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Hm

Rezession oder Menschenleben?

Heute Abend ein Makroökonom (Namen leider vergessen) im Programm von Deutschlandfunk Nova. Was denn wäre, fragt die Moderatorin, wenn Russland uns wirklich den Öl- und Gashahn abdrehen würde. Was würde das für die deutsche Wirtschaft bedeuten?

Nun, dann würde Deutschland in die Rezession schlittern, sagt der Ökonom. Sein Institut hätte errechnet, dass die Wirtschaft dann 2022 um 2 Prozent schrumpfen würde. Das wäre in etwa vergleichbar mit 2020, als die Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie in die Rezession schlitt.

Und was würde das für die Bürger bedeuten? Blieben dann im nächsten Winter die Wohnungen kalt? Nun, das hänge davon ab, was jetzt wirklich passieren würde. Einen Teil des russischen Gases (macht 55 Prozent der aktuellen Liefermenge aus) könne ersetzt werden. Aber wenn es nicht anders ginge, dann könnten die nächsten Monate noch für eine Kraftanstrengung verwendet werden, um möglichst viele Gebäude mit alternativen Heizmethoden umzurüsten. Unmöglich wäre das zumindest nicht.

Nichts ist einfach in der Politik. Ob ein Verzicht auf russisches Öl und Gas wirklich dafür sorgt, dass Putin schon nächste Woche kein Geld mehr hat, um seinen hirnlosen Krieg zu finanzieren – ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Und ja, es mehren sich die Anzeichen, dass das alles gar nicht nötig sein könnte, dass die Ukraine und Russland sich in Bälde vielleicht auf einen Waffenstillstand einigen und die Ukraine sich damit zufrieden gibt, ein blockfreier Staat zu sein.

Aber es wirft ein richtig schlechtes Licht auf Deutschland. Wir wägen ab. Menschenleben gegen leichte Rezession. Irgendwo las ich auch, wir hätten uns mit diesem Krieg abgefunden und würden nur noch seine Folgen verwalten. Gelb-blaue Flaggen hissen, Flüchtlinge aufnehmen, Trost spenden, Waffen liefern. Wegen 2 Prozent Wirtschaftsabschwung? Das ist uns also wirklich wichtiger, als dass ein paar Kilometer von uns entfernt Tausende sterben? Ich verstehe das alles nicht. Wo ist unser Mitgefühl, wo ist unsere Moral? Was ist denn bloß los mit diesem Land?

„Lara“: Schade, dass Jan-Ole Gerster nur alle paar Jahre einen Film dreht. Sein Erstlingswerk „Oh Boy“ ist seitdem einer meiner Lieblingsfilme. „Lara“ erzählt eine ganz ähnliche Geschichte, aber diesmal aus Sicht einer 60-jährigen Frau, die Geburtstag hat, mit der aber keiner irgendwie feiern will. Ist wohl schon von 2019, mir irgendwie durchgerutscht, aktuell aber in der Arte-Mediathek verfügbar. Lohnt sich, ist toll!

Hab meinen GMail-Speicher geleert. Beitrag dazu in Kürze im Trendblog. Früher warb Google mal damit, man müsse nie mehr eine E-Mail löschen. Heute musste ich das doch. Ich war bei 14,81 von 15 freien GB, nach ein paar Klicks sind es jetzt nur noch 6,29 GB.

Es waren allerdings ein paar Klicks mehr, als ich dachte, und Google hat es mir nicht erspart, E-Mails mit großen Anhängen noch einmal von Hand durchzugehen. Darunter waren auch Mails vergangener Liebschaften; gemeinsame Fotos, eine bedankte sich für das schönste Geburtstagsgeschenk, dass sie jemals bekommen hätte… Heute passiert mir sowas nicht mehr, man schreibt sich irgendwie einfach nicht mehr. Na, schönen Dank jedenfalls, Google, für die Erinnerung……

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Hm

In Würde altern, wie geht das eigentlich?

Eine Frage, die ich mir so stellte, als ich mir vorhin beim Tischtennistraining irgendwie müde und unfit vorkam. 3-4 Kilo habe ich auch wieder zugelegt, seit ich aus Singapur zurück bin, das hilft auch nicht gerade (und das ist, leider, normal, im tropischen Klima läuft der Stoffwechsel schneller).

Also, Problemstellung: Man wird alt und fühlt sich manchmal auch so. Ich sprach mit Olaf aus meinem Tischtennisverein heute darüber, was Tischtennisspieler im hohen Alter so machen. Wenn es gut läuft, profitieren sie von der Erfahrung und einem „Händchen“, schicken dann den Gegner von links nach rechts, nach vorne und hinten, ohne selber laufen zu müssen.

Wenn es schlecht läuft, spielen sie mit langen Noppen, hoffen damit, das Spiel des unerfahrenen Gegners zu zerstören (was oft genug gelingt), und lassen sich irgendeine mehr oder weniger faire Marotte einfallen, um den Gegner einzuwickeln. Zum Beispiel, den gebrechlichen alten Mann zu spielen, der Knie, Hüfte und Schulter gleichzeitig hat, beim Gegner Mitleid erwirkt und im dritten Satz plötzlich wie Phönix aus der Asche steigt und jeden Ball trifft. Dazu vielleicht noch den Gegner blöd anmacht, sich vor jedem Aufschlag 30 Sekunden Zeit lässt, immer wieder Pausen erwirkt, die er eigentlich gar nicht braucht. So etwas. Alles schon erlebt… Besonders würdevoll ist das nicht.

Vielleicht ist die Lösung: Gelassenheit und Weisheit. Alles nicht mehr so ernst nehmen, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, aber sich doch Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet haben, die Kraft und Geschwindigkeit ersetzen.

Ich fange schon einmal an, daran zu arbeiten.

A propos in Würde altern: Ich habe gestern und heute meine ersten echten Reels gedreht. Kurze, vertikale Videos für TikTok, YouTube Stories oder Instagram. Bin anscheinend dafür noch nicht zu alt.

Tom Cruise im Übrigen auch noch nicht für Top Gun: Maverick, scheint es. Sieht gut, aus der Trailer!

Ich wollte hier eigentlich noch zwei Bilder gepostet haben, aber das führte dazu, dass WordPress den ganzen Beitrag nicht anzeigen wollte. Dann halt nicht. Stellt euch ein verregnetes Haltern am See und einen sonnigen Kanal bei Nordhorn vor. Bilder von meinem Urlaub letzten Sommer. WordPress will mir damit wohl sagen, dass die eh keiner sehen will. 🤔

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Right

Hoppla, wo ist meine Menschenscheu hin?

Ein Journalist, der menschenscheu ist – das ist nicht unmöglich, aber keinesfalls ideal. Als Reporter auf die Straße würdest du schon eher nicht gehen. Interviews führen? Nicht, wenn es nicht nötig ist. Irgendwas telefonisch erfragen? Doch lieber per E-Mail. Bei mir kommt neben der Schüchternheit auch noch ein gewisses Desinteresse dazu: Dinge interessieren mich, Persönlichkeiten so gut wie gar nicht.

Heute fiel mir auf, dass zumindest diese Menschenscheu bei mir kaum noch da ist. Ich gehe wie selbstverständlich auf Veranstaltungen, Meetups, Abende mit Leuten, von denen ich niemanden oder nur einige kenne. Und ich habe kaum noch Angst vor Ablehnung, davor irgendwie „falsch“ zu sein oder nicht reinzupassen.

Für mich ein völlig unbekanntes Gefühl. Woher das kommt? Gute Frage. Klar, in Singapur wird einem das einfach gemacht. Es versucht einfach jeder, so gut es geht, nett zu jedem zu sein. Hier in Deutschland ist das nicht unbedingt so. Aber auch hier ist die Frage: wie oft wirst du reell wirklich ausgegrenzt, wie oft passt du wirklich wo nicht rein? Wie oft könnte man sich viel mehr herausnehmen und damit sogar das Gegenteil von Ablehnung erreichen?

Na ja, dass ich jetzt auf die Straße gehe und jede Frau anspreche, die mir gefällt, so weit bin ich jetzt noch nicht. Aber zumindest so weit, dass, wenn jemand auf mich zu käme, mich von oben herab behandeln würde oder mir komisch von der Seite käme, ich zumindest eher mal mit dem Schultern zucken würde. Bin gespannt, wohin das noch führt.

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Yeah

Das wär’s ja noch

Dass der russische Vormarsch in der Ukraine wegen Unvermögens derart zum Erliegen gekommen wäre, dass Russland sich nur noch auf militärische Ziele im Osten der Ukraine konzentrieren kann. Schlimm genug ist das schon noch. Mariupol muss aktuell die Hölle auf Erden sein. Trotzdem bietet die neue Nachrichtenlage ein wenig Hoffnung für Optimismus, und ich male – zur Abwechslung – mal ein positives Bild:

  • Russland muss sich aus der Ukraine zurückziehen, und das schon nächste Woche
  • Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt
  • Putin ist nach diesem blamablen Eigentor erledigt
  • Auf der Welt sieht jeder aktuelle oder potentiell kommende Despot ein, dass ein Krieg im 21. Jahrhundert sinnlos und nicht zu gewinnen ist.
  • Wir halten trotzdem an der Abkehr von Gas und Öl fest und beeilen uns mit der Klimaneutralität
  • Wir merken, dass wir die 100 Milliarden gar nicht in die Armee stecken müssen und investieren sie statt dessen in Solarzellen auf allen Dächern Deutschlands.
  • Demokratische Reformen in Russland

Klingt vielleicht etwas zu positiv, aber darf ja ruhig auch mal sein.

Minimization today: alle iPhone-Fotos bis Juli 2021. Kann es kaum glauben, aber die 27.000 Bilder sind alle aus weniger als einem Jahr. Und, ja, der Bart war zu lang…

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Right

Back to Minimization

Es nützt wohl nichts, der Alltag muss erstmal weiter gehen. Nutze ich die Zeit bis zum 3. Weltkrieg eben, hier mir dem fertig zu werden, was ich eigentlich machen wollte:

  • Endgültiges Ausmisten
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Ideal(stmögliche)figur

Zum finalen Ausmisten sind noch geschätzt 400 Micro-Tasks offen, die machen sich auch nicht von selbst. Zur Persönlichkeitsentwicklung… wohl mindestens genauso viele, aber schwerer abzuschätzen. Das mit der idealsten noch möglichen Figur Mitte 40 ist im Grunde viel einfacher: weiter Sport machen, vielleicht langsam mal wieder in ein Fitnessstudio übersiedeln, im Sommer eine Deutschlandtour machen.

Heute davon geschafft:

  • Meine Dropbox leerräumen

Klingt nach nichts, aber da waren hunderte Fotos und noch einige andere krude Dateien drin. Muss man auch erstmal wegschaffen.

Das Problem beim finalen Minimieren ist, dass da immer wieder Dinge neu dazu kommen, die auch erstmal gemacht werden wollen. Zum Beispiel das Aussortieren der Fotos vom jetzt wegzugebenden iPhone. Sind auch mal eben schnell 27.000 (!) aus anderthalb Jahren, was jetzt wohl auch wieder Wochen in Anspruch nehmen wird. Ich werde hier berichten.

Furztrocken auf gewollte Provokationen reagieren. Kann ich:

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Hm

Heute mal etwas weniger Schaum vor dem Mund

… es bringt ja nichts. Ich ende hier sonst noch als verbitterter, alter Mann. Wobei ich schon glaube, dass ein Energieboykott alleine vielleicht nicht die Lösung ist, aber Putin mit der Ukraine noch lange nicht genug haben wird. Wir werden uns nicht für immer raus halten können, auch wenn wir jetzt noch so tun, als ginge uns das alles nichts an… Lösungen dringend erbeten. Das Baltikum, Polen und Moldawien schnellstmöglich bis an die Zähne bewaffnen?!

Ich wollte/musste die Bilder von meinem iPhone 12 Pro Max löschen und stellte verblüfft fest, dass der Speicher halb voll ist. Fast 190 GB alleine an Fotos und Videos –  die muss man erstmal vom Gerät runter kriegen. Ich buchte 200 GB iCloud-Speicher und wollte die Bilder dorthin laden, was die iCloud auch in einer stolzen Geschwindigkeit von etwa 1 Bild/Minute bewerkstelligen wollte. Hab den Kauf storniert und lade die Bilder jetzt mit „Digitale Fotos“ via Kabel vom iPhone auf die externe Festplatte, die ich eigentlich schon längst nicht mehr haben wollte. Minimalismus ist manchmal gar nicht so einfach.

Mein neues Phone, das Xiaomi 12X. Erster Eindruck: ziemlich gut, aber dem Prozessor (SDG 870) merkt man an, dass er nicht mehr der jüngste ist! Zweiter Eindruck: Sie haben Android 12 versprochen, es ist nur Android 11 drauf! Im Angesicht eines dritten Weltkriegs zwar nicht lebenswichtig, aber trotzdem ja nicht ganz korrekt.

Kultur: „Dazed and Confused“: Teenagerkomödie von 1993. Kann gar nicht genau sagen, worum es da eigentlich genau geht, aber Spaß hat’s irgendwie schon gemacht, vor allem die Tatsache, spätere Weltstars wie Matthew McConaughy und Ben Affleck mal in jungen Jahren zu sehen. (7/11)

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Argh

Putin trockenlegen

Ein Embargo von Öl- und Gaslieferungen könnte den Krieg in der Ukraine stoppen, rechnen die beiden russischen (!) Ökonomen Sergej Gurijew und Oleg Itskhoki im „Spiegel“ vor:

„… [D]a wir keine deutschen Staatsbürger sind, können wir die deutsche Regierung nicht dazu auffordern, Entscheidungen zu treffen, die erhebliche Kosten für die deutsche Bevölkerung mit sich bringen. Wir sind uns als Ökonomen jedoch sicher, dass ein europäisches Embargo gegen russisches Öl und Gas der schnellste Weg ist, um Putins Krieg in Europa zu stoppen.“

Ich bin mir da zwar nicht ganz so sicher, dass das reicht, den Krieg auch zu beenden, aber ich bin auch kein Ökonom. Vor allem aber denke ich mir: Wenn die Sache wirklich so einfach ist, dann: machen! Machen, machen, machen!

Es kann doch nicht sein, dass die Topmeldung in den Nachrichten heute schon wieder unsere hohen Energie- und Benzinpreise sind und nicht die Bombardierung ukrainischer Städte durch die russische Armee. Dass unser grüner (!) Wirtschaftsminister gerade durch Golfstaaten mit zweifelhaftem Ruf tingelt, um dafür zu sorgen, dass uns unser Erdgas nicht ausgeht. Wie tief wollen wir für unsere Bequemlichkeit denn noch sinken?

Wenn wir gerade die Chance haben, das Blutvergießen in der Ukraine zu beenden und einen dritten Weltkrieg mit bescheidenen Mitteln zu verhindern, dann sollten wir sie gefälligst auch nutzen1 Wie Ex-Bundespräsident Gauck neulich noch sagte: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit“.

Ist uns unsere Bequemlichkeit wirklich wichtiger als Menschenleben?

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Sigh

Radikal ehrlich kommunizieren

Ich fahre mit der Bahn nach Köln und sowohl die Frau vor mir als auch die hinter mir telefonieren gut hörbar auf ihren Mobiltelefonen. What is it with women and „private“ public phone calls? Die Frau hinter mir ist dabei besonders laut. Und so kriegt der ganze Zugteil mit, wie ihr Freund nach einer langen, schweigsamen Autofahrt Schluss gemacht hat, weil er eine offene Beziehung wollte, sie aber nicht, obwohl monogam leben eigentlich gar nicht ihr Ding… es ist mir scheißegal und ich will es nicht hören. Und das würde ich ihr am liebsten an den Kopf werfen. Aber irgendwie reiße ich mich zusammen und sage nichts. Sind ja nur noch 10 Minuten bis Köln-West.

Passenderweise fahre ich dorthin zu einem Meetup mit dem Titel „Extrem ehrlich kommunizieren“, und der Name ist hier Programm. Wobei es etwas anders abläuft, als ich dachte. Ein kleiner Kreis von völlig normalen Leuten sitzt da und wirft sich keine Gemeinheiten an den Kopf, wie „deine Schuhe sind hässlich“ (was mich zumindest nicht gewundert hätte, wenn das so abgelaufen wäre), sondern ganz im Gegenteil. Die Vorstellungsrunde läuft ziemlich amüsant ab, weil schon der Erste so beginnt, dass er in seinem Job nichts mehr ernst nehme und den Kunden nur noch Theater vorspiele und sein Laden seitdem plötzlich laufe wie geschnitten Brot. Der nächste stimmt mit ein, er habe damals sein Hobby zum Beruf gemacht, um endlich seine Bestimmung zu finden – die er jetzt 6 Jahre später immer noch sucht. Und immer so weiter. Ich heimse nach meiner Vorstellung überraschenderweise sogar das Kompliment zweier Teilnehmer ein, ich könne ja wunderbar reden und sollte einen Podcast machen, indem ich einfach nur erzähle. Sie könnten da stundenlang zuhören. Äh…

Später wird es dann deutlich emotionaler, als die Aufgabe lautet, zwei Dinge zu benennen, die wir unseren Eltern nicht verzeihen können. Und es kommen teils unfassbar traurige Geschichten zu Tage. Ich verbringe einen Abend mit wunderbar netten, ganz normalen Menschen, kommuniziere offen und ehrlich, und es ist herzlich und toll!

Auf dem Heimweg fällt mein Zug in Köln-West aus, und ich nehme eine Bahn in die Gegenrichtung zum Kölner HBF. Nachdem ich dort eine halbe Stunde mit Lesen totgeschlagen habe, drücke ich mich am Gleis herum. Das Pärchen neben mir trägt gelb-blaue Aufnäher an der Jacke. Ich spreche sie an und frage, ob sie aus der Ukraine kämen. Die Frau spricht sehr gut Deutsch und bejaht, und wir kommen ins Gespräch über die Situation vor Ort. Als die Bahn kommt, steigen wir zusammen ein und setzen und so, dass wir uns weiter unterhalten können.

Ich stelle hauptsächlich Fragen und will zuhören. Die Frau ist studierte Kulturwissenschaftlerin und analysiert die Lage in der Heimat. Währenddessen fährt und fährt die Bahn nicht ab. Es kommen Durchsagen wegen Verzögerungen aufgrund von Baustellen. Unsere (etwas einseitige) geopolitische Diskussion nähert sich dabei bereits dem Höhepunkt. Weil ich kaum etwas sage und nicht dieselben Details kenne, scheint sie mich irgendwann für schlecht informiert zu halten. Ihr Begleiter sagt die ganze Zeit nichts. Was sie glaube, wie es denn jetzt weitergehe, frage ich sie. Der Krieg werde nicht enden, antwortet sie, die Ukrainer würden nicht aufgeben, Putin auch nicht. Und vom Westen, gerade von Deutschland und seiner Trägheit, wäre sie schwer enttäuscht. Wie ich denn die Sache sähe?

Die Situation strengt mich an. Wir reden nun schon eine halbe Stunde. Ständig strömen Leute an uns vorbei. Die Sitznachbarin im Doppelsitz neben uns belauscht uns eindeutig. Und die Bahn hat gerade mal Hürth-Kalscheuren erreicht. Ich sage, dass ich nach den gegebenen Umständen einen Waffenstillstand und die Einigung auf eine Neutralität der Ukraine aktuell für die beste Lösung halte, damit der Krieg bald aufhöre und keine weiteren Menschen sterben müssten. Von einem jahrelangen Konflikt hätte keiner was und an einem dritten Weltkrieg wäre ich persönlich auch nicht interessiert. Das ist nicht das, was sie hören will. Und ich sehe es in ihren Augen, dass sie mich in die Ecke vielleicht nicht des Putin-Verstehers, aber zumindest des indifferenten Deutschen geschoben hat, der nur seine eigene Haut retten will. Und wir sind gerade mal in Brühl.

Unser Gespräch wird zunehmend einsilbiger. Ich will hier raus, ich will das nicht länger machen, aber ich halte aus Höflichkeit bis zum Ende durch. Beim Rausgehen sagen mir die beiden, dass am Samstag weitere Aktionen auf dem Bonner Marktplatz geplant seien, zu denen ich gelb-blaue Fähnchen schwingen könnte und dass ich auf Facebook weitere Informationen zu allem fände. Na, schönen Dank auch… Zum Schluss bekommt sie noch die Frage, nach wohin in Bonn sie und ihr Begleiter jetzt müssten, in den völlig falschen Hals. Ich verabschiede mich und gehe absichtlich in die Gegenrichtung. Ich mag nicht mehr.

Wobei sie natürlich Recht hat. Da sitzt einer im Kreml, der nichts mehr zu verlieren hat und sich über den Westen – nicht ganz zu Unrecht – kaputt lacht. Und worauf warten wir noch? Dass er das Baltikum auch noch angreift und wir dann darüber debattieren, ob wir nun den NATO-Bündnisfall ausrufen oder nicht? Weil, sind ja keine von Putin abgesegneten NATO-Mitglieder. Ich fürchte, Appeasement hat damals nicht geholfen und wird es diesmal auch nicht. Ist unsere Hoffnung jetzt ernsthaft, dass die Ukraine Putins Vietnam wird, damit wenigstens wir verschont bleiben? Und die Ukrainer? Dürfen dann in unseren Turnhallen schlafen, wenn sie es rechtzeitig raus schaffen. Echte Solidarität…

Stoppt Putin jetzt„, titelte der Spiegel anno 2014 nach Annexion der Krim und Abschuss der Passagiermaschine MH17, und zwar mit harten Wirtschaftssanktionen. War damals eine hoch umstrittene Schlagzeile. Jetzt gerade denke ich mir: Sie hatten leider völlig recht und wir hätten schon damals machen sollen, wozu wir uns heute erst zaghaft durchringen konnten.

Aber dieses Kommunizieren und dann auch noch ehrlich… Es klappt nicht immer, zumindest wenn die Weltlage einfach Mist ist.

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Hm

Going low

Notiz an mich selbst für später: Der Zustand traurig zu sein, hält für etwa 4-5 Stunden an. Er kann gelindert werden durch einen guten Chat mit Nicky, aber auch schlicht dadurch, dass ich ihn nicht zu sehr verdränge. Eine Tasse Tee hilft dabei, ein heißes Bad auch und ein halbwegs gesundes Essen. Bei letzterem überrascht mich, dass es mich überrascht. Normal greift man im Falle akuten Weltschmerzes ja eher zum nächstbesten Junkfood und ist danach zumindest eine Viertelstunde lang glücklich. Ob man einen Salatteller mit Pommes und Cevapcici beim Griechen als „halbwegs gesund“ bezeichnen kann, ist nochmal die andere Frage. Hatte auf jeden Fall mehr Vitamine als alles Andere, was ich die letzten drei Tage gegessen habe. Ein heißes Bad ist nicht nur meine Arme-Leute-Sauna (oder mittlerweile Reiche-Leute-Sauna bei den Energiekosten), es ist auch die 1 Stunde, in der ich mit meinen Gedanken alleine bin und mich durch nichts ablenken kann.

Was für Gedanken? Na ja, zum Beispiel dass ich seit 1 Monat wieder Single bin und mich das nicht unbedingt glücklich macht. Ganz neben der Tatsache, dass ich gerade aktuell hier sein muss, es eigentlich nicht will, mich dann aber eigentlich auch nicht drüber beschweren darf, denn hier ist ja gewissermaßen heile Welt mit Freiheit, Sicherheit und einer der 20 letzten stabilen Demokratien dieser Welt. Psychologen raten dazu, bei Trauer nicht zu tief einzusteigen, nicht zu viel davon zuzulassen. Aber die meiste Zeit, seit ich wieder hier bin, habe ich den Aspekt mehr oder weniger ignoriert, und das hat es auch nicht besser gemacht. Ich glaube, es hilft (zumindest mir), die Trauer in kleinen Dosen zuzulassen.

Und dann wäre noch die Überlegung, mal richtig, richtig tief einzusteigen, nach dem Motto: Geh doch mal wirklich durch die Jauchegrube, how low can you go? Und dann schau, was es mit dir macht.

Ich weiß aber noch nicht, ob das eine gute Idee ist. Weil, könnte ja sein, dass man am Ende auch nur braun angepinselt da raus kommt, aber kein Stück glücklicher.

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Right

Verliere!

Zum Thema, „Was ich meinem 14-jähirgen Ich am liebsten noch mit auf den Weg geben möchte, wenn ich durch die Zeit reisen könnte“: Verliere! Verliere so oft und so viel du kannst, im Sport, in der Liebe, im Berufsleben! Verliere nicht unbedingt dein Geld oder deine Haustürschlüssel, auch wenn das sicher auch mal eine lohnenswerte Erfahrung ist. Aber lass dir deinen Entwicklungsplan auf der Arbeit mal um die Ohren hauen, kassiere Abfuhr nach Abfuhr bei Flirtversuchen, sei mal Tabellenletzter und verliere Spiel um Spiel.

Und dann – ganz wichtig! – lerne daraus.

Genau das habe ich nämlich leider nicht gemacht. Verloren haben ich viel und oft, aber mich danach immer irgendwie über mich selbst geärgert und gedemütigt gefühlt. So gedemütigt, dass ich mich danach schon weniger getraut und am Ende auch deswegen weniger oft verloren habe. Eigentlich der falsche Weg. Kassierst du eine Abfuhr von der Frau, die du eigentlich willst, probierst du es dann danach vielleicht eher bei einer, die dir eigentlich egal ist. Steigst du als Tabellenletzter ab, versuchst du es danach eine Liga tiefer – und bist damit ganz zufrieden, weil du hier viel mehr Spiele gewinnst. Aber das bringt dich natürlich nicht weiter.

Finde heraus, warum du verloren hast und dann arbeite daran. Hast du bei deiner Präsentation etwa etwas Wichtiges vergessen? Warum bist du Tabellenletzter geworden? Was waren deine Schwächen? Hast du der Frau vor lauter Aufregung nur peinliche Dinge erzählt, kamst du zu wenig selbstbewusst rüber oder hat sie dich aus Arroganz abblitzen lassen? Die Unterscheidung ist wichtig. Die richtige Antwort gibt dir wichtige Hinweise darauf, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst.

Ganz wichtig: Es weiter versuchen, die Taktik verändern, an den Schwächen arbeiten, sie beim nächsten Mal nicht mehr machen. Weiter verlieren. Verlieren, verlieren, verlieren und danach wieder aufstehen. Und irgendwann wirst du auch einmal gewinnen.

Das Allerwichtigste aber: Niederlagen nicht zu ernst nehmen! Sie gehören zum Leben dazu, sie machen dich stärker, popkulturell gelten sympathische Verlierer sogar als charmant. Wenn du am Ende gewinnen willst, verliere oft und nimm es dir nicht zu Herzen. Und jetzt, viel Spaß in der Pubertät, deinen 20ern und all den Midlife Crises, die danach noch kommen!

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Hm

Chinesen und Narrative

Um nach gestern mal wieder etwas Optimismus zu verbreiten: Es ist noch nicht zwingend alles verloren. Wir können die allerschlimmsten Auswirkungen der Klimakatastrophe noch abwenden. Wir müssten nur richtig, richtig Gas geben mit allem. Etwa mit dem Umstieg auf alternative Energien. Kriegen wir das zu 80-100 Prozent noch in diesem Jahrzehnt hin, reduzieren wir andere Treibhaustreiber wie die Fleischproduktion, ermöglichen wir „saubere“ Schifffahrten und Flüge und stoppen wir diesen elendigen kurzfristigen Konsum, dann haben wir vielleicht noch eine Chance. Wie auch immer das so schnell gelingen soll…

Irgendwie fällt China dabei eine Schlüsselrolle zu. Dass das Reich der Mitte in der Wüste Solarparks errichtet, die die Leistung von 450 (!) kleineren Kernkraftwerken haben sollen, wovon das erste Drittel schon dieses Jahr ans Netz gehen soll, ist gigantisch und die beste Meldung seit Wochen. Dass China aber gleichzeitig immer mehr Kohle verfeuert und damit zum größten CO2-Emittent der Welt wird, ist mehr als eine Randnotiz der gleichen Meldung. 2030 will China den Zenit des eigenen CO2-Ausstoßes erreichen, 2060 klimaneutral sein. Das kommt zu spät. Das käme auch für uns zu spät. Es muss schneller gehen. Und eigentlich ist doch gerade jetzt angesichts der angespannten Versorgungslage mit Gas und Öl auch im „Westen“ der Zeitpunkt da, mit Solarenergie all in zu gehen.

China fällt übrigens auch eine Schlüsselrolle im Ukrainekrieg zu. Nach US-Informationen hat Russland China angeblich um Waffen gebeten. Sollte das stimmen und China liefern, würde sich der Konflikt enorm ausdehnen und Russland, das bisher militärisch plump (aber leider nicht wirkungslos) agiert, in die Karten spielen.

Ich kann China schwer einschätzen. Ich traue den Machthabern nicht. Sie geben sich größtenteils friedlich, aber scheinen auf der anderen Seite kein Maß zu kennen. Meine Hoffnung liegt darin, dass sich diese neue Supermacht seiner enormen Stärke bewusst wird und realisiert, dass es sich langfristig nicht lohnen würde, sie auszunutzen. Sollte Xi irgendwann auf die Idee kommen, Taiwan einzukassieren, würde nichts und niemand ihn aufhalten können und das fühlt sich nicht gut an.

Mit welcher Begründung Russland eigentlich Waffen von China will? Mit einem perfiden Narrativ. Man befreie die Menschen in der Ukraine in Wahrheit von einem faschistischen Regime, das 2014 geputscht und die legitime Regierung gestürzt habe.

Diese Umdeutung ist nicht dumm, und ich finde es erschreckend, wie einfach solche Narrative im Jahr 2022 noch funktionieren. Erfinde eine gute Geschichte, lass deine Trollarmee in den sozialen Netzwerken und im staatlichen Fernsehen mit Bildern vermeintlich unterdrückter Russen in der Ostukraine um sich schmeißen, und schon hast du mindestens die Hälfte deiner eigenen Bevölkerung auf deiner Seite. Und nicht nur deiner eigenen Bevölkerung.

Es muss nur eine glaubwürdige Geschichte sein, und genau das scheint Putins Problem zu sein. Ich ziehe übrigens den Hut vor Marina Ovsyannikova, die in den russischen Hauptnachrichten im TV ein Transparent mit der Aufschrift „No war“ hochgehalten hat. Die Frau hat wirklich Eier!

Allerdings hatte auch George W. Bush anno 2003 keine gute Geschichte auf Lager, als er den Irak angreifen und der Welt etwas von Massenvernichtungswaffen auftischen wollte. Sanktionen gegen die USA haben wir trotzdem nicht erlassen. Wirklich nur, weil der eine in unseren Augen ein Despot war und der andere nicht?

Wikipedia hat immer wieder das Zeug, einen zu überraschen. Wie mit dieser Artikelsammlung über kognitive Verzerrungen (The Cognitive Bias Codex via Dense Discovery), toll grafisch aufbereitet – und mit noch viel, viel Lesefutter, wenn man das und damit unser Miteinander genau verstehen will…

I’ve never met you before but, stop what you’re doing right now and marry me! 😍😉

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Argh

Das passt mir jetzt aber gar nicht in den Kram

Wir waren es gewohnt, alles tun zu können, was wir wollten, wann immer wir wollten. Schon nicht immer impulsiv und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber den Job hinschmeißen und etwas ganz anderes tun? Jederzeit möglich. Eben Urlaub nehmen und eine Woche nach Teneriffa fliegen? Meist auch irgendwie möglich. Einen Sparplan fürs Alter anlegen, eine Wohnung finanzieren? Einfach machen und schon drauf hoffen, dass es irgendwie passen wird.

Das alles relativiert sich, wenn höhere Gewalt sich einmischt. In Form einer Pandemie, einer Naturkatastrophe oder eines Irren, der nichts Besseres zu tun hat, als grundlos ein anderes Land anzugreifen und damit das labile Gefüge einfach zu zerstören, das die Welt noch irgendwie zusammenhält.

Ich kann mir fünfmal weismachen (lassen), dass der mein Land schon nicht angreifen wird. Das würde mir auch gerade überhaupt nicht in den Kram passen, ich habe genug zu tun (siehe Post von gestern). Aber daran entscheidet es sich nicht. Er könnte es jederzeit tun, ganz egal, wie dumm es wäre, es zu tun, ganz egal, welche Konsequenzen es selbst am Ende für ihn hätte. Die Entscheidung würde uns abgenommen, wir müssten uns damit befassen. Und das hieße im schlimmsten Falle auch für jemanden wie mich, der mal an der Waffe ausgebildet wurde und noch im wehrfähigen Alter ist, zur Waffe zu greifen und auf jemanden zu schießen, der da eigentlich gar nicht sein will.

So ein Irrsinn. Aber glaubt ihr, diejenigen, die in den 1. und 2. Weltkrieg marschieren mussten, hatten gerade nichts Besseres zu tun? Think again.

Und mein Gefühl sagt mir, dass das mit etwas Pech erst der Anfang gewesen sein könnte. Covid-19, Ahrkatastrophe, jetzt der Ukrainekrieg, damit verbunden wohl eine Hungerkatastrophe (weil zwei der wichtigsten Weizenexporteure der Welt eben gerade nicht liefern), ohnehin Dürren, auch hier, mehr Stürme, auch hier, Flüchtlingsströme, sowieso hierhin, weitere Kriege aufgrund des Klimawandels… Mit etwas Pech geht das alles gerade erst los. Und nichts davon liegt noch in unserer Hand.

Unsere Planbarkeit, die uns die letzten Jahrzehnte ein so stabiles, größtenteils friedliches Leben beschert hat, bröckelt gerade bedenklich. Und die Frage, ob uns das in den Kram passt, stellt sich wohl schon bald nicht mehr.

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Möh

Back to Blogging

Ich würde gerne mehr bloggen, ich erlebe auch eigentlich recht viel im Moment. Mir fällt nur einfach nichts ein, worüber ich bloggen könnte. Ich zwinge mich jetzt mal dazu, vielleicht hilft das ja.

Ja, in der Ukraine ist Krieg, aber ich habe irgendwie nichts dazu zu sagen. Jeder sieht ja, was für ein Irrsinn das ist, dass die Menschen dort leiden und am Ende nichts Gutes dabei herauskommen wird. Aber ich kann es nicht ändern. Ich habe mich auf einer Plattform registriert, um Geflüchteten ein Zimmer in meiner Wohnung anzubieten, aber bisher noch nichts gehört. Ich bin wieder in Bonn und habe eingesehen, dass ich jetzt erst einmal hier bleiben muss. Ich habe eine endlos scheinende To-Do-Liste und noch nicht einmal den richtigen Anfang gefunden. Ich schreibe einen alternativen Reiseführer über Singapur und bin noch dabei, die Rohtexte zu verfassen. Ich habe nie wirklich aufgehört Niederländisch zu lernen und wiederhole beinahe täglich schon bekannte Vokabeln. Langsam wäre es aber mal an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen und den 5000-Wort-Wortschatz zu vervollständigen. Dazu wollte ich mir eigentlich ein „De Volkskrant“-Abo holen, aber das geht nach Deutschland wohl nicht so einfach. Macht aber nichts, nachdem ich gesehen habe, dass die auch viele Texte online veröffentlichen. Da müsste ich mich eigentlich nur 1x am Tag hinsetzen und alle Vokabeln raussschreiben, die ich noch nicht kenne.

Ich habe meine Ukulele wieder rausgekramt und „What’s up“ zu meinem (immer noch sehr bescheidenen) Repertoire hinzugefügt. Im Tischtennis würde ich auch langsam gerne mal einen Schritt weiter gehen von „zweifellos gut eingespielt“ zu „gefährlicher werden“. Trainiere jetzt bei einem Verein in der Nachbarschaft mit und habe mich zu einem Turnier nächste Woche angemeldet. Aber eigentlich fehlt mir auch Muskeltraining und da sollte ich ein wenig Gymnastik machen; ein Freund aus Singapur hat mir schlicht „Planking“ empfohlen. Ein anderer, nach dem Radfahren noch joggen zu gehen, um den Fettabbau zu beschleunigen – habe ich jetzt 2x am Bonner Kreuzberg gemacht, aber danach einen solchen Hunger geschoben, dass die Mahlzeit danach den Kalorienverbrauch auf jeden Fall wieder ausgeglichen hat. Ich drehe jetzt Videos für die Arbeit und habe eins geschossen, das so halbwegs vorzeigbar ist. Und ich habe mir zum Ziel gesetzt, täglich 10.000 Schritte zu gehen und mindestens 5 Seiten in einem Buch zu lesen, was ich eigentlich an jedem Tag der letzten Wochen übertroffen habe. Und dann habe ich mir mal wieder ein Computerspiel zugelegt („Cuphead“), was ich äußerst selten tue. Ein paar Minuten alle paar Tage versuche ich hier und da damit zu spielen und besser zu werden. Und weil ich jetzt wieder Single bin, habe ich noch ein Projekt, aber das ist noch nicht wirklich spruchreif. 🙂

Joa, langweilig ist mir also nicht. Ich weiß gar nicht, warum mich das alles nicht zum Bloggen animiert. Aber vielleicht fange ich einfach mal wieder damit an. Also noch ein To Do. 🙂 Es wäre vernünftiger und produktiver, all das aufzuschreiben und sich klare Ziele zu setzen. Aber das würde mich momentan derart stressen, dass ich darauf keine Lust habe. Lieber noch ein wenig lose so weiter. Denn so macht mir das eigentlich Spaß und es kommt erstaunlich viel dabei herum.

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Hm

Eigentlich interessiert mich nur Boris‘ Meinung zu dem Thema…

Dem Thema Ukraine natürlich. Als jemand, der „West“ und „Ost“ kennengelernt hat. Was sagst du dazu, Boris?

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Right

Singapur vs. Deutschland

Einreise nach Singapur in Corona-Zeiten*:

  • Mach bitte einen PCR-Test 24-48h vor Abflug und zeig uns das negative Ergebnis (sonst flieg gar nicht erst los)!
  • Installiere dir noch vor Abflug unsere Corona-Warn-App, die du danach bitte Tag und Nacht laufen hast und im Übrigen noch drei Wochen nach deiner Wiederausreise (sonst lassen wir dich gar nicht erst rein)!
  • Mach einen weiteren PCR-Test direkt nach Ankunft, wir leiten dich direkt zum Testzentrum!
  • Begib dich danach sofort in Selbstisolation und warte auf das negative Testergebnis binnen 24 Stunden**!
  • Mache einen Antigen-Schnelltest an den Tagen 2, 3, 4, 5, 6 und 7 (!) deines Aufenthalts*! Melde dich sofort bei uns, sobald eins der Ergebnisse positiv ist (sonst setzt es was)!
  • Okay, das reicht dann. Ist das alles negativ, glauben wir dir, dass du keine Gefahr für unser Land darstellst. Beweg dich frei, check überall mit der App ein, trag ansonsten deine Maske und gut is‘!

* Die Bestimmungen ändern sich immer wieder. Inzwischen sind die ART-Tests nicht mehr notwendig, zwischendurch waren aber mal bis zu 4 PCR-Test vorgeschrieben.
** Es kam nach 6h.

Bei Rückkehr nach Deutschland:

  • – Zeig uns denen Impfnachweis. Danke.
    – „Moment, Moment, wollt ihr nicht auch einen aktuellen Test… irgendwie?!“
    – Nein, wieso?
  • Ja gut. THEOREEEETISCH musst du dich sofort in Quarantäne begeben, sobald du aus einem Hochrisikogebiet (wie Singapur) zurück nach Deutschland kommst, egal ob du’s hast oder nicht! Das steht ja schon auf der Website des Auswärtigen Amtes, da sind wir eiskalt!!!!1!11!!

    Das kannst du aber umgehen, indem du uns einen Genesenennachweis, ein negatives Testergebnis oder eben deinen Impfnachweis (2x reicht) vorlegst. Kann jeder.

Autoritär vs. Laissez-faire. Und jetzt ratet mal, welcher Ansatz mir besser gefallen hat…

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Right

Don’t eat!

Eigentlich jedes Mal, wenn ich mir an einem vollgepackten Tag dachte: „Ach Mensch, essen musst du auch noch was“, habe ich es hinterher bereut, wenn ich es tat. Sich schnell was reinschieben, selbst wenn es was halbwegs Gesundes ist, das führt alles zu nichts. Liegt dann schwer im Magen, führt zu Schweißausbrüchen, Müdigkeit zur falschen Zeit. Und es kostet auch noch Zeit. Manchmal genau so viel, dass ich mir danach über die eigentlich noch anstehende Aufgabe denke: „Ach nee, jetzt noch anzufangen, lohnt sich auch nicht mehr.“

Es ist dieses ungute Sattsein, was einen dann dazu verleitet, einfach abzuwinken: „Kann ich auch morgen noch machen.“ Das kann mal ganz erquickend sein. Der Mensch ist ja keine Produktivitätsmaschine. Manchmal braucht er auch Pausen, von denen wir ja tendenziell eher zu wenig machen. Aber in den meisten Fällen sabotiere ich mich selbst mit einer unpassenden Mahlzeit und ärgere mich hinterher. Gerade wenn eh viel zu tun ist und es eigentlich nur einer Initialzündung bedarf, um endlich anzufangen. Dann etwas zu essen, scheint mir genau der falsche Weg.

Also wenn ihr das nächste Mal vor einer schwierigen Aufgabe steht und nicht so recht wisst, wie ihr sie lösen sollt, wäre mein Rat: Macht lieber eine Viertelstunde Pause, einen kurzen Spaziergang, aber esst nichts, nur um auf andere Gedanken zu kommen. Das hilft nicht.

Anders als die Killer-Headline es vermutet lässt, halte ich Essen an sich natürlich für wichtig – und mitunter sehr schmackhaft, gerade wenn man wirklich Appetit und ein gutes Essen vor sich hat. Aber – wie ich auch hier schon öfters schrieb – wir essen ja tendenziell eher viel zu viel. Lieber mal eine Mahlzeit überspringen, hat weit weniger negative Effekte, als man zunächst glauben mag.

Ich bin im siebten Himmel. 🙂 The Cuphead Show (neu auf Netflix) erinnert mich an die alten Cartoons aus den 1930ern und 40ern. Ihr wisst schon, als „Tom & Jerry“ noch lustig waren.

Und seit wann ist die Bahn eigentlich so billig? 🤔 So viel habe ich in Singapur neulich beinahe für ein (zugegeben ziemlich teures) Bier bezahlt. Man kommt fast in Versuchung, einfach mal auf gut Glück zu buchen, egal ob man am Ende fährt oder nicht (aber das wäre dann auch schon wieder zu dekadent).

Und ja, ich spiele mit dem Gedanken, mal mit dem Rad vom äußersten Norden Deutschlands in den äußersten Süden zu fahren, und da muss man natürlich in Sylt anfangen.

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Hm

Damn, this feels like home now

Erst einmal sorry. Da bin ich fast den ganzen Winter 10.000 Kilometer von zu Hause weg, habe eigentlich eine Menge zu erzählen. Und dann tue ich es nicht.

Der Grund ist mir selber nicht ganz klar. Vielleicht ist es schlicht der, dass ich meist von morgens bis abends unterwegs bin, dass hier einfach beinahe alles toll ist, was soll man da erzählen… und dass Instagram-Storys irgendwie mittlerweile mein Lieblings-Medium geworden sind. Schaut am besten da… ach nee, jetzt bin ich ja hier fast fertig…

Die Sache ist die: Mir gefällt es hier super. Die Aussicht, in einer Woche wieder im miesmutigen Deutschland zu sitzen, löst nicht gerade Heiterkeit aus. Wird schon gehen, klar. Und ich freue mich natürlich auch, euch wiederzusehen. Aber wenn ich ehrlich bin, fühlt sich das hier gerade mehr wie zu Hause an.

Wenn es eine Sache gibt, die ich mitnehmen könnte, dann wäre das das Wetter, das Essen, die Essenspreise, die Unkompliziertheit, das Unpolitische, die Marina Bay Sands, das ToastBox-Café an der Bugis Junction, eine Jahresration Salted Egg Chicken Rice, das Nahverkehrssystem und seine Preise, das Changi Village Hawker Center und die Little Island Brewery, die schönen Frauen, das entspannte Miteinander. Du siehst anders aus als ich, bist anders drauf, denkst anders, verstehst nichtmal unbedingt genau, was ich sage, dann – prima, lass uns ne Runde TT spielen und danach was essen gehen. Und danach machst du dein Ding weiter und ich meins, bis wir uns hier wieder treffen.

Ich hoffe, schon bald.

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:)

Singapore so far

Puh, ja, es kommen schon die ersten Klagen, dass ich mitten in der Corona-Krise drei Monate mal eben schnell den Kontinent wechsle und trotzdem nichts blogge. Kann gar nicht genau sagen, warum. Vielleicht, weil es sich alles sehr schnell sehr normal angefühlt hat… Aber trotzdem, hier endlich für euch ein paar Fotos:

Little India
Typischer Blick aus dem Fenster 😉
Marina Bay Sands bei Nacht <3
Hinter der glitzernden Fassade – ist immer noch fast alles sauber.
Strände gibt es auch…
… wenn auch vielleicht nicht die schönsten in Südostasien.
Die Intermediate Indoor Table Tennis Group, in die man mich sehr herzlich aufgenommen hat. <3
Mall Companion für Kinder
Little Island Brewing Co. in Changi Village
National Gallery
Kampong Lorong Buangkok, das letzte „Dorf in der Stadt“
Year of the Tiger coming up
Wir wohnen in dem Gebäude rechts
Vollmondblick aus dem Fenster
Christmas in the tropics
Das Parkview Square gleich nebenan, ein Gebäude im Art-Déco-Stil der 1920er-Jahre
The Good Place
My favorite Toast Box Kopi
Gardens by the Bay
MBS again
Christmas Breakfast
Atlas Bar im Parkview
dto.
Uncle reading paper
But then you stopped?
Little India II
Sure you are…
… but what do you see?
Mal ziemlich…
… mal weniger lustige (aber immer süß gezeichnete) Comics, um die Bürger zu einem gesunden Miteinander zu bewegen.
Wasserspielerei an der Marina Bay Sands
Flora
Fauna
Chinatown
dto.
dto.

Also: Ganz nette Gegend so weit. 🙂

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Yeah

2021 & 22

2021 war ein ziemlich gutes Jahr für mich. Ja, das mag den einen oder anderen überraschen. Denn es war ja immerhin ein Seuchenjahr, ein Katastrophenjahr, ein politisch beinahe unruhiges Jahr, das auch mir natürlich ziemlich zu denken gegeben hat.

Ein Unwetter hat das wunderschöne Ahrtal unweit Bonns verwüstet, tausende wurden obdach- und mittellos in einer Katastrophe, die man in Deutschland heute nicht mehr für möglich gehalten hätte. Mehr als 100 Menschen starben. Und das tut mir wirklich, wirklich Leid. Übrigens nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass ich nur 1 Tag wirklich dort helfen war. Meinen Urlaub wenige Tage nach der Katastrophe habe ich lieber im Ausland verbracht. Ich kann und will das in keiner Weise schön reden, ich sag es, wie es ist: Ich wollte die Zeit lieber auf dem Rad in den Niederlanden verbringen.

Und dann einige Wochen später sogar wiederkommen, dort bleiben und die Sprache lernen. Einfach so, mitten in der Pandemie. Um danach kurz wiederzukommen und das seuchengeplagte Land gleich noch einmal für ein paar Monate zu verlassen, also immer jeweils dorthin, wo die Leute ganz anders auf die Pandemie reagieren als in Deutschland: In dem einen Land mit betontem Laissez-faire und in dem anderen mit so eindeutig harter Konsequenz, dass es schon wieder erfrischend angenehm war. Geschwurbel wird in Singapur einfach nicht zugelassen. Herrlich!

Die zweite Jahreshälfte war für mich großartig. Ich konnte mich impfen lassen, ich hatte einen fantastischen Urlaub, ich habe eine neue Sprache gelernt, ich bin Corona 2x entflohen. Ich habe meinen Job noch und auch hier viel Neues gelernt, ich habe die allergrößten Teile meines Besitzes (analog wie digital) wegminimiert, und ich habe Corona bei allem gebotenen Respekt nicht ernster genommen als der Antichrist das Weihwasser.

Und, ach ja, ganz nebenbei wurde der elendige, bayerische Knabengesangschor, der aus irgendeinem, kaum nachvollziehbaren Grund 16 Jahre lang mitregieren durfte, entmachtet und durch eine deutlich frauen-, klima- und generell menschenfreundlichere Regierung ersetzt. How cool ist that?

Ich halte es wie Faith No More schon in den 80ern:

We care a lot!
About disasters, fires, floods and killer bees.
We care a lot!
About the NASA shuttle fallin‘ in the sea.
We care a lot!

About starvation and the food that Live Aid buys
We care a lot!
About disease, baby, Rock, Hudson, rock!

Ja, das alles geht mir nahe! Diese furchtbare Ahrkatastrophe! Jeder, der unter Corona direkt oder indirekt leidet. Es ist ein verdammtes Elend und es tut mir unendlich leid.

Aber jeder für sich selbst? Ich weiß nicht. Ich kann auf die Straße gehen und dagegen demonstrieren, dass die Regierung mich notfalls mit Gewalt vor einer Pandemie schützen will. Oder ich kann die Zeit nutzen, mich über meine Impfung zu freuen und mein Leben auf Vordermann zu bringen. Das habe ich 2021 getan und das möchte ich auch 2022 tun.

Meine Vorsätze:

  1. Zu Ende minimieren. Jetzt wirklich. Das Ende ist absehbar, auch wenn noch einiges zu tun ist.
  2. Auf Radtour gehen. So lange, bis ich rank und schlank bin. Wird hart, aber es ist jetzt mal Zeit.
  3. Ein guter Mensch werden. Da geht, ihr seht es, immer noch einiges.

Und ihr?

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Right

Teuerste Stadt der Welt?

Im Ranking um die teuerste Stadt der Welt taucht Singapur meistens recht weit vorne auf, manchmal sogar ganz vorne. Im jüngsten Mercer-Ranking liegt Singapur immerhin auf Platz 7, im Economist-Ranking kürzlich belegt Singapur zusammen mit Paris Platz 2, überboten nur noch von Tel Aviv, womit Singapur die teuerste Stadt Asiens wäre (wenn man Tel Aviv selbst nicht dazu zählt).

Und ich denke mir immer: hääh?! Singapur? Dieses Land, in dem eine 15-minütige U-Bahn-Fahrt in einem der modernsten Nahverkehrssysteme der Welt nicht einmal 1 Euro kostet? In dem du eine ganze Mahlzeit fantastischsten Essens für 3, 4 Euro bekommst, wenn du weißt, wo. In dem ein wunderbarer Kaffee, für den du einen Starbucks links liegen lässt, 1 Euro kostet. Wo es anständige Fahrräder für um die 200 Euro gibt, du nicht einmal Wasser kaufen musst, weil du das Leitungswasser (im Prinzip) trinken kannst? In dem auch Mode, Lebensmittel (in offenen Märkten), Körperpflegeprodukte oder Zugang zu Museen nicht sonderlich teuer sind und es ein fantastisches Netzwerk öffentlicher Büchereien für wenig Geld gibt. Die teuerste Stadt der Welt?!

Aber stimmt schon: Isst du abseits der öffentlichen Wohnblocks und wohnst auch nicht dort, bist du schnell 20, 30 Euro für ein Abendessen los. Besonders wenn du noch etwas dabei trinken willst, in dem Alkohol ist. Auch bei anderen Genussmitteln wie Schokolade, Zigaretten, American Style Coffee (Latte und Konsorten) wird es schnell teuer. Auf die Idee, dir ein Auto zu kaufen, kämst du schon nicht, wenn du nicht gerade 50.000, besser 100.000 auf der hohen Kante hast. Du kriegst auch ein Zimmer zur Miete für 500 Euro – wenn es weit draußen ist, dir 9 qm reichen und es nicht zwingend eine Klimaanlage oder gar ein Fenster haben muss. Lebensmittel aus dem Supermarkt kosten eine ganze Menge, auch Milch und Milchprodukte. Für Expats sind auch andere Dinge teuer, etwa das Schulgeld für Kinder. Und das alles bei Gehältern, die im Schnitt eher unter unseren liegen (wobei die Steuern lachhaft niedrig sind).

Also kurz gesagt: Teuer ist Singapur im Grunde nur dann, wenn du genauso leben willst wie zu Hause. Aber wer will das schon.

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Yeah

Im fernen Osten

… gibt es auch Alltag. Deswegen schreibe ich hier so selten. Das Weltgeschehen geht trotzdem nicht an einem vorbei.

  • Deutschland hat also einen neuen Bundeskanzler.
  • Muss man sich erstmal dran gewöhnen nach 16 Jahren Mutti.
  • Das erste, was ich von ihm mitbekommen habe: Dass er sich anders als seine Kollegen aus den USA, UK, Australien, Kanada und Neuseeland erst einmal eine Meinung dazu bilden muss, ob man die Olympischen Spiele in Peking diplomatisch boykottieren sollte.
  • Scheint ein Mann der schnellen Entscheidungen zu sein.
  • Nennen wir ihn doch einfach Vati.
  • Was ohnehin schon eine zaudernde Reaktion auf eine mutlose Entscheidung ist, finde ich. 1980 und 1984 sind die größten Sportnationen USA und UdSSR noch klare Kante gefahren, als ihnen etwas nicht passte. Und sie haben dann ihre Sportler nicht nach Moskau und dann Los Angeles geschickt, nicht irgendwelche bedeutungslosen Diplomaten.
Für Nicht-Geimpfte gibt es in Singapur vielfach nicht mal Essen zum Mitnehmen. Das ist hart.

Vorgestern Abend saß da ein Mann auf einer Bank vor unserem Haus. Er grüßte mich, als ich zum Joggen rausging, dann noch einmal als ich drei Minuten später wiederkam, weil ich Kristine auf dem Balkon ausgesperrt hatte 😬 und dann noch einmal, als ich endlich loslaufen konnte. Als er nach meinem Lauf immer noch da saß, bin ich zu ihm hin und hab hallo gesagt und er hat mir sofort seine Geschichte erzählt:

  • Er ist nicht geimpft. Er hat ein Herzleiden und deswegen Angst vor der Impfung.
  • Das liege wohl in der Familie. Seinen Onkel (obwohl natürlich deutlich älter) hätte es bei der ersten Impfung fast zerrissen.
  • Weil er nicht geimpft ist, kommt er praktisch nirgendwo mehr rein, nicht einmal einen Job bekommt er noch, weil auch Arbeitgeber nur noch solche Menschen beschäftigen dürfen, die doppelt geimpft sind.
  • Genesen, getestet? Reicht nicht. Selbst Menschen, die vor einer Impfung an Covid 19 erkrankt waren und davon genesen sind, sollen sich impfen lassen.
  • Eine offizielle Impfpflicht gibt es in Singapur zwar nicht, aber…
  • Das Land verfährt bei dem Thema Impfung eine Zero Tolerance Policy, die nicht nur Franz-Josef Strauß die Freudentränen in die Augen getrieben hätte.
  • Die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff wird für Menschen über 12 pauschal empfohlen.
  • Ausnahmen dazu habe ich nur eine gefunden: eine mögliche Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe eines Impfstoffes.
  • Immundefizienz, Schwangerschaft? Alles kein Grund, sich nicht impfen zu lassen.
  • Und die Lösung, wenn jemand allergisch auf einen der Inhaltsstoffe einer mRNA-Impfung reagieren könnte oder bei der ersten Impfdosis bekommen hat? Die Impfung mit dem chinesischen Totimpfstoff Sinovac!
  • Singapur hat mittlerweile 85 Prozent seiner Bevölkerung vollständig geimpft. Klingt wenig, Gesundheitsminister Ong Ye Kung hat die Zahlen Mitte November in einem Video aber noch einmal aufgeschlüsselt. Es sind 85 Prozent der Gesamtbevölkerung. Von den restlichen 15 Prozent lebt 1 Prozent im Ausland und kann deswegen gerade nicht erfasst werden, 9 Prozent sind Kinder unter 13, für die der Impfstoff noch nicht empfohlen wird. Bleiben 5 Prozent, die sich nicht impfen lassen wollen.
  • Darunter fällt dann auch mein Kumpel. Noch. Denn…
  • Du kommst nirgendwo mehr rein, kannst nicht arbeiten, Ausnahmen gibt es so gut wie nicht: im Grunde hast du keine Wahl, als dich impfen zu lassen.
  • So bekommt Singapur seine Bevölkerung also geimpft. Das ist schon hart irgendwo. Andererseits ordnet man die Politik nicht irgendwelchen Schwurblern unter, sondern setzt mit letzter Konsequenz das um, was sich als die vernünftigste Lösung erwiesen hat: impfen. Welcher Weg besser ist: Die Deutsche mit „kann ich nicht, will ich nicht, ich mag die Regierung nicht“ oder eben „impf or die“ auf Singapurer Art: You be the judge.

Wie ist denn nun der Alltag hier so? Bisher nicht viel anders als in Deutschland, außer dass man statt Heizung eine Klimaanlage braucht, die auch fast den ganzen Tag läuft. Tagsüber arbeite ich, also dann, wenn in Deutschland meistens nachts ist. Abends mache ich was mit Kristine oder spiele mit anderen Hipstern Underground Ping Pong. 🙂 Morgen steht meine nächste Englischstunde an. Und, boy, hab ich die nötig! Mein Tutor hat mich einen eigenen Text von mir selbst übersetzen lassen und was hab ich mir dabei einen abgebrochen! Falsch klang das meiste am Ende trotzdem. Ich bin gespannt, wie man das „kuriert“.

Zum ersten Mal auf Google gesehen: ein Faktencheck:

Ja, fahrt ihr ruhig alle nach Rio oder zur chinesischen Mauer. Für mich sind die Marina Bay Sands eins der sieben Weltwunder der Moderne:

Und okay, das Foto wird ihr noch nicht gerecht. Reiche ich nach.

Meine allerliebste Buchhandlung der Welt, Kinokuniya im Ngee Ann City an der Orchard Road – hatte doch tatsächlich das Buch nicht da, das ich gesucht habe. Ich habe es mir nach meinen erfolglosen Besuch als E-Book gekauft…

Unser Haus, ein hochgeklapptes Bonn:

Kultur:

  • Der Podcast „11 Leben“ – sensationell! War der erste Podcast, den ich gebinge-hört habe. Wusste gar nicht, dass das geht. Ein wenig Faible für Fußball muss man allerdings schon haben. Es ist die Lebensgeschichte der FC-Bayern-Legende Uli Hoeneß. Und ich bin noch nicht einmal Bayern-Fan.
  • „Haus des Geldes“: Uns fehlen noch zwei Folgen bis zum Ende, und was bin ich froh, wenn der Mist endlich vorbei ist! Klarer Fall von: eine tolle Idee mit tollem Plot und wahnsinnig guten Charakteren um mindestens zwei Staffeln zu sehr in die Länge gezogen, mittlerweile jeglicher Originalität beraubt, überdramatisiert, unglaubwürdig und vorhersagbar. Man wartet nur noch auf den Gnadenschuss, der die Serie von ihren Leiden erlöst.
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Right

Singapore Slings II

Anderthalb Wochen bin ich jetzt immerhin schon in Singapur – und ich habe erschreckend wenig zu erzählen. Es geht hier alles seinen Gang, es ist etwas Ruhe und mittlerweile so etwas wie Alltag eingekehrt.

  • Die Wohnung ist top. Wir haben einen Master Room mit eigenem Bad, Balkon, Fensterfassade und Blick auf die Arab Street mit der Moschee, einem, na gut, weniger hübschen Hochhaus auf der anderen Seite. Und man sieht sogar ein bisschen was vom Singapore Flyer. Bilder werde ich mal nachliefern, heute bin ich zu müde.
  • Die Wohnung ist teuer, aber für Singapurer Verhältnisse sogar noch in Ordnung. Viel Platz hat man natürlich nicht, hat man in diesem Land aber nirgendwo.
  • Zwei nette Mitbewohner aus China und Vietnam wohnen in den anderen Zimmern. Mit ihnen teilen wir uns die Küche. Man sieht sie öfter mal, weil sie auch im Home Office arbeiten, und hält ein kleines Schwätzchen.
  • Das Wetter ist mittlerweile auch richtig klasse. Kaum noch Regen und wenn doch, freut man sich über die Kühle, wenn man nicht gerade reingerät. Heute Abend ist es so angenehm, dass ich mal auf dem Balkon sitzen und hier bloggen kann. Gestern Abend noch hätte ich es hier keine 10 Minuten ausgehalten.
  • Ich spiele so viel Tischtennis wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt daran, dass ich mich noch vor Abflug nach einigen Tischtennis-Gruppen umgesehen und direkt an den Organisator des Tischtennis-„Untergrund“-Sports und seine WhatsApp-Gruppe geraten bin und sehr nett unter seine Fittiche genommen wurde. Ich war mittlerweile schon an drei verschiedenen Orten spielen, und es ginge auch noch viel, viel mehr, wenn man wollte und die Zeit hätte. Auf jeden Fall freue ich mich, hier gleich ein wenig Anschluss gefunden zu haben.
  • Vorgestern stand ich hier zum ersten Mal auf einem Fahrrad. Die Geschichte alleine ist einen Blogpost wert, er soll Ende des Jahres auf dem Trendblog erscheinen. Nur so viel: Ganz ungefährlich ist Radfahren hier nicht, aber ich habe jetzt eine Strecke gefunden, die kaum Risiken birgt. Brauche ich eigentlich nur noch ein Fahrrad. Das Leihradsystem hier ist unzuverlässig und die Räder sind: na ja, nichts für längere Touren.
  • Das Essen ist sowieso fantastisch, ist aber beinahe müßig, das in einem Atemzug mit Singapur zu erwähnen. Ich übe aktuell das Videofilmen für die Arbeit, indem ich kurze Videos von jeder Mahlzeit drehe. Sobald da etwas Vorzeigbares bei herauskommt, gebe ich Bescheid.
  • Noch besser ist der Kaffee. Es gibt hier natürlich auch Starbucks, Coffeebean & Tea Leaf und jede Menge Hipstercafés. Aber meine Leidenschaft gilt ohnehin eher dem lokalen Kopi, der erfreulicherweise nur einen Bruchteil der anderen kostet. Am liebsten würde ich sogar einen Kurs darin machen, wie man ihn zubereitet. Mal sehen, was sich da noch finden lässt.
  • Auch Craftbeer ist hier längst ein Ding, gestern kamen wir noch an einer neuen Craftbeerbar in Somerset vorbei. Der Genuss daran geht natürlich immer so weit, wie das Portemonnaie gefüllt ist. Bier ist hier bekanntlich so teuer, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Aber weil man für Craftbeer ja auch in Europa nicht gerade wenig zahlt und ich mir vorgenommen hatte, eh mal wieder ein bisschen weniger zu trinken, leiste ich mir das vielleicht doch ein oder zweimal. Weihnachten oder so.
  • Ich habe angefangen, wieder Tagebuch zu führen. Also nicht Blog, sondern richtig Tagebuch mit Kladde und Stift. Fühlt sich gut an.
  • Ein paar Ideen dazu, was ich über Singapur noch für ein Ebook schreiben könnte, werden konkreter.
  • Eine jecke Idee, die mir neulich noch kam, ist das Nachtwandern. Ich wandere ja gerne, gerne auch urban und auch in Singapur bin ich schon mehrmals gewandert. Weil das Wetter eigentlich nur nachts richtig angenehm ist, überlege ich gerade, das einmal nachts durchzuziehen. Vom Flughafen in die Stadt oder so.
  • Morgen geht dann endlich auch mein Englisch-Sprachkurs los. Ich bin sehr gespannt.
  • Ach so, und Corona? Gibt’s hier auch, die ersten Omikron-Fälle sind auch hier angekommen. Die Leute wirken auf mich aber gechillt und vernünftig gleichermaßen. Es gibt Einlasskontrollen per App für doppelt Geimpfte und Genesene in jedem Laden und jeder Freizeiteinrichtung, und auch nicht viel Diskussionen darüber. Das geht einem so schnell ins Fleisch und Blut über, dass man es kaum noch wahrnimmt. Für meinen Geschmack findet noch etwas zu viel drinnen statt – müsste man zwingend drinnen essen, wenn es auch außen Schattenplätze mit Ventilator gibt? Ich weiß ja nicht. Aber sonst: alles erstmal im Rahmen.
  • Nur dass ich hier wohl so schnell an keinen Booster-Shot kommen werde, gibt mir ein wenig zu denken. Meine zweite Impfung ist jetzt fast 5 Monate her, der Impfschutz ist praktisch am Nullpunkt angelangt, aber ich bin hier nur mit einem Quasi-Touristenvisum. Und Impfstoff gibt es natürlich erst einmal nur für Einheimische und hier arbeitende Ausländer. Nicht ideal leider.

Wie geht es euch denn da drüben?

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Right

Singapore Slings I

Kaum zu glauben, dass ich vor drei Tagen noch in der Kälte saß. Und es sich jetzt schon anfühlt, als wäre ich seit Ewigkeiten hier. Ja, es geht mir gut, ja es ist schön hier, nein, Corona gibt’s hier auch, ja, es dürfte gerne noch paar Grad kühler sein. Was bisher so los war und ist:

  • Wir wohnen jetzt im 8. Stock des 46-stöckigen Gebäudes Duo Residences in einer Art WG. Die Aussicht ist auch so schon nicht schlecht.
  • Das Gebäude sieht aus wie eine riesige Honigwabe.
  • Mit Corona nehmen sie es hier noch viel ernster als zu Hause.
  • Und das fühlt sich gar nicht mal so schlecht an.
  • Einchecken mit der TraceTogether-App drinnen an jeder Ecke, bei Eintritt ins Gebäude ebenso wie in jedem Geschäft und jeder Bude.
  • Nicht nur Einscannen übrigens, sondern das grüne Signal, dass ihr safe seid, auch einem Offiziellen zeigen, der da sitzt.
  • Maskenpflicht nicht nur in Gebäuden, sondern auch draußen.
  • Und dann keine Diskussion: Einmal hatte ich in einem Café im Untergeschoss keinen Empfang, weswegen auch der Scan nicht funktionierte. Aber der Verkäufer hat drauf bestanden. Kein grünes Licht, kein Kaffee.
  • Trotzdem lassen sie es außerhalb der offiziellen Regelwut dann auch schonmal Fünfe gerade sein. Als ich mich in einer Sport-App zu einem Tischtennis-Event registrieren wollte, stand da als Regel: mindestens 14 Tage vorher nicht im Ausland gewesen sein. Auf meine Nachfrage beim Organisator, antwortete der: die haben bloß ihre Regeln noch nicht aktualisiert. Du bist ja doppelt geimpft – komm einfach vorbei!
  • In den Tischtennis-WhatsApp-Gruppen, in denen sie mich aufgenommen haben, gibt es seit einigen Tagen heiße Diskussionen, was cooler ist. Booster mit Pfizer-Pfizer-Moderna oder Pfizer-Pfizer-Pfizer. Der letzte Schrei ist das erste, weil das noch was besser schützen soll.
  • In Deutschland diskutiert man derweil mit Impfskeptikern…
  • Noch ist Regenzeit. Das heißt: Das Wetter ist erstaunlich angenehm, vor allem abends. Luftige 26 Grad und dabei ausnahmsweise mal nicht zuuu drückend.
  • Nachts ist es entweder zu kalt oder zu heiß. Klimaanlagen lassen sich kaum wärmer stellen als 25 Grad. Trotzdem ist es dann gefühlt noch teils zu kalt. Die Klimaanlage einfach ausstellen? Dann wird es binnen 30 Minuten unerträglich heiß. Heute mal ausprobieren: Klimaanlage auf 18 Grad und dafür eine dicke Decke. Besonders toll fürs Klima-Klima ist das natürlich auch nicht…
  • Völlig untersportet und aus Angst vor dem überfüllten Gym bin ich gestern Abend spontan eine Stunde laufen gegangen – und weil ich das ein Jahr lang wegen meiner Knie nicht getan habe, habe ich jetzt den Muskelkater meines Lebens.
  • Das Ziel bleibt 10.000 Schritte am Tag. Kristine meinte, ich muss Jollibee probieren! Durchaus lecker, aber auch ein ziemlich schweres Abendessen ohne jegliche Viatmine… Dieselbe Kristine meinte danach aber auch: Lass doch noch mal nach Little India spazieren, da ist noch Deepavali-Deko, und danach könnten wir zur Weihnachtsdeko an der Orchard Road gehen.
  • >10.000 Schritte also problemlos auch heute.
  • Und die Gegend soweit: Einfach traumhaft! Unser Gebäude ist gerade mal knappe 5 Jahre alt, das Hotel nebenan, The Parkview Square, ist ein Hotel im Art-Deco-Stil. Und auch sonst: zentraler und gleichzeitig lokaler geht kaum. Das ist schon prima. Bilder dazu unten.
  • So richtig angekommen bin ich aber trotzdem noch nicht… 😉
  • Mein Sprachkurs beginnt erst nächste Woche. Und eine gute Idee fehlt mir noch, was ich sonst noch speziell arbeitstechnisch in Singapur machen kann. Ich hätte Bock, ein E-Book zu schreiben. Nur: worüber? 🤔
  • Wie geht es euch?
  • Paar Impressionen noch, dann gute Nacht:

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Argh

Dodging bullets

Es sind verrückte Zeiten gerade, das muss ich euch nicht sagen. Und es fühlt sich sonderbar an, dabei irgendwie von einer gemütlichen Oase in die nächste zu springen, während darum herum die Welt gefühlt kollabiert.

Jetzt gerade etwa schreibe ich euch vom Frankfurter Flughafen aus, nachdem ich gerade erst zwei Wochen wieder in Deutschland auf „Heimaturlaub“ war, während sich die Verhältnisse hier dramatisch verschlechtert haben. Jetzt ist ungewiss, wie es weiter geht, ich rechne mit verschärften Maßnahmen, langfristig 2G, 2G+ oder sogar wieder einen Lockdown. Auf einem Bildschirm, auf dem News der Deutschen Welle laufen, sehe ich dann Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in Den Haag und Rotterdam. Zwei Städte, in denen ich gerade erst war und in denen es sich da noch anfühlte, als gäbe es kein Corona mehr. Der Premier hatte im Sommer erst seine Maske weggeworfen und in einer Ansprache an das Volk noch gejubelt, Motto: „Danke für euer Verständnis, Leute, aber jetzt haben wir’s überstanden!“ Kaum war ich weg, hieß es dann wieder: Sorry, doch nicht, jetzt wieder Maßnahmen! Und die Leute drehen durch… Gleich fliege ich dann noch in ein Land, das die vierte Welle gerade gebrochen hat und sich langsam wieder öffnet. Ob nach mir dann die fünfte Welle rollt? Ich will es nicht hoffen.

Ich glaube, es bringt nichts, sich einzureden, man bliebe besser hier und würde den Kampf zusammen mit den eigenen Leuten ausfechten, denn es gibt nicht wirklich etwas zu kämpfen, nur zu erdulden. Es bedarf Lösungen, die gerade noch niemand hat. Wie erreicht man diejenigen, die die Welle brechen könnten? Es ist ein Versagen des Mediensystems, so gesehen auch der Politik, aber natürlich vor allem der Vernunft. Zuhause bleiben und aushalten? Oder Hoffnung lieber da schöpfen, wo sie noch ist? Ich probiere mal Letzteres.

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Hm

3 Menschen, 3-mal die gleiche Geschichte

Drei Leute haben letztlich meine Wohnung für eine Zwischenmiete besichtigt. Dreimal habe ich mehr oder weniger die gleiche Geschichte gehört: „Ich bin vor ein paar Monaten mit meiner/m Partner/in zusammengezogen. Aber irgendwie brauchen wir jetzt Abstand voneinander. Oder sind auch schon nicht mehr zusammen. Deswegen passt eine Zwischenmiete ideal, damit ich mir in Ruhe was Neues suchen kann oder wir das ganze Mal auf Distanz probieren können.“

Distanz wäre in einem Falle eine Wohnung in der gleichen Straße, ein paar Häuser weiter gewesen… Geworden ist es aber jetzt dann doch ein anderer Kandidat. Alle drei standen mehr oder weniger am Ende einer Ausbildung.

Ist schon krass. Wir hatten ja einen Sommer beinahe ganz ohne Corona. Der letzte Lockdown ist schon eine ganze Weile her. Aber trotzdem war es für einige vielleicht einfach zu viel. Wenn zwei Leute nicht nur zusammen wohnen, sondern beinahe 24 Stunden am Tag miteinander verbringen, weil beide auch noch zu Hause arbeiten oder lernen, dann knallt es irgendwann.

Und mit etwas Pech kommt jetzt noch ein weiterer Lockdown…