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Ikea, der real gelebte Kommunismus

Kommt man raus aus seiner loftigen Großstadtwohnung und strebt das Aufhübschen dersolchen an, geht es immer erst zu Ikea. Und dann steht immer auch ein Besuch im Restaurant dort an.

Warum eigentlich? Es gibt die überwürzten Hackebällchen aus Fleisch und die aus Pflanzenzeugs, die nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Mausgrauer Kartoffelklecks dazu, siebzehn Erbsen, die sehr lange eingefroren waren, braune Soße aus dem Reservoir, abgepackter Salat.

Zur Mittagszeit ist es dort voll. Du musst um deinen Platz im schummrigen Neonlicht kämpfen, weil die wenigen Plätze am Fenster sofort weg sind. Kannste nämlich raus auf den Parkplatz gucken!

Brühwarme Kaffeespezialitäten aus dem Vollautomaten. Free-Flow-Limo für 1,75 Euro (es waren mal 50 Cent), und die Leute gehen Eiger-Nordwand-steil. Schweden-Cola, Himbeerbrause oder Zitronenlimo. Der Clou ist das Mischen! Man achtet darauf, mindestens ein zweites Mal hinzugehen und auf die abgefingerten Knöpfe zu drücken. Man will das Geld wieder raushaben.

Als ich da sitze, erinnere ich mich an einen Besuch in der originalgetreu erhaltenen Kantine eines DDR-Museums vor zwei Jahren in Oschersleben. Die Deko dort war uriger – Ernst Thälmann faustete dir zum Essen zu. Die Lichtfarbe war genauso, das Essen – irgendwie auch.

Egal ob Sao Paolo, Peking, New York oder halt Köln-Godorf: Es gibt dieselben Grönsaksbullar, dieselbe Himbeerlimo, dasselbe Billy-Regal, dieselben Topflappen. Und jeder kauft da, weil die Preise halt noch ganz okay sind und die Auswahl auch nicht so schlecht ist. Und weil er so eine Weile vom kapitalistischen Alltag da draußen entfliehen kann.

Ich will hier gar nicht die alten Kamellen aufwärmen, dass schon DDR-Zwangsarbeiter für Ikea schuften mussten, aber es passt ganz gut ins Bild. Ikea ist gelebter Kommunismus mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

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Ach, Autokorrektur…

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