Ich trinke kaum noch. Und das ist aus mehreren Gründen gut:
- Die physische Gesundheit
- Die psychische Gesundheit
- Nichts mehr wegdrücken oder betäuben, die Probleme lieber angehen – gelingt mir immer besser.
Und plötzlich lässt sich das Leben auch sehr gut nüchtern ertragen. „Ohne Alk, da wäre der Alltag zu grau“, sagen die Toten Hosen anno 1990. Da war die Welt aber auch noch eine andere. Die meisten Menschen schufteten in den Manufakturen. Meine Generation™️ heute ist eher Clickworker, sitzt im Büro und macht was mit Computer. Das ist auch ohne Alk manchmal nur schwer zu ertragen, aber machen wir uns nichts vor: wir haben es schon leichter als unsere Elterngeneration.
Gründe, um immer noch zu trinken:
- Es schmeckt! Es gibt mittlerweile hervorragende alkoholfreie Biere oder Weine und manch einen davon ziehe ich sogar einem schlechten alkoholhaltigen Bier oder Wein vor. Aber nichts toppt ein gutes Milkshake IPA oder NEIPA, auch wenn es das in Deutschland kaum gibt.
Und dann gibt es noch diesen anderen Grund. Nennen wir es: das ungehemmte Ich. Das kann viel besser aus sich herausgehen, lange Partys feiern, in der Kneipe lieder mitgröhlen. Die eingebaute Bremse ist los: Einfach einmal nicht alles hinterfragen, den inneren Kritiker ausschalten und das ewige Grübeln beenden.
Das geht auch im Kleinen. Vorhin habe ich noch kurz mit Nicky geschrieben und mir gedacht: Ach komm, was soll’s: du hast doch noch dieses eine kleine triple-hopped Bier (0,33l) im Kühlschrank. Eins geht.
Paar Schlücke und mal genau auf den Effekt geachtet, der auch bald eintrat:
- Der Grübler hatte Pause
- Das ängstliche Ich hatte Pause
- Hab mir ausgemalt, wie alles wäre, wenn alles gut ginge
- Und man nicht alles hinterfragen würde
- Wie es wäre, noch einmal etwas ganz anderes zu machen, in eine andere Stadt zu ziehen (ja ich weiß, denke ich seit 10 Jahren drüber nach) und nochmal neu anzufangen
- Was sich im Leben alles noch erreichen ließe, wenn innere und äußere Kritiker dauerhaft Pause hätten
Und noch etwas anderes Interessantes: Seit ein paar Wochen (in denen ich auch fast nichts getrunken habe) bin ich irgendwie von einer bleiernen Schwere erfasst. Ich wache jeden Morgen völlig zerschmettert auf und werde den ganzen Tag über kaum wach. So eine Phase hatte ich in der Länge eigentlich noch nie. Habe ich mir was eingefangen? Liegt’s am Alter?
Nach dem einen Bier war diese Schwere plötzlich weg.
Es wäre sowas wie das finale Ziel, das alles auch ohne Alkohol hinzukriegen. Und wie gesagt: Das gelingt mir schon immer besser. Aber Alkohol scheint doch noch einmal eine ganz andere, unerwartete Wirkung zu haben. Ganz ohne Alkohol würde also auch deswegen etwas fehlen.
Es blieb übrigens bei dem einen Bier. Es skaliert ja auch nicht. Klar: Nach drei Bieren unter Freunden hast du die „besten“ Geschäftsideen, die du dann besser doch nicht umsetzt. Aber der Grübler ist deswegen nicht leiser als nach dem ersten Bier und bessere Ideen kommen mir dann auch nicht unbedingt. Aber ja, ein Bier alle paar Wochen mal sollte es dann wohl schon sein. Ich freue mich über diesen Effekt.