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.53: Bingen

Schon als ich gestern ins Zelt gehe, denke ich mir: Oha, das ist aber jetzt gut dzrchgelüftet, um nicht zu sagen: kalt hier drinnen. Aber im Schlafsack wird mir gleich bestimmt warm werden, oder, oder?

Leider nein. Nach einer halben Stunde ist klar: Das geht so nicht. Es sind 14 Grad, okay, ganz schön kalt für nen Jahrhundertsommer. Aber da ist der Schlafsack einfach nicht warm genug für.

Ich ziehe mir Socken, meine einzige lange Hose und mein Funktions-Oberteil an. Damit ist es gerade so auszuhalten. Und jetzt? Da werden noch andere kalte Nächte kommen, gerade in den Bergen.

Ich liege lange wach, teils wegen des Lärms (praktisch laufend fahren am Deutschen Ecke Güterzüge und Schiffe durch, die ganze Nacht. Im Hintergrund singt ein Opernsänger. Klar). Teils male ich mir aus, was ich jetzt mache. In 1 Stunde mit dem Zug wäre ich zuhause und könnte mir den anderen Schlafsack holen, das vergessene Ladegerät für das Handy und das größere Handtuch gleich mit. 3-4h und ich wäre wieder da. Aber ist der andere Schlafsack überhaupt so viel wärmer?

„Na, gute erste Nacht gehabt“, fragt mich mein Nebenzelter auf der Ligewiese am Morgen. Jaja, allenfalls bisschen frisch geworden, so später. „Ich geb dir einen Tipp“, fügt er an. „Zieh dir Socken an! Dann wird dir nicht so schnell kalt.“ Ah, danke. „Und hol dir so’n Stuhl (zeigt auf seinen), dann musst du nicht immer auf dem Boden rumhocken. „Du meinst so einen?“, entgegne ich und deute auf den gleichen Stuhl selben Fabrikats. Er hat mich offenbar nicht gesehen, wie ich gestern, genau wie er, vor dem Zelt saß. Anderthalb Stunden lang.

Um Punkt 1000 Uhr heute Morgen stehe ich in der „Biwakschachtel“ in Koblenz-Zentrum auf der Matte. „Was habt ihr noch so für Schlafsäcke? Nein, muss gar nicht superwarm sein, nur so 5 Grad rum“.

Warten, Beraten, Aussuchen, zufällig hat der Laden gegenüber Frühstück. Und wo entsorge ich eigentlich den alten Schlafsack, wo ist die Caritas, wenn man sie mal braucht? Ich toure durch halb Koblenz auf der Suche nach einem Altkleidercontainer und komme schon wieder sehr spät los.

Aber was für eine Strecke! Wenn von Rheinromantik die Rede ist, dann kann nur der Teil Koblenz-Bingen gemeint sein. Burg nach Burg nach Schloss nach Schloss, und dazwischen die Loreley und Oberwesel.

Ich bin immer noch nicht so richtig fit. Die Sonne brennt den ganzen Tag, mit brummt der Kopf. Den anderen Schlafsack entsorge ich mangels eines Altkleidercontainers unterwegs in einem passenden Mülleimer (sorry, Welt! 🙁 ). Ich schaffe 75km und schiffe mich auf dem Bingener Zeltplatz mit angeschlossenem Biergarten ein. Was für ein schönes Fleckchen Erde!

Km 70-140. Ich hab die genauen Punkte vergessen, es waren zu viele historische Gebäude, aber die Reihenfolge stimmt.

5 Antworten auf „.53: Bingen“

Alter BW-Trick war – nicht anziehen, sondern komplett, bis auf die Socken und U-Hose, ausziehen. Damals selbst getestet 🙂

Na ja, das ging mit dem BW-Schlafsack. Der hält noch bisschen mehr Kälte ab. In dem, den ich hatte: keine Chance.

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