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Sigh

Mein Kampf gegen die „Zeit“

Ich lese die „Zeit“ eigentlich sehr gerne. Erstklassiger Journalismus. Ich fühle mich nach der Lektüre immer aufgeräumter, wortgewandter, träume davon als Journalist hier auch mal in der obersten Liga mitzuschreiben.

Es gibt nur ein Problem: Ich werde mit der „Zeit“ niemals fertig. Für eine Ausgabe der Wochenzeitung brauche ich drei Wochen, wenn ich alles lesen will, was mich interessiert, und das ist eine Menge. Und gerade wenn du denkst: du hast jetzt doch endlich alles geschafft, fällt dir noch das „Zeit-Magazin“ aus dem letzten Umschlag, und der Postmann klingelt schon mit der nächsten Ausgabe.

Neulich hatten sich wegen Reisen und anderer Tätigkeiten, die auch noch irgendwie in die Freizeit passen müssen, drei Ausgaben angesammelt, und ich versuchte, sie alle an einem Sonntag wegzulesen.

Keine Chance, ich schaffte eine – und war sonderbar deprimiert. Das Gefühl, zwar eigentlich ein schneller Leser zu sein, aber doch nicht die Aufmerksamkeitsspanne, Geschwindigkeit und – nun ja – Zeit zu haben, die ganze „Zeit“ zu lesen. Zum ersten Mal verstand ich, wie Goethe im „Faust“ seinen Kummer darüber zum Ausdruck brachte, alles wissen zu wollen, aber einfach nicht die Zeit dafür zu haben.

Der „Zeit“-Verlag beschäftigt um die 1.400 Mitarbeiter. Längst gibt es das Magazin nicht nur gedruck. Es gibt Online-Bereiche, Podcasts, KI-Agenten, Social-Media-Content, Sprachschulen, Akademien, Reisen… unter dem Namen der „Zeit“.

Wer hat die Zeit für all das?

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