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Sigh

Für welches Land jubeln wir hier eigentlich?

Freitag beginnt die EM 2024, und ich habe zum Eröffnungsspiel ein paar Freunde zu mir eingeladen. In die Einladung schrieb ich als Programmpunkt:

20.55 Gemeinsames, feierliches Singen/Summen der Nationalhymne

Ich kann mir bei meinen Freunden sicher sein, dass sie die Ironie dahinter verstehen.

Bei vielen anderen Deutschen kann ich das nicht mehr.

Die Europawahl gestern hat ein tief gespaltenes Land offenbart. Es ist gar nicht mal, dass die drei Regierungsparteien abgestraft wurden – das macht der Bürger schon, solange es die Demokratie gibt – oder dass die AfD bundesweit auf 16 Prozent kommt – das hätte schlimmer kommen können. Es geht um dieses Ost-West-Gefälle. Die Grafik, die das Katapult-Magazin dazu erstellt hat, könnte eindrücklicher kaum sein:

via Katapult-Magazin/Instagram

Wo verlief bis 1990 noch einmal die deutsch-deutsche-Grenze? Schau auf die Wahlkarte, 34 (!) Jahre später.

Und das alles, nachdem bekannt wurde, wen diese Partei alles „remigrieren“ möchte, dass sie von Russland finanziert und gefördert wird, dass sie den französischen Rechten zu rechts ist und für China spioniert hat. Wer mit der aktuellen Bundesregierung unzufrieden ist, hatte zahlreiche andere Parteien zur Auswahl; sehr viele entschieden sich für die CDU/CSU. Wer eher links unterwegs ist und trotzdem etwas gegen die Migrationspolitik oder die Superwokeness der heutigen Gesellschaft hat, konnte beim Bündnis Sahra Wagenknecht Protest wählen.

Haben die 25-40 Prozent Wähler im Osten nicht gemacht, die die AfD dort in fast jedem Kreis zu stärksten Partei gemacht haben. Wer jetzt noch die AfD gewählt hat – da gibt es keine andere Erklärung mehr für – ist offen rechts und scheißt auf die Bundesrepublik Deutschland.

„Ja dann spaltet euch halt ab und macht euren eigenen Staat“, ruft die trotzige Stimme in einem. „Zahlt ihr uns aber dann die 2 Billionen (!) Euro zurück, die in euren Wiederaufbau geflossen sind, hier an allen Ecken und Enden gefehlt haben, den Sozialabbau erst notwendig gemacht und Notentscheidungen wie die De-Industrialisierung der Bahn in den 90ern befördert haben.“

Aber das täte mir zu sehr leid für die vielen tollen Menschen, die von dort kommen oder die ich da drüben kenne und die definitiv nicht rechts sind.

„Die da drüben“, denn das ist schon das, was ich mittlerweile so formulieren würde. Das da drüben wirkt auf mich zunehmend wie ein eigenes Land, das sich abschotten will, das keine Lust mehr auf irgendeinen Konsens hat, mit dem wir hier aber auch nicht mehr viel gemeinsam haben und einem langsam auch das Verständnis abgeht.

Wenn am Freitag die EM beginnt, bleibt das im Hinterkopf. Deutschland ist zwei Länder in einem. Bleibt einem der Jubel über die Tore, die es hoffentlich geben wird, da nicht irgendwo im Halse stecken?

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Apple Intelligence

Es hat gedauert, aber Apple nailed it! Leider erst nur auf Englisch, für Mac ab M1-Chip und vorerst nur für das iPhone 15 Pro (Max). Hat sich der Kauf also doch noch gelohnt…

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