
Wenn, dann jetzt.
Ich könnte nur was ausgeschlafener in die Landschaft gucken (obwohl ich’s eigentlich bin).

Wenn, dann jetzt.
Ich könnte nur was ausgeschlafener in die Landschaft gucken (obwohl ich’s eigentlich bin).
And that might be a good thing.
Ich war gerade eine Runde draußen (und bin froh, dass das noch geht). Dabei macht man natürlich Beobachtungen und sich so seine Gedanken.
Ein abschließendes Fazit habe ich hier gar nicht. 🙂 Bleibt’s gesund und macht’s a guade Stimmung vernünftig, dann ist der ganze Mist vielleicht noch vor dem Sommer zu Ende.
Die Bundesregierung möchte lieber abwarten, bevor sie eine Ausgangssperre verhängt. Sie appelliert an die Vernunft der Leute, sich an einem sonnigen Samstag, in der alle Freizeit haben, nicht in großen Gruppen zu treffen. Lasst mich raten, wie gut das funktionieren wird… gar nicht. Vielleicht zeigen sich sogar 90 Prozent vernünftig, das reicht aber nicht. Die Zahl der Infizierten in Deutschland hat mittlerweile die 10.000 locker überschritten. Selbst in Italien, das die Ausgangssperre schon verhängt hat, steigt die Zahl der Infizierten (und die der Todesfälle) munter weiter. Warum sollten wir das ganze noch weiter eskalieren lassen?
Ich halte gar nichts von Heimtrainern. Die machen keinen Spaß, nehmen viel Platz weg und enden als Kleiderständer. Aber so ganz ohne Turnhalle und Fitnessstudio werde ich die nächsten Wochen wohl nicht überstehen. Bestellt habe ich mir deswegen eine Gymnastikmatte und ein paar Fitnessbänder mit Türhaken für zusammen nicht mal 30 Euro. Am Ende merke ich vielleicht noch, dass ich gar kein Fitnessstudio mehr brauche…
Ah, nein, keine Chance. Hätte mir vor fünf Jahren nicht ausmalen können, das mal zu sagen, aber: Ich war tatsächlich gerne da. Zuletzt die Übungen zu finden, die mir gut tun, die unterstützenden Übungen für mein Abnehmen-durch-Minimalismus-Programm (ohne wäre es nicht gegangen). Und, na ja, auch wenn ein Fitnessstudio kein Tischtennisverein ist, der die Leute zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden lässt: Ich mag das Personal da eigentlich, und schön war’s auch, immer mal wieder die eine oder andere bekannte Nase für einen Small Talk dort zu treffen. Ich hoffe, sie kommen irgendwie durch die Krise.
Und nichts auf dieser Welt ersetzt „mein“ Rudergerät. 10 Minuten bei jedem Training. Selbst dafür hat sich der Gang dahin meistens schon gelohnt. Kann man sich sogar für zuhause kaufen, kostet dann aber 1.300 Euro (oder 300 in der Light-Variante). Aber, siehe oben, ein Heimtrainer kommt mir nicht ins Haus. Nee, machen wir anders. Ich zahle euch den Monat, damit das Studio überlebt und wir beenden dann einfach die allgemeine Corona-Krise Ende April. Alle einverstanden?
P.S. Die Lieferfristen bei Amazon sind ganz schön gestiegen. Matte und Bänder kommen wohl erst am Wochenende. Ein Buch, das ich bei der Gelegenheit gleich mitbestellt habe, sollte gar erst in 1 Woche kommen. Bei der Frage nach der Lieferadresse war ich tatsächlich hin- und hergerissen. Nachhause liefern lassen für den kurzen Sozialkontakt mit dem Paketboten, bevor ich hier vereinsame, oder Packstation, um einen Grund zu haben, in der bald kommenden Ausgangssperre das Haus zu verlassen. Corona ey, was machst du mit uns…
Krise, welche Krise? Heute auf dem Frankenbadplatz vor meinem Haus war Stimmung wie immer. Straßenmusiker spielten die Rolling Stones, der Caféwagen war wie immer da, die Kinder tobten, die Leute saßen in Gruppen zusammen und tranken Bier. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag, die Stimmung ansteckend. Alles wie immer, könnte man fast meinen. Man muss nur das Beste draus machen.
Und mittlerweile kann ich der Corona-Geschichte sogar Positives abgewinnen. Seit klar ist, dass wir uns einschränken müssen, spüre ich einen beinahe ungekannten Zusammenhalt in meinem Haus. Die WhatsApp-Gruppe ist aktiv, eine Nachbarin aus dem Nebenhaus, die ich gar nicht kannte, hängt einen Zettel auf, in dem sie anbietet, für eingeschränkte Personen einkaufen zu gehen. So viele Gespräche mit Nachbarn (aus sicherer Entfernung) wie in den letzten Tagen habe ich schon lange nicht mehr geführt. Wir bieten uns gegenseitig Hilfe an. Corona schweißt zusammen.
„Ist dir was aufgefallen?“, meinte mein Nachbar im Treppenhaus dann noch: „Plötzlich redet keiner mehr von einer Flüchtlingskrise.“ Oder überhaupt von irgendwas anderem. An einer Straßenecke fällt mir die Werbung eines Internetproviders auf: „Endlich WLAN in jeder Ecke deiner Wohnung“. Vor zwei Wochen noch hätte mich das brennend interessiert. Heute reicht es mir, in meinem Arbeitszimmer WLAN zu haben und die Leitung mit zwei Nachbarn teilen zu können, ohne große Einbußen zu haben.
Ich denke viel an meine Ex-Freundin. Erst vor zwei Wochen haben wir beschlossen es zu beenden, weil es irgendwie schwierig geworden war. Heute würde ich mir wünschen, sie wäre hier. Die Prioritäten haben sich komplett verschoben, alles andere wirkt so klein. Wie so oft merken wir wohl erst in Zeiten der Krise, was wirklich wichtig ist.
Gegen Abend ist die goldene Stimmung dann aber auch schnell vorbei. Mit den schnell fallenden Temperaturen verschwinden die Leute. Ich gehe noch einmal zum Supermarkt etwas einkaufen, auf dem Weg dahin begegne ich nur einem kleinen Mädchen, ihrem Hund und ihrer Mutter. Wir gehen alle auf Distanz. Eine Frau wandert langsam durch die Straßen, das Licht an ihrem Smartphone dauerhaft eingeschaltet. Es wirkt bizarr. Die Straßen sind deutlich leerer als sonst, die Restaurants, die noch geöffnet haben, natürlich auch. Dafür umso mehr Polizeipatrouillen. Ich sehe in der kurzen Zeit 5 Streifenwagen durch das Viertel fahren. Es herrscht eine fast gespenstische Stimmung und noch ist nicht einmal eine Ausgangssperre beschlossen.
Im Edeka das gleiche Bild wie im Penny heute Nachmittag. Einzelne Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sind überall ausverkauft. Seife gibt es so gut wie keine mehr, Klopapier ist völlig aus. Selbst Waschmittel finde ich kaum noch. Eine Frau an der Kasse neben mir beklagt sich, dass es in keinem Supermarkt mehr Mehl gäbe. Auch Pasta wird knapp. Toilettenpapier-Memes fluten die sozialen Netzwerke, Desinfektionsmittel gibt es schon seit Tagen nicht mehr.
Das sei nur ein logistisches Problem, sagen Politiker und die Handelsketten. Es herrsche kein Notstand. Nun ja, aber offenbar doch, sonst gäbe es ja was. Notstand kann auch durch Hamsterkäufe verursacht werden. Und was ist eigentlich, wenn im Sommer Erntehelfer fehlen, weil jedes Land in Europa gerade seine Grenzen willkürlich dicht macht und Arbeitskräfte fehlen? Da herrscht ein völliges Gegeneinander, kein Miteinander.
Mittlerweile hat die Zahl der Infizierten in Deutschland 7.000 überschritten. Von gestern auf heute ist Zahl enorm geklettert. Das ist dieses exponentielle Wachstum, von dem man viel gelesen hat, aber es nicht wahrhaben wollte. In wenigen Tagen werden wir hier italienische Verhältnisse haben, die Maßnahmen werden verstärkt werden müssen. Das wird den Leuten nicht gefallen. Und schlechte Stimmung ist ebenso ansteckend wie gute.
Noch bin ich frohen Mutes. Es könnte schlimmer sein. Das Wetter könnte schlecht sein, man hat mir eine Jobgarantie ausgesprochen (die natürlich auch nur solange gilt, wie mein Hauptauftraggeber noch Umsätze macht). Aber ob wir wirklich, wie erhofft, Ende April mit allem durch sein werden, Staatshilfen uns gerettet haben und wir weiter machen können wie bisher: das ist eben die große Frage.
Aber vielleicht müssen wir auch gar nicht weitermachen wie bisher. Vielleicht haben wir dann endlich das Miteinander neu gelernt.
Wisst ihr noch, als man sich um so Sachen wie Mac vs. Windows oder iOS vs. Android gezofft hat? Hat genervt, aber war vergleichsweise harmlos im Vergleich zu dem, worüber man heute im Alltag so Diskussionen führt. Interessant finde ich, dass es mittlerweile wieder eine halbwegs stattliche Auswahl an Betriebssystemen gibt und die Frage sich tatsächlich wieder stellt, was man nimmt. Nachdem ich ein paar verschiedene Systeme zuletzt ausprobiert habe, möchte ich folgende, natürlich rein subjektive Rangliste aufstellen, weil Ranglisten Spaß machen:
Drüben auf dem Trendblog habe ich ja gerade Deepin getestet. Und, was soll ich sagen. Schöne Optik entschädigt natürlich für so vieles. Aber wenn dann immer wieder die gleichen, offenbar unlösbaren Probleme auftauchen und einige Komfortfunktionen im Vergleich zu anderen Systemen dann doch fehlen, dann nervt das irgendwann. Apps sind es übrigens nur am Rande. Da bin ich auf Linux eigentlich beinahe wunschlos glücklich, was ich von Chrome OS leider nicht behaupten kann. Was ist euer aktueller Favorit?
Es wird Zeit, über die positiven Effekte von Corona zu sprechen. Wir sollen möglichst zuhause bleiben, soziale Kontakte meiden. Erste Länder wie Dänemark, Polen und Tschechien lassen uns nicht mehr rein, Sportvereine machen dicht, Kitas und Schulen sind zu, erste Geschäfte auch, Flüge werden gestrichen, in Belgien sind Cafés und Restaurants dicht. In einer Woche vermutlich überall in Europa. Schotten dicht.
Nein, das sind noch nicht die positiven Effekte. Im Gegenteil. Einen derart harten Einschnitt in unsere Bewegungsfreiheit gab es Zeit meines Lebens noch nie. Grenzkontrollen in Europa kenne ich noch, ja. Aber die haben nur Zeit gefressen, reingelassen haben sie dich am Ende.
Aber wenn wir jetzt alle 6-7 Wochen alleine zu Hause abhängen sollen, kann das doch eigentlich nur zur Folge haben, dass wir zu schätzen lernen, was wir vorher hatten und als selbstverständlich erachtet haben. Tag und Nacht einkaufen, überall hin reisen. Wir werden uns nach anderen Menschen sehnen, viele Leute treffen und danach reisen wollen, was das Zeug hält. Alles, was wir vorher schon gekonnt hätten aber viel zu selten gemacht haben. Und das könnte uns in Europa wieder näher zusammenbringen.
Wenn wir das alle überleben und danach noch Jobs und Geld haben.
Kluge Idee, seine Mitarbeiter wegen Corona ins Home Office zu schicken. Der Trend grassiert gerade. Aber wie soll das gehen, fragen sich besorgte Chefs. Wie soll ich meine Leute da noch überwachen, wie kann ich da für die gleiche Beschallung sorgen wie im Großraumbüro, wie kriege ich meine Mitarbeiter dazu, trotzdem noch 12 Stunden am Tag zu arbeiten und die gleiche Produktivitätsrate zu erzielen?
Darauf habe ich leider keine Antwort. Aber nach über 15 Jahren im Home Office kann ich vielleicht ein paar Tipps für zuhause arbeitende Mitarbeiter weitergeben. And here we go:
Alles gar nicht so überraschend, oder? Willkommen zuhause!
Ich halte es ja einerseits für übertrieben, dass sie in den nächsten Wochen wohl komplett Europa lahmlegen werden, weil gerade ein besseres Erkältungsvirus unterwegs ist. Ist das verhältnismäßig? Würden sie das für die Grippewelle machen? Haben sie das beim Noro-Virus getan, das in meinen Augen viel gefährlicher war? Aktuell brechen die Finanzmärkte ein wie zuletzt 2007, viele Menschen verlieren wichtige Aufträge oder gleich ihre Arbeit, weil gefühlt alle durchdrehen.
Andererseits wäre es irgendwo auch zynisch zu sagen: „Die Grippe rafft jedes Jahr mehr Leute dahin, und Corona trifft nur die Alten und Schwachen. Also was soll’s!“ Nee, da denke doch jeder an seine Verwandten älteren Kalibers und ob man nicht lieber mal ein paar Wochen lang alle nach Hause schickt, um Leben zu retten.
Dass es alles nervt wie die Sau, darüber brauchen wir nicht zu reden. Das geht allen so. Ich hoffe, wir wenden das Schlimmste ab, nach 4, 5 Wochen Tabularasa ist das alles gegessen, das Virus ausgerottet, die Gesundheitssysteme beim nächsten Mal besser vorbereitet. EM und Olympia können stattfinden und wir werden unsere Reisefreiheit in Europa nicht nur besser zu schätzen lernen, sondern auch mal richtig ausnutzen, auf dass es ein toller Sommer werde. Hoffentlich.