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Almost there (Etappe 18)

Ich wache mit einem Brummschädel auf, und alles ist nass von Nebel, Morgentau und Schwitzwasser. Dazu begrüßt mich Robert aus Amsterdam mit einem lauten „goedemorgen!“ und noch etwas Unverständlichem auf Niederländisch. Ich erwidere schwach seinen Gruß, dann lege ich mich wieder hin, um eine Meditation zu starten – auf die ich mich kaum konzentrieren kann, denn Robert hat sich statt meiner auf den Franzosen gestürzt, der mit uns zeltet. Nicht der allerbeste Start in den Tag.

Der Franzose ist anfangs clever und antwortet auf Roberts streng platonische Annäherungsversuche auf Französisch nur mit einem „Ok“. Später wechseln sie auf Englisch und ab da hat Robert ihn so weit, dass er da so schnell nicht wieder rauskommt. Ich nutze die Chance und baue schnell mein Zelt ab. Eins muss man Robert natürlich lassen.: Er spricht mindestens drei Fremdsprachen fließend. Respekt!

Ganz komme ich um ein paar niederländische Abschiedsgrüße natürlich nicht herum. Robert sagt, ich erinnere ihn an Nico Hülkenberg. Der frühere Formel-1-Rennfahrer wuchs in Emmerich auf, spricht fließend Niederländisch mit deutschem Akzent und gab schon Interviews auf Niederländisch für das dortige Fernsehen. Wenn ein Deutscher Niederländisch spricht, scheint das genauso ulkig – oder sogar niedlich – zu klingen wie umgekehrt. Mal sehen, ob und wie ich das noch zu meinem Vorteil nutzen kann. 😉

Als ich mich dann mit einem „tot ziens“ verabschiede und losrolle, bin ich guter Dinge. Etwa 120 km sind es noch bis Klanxbüll, von wo die Bahn rüberfährt. Theoretisch könnte ich also schon heute Abend auf Sylt sein.

Büsum

Praktisch mache ich erst einmal einen Umweg nach Büsum (sehr hübsch) und dann nach Husum (auch), wo ich einen Kaffee trinke und kurz einkaufen gehe. Ich kaufe einen Strauß Chrysanthemen (aha, ausgerechnet da funktionierst du mal nicht, du ansonsten völlig übermotivierte Autokorrektur… 🙄) und ein wenig Verpflegung für später.

An der Nachbarkasse gibt es Stunk. Ein Kunde aus Somalia (das wiederholt er mehrmals) behauptet, für seine Bierdosen nicht genug Wechselgeld bekommen zu haben, beschwert sich lautstark auf Englisch und will sich nicht beruhigen. Die Kassiererin und der Kunde hinter ihm im weißen Hemd reden mit ihm. Die Filialleiterin kommt hinzu, versucht den Konflikt zu lösen, schafft es nicht, droht, die Polizei zu rufen und tut es dann.

Es wirkt surreal. An der Nachbarkasse, an der ich stehe, geht der Verkauf einfach weiter als wäre nichts. Und die übrigen Kunden stehen vor dem klassischen Was-tun-Dilemma. Man hat hinten am Band oder auf der anderen Seite der Kasse gar nicht richtig mitbekommen, was genau passiert ist und wer hier wohl im Recht ist. Ich höre nur ein „don’t touch me“, „calm down“, „yeah, call the police!“ und „you’re ruining my life“.

Weil ich jetzt auch nicht der Fünfte sein will, der sich noch einmischt, weiß ich nichts Beseres zu tun als einfach zu gehen. Draußen packe ich meine Sachen ein und sehe den Polizeiwagen vorfahren. Als ich so weit bin, sehe ich, wie zwei Polizisten und eine Polizistin den Mann mit nach draußen genommen haben und ihn dort befragen. Es wirkt friedlich. Ein Polizist redet mit dem Mann, der noch recht aufgebracht wirkt. Seine Bierdosen hat er bei sich. Ich schaue mir das Ganze noch eine kurze Weile an, dann fahre ich weiter.

Die Blumen sind für Beate und Peter. Die älteren Leser:innen unter euch erinnern sich noch: Ich habe die beiden recht früh am Anfang meiner Tour in Nordbayern auf einem Campingplatz getroffen. Sie haben mir geholfen, meine Wäsche aus der Maschine zu befreien und mich dann nach einem kurzen Plausch zu sich nach Hattstedt bei Husum eingeladen. „Wenn du da vorbei kommst, kannst du gerne bei uns übernachten.“

Das fand ich etwas zu viel der Nettigkeit – ich will ja keine Umstände machen. Außerdem will ich es ganz ehrlich heute noch etwas weiter schaffen als Hattstedt. Aber ich hatte mir fest vorgenommen, wenigstens eben zu klingeln und hallo zu sagen, wenn ich durch den Ort komme. Wir haben gestern noch telefoniert. Sie sagten, sie wären nachmittags wahrscheinlich noch auf Arbeit, und ich komme gegen 1530 dort vorbei. Also beschließe ich, die Blumen vor der Eingangstür zu drapieren und eine kleine Notiz mit einem Gruß dazulassen. Doch als ich das Haus erreiche, steht Beate im Garten und werkelt am Efeu. Na sowas!

Ich werde in die Gartenlaube gebeten. Wir trinken was und unterhalten uns über unsere Reisen. Wenig später kommt auch Peter dazu, wir trinken Kaffee und reden über die Arbeit und das Leben. Beide wirken auf mich entspannt und lebenslustig. Neben ihrem Camper steht auch ein Sportwagen im Carport. Peter arbeitet tatsächlich für einen Hersteller für Wohnmobile in der Produktion, Beate im Krankenhaus. Sie fahren gerne Rad, wandern oder gehen an den Strand. Und all das kann man ja in Schleswig-Holstein – oder zur Abwechslung mal Österreich – sehr gut.

Es wird Fünf und es ist sehr nett. Beate schlägt vor, dass wir uns etwas zu essen bestellen. Aber ich weiß, so schön es gerade ist: wenn ich noch zum Essen bleibe, komme ich da heute nicht mehr weg. Was ich eigentlich gar nicht zwingend müsste, sagt mein Herz. Aber diesmal beschließe ich, auf den Kopf zu hören, der „weiterfahren“ sagt. Sonst wird es knapp mit Sylt.

Und heute bin ich zwar lange, aber eigentlich mal ganz fit unterwegs. Dabei habe ich am Morgen sogar beschlossen, den Motor heute nur dann anzuschalten, wenn es gar nicht mehr anders geht. Nicht immer auf faul machen, wenn es mal anstrengend wird! Was ist denn das für eine Einstellung!

Die Fahrt geht viel hinter den Dünen lang, was recht angenehm ist und trotz des Windes recht leicht geht. Oft auch entlang von Bundes- und Landstraßen, was weniger schön ist. Und dann sehe ich auch endlich mal das Meer:

Bisher war immer nur Ebbe gewesen. Schön dass sich das noch ändert.

Auf dem Weg zu meinem heutigen Tagesziel Dagebüll komme ich auch an der Hamburger Hallig vorbei (eine ehemalige Hallig, heute fast dauerhaft mit dem Festland verbunden) und mache einen kurzen Abstecher dahin:

Und noch etwas fällt mit auf: die Natur ist hier oben in einem deutlich besseren Zustand, dem besten, den ich auf meiner ganzen Tour gesehen habe. Alles ist grün statt gelb, das Gras ist saftig, das Vieh sieht glücklicher aus. Peter hatte des bei unserem Plausch schon kurz eingeworfen: „Hier hat es eigentlich sehr viel geregnet, die letzten Monate. Zum Beispiel den ganzen Februar hindurch.“ Die Eider etwas südlich von Husum wäre eine Art Wasserscheide und Regen meist nur auf einer Seite davon, .meist der nördlichen.

Heute zum Glück nicht. Ich komme trockenen Fußes nach Dagebüll. Und bin tatsächlich die ganze Strecke gegen den Wind ohne Motor gefahren. Yeah!

20 km sind es von hier noch bis Klanxbüll. Das ist die letzte Station, in die man in eine Bahn nach Westerland auf Sylt einsteigen kann. Und wenn meine Informationen stimmen, kommt man als Radfahrer nicht anders auf die Insel. Die beiden Fähren sind nur für Autos und Motorräder gedacht.

Also Klanxbüll mit dem Rad (wenn ich nicht vorher doch noch einen kleinen Abstecher mache), nach Westerland mit der Bahn, dort die fünf Campingplätze nach freien Plätzen abgrasen und vielleicht schon dabei einmal die Insel erkunden. Alle, die ich dazu fragte, sagten mir, man käme ganz einfach mit dem Rad in eine der Bahnen, weil da kaum jemand sein Fahrrad mitnähme. Das kann ich ja irgendwie nicht so ganz glauben…

Regnen soll es heute angeblich die halbe Nacht durch, dafür morgen dann wieder gutes Wetter. Nehme ich!

Gleich zum Start meiner Tour in Bayern dachte ich: „du musst dir unbedingt ein Halstuch kaufen!“ Ich schwitze viel am Hals, bekomme schnell Nackenprobleme, wenn auch immer nur links. Dann fand ich ewig keinen Laden und gab die Idee irgendwann dran. Mein Mikrofaser-Handtuch musste als Ersatz herhalten, was einerseits ein bisschen fies war und anderseits auch bisschen komisch ausgesehen haben muss. Na jedenfalls heute in Büsum habe ich einen Laden gesehen, der so etwas verkauft, mich sofort in eins verguckt und dann schnell geshoppt. Was sagt ihr: da haben sich doch zwei gefunden, oder? Wenn auch spät…

Kurzgeschichten. Okay, viele schaffe ich noch nicht am Tag. Aber mal richtig cool fand ich (heute beim 1. Kaffee gelesen) „Vorsicht Steinschlag“ von Thea Dorn. Googelt mal danach und lest das! Geht schnell, ist toll!

Noch paar Impressionen von heute. Gute Nacht!

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Ziele und Ziellosigkeit (Etappe 17)

Ich wache früh auf und habe alle Zeit der Welt. Es hat nicht noch einmal geregnet, es war auch nicht zu kalt auf dem Sand und ich habe gut geschlafen. Heute habe ich kein klares Ziel vor Augen. Ich weiß nur: in zwei Tagen sollte ich dann mal auf Sylt angekommen sein.

Ich lasse meine Sachen noch ein bisschen trocknen, packe langsam zusammen, bestelle mir einen Kaffee im schon geöffneten Bistro, unterhalte mich mit dem Mann, der mir am Tisch gegenüber sitzt, mit seiner Familie mit dem 9-Euro-Ticket angereist ist und findet, dass das Anspruchsdenken der Leute zu groß geworden sei, das 9-Euro-Ticket ein Stück Freiheit, das es der ärmeren Bevölkerung zum ersten Mal ermögliche, diese Freiheit auch zu erleben und Lindner sei ein Idiot.

So rolle ich auch dank Lindner erst um 1030 los.

Unterwegs passiert nicht viel, aber kein echtes Ziel und es auch nicht so eilig zu haben, macht entdpannt. Ich unterhalte mich mit einigen anderen Reisenden. Unter anderem dem älteren Ehepaar auf den E-Bikes, das diesen Sommer Inselhopping in Nordfriesland gemacht hat. „Und welche Insel war am schönsten?“, frage ich. „Amrum“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Sylt sei eine reine Geldinsel geworden, Föhr wie eine Hallig, Amrum habe die schönsten Strände.

Ich fahre ein Stück an den Deichen entlang. Es ist irgendwie superheiß, am Himmel steht nachmittags keine Wolke mehr, dazu weht ein kühler, aber auch sehr frischer Wind, der mich irgendwie austrocknet. Ich saufe wie ein Loch. Fülle meine Trinkflasche insgesamt dreimal wieder auf und kaufe mir zusätzlich noch eine Flasche Gerolsteiner im Supermarkt.

Und so bin ich froh, als ich dann endlich meinen Zeltplatz nahe Büsum erreiche, und noch froher, dass es sich ein gesprächiger Niederländer da schon bequem gemacht hat. So wirklich lange währt die Freude dann allerdings nicht.

Denn nachdem ich Robert aus Amsterdam mit meinen paar Niederländisch-Floskeln zu beeindrucken versuche, springt er voll drauf an, verlangt von mir, nur noch Niederländisch zu reden – was an sich okay ist – aber auch jeden kleinsten meiner Fehler direkt zu korrigieren – was mir schon bald unangenehm wird. Ich saß 7 Stunden auf dem Rad, bin todmüde und eigentlich habe ich auch gar keine Lust, jetzt noch eine Niederländisch-Lektion der alten Schule zu bekommen.

Zum Glück habe ich noch genug zu tun, um immer mal wieder kurz und dann ganz zu verschwinden: E-Bike-Akku aufladen, duschen, Wäsche waschen und mir schließlich auch das Meer anzuschauen, zumindest das, was davon gerade da ist:

Als ich zurück komme und mir einen Platz zum Bloggen weit weg von Robert suche, kommt auf einmal ein kleines Mädchen angelaufen. Sie versucht, die Tür der Gaststätte zu öffnen, sagt etwas von Bonbon und kommt dann strahlend zu mir, um mit mir zu reden.

Kleines Problem: Sie spricht nur Französisch und denkt trotzdem, dass jeder sie verstehen kann. Mein Schulfranzösisch ist mittlerweile aber so weit vergessen, dass ich sie nicht einmal fragen kann, wie sie heißt. Ich bekomme es gerade noch zusammen zu sagen, dass ich kein Französisch spreche (danke, Namika 🙄) und sie leider nicht verstehen kann. Aber sie versteht nicht, was Französisch ist und dass ich sie nicht verstehen kann. Aber das macht eigentlich gar nichts, denn sie weicht mir trotzdem nicht von der Seite. Weil ich nicht weiß, was ich sonst noch machen soll, mache ich ein Foto von ihr, für das sie bereitwillig posiert – und was ich hier nicht veröffentlichen werde, weil man Bilder kleiner Kinder nicht einfach so ins Netz stellt. Sorry.

Ihre Mutter kommt schließlich dazu, spricht fließend Deutsch (ist Deutschlehrerin) und wir unterhalten uns auch noch ein wenig. Meine Güte, wie niedlich, also beide. 🙂

Ja. Und gleich gehe ich mal zurück zum Zeltplatz und rede noch ein wenig mit Robert aus Amsterdam. Nett ist er ja eigentlich. Man muss solche Menschen dosieren, denke ich. Es muss dieses Abgrenzen sein, von dem Johannes neulich in einem Kommentar sprach. Interessanterweise fand ich den anderen Mitzelter, der fast gar nichts gesagt hat, am Ende interessanter. Vielleicht hat er auch deswegen nichts gesagt, weil er mit Robert schon durch war. Aber mehr reden = mehr sympathisch? Hier also noch einmal vor Augen geführt bekommen, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Und wie vielen eigentlich ruhigeren Zeitgenöss:innen bin ich wohl schon auf die Nerven gegangen, indem ich einfach nur gesmalltalkt habe (was ich ja früher auch nicht mochte)? Es ist gar nicht so einfach, da das für jeden erträgliche Maß zu finden.

Der Penny-Markt von Glückstadt. Well played!

Nebenbei: eine schöne Stadt!

Ich hab es jetzt schon von mehreren Campern an vielen Orten gehört: Auf Campingplätzen geht nachts der Power(bank)klau um. Offenbar auch hier in Hamburg am Elbstrand:

Ich hingegen hatte Glück. Wo ich meine Powerbank über Nacht geladen hatte, lagen am nächsten Morgen zwei…

Also jemand hat die genau gleiche, drei Jahre alte Samsung-Powerbank neben meiner aufgeladen. Schon schräg.

Heute kam ich an Schafen, Kühen, Enten vorbei – und habe ein sonderbares Verhalten an ihnen bemerkt. Die Schafe wirkten unglücklich, standen teilweise in ihrem eigenen Kot. Enten sammelten sich im Schatten, wie auch Kühe längst dahin geflüchtet sind. Einen guten Eindruck haben die alle nicht auf mich gemacht. Klar, die leiden auch unter der Dürre und der Hitze. Aber es wirkt fast, als wäre da etwas Größeres im Gange, als hätte das Nutzvieh langsam keine Lust mehr, dem Planeten noch nützlich zu sein.

Deutsche Kurzgeschichten: Hab was von Siegfried Lenz gelesen. Klare, einfache Worte, aber der Inhalt belanglos. Hab ein Dokument mit mehreren Kurzgeschichten für den Deutschunterricht gefunden. Werde gleich mal zum Einschlafen darin lesen.

Morgen geht es weiter Richtung Norden. Peter und Beate aus Husum (die aus einem Campingplatz in Bayern) haben mich zu sich eingeladen. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob mir das nicht sogar zu nah von hier ist. Würde am liebsten noch ein Stück weiter kommen – und hier langsam mal fertig werden… Ich mag irgendwie nicht mehr. Die Reise war schön, aber es ist dann auch gut, wenn sie jetzt bald zu Ende ist.

Und hier noch ein paar schöne Schleswig-Holstein-Klischeeimpressionen: 😬

Robert und ich gehen noch ein wenig auf dem Deich spazieren. Er raucht sich einen, wir reden noch ein wenig Niederländisch und Deutsch. Er ist ein echter Charismatiker, aber es bleibt auch dabei: er geht mir nach einiger Zeit auf die Nerven und ich will wieder weg von ihm. Besser, man wird charismatisch auf die eigene, positive Art, schätze ich.

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Perspektive (Etappe 16)

Wir haben noch gar nicht über Juan gesprochen, und das ist schade, denn Juan ist cool. Als Nicky, Juan und ich am Abend vor meiner Abfahrt zusammen saßen, nachdem wir unser selbst gebrautes Bier in Flaschen gefüllt hatten, sprachen wir auch von unseren Perspekiven auf das Leben.

Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht hatte, sagte ich, ich würde mich im Alltag mit zahlreichen Dingen ablenken. Denn wenn ich mal wirklich zum Nachdenken käme, würde ich feststellen, dass mein Leben ganz schön trostlos sei. Das könnte man aber auch umdrehen, sagte Juan. Einfach sehen, was man schon alles hat und im Leben erreicht hat, wo man lebt, welche Chancen man hat, welche Freunde, welche Familie. Und dann würde man vielleicht feststellen, dass man eigentlich ein tolles Leben hat.

Manchmal nickt Juan auf seinem Stuhl ein, wenn wir uns treffen, ein bisschen was trinken und es später wird. So auch an jenem Abend. Wir scherzen vorher, dass ich noch nie jemand Betrunkenem einen Penis auf die Stirn gemalt hätte, Nicky gibt mir ihren Kayalstift, ich warte auf eine günstige Gelegenheit, und dann schreibe ich zur Tat.

Als Juan davon wach wird, ist er nicht etwa sauer oder schimpft, sondern lässt mich ein Foto davon aufnehmen und es ihm zuschicken. Er lobt meine Zeichenkünste und die Aktion an sich. Er rennt auch nicht gleich ins Bad, um sich das Gemälde abzuwaschen, sondern hält den Rest des Abends damit durch.

Juan ist toll!

Ich selbst bin leider noch lange nicht so gelassen, auch wenn es besser wird. Und heute ist ein Tag, wo es ohne Gelassenheit auch gar nicht gegangen wäre.

Hier einmal etwas Interaktives für euch: zwei Möglichkeiten zur Auswahl und die Frage, was ihr getan hättet. Anschließend die Auflösung.

Gegen 0800 wache ich auf, fange schon im Zelt an, zusammenzupacken. Die frühe Morgensonne knalllt drauf, und es ist bereits so heiß, dass ich verschwitzt aus dem Zelt komme.

a) Du würdest dich ärgern, so früh schon verschwitzt zu sein.

b) Du wolltest eh in den Waschraum und machst dich noch mal frisch.

Was ich getan habe: ich musste eh noch in den Waschraum, um Sonnencreme aufzutragen. Dabei spritze ich mir noch etwas Wasser ins Gesicht. Alles halb so wild.

Danach packe ich zusammen, zahle an der Rezeption, bekomme noch einen schwarzen Kaffee serviert und mag nicht so recht losfahren. Mir fehlt der Antrieb.

Die Gegend ist toll, aber der Weg ist schlecht. Sand, Kopfsteinpflaster, leichte Steigungen – manchmal auch mit Sand, Kopfsteinpflaster oder beiden. Ich komme kaum voran.

a) Was für ein Ärger. Ich drehe durch!

b) Ach, alles nicht so schlimm. Brauche ich halt was länger und kann mehr Gegend sehen.

Was ich getan habe: ich habe mich tstsächlich aufgeregt. Ich bin schlecht drauf und mir geht beinahe jeder auf den Sack, den ich sehe. Ich wollte heute eigentlich über Liebe bloggen, aber das Thema ist zu traurig. Deswegen doch erstmal über Perspektive und Gelassenheit.

Irgendwann erreiche ich Hamburg-Harburg. Es ist heiß, ich muss an vielen Ampeln ohne Schatten warten, ich werde überholt, ich fahre Ewigkeiten durch die Stadt. Als ich beim Elbtunnel im Aufzug kurz warten muss, läuft mir die Soße.

a) Es nervt, diese Hitze! Und wie ich dabei aussehe. Ich schäme mich zu Tode.

b) Ach, was soll’s. Ich sehe aus wie ein Radreisender, da darf man so aussehen.

Ich mache mir tatsächlich wenig draus und fahre einfach weiter.

Als ich dann endlich nach 70 km Fahrt den geplanten Zeltplatz in Hamburg-Zentrum erreiche, ist der voll. Der Besitzer weist mich freundlich zum nächsten.

a) Ich könnte alles zusammentreten. Der Arsch!

b) Ach, was soll der Ärger. Damit war zu rechnen.

War es in der Tat. Der Platz hat keine Zeltwiese, sondern nur Parzellen und die sind alle weg. Zudem ist der Betreiber nett. Nur kurz bekomme ich aber ein wenig Angst, keine Unterkunft mehr zu bekommen, zumal es auf Booking.com kaum noch ein Zimmer unter 80 Euro als Alternative gäbe.

Ich rufe den nöchsten Zeltplatz an – es geht niemand ans Telefon. Ich rufe einen anderen am Elbstrand an. Nach 3 Minuten in der Warteschlange: „Klar, ich nehme Sie auf. Aber wir haben einen Strand, keine Wiese.“

Und diese Information hätte ich mir genauer durch den Kopf gehen lassen sollen, denn sie wird spöter noch wichtig werden.

Es sind noch einmal 16 (!) km quer durch Hamburg zu fahren. Also von der Stadt sehe ich heute sehr viel. Auf dem Weg brauen sich Wolken zusammen. Es könnte bald regnen.

Ich erreiche gegen 1620 Uhr endlich die Rezeption, und es donnert schon im Hintergrund. Meine Pläne, heute mal ein wenig gechillt durch Hamburg zu flanieren, sind längst zerschellt. Und zu allem Überfluss haben der Vater und sein vorlauter, adoleszierender Sohn vor mir am Schalter alle Zeit der Welt. Sie sind mit einem Camper da, flachsen, scherzen und flachsimpeln mit dem Betreiber.

a) Diese Wichser! Keine Empathie!

b) Ach, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Ich kann mir nicht helfen: ich bin genervt. Als ich dann endlich dran bin, gibt mir der Mitarbeiter noch als Rat: besser schnell Zelt aufbauen, da kommt jetzt was!

Dem würde ich ja gerne Folge leisten, aber ich bekomme mein schwer beladenes Rad kaum durch den Sand geschoben. Meine smarte Armbanduhr verabschiedet sich mit einem Piepen (Akku leer). Und als ich mir schnell einen Platz ausgesucht habe, geht es auch sofort los. Es kommen Sturzbäche vom Himmel. Und alles über mir ist ein kleiner Baum, der kaum Regen abhält.

Jetzt schnell handeln! Das Zelt aus den Satteltaschen geholt, aufgemacht, auf den Schlamm gestellt, der sich längst gebildet hat. Das Aluminiumgestänge hat diesen Schlamm längst abbekommen. Ich muss eigentlich höllisch aufpassen, dass da kein Sand zwischen die einzelnen Glieder kommt, sonst ist das Gestänge hin. Aber ich muss so schnell machen wie ich kann, damit das Innenzelt nicht nass wird.

Es geht vollkommen schief. Am Ende ist das Innenzelt völlig durchnässt, es bilden sich Pfützen auf dem Boden. Das Gestänge und die Enden sind verdreckt und versandet. Ich bin nass, mein Handy ist nass, mein Handtuch ist nass – alles ist nass. Meine Schuhe: total verschlammt.

a) Cool bleiben, Nerven bewahren, produktiv handeln!

b) FUUUUUUÜUUUUCK!

b. Ich schimpfe, fluche, weine beinahe vor mich hin. Aber es nützt nichts. Es bleibt mir nur die Flucht nach vorne. Ich schnappe schnell meine Waschtasche, mein Handy, mein nasses Handtuch und eine noch trockene Unterhose und springe in den Waschraum und da unter die Dusche. Nass bin ich ja schon.

Als ich wieder ins Zelt komme, tröpfelt es zum Glück nur noch ein wenig. Ich nehme einen Lappen, wische die größten Pfützen weg, passe auf, dass kein weiterer Sand ins Zelt kommt, ziehe mich schnell an und nutze die Regenpause, um alles dicht zu machen und zum Bus zu laufen. Eine Srunde später bin ich in Hamburg-City und gehe mit Mario Fisch essen.

Ich kenne Mario seit der 1. Klasse. Wir waren eigentlich all die Jahre befreundet, hatten uns nur eine Zeitlang mal aus den Augen verloren. Und in so guter Verfassung habe ich ihn noch nie gesehen. Er startet in Kürze in ein neues Leben in der Schweiz und dadurch blüht er richtig auf.

Aber nicht nur dadurch. Er hat die meisten seiner Dämonen besiegt, würde ich es mal nennen. Wir reden immer, wenn wir uns – alle paar Jahre mal – treffen auch darüber, welche Baustellen wir noch haben. Es gibt noch welche, aber es werden weniger.

Es wird ein tolles Wiedersehen. Und auch der Fisch ist klasse. 😉

Nach dem Treffen fahre ich mit der S-Bahn zurück in Richtung Campingplatz. Aber weil kein Bus mehr fährt, soll ich zu Fuß gehen. 30 Minuten!

a) Bodenlose Frechheit! Eine 2-Millionen-Stadt und dann so ein Nahverkehr!

b) Endlich mal wieder ein bisschen Spazierengehen.

Es wird b. Denn so paradox es klingt, da ich täglich draußen bin und viel Zeit zum Nachdenken habe: mir fehlt das Spazierengehen und das Gedankensortieren dabei. Es ist eine wunderbar angenehm-warme Luft, und es wird ein wunderschöner Abendspaziergang.

Morgen geht es Richtung Husum. Ob schon ganz dahin (140km) muss ich mir noch überlegen. 😉 Ich komme in den letzten Tagen kaum noch vorwärts. So schön die Tour ist: ich bin dann auch ganz froh, wenn ich bald am Ziel bin und dann mal ein paar Tage kein Rad fahren muss.

Kurzgeschichten aus der Schule:

„Nachts schlafen die Ratten doch“ (Wolfgang Borchert)-> schon nice, sehr subtil und mehrdeutig.

„Jenö war mein Freund“ (Wolfdietrich Schnurre): deutlich direkter – und herzergreifend, tolle, kurze Erzählung.

Lese gleich zum Einschlafen mal „Die Nacht im Hotel“ von Siegfried Lenz. Gute Nacht!

Die Ladestation auf dem Campingplatz und 1 ziemlich nices Ladekabel!

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Zufällige Gespräche (Etappe 15)

Britta und Markus kredenzen ein tolles Frühstück, und ich lasse mir extra viel Zeit damit, so, als würde sich dann der Fahrradschlauch von selbst auswechseln.

Das passiert natürlich nicht, dafür schaffen wir es mit vereinten Kräften. Die ganze Familie, Britta, Markus und Mika, hilft, und der Nachbar ist so nett, uns seinen Fahrradhalter auszulehen. Das E-Bike befestigen wir daran. Einer muss aber trotzdem noch festhalten, ein anderer den Reifen, den wir dazu auf einen Stuhl ablegen, bei dem wieder einer gegenhalten muss.

Der Vierte, ich, friemelt schließlich den alten Schlauch heraus und den neuen wieder rein. Dann wieder mit vereinten Kräften das Rad dranmoniertieren, nochmal neu justieren, weil es sich in der Bremse verfangen hat, anschrauben, gucken, ob es sich gerade dreht, festschrauben, aufpumpen, ablassen. Puh! Was ein Act!

Alleine hätte ich das gsnz sicher nicht geschafft. Als Kind sollte ich mein Fahrrad immer selbst reparieren, und sehr oft ging das auch. Fahrräder heute sind hochkomplexe Maschinen geworden, bei denen du haargenau wissen musst, was du da tust, sonst machst du es alles nur noch schlimmer.

Als ich das Ventil herausoperiere, kommt es mir übrigens fast schon entgegen. Scheint, als wäre der Riss gleich da unten gewesen, und wir hatten den Schlauch gestern Morgen bei unserer Aufpumpaktion unsanft geköpft:

Die Fahrt heute ist wenig ereignisreich. Es geht kilometerweit am Truppenübungsplatz Munster/Bergen vorbei:

Und an der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Aber mir ist einfach irgendwie nicht danach, da reinzugehen. Hab heute einfach mal keine Lust auf Betroffenheit:

Die Landschaft ist aber schön. Sie erinnert mich an meine Heimat. Bewaldet, viel Grün, kaum Steigungen, aber durchaus windig. Ich bin heute nicht so richtig munter, mache einige Pausen und benutze viel den Motor.

Als ich an einer Tankstelle mit eingebautem Cafe vorbeikomme, gönne ich mir noch einen Kaffee und setze mich draußen hin, wo gerade noch eine andere Dame verweilt, die mich anspricht.

Sie käme aus der Nordheide, aber wäre durch Zufälle dort gelandet (auf halbem Wege zwischen Hannover und der Lüneburger Heide), 48 Jahre alt, seit einigen Jahren dort im Altersheim – und es wäre dort furchtbar.

Ich bin überrascht: „Das geht? Sie sind doch kaum älter als ich!“ Genauer geht sie nicht auf die Gründe ein, aber sie sagt, dass ein Altersheimaufenthalt ab 40 möglich sei. Sie kenne dort aber niemanden, die Pflege sei schlecht, die Bewohner hätten zwar immerhin Internet, aber würden alles alleine machen, sich gegenseitig misstrauen und sich regelmäßig anschreien.

Ich frage sie, warum sie da bleibe, wenn es ihr nicht gefalle und es ihr in der Nordheide kurz vor Hamburg – wie ich heraushöre – besser gefallen habe. Das wäre nicht so einfach sagt sie. Das habe mit Geld, Verträgen und der Frührente zu tun. Aber hier wären die Menschen schon sehr verschlossen.

Es entwickelt sich noch ein sehr nettes Gespräch. Sie fragt, wohin ich reise, wie das Wetter in den nächsten Tagen noch werde (gar nicht mal so gut!) und dass sie sich Sorgen um die Zukunft der Gesellschaft mache.

Das haben mir schon viele Menschen auf meiner Reise gesagt. Man sorgt sich um die Zukunft, und man spürt ein tiefes Misstrauen gegenüber den Anderen. Die meisten, mit denen ich sprach, waren aber eigentlich sehr nett und aufgeschlossen. Es muss die schweigende Masse sein, die zu Hause sitzt, auf Facebook andere anhasst, die Deutschland-Flagge hisst und AfD wählt.

Solche Gespräche mit Wildfremden sind auf meiner Reise mittlerweile das Salz in der Suppe. Es soll ja Leute geben, die nur wegen so etwas Journalisten werden. Ich habe lange Zeit genau dieses Reden-mit-Menschen immer vermeiden wollen. Ich glaube, das könnte langsam mal ein Ende haben.

Meine Tour heute endet nach 95km in Bispingen am Zeltplatz. Mein Nebenzelter arbeitet zufällig als Vertriebler für E-Bike-Motor-Teile und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Er schlägt mir einen Ölwechsel der Nabe vor. Der wäre notwendig und könnte noch was retten. Ja, da wäre tatsächlich Öl drin.

Ölwechsel der Nabe… Was kommt als Nächstes? Bordentertainment-Konsole im Tacho? Nee, das hätte es 1990 noch nicht gegeben.

Was seid ihr?

Habe irgendwie das Bedürfnis., nochmal alle deutschen Kurzgeschichten zu lesen, die ich damals im Deutschunterricht nicht verstanden habe. Also alle. Passt ja irgendwie auch zu einer Deutschlandreise. Lese gleich im Zelt mal „Nachts schlafen die Ratten doch“, was immer das noch mal war.

Note to self: Merino-T-Shirt nicht mehr von Hand im Waschbecken waschen. Das stinkt jetzt irgendwie wie Hulle und hat es vorher nicht.

Übrigens stimmt es nicht, dass nasse T-Shirts am Körper in einer Stunde von selbst trocknen. Das dauert viel länger. Abends zumindest. Ich probiere es gerade aus (und stinke 20 Meter gegen den Wind).

Mika (9) hat ein Fußballspiel mit Lego authentisch nachgestellt. Inklusive selbst geklebten Werbebanden, selbst gemachter Spielfeldmarkierung, Pressefotografen, Spielertunnel, Fallrückzieher und und und. Sehr, sehr geil!

In Bispingen steht ein Haus verkehrt herum:

Morgen dann Hamburg via die Lüneburger Heide, die gerade blühen soll. Wird bestimmt hübsch. Gute Nacht!

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Hilfsbereitschaft (Etappe 14)

Gottfried fragt mich noch einmal, was ich eigentlich genau beruflich mache und wie das eigentlich alles genau funktioniert und nennt mich danach „mutig“. Sowas hätte er sich nicht getraut, er sei ja nur Beamter gewesen. „Ja warte mal“, sag ich: „DU hast doch ein paar Jahre in einer Kommune gewohnt – wie passt das eigentlich zusammen?“ – „Das hat wunderbar gepasst.“

Die Kommune in dem Dorf war mehr Legende als tatsächlicher Sündenpfuhl – und am Ende ziemlich harmlos. Während meine Großeltern Stoßgebete gen Himmel schickten und die Leute im Dorf sich in ihrer Fantasie wilde Orgien ausmalten, lebten die Bewohner der Kommune jedes Paar für sich in einem Flügel des gemeinsam genutzten Bio-Bauernhofs, und viel mehr auch eigentlich nicht. Keine freie Liebe, nur ein aufeinander Aufpassen und dazu ehrlich verdientes Geld vom Staat. Eigentlich eine erstaunlich bodenständige Idee und seiner Zeit ein wenig voraus.

Bevor ich heute los komme, möchte ich noch einmal meinen Hinterreifen aufpumpen. Da war ohnehin schon was wenig Luft drin, und die vergeblichen Versuche, mit einer von Gottfrieds Pumpen da gestern Luft reinzukriegen, haben eher noch mehr Luft rausgelassen (französische Ventile… 🙄). Aber was tun in einem kleinen Ort, in dem es kein Fahrradgeschäft gibt?

Gottfried kennt einen Kramladen ein paar Straßen weiter. Der hätte bestimmt was da. Gottls Idee ist, langsam mit dem Auto vorzufahren, während ich ihm mit dem Fahrrad folgen soll. Warum er nicht selbst mit dem Fahrrad fährt, frag ich. „Keine Lust drauf“.

Die Szene hat was Absurdes. Im dichten Samstagsvormittagsverkehr fährt Gottl mit etwa 20 km/h vorneweg – es geht leicht bergauf, ich komme kaum schneller hinterher. Aus dem Fahrerfenster gibt er mir Handzeichen für die richtige Richtung. Andere Autos überholen uns oder warten geduldig.

Am Kramladen angekommen, hat dieser natürlich Betriebsurlaub. Also weiter zur letzten Bastion: der örtlichen Tankstelle. Wir haben sogar an den richtigen Adapter gedacht. Aber der Luftdruckregler pumpt keine Luft in den Reifen.

Im gleichen Moment kommt ein älterer Tankstellenmitarbeiter vorbei und bietet uns spontan seine Hilfe an. Er organisiert eine Verlängerung, aber auch die kann nichts ausrichten. Der Mann bittet uns, ihm in die Werkstatt zu folgen, wo er einen alten Kompressor stehen hat.

Mit Adapter, Verlängerung und Kompressor hantieren zwei von uns schließlich an meinem Hinterreifen herum, während der Dritte das Rad festhält, weil es ja keinen Ständer mehr har. Aber das Manometer bleibt auf null. Wir probieren es noch einmal: wieder null. Erst dann fühlt mal einer von uns den Druck am Reifen selbst: er ist voll aufgepumpt!

Oha, ob das wohl zu viel war? Wie viel Luft ist da jetzt drin? Es sieht so ganz in Ordnung aus. Wir lassen es also dabei, verabschieden uns dankend und rollen von dannen.

Nachdem ich noch ein letztes Mal kurz in den Pool gehüpft bin und wir noch einen Kaffee zusammen getrunken haben, fahre ich auch los. Ganz entspannt um 1340 Uhr. Und die 24 Stunden ohne in eine Pedale zu treten, haben mir gut getan. Es geht anfangs noch ein paar steile Hügel hinauf, aber es macht mir nichts aus. Und danach geht es bis Braunschweig und danach die fast 50 km bis Peine nur noch bergab.

Gegen 1600 Uhr bin ich dann in Peine. Ich gönne mir in einem Lokal ein Stück Kuchen und einen Kaffee, und plötzlich beginnt es sogar leicht zu regnen. Und dann ändert sich etwas.

Als ich zu meinem Fahrrad zurückkehre und losfahren will, merke ich: da stimmt was nicht. Der Reifen hinten hat kaum noch Luft. Oha. Oha. Oha.

Schon morgens hatten sich die beiden Nachbarn meines Onkels im Spaß über mich amüsiert- nicht ganz zu Unrecht, wie ich gestehen muss. Fährt da einer einmal quer durch Deutschland und hat keine Luftpumpe dabei.

Dabei habe ich sogar eine, mir extra mal eine handliche Reiseluftpumpe gekauft, die mit ihrem Akku selbst die Luft aufpumpen kann. Ich habe sie zu Hause gelassen, weil ich in meiner unendlichen Weisheit dachte: ein Fahrradgeschäft mit Luftpumpe draußen findest du an jeder Straßenecke.

Ja, genau..

Ich frage den Besitzer des Cafés, ob er ein Fahrradgeschäft in der Nähe kenne. Ja, sagt der, da sei gleich eins um die Ecke. Aber es sei Samstagnachmittag unf ob das jetzt noch geöffnet habe… Hat es dann auch natürlich nicht. Was jetzt tun, was jetzt tun? Ich sehe keine bessere Lösung als: andere Menschen um Hilfe fragen.

Und so versuche ich es zunächst bei einem älteren Ehepaar, das gerade seine genau gleich aussehenden Mountainbikes aufschließt. Nein, täte ihnen Leid, eine Luftpumpe hätten sie nicht dabei. Ich spreche direkt die nächsten ein. Ein Typ etwa Mitte 30 mit seiner Freundin, beide auf einem E-Bike. Ja, sagt der, er hätte eine kleine Notfallpumpe dabei. Müsse man zwar 200-mal pumpen. Aber immerhin. Ich nehme sein großzügiges Angebot an und sattele meine Taschen ab. In der Not frisst der Teufel Fliegen. In der Zwischenzeit kommt auch das ältere Ehepaar wieder dazu. Sie haben ein Repair-Notfallspray in der Satteltasche gefunden.

Am Ende probieren wir beides. Das Spray spuckt einen weißen Schaum aus, der Typ mit der Pumpe ist all in und pumpt selbst mindestens 150-mal, bis der Reifen sich langsam hebt und ich ihn ablöse. Was für nette Menschen!

„Ich würde jetzt direkt zum Bahnhof fahren“, sagt der hilfsbereite Typ mit der Pumpe. „Das hält bestimmt nicht lange, und beim nächsten Mal stehst du irgendwo in der Pampa“. Ich weiß, dass er natürlich Recht hat. Aber ich will so schnell noch nicht aufgeben. Ich bedanke mich bei allen von Herzen und gebe dem älteren Ehepaar 10 Euro als Ersatz für Ihr Notfallspray. Dann suche ich auf Google Maps nach Geschäften.

Ich weiß, dass Kaufland eine Fahrradabteilung hat, und siehe da: in 3km Entfernung gibt es eine Filiale. Auf dem Weg dahin komme ich an einem weiteren Fahrradgeschäft vorbei, das natürlich auch geschlossen hat.

Bei Kaufland angekommen, sehe ich, dass der Reifen beinahe schon wieder platt ist. Aber die Luft hat gerade noch gereicht. Im Laden shoppe ich eine Doppelhub-Luftpumpe und ein weiteres Notfallspray. Draußen sprühe ich den Rest in den Reifen und pumpe mit mindestens 200 Stößen den Reifen noch einmal auf – und bin guter Dinge: das könnte mit etwas Glück die 40km bis Hannover halten. Ich kündige mich bei Markus und Britta an und fahre los.

Genau 2 km später muss ich einsehen: es geht nicht. Der Reifen ist schon wieder platt. Und das Ventil nimmt jetzt gar keine Luft mehr an. Ob wir das am Morgen in der Tanke mit unseren zahlreichen Versuchen geschrottet haben? 🤔🤔🤔

Jetzt bleibt mir nur noch als Option, den Schlauch zu wechseln. Einen solchen habe ich tatsächlich eingepackt, Notfall-Schlüsselset und Mantelheber auch. Also eigentlich alles dabei. Aber verflucht: ich bekomme mit dem kurzen Hebel des Notfallwerkzeugs die Reifenmutter nicht gelöst. Und ich erinnere mich: die hatten die Jungs in dem Fahrradladen in Karlsruhe extra fest angezogen, damit sich der Bremsschlitten nicht mehr mitbewegt. Na klasse.

Ich gebe auf und beschließe, dann doch den Zug zu nehmen – wohl wissend, dass ab jetzt Murphys Law greift. Und so kommt es dann auch. Der Bahnhof ist 2,5 km entfernt. Ich muss schieben und so verpasse ich die erste mögliche Bahn. Die zweite würde eine halbe Stunde später starten, aber fällt aus. Nächste Fahrt erst eine Stunde nach der ersten. Und so schiebe ich zum Bahnhof, komme wie zum Hohn noch einmal an dem einen, längst geschlossenen Radgeschäft vorbei und dann 50 Minuten vor dem nächsten Zug am Bahnhof von Peine an. Es fallen mehr Züge aus als noch kommen, also ist klar: den nächsten muss ich erwischen:

Aber was soll ich mich da jetzt aufregen, denke ich. Ändern kann man ja eh nichts. Ich beschließe, die Wartezeit schon einmal mit einem Bier zu verkürzen und mit Markus schon einmal fernzuzuprosten. Und so schiebe ich mein Rad vor eine Bahnhofskaschemme der Art, in die ich normal niemals gehen würde, und gehe rein:

Aber was soll ich sagen: alles gar nicht schlimm da. Ich kaufe am Tresen eine Flasche Bier für gerade einmal 1,50 Euro und setze mich damit draußen hin:

Wenig später auf dem Bahnsteig geselle ich mich zu dem einzigen Ehepaar, das noch mit Fahrrädern unterwegs ist, und wir smalltalken kurz, etwa darüber, wo wohl das Fahrradabteil sein wird (note to my future self: immer genau am Anfang und Ende eines RE). Klar ist auch: ich muss in den Zug jetzt irgendwie rein. Denn der nächste kommt erst in zwei Stunden – vielleicht.

Und es kommt, wie es kommen muss: die Bahn rollt ein, wir stehen vorne, und vor dem Fahrradabteil ist die Tür defekt. Wir wollen es über die Nebentür versuchen, doch die Schaffnerin hält uns auf: nein, leider nicht erlaubt. „Aber wir könnten doch da eben durch…“ Nein, leider nicht erlaubt. Ich beginne zu diskutieren. Dass dies der einzige Zug in drei Stunden sei, der nach Hannover fährt und dass die Deutsche Bahn ein Sau… Ja, täte ihr Leid, aber nichts zu machen. Ich könne es nur am anderen Ende des Zuges noch versuchen.

Das Ehepaar ist längst auf dem Weg dorthin, und ich sprinte hinterher – so gut das mit einem schwer beladenen E-Bike mit einem Platten eben geht. Das Ehepaar hilft mir. Die Frau stellt sich in die Tür, damit ich es noch hinein schaffe. Die Menschen in diesem komischen Land können unfassbar hilfsbereit sein, wenn man sie nur mal lässt – und wenn man dabei nicht wie ein Penner aussieht.

Und wir haben Glück. Das hintere Fahrradabteil ist noch fast leer. Wir finden alle einen Platz für unsere Räder.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Denn ich komme mit dem etwa gleichaltrigen Typen ins Gespräch, der mir gegenüber sitzt und dem Ehepaar und mir ein Fisherman’s Friend Lemon anbietet. Sie lehnen ab – ich nehme an. Die Dinger mag ich zufällig. 😉

Und der Typ ist schräg.. Auch er hat ein Fahrrad hinten stehen. Auf meinen Hinweis, dass das gerade umgefallen sei, winkt er ab: „Ist ja nur ein Gegenstand, weißt du, und da wird sich schon einer drum kümmern.“ Und so ist es dann auch. Ein weiterer Radfahrer, der als letzter kam und daneben sitzt, nimmt sich danach das Fixierseil und befestigt das Rad meines Gesprächspartners.

Aber weiter geht’s. Er würde nur nach Hannover fahren, weil er da abends gut nackt baden und sich einen durchziehen könne. Aha. Nein, kein Gras, nur Haschisch, eine bestimmte Sorte, die sie in Holland für 8 Euro das Gramm verkauften, den Bauern in Marokko aber nur 8 Cent dafür zahlenwürden. Deswegen hätten die auch alle einen solchen Hass auf uns. Und auf die Schweiz sollte man ein paar Wasserstoffbomben werfen. Hätten die verdient.

Das alles klingt mir halb im Scherz gesagt, und irgendwie mag ich den Typen. Und so tue ich, was ein guter Buddhist tun würde, und lasse ihn einfach weiterreden ohne zu werten. Und so erfahre ich noch, wie er es sich als Fünfjähriger – angeblich – einmal eine Stunde lang in Schloss Neuschwanstein im Königlichen Schlafgemach auf der Matratze bequem gemacht hatte. Seine Eltern hätte er erst angeblich später auf dem Parkplatz wiedergetroffen, gemerkt hätte es keiner. Und wie er seine Eltern auf der gleichen Reise in Bern einmal verloren habe. Vielleicht daher sein Hass auf die Schweiz?

Das Ehepaar neben uns denkt sich seinen Teil und sagt nichts. Der Typ und ich amüsieren uns die 25 Minuten Fahrt nach Hannover köstlich.

Markus holt mich schließlich am Bahnhof ab, und wir schieben zusammen Richtung List. Markus, Britta und Mika haben mir noch reichlich zu essen übrig gelassen, und es wird noch ein gemütlicher Abend auf dem Balkon. Morgen gilt es, irgendwie den Schlauch auszuwechseln und ein Stück weiter in Richtung Hamburg zu fahren. Sollte doch eigentlich möglich sein, hoffentlich. Passenderweise haben auch sie ein Fahrradgeschäft direkt gegenüber, aber morgen ist ja Sonntag…

Jetzt erst einmal gute Nacht. Was für ein Tag! Eigentlich ist es mir immer am liebsten, wenn alles reibungslos funktioniert. Aber dann hätte ich nicht einmal die Hälfte zu erzählen. 😅

In Braunschweig ist CSD:

Und paar hübsche Ecken gibt es da auch:

Und dann sogar auch in Hannover:

Seriously, Deutsche Bahn? Klar, jeder hat gerade das 9-Euro-Ticket, aber der reguläre Preis von Peine nach Hannover wären wirklich über 100 Euro?! Für 25 Minuten Fahrt im RE?!

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Nightswimming (Etappe 13)

Die Nacht im Wald ist erstaunlich ereignisarm, aber kurz. Um zwei Uhr wache ich einmal auf. Es ist kalt, ich murmele mich stärker ein. Einmal kommt irgendein Tier nah an mein Zelt. Ich verscheuche es, indem ich übertrieben laut gegen die Zeltwände schlage. Ab kurz nach 5 bin ich im Halbschlaf. Ko.mmt da einer um die Ecke? Nein, es sind doch nur irgendwelche Vögel oder Feldmäuse, die Geräusche machen.

Um 0600 stehe ich auf. Ich habe die Nacht wildcampen schadlos überstanden, packe zusammen, rolle um 0715 los. Etwa 3km von der Zeltstelle kommt mir auf einem Feldweg eine Frau auf einem Fahrrad entgegen. Sie ist der erste Mensch, den ich seit fast 12 Stunden sehe.

Bevor ich den Osten der Republik verlasse, sehe ich in Oschersleben die Werbung für eine Ostalgie-Kantine in 900m Entfernung und fahre spontan dahin. Die Aufmachung des Freilichtmuseums ist schon draußen so authentisch, dass ich zwei Typen, die vor dem nachgeahmten Grenzposten stehen, frage, ob sie mich reinlassen. Tun sie natürlich, denn sie arbeiten gar nicht dort.

Es dauert ein wenig, bis ich die eigentliche Kantine gefunden habe. Ich frage die Bedienung hinter der Theke, was man hier so isst oder eher: früher gegessen hat, und bekomme ein Brot mit Spiegelei, ein Kännchen Kaffee und zwei Brötchenhälften mit Camembert und einer aufgeschnitten Bulette. Sieht wirklich toll aus vor der Kulisse mit dem vollen Aschenbecher, den Figuren aus dem Erzgebirge und dem Konterfei von Ernst Thälmann an der Wand…

Die anderen Gäste sehen zum Teil so aus, als gehörten sie zum Inventar und würden sich die DDR zurückwünschen. Und ganz ehrlich, auch wenn es mit den Augen eines „Wessis“ unlogisch klingt: nach allem, was ich im Osten gesehen, was ich in der kurzen Zeit erlebt habe, werde ich sie nicht dafür verurteilen.

Gegen 1230 erreiche ich Schöppenstedt, gegen 1330 habe ich die Lampe an. Gottl schlägt vor, dass wir direkt Aperol-Spritz gegen die Hitze trinken, und ich habe nichts dagegen. Ich hab ja auch irgendwo Urlaub und heute soll mein mehr oder weniger freier Tag sein.

Mehr oder weniger, weil ich die 75 zum Schluss durchaus hügeligen Kilometer natürlich schon noch auf dem Rad zurücklege. Aber meine Beine sind so schlapp, dass ich fast die ganze Zeit über mit Motor fahre. Mir tun die Knie weh, die Vorderbremse schleift. Ich kann einfach nicht mehr. Der halbe Tag Pause heute ist mittlerweile auch dringend notwendig.

Nach der Begrüßung und den zwei Aperol-Spritz beschließen wir, erstmal jeder für sich ein Nickerchen einzulegen und uns später am Pool wiederzutreffen. Ich stelle vorher noch schnell eine Maschine an und falle in einen traumlosen Schlaf, aus dem ich erst zwei Stunden später wieder aufwache.

Nach der ersten Poolsession schrauben wir an unseren Fahrrädern herum – ich umwickle die Schutzblech-Halterung vorne neu mit Panzertape und tausche die Bremsklötze vorne aus, die ich schon seit Bayern mit mir herumtransportiere. Die eigentlich leicht defekte Vorderbremse hat tatsächlich noch 500km durchgehalten ohne zu murren.

Abends essen wir Erbensuppe (Gottl macht die Beste!) und reden bei einem Glas Ramazzotti über die Familie und wie sich manche Charaktereigenschaften über Generationen hinweg weitervererben.

Es ist schon fast Mitternacht und beinahe Schlafenszeit, als wir beschließen: wir hüpfen noch einmal in den Pool! Nightswimming quasi, denn wir haben beide nichts dabei an.

Nach 3 Minuten im immerhin noch 28 Grad warmen Wasser stellen wir fest: Schön, dass mal gemacht zu haben, aber reicht dann auch schon. Ab in die Kiste. Morgen geht es weiter nach Hannover. Noch einmal eine etwas kürzere Etappe. Und danach hoffentlich mit neuer Vollkraft zum Endspurt Richtung Sylt.

Gottl hatte sich drauf eingestellt, dass ich 3-4 Tage bleibe. Jetzt wird es nur einer. Das ist schon irgendwie der Nacteil an einer solchen Reise: man rauscht nur so durch…

Was mir vom Osten in Erinnerung bleiben wird:

  • Die Leute grüßen eher seltener als in Bayern oder Niedersachsen
  • Gucken sogar eher weg als dich an, wenn sie dich sehen
  • Teilweise richtig schlechte Wegstrecke, teilweise richtig gute
  • Mit den Logos regionaler Fußballvereine (meist Drittligisten) verzierte Stromkästen an beinahe jeder Ecke, in jeder Region der dort vorherrschende Verein. Fast so, als erfülle der Verein die Funktion der Identitätsstiftung.
  • Steppenartige Landschaft
  • Teils wunderschöne Gegenden: überrascht haben mich die Saalelandschaft, das Vogtland und Chemnitz
  • Wann immer ich dann doch direkten Kontakt mit den Locals hatte, dann waren es sehr nette, geradlinige Leute.

Nein!

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Wild Campen (Etappe 12)

Soso, der Herr Aventurer will sich immer nur ins gemachte Nest legen. So läuft das aber nicht!

Ich stehe spät auf und packe dann erstaunlich schnell zusammen. Trotzdem: Vom Moment des Aufwachens bis zum Moment des Losfahrens liegt bei mir immer etwa 1:10h.

Was ich heute auch tue, ich komme nicht so richtig in den Tritt. Ich schleppe mich durch, mache viele Pausen, genieße aber auch die Landschaft entlang der Saale. Sie ist teils wunderschön, teils komme ich mir vor wie in der Steppe des Mittleren Westens. Es hat seit Wochen kaum geregnet, Autos auf Feldwegen wirbeln Staub auf, die Gegend ist völlig ausgetrocknet. Zwar ungewohnt aber auch irgendwie interessant.

Würde hier ein Strauch durch die Gegend wehen – man wäre auch nicht überrascht.

Und dann beschließe ich, wild zu campen.

Eigentlich wollte ich das schon die ganze Reise über mal tun, vor allem in Bayern, aber da haben die ein besonderes Auge drauf, letztendlich hat sich die Gelegenheit nicht ergeben und vielleicht war auch einfach die Zeit noch nicht reif. Jetzt ist sie es irgendwie schon.

Klar wird mir das Ganze eigentlich erst, als ich nach 125 km Tour heute um 1930 Uhr vor dem geplanten Zeltplatz an einem See nahe Staßfurt stehe. Eine ältere Dame ist so nett, mich auf dem Rad dahin zu begleiten, auch wenn ich sie kaum verstehe. Sie nuschelt noch mehr als ich. Es ist eine ganze Seenplatte hier, und ich denke mir: wäre doch gelacht, wenn sich da kein Plätzchen fände. Und falls nicht, gehst du halt zurück zum Zeltplatz.

Aber das Umrunden der Seenplatte ist weniger ergiebig als gedacht. Überall sind Fußgänger, Angler, es stehen Zelten-verboten-Schilder, die ich natürlich beachte. Oder die Seen sind Tümpel, an denen es von Mücken wimmelt. Nee, lieber nicht.

Als ich endlich nahe einem Feld plötzlich einen Fleck entdecke, der sich ziemlich gut zum Zelten eignen würde, habe ich meinen Schwung längst verloren und beschlossen, zum offiziellen Campingplatz zurückzukehren.

Der Weg dahin führt aber plötzlich 2 Meter recht steil runter in einen ausgetrockneten Graben und auf der anderen Seite wieder hoch. Runter geht es einfach, aber mit meinem schwer beladenen Rad und über den staubigen Boden komme ich auf der anderen Seite nicht mehr rauf. Ich stecke schließlich im Graben und komme weder vor noch zurück. Fluchend lade ich meine schwere Reisetasche ab. Vorwärts ist es aber immer noch zu steil. Ich schaffe es nur noch zurück, und komme wieder an das Fleckchen, das sich ideal zum Zelten eignen würde. Na, wenn das mal kein Zeichen ist!

Also beschließe ich kurzerhand da zu bleiben und es zu tun: wild campen! Es ist noch etwa eine Stunde bis Sonnenuntergang. Der Teampelpfad, neben dem ich zelten möchte, ist abgelegen und doch recht ausgelatscht. Aber in der Nacht wird hier keiner mehr vorbei kommen, da bin ich mir sicher. Dann eher früh morgens ein paar Frühsportler oder Gassigeher. Ich sollte also nicht zu spät wieder aufbrechen.

Bevor ich mein Zelt aufschlage, gehe ich den Weg zu Ende, den ich mit dem Rad nicht geschafft hatte. Etwa 200 Meter hinter meinem Platz liegt der See. Es ist die Rückseite desselben Sees, auf dem sich der Campingplatz befindet. Eine Senke führt hinab, das Wasser ist klar. Da ist niemand weit und breit. Ich hätte nicht übel Lust, mich auszuziehen und spontan reinzuspringen. Und dann tue ich das einfach:

Ich habe schon mal wild gecampt. Als Teenager mit zwei Freunden oder vor ein paar Jahren im Autocamper in Schweden und Nordnorwegen. Aber noch nie alleine im Zelt, geschweige denn allein im Wald.

„Wenn du ein ganzer Mann werden willst, ist eine gute Übung, einmal eine Nacht alleine im Wald zu verbringen!“

Fragt mich nicht mehr, in welchem YouTube-Video oder Lebenshilfe-Buch ich den Spruch aufgeschnappt habe. Aber er ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Bin ich denn kein ganzer Mann? Tja, was definiert einen modernen Mann? Und was davon bin ich nicht? An mir aufgefallen ist, dass ich schon oft den bequemen Weg gehe, deutlich harmoniebedürftiger bin als andere Männer, mir meiner selbst sehr oft unsicher bin und alles, was uch tue sehr, sehr oft hinterfrage. Das sinf Dinge, die mich selber auch stören. Kuriert man das mit einer Nacht im Wald? Na ja, so einfach wohl nicht. Aber schaden kann es schon nicht und ausprobieren wollte ich es schon immer mal. Also jetzt.

Ich baue mein Zelt auf und stelle es so hin, dass es zumindest nicht auf den allerersten Blick erkannt werden kann. Der Platz liegt am Waldesrand neben einem Feld. In einigen hundert Metern Entfernung liegt eine kleine Behausung. Vor Sonnenuntergang checke ich noch einmal die Zufahrtswege. Ich treffe niemanden an, nur am See höre ich in einigen hundert Metern Entfernung noch eine andere Gruppe. Aber sie und mich trennt der Graben. Sie haben eigentlich keinerlei Grund, hierhin zu kommen.

Bevor ich mich zum Schreiben dieser Zeilen vors Zelt setze, drehe ich noch eine Runde. Es ist wunderschön hier, dazu ein traumhafter Sonnenuntergang. Ein Schwarm Vögel zieht über mir her. Als sie eine Kurve fliegen, klingt es, als würde ein Pfeil abgeschossen. Zwei Rehe hoppeln kreuz und quer über den Weg und scheinen mich gar nicht wahrzunehmen. Ansonsten bin ich alleine mit mir und meinen Gedanken.

Mein Vater war ein großer Naturfreund, mehr noch als ich. Meine Eltern waren mit uns Kindern immer in Bayern oder in Österreich -während meine Freunde mir Postkarten von Mallorca, Rhodos oder Teneriffa geschickt haben. Wir sind durch Wälder gewandert und haben aus Gebirgsbächen getrunken, gar nicht weit von der Stelle, an der ich neulich im Fichtelgebirge entlang geradelt bin.

Damals fand ich das schrecklich uncool und eintönig. Heute denke ich: war doch eigentlich sehr schön und sowieso viel mehr mein Ding. Das merke ich jetzt. Als ich dann Jahre später mal mit Freunden einen Strandurlaub auf Mallorca gemacht habe, habe ich mich schrecklich gelangweilt, mir am dritten Tag ein Fahrrad gemietet und bin damit nach Palma gefahren. Tja….

Kristine war die letzte Frau, die ich wirklich geliebt habe. Mir fallen gleich auf Anhieb 20 gute Gründe ein, warum wir nicht gut zusammen passen und es gut war, dass wir uns getrennt haben. Aber es ändert nichts daran. Liebe muss nicht logisch sein, ich vermisse sie immer noch. Und es tut gut, dieses Eingeständnis hier aufzuschreiben. 🙂

Während ich diese Zeilen schreibe, ist es Nacht geworden. Aber ganz dunkel ist es nicht, es ist Vollmond. Die Sicherheitsleuchten der zahlreichen Windräder in der Gegend (der 1-zu-1-Ersatz für Kohleschornsteine) leuchten in der Ferne. Es hat bestimmt noch 22 Grad; es ist deutlich wärmer als in den Nächten davor. Grillen zirpen, es riecht nach Heu. Im Gebüsch raschelt es. Gerade kam ein lautes Brummen aus dem Wald, das wie von einem Wildschwein klang. Aber nur ein vorbeigehender Mensch würde mir gerade wirklich einen Schrecken einjagen.

Dann mal ab ins Zelt jetzt, irgendwie mit Gottvertrauen die Nacht durchstehen und als ganzer, entschlussfreudiger Kerl wieder aufwachen.. 🙂 Wird schon werden.

Mittlerweile weiß ich, was mich gestern getriggert hat. Manu und ich saßen in einem Straßencafe und wollten Neuigkeiten austauschen, als der Typ, der neben uns saß, einen alten Freund erspäht hatte, der gerade vorbei ging. Die beiden sind sich lautstark in die Arme gefallen und haben ihr Wiedersehen gefeiert – 20cm von meinem Kopf entfernt.

Was macht man in so einem Moment? Ich hätte sie bitten sollen, sich einfach kurz hinzusetzen und am Tisch weiter zu reden. Aber ich wollte auch ihren Moment nicht zerstören. Statt dessen habe ich versucht, dagegen anzureden und bin irgendwie in eine Tonlage geraten, die mir gar nicht liegt, die ich aber ab da auch nicht mehr abgestellt bekommen habe. Und das hat dann diesen unguten Automatismus in mir ins Rollen gebracht. Werde das mal weiter beobachten… Sehr interessant.

Die letzten Tour-Tage verlaufen ähnlich. Ich hole mir morgens irgendwo einen Kaffee, esse meist 1x in einer Dönerbude oder, wie heute, beim Thailönder eine kleine Mahlzeit und falle am Nachmittag irgendwann in einen Supermarkt ein, Discounter bevorzugt. Denn die haben ein Regal mit frischen Backwaren, die ideal für 1 Mahlzeit sind. Dazu kaufe ich Snacks,, oft Eiskaffee aus dem Kühlregal oder einen to go, Und in letzter Zeit viel Mineralwasser, denn hier im Osten haben sehr viele Friedhofsbrunnen (wo ich sonst normal Wasser wieder auffülle) kein Trinkwasser.

Es ist auf jeden Fall praktisch und beängstigend zugleich, wie gut das Netz von Lebensmittelmärkten überall in Deutschland ist. Klar hast du nur die Wahl zwischen Penny, Netto, Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und vielleicht mal Norma. Aber du bekommst darin zum günstigen Preis alles, was du an Lebensmitteln brauchst. Eine echte Errungenschaft.

Morgen soll es eigentlich „nur“ schnell die 80 km zu Gottl (meinem Onkel) in Schöppenstedt gehen. Die würde ich am liebsten schon morgens abreißen, den Nschmittag im Pool verbringen und wenigstens mal 1/2 Tag Pause machen. Aber jetzt spricht Komoot plötzlich von einer schweren Tour. 🙄

So, die Mücken fallen über mich her, die Geräusche nehmen zu, ich fange an Gespenster zu sehen. Schnell ins Zelt! 🙂 Gute Nacht!

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Neusee(n)land (Etappe 11)

Es wird der erwartet schlappe Tag. Ich schlafe lang, dann haben mich Kerstin und Holger noch zum Frühstück bei sich eingeladen. Wir klönschnacken bis beinahe 12, dann rolle ich doch mal los, zunächst in Richtung Chemnitzer Innenstadt:

Doch, Chemnitz ist weit hübscher als gedacht!

Danach komme ich irgendwie kaum vorwärts. Dabei ist die Etappe heute eine der einfachsten. Nur 80 km und bloß zwei nennenswerte Steigungen. Aber mein Akku scheint nach den zwei Bergetappen völlig leer.

Noch dazu kämpfe ich mit der Allergie. Meine Nase ist zu und ich fühle mich, als wäre ich von der Bergbahn überfahren worden. In einem kleinen Ort namens Lunzenau gönne ich mir ein Eis und einen Kaffee. Als ich dabei zufällig mein Spiegelbild am Tresen sehe, erschrecke ich fast: Ich sehe aus, als hätte ich Drogen genommen. Liegt das wirklich an den drei Bieren gestern oder bin ich neuerdings auch gegen Ambrosia oder Beifuß allergisch?

Als es danach den Berg rauf geht, schmerzen mir die Knie und Beine…

Es wäre wohl mal Zeit für einen halben Tag Pause. Ich spekuliere auf übermorgen bei Gottl im Pool. 🙂

Es ist dann 1730, als ich auf dem Zeltplatz am Markkleeberger See ankomme, etwa 10 km südlich von Leipzig. Steht da Neuseeland auf dem Schild?! Ach so, Neuseenland. Muss erstmal reichen…

Der Platzbetreiber steht direkt draußen vor der Rezeption, als ich komme und flachst: „Du willst nicht dass ich mich endlich mal hinsetzen kann, hm?“ Er hat sich gerade ein Bier aufgemacht, erklärt mir kurz die Details und schließt mit den Worten: „Und dann bekomme ich von dir nen Zehner. Normal 12,50, aber…“ – guckt rüber zu seinem Bier – „gibst mir 10 Euro und es passt.“

In Leipzig treffe ich Manu. Wir essen was, reden über die alten Zeiten, und ich bekomme sogar noch eine kleine Stadtführung. <3

Aber irgendwie triggert das was in mir. Mein ganzes, neu gewonnenes Selbstbewusstsein kommt mir mit einem Mal so klein vor. Dabei habe ich durchaus schon was erreicht. Fast die Hälfte der Strecke liegt hinter mir. Sogar den Aldi-Äquator habe ich überschritten. Warum mache ich mich immer so klein dabei?

Aldi-Nord-Gebiet erreicht.

Abends zurück auf dem Platz, komme ich im Waschraum mit einem anderen Camper ins Gespräch. Anfangs verstehe ich nur die Hälfte, denn er söchselt stark. Später wird es etwas besser. Er erzählt mir von seinem Job in einem Flüchtlingsheim und wie ausgebrannt er sei. So sehr dass er es manchmal sogar an den Heimbewohnern auslasse, was er eigentlich nicht wolle.

Was an dem ganzen System schief laufe? Die Netten, die eigentlich wirklich Grund hätten, hier zu bleiben, weil sie wegen Hunger, Krieg oder aus politischen Gründen geflüchtet waren, könnten und würden dann auch schnell wieder abgeschoben werden. Diejenigen, die er unsanft als Drogenhändler, Vergewaltiger, Einbrecher etc. bezeichnet, dürften bleiben.

„Und wie das?“, frage ich? Wer straffällig wird, bekomme einen Prozess, sagt er, und könne in der Zeit nicht abgeschoben werden. Und solche Prozesse könnten sich ziehen. Und wer dann in der Zeit noch einmal straffällig wird, bekommt noch ein Verfahren. Ein klarer Fehler im System und diese Ungerechtigkeit halte er nicht mehr aus. Zumal diejenigen ihre Rechte genau kennen würden.

Neulich hätte sein alter Chef bei ihm geklingelt. Einfach so, wäre gerade in der Gegend gewesen, wollte mal hören, wie es ihm so gehe und ob er nicht zurückkommen wolle. So kommt der Fachkräftemangel auch ihm zu Gute, auch wenn sich am System leider nichts ändere.

Nachtrag noch zu Holger: Holger ist ein Selfmademan, der sich zusammen mit Kerstin vor 12 Jahren ein Grundstück mit einem baufälligen Haus gekauft hat. Das haben sie inzwischen zu einem wunderschönen, kleinen Reich renoviert. Er war früher ein Rockmusiker, sogar in einer recht populären Band. Sie betreiben jetzt ein kleines Fotostudio auf ihrem Gelönde. Er hat im vergangenen Jahr drei Wochen lang an der Ahr geholfen. Zum Instrument greift er immer wieder blind.

Und unsereins kann gerade mal ein paar Akkorde auf der Ukulele klimpern und schreckt davor zurück, seine Wohnung neu zu tapezieren (bzw. zu enttapezieren)…

Nein, vergleichen will ich mich nicht, das macht nur unglücklich. Aber großen Respekt zollen, mir Holger und Kerstin in mancher Hinsicht zum Vorbild nehmen und ihnen hier noch einmal herzlich für die Unterlunft danken, das kann ich. 🙂 Ihr seid jederzeit herzlich willkommen in Bonn!

Leipzig hat richtig schöne Ecken:

Mit etwas Glück wird die Nacht heute nicht so kalt, ziemlich sicher aber laut. Direkt hinter meinem Zelt geht eine Straße lang, um die Ecke noch eine, man hört die Autobahn in ca. 500m Entfernung und, ach ja, Einflugschneise scheint auch noch zu sein. Meine mitgebrachten Ohrstöpsel werden Premiere feiern. Ich murmele mich ein und träume von Neuseeland. Gute Nacht!

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Chemnitz (Etappe 10)

Wieder eine bitterkalte Nacht. Das darf doch eigentlich nicht sein. Wir haben Hochsommer! 🤨

Ich fürchte nur, für 10 Grad Nachttemperatur und leicht darunter ist meine Ausrüstung gar nicht ausgelegt. Der Schlafsack hält keinerlei Kälte ab, das Zelt lässt jeden Windstoß durch und wird schnell auch innen nass, und zu allem Überfluss wird die Luma die Nacht über dünner. Dabei war ich extra mit ihr im Ammersee um zu prüfen, ob sie Luft verliert. Nichts gefunden.

Nachts um 2 wache ich auf, fröstelnd, befreie mich aus dem Schlafsack, gebe der Luma noch was Luft, ziehe zwei Pullover und lange Hosen übereinander an und versuche es so nochmal. Warm ist es nicht, aber so geht es so gerade.

Um 7 klingelt der Wecker, aber es ist noch dunkelgrau auf dem Zeltplatz. Hey, so läuft der Deal nicht! Wenn schon kalte Nacht, dann morgens wenigstens Sonnenstrahlen bitte! Ich warte noch eine Viertelstunde, bis die dann endlich um die Ecke kommen, lasse mich kurz aufwärmen, dann stehe ich auf, mit gemischten Gefühlen.

Denn gestern war schon hart, aber heute kommt sie, die eigentliche Königsetappe. 118 km bergauf und bergab, noch länger, noch hügeliger, noch mehr Höhenmeter:

Aber gut, nit lamentieren. Stier bei den Hörnern packen! Ich hole mir noch einen Kaffee an der Rezeption, lasse mein Zelt und meine nassen Klamotten ein wenig antrocknen, um 0915 geht es los.

Ich plane, extrem sparsam zu fahren heute, den Akku nur einzuschalten, wenn es gar nicht mehr anders geht. Der Vorsatz hält genau bis zum ersten Hügel, den ich ohne Motor nicht hinauf komme.

Aber kaum habe ich die bayerische „Staatsgrenze“ Richtung Vogtland verlassen, wird die Gegend noch einmal hübscher. Weite Felder, kleine Bäche, Talsperren, hügelige Landschaft, und teils marode Altbauten aus (Vor-)DDR-Zeiten, teils moderne Neubauten.

Besonders gut gefällt mir dann das Erzgebirge. Alter Bergbauern-Charme:

Und urige Ortsnamen:

Nur die Strecke ist wie erwartet Hardcore. Sehr viel Steigung anfangs, und weil ich nicht genau ausrechnen kann, was da noch kommt, fahre ich die erste Hälfte der Strecke ohne Akku, wo es nur geht. Und es gibt viele Steigungen. Ähnlich wie gestern, nur noch länger. Kaum eine Abfahrt, schon geht’s wieder rauf. Dazu oft eine schlechte Wegstrecke und Gegenwind.

Zum Schluss habe ich genug Akku übrig, um den Rest entspannt angehen zu lassen. Ein top ausgebauter Fahrradweg, auf dem es zudem noch bergab geht, ist mit vergönnt. Ich kann die letzten 15 km immerhin völlig ausrollen lassen. Aber ich bin auch froh, mein persönliches Alpes d’Huez jetzt hinter mir zu haben.

Versöhnt werde ich mit dem Besuch bei Holger und Kerstin in ihrem kleinen „Freistaat“, einer Insel in Mitten einer alten Bergarbeiter-Siedlung.

Beim Lagerfeuer kommen wir auf Ihre Geschichte zu sprechen. Sie sind beide in Chemnitz aufgewachsen und haben sich noch zu DDR-Zeiten in der Schule kennengelernt. Sie hatten dann erst so etwas wie eine On-Off-Beziehung, bevor sie dann ein paar Jahre später geheiratet haben. Als ich darüber staune, erklären sie, dass die Sexualmoral in der DDR damals liberaler war als im Westen. Hatte ich so auch noch nicht gewusst.

Mir fallen die Augen zu. Noch dazu, dass die letzten beiden Etappen echt anstrengend waren und die Nächte eisigkalt, scheine ich kein Bier mehr zu vertragen. Im Sinne von: ich bekomme dann starke Heuschnupfen-Symptome, mir schwillt die Nase zu und die Augen jucken wie Hulle. Nicht gut. Oder?

Immerhin bin ich froh, in Kerstin und Holgers Gästezimmer unterzukommen und dann nach den beiden kalten Nächten mal wieder in einem richtigen Bett schlafen zu können. Morgen geht es dann weiter nach Leipzig.

Das Morgentau-Lied

Text: Jürgen Vielmeier (insp. by Hoffmann von Fallersleben), Melodie: Joseph Haydn (t.b.d.)

Morgentau, o Morgentau, Wer hat dich bloß bestellt?

Das Fußende vom Schlafsack nass, die Zeltwand eingedellt.

Und gehst hinaus, kriegst’s Füße nass, die Beine schwer wie Lot.

Morgentau, o Morgentau, du Trübsal in der Not.

Ach, wartest du nur lang genug, dann brennt die Sonn‘ dich fort.

Doch selten so viel Zeit du hast, musst fort an‘ nächsten Ort.

Morgentau, o Morgentau, triffst jeden groß wie klein.

Ob 50-Euro-Festival-Bau ob Oppland-Kuppel-Zelt.

Morgentau, o Morgentau, bist’s Blödste auf der Welt.

Morgentau!

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Fichtelgebirge (Etappe 9)

Ich will eigentlich ausschlafen, werde aber doch um 0830 wach. Mein Platznachbar aus Hannover will seinen Camper von der Steckdose losmachen, wofür der Betreiber eine Kabeltrommel auf dem Grundstück der Dauercamperin von gestern deponiert hat:

„Guten Morgen, entschuldigen Sie, wenn ich eben auf Ihr Gelände komme.“

„Morche, dös o koi Problem ned.:

„Ich muss den Stecker für mein Wohnmobil ausstecken.“

„Wos ist do mit däm Roadler?“

Sie meint mich. Ich hatte gestern an der gleichen Kabeltrommel herumfuhrwerkt, um meinen E-Bike-Akku daran aufzuladen, ihn aber inzwischen längst wieder abmontiert.

„Der hängt da ja schon gar nicht mehr dran. Das geht schon.“

„Se könne des Gschoid grod dorlorn.“

„Nein nein, wir können die Trommel hier stehen lassen, hat der Betreiber gesagt.“

Ich höre das alles in meinem Zelt und lache mich dabei heimlich kaputt. Sie meinen beide dasselbe, aber reden völlignaneinander vorbei.

Als ich alles gepackt habe und der Dame zum Abschied zuwinke, ruft sie „Mogst noch a Koffee“ rüber.

Verdammt, die sind wirklich super herzlich, gastfreundlich – und wissen immer genau, was ich gerade brauche. 🙄 Wie machen die das nur?

Uns gelingt ein bisschen Smalltalk. Sie geht gleich noch arbeiten, als Reinigungskraft, sie ist Dortmund-Fan, ihr Mann Bayern-Fan. Der Kaffee ist erstaunlich gut. „Die Bohnen san frisch gemolen“, sagt sie. Vielleicht hinterfragt sie die Dinge doch etwas mehr als ich gestern noch dachte…

Die Gegend ist wieder einmal schön, aber es geht heute 100 km über Stock und Stein. Immer wieder steil hoch, dann wieder runter, steil hoch, runter und dann gleich noch einmal steil hoch. Es gibt kaum mal eine Atempause, der Motor röllert wie besessen, einige Hügel haben über 10% Steigung und selbst auf Stufe 2 komme ich manchmal kaum vorwärts. Ich scheine im Fichtelgebirge gelandet zu sein. Und ich segne die Erfindung des Automobils – und des E-Bikes.

Aus dem letzten Loch pfeifend und mit fast leerem Akku komme ich ein paar Kilometer hinter Hof am Zeltplatz an.

Ich will eigentlich nur mein Zelt aufbauen, im Liegestuhl auf den See hinaus schauen, alle Viere von mir strecken und dabei ein gutes Buch lesen. Aber dazu komme ich natürlich nicht. Denn ich lerne Peter und Beate im Waschraum kennen.

Die erste Waschmaschine hat meine dreckigen Klamotten nur geschleudert, na toll. Die zweite Maschine wäscht wirklich, gibt aber danach die Tür nicht mehr frei. Sofort scharen sich die Umstehenden, die gerade beim Spülen sind, zusammen, um mir zu helfen. „Vielleicht mal mit Gewalt“, schlägt einer vor. „Nee, wirf lieber noch mal 50nCent nach“, sagt eine Frau. „Die war vielleicht noch nicht fertig“. „Okay“, sage ich, „aber ich habe kein 50-Cent-Stück mehr“. „Och, wir haben noch viele davon“, sagt ein Dritter. „Kommste eben mit. Unser Camper steht gleich da vorne.“

Und das sind Peter aus Beate aus der Nähe von Husum, wo ich tatsächlich noch vorbei komme. „Wenn du auf deiner Tour bei uns da oben bist, kannst du bei uns übernachten oder im Garten zelten‘, bietet Beate an. Da kennen sie mich seit noch nicht einmal 5 Minuten… „Neinein, das ist zu großzügig, aber ich werde auf jeden Fall klingeln, wenn ich vorbei komme.“

In etwas über einer Woche ist es so weit. Wir haben Nummern ausgetauscht, und ich bin sehr, sehr gespannt, ob wir das auch wirklich durchziehen. 🙂

Heute habe ich ein paar Dinge organisiert. Ich habe allen, die ich unterwegs noch besuchen will, ein Ungefähr-Datum genannt und auf dem Klo heute Morgen eine Rückfahrkarte für kommende Woche Freitag gelöst (ich liebe Mobile Shopping). Dann bin ich rechtzeitig wieder in Bonn, um die Vereinsmeisterschaften zu gewinnen – oder zumindest daran teilzunehmen. 😉

Das mit der Rückfahrt ist etwas kompliziert. Einen Stellplatz fürs Rad habe ich nur ab Hamburg. Von Sylt bis dahin muss ich mich irgendwie mit Regionalexpressen durchschlagen, weil die Bahn nichts Anderes anbietet. Aber wird schon schief gehen. Mit Fahrrädern auf Sylt – was soll man denn damit? Das macht bestimmt keiner außer mir… 🙄

Jeder See, jeder Fluss, jede Talsperre in Bayern, an der ich vorbeikomme, hat zu wenig Wasser. Die Gegend ist staubig, die Ernte auf den Feldern sieht vertrocknet aus. Die, die hier wohnen, machen sich echte Sorgen. Man kann die Auswirkungen des Klimawandels direkt hier ablesen.

Talsperre führt sehr wenig Wasser.

Da besser nicht als Paar hingehen. ☝️🙄

Hof ist auf den ersten Blick völlig abschreckend. Die Stadt hat selbst auf Radwegen kaum abgesenkte Bordsteine, sehr nervig. Es scheint eine sehe autofreundliche Stadt zu sein, und noch dazu brennt es, Hubschrauber kreisen, es wirkt surreal:

Als ich gerade in den Waschraum komme, beschwert sich ein kleiner Junge in einem bayerischen Dialekt, den ich kaum verstehe, über die beiden Powerbanks, die jemand neben den Waschbecken in eine Steckdose gesteckt hat. Die seien zu unsicher angebracht oder sowas. Ich stimmt ihm zu – und erwähne da noch nicht, dass die eine Powerbank von mir ist. 😬

Sie lädt übrigens nicht mehr so richtig gut. Drei Stunden am Strom und erst 2 von 4 Strichen. Das ist zu wenig.

Nachtrag: Als ich neulich die Panne hatte, hat Bene (!) etwas dazu gedichtet (!) und mir geschickt, und ich finde: er kann das! Seht selbst:

Voll ungeahnter Talente, der Mann!

Morgen geht es zu Holger nach Chemnitz, der mich zu sich eingeladen hat, obwohl er morgen eine kleine OP hat. Ich habe ihn vor zwei Jahren auf der Tour durch die Schweiz kennengelernt. Bin nach vier Tagen in Bayern (und das heute ist irgendwie schon Franken) jetzt auch ganz froh, mal wieder ein anderes Bundesland zu sehen. Keine Deutschlandtour ohne den wilden Osten!

Heute war ich einfach nur happy. Bin voll drin im Urlaub und scheine aktuell gar nichts zu verarbeiten zu haben.. Da kommt sicher noch was nach. Aber jetzt gehe ich wirklich mal noch eine halbe Stunde was lesen – und mich dabei dick im Schlafsack einmurmeln. Die Nächte hier sind bitterkalt.

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Intelligenz (Etappe 8)

Die Nacht wird eiskalt. Meine lange Hose und mein Pullover kommen zum ersten Mal zum Einsatz. Mein Nebencamper hat Geschichte studiert und verrät mir einen guten Merksatz zu Heinrich VIII. – der mit den vielen Frauen – darüber, welches Schicksal sie ereilt hat:

„Divorced, beheaded, died, divorced, beheaded, survived.“

Das hat er aber nicht an der Uni gelernt, da hätte der Prof in der 1. Vorlesung gesagt: „Jahreszahlen und Daten brauchen Sie nicht auswendig zu lernen. Es ist wichtig, dass Sie die Abläufe und Mechanismen der Geschichte verstehen lernen. 😀“

Dann bei genau dem Prof in der 1. Klausur die 1. Frage: „Wann war… ?“ 🙄😅

Gelernt hat er den Spruch bei Harald Schmidt.

Das Pärchen fand ich ohnehin sehr interessant. Sehr hipstermäßig gekleidet und im Auftreten. Im ersten Moment kam von ihnen nur ein flüchtiger, rausgemurmelter Gruß und ansonsten keinerlei Anstalten, mit mir in Kontakt zu treten. Ist ja okay, keiner muss und oft bin ich auch so drauf. Aber es führte auch bei mir dazu, dass ich keinen Kontakt aufnahm, einsam neben ihnen mein Zelt aufbaute, mir über sie Gedanken machte und sie im Geiste schon mit anderen Hipstern in einem Topf warf.

Als ich dann gut gelaunt vom Duschen wiederkam, weil ich praktisch mit jedem auf dem Weg von und dahin eine Viertelstunde gedmalltalkt hatte (siehe gestriger Post), erinnerte ich mich an mein eigenes, kürzlich hier aufgestelltes Motto: „Weniger annehmen, mehr reden“, fasste mir ein Herz und sprach sie einfach mit dem Standard-Opener an, einem freundlichen: „Und, wo kommt ihr her?“

Sie kommen aus Nürnberg und sind vielleicht ein klein wenig verschroben, aber doch sehr nette und vor allem entgegen des ersten Eindrucks erstaunlich gesprächige Leute.

Ja, doch, erstmal ansprechen, dann auch noch eine zweite oder sogar dritte Chance geben und wenn derjenige dann in eine Schublade gesteckt werden will, ist es dafür dann auch früh genug.

Morgens herrscht ein wenig Katerstimmung auf dem Platz, wohl aufgrund der kalten Nacht. Man grüßt sich noch flüchtig und wünscht sich eine gute Reise, aber es ist halt Morgen und nicht mehr ganz so fröhlich wie am Samstagabend davor. Hab vielleicht doch keine ewigen Freundschaften dort geschlossen, aber: muss ja auch nicht.

Mein Wecker klingelt um 8, aber ich komme schon wieder kaum raus. Ich muss die Tage wirklich mal irgendwo richtig ausschlafen…

Ich meditiere noch schnell. Und kaum habe ich meine Radlerhose angezogen und das Ventil der Luftmatratze geöffnet, bin ich hellwach.

Ich schaue raus: von den anderen Radreisenden sind auch alle noch da. Die haben sich also auch nicht früher aus dem Schlafsack geschält. Ich packe alles zusammen, und heute sitzt jeder Griff. Um 0915 rolle ich von Dannen Richtung Regensburg.. Hier mache ich mein erstes echtes Sightseeing. Und, jezaz, what a hell of a town!

Der Nachmittag auf dem Rad wird entspannt. Ich komme gut voran. Da sehe ich dann auf einmal in der Ferne einen Typen in kompletter Metaller-Uniform, der sein E-Bike schiebt. Aber dabei irgendwie komisch läuft. So als suche er was, dann als wolle er was auf einem Schild lesen, dann geht er wieder erstaunlich mittig auf der Straße. Braucht der Hilfe?

Als ich näher komme, merke ich: nee, dem geht’s gut. Der ist nur einfach lattenstramm – um drei am Nachmittag.

Das alles wäre auch gar nicht besonders berichtenswert, wenn nicht zwei Kurven später ein älterer Herr vor mir fährt, der auf seinem E-Bike mäandert. Nee, irgendwie muss da irgendwo die Riesenparty gewesen sein, zu der ich nicht eingeladen war. Und man muss in der Gegend hier anscheinend aufpassen, wer einem so auf dem Rad begegnet.

Gegen 1600 sehe ich in der Ferne einen Ort, der aussieht, als hätte er auch als Game-of-Thrones-Kulisse dienen können. Alte Türme, Gemäuer auf einem Berg, schick und gut erhalten. Ich verlasse meine geplante Route, radel den Berg rauf, schaue mir das genauer an und komme aus dem Staunen nicht mehr raus:

Vor allem, weil hier keiner ist! Ein paar andere Touris sind mit dem Auto raufgefahren, eine Radfahrer-Gruppe hämmert gegen die Tür des einzigen Biergartens, es gibt zwei Cafés, die geschlossen haben (an einem Sonntag in der Hauptsaison?!), nichts und gar nichts hat geöffnet. 50 Kilometer weiter südlich in Regensburg konnte man keinen Schritt tun, ohne auf einen amerikanischen Touristen zu treten. Und hier ist: keiner.

Es gibt sie also tatsächlich noch, diese unberührten Geheimtipps, die vom Massentourisssmus noch nicht entdeckt worden sind, obwohl sie Weltkulturerbe-Potenzial haben. Wenn ich jetzt verrate, wie der Ort heißt, ändere ich das, richtig? Also lieber tun oder lassen? Wollt ihr Touristenströme haben, liebe Stadt X?

Als ich mich meinem geplanten Zielort nähere (Weiden in der Oberpfalz) und mich nach Campingplätzen umsehen, merke ich: oha! Es gibt genau einen im Umkreis von 40 km und der ist einen Berg rauf. Wild campen? Wollte ich eh noch, mache aber den Fehler, das auf Google zu checken und finde raus: in Bayern allerallerstrengstens verboten.

Und so fasse ich einen Entschluss: ich fahre da jetzt hin, und wenn die mich abweisen solten, fahre ich einfach die ganze Nacht hindurch, denn ich bin irgendwie noch fit.

Die Auffaht wird ein Krampf, aber natürlich weisen sie mich nicht ab, nehmen mich sogar freundlich auf, und neben etlichen Dauercampern gibt es auch nur zwei andere Durchreisende; die Zeltwiese ist frei.

Als ich absattele, ruft mir der Dauercamper gleich nebenan zu: „Mogst a Bier?“ Ich überlege kurz, ich muss ja noch aufbauen und sage dann: ja. Warum eigentlich nicht.

Ich bekomme danach sogar noch ein zweites Mönchshof und werde eingeladen, mit dem Dude und seiner Frau auf der Veranda zu sitzen. Das sind die Momente, in denen ich mich ärgere, meine Kamera nicht dabei zu haben (denn mein Smartphne lädt zeitgleich an einer Steckdose, glaube ich zumindest). Denn – wie soll ich es wohlwollend – ausdrücken: das scheint mir nicht die geballteste Intelligenz zu sein.

Und mit solchen Urteilen tue ich mich immer sehr, sehr schwer. Ich bin auch nicht die hellste Kerze auf dem Leuchter. Aber die…

Zum einen sprechen sie nur Bayerisch. Das wirkt auf mich immer etwas unbeholfen. Mit der Frau bekomme ich kein Thema angeschnitten. Sie versteht inhaltlich nicht, was ich sage. Sie erzöhlt mir vom Höhner-Konzert gestern Abend im Fernsehen, als ich erwöhne, ich käme aus Bonn (kannte sie nicht) und das läge bei Köln. Ich werfe einen Blick in ihre Hütte: nah dran am Messi-Niveau.

Während wir da sitzen, läuft ein Baseball-Match im TV im Raum nebenan. Als ich das erwähne, schaltet sie auf den Tatort um, obwohl eh keiner hinguckt. Alles in allem ist – vielleicht formulieren wir es so – scheint das niemand zu sein, der die Dinge hinterfragt. Der Mann kommt mir etwas cleverer vor, aber auch ein wenig einfältig. Solche Menschen habe ich mein Lebtag noch nie getroffen. Ich wusste gar nicht, dass es das wirklich gibt.

Aber – wir haben alle Forrest Gump gesehen und wissen: es braucht keine Intelligenz, um ein guter Mensch zu sein und die Welt ein Stückchen besser zu machen. Und so fühle ich mich da irgendwie wohl. Sie sind nett zu mir, gastfreundlich, beziehen mich ins Gespräch ein. Und dann gab es ja noch die zwei Bier und, wenn ich gewollt hätte, Chips.

Herzlichkeit scheint keine Frage der Intelligenz zu sein. Zum Glück.

Als ich vor dem Schlafengehen noch einmal aufs Klo gehe und mir danach mit meinem Duschgel die Hände waschen will (es gibt keine Seife), merke ich: das ist gar nicht in meiner Kulturtasche. Ich hatte es nach der Dusche dort vergessen. Wenigstens hat es keiner geklaut. Als ich zurück ins Zelt gehe, baue ich meinen Stuhl schon einmal zusammen. Das Gestänge fällt auf einen Schuh aus meinem zweiten Paar (warum hatte ich die überhaupt ausgepackt?), prallt ab und reißt fast ein Loch in meine Luma. Ich öffne meine Tasche, um das Ladekabel für meine Powerbank darin unterzubringen. Mache die Tasche zu, stelle fest, dass ich den Ladestecker draußen vergessen habe.

Wie gesagt: auch nicht die hellste Kerze auf dem Leuchter…

Bin ich wenigstens gastfreundlich? Herzlich?

Ich fürchte, bei dem Wettbewerb gewinnen meine dauercampenden Zeltplatznachbarn.

Damn!

Camping 1&1:

  • Der alte Bundeswehr-Biwak-Trick, im Schlafsack weniger anzuziehen (nur Unterwäsche), damit es dadurch wärmer wird, wirkt in meinem Schlafsack so gar nicht. Ich frier mir den Honk und ziehe jetzt lange Klamotten an.
  • Das Smartphone ist die ideale Jukebox im Zelt: laut genug für dich selbst, zu leise als dass es sonst jemand hören würde.

Hm. 🤔

Schon schöne Gegend hier in der Oberpfälz.

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Andere Menschen (Etappe 7)

P.S. Die Internetverbindung hier ist sehr schlecht. Ich kann hier vom Zeltplatz keine Bilder hochladen. Reiche ich nach!

Ich habe das Gefühl für Zeit und Raum verloren. Und das ist gut. Wo ich bin, welcher Tag ist und wohin ich eigentlich als nächstes fahre. Wenn heute Etappe 7 ist, dann bin ich also schon 1 Woche unterwegs und heute muss Samstag sein. Aber irgendwie ist das alles auch egal. 🙂

Der Tag beginnt wenig heroisch. Caro hatte mich gefragt, wann ich frühstücken wolle und ich hatte „8 Uhr“ gesagt. Um 0830 komme ich zu mir und hätte auch problemlos noch drei Stunden länger schlafen können. Caro steht tatsächlich schon mit allem bereit. Der Rest ist ähnlich unfit wie ich und kommt nach und nach an den Tisch geschlurft.

Es hat die ganze Nacht geregnet, ist morgens nur noch halb so warm wie am Vortag, und ich bummele vor mich hin. Mir fehlt die Motivation loszufahren. Ich weiß auch noch immer nicht recht wohin. Caro und ich analysieren zusammen die Karte und finden einen Weg mit einer nicht ganz so hohen Steigung durch den Thüringer Wald. Es gibt sogar einen offiziellen Radweg von Oberbayern bis an die Ostsee. Der ist insgesamt viel zu lang. Aber einen Teil davon kann ich nehmen.

Erst um kurz vor eins fahre ich schließlich los. Heute werde ich nicht weit kommen, das weiß ich schon. Aber das ist okay. Erstmal einfach nur ca. 100 km weiter nach Norden und dann irgendwo auf nen Zeltplatz. Eine entspannte Tour auf dem Rad. Als ich losfahre, fühle ich mich direkt pudelwohl. Ich bin glücklich, wenn ich fahren kann.

Und Niederbayern gefällt mir irgendwie. Es ist sehr löndlich, die Leute grüßen freundlich, an einem Biergarten ist ein Volksfest mit traditioneller Band, ich komme durch ein Hopfenanbaugebiet, und langsam wird es wieder etwas hügeliger.

Ich lasse mir extrem viel Zeit, fahre meistens mit Akku, mache viele Pausen, Fotos, kaufe mir Brötchen und Kekse in Supermärkten und tanke Energie. Am Nachmittag kommt plötzlich doch noch die Sonne raus und es werden noch fast 30 Grad. Vor einer alten Kirche esse ich zu Abend.

Und kaum später als sonst komme ich nach 95 gefahrenen km an einem Campingplatz nahe der Donau vorbei, obwohl ich mir eigentlich einen anderen ausgeguckt habe. Mein Kopf sagt: „Weiterfahren! Die 100 voll machen!“ Mein Bauch sagt: „Steig hier ab!“

Ich höre zur Abwechslung mal auf den Bauch, und so treffe ich sie…

  • Die Besitzerin, die mir zu einer Schiffstour zum Kloster Weltenburg rät. Aber dann auch wieder abrät, weil die Boote gerade wegen Niedrigwasser gar nicht fahren.
  • Der Vater der Familie vom Chiemsee, die mit Rädern unterwegs ist, mit einem Aufblassack (ja, sowas gibt es!) das Aufpusten meiner Luftmatratze beschleunigen will (es dauert länger) und sich dann eine Viertelstunde mit mir über Gott und die Welt unterhält.
  • Den Mann aus dem Schwarzwald, der mit seinem Sohn auf dem Rad unterwegs ist und der noch zwei Wochen lang immer weiter gen Osten fahren will
  • Das Ehepaar, das hier in Kelheim Urlaub macht, und mir zum Besuch des Hundertwasser-Dorfs, zur Jahrhunderthalle und zu diversen Brauereien rät. Mit der Frau unterhalte ich mich eine Viertelstunde lang im Waschraum (der hier irgendwie unisex ist) über Ernährung, Toten-Hosen-Konzerte und Radreisen.
  • Das Pärchen aus Nürnberg gleich neben meinem Zelt, das einen eigenen Kanuverleih hat und hier zum Ausspannen hinkommt.

Sie alle haben Zeit und Lust zum Reden. Und ich irgendwie auch. 😀 Unterwegs hatte ich mir überlegt, dass ich heute Abend eigentlich am liebsten mit einem guten Buch im Liegestuhl sitzen würde (woraus aufgrund der vielen guten Gespräche nichts wird). Zwei klare Indizien dafür, dass ich endgültig im Urlaub angekommen bin.

Ich glaube, ich kann das jetzt, ich kann mit Leuten reden. Zumindest wenn die das auch wollen und ich selber auch Lust dazu habe. Negativbeispiel war vielleicht der etwa gleichaltrige Typ, der mir vorgestern im Biergarten unterhalb von Neuschwanstein gegenüber saß und der auch alleine war. In der Zeit, in der ich sanft an meiner Hax’n gezupferlt und vier, fünf Bissen genommen hatte, hatte er seinen ganzen Schweinebraten weginhaliert.

Ich hab ihn dann trotzdem angesprochen und wir haben bisschen gesmalltalkt. Ich hab ihn dann sogar noch gefragt, ob er auf ein Bier rüberkommen mag, war dann aber tatsächlich eher froh, als er verneinte, er hätte noch eine weite Fahrt vor sich.

Mit dem hatte ich letztendlich wenig Lust zum Reden. Aber sonst sind die mir sympathischen Menschen bisher eindeutig in der Überzahl. Im Alltag rede ich auch selten mit anderen Menschen, aber ich glaube, das ist schlicht Trägheit. Eigentlich kann ich das, mag ich das, hätte ich das am liebsten täglich.

Ich habe das all die Jahre nicht gewollt und mich in mein stilles Kämmerlein zurückgezogen. Aber mir damit auch all die schönen Momente entgehen lassen, die man mit anderen Menschen haben kann.

Mal sehen, was sich da in Zukunft machen lässt.

Camping-1&1:

  • Nichts trocknet Dinge besser als Fahrtwind. Nach 2 Stunden vorne auf dem Lenker ist jedes Kleidungsstück trocken
  • Gegen Mücken auf einem Zeltplatz, der gleichzeitig Bauernhof und nahe eines Flusses ist, helfen nicht mal zwei Lagen Kleidung und zwei Runden Autan. Ergh!
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Oberbayern (Etappe 6)

Die angedachte Königsetappe ist keine – die kommt erst noch. Das heute von Füssen nach München ist dann doch überraschend einfach zu fahren, ohne nennenswerte Steigungen, auch wenn die App was anderes suggerierte. Und ganz nebenbei ist sie arm an Sehenswertem. Das Allgäu hat mich umgehauen. Oberbayern ist – zumindest auf meiner Stecke – im Vergleich dazu so meh:

Bis auf die Seen natürlich. Gegen Mittag komme ich am Ammersee vorbei, hätte eigentlich Lust, am See was zu essen und auf die Weiten des Meeres (er ist echt groß) rauszuschauen, aber viel mehr noch: einfach reinzuspringen. Und das tue ich dann einfach spontan, als ich vom Radweg aus einen kleinen Kieselstrand erspähe. Während ich mein Zelt noch einmal aufbaue, damit es vom Morgentau trocknen kann, schnappe ich mir die Luma und paddele aufs Wasser raus.

Als ich mich zum Trocknen auf meinem Campingstuhl fallen lasse, kommt ein niedlicher Hund auf mich zu gesprintet, der mich entfernt an Lucy erinnert (Nickys und Juans leider inzwischen verstorbenes Schaf im Wolfspelz). Er stupst mich ungefragt erst von links, dann von rechts an. Die Besitzer sind außer sich: „Whisky, kommt da weg, aber echt jetzt mal!!!“. Aber ich bin erstaunlich gelassen: „Schätze, er mag mich halt“, sage ich zum Besitzer, der sich vielmals entschuldigt.

Bevor es Lucy gab, habe ich Hunde gehasst und als störende, überflüssige Hindernisse gesehen. Mittlerweile freue ich mich über die meisten Hunde. Es gibt sehr viele, sehr sehr hässliche Hunde, die in meinen Augen wirklich die Welt nicht braucht (jaja sicher, jedes Lebewesen ist ein Lebewesen usw. Aber kann man nicht einfach nur niedliche Hunde züchten?). Aber ich sehe Hunde jetzt mit anderen Augen. Lucy hat mich therapiert.

Ich weiß noch gar nicht genau, wohin es morgen weiter geht. Regensburg wäre in 1 Tag machbar, Nürnberg für einen Tag zu weit. Die eigentliche Königsetappe kommt aber ohnehin erst dann: denn da scheint noch ein Riesen-Mittelgebirge zu sein, von dessen Existenz ich noch nichts wusste und dass sich auf dem Weg nach Norden nur schwer umgehen lösst. Wie heißt das, und wo kommt das jetzt plötzlich her? 🤨

Komme heute bei Caro unter. Caro hat zwei Jungs und beide sind gut geraten. Und mit beiden scheine ich mich recht gut zu verstehen. Ich glaube, denke, behaupte, ich könnte das jetzt auch. Also so ein Kind großziehen… 🤔

Nicht alle mir entgegen kommende Radreise-Pärchen, aber sehr, sehr viele:

Ich: 😀👋

Mann (fährt vorneweg): 🥸🧐🤨

Frau (eine Radlänge dahinter): 🙂👋

Ob die wohl eine glückliche Beziehung führen?

Genug für heute, ich probiere mal, etwas Schlaf nachzuholen. Bin sehr dankbar, dass ich heute bei Caro übernachten darf, denn es wird die ganze Nacht regnen.

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Mein Glück-im-Unglück-Tag (Etappe 5)

Ich ersteige der Luma mit einem ganz anderen Gefühl als zuletzt. Bin voller Energie, gut drauf und weiß instinktiv: heute wird alles klappen. Zumindest irgendwie.

Noch irgendwo zwischen Toilette, Rezeption (wo ich ohne Schlange einen Morgenkaffee bekomme) und meinem Platz buche ich ein Ticket für Neuschwanstein. Es gibt noch eine Tour um 1600 Uhr. Wird schon klappen!

Aber dafür muss ich binnen 1 Stunde in Göppingen sein, unbedingt den RE um 0929 erwischen und mich auf dem Rad sputen.

In Rekordzeit packe ich alles zusammen und sitze um 0840 auf dem Rad. Google Maps sagt: 45 Minuten bis Göppingen, Komoot sagt: 1 Stunde. Oha, das wird knapp!

Zumal es steil bergauf geht. Und ich meinen E-Bike-Akku nicht aufladen konnte, also sparsam sein muss. Aber hier habe ich Glück im Unglück: Die Bahn-App zeigt eine Verspätung von 10 Minuten an. Und so komme ich verschwitzt aber überpünktlich in Göppingen an. Und kann sogar noch zwei Leute am Fahrstuhl vorlassen, darunter eine ältere Frau auf einem Rollator. Und dann unterhalten wir uns später auf dem Gleis völlig unverkrampft für eine halbe Stunde. Weil die Bahn immer mehr Verspätung aufnimmt. Meinen Anschlusszug werde ich verpassen.

Ich zücke das Handy und reserviere noch eine Neuschwanstein-Führung um 1655 nach – für Presseleute, was deutlich billiger ist. Jan hat mir dazu geraten. Wenn das mal gut geht!

Als meine Bahn dann eine halbe Stunde später endlich kommt, ruft der Schaffner gleich hinaus: „keine Fahrräder mehr, keine Fahrräder“. Oha. Doch Glück im Unglück: direkt gegenüber steht eine RB, die auch nach Ulm fährt. Ich mache auf dem Absatz kehrt und schiebe mein Fahrrad in Richtung des erdtbesten Abteils. Die Schaffnerin, die dort steht, macht mir sogar die Tür auf.

Der Anschlusstug Richtung Kempten steht am gleichen Gleis. Der Zug steht 1/2 Stunde vor Abfahrt da, ist noch relativ leer, aber im Fahrradabteil lehnen schon zwei Fahrräder. Ich lehne meins kurzerhand an eins der beiden anderen. Ob die Besitzer das wohl okay finden? Die Frau, der das Rad gehört, kommt im gleichen Moment aus dem WC nebenan und winkt ab: „Machen Sie nur“.

Ich sichere mir einen Platz mit guter Sicht auf mein Fahrrad, freue mich dass ich sogar eine Steckdose am Vierersitz habe und gehe noch einmal zurück zu meinem Rad, um in der Tasche nach der Powerbank zu fischen. Im gleichen Moment setzt sich eine ältere Frau auf den Platz gegenüber und legt ihr Smartphone auf den Minitisch. Als ich wiederkomme, kramt sie in ihrer Tasche nach etwas. Sie wird doch nicht… doch sie wird. Die alte Frau schlägt mich im Schlussspurt um die einzige Steckdose. 🤨

Aber auch hier wieder Glück im Unglück. Ich komme im Laufe der Fahrt auch mit ihr ins Gespräch (das dürfte mir auch gerne mal bei jüngeren Frauen passieren, nicht immer nur älteren 🤨🤨) und sie bietet mir an, dass ich die Steckdose ab der Hälfte der Fahrt noch benutzen könne, um meine Powerbank aufzuladen.

Ich komme erst um 1230 in Kempten an, gebe einem Musiker, der vor dem Eingang sitzt und sich in einem kurzen Gespräch als Aussteiger vorstellt, mein letztes Kleingeld und fahre los, verfahre mich, hetze durch diese gar nicht einmal so hübsche Stadt und werde danach erst einmal kilometerweit bergauf geschickt. Komoot spricht von 4 Stunden, Google Maps immerhin noch von 3. Wie soll das bloß klappen?

Die Steigungen sind teils immens. Ich komme selbst mit Motor kaum voran. Wenn das jetzt bis Füssen so weiter geht, haben wir 1 Problem!

Tut es zum Glück nicht. Es wird nach und nach was flacher. Und als ich einen Wegweiser sehe, auf dem „Füssen 23 km“ steht, gebe ich nochmal Stoff. Wegweiser können Lahme zum Gehen bringen.

Als eine Baustelle meine Abfahrt versperrt und ich kurz halte, kommt ein kleiner Junge auf mich zu. „Man kann da rechts rum fahren, dann den Berg rauf und dann kommt man zum Rathaus“, hilft er mir, ohne zu fragen, wohin ich eigentlich will. „Aber ich muss nach Füssen!“, entgegne ich. „Ich glaube, ich fahre da rum, und dann passt das schon.“ – „Ja, das geht auch. Und wenn nicht, kann man ja irgendwo klingeln und nach dem Weg fragen.“

Sicher kann man das. 😄

Ich fliege nach Füssen oder eher Brunnen, einem Vorort, checke auf dem Campingplatz ein und bin tatsächlich um 1510 da. Die Sonne brennt, ich triefe, baue in Rekordzeit mein Zelt wieder auf und weiß: das wird nichts mehr mit 1600. Glück im Unglück dennoch: 1655 müsste ich schaffen, und tue ich dann auch. Man lässt mich rein, will keinen Presseausweis sehen (Kudos, Jan!) und dann: Neuschwanstein! Yeah!

Die Gegend ist wunderwunderschön. Schade, dass ich nicht länger bleiben kann und so durchhetzen muss. Aber irgendwie geht es auch nicht anders. Vielleicht ist die Tour aber auch dazu gut, um mal zu sehen, wo man eigentlich noch so Urlaub machen könnte. Im Allgäu wäre ich sofort dabei!

A propos Allgäu: Auf dem Rückweg komme ich an einem Biergarten vorbei, auf dem eine Blaskapelle spielt (siehe WhatsApp und Instagram Stories). Es ist ein bizarres Schauspiel, aber die Bayern scheinen ihre Traditionen zu lieben. Ich komme ins Grübeln: welche Traditionen habe ich eigentlich? Man kann das sonderbar finden mit den Bayern, ihren Bergen, Bier und Blasmusik. Aber es verordnet einen Bayern klar auf der Landkarte. Ich bin ein bisschen neidisch und nachdenklich – oder vielleicht einfach nur platt.

Telefoniere danach noch kurz mit (dem Original-Rheinländer) Jan. Fühle mich besser danach.

Ich wollte eigentlich früh schlafen gehen. Bin total entkräftet und hab ein leichtes Schlafdefizit. Und morgen soll es in einer echten Gewaltetappe bei Hitze, Regen und Gewitter nach München gehen, wo ich Caro und Kerstin wiedersehe (freue mich). Die erste echte Etappe der Süd-Nord-Reise. Wünscht mir Glück!

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Krise und Glück (Etappe 4)

Ich weiß nicht genau, woher sie kommt. Mein kaputtes Fahrrad ist es schon nicht. Aber am Abend, nachdem ich mich noch mit Nico zum Tapasessen treffe, bekomme ich die Vollkrise. Ich bin traurig wie schon lange nicht mehr und kann noch nicht mal genau sagen warum.

Und ich lote meine Optionen aus. Ein neues Fahrrad zu kaufen steht ebenso noch im Raum wie abends nach Bonn zu fahren, wo Juan und Britta gemeinsam Geburtstag feiern (dachte ich zumindest). Mein Zimmer hatte ich am Morgen schon vorsorglich um eine Nacht verlängert, was kein Problem war (außer dass ich noch ein Zimmer weiter ziehen muss, bald habe ich sie alle durch)…

Ich esse eine Falafel zu Mittag. Der Besitzer streitet sich erstaunlich scharf mit seinem Sohn, der nach Stuttgart ziehen will.

  • „Und was willst du da machen?“
  • „Arbeiten“
  • „Als was?“
  • Ich putz da Zimmer, dann hab ich mehr Freizeit. Hier muss ich nur arbeiten.

Hm.

Ich besuche ein Fahrradgeschäft in der Innenstadt. Der Besitzer bietet mir ein gebrauchtes Carbon-Rennrad für 1.800 an, das neu etwa 6.000 bis 7.000 kosten würde. „Kann man da auch Schutzbleche und einen Gepäckträger drauf montieren“, frage ich? „Klar, im Prinzip schon“.

Ich verspreche, es mir zu überlegen und verlasse den Laden, als ich einen verpassten Anruf entdecke – mit Karlsruher Nummer. Ich rufe sofort zurück.

Und tatsächlich. Mein Fahrrad ist schon fertig. Ich bin sogar in der Nähe und stürme sofort den Laden. Der Besitzer schraubt es noch zusammen, gibt mir ein paar Tipps, ist sich sicher, dass ich noch bis Sylt damit komme und verlangt dann nur 85 Euro. Yay!

Und jetzt? Bei einem Kaffee in der Eisdiele unten überlege ich kurz, aber nicht lange. Schade um die 46 Euro für das Zimmer, aber es soll weiter gehen. Ich entscheide mich für den Zug, schreibe dem Apartmentbetreiber dass er das Zimmer auch meinetwegen gerne noch mal weiter vermieten kann und schiffe mich Richtung Stuttgart, dann nach Plochingen ein. Den Rest der Strecke zum Campingplatz nach Aichelberg fahre ich Rad, um noch bisschen den Kopf frei zu kriegen.

Und holla die Waldfee, ist es hier schon bergig. Und ich wollte ernsthaft ohne Motor noch so manche Berge rauf. Freue mich plötzlich sehr über mein E-Bike.

Hier habe ich tatsächlich mal gewohnt:

Also genau hier…

Nee. Man soll nie nie sagen, aber dahin muss ich nicht zurück…

Mein zweitgrößtes Erfolgserlebnis heute: Eine Vierstelstunde kang mit meinen niederländischen Nebencampern geredet, fast alles verstanden und fast alles sagen können, was ich wollte. 😃 Gefreut haben sie sich auch.

A propos Freude: Die Freude in den Augen des italienischen Küchenpersonals, wo wir aßen, als sie Rainers und Melanies Hunde erspähten:

Nebenbei: ich glaube, ich möchte eigentlich gar nicht mehr alleine arbeiten oder alleine sterben. Ich mache sehr viel alleine, weil mich andere Menschen einfach immer irgendwie überfordert haben, wenn ich sie zu lange um mich herum hatte. Aber ich merke mittlerweile: so schlimm ist das gar nicht, und ich vermisse nette Vor-Ort-Kollegen und einen netten Menschen an meiner Seite.

Morgen dann der Plan, mich halb mit Bahn, halb mit Rad bis Füssen durchzuschlagen. Dann kann die eigentliche Tour dann bald beginnen – vor der ich mittlerweile einen Heidenrespekt habe.

Das ist übrigens Rainer neben mit. Habter mal ein Bild von einem meiner treuesten Leser 😃:

Und hier noch ein schönes Nachtbild:

Und das sollte witzig sein. ☝️ Aber ich konnte hier nicht näher ranzoomen, dann verliert es auch seinen Joke. Auto parkt halt auf dem Fahrradparkplatz…

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Bikepacker ohne Bike (Etappe 3)

„Oh nee, das sieht gar nicht gut aus. Und wir haben da auch nicht das richtige Zeug für“, sagt der unfassbar nette, voll tätowierte Hipster. ‚Aber es gibt da einen Laden, der dir vielleicht helfen kann. Sag denen, dass ich dich geschickt habe!“

Und so komme ich denn nach einem sehr langen Vormittag ungeplanterweise in Karlsruhe an.

Nachts raschelt es bedenklich auf dem Zeltplatz, und hin und wieder brummt auf dem Rhein ein Kahn vorbei. Aber sonst schlafe ich wie ein Baby. Am nächsten Morgen zeigt mir mein Nebenzelter Nico die Tafel Schokolade, die er nachts vor seinem Zelt vergessen hat 😲

Es ist einer der schönsten Zeltplätze, die ich kenne und das Betreiber-Pärchen ist mit Herzblut bei der Sache. Aber das mit den Ratten… na ja…

Ich bin der Letzte auf dem Zeltplatz heute, hab es nicht ganz so eilig, verabschiede mich von Nico, der Familie und dem Betreiberpärchen und fahre dann ganz gemütlich los Richtung Stuttgart.

Last Man Standing auf dem Zeltplatz

Nach etwa 20km treffe ich plötzlich Nico wieder, der vor einer Absperrung nicht weiter kommt. Wir dachten eigentlich dass wir unterschiedliche Wege hätten, weil er nach Karlsruhe will. Aber nun fahren wir ein Stück zusammen. Macht Spaß, mal mit jemandem zusammen zu fahren, auch wenn es nur 5 Kilometer sind.

In einem kleinen Ort sehe ich das Schild zu einem Fahrradgeschäft und fahre spontan hin. Seit Tagen suche ich eine Werkstatt, die mal einen Blick auf die Acht in meinem Hinterrad werfen könnte. Aber alle Radläden unterwegs haben gerade Mittagspause, generell geschlossen oder Sommerferien. Und der nun hat jetzt auch Mittagspause ab 1300. Es ist 1300 Uhr, ich rüttele an der Tür aber sie ist zu. Na dann, wie immer, erstmal mal weiter. Als sich die Tür dann plötzlich doch noch öffnet, der Besitzer rauskommt – und mein Verhängnis wird.

Denn er wirft ganz entspannt und nett einen Blick auf mein Hinterrad, bestätigt dass das eine veritable Acht habe und das anscheinend schon lange (wusste ich) und fügt en passant hinzu dass die Felge gerissen wäre. „Die wird irgendwann ganz auseinander brechen. Das wird jetzt nur noch schlimmer.“ Bis Sylt käme ich damit eher nicht mehr, geschweige denn bis Neuschwanstein.

Felge gerissen

Und jetzt? Müsste repariert werden. Entweder neues Hinterrad, kostet zusammen mit Nabe um die 600 und müsste erstmal jemand da haben, jetzt gerade wo Ersatzteilkrise ist. Oder neue Felge und dann noch mal gerade richten. Kostet etwas über 100 Euro, aber dafür müsste man erstmal jemanden finden, der passendes Werkzeug und vor allem dafür Zeit hat. Er leider nicht.

Etwas niedergeschlagen bedanke ich mich, lasse ihm noch den Rest seiner Mittagspause und gönne mir selbst eine. Viel ist nicht los an dem Ort, aber es gibt einen Dönermann, bei dem ich etwas Vegetarisches bestelle, und eine Eisdiele.

Plötzlich kommt mir eine verrückte Idee: Im Grunde fällt mein Bike schon halb auseinander (etwas übertrieben gesprochen). Die Gangschaltung macht schon lange Probleme, der Bremsschlitten lässt sich nicht mehr ganz festziehen, der Ständer und die Klingel, dazu manchmal das Display…. Es sind hauptsächlich Kleinigkeiten, aber spätestens nach dem Trip hätte ich das E-Bike eh verkaufen wollen und wäre auf was ohne Motor umgestiegen. Warum nicht jetzt gleich Nägel mit Köpfen machen, das alte in Zahlung geben, ein neues kaufen?

Long story short: Um 1400 stehe ich erneut in seinem Laden und schlage ihm genau das vor. Even longer story even shorter: Wir finden nichts Passendes und er dafür etliche, leider stichhaltige Gründe, warum er mein E-Bike lieber nicht kaufen würde. Ich ziehe geschlagen von dannen, aber die Idee bleibt. Und so setze ich mich, weil der kleine Ort immerhin einen S-Bahn-Anschluss hat, in die nächste Bahn in die nächste Großstadt: Karlsruhe.

Und kaum bin ich da, buche ich direkt ein Zimmer für nur 46€ die Nacht (Zeltplätze sind VIEL zu weit draußen) und fahre direkt zum ersten Fahrradgeschäft, wo ich auf den liebenswerten Hipster treffe. Der nächste Laden schickt mich auch direkt eins weiter, und der Dritte, ein Spezialist für Rennräder, erbarmt sich schließlich meiner. Er könnte mir anbieten, das bis Ende der Woche „auszuwuchten“. Ende der Woche?! Wir haben gerade mal Dienstag. Aber ich habe mitbekommen, wie ausgelastet jede Radwerkstatt von hier bis zum Mississippi gerade ist. Und ich will nicht immer nein sagen, habe eh keine Alternative und sage erstmal zu.

Schon gut angeschwitzt durch die Fahrten durch die Stadt (dafür taugt das Rad gerade noch) schleppe ich dann meine Taschen vom Fahrradgeschäft bis zur Tram, frage eine alte Frau nach den Weg, muss umsteigen, erreiche meine Bleibe direkt am Bahnhof, gebe den Code ein, bekomme den Schlüssel, öffne die Tür und sehe, dass das Zimmer offensichtlich noch nicht gemacht worden ist:

Das nicht jetzt auch noch! Ich rufe den Vermieter an, der sofort erstaunlich hilfsbereit und emsig wird und sich vielmals entschuldigt. Und tatsächlich: binnen 5 Minuten die Lösung: ich werde kurzfristig auf das größere Nebenzimmer upgegradet, muss dafür nur eben den Schlüssel unten in der Eisdiele nebenan holen. Öh, okay.

Das tue ich dann auch noch, die Italiener sind sehr hilfsbereit und siehe, wenige Minuten später ziehe ich in ein präsidiales Zimmer. Für nur 46 Euro!

Dort liege ich jetzt und schreibe diesen Post. Abends treffe ich Nico noch einmal und wir trinken und essen was zusammen. Und Karlsruhe ist schon schön. Gefällt mir hier!

Und wie es jetzt weiter geht?

Ich habe noch nicht die leiseste Ahnung!

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Familie (Etappe 2)

Ich hatte zwei Möglichkeiten heute Abend. Mich mit einem Drink am Mannheimer Stadtbad bei herrlicher Abendsonne an den Rhein zu setzen oder mit der Familie abendzuessen, mit der ich mich bei meiner Ankunft angefreundet hatte. Ich habe überraschenderweise letzteres gewählt.

Als ich nach 160 km heute endlich am Ziel ankomme, ist die Rezeption schon geschlossen. Öh. Und jetzt?! „Kein Problem“, sagt der Camper, der direkt daneben mit seiner Familie sein Zelt aufgeschlagen hat. „Schnapp dir einfach einen Platz und sag denen morgen Bescheid. Die schicken hier normal keine Radfahrer weg.“

Dabei hatte mein Tag ziemlich chaotisch angefangen. Die Nacht war laut und kurz, ich bin immer wieder hochgeschreckt. Netto habe ich kaum Tiefschlaf abbekommen. Um 0630 stehe ich einfach auf und packe zusammen. Nur um dann festzustellen, dass mein quasi leeres Handy überhaupt nicht geladen hat. Es hat meine Powerbank über USB-C als Zubehör angesehen und dann einfach nichts gemacht. Na toll!

Die Rezeption hat noch zu, ich fahre also schonmal los und bekomme schließlich ein Dorf weiter bei Rewe ein passendes Ladekabel, frühstücke bei der Gelegenheit. Komme aber nicht so richtig in den Trott heute. Alle paar Kilometer bremst mich was aus, ich finde den Weg nicht mehr, das Smartphone braucht 3h zum Laden und mein Rückrad eiert. Ja tatsächlich, da scheine ich eine Acht reingefahren zu haben, was natürlich sensationell ist…

Okay, das Frühstücksambiente ist wenigstens ganz nett. 🙂

Und ein paar Kilometer weiter in Bingen komme ich zufällig an dem Zeltplatz mit Biergarten vorbei, in dem ich vor zwei Jahren abgestiegen war, und ich beschließe spontan, da meinen zweiten Kaffee zu trinken. Und weil ich mich da an das beste Helle erinnere, das ich je getrunken habe, bestelle ich gleich eins mit. Biertrinken um 10 Uhr morgens?! Na ja, es ist Urlaub. Habe ich außer an Karneval meines Wissens noch nie so früh, aber musste mal ausprobiert werden.

Stellt sich als keine gute Idee heraus. Ich komme in schlechte Stimmung, meine Gedanken kreisen um negative Themen. Und zu allem Übel gurke ich stundenlang in Mainz rum. Ich suche ein Fahrradgeschäft, das mir kurzfristig wegen des Rückrads helfen könnte, aber finde keins. Esse was an einer Pommesbude und ärgere mich über mich selbst. Bisher noch kein einziges Vitamin in meiner Nahrung heute. Später suche ich einen Friedhof, um meine Wasserflasche wieder aufzufüllen, finde nur einen den Berg rauf und schalte zum ersten Mal auf der Reise meinen E-Bike-Motor an. Müde sinke ich wenig später am Rhein im Schatten auf eine Parkbank und mache erstmal ein Schläfchen:

Es ist schon 1530, als ich endlich aus Mainz rausko.mme. Erst knapp 70 km habe ich geschafft. Doch dann komme ich plötzlich in den Nachmittagsflow, komme plötzlich besser voran und überlege mir kurz vor Worms, hier eigentlich Schluss für heute zu machen. Das Problem: es gibt keine Campingplätze, die zu erreichen wären. Der nächste ist tatsächlich erst der in Mannheim, auf dem ich vor zwei Jahren schonmal war. Und so lasse ich mich von Google Maps dorthin leiten, fliege in einem Gewaltakt die letzten Kilometer nach Mannheim, schleppe mein Zeugs zwischendurch notgedrungen eine steile Brücke rauf und wieder runter, warte ewig vor einem Bahnübergang, nur um hinterher festzustellen, dass es die Brücke dahinter gerade gar nicht gibt:

Und erreiche schließlich um 19:56 die Rezeption, die eigentlich bis 2000 auf haben sollte.. Aber, ja, anscheinend, hoffentlich wirklich, kein Problem.

Der Junge der Familie erzählt ein bisschen was und erklärt beiläufig, dass sie seit 3 Monaten unterwegs seien. Auf den Kanaren gestartet, dann über Marokko, Spanien und Frankreich mit dem Rad nach Deutschland zurück.. Musstet ihr gar nicht in die Schule, frage ich? Nein, die Eltern hätten da Gesetze gewälzt und rausgefunden dass bis zu 2 Monate gingen. Der Rest dann Sommerferien. Oha, und jetzt zurück in den deutschen Alltag… Ich frage sie, ob sie sich darauf freuen. Die Kinder (ca. 11 und 14) so: „jaaa“! Die Eltern sagen nichts.

Sehr nette, sehr aufgeweckte Leute! Beim Abendessen erzählen sie von ihrer Reise. Der Junge sagt, ihm sei aufgefallen, dass ich vor dem Aufpusten meiner Luftmatratze auf die Uhr geschaut hätte (in der Tat, ich wollte heute einfach mal wissen, wie lange ich dafür brauche, 1:30 min) und später, als mein E-Bike-Akku geladen ist, dass jetzt sogar die Leuchte am Ladegerät grün sei. Vorher habe sie orange geleuchtet. Aufmerksamer Typ das!

Ich hatte eine eigene Familie für mich eigentlich immer ausgeschlossen, weil ich mir irgendwie nicht im Geiste ausmalen konnte, wie das ohne Trauer und Drama funktionieren kann. Noch dazu habe ich sowas immer als Klotz am Bein gesehen; keine Freiheit mehr. Aber ich sehe immer wieder Beispiele, wo es eben doch gut funktioniert. Eine Familie zu haben, kann etwas richtig Schönes sein. Muss ich einfach mal anerkennen.

So, und wie ich diese Zeilen schreibe, schnarchen hinter mir schon die ersten auf der Zeltwiese. Es ist nach Mitternacht, die Ratten quietschen (hier gibt es einige!). Ich hab mich noch eine Stunde sehr gut mit meinem Nebenzelter Nico aus Oldenburg unterhalten. Sehr netter Typ und ich habe mir fest vorgenommen, gute Gespräche nie durch etwas wie Bloggen zu verkürzen. Aber jetzt Zeit schlafen zu gehen. Weil morgen… hui, mal sehen! Gute Nacht!

Es gibt sie wirklich:

Stadtbad Mannheim:

Ich habe den Kellerschlüssel, den ich neulich verloren habe und für den ich das Schloss knacken musste, heute früh in meinem Portemonnaie wiedergefunden. 🤔

Fluss des sichelförmigen Mondes:

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Gevatter Rhein (Etappe 1)

Ich plane, um 1100 Uhr loszufahren, es wird 1330. Zwischendurch packe ich zu Ende, versuche noch einmal den Ständer mit Panzertape aus dem Auto am Rad zu fixieren. Es klappt nicht, ich lasse ihn zu Hause. Frühstücke und fechte diverse Kämpfe mit der inneren Stimme aus: „Fahr erst morgen, was soll das? Was willst du da eigentlich? Du verzettelst dich da! Oder fahr erst gar nicht, chill lieber auf dem Balkon! Das ist doch eh alles ne Nummer zu groß für dich!“

Ach, halt doch die Schnauze, innere Stimme!

Ich gehe noch einmal auf den Balkon, lasse mir den warmen Wind um die Ohren wehen und atme ein paar Mal tief durch. Dann packe ich zusammen und fahre los:

Bonn zieht sich eine Ewigkeit, ich brauche fast eine Stunde, um aus der Stadt raus zu sein. Aber schön ist Bonn dann irgendwo doch da an der Promenade. Ach, Gevatter Rhein!

Kurz hinter Remagen ist dann die Brücke über die Ahr weg. Weil das Flussbett fast ausgetrocknet ist, trippeln die Leute über eine Reihe von Steinen und schieben ihr Rad dabei. Ich natürlich auch – wobei ich mir einen Nassen hole. Aber es ist warm, das Wasser wie die Luft. Es macht nichts.

Der Weg dahinter ist holprig und eigentlich abgesperrt, aber ein paar Frauen und ich schlagen sich durch. Wir sind gerade aus dem Gehege raus, da kommt ein Typ von der Seite angefahren und brüllt laut: „Das scheint mir kein guter Weg nach Remagen zu sein!!!“

Ich habe mir vorgenommen, solchen Leuten nicht mehr zu antworten. Ist das einer von denen, die gerne Sheriff spielen wollen, will er Beserwisser spielen oder provozieren? Es klingt für mich so. Zumindest, bis er ein „Oder?“ hinterher schiebt. Vielleicht wollte er wirklich nur wissen, ob man da langfahren kann. Aber dann soll er danach fragen, wie jeder Andere auch!

Ich komme gut voran, die Gegend bin ich ja schonmal abgefahren. Aber ich bin nicht gut drauf, irgendwie emotional. Ich vermisse Kristine, mit der ich hier mal im Auto langfahren bin. Das ist alles grandios schief gegangen mit uns. Ach scheiße… Was, wenn meine innere Stimme doch recht hatte?

Aber Radfahren hilft und ich erinnere mich an frühere Fahrten. Zu Beginn das Gedankenchaos. Aber irgendwann, so nach 3-4 Stunden am 1. Tag, hört das für gewöhnlich auf.

Was auch mit der Grund ist, dass ich für heute noch nicht ankommen will, als ich gegen 1700 bei km 70 schon Koblenz erreiche und am gleichen Zeltplatz am Deutschen Eck vorbei komme, bei dem ich vor zwei Jahren halt gemacht hatte:

Ich bin schon überraschend kaputt, stelle aber fest, dass das auch schlicht daran liegen kann, dass ich bis hierhin noch gar keine Pause eingelegt habe. Die mache ich dann hier, schleiche mich kurz auf den Zeltplatz, um meine Wasserflasche wieder aufzufüllen. Dann fahre ich weiter. Es ist noch zu früh, um jetzt schon irgendwo anzukommen.

Im Süden von Koblenz verirre ich mich auf dem Weg zurück zum Rhein, finde den Radweg wieder und plötzlich kommen mir Scharen von Fußballfans entgegen, Bielefelder Fußballfans.

Und weniger später bin ich am Stadion. TuS Koblenz spielt offenbar im DFB-Pokal gegen Bielefeld. Das Spiel scheint sich dem Ende zu zu neigen, ich habe keine Ahnung wie es steht, aber die Bielefelder Fans mit T-Shirts, auf denen „Ultras“ steht, sind ruhig. Besoffen aber ruhig. Sie scheinen zu gewinnen. Zwei Reihen von Polizisten stehen ruhig daneben. Ich rolle langsam an dem bizarren Geschehen vorbei.

(Nachtrag: Es war nicht TuS Koblenz, sondern der FV Engert, der sich wohl das Koblenzer Stadion ausgeliehen hat. Bielefeld gewinnt 7:1.)

Aber hier wird die Gegend dann richtig schön. UNESCO Weltkulturerbe und ich mache viele kitschige Fotos:

Aber das Gedankenchaos kommt zurück: „Warum bist du immer alleine, warum vermasselst du alle deine Beziehungen, warum bist du immer so unschlüssig bei allem?“

Tja, wenn ich das wüsste…

Direkt unter der Lorelei ist ein Campingplatz, sehe ich auf Google Maps. Das wäre doch chefig und kitschig zugleich, hier ubterzukommen, denke ich mir. Ist bestimmt voll, aber fragen tust du! Und siehe da: es ist noch massig Platz. „Sie können sich aussuchen, wo Sie das Zelt aufschlagen“, sagt der Rezeptionist. „Nur die erste Reihe ist reserviert.“

Hier reiht sich in der Tat Camper an Camper, in der Mehrzahl aus Nederland. Aber ich finde tatsächlich noch einen freien Platz auf einer einsamen Wiese mit direktem Loreley-Blick. Hier lasse ich mich nieder und schlage das Zelt auf. Heute ist mir nicht nach Menschen:

Bis mir dann irgendwann doch noch nach Menschen ist. Nachdem ich alles aufgebaut und dabei das Deutschland-Spiel auf dem Handy gestreamt habe, nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und spreche meine niederländischen Nachbarn (ein altes Ehepaar) auf Niederländisch an: „Goedenavond, hoe gaat het me jullie?“

Es wird ein nettes Gespräch. Sie freuen sich offensichtlich, dass ich sie angesprochen habe, aber streamen nebenbei weiter das Finale auf dem Tablet (wie übrigens die allermeisten hier auf dem Platz!). Aber der Mann ist interessiert. Er merkt, dass ich nicht viel verstehe und verwendet einfachere Begriffe. Ich breche mir ziemlich einen ab, aber schaffe es, ganz Sätze zu formulieren und verstehe auch das meiste, was er sagt. Irgendwann bedanke ich mich und versuche, den beiden noch einen schönen Abend zu wünschen, was misslingt, aber nichts macht.

Hinterher muss ich strahlen wie ein Honigkuchenpferd. Ich schlendere über den Platz und jeder Zweite grüßt mich. (Grüßt man Menschen eher, wenn sie lächeln?).

Deutschland verliert das Spiel in der Verlängerung (sehr schade). Ich beschließe, nur noch diesen Text zu schreiben und dann schlafen zu gehen. Und das tue ich dann auch.

Day-Challenge: mich nicht über andere Verkehrsteilnehmer aufregen, selbst wenn sie als Fußgänger zu viert nebeneinander auf dem Radweg laufen. War anstrengend aber hat funktionieren müssen, auch weil meine Klingel zwischendurch den Geist aufgibt und ich die Leute dann mündlich bitten muss zur Seite zu gehen.

Der Gerät: Ich mache auf dieser Tour alles mit dem Smartphone: Fotos, Bloggen, Musikhören, EM-Finale der Frauen live streamen, den Weg finden… Schade dass es langsam ist, aber zumindest der Akku scheint was zu taugen. Hat immer noch 25 Prozent.

Luma: Meine alte Luftmatratze hatte Rock am Ring nicht überlebt. Sie war schwer aufzupusten aber unfassbar komfortabel, deswegen habe ich sie mir noch einmal bestellt. Und siehe da: der Hersteller hat das Aufblasventil verbessert. Aufpusten geht jetzt binnen einer Minute statt vorher so drei bis vier. How cool is that!

Merino: Stinkt ja nicht oder erst nach Tagen. Überlege deswegen jetzt ernsthaft, das gleiche Shirt, das ich auf der Fahrt anhatte und jetzt tatsächlich immer noch trage, auch zum Schlafen anzuziehen. Vielleicht ist mir dafür aber alleine der Gedanke zu fies…

Könnte laut werden heute Nacht. Züge, Autos, Partyschiffe, vor allem aber Lastkähne brummen hier vorbei. Na ja, bin aber todmüde, wird schon. Gute Nacht!

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Einmal durch die tiefen Lande

Die letzten Tage sind so dahin geflogen. Mittwochmorgen war ich noch in Nordholland, mittlerweile bin ich schon wieder zu Hause. Und auf dem Weg dahin ging es von Alkmaar durch Amsterdam nach Rotterdam, durch Gouda und Utrecht nach Arnhem und von dort über Düsseldorf zurück nach Bonn. Ein wenig wollte ich dem Regen entfliehen, ein wenig war es mir am liebsten, einfach unterwegs zu sein. Letztendlich musste ich aber auch zurück. Bleibt erstmal nicht viel als eine Menge Eindrücke. Hier in Kurzfassung.

Alkmaar: Eine richtig schöne kleine Großstadt, in der man gefühlt vom Boden essen kann. Bremstet natürlich.

Amsterdam ohne Massentourismus ist so, wie es mal gedacht war. Hübsch, gemütlich, herrlich entspannt.

Rotterdam ist die wohl modernste Stadt Europas. Ich hatte nichts erwartet und bin vor Staunen fast von einem der zahlreichen Leihmofas umgenietet worden.

Gouda hat einen sehr urigen Markt und natürlich viel gleichnamigen Käse.

Utrecht und ich hatten keinen besonders guten Nachmittag zusammen. Aber die Stadt hat eindeutig Potenzial.

Arnheim ist eine stille Schönheit. Modern und chic wie alle anderen Städte, die ich in NL gesehen habe. Und dabei erstaunlich hügelig.

Düsseldorf. Liegt bekanntlich nicht in den Niederlanden. Aber irgendwie lande ich in den letzten Wochen immer wieder dort und es gefällt mir besser, als ich je gedacht hätte. So sehr sogar, dass ich mir vorstellen könnte, dorthin zu ziehen. Spinnerte Ideen, die einen halt so während des Urlaubs überkommen.

Oder?

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Aangekomen

Nederland is leuk. Ik geloof dat ik naar een paar dagen hier aangekomen ben. De mensen zijn vriendelijk en de landschap is mooi. Maar zie voor jezelf!

Also lasst mich das mal kurz zusammenfassen. 20 Jahre sind die USA und ihre Verbündeten (auch Deutschland) in Afghanistan, um die Welt vom den Taliban zu befreien, die Demokratie zu stärken und das Land in eine verheißungsvolle Zukunft zu entlassen. Dann beginnt Ende Mai der Abzug, weil es jetzt endlich so weit ist und dann dauert es gerade mal ein paar Wochen, bis die Taliban kapitulieren die Mehrheit des Landes wieder an sich reißen, Kabul quasi kampflos einnehmen und Afghanistan wieder beherrschen noch bevor der letzte US-Soldat überhaupt das Land verlassen hat?

Das ist nicht nur ein zweites Vietnam (das nicht einmal halb so lange gedauert hat), das ist eine der größten militärischen Niederlagen in der Geschichte. 20 Jahre für nichts und wieder nichts. Meine Güte, was für ein Desaster!

Der Müller Gerd (75) ist tot. 🙁 Und was mich daran am meisten schmerzt, ist, dass Lewy seinen Jahrhundertrekord (40 Tore in einer Saison) kurz vor seinem Tod noch gebrochen hat. Nichts dass ihn am Ende das noch ins Grab gebracht hat. Vergessen werden wir ihn trotzdem nie. 💪🏻

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On The Road Again

Ich kenne kein Gefühl, das dieses Unterwegssein beschreibt. Das Leben reduziert sich auf zwei simple Dinge: du und dein Rad (und okay: abends das Zelt). Es geht nur irgendwie darum, sicher von C nach D zu kommen. Andere Aufgaben hast du an einem Tag fast nicht. Und wohl auch deswegen kommst du so dazu, das Chaos in deinem Kopf zu sortieren. Besser noch: es sortiert sich von selbst.

Noch intensiver habe ich dieses Gefühl eigentlich nur beim Pilgern erlebt. Beim Radwandern rauschst du noch was schneller durch, nimmst alles anders intensiv wahr. Und doch gibt es Gelegenheiten, Menschen kennenzulernen. So gut es geht und so gut man sie auch eben kennenlernen will…

Heute gleich zwei Komplimente für mein Niederländisch bekommen. Das erste von einer Professorin (bestimmt 15 Jahre älter als ich), die mich auf den Rad ansprach und wir ein Stück zusammen fuhren, bevor sie mich hinter sich ließ. Das andere von der Rezeptionistin am Campingplatz. Ich habe mir vorgenommen, immer Niederländisch zu sprechen, wenn ich die Formulierung weiß, selbst wenn der/die andere mir zuliebe die Sprache wechselt.

Ich wollte ein Best of Bisher einfügen. Aber die WordPress-App wollte nur ein einziges Bild hochladen. Mein Selfie vor der Abfahrt. Na dann…

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Anpassen?

Wenn du mal durch die alte Heimatstadt streifst, Jahre nachdem du sie verlassen hast, und in Erinnerungen schwelgst, weniger guten, natürlich. Dann fällt dir auf…

Na, eigentlich nur zwei Dinge. Dass du langsam deinen Frieden mit dieser Stadt und den alten Zeiten gemacht hast, dass selbst ein Spaziergang über den Hof deiner alten Schule bei dir keine Beklemmungen mehr auslöst. Dass im nächsten Jahr aber auch das Jahr wird, in dem du länger in deiner neuen als deiner alten Heimat gewohnt haben wirst. Dann aber noch was anderes.

Dass dein Wunsch dazu zu gehören, von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Konnte nicht gelingen. War niemandes Schuld. Nicht deine, nicht die der Anderen.

Wie viel Energie verbrät ein Mensch eigentlich wohl im Laufe seines Lebens darauf dazu gehören zu wollen und Dinge zu tun, an denen er keinen Gefallen findet, nur um doch keine Anerkennung zu bekommen von den Leuten, die er eigentlich gar nicht mag? Was könnte er mit dieser Energie noch alles, Sinnvolles, anfangen?

Komplett nach vorne schauen etwa, sich von dem Gedanken lösen, dass der Weg, den die Anderen eingeschlagen haben, das Normale ist und dass du unterschwellig darauf hin arbeitest, es ihnen gleich zu tun. Dass du sein kannst wie und erreichen kannst, was du willst. Egal wo, auch oder gerade fernab dieser Stadt, in der du aufgewachsen bist. Weil du sie im Grunde trotz allem irgendwo liebst, ihr das Beste wünschst, ihr sogar das eine oder andere zu verdanken hast, ihr aber auch nichts schuldig bist. Nicht das geringste.

Woran du halt so denkst, wenn du nach Jahren mal wieder durch die alte Heimatstadt schlenderst…

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Campingplatz-Rezeptions-Aventure

Ich stehe mit vollgepacktem Rad vor dem Eingangshäuschen, das Rollo ist heruntergelassen. Ein anderer Camper kommt vorbei und weist auf ein Schild daneben, auf dem eine Telefonnummer steht. Da müsse ich anrufen, wenn ich den Rezeptionisten sprechen will.

Ich habe die Nummer noch nicht zu Ende eingetippt, da höre ich hinter dem Rollo jemanden telefonieren. „Nee, das mache ich heute nicht mehr. Das muss auch mal später.“ Und als ich schließlich die Nummer wähle, höre ich von hinter dem Rollo: „warte mal kurz, da ruft einer an.“

Ich stelle mich am Telefon kurz vor und teile ihm mit, was ich möchte und direkt vor seinem Rollo stehe. Warum da verrammelt ist, traue ich mich nicht zu fragen. Kurz darauf öffnet sich die Seitentür und ein kleines Männchen kommt heraus, mustert mich und mein Fahrrad und sagt dann: „Zelt und Fahrrad, hm? Na gut. Und wo kommst du her?“

Sein Tonfall ist nicht gerade charmant. Aber er scheint sich wenigstens zu interessieren. Er geht zurück in sein Häuschen, öffnet das Rollo und schiebt mir einen Meldebogen rüber, während er seinen Zigarettenrauch in meine Richtung bläst. „Hast du einen Test oder Impfnachweis, den du mir zeigen kannst?“

Ich beschließe, cool zu bleiben, lasse meine Maske auf, fülle ihm den Meldebogen aus, zeige ihm den CR-Code auf dem Handy und bleibe auch sonst betont sachlich. Das hier ist der Pott. Vielleicht redet man da einfach so miteinander. „Viel los im Moment?“, setze ich dann doch noch einmal zum Smalltalk an.

„Geht eigentlich“, antwortet er. Wir haben viele Dauercamper und nehmen sonst nur noch Zelte.“ – „Keine Camper?“, frage ich überrascht. „Mit denen hatten wir nur Ärger“, winkt er ab. Ich lache schwach und sage lieber nichts Falsches. Da scheine ich Glück gehabt zu haben.

Er bedeutet mir, hinter sich herzufahren, packt seinen nicht gerade furchteinflößend bellenden Schäferhund auf den Rücksitz seines Autos und fährt mit 10 km/h die geschätzten 250 Meter zu meinem Platz. „Strom haste da“, winkt er mir noch zu und braust davon.

Ich fange an abzusatteln und als erstes den Akku zu laden. Na toll! Die Steckdose passt nicht. Ich hab eigentlich keine Lust, mich noch einmal von ihm anmaunzen zu lassen, aber der E-Bike-Akku braucht Saft. Kurz gehe ich in das Sanitärhäuschen und überlege, ob ich da eine Steckdose für Rasierapparate zweckentfremden sollte. Aber wenn den Akku jemand findet, kassieren die den bestimmt den Akku ein und ich muss Lösegeld zahlen oder sowas. Ich trete den schweren Gang an und rufe ihn noch einmal auf seiner Nummer an.

„Ja,äh, tut mir Leid, aber der Stecker passt nicht. Ich brauche eine ganz normale Steckdose für so Schuco-Stecker.“ Er reagiert überraschend hilfsbereit: „Hm, das ist schlecht. Dann müssen wir den hier in der Rezeption laden. Komm doch in einer halben Stunde eben vorbei.“

Gesagt getan. Er bedeutet mir, das Gartentor zur Rezeption aufzumachen und in sein Reich einzutreten. Kleiner, leicht verwilderter Schottergarten neben dem Holzhäuschen. Wehte dort eine überdimensionale Deutschland-Flagge – ich wäre nicht überrascht. Sein Schäferhund bellt mich an, aber ich muss grinsen. Das ist so ein Bellen, das auch Lucy immer benutzt, wenn sie mich sieht. „Der tut nichts“, sagt sein Herrchen. „Einmal streicheln und dann ist gut.“ Und so ist es dann auch. Wie alt er ist, interessiert mich noch. 13, lautet die Antwort. Ein freundlicher Senior, wie schon gedacht.

Sein Herrchen schaut noch schnell ob alles läuft und fragt, wie lange der Akku laden muss. „Komm einfach vorbei, wann du willst. Ich bin sowieso 24 Stunden hier.“

Ein etwas eigensinniger, aber eigentlich ein ziemlich netter Kerl.

Ich lasse den Abend vor dem kleinen Bootshafen ausklingen. Es ist schön hier, aber ganz nebenbei habe ich nur hier auch wirklich mobilen Internetempfang. Ich bin nachdenklich. Es ist schön, wieder on Tour zu sein und ich komme langsam in den Modus. Kein Luxus mehr, nur die Natur und du. Es ist immer eine Umstellung. Aber es ist schön.

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83: Sag mir, wie weit willst du gehen

Ja, wie weit eigentlich. Ihr seht mich gerade hin- und hergerissen. Zum einen denke ich, man sollte es vielleicht mal langsam Fünfe gerade sein lassen, wegen des Virus‘ nicht alles komplett runterfahren.

Auf der anderen Seite würde ich gerne selbst entscheiden können, ob ich mich der Gefahr aussetze oder nicht, und die Entscheidung wird mir gerade von einem Sportverband abgenommen, der die Verantwortung auf das Land abschiebt und sich nicht die Mühe macht, zwischen drinnen und draußen zu unterscheiden.

Nein, kann ich so nicht akzeptieren.

Der Verband hat sich dagegen entschieden, aktiv zu werden. Mein Verein hat sich dagegen entschieden zu intervenieren. Ich muss es also selber tun. Ich habe einen Kommentar aus der Hüfte geschossen und ihn einer ersten, überregionalen Redaktion angeboten. Das war noch etwas wenig strategisch, aber es war ein weiterer Schritt nach Mails an den Verband und das zuständige Ministerium, worauf ich aufbauen kann.

Ich habe keine Ahnung, was ich sonst machen soll, denn vor so einem Problem stand ich noch nie. Die Gesetzeslage ist zu meinen Ungunsten, die Gefahr wird nicht als solche erkannt, meine Mitmenschen sind größtenteils Lemmige, die das tun, was die Masse vorlebt (muss ich mal so krass formulieren), die meisten Spieler freuen sich, dass sie wieder antreten dürfen, und ihnen gehen die Maßnahmen noch zu weit. Ich bin nun in der besonderen Lage, dass sie mir nicht weit genug gehen. An die Möglichkeit hat irgendwie keiner gedacht.

Bild des Tages: 1 Hund, 1 Sonnenuntergang

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73: Tipping Point

Heute Morgen direkt verschlafen und erst um 0900 aufgewacht (statt der geplanten 0630). Es bleibt dabei, es geht nicht. Frühes Aufstehen scheint bei mir nur beim Campen zu funktionieren. Urban ist alles zeitversetzt.

Zu viel Planen ist auch wieder nichts. Warum nicht einfach nach Rotterdam fahren und dann erstmal weiterschauen?

Weil eben auch Corona ist und damit einige Optionen wegfallen wie Flixbus, Stundenlang im Zug sitzen, unterwegs arbeiten und mich in Coworking-Spaces einmieten. Auch Mietwagen sind, des Preises wegen, nicht so richtig eine Option:

Das wäre eine Fahrt von Rotterdam nach Bonn. Klar, Ausland, mit Rückführung…

Aber man könnte von Rotterdam bis Arnheim mit dem Zug (nur gut 1h), mit dem Fahrrad rüber nach Emmerich und von da mit dem RE nach Bonn. Nur schade, dass der RE5 nicht mehr durchfährt und die Fahrt deswegen fast 3 Stunden dauert… Hm. Alles noch nicht ideal.

Da war wohl ganz schön was los in der Rheinaue gestern:

Wenn du deinen eigenen Schnaps hast, dann hast du’s irgendwo auch geschafft:

Ja. Heute nur kurz. War ein richtiggehend ereignisarmer Tag. Selbst zur Corona-Aufzeichnungs-Panne in Bayern habe ich nichts zu sagen. Ihr denn? 🙂 Gute Nacht!