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Hm

Let’s face it

# Ich könnte hier jetzt heroisch mit einem Helfie posieren, wie drei Kumpels und ich am Freitag spontan einer älteren Dame an der Ahr in Sinzig geholfen haben, ihren Garten und Keller per Kärcher und Schubkarre vom Hochwasser-Schlack zu befreien. Aber am Ende wäre das auch nicht viel mehr als Katastrophentourismus.

# Ja, wir wollten helfen, ja, wir haben geholfen. Aber am Ende war es auch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein an einem Ort, an dem es eigentlich schon viel Hilfe gab (was sehr löblich ist!). Es war gut, mal ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Leute dort durchgemacht haben. Aber richtig etwas verändern konnten wir nicht. Und ganz ehrlich: Angesichts der Ausmaße würde es wohl erst etwas verändern, wenn ganz Bonn einen Monat lang täglich dort aushilfe, wo es am dringendsten ist.

# Geld überweisen. Vor ziemlich genau 10 Jahren schrieb ich auf Basic Thinking mal einen Beitrag darüber, dass Geld überweisen so einfach und schnell wie E-Mail schreiben sein müsste. Das war noch vor dem Aufkommen von Fintechs, der Standard-Umstellung auf IBAN und vor Echtzeitüberweisungen. Von einigen Kommentatoren wurde ich zurechtgewiesen, ich solle doch bitte nur von Dingen schreiben, von denen ich Ahnung hätte. Gerade eben habe ich einem Bekannten Geld gepaypalt. Nicht einmal eine Minute später whatsappte er zurück: „danke, ist angekommen!“. Das geht natürlich schon länger, aber erst da fiel mit auf, dass Geld überweisen heute wirklich so einfach wie E-Mail schreiben ist (und es trotzdem noch einfacher ginge). Und dass jeder, der mal eine Idee für eine bessere Welt hat, sich bloß nicht von Miesmachern die Suppe vollweinen lassen sollte.

# Verbal fighting. Vorhin zog ich als Regenschutz eine Plastiktüte über den Sattel der E-Schwalbe, die ich gerade teste und die ich vor unserem Haus geparkt habe. Das urige Retro-Design im knalligen Orange sorgt immer wieder für Aufmerksamkeit. Eine ältere Dame aus dem Nachbarhaus bemerkte im Vorbeigehen, „oh, fährt die elektrisch?“, und entschuldigte sich im gleichen Moment lachend: „Damit wollte ich nicht ausdrücken, dass ich damit nicht einverstanden gewesen wäre, wenn sie nicht elektrisch wäre.“ Ich lachte freundlich zurück: „Ganz ehrlich? Das wäre mir auch egal gewesen.“ Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich reagiere bereits auf mögliche Kritik immer noch übertrieben wehrhaft. Aber es wird langsam besser. Und ich glaube mittlerweile, das ist durchaus nicht unangebracht in dieser Gesellschaft, sich rhetorisch so gut es geht verteidigen zu können. Der Tag wird kommen, an dem ich das mal für etwas wirklich Wichtiges brauche.

# Corona-Sensationalismus: Ich dachte, ich wäre der letzte, der Meldungen über Corona übertrieben nennen würde. Aber mittlerweile ist es so weit. Der Beitrag unten stammt aus der FR von heute Abend, aber er hätte genauso gut aus einer der 1.000 anderen derzeit gleich klingenden Online-Postillen stammen können. Und er kann einem eine Heidenangst einjagen. „Rasant steigende Inzidenz“. 😱 „Trotz aller Warnungen!“ 😱😱 „Delta-Variante kaum noch kontrollierbar“ 😱😱😱.

Nein, ich fange jetzt nicht an zu schreiben, dass da eine große Verschwörung in Gange wäre. 😉 Aber kritisieren muss ich die Kollegen trotzdem. Denn vor der Sensationalisierung sollte der Blick doch wenigstens einmal auf alle Zahlen fallen. Ja, über 40.000 Neuinfektionen pro Tag sind eine Menge. Allerdings sieht es für mich ganz klar so aus, als wäre Britain längst over the peak. Die Zahlen sinken schon wieder, die vierte (oder eigentlich da erst dritte) Welle scheint gebrochen:

64 Todesfälle an einem Tag, dazu 618 Patienten landesweit auf Intensivstationen und 4.658 Patienten in Krankenhäusern. Das ist nicht nichts, aber das ist gerade mal noch ein Fünftel bis ein Zehntel von dem, was GB bei der letzten Welle trotz Lockdowns im Winter verzeichnet hatte. Und diesmal hat wohl gemerkt alles wieder auf. Die Leute feiern in Discos, sie sitzen vollgepackt in Restaurants und Pubs. Trotzdem: vergleichsweise sehr wenige Todesfälle…

… deutlich weniger Krankenhauseinweisungen und Personen auf Intensivstationen:

Spielt das überhaupt gar keine Rolle mehr? Geht es nur noch um die Zahl der Infizierten? Der Eindruck, der nach Lektüre solcher Nachrichten wie oben bei den Leuten aber bleibt, ist: „Boris Johnson ist ein Vollidiot, die spinnen, die Briten, sie spielen mit Menschenleben und sie handeln völlig unverantwortlich“. Nein, tun sie (ausnahmsweise mal) nicht. Andere Länder, die mit dem Impfen noch nicht so weit sind, sollten und dürfen vorsichtig sind, wen sie da aus GB ins Land lassen und wen nicht. Aber Britain itself is doing just fine. Und das darf man ruhig auch mal so aufschreiben.

# Die letzte Folge der 2. Staffel von „The Mandalorian“ setzt Maßstäbe, mehrfach. Großartig!

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