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Tax Management

Ich habe seit ein paar Monaten einen neuen, jungen Steuerberater. In den letzten Zügen „unserer“ Steuererklärung für 2020 fragte er noch einen Beleg über den Laptop an, den ich mir in dem Jahr gekauft hatte, und schrieb mir anschließend:

„Es freut mich, dass wir die Steuerlast durch Ihr MacBook weiter senken konnten!“ 😀💪🏻✌🏻

Steuerberater des Aventurers. Emoticons zur Unterstreichung von mir.

Mich auch, Steuerberater, mich auch.

Ich wollte nur, ich könnte auch nur annähernd eine ähnliche Begeisterung für das Thema aufbringen.

Seit nunmehr auch schon 15 Jahren schlage ich mich Quartal für Quartal mit der Umsatzsteuervoranmeldung herum, und es wird nicht besser. Jedes Mal, wenn es wieder so weit ist, gehe ich erneut die Wände hoch, mein Puls rast, ich lache hysterisch, finde mich plötzlich im Bad wieder, enthusiastisch den Fußboden schrubbend und das Klo wienernd.

Erleuchtete Buddhisten aus dem Himalaya beherrschen das vollkommene Loslassen, das Freiwerden vom eigenen Ich. Sogar meine Krankenkasse rät zu Zazen, einer speziellen Meditationstechnik, die zum Ziel hat, alles, was wir tun, ohne Bewertung wahrzunehmen. (Zazen-Kurse bezuschussen tut sie allerdings nicht). Aber müssen Buddhisten aus dem Himalaya auch Tankquittungen aus geschäftlich durchgeführten Fahrten mit dem Privat-PKW ins Fahrtenbuch eintragen, mit 30 Cent/Kilometer ansetzen und relevante Verpflegungsmehraufwendungen für eintägige Auswärtstätigkeiten bei mehr als 12, aber mindestens 14 Stunden Abwesenheit von der regulären Tätigkeitsstätte kontieren? Und dabei nicht werten?

Westliche Lifecoaches raten dazu, unangenehme Aufgaben angenehm zu machen, sich einen Yogitee zu kochen und die nicht zu bewertende Aufgabe in möglichst kleine Einzelschritte zu unterteilen. Oder auf eine Belohnung hinzuarbeiten, sich das Gefühl der anschließenden Freude über das Geschaffte zu vorvergegenwärtigen oder sich zumindest über das Geld zu freuen, dass man durch die Erklärung wiederbekommt. Was gar nicht aufgeht, denn wenn ich nicht gerade einige größere Ausgaben getätigt habe, muss ich eher noch etwas nachzahlen.

Nein, Schluss, aus. Es geht nicht mehr anders. Ich muss das Ganze irgendwie auf meine Art positivieren. Nur wie?

Okay. Fangen wir mal klein an. Im Grunde sind es ja schon der Name „Steuer“ oder das Wortungetüm „Umsatzsteuervoranmeldung“, die mir den Hals zuschnüren. „Worte sind Fenster oder sie sind Mauern“, sagte Ruth Bebermayer.

Nehmt den Krieg in der Ukraine als Beispiel, der in Russland „Militärische Spezialoperation“ heißt. Und schon wirkt das alles nach einem Abenteuerausflug und weit, weit weg.

Sehr gut funktionieren ja auch immer englische Buzzwords. Ein Hausmeister ist der miesgelaunte Typ im Blaumann, der studiert hat und trotzdem (oder gerade deswegen) dreimal die Woche mit dem Pömpel das verstopfte Schulklo wieder flottmachen muss. Ein Facility Manager hingegen strahlt Autorität aus. Bei dem überlegst du es dir schon zweimal, ob du ihm noch ein freches Wort hinterherwirfst. Gleiches beim Verkäufer, der dich auf Schritt und Tritt verfolgt. Heißt er Sales Manager, bist du viel eher geneigt, ihn mal höflich um Rat zu fragen.

Gut, also, machen wir’s doch auch so: Verenglischen wir die Steuererklärung!

Die heißt laut Linguee „tax declaration“, „tax return“ oder schlicht: „return“. Das klingt doch schon viel besser, wenn ihr mich fragt. Nicht: „Ich muss noch meine Umsatzsteuervoranmeldung erledigen, mir geht’s nicht gut“, sondern „Isch hänge da noch in meine Return vör diese Quartahl. Kann leidör erst um 20 Ührr!“

„Return“ klingt weit weg von „Steuer“ und suggeriert sogar, dass man da auf jeden Fall was wiederbekommt. Schonmal nicht schlecht!

Man könnte das auch weiter abstrahieren. Klar, es geht im Prinzip darum, dem korrupten Bullenstaat noch Geld in den Schlund zu werfen dem geliebten Vaterlande und den distinguierten Persönlichkeiten, die in ihm residieren, etwas zurückzugeben. Aber es geht natürlich auch um Geld. Über das spricht man bekanntlich nicht, man verklausuliert es und nennt es lieber Vergütung, Rente, Tantieme, Fonds, Devise, Zahlungsmittel oder Kompensation.

Geht es dann noch darum in einem Wort zu vermitteln, was man da eigentlich tut, könnte man es Management nennen, Bilanzierung oder – oh ja! – Anpassung. Vierteljährlich, das ganze bei mir. Und dann hätten wir’s ja:

Quarterly Adjustment of Compensation

Wer würde den Akt der Steuererklärung dahinter vermuten?

Mir selbst reicht es eine Portion kleiner. Ich mag das Wort „tax“, es löst bei mir keinerlei innere Aufruhr aus. Ich nenne das Ganze also künftig einfach:

Tax Management

Und jetzt. Wie kriegt man es noch hin, die einzelnen Arbeitsschritte erträglich zu machen? Ich habe mir überlegt, es mal mit ein wenig Gamification zu probieren:

  • Zieh dir Sportklamotten an und betrachte es als Training! Dusche hinterher. 😅
  • Schaffst du es, die Zeit zu unterbieten, die du beim letzten Mal die Kontoauszüge durchgegangen bist? Ja, das ist doch mal ein Ziel!
  • Unterbietest du auch die Zeit, die du für das Ganze beim letzten Mal gebraucht hast? Das gäbe einen Extrapunkt.
  • Findest du einen Weg, eintreffende Rechnungen per E-Mail und PDF-Anhang mit einem Klick zu speichern, so dass du sie später nicht mehr heraussuchen musst? Das Heil in der Automatisierung suchen. Wenn GMail-Mail mit Stern markiert, dann verschiebe Anhang in Dropbox oder Google Drive.
  • Schaffen Sie noch 20 Liegestütze? Auf geht’s, Soldat!
  • Mit welcher Scan-App kannst du papierne Belege am smoothesten scannen? Zeit für einen Wettbewerb!
  • Schaffst du es, beim Heraussuchen alle anderen online vorliegenden Rechnungen in 5 Minuten zusammenzusuchen? Geht nicht? Gibt’s nicht!
  • Besorg dir eine Hotelklingel oder ein anderes Gerät, das ein motivierendes Geräusch macht und klingel jedes Mal aus, wenn du eine weitere Rechnung als Datei vorliegen hast. Die Nachbarn halten das einmal alle drei Monate schon aus, irgendwie…
  • UUUAUAUAUAURGH!

So weit meine ersten Ideen. Morgen werde ich das mal ausprobieren. Tax Management, die erste. Vielleicht arbeite ich auch zusätzlich nach dem Belohnungsprinzip, indem ich mich in den Alkohol flüchte hinterher was Leckeres essen gehe, da wo ich schon nicht immer hingehe. Die Befreiung naht!

Hab heute das neue Google Pixel 7 Pro für die Redaktion eingekauft. Mit 256 GB für 999 Euro. Aber das ist noch nicht alles:

Google legt aktuell noch die ebenfalls neue Pixel Watch kostenlos obendrauf, sogar egal ober WLAN- oder LTE-Version. Ich hab letztere bestellt, für die Google regulär eigentlich 429 Euro haben will.

Also Highend-Smartphone und Highend-Watch für zusammen 999 Euro. Bei Apple zahlst du für ein iPhone 14 Pro (Max) mit 256 GB und eine Apple Watch Series 8 zusammen das Doppelte. Würde sagen, der Preiskampf ist wieder in vollem Gange. Und Google könnte dem gierigen Apple zumindest in Deutschland tatsächlich Kunden abjagen.

😍😍😍😍😍😍😍😍😍

Gosh, I miss Singapore!

„Das Weiße Haus am Rhein“, Teil 2: Es geht weiter mit Intrigen, Erpressung, Straßenkämpfen, Künstlerkommunen, Charlie Chaplin, Rassismus und – natürlich – Hitler. Sie haben wirklich an alles gedacht!

Aber okay, ein paar der Schauspieler sind echt nicht schlecht und die Anekdote, wie Charlie Chaplin im Nebenzimmer von Adolf Hitler absteigt und sich dabei eventuell einen Teil der Inspiration für „Der große Diktator“ geholt hat… ist natürlich Unfug, aber gewollter Unfug, also eigentlich eine ganz witzige Idee.

Yours truly war heute Abend übrigens auf Location Hunting:

Hätte doch bei Tag fahren sollen, da ist das natürlich imposanter.

Ob sie den Schriftzug vor 100 Jahren auch schon hatten? 🤔😉

Buch: Die Designerin macht sich noch einmal ans Cover, ich mich am Wochenende noch einmal ans Manuskript. Und dann kann es auch langsam losgehen mit den finalen Arbeiten.

Mr. Harrigan’s Phone (Netflix). Steven-King-Verfilmung über einen Smartphone-süchtigen Rentner, der auch nach seinem Tod noch Nachrichten schickt. Würde ich mir bei Zeiten anschauen, ich mag die Botschaft. 🙂

Marvel’s Werewolf by Night (Disney+). Also das ist schon schräg. Count me in!

Auf Niederländisch lassen sich Dinge einfach am besten auf den Punkt bringen:

Mine: Katzen (2014):

Die Frau ist ja der Wahnsinn!

5 Antworten auf „Tax Management“

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