vorher noch mit Sonnenmilch eingecremt, fiel aber während des Kurses fünf, sechs Mal in den See. Auch eine Art Duschersatz. Hinterher hätte ich trotzdem normalerweise noch geduscht. Aber, come on. Ein recht natürlicher See ohne viel Verschmutzung. Viel besser geht es doch kaum. Zuhause befreite ich allerdings meine Füße unter der Brause noch einmal vom Sand.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (die Tage 4-5) wurde es langsam fies. Also nicht in der Form dass ich gestunken hätte (dürfte ich nicht haben), sondern dass es auf der Haut unangenehm wurde und stellenweise anfing zu jucken. Das kann natürlich an den Erzeugnissen der Mücken und Wasserflöhe gelegen haben, die montags auf dem See wie Hyänen über mich herfielen (Zufall?). Einige Körperstellen hatte ich da wirklich tagelang nicht von Hand gesäubert. Zum Beispiel die Beine bis auf die Kniekehlen oder den Rücken.

Am Mittwoch an Tag 5 hätte ich am liebsten aufgehört. Es wäre einfach herrlich angenehm gewesen, über den ganzen zirpenden Mist (Körper) mal fünf Minuten lang eine Ladung Wasser zu gießen. Statt dessen versuchte ich, beinahe den ganzen Körper mit feuchtem Toilettenpapier abzureiben. Für ein kurzzeitiges Frischegefühl kaum schlechter als eine Dusche.

Meine Haut jubelte indes. Musste ich eigentlich sonst einige Stellen nach dem Duschen immer eincremen, war diesmal alles schon von Haus aus „in Butter“ (kann natürlich auch an der regenbedingt hohen Luftfeuchtigkeit gelegen haben). Selbst meine Haare – seit Tagen nicht entölt – schimmerten nicht fettig und fühlten sich auch nicht so an. Na gut: Die Glatze habe ich regelmäßig mit feuchtem Toilettenpapier poliert, der Haarkranz ist aktuell nur 2mm lang. Da sieht man keine fettigen Haare. Aber abgesehen davon, dass es oberflächlich an einigen Stellen ein wenig juckte und ziepte, fühlte ich mich „tief drin“ wohl in meiner Haut.

Bei unseren Vorfahren, ja selbst bei unseren Eltern und Großeltern, war es keinesfalls usus, täglich zu duschen. Dermatologen nennen das ohnehin einen Irrsinn. Wir tun es für das tägliche Frischegefühl, auch ein wenig, um abzuschalten und morgens in die Gänge zu kommen. Wirklich notwendig ist das nicht, gut für die Hautflora auch nicht.

Es kam, wie es kommen musste. An Tag 7 (heute) wachte ich morgens auf und dachte mir: Och, eigentlich könntest du noch ein paar Tage so weiter machen. Passt doch alles.

Dass ich mir jetzt gleich nach dem Runtertippen dieser Zeilen doch noch noch ein Bad gönnen werde, hängt schlicht damit zusammen, dass ich gerade zum ersten Mal seit einer Woche wieder Sport gemacht habe. Und nee, sorry. Schwitzen und danach nicht duschen geht für mich nicht. Das musst entklebt werden. Bin gespannt, wie das wird. Sich in Wasser legen: komische Vorstellung. Kriege ich da am Ende Ausschlag von? 😅

Und jetzt? Was habe ich daraus gelernt? Na ja, zum einen ist die Welt nicht untergegangen. Wenn jetzt mal das Wasser ausfallen sollte oder ich unterwegs auf Reisen bin: Mal einen Tag oder gar drei nicht duschen?! 😱 Früher undenkbar. Jetzt hat die Vorstellung irgendwie ihren Schrecken verloren. Gut so!

Im Alltag würde ich es jetzt den Gegebenheiten anpassen. Tatsächlich mache ich an den meisten Tagen der Woche Sport und danach brauche ich eine Dusche. Aber an Tagen, an denen es kalt ist, ich hier im Home Office keinen treffe, mich nicht viel bewege und auch so irgendwie in die Gänge komme? Werde ich wohl immer mal wieder einen Tag skippen. Kein Problem.

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Elfenbeinturm

Heute Morgen wachte ich auf, und es war ruhig. Ich ging auf meinen Balkon, lukte raus und sah nichts Besonderes. Es schien noch weiter geregnet zu haben in der Nacht, wie auch schon fast den ganzen Tag davor. Nervig, kein echter Sommer halt, aber mehr auch nicht.

Hätte ich 30 Kilometer weiter weg gewohnt, könnte ich jetzt tot sein. Die Nachrichten heute sind unfassbar. Im Kreis Euskirchen sind 15 Menschen tot, an der Ahr, wo ich gerne wandern gehe, mindestens 18. Viele weitere werden vermisst. Zur Stunde meldet Tagesschau.de 58 Tote und noch viele Vermisste. Das ist schon jetzt eine größere Katastrophe als das Oder-Hochwasser von 2002. Und dabei hat es „bloß“ einen Tag lang geregnet…

Die Leute dort dachten wahrscheinlich das gleiche wie ich. Dass es halt was mehr regnen würde. Dass, wenn es schlecht läuft, nachher vielleicht der Keller unter Wasser steht. Mehr nicht.

In Schuld an der Ahr sind nun ganze Häuser eingestürzt. Die Leute wurden in der Nacht vom Wasser überrascht und hatten teils nicht mehr Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. In Wuppertal ist eine Talsperre übergelaufen, bei der nahe Euskirchen droht die Staumauer noch zu brechen. Meine Güte, was ist los…

Klimawandel, sagen die einen. Kann gut sein. Aber ganz ehrlich: Was feilschen wir jetzt noch darum, wie viel Grad mehr wir dem Planeten zumuten können? Das ist doch längst zu spät. Die Katastrophe ist da und von jetzt an wird es nur noch schlimmer werden. Tun wir doch alles dafür, um es nicht weiter zu verschlimmern und betreiben wir lieber proaktives Katastrophenmanagement. Darum wird es auch in der nächsten Wahl gehen. Eigentlich egal, wer gewinnen wird, denjenigen bleibt gar nichts anderes übrig, als sich des Themas anzunehmen.

Ich sitze hier derweil in meinem Elfenbeinturm und weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Das hier scheint der sicherste Ort der Welt zu sein. Eine stabile Demokratie, Freiheit, Sicherheit, gemäßigtes Klima, Reichtum. Und morgens stehst du auf und hast keine Katastrophe vor der Tür (toi, toi, toi, zu allem).

Aber machst du es dir zu bequem, rettest du die Welt auch nicht.

Update: Und ach so und ach ja, wo ich jetzt die ersten Reels sehe, wie wenig Armin Laschet und alle Kanzler(kandidaten) vor ihm sich herzlich wenig für den Klimawandel geschert haben, wo der „Spiegel“ doch schon 1986 einen Kölner Dom im Hochwasser auf dem Titelbild hatte.

Ganz ehrlich: Wer von uns hat das denn?!? Politiker machen doch auch nichts Anderes als das, was wir nur vehement genug von ihnen fordern. Und da hat das vor Greta eben nur eine kleine Minderheit. Oder anders gesagt: Der, der die letzten 20 Jahre herzlich gerne Fleisch gegessen hat, rege Billigflieger genutzt, seine Klamotten aus China online bestellt und lieber in ein neues iPhone statt in Infrastrukturprojekte in armen Ländern investiert hat, der werfe den ersten Stein.

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There goes my Summer Holiday…

Schade…

Wie lange dauert es, bis so eine Welle gebrochen ist? Schafft ihr das in nem Monat?

Dann wollte ich eigentlich dahin…

Wobei die Impfungen anzuschlagen scheinen und das Ganze dann weniger bedrohlich wirkt…

Damit nachher keiner sagen, es hätte keiner ahnen können: In spätestens drei Wochen haben wir dieselbe Welle auch in NRW, wenn wir jetzt nichts tun.

Werden wir natürlich nicht.

Und wenn ich einfach jetzt schon fahre…? 🤔