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Teuerste Stadt der Welt?

Im Ranking um die teuerste Stadt der Welt taucht Singapur meistens recht weit vorne auf, manchmal sogar ganz vorne. Im jüngsten Mercer-Ranking liegt Singapur immerhin auf Platz 7, im Economist-Ranking kürzlich belegt Singapur zusammen mit Paris Platz 2, überboten nur noch von Tel Aviv, womit Singapur die teuerste Stadt Asiens wäre (wenn man Tel Aviv selbst nicht dazu zählt).

Und ich denke mir immer: hääh?! Singapur? Dieses Land, in dem eine 15-minütige U-Bahn-Fahrt in einem der modernsten Nahverkehrssysteme der Welt nicht einmal 1 Euro kostet? In dem du eine ganze Mahlzeit fantastischsten Essens für 3, 4 Euro bekommst, wenn du weißt, wo. In dem ein wunderbarer Kaffee, für den du einen Starbucks links liegen lässt, 1 Euro kostet. Wo es anständige Fahrräder für um die 200 Euro gibt, du nicht einmal Wasser kaufen musst, weil du das Leitungswasser (im Prinzip) trinken kannst? In dem auch Mode, Lebensmittel (in offenen Märkten), Körperpflegeprodukte oder Zugang zu Museen nicht sonderlich teuer sind und es ein fantastisches Netzwerk öffentlicher Büchereien für wenig Geld gibt. Die teuerste Stadt der Welt?!

Aber stimmt schon: Isst du abseits der öffentlichen Wohnblocks und wohnst auch nicht dort, bist du schnell 20, 30 Euro für ein Abendessen los. Besonders wenn du noch etwas dabei trinken willst, in dem Alkohol ist. Auch bei anderen Genussmitteln wie Schokolade, Zigaretten, American Style Coffee (Latte und Konsorten) wird es schnell teuer. Auf die Idee, dir ein Auto zu kaufen, kämst du schon nicht, wenn du nicht gerade 50.000, besser 100.000 auf der hohen Kante hast. Du kriegst auch ein Zimmer zur Miete für 500 Euro – wenn es weit draußen ist, dir 9 qm reichen und es nicht zwingend eine Klimaanlage oder gar ein Fenster haben muss. Lebensmittel aus dem Supermarkt kosten eine ganze Menge, auch Milch und Milchprodukte. Für Expats sind auch andere Dinge teuer, etwa das Schulgeld für Kinder. Und das alles bei Gehältern, die im Schnitt eher unter unseren liegen (wobei die Steuern lachhaft niedrig sind).

Also kurz gesagt: Teuer ist Singapur im Grunde nur dann, wenn du genauso leben willst wie zu Hause. Aber wer will das schon.

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Singapore Slings II

Anderthalb Wochen bin ich jetzt immerhin schon in Singapur – und ich habe erschreckend wenig zu erzählen. Es geht hier alles seinen Gang, es ist etwas Ruhe und mittlerweile so etwas wie Alltag eingekehrt.

  • Die Wohnung ist top. Wir haben einen Master Room mit eigenem Bad, Balkon, Fensterfassade und Blick auf die Arab Street mit der Moschee, einem, na gut, weniger hübschen Hochhaus auf der anderen Seite. Und man sieht sogar ein bisschen was vom Singapore Flyer. Bilder werde ich mal nachliefern, heute bin ich zu müde.
  • Die Wohnung ist teuer, aber für Singapurer Verhältnisse sogar noch in Ordnung. Viel Platz hat man natürlich nicht, hat man in diesem Land aber nirgendwo.
  • Zwei nette Mitbewohner aus China und Vietnam wohnen in den anderen Zimmern. Mit ihnen teilen wir uns die Küche. Man sieht sie öfter mal, weil sie auch im Home Office arbeiten, und hält ein kleines Schwätzchen.
  • Das Wetter ist mittlerweile auch richtig klasse. Kaum noch Regen und wenn doch, freut man sich über die Kühle, wenn man nicht gerade reingerät. Heute Abend ist es so angenehm, dass ich mal auf dem Balkon sitzen und hier bloggen kann. Gestern Abend noch hätte ich es hier keine 10 Minuten ausgehalten.
  • Ich spiele so viel Tischtennis wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt daran, dass ich mich noch vor Abflug nach einigen Tischtennis-Gruppen umgesehen und direkt an den Organisator des Tischtennis-„Untergrund“-Sports und seine WhatsApp-Gruppe geraten bin und sehr nett unter seine Fittiche genommen wurde. Ich war mittlerweile schon an drei verschiedenen Orten spielen, und es ginge auch noch viel, viel mehr, wenn man wollte und die Zeit hätte. Auf jeden Fall freue ich mich, hier gleich ein wenig Anschluss gefunden zu haben.
  • Vorgestern stand ich hier zum ersten Mal auf einem Fahrrad. Die Geschichte alleine ist einen Blogpost wert, er soll Ende des Jahres auf dem Trendblog erscheinen. Nur so viel: Ganz ungefährlich ist Radfahren hier nicht, aber ich habe jetzt eine Strecke gefunden, die kaum Risiken birgt. Brauche ich eigentlich nur noch ein Fahrrad. Das Leihradsystem hier ist unzuverlässig und die Räder sind: na ja, nichts für längere Touren.
  • Das Essen ist sowieso fantastisch, ist aber beinahe müßig, das in einem Atemzug mit Singapur zu erwähnen. Ich übe aktuell das Videofilmen für die Arbeit, indem ich kurze Videos von jeder Mahlzeit drehe. Sobald da etwas Vorzeigbares bei herauskommt, gebe ich Bescheid.
  • Noch besser ist der Kaffee. Es gibt hier natürlich auch Starbucks, Coffeebean & Tea Leaf und jede Menge Hipstercafés. Aber meine Leidenschaft gilt ohnehin eher dem lokalen Kopi, der erfreulicherweise nur einen Bruchteil der anderen kostet. Am liebsten würde ich sogar einen Kurs darin machen, wie man ihn zubereitet. Mal sehen, was sich da noch finden lässt.
  • Auch Craftbeer ist hier längst ein Ding, gestern kamen wir noch an einer neuen Craftbeerbar in Somerset vorbei. Der Genuss daran geht natürlich immer so weit, wie das Portemonnaie gefüllt ist. Bier ist hier bekanntlich so teuer, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Aber weil man für Craftbeer ja auch in Europa nicht gerade wenig zahlt und ich mir vorgenommen hatte, eh mal wieder ein bisschen weniger zu trinken, leiste ich mir das vielleicht doch ein oder zweimal. Weihnachten oder so.
  • Ich habe angefangen, wieder Tagebuch zu führen. Also nicht Blog, sondern richtig Tagebuch mit Kladde und Stift. Fühlt sich gut an.
  • Ein paar Ideen dazu, was ich über Singapur noch für ein Ebook schreiben könnte, werden konkreter.
  • Eine jecke Idee, die mir neulich noch kam, ist das Nachtwandern. Ich wandere ja gerne, gerne auch urban und auch in Singapur bin ich schon mehrmals gewandert. Weil das Wetter eigentlich nur nachts richtig angenehm ist, überlege ich gerade, das einmal nachts durchzuziehen. Vom Flughafen in die Stadt oder so.
  • Morgen geht dann endlich auch mein Englisch-Sprachkurs los. Ich bin sehr gespannt.
  • Ach so, und Corona? Gibt’s hier auch, die ersten Omikron-Fälle sind auch hier angekommen. Die Leute wirken auf mich aber gechillt und vernünftig gleichermaßen. Es gibt Einlasskontrollen per App für doppelt Geimpfte und Genesene in jedem Laden und jeder Freizeiteinrichtung, und auch nicht viel Diskussionen darüber. Das geht einem so schnell ins Fleisch und Blut über, dass man es kaum noch wahrnimmt. Für meinen Geschmack findet noch etwas zu viel drinnen statt – müsste man zwingend drinnen essen, wenn es auch außen Schattenplätze mit Ventilator gibt? Ich weiß ja nicht. Aber sonst: alles erstmal im Rahmen.
  • Nur dass ich hier wohl so schnell an keinen Booster-Shot kommen werde, gibt mir ein wenig zu denken. Meine zweite Impfung ist jetzt fast 5 Monate her, der Impfschutz ist praktisch am Nullpunkt angelangt, aber ich bin hier nur mit einem Quasi-Touristenvisum. Und Impfstoff gibt es natürlich erst einmal nur für Einheimische und hier arbeitende Ausländer. Nicht ideal leider.

Wie geht es euch denn da drüben?

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Singapore Slings I

Kaum zu glauben, dass ich vor drei Tagen noch in der Kälte saß. Und es sich jetzt schon anfühlt, als wäre ich seit Ewigkeiten hier. Ja, es geht mir gut, ja es ist schön hier, nein, Corona gibt’s hier auch, ja, es dürfte gerne noch paar Grad kühler sein. Was bisher so los war und ist:

  • Wir wohnen jetzt im 8. Stock des 46-stöckigen Gebäudes Duo Residences in einer Art WG. Die Aussicht ist auch so schon nicht schlecht.
  • Das Gebäude sieht aus wie eine riesige Honigwabe.
  • Mit Corona nehmen sie es hier noch viel ernster als zu Hause.
  • Und das fühlt sich gar nicht mal so schlecht an.
  • Einchecken mit der TraceTogether-App drinnen an jeder Ecke, bei Eintritt ins Gebäude ebenso wie in jedem Geschäft und jeder Bude.
  • Nicht nur Einscannen übrigens, sondern das grüne Signal, dass ihr safe seid, auch einem Offiziellen zeigen, der da sitzt.
  • Maskenpflicht nicht nur in Gebäuden, sondern auch draußen.
  • Und dann keine Diskussion: Einmal hatte ich in einem Café im Untergeschoss keinen Empfang, weswegen auch der Scan nicht funktionierte. Aber der Verkäufer hat drauf bestanden. Kein grünes Licht, kein Kaffee.
  • Trotzdem lassen sie es außerhalb der offiziellen Regelwut dann auch schonmal Fünfe gerade sein. Als ich mich in einer Sport-App zu einem Tischtennis-Event registrieren wollte, stand da als Regel: mindestens 14 Tage vorher nicht im Ausland gewesen sein. Auf meine Nachfrage beim Organisator, antwortete der: die haben bloß ihre Regeln noch nicht aktualisiert. Du bist ja doppelt geimpft – komm einfach vorbei!
  • In den Tischtennis-WhatsApp-Gruppen, in denen sie mich aufgenommen haben, gibt es seit einigen Tagen heiße Diskussionen, was cooler ist. Booster mit Pfizer-Pfizer-Moderna oder Pfizer-Pfizer-Pfizer. Der letzte Schrei ist das erste, weil das noch was besser schützen soll.
  • In Deutschland diskutiert man derweil mit Impfskeptikern…
  • Noch ist Regenzeit. Das heißt: Das Wetter ist erstaunlich angenehm, vor allem abends. Luftige 26 Grad und dabei ausnahmsweise mal nicht zuuu drückend.
  • Nachts ist es entweder zu kalt oder zu heiß. Klimaanlagen lassen sich kaum wärmer stellen als 25 Grad. Trotzdem ist es dann gefühlt noch teils zu kalt. Die Klimaanlage einfach ausstellen? Dann wird es binnen 30 Minuten unerträglich heiß. Heute mal ausprobieren: Klimaanlage auf 18 Grad und dafür eine dicke Decke. Besonders toll fürs Klima-Klima ist das natürlich auch nicht…
  • Völlig untersportet und aus Angst vor dem überfüllten Gym bin ich gestern Abend spontan eine Stunde laufen gegangen – und weil ich das ein Jahr lang wegen meiner Knie nicht getan habe, habe ich jetzt den Muskelkater meines Lebens.
  • Das Ziel bleibt 10.000 Schritte am Tag. Kristine meinte, ich muss Jollibee probieren! Durchaus lecker, aber auch ein ziemlich schweres Abendessen ohne jegliche Viatmine… Dieselbe Kristine meinte danach aber auch: Lass doch noch mal nach Little India spazieren, da ist noch Deepavali-Deko, und danach könnten wir zur Weihnachtsdeko an der Orchard Road gehen.
  • >10.000 Schritte also problemlos auch heute.
  • Und die Gegend soweit: Einfach traumhaft! Unser Gebäude ist gerade mal knappe 5 Jahre alt, das Hotel nebenan, The Parkview Square, ist ein Hotel im Art-Deco-Stil. Und auch sonst: zentraler und gleichzeitig lokaler geht kaum. Das ist schon prima. Bilder dazu unten.
  • So richtig angekommen bin ich aber trotzdem noch nicht… 😉
  • Mein Sprachkurs beginnt erst nächste Woche. Und eine gute Idee fehlt mir noch, was ich sonst noch speziell arbeitstechnisch in Singapur machen kann. Ich hätte Bock, ein E-Book zu schreiben. Nur: worüber? 🤔
  • Wie geht es euch?
  • Paar Impressionen noch, dann gute Nacht:

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Warum Niederländisch?

Interessanterweise haben mich das erst zum Ende meiner Sprachreise die ersten Leute gefragt – abgesehen von meiner Lehrerin, die es irgendwie bis zuletzt nicht so ganz verstanden und immer wieder nachgefragt hat… Scheint wohl nicht so oft vorzukommen – zumal ich Niederländisch als einziger im Kurs freiwillig gelernt habe. Die anderen brauchten die Sprachkenntnisse, um im Land arbeiten zu können.

Tja, warum eigentlich? Nur weil ich es immer schon unfair fand, dass „alle“ Niederländer Deutsch sprechen können, aber „kein“ Deutscher Niederländisch? Nein, das allein ist es nicht.

Und ganz ehrlich? Ich weiß es selber nicht so ganz genau. Ich glaube, hauptsächlich ging es am Ende wirklich darum, mir selbst zu beweisen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Dass ich fit genug bin, auch mit über 40 noch eine Sprache zu lernen. Auch: dass ich es schaffen kann, so lange bei einer Sache am Ball zu bleiben.

Aber wenn es darum ging: Warum habe ich dann nicht irgendetwas „Sinnvolles“ gemacht, wie: endlich mal richtig Ukulele oder – noch besser – Gitarre lernen? Eine Weiterbildung zum Datenjournalisten, Online-Marketing-Experten, Data Scientist? Oder wenn schon eine Sprache: Warum dann nicht wenigstens eine, die ich sowieso immer schon mal lernen wollte, wie Spanisch?

Berechtigte Fragen. Zum einem habe ich das nie als Entweder-Oder-Entscheidung gesehen. Also ich hätte nicht die Motivation gehabt, mehr Ukulele zu lernen, wenn ich keine Sprache gelernt hätte. Das sind irgendwie verschiedene Bereiche. Eine Sprache zu lernen, hat mich auch irgendwie ein wenig aus dem Alltag geholt, von dem Corona-Mist abgelenkt und den Stress auf der Arbeit ein Stück weit vergessen lassen – was bei Weiterbildungen nicht der Fall gewesen wäre. Und warum dann kein Spanisch? Nun ja, kommt vielleicht noch! Aber Niederländisch hat mich fasziniert, als ich da letztes Jahr im Urlaub war, ebenso wie das ganze Land. Ich mag sehr viele Ausdrücke und irgendwie auch den Klang der Sprache. Ja, sie müssten auch für meinen Geschmack die ch-Laute nicht so stark betonen. 😉 Aber ansonsten: höre ich das echt gerne. Und der Gedanke, sich einfach mal irgendwo anders in der EU niederzulassen, wenn einen Deutschland mal wieder zu sehr nervt – kommt einem ein Stück näher, wenn man die Sprache eines anderen Landes ein wenig beherrscht.

Ich bereue auf jeden Fall nichts – im Gegenteil. Die 7 Wochen dort waren großartig, das ganze Jahr Sprachenlernen hat meine Sinne irgendwie geschärft. Ich fühle mich jetzt aufnahmefähiger, ich lese mehr, bin neuen Dingen gegenüber aufgeschlossener, fühle mich tatsächlich weniger eingerostet als davor. Und ich habe das Jahr nicht als besonders stressig in Erinnerung. Anstrengend ja, aber nicht stressiger als normal.

Und es geht weiter mit dem Lernen: In Singapur werde ich wohl ein paar Privatstunden Englisch nehmen, um hier auf Native-Speaker-Level zu kommen. Warum nicht…

Und, ach so: Ist Niederländisch eigentlich schwer zu lernen, wurde ich jetzt auch einmal gefragt. Klares Urteil: Schon leichter als Deutsch – und definitiv schwerer als Englisch! Die Grammatik ist dem Deutschen sehr ähnlich, sie haben weniger Beugungen, kein der/die/das – aber um es dann auch schon wieder nicht zu leicht zu machen, neben de auch het. Und es gibt hin und wieder Satzkonstruktionen, die in keinem Lehrbuch stehen.

Die eigentliche Schwierigkeit aber? Die Redewendungen und Wörter beherrschen, die sich eben nicht aus dem Deutschen herleiten lassen. Alles im Griff haben? Nee, eben nicht alles in de grip hebben, oder met alles in de grip zijn sondern: iets goed voor elkaar hebben. Politik kann politiek heißen, wird aber genauso oft het beleid genannt. Die korrekte Endung zu finden, ist ebenfalls nicht ohne: heißt „plötzlich“ nun plotselijk, plotsend oder plotsing? Weder noch, es heißt: plotselig. Liest du ein Wort wie werkomstandigheid, kannst du dir herleiten, dass Arbeitsumgebung damit gemeint sein könnte. Aber wenn du, anders herum, nach der niederländischen Entsprechung für Arbeitsumgebung suchst, würdest du an arbeidsomgeving oder etwas in der Art denken, was es aber nicht gibt. Bedeutet: Als Deutscher, der Niederländisch lernt, verstehst du Texte und einzelne Wörter schneller. Aber willst du die Sprache auch sprechen, musst du genauso viel lernen, wie jeder andere auch.

Will aber nicht rumheulen. Wie gesagt: Ich bereue nichts, es war toll. Es sollte noch irgendwann einmal weitergehen. B2-Level sollte es schon noch sein, um sich mit den Leuten gut austauschen können. Und wer weiß, wofür das alles vielleicht doch einmal gut war.

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Stress und Einsamkeit

… scheinen verwandt zu sein. Vor ein paar Tagen fühlte ich mich plötzlich furchtbar allein hier und habe die halbe Welt verflucht. Zum zweiten Mal schon, seit ich hier bin. Dabei war eigentlich nichts passiert. Unsere Sprachlehrerin hatte einfach nur angekündigt, dass unser Mittwochkurs ausfallen, aber später nachgeholt würde. Ach so und ach ja, nächste Woche die Stunden voraussichtlich auch.

Ich wäre beinahe ausgerastet. Denn das hat meine Pläne ziemlich durcheinander gewürfelt. Ich mach das hier ja alles nicht zum Spaß, außerdem habe ich hier keinen, mit dem ich Niederländisch oder überhaupt reden kann. Fällt der Kurs aus, bringt mich das buchstäblich vom Kurs ab. Außerdem komme ich mit dem Vokabellernen nicht hinterher. Und mit allem anderen irgendwie auch nicht. Was mache ich hier eigentlich? Was will ich mir hier beweisen, außer dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre? Ich fühle mich alt und allein.

Dienstagabend bin ich dann irgendwann aus dem Haus, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Die Luft war überraschend mild. Ich setzte einen Schritt vor den nächsten und dann noch einen. Und wurde immer langsamer und nachdenklicher dabei. Was mache ich hier eigentlich? Mache ich das richtig? Tut mir das gut? Bringt es irgendwem was, wenn ich derart unter Druck stehe? Wer macht mir den Druck überhaupt außer ich mir selbst? Wäre es klug, jetzt aufzuhören? Bin ich wirklich einsam oder einfach nur gestresst?

Ich fiel in einen tiefen, langen Schlaf und am nächsten Morgen war ich direkt dankbar, dass der Kurs ausfiel – sonst hätte ich gar nicht so lange schlafen können. Außerdem hatte ich dadurch plötzlich unfassbar viel Zeit. Erst einmal keine weiteren Aufgaben. Dafür Zeit, Vokabeln nachzulernen und mich in Ruhe der Arbeit zu widmen. Mich auch mal um ein paar private Dinge zu kümmern. Plötzlich sah das alles gar nicht mehr so schlimm aus. Den Druck hatte ich mir offenbar hauptsächlich selbst gemacht. Und statt mich über die unerwartete Pause zu freuen, hatte ich mich über sie geärgert.

Mittlerweile geht es mir wieder gut, bin ich auch plötzlich die Ruhe selbst. Drei Wochen bin ich noch hier, das ist gar nicht mal mehr so schrecklich viel. Und ich hab noch viel zu erledigen. In Delft war ich jetzt, aber in Leiden noch nicht. Amsterdam hat noch mal einen längeren Besuch verdient. Noch nicht einmal auf den Haagsen Markt (größter Markt der Niederlande) habe ich es bisher geschafft. Und mir fehlen noch Fischbrötchen, Frikandel und Bitterballen auf meiner kulinarischen Reiseliste. Übernächstes Wochenende kommt Besuch. Und ein bisschen Zeit für Vokabeln und weiteres Lesen und Hörverstehen bleibt natürlich auch noch. Es wird vielleicht nicht ganz reichen mit dem Fluent in 7 Weeks. Aber dann ist das halt so. Schließe mache ich das alles ja eigentlich zum Spaß…

Weniger Stress = weniger Einsamkeit. Da scheint durchaus was dran zu sein.

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Wahl ’21

  • Bin froh, gerade nicht in Deutschland zu sein.
  • Gute Chance immerhin, dass Laschet wirklich verhindert wird.
  • <15% ist ein Desaster für die Grünen.
  • Deutschland hat der SPD also vergeben.
  • Aber nur um Laschet zu verhindern?
  • Und damit die Grünen nicht an die Macht kommen?!
  • Klimawandel? Ahr-Katastrophe? Alles schon vergessen?
  • Es wird also alles weiter gehen wie bisher.
  • Dann kann ich mich jetzt ja wichtigeren Dingen widmen.
  • 🤷🏻‍♂️
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Deutsche und Niederländer

Okay, falls man das überhaupt verallgemeinern kann (ich finde: ein bisschen schon), so kommen mir viele Niederländer etwas direkter vor als Deutsche. Kein Verstecken im Kontext: Gerade heraus, was man denkt, egal ob Lob oder Kritik. Dass bei niederländischen Männern zwischen 40 und 60 gerade irgendwie die Beethoven-Mähne im Wet-Look in ist: wohl einfach nur eine andere Mode.

Dass uns das Land, was Infrastruktur, Architektur, Agrikultur, Innovation und Wohlstand angeht, um geschätzte 20 Jahre voraus ist, würde ich auf simples Vorhandensein der notwendigen Finanzen zurückführen. Denen fehlen eben keine 2.000 Milliarden in der Bilanz, die bei uns die Wiedervereinigung gekostet hat. Das ist ganz schön viel Geld, mit dem man viele tolle infrastrukturelle Projekte hätte anstoßen können.

Eins ist mir aber noch aufgefallen: Was ich bisher so gesehen habe, sind mir viele Niederländer weniger darauf bedacht, sich irgendwie anzupassen. Man ist dann mal da, man ist dabei auch schon mal laut, man macht direkt sein Ding und kümmert sich erst einmal wenig darum, was andere davon halten könnten. Klar, man tritt dabei schon niemanden auf den Fuß, und täte man es doch, würde man sich höflichst und ehrlichst entschuldigen. Aber man weiß auch, was man darf und kann und füllt diesen Raum voll aus. Fühlt sich jemand dadurch gestört, hat man auch kein Problem damit, sorry zu sagen und ein paar Oktaven tiefer zu singen. Aber man hat diesen vorauseilenden Gehorsam nicht, den ich Deutschland so oft sehe. Wir können hier nicht so laut sein, wir müssen uns hier so und so benehmen, wir gehen schon ganz rechts die Straße entlang, weil da irgendwann ein Auto kommen könnte. Da sind wir dann doch oft sehr angepasst.

Ja, blöde Generalisierungen… Gilt natürlich nicht für alle, sind nur Beobachtungen, gibt viele Gegenbeispiele… Ihr wisst, was ich meine.

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Schulbank 3.0

Seit heute bin ich also wieder Schüler. Nun ist es jetzt nicht so, dass ich in den letzten Jahren nicht auch einiges Neues gelernt hätte. Aber dazu war ich meist auf nur einzelnen Fortbildungen oder VHS-Kursen. Nichts, bei dem man dauerhaft sonderlich gefordert worden wäre. Hier ist das anders.

Wir sind ein sehr kleiner Kurs, der in Niederländisch vom B1- aufs B2-Level gehievt werden will. Neben mir nur noch zwei Mitschüler: der Engländer, der beruflich viel mit niederländischen Firmen zu tun hat, und die Polin, deren Mann beruflich hierhin gezogen ist, und die mindestens B2-Level braucht, um hier arbeiten zu dürfen.

Der Engländer scheint mir schon recht flüssig in der Sprache zu sein. Die Polin und ich haben an unterschiedlichen Fronten mit ähnlichen vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich bin ziemlich fit in der Grammatik, aber mir fehlen noch viele, viele Wörter und die, die ich schon kenne, fallen mir längst nicht immer ein. Aber daran arbeiten wir jetzt, denn der Kurs ist natürlich komplett auf Niederländisch.

Was hat sich getan seit der Schulbank in den 1990ern und dem Studium in den frühen 2000er-Jahren? Wenig und viel zugleich. Wir haben eine Art gruppenorientierten Frontalunterricht mit Whiteboard statt Tafel. Wir benutzen ein gedrucktes Kursbuch für den Unterricht, von dem es auch einen Online-Teil gibt.

Der Engländer war der erste, der per App für jeden unbekannte Wort auf seinem Smartphone rumgehämmert hat. Ich fragte nach seiner weapon of choice – Google Translate. Davor hatte ich schon iTranslate ausprobiert, heute Abend kamen noch DeepL, Linguee und noch eine NL-EN-Übersetzungsapp hinzu, die irgendwie keinen Namen hat. Sie haben eins gemeinsam: sie sind alle scheiße… Auf dem Notebook habe ich im Browser ein Lesezeichen zum Pons Online-Wörterbuch DE-NL gesetzt. Das ist zwar werbefinanziert, aber ansonsten erstaunlich gut.

Denn immerhin: Es gibt jetzt das Internet. Man kann alles nachschlagen, es müssen keine Wissenslücken bleiben. Nur ob die Informationen verlässlich sind – das muss leider immer wieder bezweifelt werden. Sooo viel scheint sich seit damals also doch nicht getan zu haben.

Ansonsten geht es mir gut. Scheveningen ist auch bei etwas kälterem Wetter noch schön. Jeder Sonnenstrahl wird natürlich dankend angenommen. Im Supermarkt habe ich mir heute automatisch eine Maske aufgesetzt – als einziger. Wahrscheinlich werde ich damit auch bald aufhören, weil mir das irgendwann zu affig wird, das als einziger zu tun, jetzt wo doch „alle“ geimpft sind. Morgen möchte ich mal in die Stadt und mich nach einem Swapfiets erkundigen. Sonderbarerweise sind parkende Fahrräder hier aber auch nicht viel lieber gesehen als Autos. A propos: Es wurde noch nicht abgeschleppt und hat auch noch kein Ticket erhalten. Ich scheine mit etwas Glück tatsächlich den einen von nur zwei Orten in ganz Scheveningen gefunden zu haben, an denen man kostenlos parken kann.

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Aus kleinen Verhältnissen

Right…

Die eigentliche Wohnung, die ich mir für die Unterkunft zu einem Sprachkurs in Scheveningen ausgeguckt hatte, war jetzt nicht gannnnz so teuer. Aber doch, sie sprengt eigentlich mein Budget. Und wäre nicht wirklich notwendig, denn einige Kurse ließen sich auch ganz online buchen.

Der Witz ist: Es ließe sich schönrechnen. Es wäre eine Geschäftsreise/Bildungsreise/Werbungsaufwand, ich könnte die Kosten voll steuermindernd gelten machen und da ich in diesem Jahr im Grunde noch keine Geschäftsreise hatte, würde mich die Wohnung durch die Steuer, die ich durch sie einspare, am Ende etwa die Hälfte kosten. Und damit läge sie in meinem Budget.

Was dann dagegen spricht? Es ist alles in allem verdammt viel Geld für etwas, das nicht zwingend notwendig wäre. Und ich komme aus kleinen Verhältnissen. Ich bin eigentlich immer gut damit gefahren, die Kosten nicht ausufern zu lassen und auf sparsamem Fuß zu leben. Hat mir nicht geschadet, würde ich behaupten. Hat mir aber vielleicht doch den einen oder anderen „dekadenten“ Spaß nicht erlaubt.

Toll wäre es schon, also das mit der Wohnung. Ich wäre 7 Wochen mehr oder weniger nur in den Niederlanden, fast direkt am Meer, und würde nur Niederländisch hören und sprechen. Dann würde auch mal wirklich was hängen bleiben. Die nächstgünstigere Unterkunft ist auch gar nicht mal sooo viel preiswerter (die Randstad ist einfach verdammt teuer, siehe Bild oben!) und nebenbei könnte ich mir ein wenig die Startup-Szene vor Ort anschauen.

Ich kann mich nicht entscheiden und muss da wohl noch mal drüber schlafen… Zumindest davon weiß ich, dass es meistens hilft. 🙂

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Essensmythen

Auf meinem Biketrip neulich habe ich ca. 2 bis 3 Kilogramm abgenommen. Mittlerweile wiege ich um die 75 kg und damit fast 20 kg weniger als zu meinen „schwersten“ Zeiten. Das schreibe ich nicht, um damit rumzuprahlen. Ich sehe es als Zeichen dafür, dass es mir sehr geholfen hat, ein paar Essensmythen, gelernte Verhaltensregeln und Denkmuster abzulegen, die ich mich früher eindeutig vom Schlanksein abgehalten haben. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen von euch auch.

  • „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ -> Dachte ich lange und hab mir entsprechend morgens schon den Bauch vollgeschlagen. Dann hatte ich paar Stunden später schon wieder Hunger und vor allem Durst und das ging den ganzen Tag so weiter. Mittlerweile frühstücke ich eigentlich kaum noch, meistens ist meine erste „Mahlzeit“ des Tages ein Milchkaffee und dann kommt erst viel später was „Festes“. Auch auf Radreisen bin ich schon dutzende Kilometer gefahren, ohne auch nur eine einzige Kalorie zu mir genommen zu haben. Ein guter Tag ist es dann trotzdem geworden. Nur auf den Kaffee vorher mag ich nicht verzichten. Das kann aber zur Not ein schwarzer sein.

    Wichtiger finde ich, dass die erste Mahlzeit eine halbwegs nahrhafte ist, egal, wann sie dann stattfindet. Tage, die mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten beginnen, enden bei mir komischerweise nie gut.
  • „Du musst doch was essen!“ -> „Sonst kippst du um“, „fällst vom Fleisch“ etc. Nee. Da passiert nichts. Alles ausprobiert von „ohne Frühstück aus dem Haus“ über „eine Mahlzeit übersprungen“ bis hin zu „einen ganzen Tag nichts gegessen“. Mir ging’s dabei immer noch gut. An heißen Tagen hatte ich allenfalls mal ein wenig „Kreislauf“ oder war mies gelaunt. Aber das war es dann auch schon.
  • „Hunger ist was Schreckliches!“ -> Ja, für diejenigen, die wirklich nichts haben und essen können. Aber für uns in der Überflussgesellschaft kommt es in meinen Augen darauf an. Seit ich intervallfaste, nehme ich Hunger unterschiedlich wahr. Manchmal ist es wirklich ein unangenehmes Gefühl, das ich beseitigen möchte. Viel öfter aber fühlt er sich beinahe befreiend an.
  • Wer nichts isst, kann auch nichts leisten. -> Stimmt vielleicht für den, der körperlich arbeitet. Der braucht auch was auf die Brust, sonst kann er keine Steine/Zementsäcke/LKW-Reifen mehr durch die Gegend schleppen. Und wir Büromenschen? Hier ist in meinen Augen das Gegenteil der Fall. Viele Mahlzeiten lähmen eher, weil sie den Verdauungstrakt über Gebühr beanspruchen. Wer den ganzen Tag auf seinem Schreibtischstuhl hockt, braucht erheblich weniger Nahrung und ist sogar leistungsfähiger, wenn er weniger isst.
  • „Drei Mahlzeiten am Tag“. -> Auch damit bin ich aufgewachsen. Dreimal ist eigentlich auch ein guter Rhythmus für einen gesunden Menschen. Ich habe das nur leider lange missverstanden mit „Schlag dir dreimal am Tag den Bauch voll“. Und ständig war ich müde deswegen, weil der Verdauungstrakt die ganze Energie beanspruchte. Einfaches Frühstück, mittags was Leichtes, abends je nach Gusto. Das würde ich einem gesunden Menschen heute empfehlen. Da passt dann sogar manchmal noch ein Stück Kuchen dazwischen.
  • „Frühstück, Mittag, Abendessen“ -> Es gibt mittlerweile Tage, an denen esse ich nur 1x. Meistens ist das der späte Nachmittag. Wie nennt sich dann diese Mahlzeit? Brinner? Problematisch an solchen Bezeichnungen finde ich, dass mit ihnen auch ein latenter Zwang einhergeht. Es ist Mittag – ich soll also essen, nur weil es die Uhrzeit so will? Das ist doch Quatsch. Essen wann man Hunger hat, klingt schon etwas besser. Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat, finde ich noch viel besser.
  • „Wer nichts isst, wird magersüchtig.“ -> Nee, das ist was ganz anderes. Magersucht geht mit psychischen Problemen einher, das Verhältnis zu Nahrung und zum eigenen Körper ist getrübt. Wer einfach nur weniger und seltener isst, aber auf gesunde Ernährung und Sport achtet und dabei mit und nicht gegen seinen Körper arbeitet, hat wenig zu befürchten.

Also kurz gesagt: Wer weniger isst, fällt nicht vom Fleisch. Er fällt auch nicht um, wenn er mal eine Mahlzeit überspringt oder sogar mal einen ganzen Tag nichts isst. Der Tag kann immer noch gut werden, ihr könnt immer noch Leistung bringen. Hunger muss kein schlechtes Gefühl sein. Büromenschen brauchen deutlich weniger Kalorien am Tag als Menschen, die körperlich arbeiten. Und wir essen im Großen und Ganzen eher viel zu viel als zu wenig. Musste alles mal gesagt werden.

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Nur 3 Songs

Der niederländische Radiosender NPO 3 FM, den ich sehr gerne höre, hat einen Podcast namens „Onbewoond Eiland“, in dem Leute über ihre Lieblingsmusik berichten. Das Szenario: Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet und habt nur einen (solarbetriebenen?!) Bluetooth-Speaker dabei, auf dem tagein, tagaus nur dieselben drei Songs laufen können. Ihr wisst nicht ob ihr jemals gerettet werdet und ihr könnt nichts an der Auswahl verändern. Es müssten immer die gleichen Songs sein. Wenn ihr die Wahl hättet: welche wären das?

Ich finde die Frage fast schwerer zu beantworten als die drei Songs, die ich noch einmal gerne hören würde, bevor ich sterbe. Es müssten eben drei Songs sein, die euch maximal wenig auf die Nerven gehen. Das will weise ausgesucht werden. Mir fallen spontan ein paar ein, die ich damals rauf und runter gehört habe, über die ich mich danach trotzdem immer gefreut habe, wenn sie im Radio kamen und die ich auch heute noch gut hören kann. Warum weiß ich nicht. Es sind, zum Beispiel:

  • Fire, Water, Burn von Bloodhound Gang (the roof is on fire!)
  • Song 2 von Blur (mochte ich anfangs gar nicht)
  • Run Boy Run von Woodkid
  • Turn it up, fire it up (Busta Rhymes)
  • Zero Gravity von Kate Miller-Heidke (ein Beitrag zum Eurovision vor ein paar Jahren, aber der hat mich sowas von gekriegt)
  • Mist, sind schon fünf
  • Und natürlich noch viele, viele, die mir erst hinterher wieder einfallen würden, vor allem aus der Alternative-Schiene

Welche wären das bei euch? Und denkt daran: Es gäbe nie wieder was Anderes zu hören.

In der ersten Woche nach dem Urlaub habe ich mich nach dem ersten Schock wieder gefangen. Die Arbeit nur am Smartphone war sehr lehrreich, meine Pläne von Aufenthalten außerhalb Bonns leben noch und werden sogar realistischer und eigentlich bin ich gerade ziemlich happy. Genaueres bei Zeiten.

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Impfen

60 Prozent der Über-18-Jährigen in Deutschland sind jetzt mindestens 1x gegen Corona geimpft, 50 Prozent 2x. Gehen wir mal davon aus, dass noch nicht alle, die wollten, an Impfstoff gekommen sind, dass einige erstmal in Urlaub wollten und dass der eine oder die andere sich vielleicht doch lieber erstmal überreden lassen wollte. Dann kommen da sicher noch einige Nachzügler. Ich rechne mit 66 Prozent vollständig Geimpften bis Ende September. Mehr werden es wohl nicht mehr werden, sagt mir mein Gefühl.

Und eigentlich könnte mir das egal sein. Ich darf alles wieder, mir wird jetzt nichts mehr passieren. Und genau das wünsche ich denen, die sich nicht impfen lassen sollen (Schüler etwa – warum eigentlich nicht?) oder können (!) auch. Denen wünsche ich ein wenig Normalität mehr denn je. Sollten sich auch Impfverweigerer einmal überlegen: Es geht nicht um euch, es geht um die Anderen!

Die aktuellen Zahlen aus UK und den Niederlanden klingen eigentlich fast zu schön um wahr zu sein. Vierte Welle dort eventuell schon gebrochen. Vergleichsweise sehr niedrige Zahlen von Krankenhauseinweisungen, Intensivbettenbelegungen und Toten. Wie der Tagesspiegel meldet, könnte das aber auch schlicht mit den Schulferien dort zusammenhängen. Wenn hier Optimismus angebracht ist, dann also erstmal vorsichtiger. Aber mit etwas Glück und Verstand kämen wir auch hier trotz schon beginnender vierter Welle und 1/3 Impfverweigerer um weitere Lockdowns herum. Das wäre doch was.

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Elfenbeinturm

Heute Morgen wachte ich auf, und es war ruhig. Ich ging auf meinen Balkon, lukte raus und sah nichts Besonderes. Es schien noch weiter geregnet zu haben in der Nacht, wie auch schon fast den ganzen Tag davor. Nervig, kein echter Sommer halt, aber mehr auch nicht.

Hätte ich 30 Kilometer weiter weg gewohnt, könnte ich jetzt tot sein. Die Nachrichten heute sind unfassbar. Im Kreis Euskirchen sind 15 Menschen tot, an der Ahr, wo ich gerne wandern gehe, mindestens 18. Viele weitere werden vermisst. Zur Stunde meldet Tagesschau.de 58 Tote und noch viele Vermisste. Das ist schon jetzt eine größere Katastrophe als das Oder-Hochwasser von 2002. Und dabei hat es „bloß“ einen Tag lang geregnet…

Die Leute dort dachten wahrscheinlich das gleiche wie ich. Dass es halt was mehr regnen würde. Dass, wenn es schlecht läuft, nachher vielleicht der Keller unter Wasser steht. Mehr nicht.

In Schuld an der Ahr sind nun ganze Häuser eingestürzt. Die Leute wurden in der Nacht vom Wasser überrascht und hatten teils nicht mehr Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. In Wuppertal ist eine Talsperre übergelaufen, bei der nahe Euskirchen droht die Staumauer noch zu brechen. Meine Güte, was ist los…

Klimawandel, sagen die einen. Kann gut sein. Aber ganz ehrlich: Was feilschen wir jetzt noch darum, wie viel Grad mehr wir dem Planeten zumuten können? Das ist doch längst zu spät. Die Katastrophe ist da und von jetzt an wird es nur noch schlimmer werden. Tun wir doch alles dafür, um es nicht weiter zu verschlimmern und betreiben wir lieber proaktives Katastrophenmanagement. Darum wird es auch in der nächsten Wahl gehen. Eigentlich egal, wer gewinnen wird, denjenigen bleibt gar nichts anderes übrig, als sich des Themas anzunehmen.

Ich sitze hier derweil in meinem Elfenbeinturm und weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Das hier scheint der sicherste Ort der Welt zu sein. Eine stabile Demokratie, Freiheit, Sicherheit, gemäßigtes Klima, Reichtum. Und morgens stehst du auf und hast keine Katastrophe vor der Tür (toi, toi, toi, zu allem).

Aber machst du es dir zu bequem, rettest du die Welt auch nicht.

Update: Und ach so und ach ja, wo ich jetzt die ersten Reels sehe, wie wenig Armin Laschet und alle Kanzler(kandidaten) vor ihm sich herzlich wenig für den Klimawandel geschert haben, wo der „Spiegel“ doch schon 1986 einen Kölner Dom im Hochwasser auf dem Titelbild hatte.

Ganz ehrlich: Wer von uns hat das denn?!? Politiker machen doch auch nichts Anderes als das, was wir nur vehement genug von ihnen fordern. Und da hat das vor Greta eben nur eine kleine Minderheit. Oder anders gesagt: Der, der die letzten 20 Jahre herzlich gerne Fleisch gegessen hat, rege Billigflieger genutzt, seine Klamotten aus China online bestellt und lieber in ein neues iPhone statt in Infrastrukturprojekte in armen Ländern investiert hat, der werfe den ersten Stein.

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Never stop learning from other people

Gestern war ich mit Mattes und ein paar seiner Freunde auf dem Bukahara-Konzert. Ob das jetzt Corona-mäßig eine gute Idee war, wer weiß. Auf jeden Fall war es ein sehr netter Abend.

Wobei, eigentlich muss man das differenzieren. Denn ich habe mich anfangs sehr, sehr schwer getan, weil ich einiger in unserer kleinen Gruppe nicht kannte und ganz ehrlich verlernt habe, wie man mit Menschen, die man neu kennenlernt, interagiert. Als hätte ich damit nicht sowieso schon Schwierigkeiten, war ich jetzt durch Corona völlig eingerostet, musste praktisch gestern neu lernen, wie man kommuniziert.

Und das war sehr nett und aufschlussreich. B. erzählte mir von seiner Weltreise, wohin man in Indien gut reisen kann, und kam immer wieder humorvoll auf seine Suche nach der Liebe zu sprechen. Mit F. unterhielt ich mich eine Weile über Tischtennis. Und R. wusste an dem Abend noch nicht, ob er am nächsten Tag eine Konferenz würde leiten müssen. Sehr nette, normale Leute.

Mit dem Mattes war ich danach noch einen Absacker auf dem Frankenbadplatz trinken. Neben uns die Jungs gingen uns ziemlich mit ihrer Mucke auf den Sack. Aber wie das immer so ist, man sagt ja nichts. Irgendwann kam das Ordnungsamt und hat für Ruhe gesorgt. Die Jungs waren wenig begeistert.

Einer von ihnen kam danach in unsere Richtung getorkelt, haute vorher noch seine Flasche in den nächsten Mülleimer, schimpfte aufs Ordnungsamt und fragte uns, ob wir eine Zigarette für ihn hätten. Meistens sage ich in einem solchen Moment dann einfach: „Ich rauche nicht, sorry.“ Das habe ich mir irgendwie so als Standardfloskel angewöhnt.

Mattes antwortete aber etwas ganz anderes. Den genauen Wortlauf weiß ich nicht mehr, aber es war etwas wie: „Ist das dein Ernst? Ich geb dir doch jetzt keine Zigerette! Du hast dich gerade völlig daneben benommen, zeigst keinerlei Einsicht und jetzt willst du dafür auch noch belohnt werden?“

😳

Ich war einigermaßen baff. Ich hatte völlig verlernt, dass man solche Situationen nicht immer zwingend deeskalieren oder ignorieren muss. Man kann den Leuten ruhig mal höflich die Meinung geigen…

Wie ging es weiter? Der Typ begann sich zu rechtfertigen, Mattes legte nochmal nach, irgendwann gab der Typ auf und ging einfach zu seinen Leuten zurück. Wirklich interessant! Werde ich mir abschauen. Und chapeau, Mattes!

My point being: Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehe inzwischen meist mit einer gewissen Erwartungshaltung in Situationen. Oft liege ich damit richtig. Nach über 40 Jahren auf diesem Planeten hat man einiges an Erfahrung gesammelt. Aber vieles kommt am Ende eben doch anders und man beraubt sich vieler Erfahrungen, wenn man von allem ausgeht, das würde schon irgendwie so sein, wie man es erwartet. Als würde derjenige, den man da sieht, genau das sein, was man von ihm erwartet.

Oder anders gesagt: Ich werde mir in den Hintern treten, um ja nicht aufzuhören, von anderen zu lernen. Und generell weniger erwarten.

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Wann war euch zum letzten Mal langweilig?

Und so kam es denn, dass ich einen substantiellen Teil meines Mittwochabends damit verbrachte, die „Relaxliege“ wieder zusammenzunähen, die ich vor wenigen Wochen erst bei Amazon geshoppt hatte.

War nämlich nicht mehr viel mit Relaxen. Der Bezug drohte sich am Schwerpunkt aufzulösen. Diesen Typ Liege hatte ich schon mehrmals, und meistens hatte er immer ein paar Jahre gehalten. Diesmal ist aber offenbar einfach die Qualität schlecht. Warum ich sie dann nicht einfach zurückschicke? Weil die Liege riesig ist, ich die Verpackung nicht mehr habe, sie erst zur Post fahren müsste, solche Liegen gerade Lieferschwierigkeiten haben… und überhaupt. Erstmal sehen, ob sich da nicht von Hand noch was machen lässt.

Was mich zum heutigen Thema bringt: Eigentlich ist hier bei mir immer was zu tun. Vor der Arbeit meditiere ich meist schon und mache meinen Sprachkurs, dann arbeite ich und dann geht eine Freizeitaktion los. Und wenn das nicht Liege-Zusammennähen ist, dann war es in den letzten Monaten Bilder aussortieren, dann ist es Wohnung umgestalten, Daten aussortieren, die Steuer machen, Finanzielles weiter regeln, Sport treiben, eventuelle Auslandsaufenthalte nach Corona oder überhaupt noch den Sommerurlaub planen und, ach ja, bloggen.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann mir zum letzten Mal langweilig war. Das muss irgendwann vor Corona gewesen sein. Es kann natürlich damit zusammenhängen, dass ich hier in der Stadt wohne, wo immer was los ist. Vielleicht aber auch einfach daran, dass ich Wege gefunden habe, mich immer zu beschäftigen. Langeweile habe ich als kein schönes Gefühl in Erinnerung, vermisse ich also nicht. Und kurz vor dem Burnout stehe ich auch nicht; im Gegenteil. Dieses Ständig-Aktivsein macht mir Spaß, solange das Tempo nicht zu hoch ist.

Wie ist das bei euch? Geht euch das ähnlich? Kommt ihr besser mit Langeweile klar als früher? Und wann war euch zum letzten Mal so richtig langweilig?

Es hört übrigens nie so richtig auf. Nachdem ich mit dem Nähen fertig war, wollte ich die Naht eigentlich noch kleben, um die Haltbarkeit zu verbessern. Mein Sekundenkleber war aber schon völlig eingetrocknet, muss ich erstmal neuen kaufen. Immer ist was – das kann nervend oder schön sein.

Jalousie und Eifersucht heißt im Niederländischen dasselbe. Denkt mal drüber nach! ☝🏻

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Eigentlich habe ich gar nichts gegen Smalltalk

Er muss nur von Herzen kommen.

Heute Abend war ich mit dem Vässla Bike in der Bonner City unterwegs, das ich gerade teste. Feines Ding, das lässt sich jetzt schon sagen:

Um ein Foto für meinen kommenden Testbericht zu machen, habe ich dann tatsächlich direkt an der Rheinpromenade gehalten, wohl wissend, dass das für Aufmerksamkeit sorgen würde. Aber das war mir heute mal egal. Vielleicht wollte ich das sogar mal ein wenig.

Früher habe ich mich bei sowas immer gerne versteckt aus einer latenten Angst heraus… Ich habe neulich mal versucht zu erörtern, was da eigentlich hinter steckt. Ich glaube, es ist nur die Angst, in dem Moment nicht schlagfertig zu sein und nichts Adäquates auf eventuelle Bemerkungen antworten zu können. Früher schwang auch immer die Angst mit, da könnte sich einer wegen irgendwas beschweren. Aber da würde ich heute einfach mit meinen zurechtgelegten Floskeln „tatsächlich?“, „ah ja?“ oder „habe ich nicht gewusst“ drauf reagieren.

Heute Abend dauerte es denn auch nicht lange, bis ein älterer Mann auf mich zu kam, und wir ein wenig über das Bike quatschten und darüber, dass E-Scooter eigentlich gar nicht so schlecht seien und die Leute bescheuert, die die Dinger einfach im nächsten Gewässer entsorgen würden.

Als der Mann kurz danach gegangen war und ich zur Rückfahrt aufbrechen wollte, kam noch eine Frau auf mich zu. Ich dachte erst, sie interessiere sich auch für das Bike, aber ihr ging es eher um den alten Mann, mit dem ich davor gesprochen hatte. Der würde seit 5 Tagen bei ihnen im Hof auf der Parkbank schlafen, auch in der prallen Sonne. Welchen Eindruck er auf mich gemacht hätte.

Wir redeten noch ein bisschen. Stellte sich heraus, dass sie sich nur Sorgen um ihn machte und ihm auch schon etwas zu trinken raus gestellt hatte. Ich sagte, der wäre mir sehr entspannt und gelassen vorgekommen. Sie wollte das mal weiter beobachten. Ich dankte ihr dafür, dass sie sich für den Mann interessierte und mich danach gefragt hatte.

Zwei nette Gespräche innerhalb von 5 Minuten. Also nicht viel mehr als Smalltalk, der aber jeweils von Herzen kam. Das mag ich, dann mag ich Menschen sogar. 🙈 Und wenn sie nett sind und mich nicht irgendwie anstrengen, könnte ich das auch noch viel länger.

Würde ich gerne öfters probieren.

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Be Good to Your Future Self!

Heute nur kurz. Es ist Sommer, es ist EM, ich fahre viel Rad im Moment und war heute mal wieder ein wenig Stand-up-Paddlen. Das Leben kann auch in Corona-Zeiten manchmal schön sein.

Derzeit habe ich etwas Schwierigkeiten, das richtige Maß für etwas zu Essen zu finden. Es gibt Tage, da komme ich mit 1 Mahlzeit am Tag aus. Meistens sind es aber 2, weil ich zusätzlich weiterhin intervallfaste (16:8) und ich manchmal wirklich Schwierigkeiten habe, zwei Mahlzeiten in diesen 8 Stunden unterzubringen. So viel Hunger habe ich oft schlicht gar nicht mehr…

Der Körper ist inzwischen auf deutlich weniger eingestellt und manchmal wären 10 Stunden Essenszeit besser. Weiß ich, dass ich es wahrscheinlich bei 1 Mahlzeit am Tag belasse, haue ich bei der dann meistens richtig rein. Was dann natürlich blöd ist, denn so speichert der Körper die überschüssige Energie. Und die kann ich mittlerweile quasi in Skalen am Bauchfett ablesen. Cleverer wäre es, auch in der 1 Mahlzeit normal zu essen und es nicht zu übertreiben. Denn das rächt sich später.

Genauso wie es sich rächt, das 1 Bier mehr doch noch zu trinken, die leidige Aufgabe auf der Arbeit auf nächste Woche zu verschieben, heute keinen Sport zu machen, nicht zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen oder doch eben erst morgen Milch für den Kaffee zu kaufen, auch wenn dann am nächsten Morgen der Kaffee schwarz bleibt. Ausbaden musst du es selbst am nächsten Tag, der nächsten Woche oder ein paar Jahre später.

Ich bereue nichts™️. Aber ja, es wäre schon cleverer gewesen, wenn mein 20-jähriges Ich von Anfang weiter Sport gemacht und ein wenig auf seine Ernährung geachtet hätte. Genau wie mein 43-jähriges Ich vor einer Woche, der die zwei Scheiben Toast mehr dann doch noch gegessen hat, weil’s so lecker war. My point being?

Be good to your future self! Zumindest hin und wieder mal. Geh lieber vorher einen Schritt weiter als einen zu wenig, erledige Dinge sofort und lade keinen Müll auf dem ab, der das dann ein paar Tage später in Form von Sport wegräumen darf. Denn so viel weiß ich inzwischen: Es kann genug dazwischen kommen, warum der Sport doch nicht stattfinden kann (Termine, Verletzung, Wetter, Unlust, Fahrrad kaputt…). Besser, wenn du ihn gar nicht nötig hast.

Das alles nur als kleine Notiz an mein Zukunfts-Ich.

I’m sold!!! 😀😍😍

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Nur noch Sommer?

Bei warmen Temperaturen laufe ich meist auf Hochtouren, bin leistungsfähiger, brauche weniger Schlaf, bin allgemein wacher (wobei es eigentlich immer ein Nachmittagstief gibt, das mit einem starken Kaffee bekämpft werden muss) und besser gestimmt. Was die Frage aufwirft: Wie wäre das wohl, wenn man nur noch im Warmen leben würde?

Ein halbes Jahr lang habe ich das mal getestet, ein halbes Praxisjahr in Singapur. Das war schon extrem, weil jeden Tag in etwa die gleiche schwüle Hitze, vor der du dich immer irgendwie schützen musstest. Ich habe praktisch pausenlos geschwitzt. Und bei Übernachtungen unter Klimaanlagen ist die Luft meist doch nicht so gut. Nach dem halben Jahr war ich tatsächlich froh, erstmal keinen Sommer mehr zu haben und im späten Winter wieder in Deutschland aufzuschlagen.

Die dauernde Hitze ist vergleichbar mit einem eiskalten Winter, bei dem du immer vor der Kälte flüchten und die ganze Zeit bei Heizungsluft leben musst. Nur umgekehrt.

Aber ich kam morgens immer verdammt gut aus dem Bett, das weiß ich noch.

Wäre das was für immer? Für euch? Es gibt ja auch Länder mit moderaterer Wärme, sogar in der EU, in der wir Freizügigkeit haben. Ich muss mal überlegen…

Rente…

Mit anderen Worten: Blüm hatte Unrecht. Da ist gar nichts mehr sicher, und das Rentensystem ist krachend gescheitert. Wenn es jetzt schon der letzte Strohhalm ist, Selbstständige dieses Fass ohne Boden finanzieren zu lassen, die ohne Arbeitgeberanteil nichts, aber auch gar nichts davon haben, dann ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung.

Download-Ordner aufräumen…

Wo Niederländisch am schönsten ist… 🙂

Hach. 🙂

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Trainerkarussell

Ich hab das mal visualisiert:

TrainerKommt vonGeht zu
Marco RoseM’gladbachDortmund
Adi HütterFrankfurtM’gladbach
Oliver GlasnerWolfsburgFrankfurt

Und schaue ich mir das so an, verstehe ich die ganze Aufregung eigentlich nicht. Da haben drei Trainer rotiert, mehr nicht. Ein eher kleines Karussell.

Vor allem die ersten beiden Genannten haben allerdings einen massiven Schaden dadurch genommen. Sowohl Marco Rose als auch Adi Hütter haben mit ihren Teams nach Bekanntgabe der Wechsel mehr Niederlagen als Siege eingefahren und bessere Saisonziele verpasst. Frankfurt spielt künftig „nur“ in der Euro League, dabei war lange die Champions League möglich. Gladbach hat alle Saisonziele verpasst. Es ist nicht einmal die Conference League geworden.

Angesichts dessen muss man sich die Frage stellen, ob die Verpflichtung der beiden Traumkandidaten von ihren neuen Vereinen wirklich so traumhaft wird. Denn beide Trainer kommen nun gewissermaßen „vorbelastet“ zu ihren neuen Arbeitgebern. Fans und Funktionäre werden sie ganz besonders kritisch beäugen. Gerade Marco Rose ist, Stand jetzt, für mich einer der heißesten Kandidaten auf die erste Trainerentlassung in der kommenden Saison.

Zumal bei seinem künftigen Arbeitgeber in den Monaten nach der frühen Bekanntgabe seines Wechsels eine neue Lichtgestalt erschienen ist: Edin Terzic. Nur als Interimstrainer gedacht übernahm Terzic im vergangenen Winter das verunsicherte, kleine Dortmunder Star-Ensemble. Anfangs klappte längst nicht alles, weswegen man wohl auch in Dortmund beschloss, zur neuen Saison Rose zu holen.

Doch dann geschah Unerwartetes: Dortmund begann unter Terzic plötzlich wieder den altbekannten Zauberfußball zu spielen. Sieg um Sieg kämpfte sich die junge Truppe nach oben und erreichte am Schluss Platz 3 und das Minimalziel Champions League. Schlussendlich fehlte sogar nur 1 Punkt zu Platz 2 und damit dem, was als eigentliches Saisonziel realistisch gesehen möglich gewesen wäre.

Terzic, der große Gewinner der Rückrunde, steigerte seine Sympathiewerte gar noch weiter, indem er ankündigte, loyal zu sein, bei Dortmund zu bleiben und hinter Rose ins zweite Glied rücken zu wollen. Meine Prognose: Wenn es bei Dortmund in den ersten Spielen der Liga und der Champions League nicht läuft, man vielleicht sogar irgendwo früh ausscheidet, zum Beispiel im DFB-Pokal, könnte schon am 10. Spieltag wieder Terzic ganz links auf der Trainerbank sitzen.

My point being? Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, klar. Aber gerade langfristig zeigt sich, wie gut jemand wirklich ist. Und mit großen Ankündigungen wartet man vielleicht wirklich am besten, bis die eigentliche Arbeit erledigt ist. Selbst wenn die Reporter täglich danach fragen. Auch wenn das übrigens nicht ganz fair ist. Denn als Rose sich mit Dortmund schon geeinigt hatte, stieg der Druck in der Presse und der Fanszene ins Unermessliche. Rose müsse sagen, was Sache ist, sonst mache er sich unglaubwürdig und verliere die Spieler, hieß es von dort. Wie er es gemacht hätte, wäre es verkehrt gewesen.

Sehr klug gemacht hat es in meinen Augen Oliver Glasner, der „leise Österreicher“ in Wolfsburg. Er brachte die Saison erst in Ruhe zu Ende – und auf Platz 4 mit mehr, als so manch einer Wolfsburg zugetraut hätte. Und erst dann verkündete er Frankfurt als seinen neuen Arbeitgeber. Bei seinem alten Klub kann ihm nun niemand böse sein, zumal er dort trotz aller Erfolge ohnehin nicht sonderlich beliebt war. Wer nun auf ihn folgt, bekommt eine intakte Mannschaft, die in der Champions League spielen wird.

Glasner wählte für sich selbst den besten Zeitpunkt. Er hat nun viel Wind im Rücken, ist im Guten gegangen und sein neuer Job wird definitiv eine spannende Herausforderung. Denn Frankfurt liegt nach dem Weggang von Hütter und des Managers Bobic, dem Verpassen der Champions League und voraussichtlich dem Verkauf des Starstürmers Andre Silva am Boden. Glasner kann hier erneut zur Lichtgestalt werden.

Im Fußball wird es auf jeden Fall nicht langweilig. Es war eine richtig spannende Saison, die mir die Corona-Zeit deutlich versüßt hat. Sie hätte am Ende nur etwas anders ausgehen können…

Wir sind mittlerweile im Februar 2021. Immer noch das iPhone 12 Pro Max:

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Belarus

Scharfer Protest gegen Belarus wegen eines abgefangenen Flugzeugs und inhaftierten Bloggers, ist auf jeden Fall: genau richtig. Wo kommen wir denn dahin, wenn jetzt schon ganze Flugzeuge wegen personae non gratae abgefangen werden, eben diese Personen inhaftiert und misshandelt werden! Die EU reagierte schnell, überraschend eindeutig und vorbildlich mit scharfen Worten und geplanten Sanktionen. Besonders amüsant finde ich die Anordnung des Rigaer Bürgermeisters. Dort, wo gerade die Eishockey-WM stattfindet, an der auch die belarussische Nationalmannschaft teilnimmt, ließ er die Flagge der belarussischen Opposition hissen. Eine herrliche Provokation!

All das ist nur eines nicht: besonders mutig. Mich erinnert das irgendwie an eine Schulklasse, an der sich alle gegen den reichen Streber verbündet haben, den eh schon keiner mag, der sich das aber auch irgendwo selbst eingebrockt hat, weil er verächtlich auf alle herunter schaut. Der Klassensprecher teilt vor versammelter Mannschaft gegen ihn aus und alle springen auf den Zug auf. Den Klassentyrannen lassen sie derweil unbehelligt, an den trauen sie sich nicht ran.

China, die Uiguren, Hongkong, ausgewiesene westliche Journalisten, Ende einer Quasi-Demokratie? Ein wenig Protest vielleicht, aber ernsthafte Konsequenzen? Lieber nicht, wir brauchen die ja. Saudi-Arabien und der Fall Kaschoggi? Proteste, ja, aber Sanktionen gegen das saudische Königshaus, die den Namen verdienen würden? Fehlanzeige. Russland und der Kremlkritiker Nawalny? Schon nicht okay, das mit dem geplanten Mordanschlag und jetzt das Straflager. Scharfe Proteste, ja, sogar einzelne Sanktionen. Aber sonst?

Beim Protest gegenüber Belarus können deswegen alle so laut schreien, weil sie hier keinerlei Konsequenzen zu befürchten haben. Kein Gas, keine Smartphones, keine Massenware, kein Öl – Belarus kann uns nicht den Hahn zudrehen. Russland und China könnten das schon.

Wenn Heiko Maas also so etwas sagt, wie: „Jedem Diktator muss klargemacht werden, dass es dafür einen bitteren Preis zu zahlen gibt“, dann würde ich mir wünschen, dass das auch den Quasi-Diktatoren größerer Länder gölte.

Immer noch der Januar 2021, iPhone 12 Pro Max:

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Selbstbewusstsein

Just heute ist mir aufgefallen, dass vieles von selbst funktioniert, wenn nur Selbstbewusstsein dafür da ist. Selbstbewusstsein – zumindest geht es mir so – hat man aber nicht zwingend in allen Bereichen, sondern in einigen ja, in anderen nein. (Oder auch gar nicht oder nur, aber das dürften Extrembeispiele sein.)

Ich bin zum Beispiel Journalist, aber sehr, sehr schlecht darin, Interviews zu führen oder zu Ortsterminen zu fahren und dort mit Leuten zu smalltalken. Das kann zum einen natürlich an fehlendem Handwerkszeug liegen (ich kenne keine guten Fragetechniken), an meinem chronischen Desinteresse für andere Menschen (no offense, aber mich interessieren Innovationen mehr als die Leute, die sie entwickeln, und wer gar nichts entwickelt, interessiert mich halt gar nicht, also beruflich 💁🏻‍♂️). Zum anderen aber auch daran, dass unbewusst etwas abläuft.

Interessanterweise ist mir genau das bewusst geworden, als ich in den letzten Tagen die 1. Staffel von After Life gesehen habe. Die Hauptperson (gespielt von Ricky Gervais) ist dort Reporter eines überflüssigen Lokalblatts und wird immer rausgeschickt zu irgendwelchen Leuten, die unbedingt in die Zeitung wollen. Seine Aufgabe ist dann zu entscheiden, ob ihre Geschichte Nachrichtenwert hat. Und dazu stellt er eigentlich immer genau die richtigen Fragen.

Als ich das sah, dachte ich: okay, auf die Frage wäre ich auch gekommen. Aber ich hätte sie nicht gestellt, um die andere Person nicht zu beleidigen. Aber wäre das nicht eigentlich mein Job? Und müsste man kritische Fragen nicht einfach nur anders verpacken, damit sie weniger beleidigend sind? Ich war mal auf Presseveranstaltungen, hab als einziger kritische Fragen gestellt und bin teilweise sogar von den anderen Journalisten dafür komisch beäugt worden, warum ich unbedingt die Harmonie zerstören musste. War ich zu kritisch?

Im Technikjournalismus ist es nämlich schon so: Bist du zu kritisch, wirst du ausgeladen (es sei denn, du bist zu groß), kommst nicht mehr exklusiv zu irgendwelchen Produktvorstellungen und erhältst Testgeräte als letzter, wenn überhaupt noch. Also dann, wenn alle Anderen schon darüber geschrieben haben.

Sehr interessant auf jeden Fall. Alleine, weil ich all das im Hinterkopf hatte, hatte ich in der Hinsicht eine Blockade, die mir bei dem Thema auch Selbstbewusstsein genommen hat. Ähnlich ist es bei Lokalterminen. Ich habe mich da sehr oft gefragt, wie ich mich verhalten soll, ob ich die und die Frage stellen kann, wie ich mich kleiden muss, was von mir erwartet wird, ob mich jemand für „komisch“ hält, dass ich am Ende meist völlig verkrampft bei solchen Events aufgetreten bin und dann auch wirklich „komisch“ gewirkt haben muss.

Diese ganze Sache mit Vergangenheitsbewältigung und Minimieren hat mein Selbstbewusstsein in vielen Bereichen mittlerweile tatsächlich gestärkt. Und dazu noch die paar Folgen After Life als Erinnerung…

Heute war ich auf einem Ortstermin und es lief sehr gut. Ich sollte Fotos machen, ich sollte ein wenig mit meinem Gesprächspartner plaudern. Es hat gut funktioniert. Es war mir egal, was er davon hält, dass ich nur mit einem Smartphone fotografiere und filme (und augenscheinlich war es ihm dann auch egal) und ich habe ganz normal mit ihm geplaudert, und ich glaube, ich bin ihm nicht komisch vorgekommen.

Als ich nach dem Termin in der Eifel noch kurz nach Belgien reingefahren bin, mit der Intention, ein paar leckere Pommes zu essen, habe ich etwas Interessantes bemerkt. Ich fuhr über die Grenze, hinter der sofort ein Restaurant kommt und einige Leute schon draußen saßen. Mein ganzes neu gewonnenes Selbstbewusstsein sackte plötzlich in sich zusammen in Anbetracht der veränderten Situation. Denn das innere Team brüllte sofort los: „Belgien = anderes Land. Verstehen die mich da jetzt? In welcher Sprache soll ich grüßen? Ist es unhöflich, wenn ich direkt vor der Tür parke oder sie sofort auf Deutsch anspreche? Darf ich mich da überhaupt hinsetzen oder brauche ich einen Test? Soll ich die Leute grüßen? Was ist denn, wenn ich das tue, und die mir irgendwas zurufen, was ich nicht verstehe? Dann ruiniere ich die Situation für alle. Wie unangenehm.“

Hochinteressant.

Ich durfte mich dann übrigens auch ohne Test hinsetzen, nachdem ich die zweisprachige Kellnerin (französisch/deutsch) nett danach gefragt habe. Auf Deutsch übrigens, weil ich dachte, dass ich ja im deutschsprachigen Teil Belgiens bin, und wenn die ein Restaurant direkt hinter die Grenze bauen, dann bestimmt, weil sie auch Deutsch verstehen. Am Nebentisch saß ein Frankophoner, der gemütlich sein Bier trank und eh nichts von mir wollte. An einem weiteren Tisch saßen drei Typen, die aussahen wie Soldaten im Feierabend, und sich auf Niederländisch unterhielten. Die Kellnerin sprach mit ihnen auf Deutsch. Ich mit ihr auch, und ein paar leckere Fritten und ein alkfreies Bier habe ich auch bekommen:

Quintessenz: Die inneren Stimmen mal analysieren und zur Not zum Schweigen bringen. Und: After Life gucken. Zumindest Staffel 1 kann ich wirklich sehr empfehlen!

Nachdem ich alle alten Bilder nun von meiner externen Festplatte minimiert habe, kommen als letzter offener Posten nun die Bilder vom aktuellen Smartphone dran, das ich seit rund 1/2 Jahr im Einsatz habe. 9.700 Dateien habe ich davon soeben runtergeladen. Wie kann ein Mensch so viele Bilder machen ohne dass er in Urlaub fahren konnte?! 🤔 Es dauert also noch paar Tage, bis ich wirklich fertig bin, aber die letzte Runde ist eingeläutet. Hallo Gegenwart:

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Nach Corona

Sonderbare Ideen spuken mir gerade im Kopf herum, was ich nach Corona wohl alles machen könnte. Wobei „nach Corona“ am ehesten „wenn ich Impfschutz habe“ heißt. Also nach derzeitigem Impftempo vielleicht irgendwann im Dezember… Mir kommen da Ideen wie:

  • Mit einem Standup-Paddle-Board den ganzen Rhein ab Bonn stromabwärts fahren. (Okay, das kommt jetzt weniger überraschend)
  • In einen Technoschuppen gehen und die ganzen Nacht abzappeln (das schon eher)
  • Selbst (!) eine Party schmeißen und Gäste zu mir (!) nach Hause einladen.
  • Irgendwo in der Eifel alleine im Wald campieren und es mit Wölfen und Bären aufnehmen (soll’s da geben).
  • 1 Monat irgendwo in den Niederlanden wohnen
  • Umziehen

Was einem halt so in den Sinn kommt… Könnte noch deutlich radikaler, da habt ihr recht.

Was plant ihr?

Me when I’m travelling:

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Popmusik

Hin und wieder lässt es sich nicht vermeiden, dass ich noch mal mit Popmusik in Kontakt komme. Zuhause höre ich eigentlich nur noch Spotify-Empfehlungen und Deutschlandfunk Nova, die etwas völlig Anderes spielen als die 1lives, HR3s oder SWR3s da draußen. Die hören ich dann nur an Tagen wie heute, wo ich mal im Auto sitze.

Und ich halte das nicht lange aus. Es klingt alles gleich. Dua Lipa, sagt der viel zu gut gelaunte Radiomann, kürzlich erst 80.000 Brit Awards abgeräumt. Es hätten auch genauso gut Katy Perry oder Rita Ora sein können. Ich höre den Unterschied nicht. Und es ist mir auch egal, wenn alles gleich klingt.

Und das ist vermutlich bei vielen der Moment, in dem sie merken, dass sie alt geworden sind. Ich nicht, ich weiß das schon lange. Aber es hat mich heute an die Fahrten mit meinen Eltern zu den Verwandten ins Münsterland erinnert. Ihnen war es egal, ob ich Kylie Minogue lieber mochte als Taylor Dayne (war so), sie haben eiskalt die ganze Zeit NDR1 oder (noch schlimmer) WDR4 laufen lassen – ein Sender, den ich mittlerweile tatsächlich auch lieber höre als 1live oder WDR2. Es ist so weit.

Und dann ist es mir mittlerweile auch herzlich egal. Als ich 14 war, gab es Glaubenskriege darüber, was man hört. Rave oder Metal, Metal oder Rock, die oder die Band. Mit 40 ist das egal. Du stehst auf Butch Kassidy? Kannst machen. Du musst das nur ernst meinen.

Auf SWR3 lief heute die (anscheinend gar nicht mehr sooo) neue Single „Intro“ von Jan Delay. Und ich finde sie grandios. Ja, wenn du schreibst, dass du etwas von Jan Delay magst, dann ist das mehr als ein „Ich mag mal“. Das ist ein Statement. Der Typ steht für etwas – was immerhin schon deutlich mehr ist, als die Dua Lipas und Rita Oras da draußen tun. Mit 40+ darfst du differenzieren und sagen: Ich könnte den schon nicht den ganzen Abend am Ohr haben, das würde dann irgendwann an Entzündung sterben. Aber dieser Song rockt wie Scheiße (<- das ist 90er-Jahre-Sprache) und ich glaube, das Album wird so gut, dass ich mir das zumindest mal anhören werde, wenn das nächste Woche raus kommt. Kostet ja nix.

Und jetzt zurück zu WDR4.

2010/11, iPhone 3GS:

Genauso war’s dann auch…

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Murmansk

In der Schule konnte ich nichts, aber mal wirklich nichts. Der blanke Hohn war, als sie mir am Ende trotzdem das Abi gegeben haben und ich im Schnitt angeblich sogar noch leicht über dem Durchschnitt gelegen habe. Was sagt das über unser Bildungssystem aus… 🤔

Na jedenfalls: Ich konnte gar nichts – außer Erdkunde. Oft saß ich da und habe gedankenverloren im Diercke-Atlas geblättert, mir die Karten anderer Kontinente und Länder angeschaut und mich gefragt: Wie mag es da wohl sein?

Murmansk etwa… Kommen die Russen doch auf die Idee, eine 300.000-Einwohner-Stadt weit nördlich des Polarkreises zu bauen. Die größte Stadt der Arktis. Der Hafen eisfrei, aber sonst nicht mehr wirklich viel Golfstrom da oben (sprich: bitterkalt). Das Tor zum Nordmeer allerdings und überlebenswichtig im 2. Weltkrieg (Nachschub durch die Westalliierten), entsprechend aber auch heftigst durch die Wehrmacht zerbombt.

Aber auf die Idee, mir das mal wirklich anzuschauen, wäre ich nicht gekommen, hätte ich nicht 2017 zufällig diese Tour zum Nordkap geplant und auf der Karte gesehen, dass das davon gar nicht mal sooo weit weg ist:

Also bin ich hingefahren…

(Nachdem ich in einem Supermarkt versehentlich mit einem 10.000-Rubel-Schein bezahlt habe…)

Danke, dass ihr so weit gescrollt habt…

My point being? Fahrt hin! Man muss ja nicht überall auf der Welt gewesen sein, aber die paar Orte, die ich schon im Atlas beeindruckend fand, waren es meist auch im echten Leben. Und vor Ort versteht man ein wenig was über das Warum und Wieso.

Und außerdem, ich meine: schaut euch diese Fotos an! Ist das nicht völlig abgefahren da? Ich war selbst so beeindruckt, dass ich der Meinung war, einen Beitrag darüber für Spiegel Online zu schreiben, und die das auch so sahen.

Und die Leute? Ich kann wahrlich nichts Schlechtes über sie sagen – außer dass sie wie die Wahnsinnigen durch die Innenstadt brettern. Wenn ihr mal da seid und an einer dieser Countdown-Ampeln steht, seht zu, dass ihr bei 0 auch wirklich drüben seid, sonst…

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206 Tage Niederländisch

Ich habe den Niederländisch-Kurs auf DuoLingo geschafft und doch tatsächlich 206 Tage in Folge durchgehalten, ohne 1 Tag Pause:

Und das mit mindestens 100 Punkten am Tag, also immer ca. 1 Stunde, und mindestens 1000 Punkte die Woche.

Bin ich tatsächlich bisschen stolz drauf. Ich wüsste nicht, dass ich jemals schonmal etwas Tag für Tag so lange durchgehalten habe.

Vielleicht mal abgesehen von dem Jahr ohne Süßwaren, das war mindestens genauso anstrengend.

So jedenfalls sieht’s am Ende eines DuoLingo-Kurses aus:

Und es gibt ein Zertifikat, das hübsch aussieht und mit dem du nicht viel wirst machen können…

Meine allerletzte Übungsaufgabe war diese hier…

Classic.

Leider haben sie mich danach nicht gefragt, wie ich den Kurs an sich fand (ich gäb eine 4/5), noch erklären sie, wie es danach weitergehen könnte. Da musst du dich erstmal selbst schlau machen.

DuoLingo an sich finde ich toll. Das Sprachenlernen wunderbar durchgamifiziert. Anders hätten sie mich (und andere) wohl auch nicht so lange bei der Stange gehalten. Der Kurs an sich war ein prima Rundumschlag über die Basics bis hin zu den verschiedenen Zeiten, verschiedenen Wortschätzen und eine tolle Einführung insgesamt. Nachteile sind die mangelnde Tiefe, die nicht immer ausreichenden Erklärungen und vielleicht auch etwas zu wenig Alltagstauglichkeit. Verschiedene Seiten in Web attestieren einem DuoLingo-Einführungskurs ein Sprachniveau hinauf bis irgendwo zwischen B1 und B2. Nicht mehr, nicht weniger.

Wer möglichst schnell weit kommen möchte, dem rate ich übrigens zur DuoLingo Browser-Version. Die wirkt technisch ein wenig älter als die Tablet- oder Smartphone-App, aber ihr könnt täglich unbegrenzt lernen und müsst euch nicht um die Anzahl der Lingots scheren.

Das Beste an DuoLingo aber ist das Forum. Kannste sagen, was de willst. Da erfährst du immer die Wahrheit, kannst dich mit Gleichgesinnten zusammentun, und ich mag die spezielle Art von Humor dort:

Wie würde ich meine Niederländischkenntnisse jetzt selbst einstufen? So mäßig. Ich hatte etwas mehr erhofft, aber vielleicht auch zu viel erwartet. Mir fehlen Anwendungskenntnisse. Ich würde mir ganz schön einen zusammenstammeln, wenn ich jetzt selbst mit den Vokabeln, die ich schon kenne, ganze Sätze bilden wollte. Und ich verstehe immer noch sehr viel nicht, wenn ich Niederländer im Radio oder auf der Straße sprechen höre.

Die Sprache ist schwieriger, als ich annahm. Vielleicht ist die Tatsache, dass Niederländisch sehr nah am Deutschen ist, sogar das Problem. Du versuchst krampfhaft, da irgendwas rauszuhören, was dem Deutschen ähnlich ist. Und das klappt schon wegen der Aussprache nicht. Auch wenn sich tatsächlich geschätzte 80 Prozent der Vokabeln und der Grammatik aus dem Deutschen oder Englischen herleiten lassen. Das Schwierige sind die übrigen 20 Prozent…

Und jetzt? Mache ich einfach weiter. Ich schaue mir mal Babbel an, das angeblich mehr Wert auf Konversation legt. Mal gucken, ob das irgendwie besser ist. Hin und wieder will ich bei DuoLingo nochmal zum Training vorbeischauen, dann hätte ich am liebsten noch einen Tandem-Partner, mit dem ich regelmäßig sprechen kann und wenn ich geimpft bin, geht’s da hin. Mal sehen, was sich da alles machen lässt.

Noch ein paar Random Pics mit dem iPhone X 2018 (Warschau und Brüssel). Langsam lichtet sich das Chaos: