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Singapore Slings I

Kaum zu glauben, dass ich vor drei Tagen noch in der Kälte saß. Und es sich jetzt schon anfühlt, als wäre ich seit Ewigkeiten hier. Ja, es geht mir gut, ja es ist schön hier, nein, Corona gibt’s hier auch, ja, es dürfte gerne noch paar Grad kühler sein. Was bisher so los war und ist:

  • Wir wohnen jetzt im 8. Stock des 46-stöckigen Gebäudes Duo Residences in einer Art WG. Die Aussicht ist auch so schon nicht schlecht.
  • Das Gebäude sieht aus wie eine riesige Honigwabe.
  • Mit Corona nehmen sie es hier noch viel ernster als zu Hause.
  • Und das fühlt sich gar nicht mal so schlecht an.
  • Einchecken mit der TraceTogether-App drinnen an jeder Ecke, bei Eintritt ins Gebäude ebenso wie in jedem Geschäft und jeder Bude.
  • Nicht nur Einscannen übrigens, sondern das grüne Signal, dass ihr safe seid, auch einem Offiziellen zeigen, der da sitzt.
  • Maskenpflicht nicht nur in Gebäuden, sondern auch draußen.
  • Und dann keine Diskussion: Einmal hatte ich in einem Café im Untergeschoss keinen Empfang, weswegen auch der Scan nicht funktionierte. Aber der Verkäufer hat drauf bestanden. Kein grünes Licht, kein Kaffee.
  • Trotzdem lassen sie es außerhalb der offiziellen Regelwut dann auch schonmal Fünfe gerade sein. Als ich mich in einer Sport-App zu einem Tischtennis-Event registrieren wollte, stand da als Regel: mindestens 14 Tage vorher nicht im Ausland gewesen sein. Auf meine Nachfrage beim Organisator, antwortete der: die haben bloß ihre Regeln noch nicht aktualisiert. Du bist ja doppelt geimpft – komm einfach vorbei!
  • In den Tischtennis-WhatsApp-Gruppen, in denen sie mich aufgenommen haben, gibt es seit einigen Tagen heiße Diskussionen, was cooler ist. Booster mit Pfizer-Pfizer-Moderna oder Pfizer-Pfizer-Pfizer. Der letzte Schrei ist das erste, weil das noch was besser schützen soll.
  • In Deutschland diskutiert man derweil mit Impfskeptikern…
  • Noch ist Regenzeit. Das heißt: Das Wetter ist erstaunlich angenehm, vor allem abends. Luftige 26 Grad und dabei ausnahmsweise mal nicht zuuu drückend.
  • Nachts ist es entweder zu kalt oder zu heiß. Klimaanlagen lassen sich kaum wärmer stellen als 25 Grad. Trotzdem ist es dann gefühlt noch teils zu kalt. Die Klimaanlage einfach ausstellen? Dann wird es binnen 30 Minuten unerträglich heiß. Heute mal ausprobieren: Klimaanlage auf 18 Grad und dafür eine dicke Decke. Besonders toll fürs Klima-Klima ist das natürlich auch nicht…
  • Völlig untersportet und aus Angst vor dem überfüllten Gym bin ich gestern Abend spontan eine Stunde laufen gegangen – und weil ich das ein Jahr lang wegen meiner Knie nicht getan habe, habe ich jetzt den Muskelkater meines Lebens.
  • Das Ziel bleibt 10.000 Schritte am Tag. Kristine meinte, ich muss Jollibee probieren! Durchaus lecker, aber auch ein ziemlich schweres Abendessen ohne jegliche Viatmine… Dieselbe Kristine meinte danach aber auch: Lass doch noch mal nach Little India spazieren, da ist noch Deepavali-Deko, und danach könnten wir zur Weihnachtsdeko an der Orchard Road gehen.
  • >10.000 Schritte also problemlos auch heute.
  • Und die Gegend soweit: Einfach traumhaft! Unser Gebäude ist gerade mal knappe 5 Jahre alt, das Hotel nebenan, The Parkview Square, ist ein Hotel im Art-Deco-Stil. Und auch sonst: zentraler und gleichzeitig lokaler geht kaum. Das ist schon prima. Bilder dazu unten.
  • So richtig angekommen bin ich aber trotzdem noch nicht… 😉
  • Mein Sprachkurs beginnt erst nächste Woche. Und eine gute Idee fehlt mir noch, was ich sonst noch speziell arbeitstechnisch in Singapur machen kann. Ich hätte Bock, ein E-Book zu schreiben. Nur: worüber? ?
  • Wie geht es euch?
  • Paar Impressionen noch, dann gute Nacht:

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Warum Niederländisch?

Interessanterweise haben mich das erst zum Ende meiner Sprachreise die ersten Leute gefragt – abgesehen von meiner Lehrerin, die es irgendwie bis zuletzt nicht so ganz verstanden und immer wieder nachgefragt hat… Scheint wohl nicht so oft vorzukommen – zumal ich Niederländisch als einziger im Kurs freiwillig gelernt habe. Die anderen brauchten die Sprachkenntnisse, um im Land arbeiten zu können.

Tja, warum eigentlich? Nur weil ich es immer schon unfair fand, dass „alle“ Niederländer Deutsch sprechen können, aber „kein“ Deutscher Niederländisch? Nein, das allein ist es nicht.

Und ganz ehrlich? Ich weiß es selber nicht so ganz genau. Ich glaube, hauptsächlich ging es am Ende wirklich darum, mir selbst zu beweisen, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Dass ich fit genug bin, auch mit über 40 noch eine Sprache zu lernen. Auch: dass ich es schaffen kann, so lange bei einer Sache am Ball zu bleiben.

Aber wenn es darum ging: Warum habe ich dann nicht irgendetwas „Sinnvolles“ gemacht, wie: endlich mal richtig Ukulele oder – noch besser – Gitarre lernen? Eine Weiterbildung zum Datenjournalisten, Online-Marketing-Experten, Data Scientist? Oder wenn schon eine Sprache: Warum dann nicht wenigstens eine, die ich sowieso immer schon mal lernen wollte, wie Spanisch?

Berechtigte Fragen. Zum einem habe ich das nie als Entweder-Oder-Entscheidung gesehen. Also ich hätte nicht die Motivation gehabt, mehr Ukulele zu lernen, wenn ich keine Sprache gelernt hätte. Das sind irgendwie verschiedene Bereiche. Eine Sprache zu lernen, hat mich auch irgendwie ein wenig aus dem Alltag geholt, von dem Corona-Mist abgelenkt und den Stress auf der Arbeit ein Stück weit vergessen lassen – was bei Weiterbildungen nicht der Fall gewesen wäre. Und warum dann kein Spanisch? Nun ja, kommt vielleicht noch! Aber Niederländisch hat mich fasziniert, als ich da letztes Jahr im Urlaub war, ebenso wie das ganze Land. Ich mag sehr viele Ausdrücke und irgendwie auch den Klang der Sprache. Ja, sie müssten auch für meinen Geschmack die ch-Laute nicht so stark betonen. 😉 Aber ansonsten: höre ich das echt gerne. Und der Gedanke, sich einfach mal irgendwo anders in der EU niederzulassen, wenn einen Deutschland mal wieder zu sehr nervt – kommt einem ein Stück näher, wenn man die Sprache eines anderen Landes ein wenig beherrscht.

Ich bereue auf jeden Fall nichts – im Gegenteil. Die 7 Wochen dort waren großartig, das ganze Jahr Sprachenlernen hat meine Sinne irgendwie geschärft. Ich fühle mich jetzt aufnahmefähiger, ich lese mehr, bin neuen Dingen gegenüber aufgeschlossener, fühle mich tatsächlich weniger eingerostet als davor. Und ich habe das Jahr nicht als besonders stressig in Erinnerung. Anstrengend ja, aber nicht stressiger als normal.

Und es geht weiter mit dem Lernen: In Singapur werde ich wohl ein paar Privatstunden Englisch nehmen, um hier auf Native-Speaker-Level zu kommen. Warum nicht…

Und, ach so: Ist Niederländisch eigentlich schwer zu lernen, wurde ich jetzt auch einmal gefragt. Klares Urteil: Schon leichter als Deutsch – und definitiv schwerer als Englisch! Die Grammatik ist dem Deutschen sehr ähnlich, sie haben weniger Beugungen, kein der/die/das – aber um es dann auch schon wieder nicht zu leicht zu machen, neben de auch het. Und es gibt hin und wieder Satzkonstruktionen, die in keinem Lehrbuch stehen.

Die eigentliche Schwierigkeit aber? Die Redewendungen und Wörter beherrschen, die sich eben nicht aus dem Deutschen herleiten lassen. Alles im Griff haben? Nee, eben nicht alles in de grip hebben, oder met alles in de grip zijn sondern: iets goed voor elkaar hebben. Politik kann politiek heißen, wird aber genauso oft het beleid genannt. Die korrekte Endung zu finden, ist ebenfalls nicht ohne: heißt „plötzlich“ nun plotselijk, plotsend oder plotsing? Weder noch, es heißt: plotselig. Liest du ein Wort wie werkomstandigheid, kannst du dir herleiten, dass Arbeitsumgebung damit gemeint sein könnte. Aber wenn du, anders herum, nach der niederländischen Entsprechung für Arbeitsumgebung suchst, würdest du an arbeidsomgeving oder etwas in der Art denken, was es aber nicht gibt. Bedeutet: Als Deutscher, der Niederländisch lernt, verstehst du Texte und einzelne Wörter schneller. Aber willst du die Sprache auch sprechen, musst du genauso viel lernen, wie jeder andere auch.

Will aber nicht rumheulen. Wie gesagt: Ich bereue nichts, es war toll. Es sollte noch irgendwann einmal weitergehen. B2-Level sollte es schon noch sein, um sich mit den Leuten gut austauschen können. Und wer weiß, wofür das alles vielleicht doch einmal gut war.

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Stress und Einsamkeit

… scheinen verwandt zu sein. Vor ein paar Tagen fühlte ich mich plötzlich furchtbar allein hier und habe die halbe Welt verflucht. Zum zweiten Mal schon, seit ich hier bin. Dabei war eigentlich nichts passiert. Unsere Sprachlehrerin hatte einfach nur angekündigt, dass unser Mittwochkurs ausfallen, aber später nachgeholt würde. Ach so und ach ja, nächste Woche die Stunden voraussichtlich auch.

Ich wäre beinahe ausgerastet. Denn das hat meine Pläne ziemlich durcheinander gewürfelt. Ich mach das hier ja alles nicht zum Spaß, außerdem habe ich hier keinen, mit dem ich Niederländisch oder überhaupt reden kann. Fällt der Kurs aus, bringt mich das buchstäblich vom Kurs ab. Außerdem komme ich mit dem Vokabellernen nicht hinterher. Und mit allem anderen irgendwie auch nicht. Was mache ich hier eigentlich? Was will ich mir hier beweisen, außer dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre? Ich fühle mich alt und allein.

Dienstagabend bin ich dann irgendwann aus dem Haus, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Die Luft war überraschend mild. Ich setzte einen Schritt vor den nächsten und dann noch einen. Und wurde immer langsamer und nachdenklicher dabei. Was mache ich hier eigentlich? Mache ich das richtig? Tut mir das gut? Bringt es irgendwem was, wenn ich derart unter Druck stehe? Wer macht mir den Druck überhaupt außer ich mir selbst? Wäre es klug, jetzt aufzuhören? Bin ich wirklich einsam oder einfach nur gestresst?

Ich fiel in einen tiefen, langen Schlaf und am nächsten Morgen war ich direkt dankbar, dass der Kurs ausfiel – sonst hätte ich gar nicht so lange schlafen können. Außerdem hatte ich dadurch plötzlich unfassbar viel Zeit. Erst einmal keine weiteren Aufgaben. Dafür Zeit, Vokabeln nachzulernen und mich in Ruhe der Arbeit zu widmen. Mich auch mal um ein paar private Dinge zu kümmern. Plötzlich sah das alles gar nicht mehr so schlimm aus. Den Druck hatte ich mir offenbar hauptsächlich selbst gemacht. Und statt mich über die unerwartete Pause zu freuen, hatte ich mich über sie geärgert.

Mittlerweile geht es mir wieder gut, bin ich auch plötzlich die Ruhe selbst. Drei Wochen bin ich noch hier, das ist gar nicht mal mehr so schrecklich viel. Und ich hab noch viel zu erledigen. In Delft war ich jetzt, aber in Leiden noch nicht. Amsterdam hat noch mal einen längeren Besuch verdient. Noch nicht einmal auf den Haagsen Markt (größter Markt der Niederlande) habe ich es bisher geschafft. Und mir fehlen noch Fischbrötchen, Frikandel und Bitterballen auf meiner kulinarischen Reiseliste. Übernächstes Wochenende kommt Besuch. Und ein bisschen Zeit für Vokabeln und weiteres Lesen und Hörverstehen bleibt natürlich auch noch. Es wird vielleicht nicht ganz reichen mit dem Fluent in 7 Weeks. Aber dann ist das halt so. Schließe mache ich das alles ja eigentlich zum Spaß…

Weniger Stress = weniger Einsamkeit. Da scheint durchaus was dran zu sein.

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Wahl ’21

  • Bin froh, gerade nicht in Deutschland zu sein.
  • Gute Chance immerhin, dass Laschet wirklich verhindert wird.
  • <15% ist ein Desaster für die Grünen.
  • Deutschland hat der SPD also vergeben.
  • Aber nur um Laschet zu verhindern?
  • Und damit die Grünen nicht an die Macht kommen?!
  • Klimawandel? Ahr-Katastrophe? Alles schon vergessen?
  • Es wird also alles weiter gehen wie bisher.
  • Dann kann ich mich jetzt ja wichtigeren Dingen widmen.
  • ??‍♂️
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Deutsche und Niederländer

Okay, falls man das überhaupt verallgemeinern kann (ich finde: ein bisschen schon), so kommen mir viele Niederländer etwas direkter vor als Deutsche. Kein Verstecken im Kontext: Gerade heraus, was man denkt, egal ob Lob oder Kritik. Dass bei niederländischen Männern zwischen 40 und 60 gerade irgendwie die Beethoven-Mähne im Wet-Look in ist: wohl einfach nur eine andere Mode.

Dass uns das Land, was Infrastruktur, Architektur, Agrikultur, Innovation und Wohlstand angeht, um geschätzte 20 Jahre voraus ist, würde ich auf simples Vorhandensein der notwendigen Finanzen zurückführen. Denen fehlen eben keine 2.000 Milliarden in der Bilanz, die bei uns die Wiedervereinigung gekostet hat. Das ist ganz schön viel Geld, mit dem man viele tolle infrastrukturelle Projekte hätte anstoßen können.

Eins ist mir aber noch aufgefallen: Was ich bisher so gesehen habe, sind mir viele Niederländer weniger darauf bedacht, sich irgendwie anzupassen. Man ist dann mal da, man ist dabei auch schon mal laut, man macht direkt sein Ding und kümmert sich erst einmal wenig darum, was andere davon halten könnten. Klar, man tritt dabei schon niemanden auf den Fuß, und täte man es doch, würde man sich höflichst und ehrlichst entschuldigen. Aber man weiß auch, was man darf und kann und füllt diesen Raum voll aus. Fühlt sich jemand dadurch gestört, hat man auch kein Problem damit, sorry zu sagen und ein paar Oktaven tiefer zu singen. Aber man hat diesen vorauseilenden Gehorsam nicht, den ich Deutschland so oft sehe. Wir können hier nicht so laut sein, wir müssen uns hier so und so benehmen, wir gehen schon ganz rechts die Straße entlang, weil da irgendwann ein Auto kommen könnte. Da sind wir dann doch oft sehr angepasst.

Ja, blöde Generalisierungen… Gilt natürlich nicht für alle, sind nur Beobachtungen, gibt viele Gegenbeispiele… Ihr wisst, was ich meine.

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Schulbank 3.0

Seit heute bin ich also wieder Schüler. Nun ist es jetzt nicht so, dass ich in den letzten Jahren nicht auch einiges Neues gelernt hätte. Aber dazu war ich meist auf nur einzelnen Fortbildungen oder VHS-Kursen. Nichts, bei dem man dauerhaft sonderlich gefordert worden wäre. Hier ist das anders.

Wir sind ein sehr kleiner Kurs, der in Niederländisch vom B1- aufs B2-Level gehievt werden will. Neben mir nur noch zwei Mitschüler: der Engländer, der beruflich viel mit niederländischen Firmen zu tun hat, und die Polin, deren Mann beruflich hierhin gezogen ist, und die mindestens B2-Level braucht, um hier arbeiten zu dürfen.

Der Engländer scheint mir schon recht flüssig in der Sprache zu sein. Die Polin und ich haben an unterschiedlichen Fronten mit ähnlichen vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich bin ziemlich fit in der Grammatik, aber mir fehlen noch viele, viele Wörter und die, die ich schon kenne, fallen mir längst nicht immer ein. Aber daran arbeiten wir jetzt, denn der Kurs ist natürlich komplett auf Niederländisch.

Was hat sich getan seit der Schulbank in den 1990ern und dem Studium in den frühen 2000er-Jahren? Wenig und viel zugleich. Wir haben eine Art gruppenorientierten Frontalunterricht mit Whiteboard statt Tafel. Wir benutzen ein gedrucktes Kursbuch für den Unterricht, von dem es auch einen Online-Teil gibt.

Der Engländer war der erste, der per App für jeden unbekannte Wort auf seinem Smartphone rumgehämmert hat. Ich fragte nach seiner weapon of choice – Google Translate. Davor hatte ich schon iTranslate ausprobiert, heute Abend kamen noch DeepL, Linguee und noch eine NL-EN-Übersetzungsapp hinzu, die irgendwie keinen Namen hat. Sie haben eins gemeinsam: sie sind alle scheiße… Auf dem Notebook habe ich im Browser ein Lesezeichen zum Pons Online-Wörterbuch DE-NL gesetzt. Das ist zwar werbefinanziert, aber ansonsten erstaunlich gut.

Denn immerhin: Es gibt jetzt das Internet. Man kann alles nachschlagen, es müssen keine Wissenslücken bleiben. Nur ob die Informationen verlässlich sind – das muss leider immer wieder bezweifelt werden. Sooo viel scheint sich seit damals also doch nicht getan zu haben.

Ansonsten geht es mir gut. Scheveningen ist auch bei etwas kälterem Wetter noch schön. Jeder Sonnenstrahl wird natürlich dankend angenommen. Im Supermarkt habe ich mir heute automatisch eine Maske aufgesetzt – als einziger. Wahrscheinlich werde ich damit auch bald aufhören, weil mir das irgendwann zu affig wird, das als einziger zu tun, jetzt wo doch „alle“ geimpft sind. Morgen möchte ich mal in die Stadt und mich nach einem Swapfiets erkundigen. Sonderbarerweise sind parkende Fahrräder hier aber auch nicht viel lieber gesehen als Autos. A propos: Es wurde noch nicht abgeschleppt und hat auch noch kein Ticket erhalten. Ich scheine mit etwas Glück tatsächlich den einen von nur zwei Orten in ganz Scheveningen gefunden zu haben, an denen man kostenlos parken kann.

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Aus kleinen Verhältnissen

Right…

Die eigentliche Wohnung, die ich mir für die Unterkunft zu einem Sprachkurs in Scheveningen ausgeguckt hatte, war jetzt nicht gannnnz so teuer. Aber doch, sie sprengt eigentlich mein Budget. Und wäre nicht wirklich notwendig, denn einige Kurse ließen sich auch ganz online buchen.

Der Witz ist: Es ließe sich schönrechnen. Es wäre eine Geschäftsreise/Bildungsreise/Werbungsaufwand, ich könnte die Kosten voll steuermindernd gelten machen und da ich in diesem Jahr im Grunde noch keine Geschäftsreise hatte, würde mich die Wohnung durch die Steuer, die ich durch sie einspare, am Ende etwa die Hälfte kosten. Und damit läge sie in meinem Budget.

Was dann dagegen spricht? Es ist alles in allem verdammt viel Geld für etwas, das nicht zwingend notwendig wäre. Und ich komme aus kleinen Verhältnissen. Ich bin eigentlich immer gut damit gefahren, die Kosten nicht ausufern zu lassen und auf sparsamem Fuß zu leben. Hat mir nicht geschadet, würde ich behaupten. Hat mir aber vielleicht doch den einen oder anderen „dekadenten“ Spaß nicht erlaubt.

Toll wäre es schon, also das mit der Wohnung. Ich wäre 7 Wochen mehr oder weniger nur in den Niederlanden, fast direkt am Meer, und würde nur Niederländisch hören und sprechen. Dann würde auch mal wirklich was hängen bleiben. Die nächstgünstigere Unterkunft ist auch gar nicht mal sooo viel preiswerter (die Randstad ist einfach verdammt teuer, siehe Bild oben!) und nebenbei könnte ich mir ein wenig die Startup-Szene vor Ort anschauen.

Ich kann mich nicht entscheiden und muss da wohl noch mal drüber schlafen… Zumindest davon weiß ich, dass es meistens hilft. 🙂

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Essensmythen

Auf meinem Biketrip neulich habe ich ca. 2 bis 3 Kilogramm abgenommen. Mittlerweile wiege ich um die 75 kg und damit fast 20 kg weniger als zu meinen „schwersten“ Zeiten. Das schreibe ich nicht, um damit rumzuprahlen. Ich sehe es als Zeichen dafür, dass es mir sehr geholfen hat, ein paar Essensmythen, gelernte Verhaltensregeln und Denkmuster abzulegen, die ich mich früher eindeutig vom Schlanksein abgehalten haben. Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen von euch auch.

  • „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ -> Dachte ich lange und hab mir entsprechend morgens schon den Bauch vollgeschlagen. Dann hatte ich paar Stunden später schon wieder Hunger und vor allem Durst und das ging den ganzen Tag so weiter. Mittlerweile frühstücke ich eigentlich kaum noch, meistens ist meine erste „Mahlzeit“ des Tages ein Milchkaffee und dann kommt erst viel später was „Festes“. Auch auf Radreisen bin ich schon dutzende Kilometer gefahren, ohne auch nur eine einzige Kalorie zu mir genommen zu haben. Ein guter Tag ist es dann trotzdem geworden. Nur auf den Kaffee vorher mag ich nicht verzichten. Das kann aber zur Not ein schwarzer sein.

    Wichtiger finde ich, dass die erste Mahlzeit eine halbwegs nahrhafte ist, egal, wann sie dann stattfindet. Tage, die mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten beginnen, enden bei mir komischerweise nie gut.
  • „Du musst doch was essen!“ -> „Sonst kippst du um“, „fällst vom Fleisch“ etc. Nee. Da passiert nichts. Alles ausprobiert von „ohne Frühstück aus dem Haus“ über „eine Mahlzeit übersprungen“ bis hin zu „einen ganzen Tag nichts gegessen“. Mir ging’s dabei immer noch gut. An heißen Tagen hatte ich allenfalls mal ein wenig „Kreislauf“ oder war mies gelaunt. Aber das war es dann auch schon.
  • „Hunger ist was Schreckliches!“ -> Ja, für diejenigen, die wirklich nichts haben und essen können. Aber für uns in der Überflussgesellschaft kommt es in meinen Augen darauf an. Seit ich intervallfaste, nehme ich Hunger unterschiedlich wahr. Manchmal ist es wirklich ein unangenehmes Gefühl, das ich beseitigen möchte. Viel öfter aber fühlt er sich beinahe befreiend an.
  • Wer nichts isst, kann auch nichts leisten. -> Stimmt vielleicht für den, der körperlich arbeitet. Der braucht auch was auf die Brust, sonst kann er keine Steine/Zementsäcke/LKW-Reifen mehr durch die Gegend schleppen. Und wir Büromenschen? Hier ist in meinen Augen das Gegenteil der Fall. Viele Mahlzeiten lähmen eher, weil sie den Verdauungstrakt über Gebühr beanspruchen. Wer den ganzen Tag auf seinem Schreibtischstuhl hockt, braucht erheblich weniger Nahrung und ist sogar leistungsfähiger, wenn er weniger isst.
  • „Drei Mahlzeiten am Tag“. -> Auch damit bin ich aufgewachsen. Dreimal ist eigentlich auch ein guter Rhythmus für einen gesunden Menschen. Ich habe das nur leider lange missverstanden mit „Schlag dir dreimal am Tag den Bauch voll“. Und ständig war ich müde deswegen, weil der Verdauungstrakt die ganze Energie beanspruchte. Einfaches Frühstück, mittags was Leichtes, abends je nach Gusto. Das würde ich einem gesunden Menschen heute empfehlen. Da passt dann sogar manchmal noch ein Stück Kuchen dazwischen.
  • „Frühstück, Mittag, Abendessen“ -> Es gibt mittlerweile Tage, an denen esse ich nur 1x. Meistens ist das der späte Nachmittag. Wie nennt sich dann diese Mahlzeit? Brinner? Problematisch an solchen Bezeichnungen finde ich, dass mit ihnen auch ein latenter Zwang einhergeht. Es ist Mittag – ich soll also essen, nur weil es die Uhrzeit so will? Das ist doch Quatsch. Essen wann man Hunger hat, klingt schon etwas besser. Nicht essen, wenn man keinen Hunger hat, finde ich noch viel besser.
  • „Wer nichts isst, wird magersüchtig.“ -> Nee, das ist was ganz anderes. Magersucht geht mit psychischen Problemen einher, das Verhältnis zu Nahrung und zum eigenen Körper ist getrübt. Wer einfach nur weniger und seltener isst, aber auf gesunde Ernährung und Sport achtet und dabei mit und nicht gegen seinen Körper arbeitet, hat wenig zu befürchten.

Also kurz gesagt: Wer weniger isst, fällt nicht vom Fleisch. Er fällt auch nicht um, wenn er mal eine Mahlzeit überspringt oder sogar mal einen ganzen Tag nichts isst. Der Tag kann immer noch gut werden, ihr könnt immer noch Leistung bringen. Hunger muss kein schlechtes Gefühl sein. Büromenschen brauchen deutlich weniger Kalorien am Tag als Menschen, die körperlich arbeiten. Und wir essen im Großen und Ganzen eher viel zu viel als zu wenig. Musste alles mal gesagt werden.

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Nur 3 Songs

Der niederländische Radiosender NPO 3 FM, den ich sehr gerne höre, hat einen Podcast namens „Onbewoond Eiland“, in dem Leute über ihre Lieblingsmusik berichten. Das Szenario: Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet und habt nur einen (solarbetriebenen?!) Bluetooth-Speaker dabei, auf dem tagein, tagaus nur dieselben drei Songs laufen können. Ihr wisst nicht ob ihr jemals gerettet werdet und ihr könnt nichts an der Auswahl verändern. Es müssten immer die gleichen Songs sein. Wenn ihr die Wahl hättet: welche wären das?

Ich finde die Frage fast schwerer zu beantworten als die drei Songs, die ich noch einmal gerne hören würde, bevor ich sterbe. Es müssten eben drei Songs sein, die euch maximal wenig auf die Nerven gehen. Das will weise ausgesucht werden. Mir fallen spontan ein paar ein, die ich damals rauf und runter gehört habe, über die ich mich danach trotzdem immer gefreut habe, wenn sie im Radio kamen und die ich auch heute noch gut hören kann. Warum weiß ich nicht. Es sind, zum Beispiel:

  • Fire, Water, Burn von Bloodhound Gang (the roof is on fire!)
  • Song 2 von Blur (mochte ich anfangs gar nicht)
  • Run Boy Run von Woodkid
  • Turn it up, fire it up (Busta Rhymes)
  • Zero Gravity von Kate Miller-Heidke (ein Beitrag zum Eurovision vor ein paar Jahren, aber der hat mich sowas von gekriegt)
  • Mist, sind schon fünf
  • Und natürlich noch viele, viele, die mir erst hinterher wieder einfallen würden, vor allem aus der Alternative-Schiene

Welche wären das bei euch? Und denkt daran: Es gäbe nie wieder was Anderes zu hören.

In der ersten Woche nach dem Urlaub habe ich mich nach dem ersten Schock wieder gefangen. Die Arbeit nur am Smartphone war sehr lehrreich, meine Pläne von Aufenthalten außerhalb Bonns leben noch und werden sogar realistischer und eigentlich bin ich gerade ziemlich happy. Genaueres bei Zeiten.

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Impfen

60 Prozent der Über-18-Jährigen in Deutschland sind jetzt mindestens 1x gegen Corona geimpft, 50 Prozent 2x. Gehen wir mal davon aus, dass noch nicht alle, die wollten, an Impfstoff gekommen sind, dass einige erstmal in Urlaub wollten und dass der eine oder die andere sich vielleicht doch lieber erstmal überreden lassen wollte. Dann kommen da sicher noch einige Nachzügler. Ich rechne mit 66 Prozent vollständig Geimpften bis Ende September. Mehr werden es wohl nicht mehr werden, sagt mir mein Gefühl.

Und eigentlich könnte mir das egal sein. Ich darf alles wieder, mir wird jetzt nichts mehr passieren. Und genau das wünsche ich denen, die sich nicht impfen lassen sollen (Schüler etwa – warum eigentlich nicht?) oder können (!) auch. Denen wünsche ich ein wenig Normalität mehr denn je. Sollten sich auch Impfverweigerer einmal überlegen: Es geht nicht um euch, es geht um die Anderen!

Die aktuellen Zahlen aus UK und den Niederlanden klingen eigentlich fast zu schön um wahr zu sein. Vierte Welle dort eventuell schon gebrochen. Vergleichsweise sehr niedrige Zahlen von Krankenhauseinweisungen, Intensivbettenbelegungen und Toten. Wie der Tagesspiegel meldet, könnte das aber auch schlicht mit den Schulferien dort zusammenhängen. Wenn hier Optimismus angebracht ist, dann also erstmal vorsichtiger. Aber mit etwas Glück und Verstand kämen wir auch hier trotz schon beginnender vierter Welle und 1/3 Impfverweigerer um weitere Lockdowns herum. Das wäre doch was.