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Extrembilderaussortieren

Es muss jetzt mal ein Ende haben. Steter Tropfer hölt zwar auch den Stein. Aber das dauert 100-mal so lange, als wenn du einmal mit dem Presslufthammer zu Werke gehst. Heute habe ich über den Tag verteilt ca. 3.000 Bilder aussortiert. Es fehlen damit nur noch einmal 3.000. Dieses Wochenende möchte ich fertig werden. Und idealerweise auch mit dem Kapitel über Architektur in Singapur, das mich jetzt seit Wochen aufhält.

Als ich damals nach Bonn gezogen bin und ein WG-Zimmer gesucht habe – es war zufällig der 11. September 2001 – war alles neu, spannend, aufregend. Gleich am ersten Tag sah ich drei Männer in ganz weißen Gewändern aus der Straßenbahn aussteigen. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Jede Ecke war anders, jede Kneipe wollte man einmal ausprobieren, das Gehirn hat sich die neuen Wege erst erschließen müssen, ich habe mich anfangs immer zwischen Thomas-Mann-Straße und dem Stadthaus verirrt. Es gab diese kultige Sowjetkneipe mit dem Honigbier und dem Keller im Keller, die mir natürlich am meisten gefallen hat. 20 Jahre ist das jetzt alles her.

Heute kenne ich jede Ecke dieser Stadt, bin jeden Winkel schon 200-mal abgeschritten. Es passiert immer mal wieder etwas Neues, klar. Die Tanzschulen machen etwa wieder auf, die Dudes mit der fetten Anlage stehen am Freitagabend jetzt eine Ecke weiter als früher und trinken ihr Bier… Manche Dinge ändern oder bessern sich aber auch nicht. Und das Gehirn bekommt einfach zu wenig neuen Input. Die kultige Sowjetkneipe mit dem Honigbier und dem Keller im Keller gibt es nicht mehr, die Männer in den weißen Gewändern habe ich nie wieder gesehen (und etwas Vergleichbares auch nicht mehr).

Ja, ich glaube, der Standardweg eines Lebens ist, sich für eine Stadt zu entscheiden, irgendwann den/die Partner:in fürs Leben zu finden und die nächsten 20-25 Jahre Kinder großzuziehen. Dann brauchst du so viel neuen Input gar nicht, dann kriegst du den täglich frei Haus geliefert. Für Menschen wie mich, die wohl nicht ganz der Norm entsprechen, bleibt eigentlich nur noch: eine andere, bestenfalls größere oder zumindest lebendigere Stadt – oder mit der Stadt glücklich werden, die man hat. Aber ich sagte es ja bereits und es zeichnet sich immer mehr ab: Mit Bonn bin ich jetzt erst einmal durch. Ich mag die Menschen hier, ich mag den Sommer und den Rhein, und ich komme gerne wieder, spätestens, wenn ich alt bin. Aber die nächsten Jahre sollte es jetzt erst einmal woanders hingehen.

Was ja auch immer irgendwie hilft, wenn man weg will und eigentlich gar nicht weiß, wohin: einfach mal ein bisschen Fernweh erzeugen und aufs Geratewohl ein paar Städte auflisten, in die man eigentlich immer schon mal wollte, aber noch nie war, warum auch immer. Für den Anfang – und ich vermute, meine Auswahl ist etwas anders als deine wäre. Von West nach Ost:

  • Venedig (jaja!)
  • Triest
  • Belgrad
  • Adana
  • Tel Aviv
  • Mekka
  • Teheran
  • Isfahan
  • Samarkand
  • Mumbai
  • Goa
  • Chennai
  • Shanghai
  • Ulanbator
  • Wladiwostok
  • Taipeh
  • Hongkong
  • Saigon
  • Sibu
  • Makassar
  • Darwin
  • Perth
  • Anchorage
  • Fairbanks
  • Vancouver
  • Seattle
  • Portland
  • San Francisco
  • Mexico-Stadt
  • Medellin
  • La Paz
  • Santiago de Chile
  • Buenos Aires
  • Ushuaia
  • Tanger
  • Casablanca
  • Marrakesch
  • Madrid

Und das sind nur Städte, dann gibt es noch Inseln und Ländern, bei denen mir die Städte egal wären. Curacao und Neuseeland zum Beispiel. Was fehlt noch auf meiner Liste?

Das habe ich so noch nie gesehen: Bereits der fünfte Fußballbundesligist hat sich nach der Saison von seinem Trainer getrennt. Bisher:

  • Adi Hütter (Bor. M’gladbach)
  • Florian Kohfeldt (VfL Wolfsburg)
  • Markus Weinzierl (FC Augsburg)
  • Sebastian Hoeneß (TSG Hoffenheim)
  • Marco Rose (Bor. Dortmund)

Und irgendwas sagt mir, dass das noch nicht der Letzte gewesen sein wird. Dazu endet noch das Engagement von Felix Magath bei Hertha BSC, falls die ab kommenden Montag überhaupt noch Bundesligist sind (Relegations-Hinspiel gegen den Hamburger SV 0:1 verloren).

Zumindest im Falle von Hütter und Rose lief das sogar halbwegs zivilisiert ab. Keine Giftpfeile in die eine oder andere Richtung, „gegenseitiges Einvernehmen“, teils sogar Gehaltsverzicht. Einfach die nüchterne Analyse: Wir haben die gesteckten Ziele nicht erreicht, es hat auch nie wirklich gepasst, deswegen trennt man sich jetzt besser. Jeder der fünf Trainer dürfte auch noch einmal anderswo einen gut dotierten Job bekommen.

Ich will nicht sagen, dass das eine Verbesserung ist gegenüber der ansonsten oft üblichen, heißblütigen Demission eines Trainers in Mitten einer laufenden Saison. Aber es wirkt doch ein ganzes Stück professioneller, erwachsener. Vielleicht hat die Pandemie am Profisport doch etwas verändert.

Daily sort-out. Heute noch einmal Singapur, aber wie oben schon erwähnt: Hat ja dann wohl bald ein Ende.

4 Antworten auf „Extrembilderaussortieren“

Moin! Bevor man die Zelte in Europa ganz abbricht, würde ich mir erst, neben Triest und Blegrad (nicht EU, macht es nicht einfacher) noch Lissabon/Porto, Graz, Ljubljana, Zagreb bzw. Bratislava anschauen. Ist alles weit genung weg, aber auch nah genug um hin und wieder „schnell ma rübee“, bzw nach 1-2-3 Jahren wieder schmerzlos zurück, zu kommen.

Das waren Reise- und keine Auswanderungsideen, oder?

——

Du hast jetzt zum zweiten Mal geschrieben dass dein Leben unnormal wäre. Da möchte ich widersprechen. Etwa 35% meines Freundeskreises sind verheiratete Mittvierziger mit Kind, 15%, verheiratet ohne Kind und 50% sind Mittvierziger Singles in Stadtwohnungen.
Also in meiner Bubble bin ich der Ausnahmefall und du die große Masse….

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