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98: Viel planen vs. viel machen

In letzter Zeit bin ich chronisch müde, schlafe schlecht, hab noch nicht ganz raus, woran das liegt. Meist stelle ich mir den Wecker auf 9, haue ihn dann nochmal aus und komme erst um 10 wirklich hoch, bin dann immer noch müde trotz 9 bis 10 Stunden Schlafs und schleppe mich irgendwie so durch den Tag, wo ich abends zur Einschlafenszeit meist hellwach werde und wieder nicht schlafen kann. Grandios.

Für heute dachte ich mir auf jeden Fall, ich gönne mir mal einen Tag Pause, hab auch gestern Abend noch eine Schicht eingelegt und über die neuen Apple-Produkte geschrieben. Das Ziel: Ausschlafen, möglichst wenig machen, mal gucken, ob ich den Testbericht etwas weiter drehe, fertig.

Irgendwann wache ich dann heute Morgen auf, drehe mich nochmal um, schlafe weiter, wache einige Zeit später noch mal auf und fühle mich auch schließlich wach, stehe auf. Wie spät mag’s wohl sein? Ich gucke auf die Uhr: 0945 Uhr. Ach!

Aber richtig wach bin ich trotzdem nicht. Ich lege mich auf die Couch, beantworte ein paar E-Mails, grase meine Feeds ab und schnappe mir irgendwann zwischen Tür und Angel die Kamera, um die Fotos für den Testbericht neu aufzunehmen. Zwei Stunden später bin ich dann auch so weit, sie auf den Rechner zu übertragen.

Ich esse was, schreibe noch ein paar Mails, lese ein wenig in meinem Text herum, erledige ein paar Dinge im Backend, die zündende Idee fehlt mir noch. Irgendwann esse ich was, lege mich wieder auf die Couch, bearbeite die Bilder nebenbei und lade sie hoch, schreibe noch ein paar E-Mails. Plötzlich eine gute Idee für den Testbericht. Es ist mittlerweile 1700 Uhr und ich gehe an den Schreibtisch, formuliere den Text. Nicky meldet sich. Wir waren um 1930 zum Essen verabredet. Ob ich auch früher…? Klar. Aber, oha, jetzt muss ich mich ein wenig beeilen. Formuliere den Text fertig, füge die Bilder ein, speichere ab, fahre los.

Was für ein fauler, unproduktiver Tag! Und doch habe ich alles erledigt, was gefragt war, mehr sogar noch: den Testbericht schon fast fertig, für den ich mir eigentlich bis Donnerstag Zeit gegeben hatte. Und das obwohl oder gerade weil ich mir vorgenommen hatte, heute nichts zu tun. Verrückt irgendwie…

Das Auswärtige Amt hat Nord- und Südholland zum Risiko-Gebiet erklärt. Das heißt, die Tour, die ich vorletzte Woche beendet habe, könnte ich heute schon nicht mehr machen, ohne mich danach in Selbstisolation begeben zu müssen.

Die Einschläge kommen also langsam näher. Immer mehr neue Risikogebiete in Frankreich, Österreich, der Schweiz und eben den Niederlanden. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich auch in Deutschland wieder die Zahlen mehren. Aber hey, machen wir einfach so weiter wie gehabt, bevor wir vorausschauend was ändern, right? Spielen wir halt morgen Tischtennis in der Halle und warten wir die zwei, drei Wochen ab, bis sie die Saison wieder abpfeifen. Dann haben wir wenigstens drei, vier Spiele gemacht.

Wenn dein Handy in der Hosentasche Party feiert, selbstständig einen WhatsApp-Status abschickt, dein Reisebuddy Holger sich dazu meldet und das Kunstwerk als „Corona-Depression“ interpretiert… 😂

Getting closer… Jetzt noch etwas größer…

Biggest Zumba (?) Party I’ve ever seen. Klar, bei so vielen Leuten auf einem Fleck sinkt das Lampenfieber. Ich käme mir trotzdem zu beobachtet vor:

Society’s a waste:

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95: Election Day

Linksgrünversiffter Stadtteil galore. 🙂 <3

Nachdem ich mir die Debatten und Positionen der Kandidaten in den letzten Tagen noch einmal genau angeschaut habe, muss ich es noch einmal sagen: Democracy is a bitch. Ich mag den Dude, den wir da hatten. Als er vor fünf Jahren antrat und sich in Interviews präsentierte, da war ich angenehm überrascht. Wirkte klug, kompetent, in sich ruhend und brachte Spezialwissen in der Verwaltung mit. Konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Sahen auch die Bonner so und gaben ihm knapp über 50%. (Womit sie auch die SPD abstraften, die sich in den Amtszeiten davor wirklich nicht mit Ruhm bekleckert hatte).

Fünf Jahre später steht derselbe Mann in der Kritik für all das, was er nicht gemacht hat. Dafür dass Visionen fehlten, nichts wirklich vorangehe, Ziele nicht erreicht wurden, eine Millionensumme an einen Investor vertendelt. Und jetzt steht er da, schon nicht mehr ganz so sehr in sich selbst ruhend und sagt: Nun ja, ich würde ja gerne. Aber nicht alles ist so einfach möglich, vieles wurde im Rat blockiert, einiges hängt von Landes- oder Bundesgeldern ab oder wir warten noch auf Rückmeldungen vom Landkreis, der uns umschließt, um mit dem was zusammen zu erarbeiten.

Und du denkst dir: Der Mann hat eigentlich die Chance verdient, das zu Ende zu bringen, was er auf den Weg gebracht hat. Er musste die Versäumnisse seiner Vorgänger aufräumen, viele Früchte erst sähen, die er jetzt noch nicht ernten konnten. Paar Dinge gehen aber auch auf seine Kappe, ganz klar. Gleichzeitig steht da eine Gegenkandidatin mit Visionen, die der Amtsinhaber kaum noch hat, weil er weiß, dass er die eh nicht durchgesetzt bekäme. Wählst du statt dessen sie, sind die Bemühungen des Amtsinhabers dahin und sie wird ein paar Jahre brauchen, sich erst einmal in das komplexe Geschehen einzuarbeiten, kann bis dahin schon viele Fehler machen, und um ihre Visionen umzusetzen, wird sie kaum Gelegenheit haben.

Wem also jetzt die Stimme geben?

Sagen wir’s so, die Ergebnisse liegen ja jetzt vor: Der Amtsinhaber fiel auf ca. 35 Prozent zurück, die Herausforderin kommt auf etwa 27. Es wird zur Stichwahl zwischen den beiden kommen und es könnte wirklich eng werden. Also was wählen? Die verheißungsvolle aber ungewisse Zukunft oder erstmal den erfolgreichen Abschluss der Gegenwart?

Ich bekomme wieder ein People Deficit. Jemand eine Idee, was man in der kalten Jahreszeit trotz Corona machen kann, um neue Leute kennenzulernen?

Moria chillt:

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94: Learning like no one is watching

Den ganzen Sommer über gedacht: Hey, dieses Stand-up-Paddling sieht cool aus. Aufgefallen, dass ich das eigentlich auch selbst mal machen könnte, ist mir das allerdings erst neulich im Gespräch mit Kathrin und Michael, als sie erwähnten, auf dem Bleibtreusee in Brühl könne man das lernen.

Also war ich heute auf jenem Bleibtreusee in Brühl, um es zu lernen. Im Gespräch mit Nicky gestern kamen wir auch darauf, wie die Begleitumstände das Lernen beeinflussen. Ich glaube, dieses ungute Gefühl von „Du bist hier wieder in der Schule, und die anderen Kinder hassen dich“ lässt sich auch im Erwachsenenalter nur schwer abstellen. Ich habe immer ein etwas mulmiges Gefühl, wenn ich irgendwo zum ersten Mal bin, zusammen mit Leuten, die ich noch nie zuvor gesehen habe, und etwas völlig Neues lerne. Ob im Fitnessstudio einen neuen Kurs oder an der VHS ein Seminar für autogenes Training, irgendwie bin ich erstmal aufgeregt.

In der Regel übrigens völlig unbegründet. Die meisten gucken auf sich selbst und interessieren sich nicht für dich. Gerade in der Erwachsenenbildung gehen Lehrer von völlig unterschiedlichem Wissensstand der Teilnehmer aus. Die Runden sind meist entspannter und es gibt fast immer einige, die ganz genau wie du bei null anfangen.

Bei Ankunft am Bleibtreusee ist schon einiges los an der Wasserskianlage. Ich schlängele mich zur Kasse durch, werde nett begrüßt und bekomme als erstes einen Neopren-Anzug in die Hand gedrückt. „Unkleidekabinen sind wegen Corona leider nicht auf.“ Na toll. Und Schließfächer gibt es auch keine.

Beides ist nur so semi-günstig. Ich habe zum Glück eine Synthetik-Unterhose schon an, mit der ich auch ins Wasser kann, und mich dann hinter dem Kassenhäuschen kurz umgezogen, ohne mich ganz nackig machen zu müssen. Der Rest der Teilnehmer war offenbar cleverer und hat sich schon zuhause Badeklamotten angezogen. Der einzige Nachteil letztlich: die fehlenden Schließfächer. Auf gut Glück verstaue ich alle meine Wertsachen im Rucksack, platziere ihn etwas unauffällig an der Seite und hoffe, dass hinterher noch alles da ist. Soetwas ist eigentlich Gift dafür, wenn man etwas Neues lernen möchte, denn ein Teil deiner Gedanken ist dann immer bei deinen Wertsachen. Vom See werfe ich später immer mal wieder ein Auge darauf.

Der Kurs dauert nur 90 Minuten und besteht aus 12 Leuten von, geschätzt, 10 bis 70 Jahren. Die Kursleiterin erzählt uns anfangs alles haarklein zur Theorie. Ich versuche in Trockenübungen alles direkt nachzuahmen, was sie vormacht. Das hilft mir später, das meiste richtig zu machen.

Wir steigen zunächst auf Knien auf die Bretter. Aber das empfohlene Aufstehen ist überraschend einfach und gelingt allen auf Anhieb. Dass die Kursleiterin ankündigt, wir würden anfangs etwas steif und wackelig auf den Brettern stehen, nimmt mir die Angst. Kaum einer kann es besser, aber alle bleiben erstmal stehen. Auch das Paddeln und Navigieren gelingt wie erwartet.

Es dauert nur ein, zwei Minuten, da liegt die erste Teilnehmerin im Wasser. Die arme Frau, ich würde sie auf etwa 45 schätzen, reagiert völlig hilflos, verkrampft und versucht verzweifelt sich wieder aufs Brett zu ziehen, dabei kippt es um, das Paddel entgleitet ihr. Die Kursleiterin eilt ihr zur Hilfe. Keiner lacht, aber alle gucken natürlich, wenn auch mehr aus Anteilnahme; man würde ihr gerne helfen.

Als sie wieder auf dem Brett kniet, muss sie erst überredet werden, wieder aufzustehen. Ihr ist die Sache denkbar peinlich. Als ich an ihr vorbeipaddle, versuche ich, ihr entwas Aufmunterndes zuzurufen: „Du hast es jetzt wenigstens schon hinter dir“, worauf sie sich wirklich ein wenig zu entspannen scheint und antwortet: „Ich glaube, da kam meine Angst vor dem Ertrinken plötzlich hoch.“ Und siehe: Sie versucht es danach weiter.

Plötzlich verkrampfen meine Füße. Ich gehe auf die Kniee und paddle zur Kursleiterin rüber. „Das ist normal“, sagt sie. „Du bist verkrampft, weil du nicht ins Wasser fallen willst. Da gibt’s einen einfachen Trick: Spring mal rein, dann hast du gleich keine Angst mehr.“

Ich tu’s und danach wird es tatsächlich besser. Noch ein zweites Mal muss ich sie später im Hilfe bitten, als ich bei der besprochenen Dreiviertelkreisdrehung völlig auf dem Schlauch stehe und das auch zugebe. Sie erklärt es mir in aller Ruhe, mehrfach. Ich habe den kompletten Blackout, aber ich mache einfach nach, was sie mir zeigt, und plötzlich geht’s.

Ich bin schon mit der Erwartung angereist, bestimmt 50 Mal ins Wasser zu fallen (so wie jedes Mal, wenn ich versucht hatte, Wakeboardfahren zu lernen) und mich komplett zum Horst zu machen. Von daher ist mir alles plötzlich überhaupt nicht mehr peinlich. Am Ende habe ich auch den Bogen weitestgehend raus. Ich stehe noch etwas steif aber sicher, komme gut vorwärts und falle tatsächlich nur noch ein einziges weiteres Mal ins Wasser.

Und so kommen wir dann nach einer guten Stunde „auf See“ zurück in den „Hafen“ gelaufen. Die beiden kleinen Jungs aufrecht und entspannt, ihre Mutter aber auch. Zwei Teilnehmerinnen pitsche-patsche nass, eine nur noch auf Knien. Der Rest (darunter ich) irgendwie so dazwischen. Aber ich bin zufrieden. Für einen Grobmotoriker wie mich hat das ganz gut geklappt.

Also Moral von der Geschicht: Vergesst die blöde Schule, habt keine Angst vor Fehlern und dann kommt am Ende schon was Zählbares bei raus.

Morgen ist Bürgermeisterwahl in Bonn. Meine Prognose (und wer mag, hat noch bis morgen 1800 Uhr Zeit dagegen zu halten ;):

Ashok Sridharan (CDU): 42%
Lissi von Bülow (SPD): 18%
Katja Dörner (Grüne): 18%
Werner „Hümmi“ Hümmerich (FDP): 9%
Michael Faber (Linke): 5%
Sonstige: 8%

Hab ich mich erstmal kaputtgelacht über die Schlagzeile. Gott* mit Gendersternchen schreiben… Wären wir hier noch beim Thema Politik, könnte man der Katholischen Studierenden Jugend Populismus vorwerfen. Als wäre „I saw God, she was black“ heute noch was Neues. Muss man sich Gott überhaupt als Person vorstellen? Schon unser Religionslehrer damals war anderer Ansicht.

Ich muss es zugeben: Der Musiksender, den ich im Auto mittlerweile am häufigsten höre, ist WDR4. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich die immer gleiche Popsülze auf allen anderen Sendern nicht mehr ertrage. Aber auch daran dass ich alt geworden bin auch WDR 4 nicht mehr das WDR 4 ist, mit dem meine Eltern uns damals auf dem Weg zu meiner Tante immer gequält haben. Als kein Deutscher-Schlager-Gedudel mehr, sondern hauptsächlich Oldies, richtig gute Oldies.

Daran dass ich mir das jetzt nach einiger Zeit erst wirklich eingestehe, seht ihr die Schwierigkeit eines Rebrandings. Vor jedem, dem ich das erzähle, muss ich das erst einmal verantworten. Man kann es sich schlicht nicht vorstellen. Dabei ist der Relaunch von WDR 4 vom Schlager- zum Oldieradio schon fast 10 Jahre her.

Eins vererbt sich also doch von Generation zu Generation: Sollte ich irgendwann mal Kinder haben, werde ich sie auf dem Weg zur Tante auch mit WDR 4 quälen. Das ist mein gutes Recht. 🙂

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93: Deutschland, was ist schief gelaufen?

Besucht man mal einige unserer direkten Nachbarländer, denkt man sich fast, man wäre in der Zukunft gelandet. Ich nenne hier nur mal die Infrastruktur und Sauberkeit in der Schweiz. Hier hat jeder noch so kleine Ort einen Bahnhof, einen Migros oder einen Coop. Selbst im Heidi-Dorf hast du 4G+ (und auch schnelles mobiles Internet. In Deutschland kommt ja oft auch nichts, obwohl „4G“ draufsteht). In den Niederlanden ist es das wohl weltbeste Radverkehrsnetz, das sich durch’s ganze Land zieht. Fahrräder haben Vorrang vor allem, die Wege sind weit verzweigt teils mit modernstem Bodenbelag ausgestattet. Trotzdem hast du als Autofahrer eigentlich nicht das Gefühl, hier groß benachteiligt zu werden. Die beiden Verkehrsmittel ko-existieren friedlich nebeneinander. Eine sehr gute Ladeinfrastruktur sorgt zudem dafür, dass hier überdurchschnittlich viele E-Autos rollen. Dazu ist das Bahn-Netz fantastisch ausgebaut, und verpasst du einen Zug, kommt der nächste gleich ein paar Minuten später.

Wie es dagegen in Deutschland aussieht, brauche ich euch nicht zu erzählen, das seht ihr selbst jeden Tag. Es herrscht Krieg auf den Straßen. Und jedes neue Verkehrmittel, wie im vergangenen Jahr die E-Scooter, werden erst einmal weggemobbt.

Ja, ist richtig. In der Schweiz und den Niederlanden fahren sie zu einem großen Teil unsere Autos, nutzen unsere Haushalts-, Energie- und Anlagentechnik. Die deutsche Wirtschaft ist stark, exportiert weiterhin kräftig hochqualitative Produkte weltweit. Wir kamen gut durch noch jede Krise der letzten 15 Jahre. Wenn also etwas schief gelaufen ist, dann eigentlich nur beim Thema Infrastruktur. Da aber gewaltig.

Ich stelle hier mal eine steile These auf und sage: Noch weit vor politischer Lähmung, Inkompetenz und Fortschrittsfeindlichkeit liegt es am Geld. Die Schweiz und die Niederlande hatten keine geschätzten 1,3 bis 2,0 Billionen Euro für eine Wiedervereinigung zu zu berappen. Das ist öffentliches Geld, das natürlich an allen Ecken und Enden fehlt und mit dem man so einige hübsche Infrastrukturprojekte wie ein bundesweites Fahrradnetz hätte einführen können. Man hätte die Rentenkassen und die Bahn nicht systematisch ausplündern müssen (gut, hätte man so auch nicht, aber ich kann die Motivation der damals Regierenden dahinter zumindest so weit verstehen, dass sie unter Zugzwang standen, Gelder aus dem Hut zaubern zu müssen). Und man hätte vielleicht ein offeneres Ohr für Visionäre, würde mehr Miteinander statt Gegeneinander denken und vielleicht sogar mal ein bisschen Geld für eine moderne Schulbildung übrig haben.

Vielleicht kommt auch ein wenig daher dieser Trotz, der in Deutschland aktuell vielfach herrscht. Nachdem mit Digitalisierung auch (aber nicht nur) aus den genannten Gründen nicht viel los ist, ist unsere Automobilindustrie tatsächlich Wirtschaftsmotor und ein Stück weit sogar Innovationstreiber in einem, selbst wenn Tesla 5 Jahre Vorsprung hat. Trotzreaktion also: „Lasst bloß die Finger von unserer Automobilindustrie!“

Das kann ich verstehen. Fängst du trotzdem an, darüber zu erzählen, wie toll es in der Schweiz oder den Niederlanden ist, werden Gründe gesucht, das herunterzuspielen. Und das kann es eigentlich nicht sein. Wir müssen sehen, woher wir kommen und dürfen uns hier meinetwegen sogar mal als Opfer fühlen. Schließlich sind weder die Menschen im Osten noch im Westen mit diesem Billionengrab glücklich. Statt Gewinner gibt es eigentlich nur Verlierer auf beiden Seiten der einstigen Grenze.

Aber dann fangen wir doch bitte an, uns Infrastrukturprojekte in anderen Ländern als Vorbilder zu nehmen. Denn mittlerweile hat Deutschland ja wieder aufgeholt, hat die Lasten der Wiedervereinigung langsam abgeschüttelt. Jetzt kann auch langsam mal in die Zukunft gedacht oder zumindest versucht werden, in die Gegenwart aufzuschließen. Wer das nicht für nötig hält, der genieße einmal ein Wochenende lang einen Fahrradausflug in die Niederlande oder einen Tag autofreie Innenstadt in Basel. Vielleicht bringt ihn das zum Umdenken. Vielen Dank!

Der Moment, der nie eintreffen sollte, ist dann also doch gekommen: mein einst unbegrenzter Speicherplatz bei Google ist so gut wie voll. Schaut man sich die Statistik an, ist das umso bemerkenswerter, als dass ich eigentlich nie offiziell ein Google-Fotos-Konto eröffnet habe. Aber sieht zumindest so aus, als wäre hier noch Pozential für ein weiteres, kostenloses Jahr. Ein Jahr auch, um mal zu überlegen, ob ich bei GMail bleiben möchte. Ist für mich nach wie vor der beste E-Mail-Provider. Aber die Liebe zu Google erkaltet immer mehr.

Die drei letzten Biopics/Musikfilme, die ich gesehen habe:

  • Bohemian Rhapsody (2h 15 min)
  • Walk the Line (2h 15 min)
  • A Star is born (2h 15 min)

Also kein Scheiß. Musikfilme müssen offenbar knapp über 2 Stunden lang sein, sonst fehlt es ihnen an Impact. (La La Land ist 2h 8 Minuten lang).

Wir kommen der Sache laaangsam näher:

Und auch am alkoholfreien Aperol-Spritz forsche ich weiter. Das hier (Beneventi Red Bitter mit Schweppes Tonic Water) ist auf jeden Fall noch ausbaufähig. So oder so ein erfrischender Spätsommerdrink:

Genießt die letzten heißen Tage!

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91: Moria

Keiner hört uns zu, keinen interessiert’s. Das Lager ist vierfach überbelegt und jetzt werden wir hier wegen Corona auch noch unter Quarantäne gestellt, die Lage ist hoffnungslos, die wollen dass wir hier krepieren. Was machen wir? Wir fackeln das ganze Ding ab! Dann müssen sie uns evakuieren. Und dann rollt plötzlich auch eine ungeahnte Welle der Solidarität.

Europäische Flüchtlingspolitik...

Kaum Corona-Fälle in Deutschland und der Deutsch-Schweiz. 10.000 neue Fälle täglich in Frankreich. Reisewarnungen für erste Teile Frankreichs und zwei frankophone Schweizer Kantone.

Wie bitte hängt das zusammen?!

Auch ich hab neulich „Wehrt euch“ gefordert, als Jünger eines wild gewordenen Fernsehkochs auf Journalisten losgegangen sind. Klaas Heufer-Umlauf ist als Mann der Tat gleich in Aktionismus verfallen und hatte die glorreiche Idee, Bodybuilder zu Journalisten auszubilden und sie auf die große Anti-Corona-Demo zu schicken. Herrlische 14 Minuten, vor allem Minute 6:10, die Rache am berühmten Hut-Bürger. 🙂

Bild des Tages (Köln-Ehrenfeld):

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75: Einer von 8 Milliarden

Es gibt Leute, die denken einfach nicht drüber nach und machen. Und es gibt Leute, zu denen ich leider auch gehöre, die sich denken: Ich bin doch nur einer von 8 Milliarden unter unendlich vielen Sternen. Was ich mache, hat im großen Kosmos keinerlei Einfluss. Warum also so viel Aufhebens um sich machen? (Warum überhaupt etwas machen?)

Weil es die Gesellschaft leider nun einmal verlangt. Und weil du ihr scheißegal bist, wenn du dich nicht selbst um dich kümmerst.

Muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen.

Heute habe ich einen Tag, wo mir das alles recht leicht fällt. Erstmal einen Zahnarzttermin (Jahreshauptuntersuchung) gemacht. Kam ich erstaunlich schnell dran. Ja, um sowas kümmere ich mich meist erst Ende des Jahres. Auch weil ich mir selbst nicht so wichtig bin.

Dann fiel mir heute ein, eigentlich ist es ja egal, von welcher Seite aus man es sieht. Eigentlich könnte ich auch reich werden. Reich werden zu wollen ist in diesem Land im Grunde eine Wahl. Es ist möglich! Es ist nur die Frage, wie du es dann am besten anstellst und wie weit du zu gehen bereit bist.

Wollen musst du es natürlich auch.

Und auf der einen Seite Geld sparen. Hier wieder einmal ein Akt aus der Gesellschaftstragödie „Du musst kündigen, sonst lacht sich der Vertragsteilnehmer über dich kaputt“:

2 Jahre war ich zufriedener Kunde von Vodafone (damals noch UnityMedia), zahlte für eine 150-Mbit/s-Leitung 25 Euro im Monat. Die Welt war in Ordnung. Dann plötzlich standen 30 Euro auf der Rechnung. Um zum ersten Mal Ärger. Wie kam es dazu? Die 2 Jahre, in denen der Preis galt, waren abgelaufen. Und treue Kunden erhalten als Dank für ihre Treue höhere Preise. Und ärgern sich auch noch über sich selbst, wenn sie vergessen, rechtzeitig zu kündigen.

Den Monat drauf berechnete Vodafone mir dann 35 Euro. Wutenbrannt durchsuchte ich das Kundencenter nach einem Service-Kontakt, hing 10 Minuten in der Warteschleife, legte dann auf. Schrieb eine E-Mail mit der Bitte um Aufklärung, bekam nie eine Antwort.

Stattdessen bekam ich eine standardisierte Mail mit Bitte um Feedback, in der ich den Service bewerten sollte. Welchen Service? Mir wurde ja gar nicht geholfen. Ich gab in allen Kategorien 0/10 Punkten und schrieb noch wütend „Nie wieder Vodafone!“ dazu.

Danach stand erst einmal mein Urlaub an. Als ich wiederkam, hatte ich eine Kündigungsbestätigung von Vodafone im Briefkasten. Was interessant ist, denn offiziell hatte ich gar nicht gekündigt. Beleidigt war ich trotzdem nicht, hier hatte der Service zwar übertrieben, aber meinen Ärger vorausschauend kanalisiert. Eine Nummer war dort noch angegeben, unter der ich mir ein neues Angebot einholen und die Kündigung zurücknehmen könnte.

Aus schlechter früherer Erfahrung weiß ich noch: An der Kündigungshotline sitzen die Leute, die Kompetenzen haben, also die fachlich was können und produktpolitisch was dürfen. Die wollen dich halten, die können und sollen dir was anbieten.

Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt zwei Jahre weiter Vodafone-Kunde sein werde, mir das spätestmögliche Kündigungsdatum rot im Kalender markiert habe und dass ich downgegradet habe: auf 100 Mbit/s für 22 Euro (für zwei Jahre). 250 Mbit/s hätten für zwei Jahre 30 gekostet, danach 40. Aber warum dem Saftladen mehr bezahlen? So viel lade ich ja gar nicht runter, Kabelinternet leidet meist eh unter einer schwachen Response-Zeit; es dauert dann immer einen kleinen Moment, bis Webseiten beginnen zu laden. Aber da ist kein Unterschied, ob 100 oder 150 Mbit/s. Damit werde ich klarkommen.

Nur den ganzen Ärger hätten sich beide Seiten ersparen können, man hätte die Servicekosten gering halten können, seinen guten Ruf verteidigen, wenn man einfach nur alles so gelassen hätte, wie es war. Warum tut man das? Warum verärgert man Kunden so, wenn man sie doch eigentlich gar nicht loswerden will?

Ein Bild habe ich heute nicht, aber ein Video. Mir kam der Gedanke, mal ein neues Format für die Arbeit auszuprobieren. Arbeitstitel: „Luft nach oben“. Mit einem täglichen Aufreger, kurz und schmerzlos aus der Hüfte geschossen. Aber es muss gut sein, sonst kann es nicht auf Arbeit. Hier der erste Versuch:

Ein richtig guter Longread auf Spiegel.de über offenen Rassismus in Deutschland, erstaunlicherweise frei und nicht auf Spiegel+. Sollte sich jeder mal zu Gemüte führen.

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.50: Erstmal Urlaub

Ab morgen erstmal Urlaub. Ich weiß noch gar nicht genau, wann es eigentlich wann wohin geht. Erstmal anrollen lassen. Gerade auch, weil ich mir gerade den Nacken verzogen habe und es mit Reisen, vor allem auf dem Rad, im Moment eh was schwierig ist. Aber Urlaub kann und muss trotzdem. Ob ich hier was zum Besten gebe in der Zeit, weiß ich noch nicht. Hab im Urlaub selten Lust, irgendwas zu müssen, .50 ist auch schon ein ordentliches Zwischenziel, das man eine Weile so stehen lassen kann, und überhaupt. Auf der anderen Seite bin ich eigentlich viel zu geschwätzig, um hier drei Wochen lang gar nichts zu posten, zumal man ja im Urlaub meist Dinge erlebt. Wir werden sehen…

Meine Ausrüstung, um von hier bis zum Kilimandscharo zu fahren, ist jetzt jedenfalls fast komplett. Braucht es nur noch einen, der fit und motiviert ist, die Reise anzutreten. Wo kriegen wir den her?

Kinder, was freue ich mich über diese Regenjacke! Sparkt schon jetzt am meisten Joy von allen Dingen, die ich mir in diesem Jahr gekauft habe, alles Elektronische inklusive. Sitzt, atmet und hält dicht. Und ist dabei ziemlich orange.

Den ersten Nieselschauer hat sie dann auch erfolgreich bestanden. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. 🙂

Im Urlaub wird meine Solar Challenge vorübergehend pausieren müssen. Jepp, ich habe mein Smartphone in diesem Jahr tatsächlich noch keinen Tag an einer Steckdose aufgeladen, und das ist jetzt auch schon immerhin ein halbes Jahr. Darauf bin ich fast ein bisschen Darüber freue ich mich wirklich sehr.

Aber unterwegs solar: Es geht einfach nicht. Es gibt kein Solarladegerät, das mein Smartphone oder gar die Powerbank unterwegs regelmäßig schnell und zuverlässig auflädt. Die Technik ist noch nicht so weit. Ich überlege mir jetzt, die versäumte Zeit hinten dran zu hängen. Aber das Jahr vollzumachen, wäre schon schöner.

Eigentlich wollte ich auch noch was dazu schreiben. Aber wisst ihr was? Mir egal, wie er das nun wirklich genannt hat, es ist rassistische Kackscheiße, bei Tatverdächtigen die Herkunft der Eltern zu recherchieren, ganz einfach. Ein Gesetz, das das verlangt, ist falsch.

Ist das jetzt Werbung, Kunst, Systemstörung oder wieder so eine Guerilla-Aktion? Bei diesen Ströer-Tafeln weiß man nie…

Erstmal Gulusch gegoogelt. Irgendwas mit Poker.

(Nö, wenn ihr so undeutlich schreibt, verstehe ich das absichtlich falsch.)

Ein Bild noch:

Und noch eins:

Dann Urlaub.

Macht’s gut! 🙂

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.43: Nä

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist positiv auf Covid-19 getestet worden… Kanste dir nicht ausdenken. Na dann hoffe ich für ihn mal, dass es wirklich nur die „leichte Grippe“ ist, die er es mal nannte. Man hört, sein einst ähnlich argumentierender, britischer Kollege Boris Johnson stimmt nach seiner eigenen Erkrankung inklusive Aufenthalt auf der Intensivstation deutlich leisere Töne an.

So ganz Unrecht kann ich den beiden ja nicht geben. Covid-19 verläuft in den meisten Fällen symptomarm, täglich sterben hunderte Menschen eines natürlichen Todes, nun halt mal ein paar mehr, nicht wahr? Ein wenig gehe ich auch durchs Leben nach dem Motto: Wir können uns nicht für immer vor allem abschotten. Ich treffe die notwendigsten Maßnahmen, und sollte ich mich doch irgendwann infizieren, dann wird’s schon nicht so schlimm werden, right? Nun ja, äh…

Nick Cordero war 41, Broadway-Schauspieler, gesund und gut durchtrainiert. Nachdem er sich das Coronavirus eingefangen hatte, lag er insgesamt 95 Tage im Krankenhaus, musste beatmet werden, brauchte eine Lungentransplantation. Kleine Blutgerinnsel lösten immer wieder Schlaganfälle bei ihm aus, am Ende mussten die Ärze ihm ein Bein amputieren. Und nun ist er letzendlich an Covid-19 gestorben

Nein, das zu bekommen und dann zu hoffen, dass schon alles gut geht, ist irgendwie doch keine Option. Ich will das nicht, aber mal so gar nicht…

Okay okay, ich bin spät dran mit „The Handmaid’s Tale“, aber die 1. Staffel war schon einmal sensationell. Erinnert mich ein wenig an Children of Men: Die Demokratien sind zusammengebrochen, es werden keine Kinder mehr geboren und aufgrund dessen sind die Herrschenden zu drakonischen Maßnahmen bereit. Aber ein Stück weit hat es auch was von Persepolis: wie es ist, wenn die Demokratie abgeschafft wird und religiöse Fundamentalisten an die Macht kommen. Und, ja, ich hoffe, der Durchschnitts-Amerikaner und -Deutsche ist in der Lage den Bogen zu schlagen. Bei Fundamentalisten ist es egal, ob es Muslime, Christen, Hinduisten, Buddhisten (ja, auch das gibt’s), Kommunisten, Nationalisten oder sonstwas sind. Es geht für die Bevölkerung selten gut aus, ganz sicher aber nicht für die, denen man die Schuld an allem gibt.

In „The Handmaid’s Tale“ legitimieren die Fundamentalisten einiges Handeln durch die Bibel, hier genauer: das Buch Genesis (1 Mose 30), und ich zitiere:

1 Als Rahel sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! Wenn nicht, sterbe ich.

2 Da wurde Jakob zornig auf Rahel und sagte: Nehme ich etwa die Stelle Gottes ein, der dir die Leibesfrucht versagt?

3 Sie antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geh zu ihr! Sie soll auf meinen Knien gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.

4 Sie gab ihm also ihre Magd Bilha zur Frau und Jakob ging zu ihr.

5 Bilha wurde schwanger und gebar Jakob einen Sohn. (…)

7 Bilha, Rahels Magd, wurde abermals schwanger und gebar Jakob einen zweiten Sohn…

Jakob, der alte Stecher… angestachelt durch seine devote Ehefrau. Harter Tobac, hätten sie sich auf Pornhub… na egal. Das ganze geht auf jeden Fall noch ein paar Frauen und Kinder so weiter, und am Ende hat Gott ein Einsehen und lässt auch Rahel schwanger werden. Und in „The Handmaid’s Tale“ wird’s aus pragmatischen Gründen so umgesetzt.

Nun steht in der Bibel nicht: Gehet hin und machet es genauso, aber das muss es auch gar nicht. Gilt die Bibel als Gesetzbuch, dann reicht es ja, darauf zu verweisen.

Das erinnert mich an ein unliebsames Gespräch vor ein paar Jahren mit einer religiösen Fundamentalistin. Ich wusste da noch nicht, dass sie eine ist. Meine damaligen Mitbewohner hatten sie zum Essen eingeladen, und ich war auch dabei. Im Laufe des Abends stellten wir fest, dass wir eine gemeinsame Bekannte hatten, eine Freundin, die sich irgendwann zu ihrer Homosexualität bekannt hatte.

Machen wir es kurz und sagen wir, dass es in einem Streit darüber endete, ob es ihr nun gut mit der Erkenntnis gehe und Homosexualität keine Krankheit ist oder ob sie von anderen dazu verleitet worden war und Gott ihr hoffentlich auf den rechten Weg zurückhelfen würde. Dieses, ihr Zitat werde ich zumindest nicht mehr vergessen: „Wenn ich mich nicht mehr an das halten kann, was in der Bibel steht, woran dann?“

Na, an die Wissenschaft zum Beispiel…

Oder anders ausgedrückt: Gebt denen bloß keine Macht, die die Bibel, den Koran, das Kommunistische Manifest, Mein Kampf oder was auch immer all zu wörtlich nehmen! Diese Leute sind gefährlich.

„Ey kumma, die sind gegen Verkehrschaos! Und gegen Idiologie! Und Bevormundung. Und QR-Codes haben sie auch!“ – „Krass, die wähle ich!“

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.42: Feiern

Nach dem 2:2 in der Relegation gegen Heidenheim, mit dem sich Werder Bremen ein weiteres Jahr Bundesliga gesichert hat, traf ich auf dem Heimweg eine Freundin, die auch Werder-Fan ist. „Freust du dich?“, fragte sie. Ich überlegte und zuckte dann mit den Achseln. „Und du?“. Ich glaube, nach so einem Spiel, nach so einer Saison gibt es nicht viel zu freuen, man ist bestenfalls vorübergehend erleichtert.

Jetzt fangen ja die Probleme erst an. Viele Spieler, die man gar nicht mehr so richtig will, muss man jetzt behalten oder sogar kaufen. Ob da von dem knappen Geld überhaupt noch was da ist, um dringend benötigte Verstärkungen in Offensive und Defensive zu holen, ist die Frage. Ich kann schon verstehen, warum der HSV damals aus dem Schlamassel gar nicht mehr raus gekommen ist.

Ich hab meistens ein Sub-Thema hier. Aber heute war beim besten Willen nicht mehr los. Vielleicht bleiben wir deswegen noch kurz beim Fußball, gepaart mit ein wenig Wirtschaftstheorie, und lauschen Karl-Heinz Rummenigges Erklärung, warum der FC Bayern so dominant ist. Angeblich, weil er immer mit dem Worst-Case-Szenario plant und dann doch alles besser kommt. Soso.

Ein Bild noch, dann schon genug für heute. Macht’s gut.

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.40: Puh

Schon wieder eine Woche fast rum. Ich könnte Urlaub brauchen. Ihr vom Lesen bestimmt auch. Machen wir es deswegen heute mal kurz.

Werder Bremen – kann froh sein, im Relegations-Hinspiel mit einem 0:0 gegen Heidenheim davongekommen zu sein. Der Gegner war besser. Meine Hoffnung fürs Rückspiel: Heidenheim kann aufsteigen, muss es aber nicht. Wir können es zwar nicht besser, aber wollen es mehr. Meistens geht das dann doch irgendwie gut.

Passend dazu: Kollege Peter Giesecke schaut kein Fußball mehr. Ich kann’s verstehen, wenn auch aus anderen Gründen als er.

Einen Verein mit Geld zum Meister machen? Haben schon ganz andere versucht, auch in Berlin schon paar mal. Hat in Deutschland noch nie funktioniert, zumindest nicht so. Wenn ich sowas lese, dann denke ich eher: Berlin muss aufpassen, in der übernächsten Saison nicht abzusteigen.

Von allen Cartoon-Serien, die möglich gewesen wären, kommen ausgerechnet Beavis & Butthead zurück. Ja, ich glaube, das geht heute immer noch, oder vielmehr: es geht wieder. Ich frage mich allerdings, was für Musikvideos sie heute noch verreißen oder wozu sie headbangen wollen. Rock’n’Roll ist ja in der Zwischenzeit gestorben.

Ja, sieht anders aus. Aber ganz ehrlich: Nachdem ich nach meinen ersten E-Bike-Trips Tonnen von Insekten aus meinen Tränensäcken puhlen musste, habe ich auf Amazon beim erstbesten 4,5-Sterne-Review auf Bestellen geklickt. Musste sein.

Heute war nicht viel mehr, muss auch mal reichen. Bild des Tages ist deswegen eine schnöde Wolke:

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.27: Die langweiligste App der Welt

Habt ihr auch schon ein paarmal in die neue Corona-Warn-App geschaut, um zu gucken, ob da endlich was passiert? 😉

Wird es nicht, sollte es auch besser nicht. So gesehen mag es wirklich die beste derartige App der Welt sein (auch wenn sich die Bundesregierung dafür irgendwie etwas zu sehr selbst auf die Schulter klopft). Sie ist damit aber irgendwie auch die langweiligste App der Welt…

E-Bike bestellt. Gibt sicher noch hübschere und bessere, aber hat eine 11-Gang-Nabenschaltung, den Akku im Rahmen und vor allem: einen Zahnriemen statt Kette (I like!). Und ist dafür letztendlich gar nicht mal so schrecklich teuer. Vor allem, weil ich es nach meiner geplanten Schweiz-Tour ja eigentlich wieder verkaufen möchte.

E-Bike Manufaktur 7ben - 600 Wh - 2018 - 28 Zoll - Diamant

Hat trotzdem mehr gekostet als mein Auto. Irgendwie absurd…

Gerhard Schröders Podcast „Die Agenda“… Warum mache ich auch den Fehler, da immer wieder reinzuhören. Seine Gespräche mit Ex-Regierungssprecher Bela Anda sind zwar launig, aber jeden möglichen Konflikt umschiffen sie bewusst. Schröders umstrittene Verbindungen zu Russland hätten eigentlich Thema der Folge „Russland“ sein müssen. Aber nein, heute reden wir nur über Land und Leute, und wie toll Wladimir Putin ist. Die Agenda 2010, in Schröders Worten: Die SPD hat die Chance verpasst, sich dahinter zu stellen, deswegen ist Deutschland heute nicht mehr die stärkste Sozialdemokratie in Europa und die SPD kann keinen Kanzler mehr stellen. (Keine kritische Nachfrage, kein Anflug von Zweifel. Anda geht zum nächsten Thema über.) Schröder lobt das Gesundheitssystem in Deutschland für seine Gerechtigkeit, dass auch arme Leute die gleiche Art von Behandlung bekämen wie Reiche…

Das ist von hinten bis vorne ein faules Ei. Vielleicht hört man Onkel Gerhard deswegen so gerne zu, weil es zu gut klingt, um wahr zu sein. Weil man sich nach der Welt sehnt, deren Bild er da malt, die aber mit der Realität nicht viel zu tun hat.

Hab noch ein Bild von vor >15 Jahren gefunden. Das kann eigentlich unmöglich von mir sein, dafür ist es zu gut. Ich hab da meine damalige Freundin im Verdacht, die konnte das besser. Die Szene mag ich auf jeden Fall. Früh morgens am Causeway zwischen Singapur und Malaysia.

Nichts Besonderes, aber ich mag die Bildstimmung – und sammle Erinnerungen für später:

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.21: MacBook als das kleinere Übel

Okay, es ist entschieden. Das Dell XPS 13 geht zurück. Durchaus schweren Herzens. Aber wenn die Akkulaufzeit nicht mal halb so hoch ist wie angegeben, sehe ich es irgendwo nicht ein. Bericht dazu folgt auf dem Trendblog. Schön ist es schon… :`(

Und the new weapon of choice wird dann wohl wieder die alte weapon of choice sein: ein neues MacBook Air. Du hast gewonnen, Apple. Aber nicht, weil du so geil und engagiert bist, sondern weil die anderen es noch schlechter machen. Das sei an dieser Stelle betont. Es ist wie bei einer Bürgermeister- oder Bundestagswahl, in der man schon lange nicht mehr den besten Kandidaten wählt, weil es keinen gibt, sondern nur noch das kleinere Übel. Toll ist das schon nicht.

Ich versuche weiterhin täglich hier zu loggen (außer am Wochenende). Es sind jeweils Sammlungen, aber die Überschriften bekommen jetzt wieder ganz normale Titel. Zumindest experimentiere ich mal damit. Ich hoffe, es ist nicht zu verwirrend.

Iiirgendetwas stimmt hier nicht. 😉

Wenn der Voyeur in mir eins gerne liest, dann sind das Verrisse über Til-Schweiger-Filme. Im Grunde schlagen die Medienkritiker hier aber auch nur in eine Kerbe, die Schweiger seit 20 Jahren kontinuierlich selbst ausweitet. Schon die Überschrift „Bastian hätte mehr verdient als „SCHW(31NS7)EIGER“ lässt erahnen, dass der gute Til hier wieder nicht gut wegkommt.

Jan Freitag von DWDL tritt aber noch fester drauf:

„So stehen abgesehen von der Titelfigur drei Personen im Fokus dieser Dokumentation: Til Schweiger. Til Schweiger. Und Til Schweiger.“

Oder:

„Und wenn der Donald Trump des hiesigen Massenentertainments im Hintergrund die Fäden zieht, kann sein überdimensioniertes Ego gar nicht anders, als sich ständig zum Bühnenrand vorzudrängeln.“

Autsch. Der Mann muss schon einiges aushalten.

Und irgendwie hätte ich jetzt Lust, „SCHW31NS7EIGER“ gerade deswegen zu sehen.

Wobei mir jetzt schon so oft „The Last Dance“ empfohlen worden ist, dass ich meine kostbare Lebenszeit vielleicht besser damit verbringe.

Am Ende verbringe ich ebensolche Lebenszeit zuletzt aber doch meistens damit, Bücher zu lesen, mich mit meiner Altersvorsorge zu befassen und mich nach E-Bikes umzuschauen. Leider gar nicht so billig, um nur kurz eins für einen Urlaub anzuschaffen…

Bild des Tages:

Hab mich selten so sehr über Regen gefreut.

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.19: Die Fehler der Anderen

Rezo hat für sein Video „Die Zerstörung der Presse“ fast 1.800 online verfügbare Beiträge über sich in einer Excel-Tabelle gesammelt und hier jeweils beschrieben, wenn die Autoren dieser Beiträge Fehler gemacht haben. Die Aussage scheint eindeutig: Die Presse macht Fehler, einige Presse-Erzeugnisse deutlich mehr als andere.

Die „Berliner Zeitung“ kam dabei neben der „Bild“ und der „FAZ“ besonders schlecht weg (Fehler in angeblich 55% der Beiträge über Rezo), die Verantwortlichen wunderten sich darüber. Medienjournalist Kai-Hinrich Renner hat diese Beiträge nun für die B.Z. analysiert, findet in Rezos Tabelle überhaupt nur 18 Beiträge der B.Z., von denen Rezo 11 bewertet haut und 6 davon laut Rezo Fehler aufweisen (6 von 11 = 55%). Das ist schon sonderbar gezählt, denn 1. waren es eigentlich mehr als 18 Artikel, und 2. hätte Rezo eigentlich 6 fehlerhafte von 18 zählen müssen, also nur 33%.

Renner schreibt einige der Fehler Kollegen aus der Mediengruppe DuMont zu, zu der die „Berliner Zeitung“ im Mai 2019 noch gehört hatte. Andere Fehler gibt er zu. Bei wieder anderen sieht er im jeweiligen B.Z.-Artikel keinen Fehler. Etwa, wenn der zuständige Redakteur die Zahl der Abonnenten von Rezos mehreren YouTube-Kanälen zusammenzählt und diese „Rezos Abonnenten“ nennt. Rezo weist in dem Fall darauf hin, dass viele Personen mehrere seiner Accounts abonniert hätten.

Ein Fehler also? Oder nur eine unterschiedliche Zählweise? Laut Renner ist es unüblich, dass im Mediengeschäft Mehrfachabos im ohnehin oft sonderbaren Zahlenzirkus herausgerechnet werden. Es bleibt für den genannten Artikel der einzige Fehler, den Rezo ausweist. Und gröbere Fehler in den 6 bemängelten B.Z.-Artikeln beziffert er selten. Renner moniert auch, dass Rezo einige Beiträge über ihn in der B.Z. gar nicht in seine Analyse mit einbezogen habe, obwohl diese sich nur mit Rezo befassten. Was am Ende dennoch stehen bleibt, ist die horrende Zahl von 55 Prozent Fehlern in B.Z.-Artikeln über Rezo.

Rezo hat außerdem Kommentare als falsch eingestuft, die ihm vorwerfen, die CDU zerstören zu wollen. Er erkläre nämlich in Minute 1:20 in seinem damaligen Video, dass er das keinesfalls wolle, das täte die CDU schon selbst. In seinem Video, das er „Die Zerstörung der CDU“ genannt hat. Und in dem er am Schluss dazu aufruft, (neben einigen anderen Parteien) nicht die CDU zu wählen. Darf man hier nicht zumindest die Vermutung äußern, dass Rezo die CDU eben doch zerstören wollte? Dass, wenn er damals die Zusammenstellung von Fakten gegen die CDU nicht veröffentlicht hätte, niemand auf die Idee einer Zerstörung gekommen wäre? Ist es falsch, wenn man in einem Kommentar die These dazu aufstellt? Oder eben auch nur Meinung?

Und ist es falsch, wenn ich hier Fragen stelle, die rein gar nichts beweisen? Ein eher feiges Verhalten, das Rezo in seinem Video „Zerstörung der Presse“ (zu Recht) Verschwörungsmythikern aber auch einigen Journalisten vorwirft.

Aber jetzt wird’s interessant, denn auch Renner macht in seinem Artikel, der über Fehler oder zumindest Ungenauigkeiten von Rezo handelt, zumindest einen kleinen Fehler, den er später selbst offenlegt. So heißt es in einer Anmerkung am Schluss:

In einer früheren Fassung stand, dass die Excel-Tabelle nicht verlinkt war. Tatsächlich konnten wir sie zunächst nicht finden, deshalb besorgten wir sie auf anderem Wege. Ein Leser wies uns daraufhin (sic!), dass sie unter dem Dokumentationslink zu finden sei. Ob die Tabelle dort von Anfang stand oder erst nachträglich eingefügt wurde, wissen wir nicht.

Und diese Kleinigkeit finde ich wichtig zu erwähnen, weil es zeigt, dass es praktisch unmöglich ist, keinerlei Fehler zu machen, egal, wie sehr man sich bemüht. Renner hat sich augenscheinlich bemüht, keinen Fehler zu machen und doch einen gemacht. Rezo hat in seiner umfangreichen Excel-Tabelle welche gemacht. Und zahlreiche Medien, die er kritisiert, haben dann auch wirklich Fehler in der Berichterstattung über ihn gemacht.

Man könnte nun schlussfolgern: Journalisten machen Fehler, also glaube ich jetzt nur noch solchen Leuten, die rein wissenschaftlich arbeiten. Rezo hat einen Masterabschluss in Informatik, den er an der Universität Dortmund abgelegt hat; das wissenschaftliche Arbeiten muss er dort also gelernt haben. Vor Fehlern schützt das offenbar trotzdem nicht. Also nur noch praktizierenden Wissenschaftlern mit Doktor- und Professorentiteln glauben, weil die keine Fehler machen?

Reicht leider nicht. Und sei es der Fehler, sich im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie mit einem PR-Team einzulassen (Streeck), ungeeignete statistische Methoden für eine geplante Studie anzuwenden (Drosten) oder zumindest den „Fehler“ zu machen, Kontaktdaten des Bild-Journalisten, der ihm eine zu kurze Reaktionszeit zugestanden hatte, auf Twitter zu veröffentlichen und ihn damit der Menge zum Fraß vorzuwerfen (ebenfalls Drosten, wenig später korrigiert). Oder anhand des Schätzwerts der Reproduktionszahl die Behauptung aufzustellen, die Kontaktbeschränkungen hätten keinerlei Auswirkungen auf die Verbreitung des Virus‘ gehabt (Homburg).

Und wer nun auf die Idee kommt, die herrschende Klasse lüge sowieso oder habe sich verschworen (wir haben’s ja immer gesagt, glauben wir also nur noch Verschwörungsmythikern), für den dürften die Passagen darüber in „Die Zerstörung der Presse“ eine Offenbarung oder zumindest eine Erheiterung sein.

Ja, Moment. Wer sagt denn nun die Wahrheit, nichts als die Wahrheit und die ganze Wahrheit?

Ich fürchte, keiner. Weil es oft auch gar nicht möglich ist.

Schaue ich mal auf meine eigene Arbeit, dann gehe ich jeden Text, den ich später veröffentliche, vorher in mühseliger Kleinarbeit durch. Stimmt das? Sagt die Quelle das Richtige? Schreibe ich hier das Richtige? Stimmt das ganz sicher, nur wahrscheinlich, nur ein bisschen oder eher nicht?

Die Zeit, die ich dafür zur Verfügung habe, ist etwas länger als die, die die meisten Online-Redaktionen haben. Und doch reicht sie nie aus, um 100 Prozent aller Behauptungen sicher und zweifelsfrei zu belegen und alle möglichen Fehler mit Sicherheit auszuräumen. Ich gehe dabei immer so weit, wie ich in der zur Verfügung stehenden Zeit kann, mit dem Wissen und der Erfahrung, die ich habe. Aber klar ist mir jedes Mal leider auch: Die 100 Prozent erreichst du nie.

Erreicht aber auch ein Informatiker in seiner Arbeit nie, ein Arzt nie, ein Lehrer nie, ein Wissenschaftler nie, ein Politiker nie, ein Verschwörungsmythiker: sowieso nie.

Ich habe mir die letzten Wochen gerade mit dem Aufkommen der Demos von Verschwörungsmythikern immer wieder die Frage gestellt, wie tendenziös meine Arbeit möglicherweise ist, wie ich Fehler möglichst ausschließen kann, wie ich gute Argumente für das sammeln kann, was ich tue, und wie ich meine Arbeit zur Not verteidigen kann.

Schaue ich mir diesen ganzen Zirkus jetzt an, habe ich eine Sache dabei zumindest gelernt. Wenn mir jemand vorwirft, ich wäre ja nur ein Vertreter der linksrechtsgrünversifften Regenbogenlügenpresse, wir würden ja nur Fakten verdrehen, es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen und täglich Fehler machen, dann werde ich müde lächeln und antworten: „Egal wer du bist: Du auch, und mit hoher Wahrscheinlichkeit noch viel mehr als ich.“

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Aventure Pieces #14: Whitsun Special

„Mr. President. Bei einer Polizeikontrolle ist ein Schwarzer zu Tode gekommen. Es gibt Ausschreitungen, im ganzen Land!“

„Wir werden mit aller Härte gegen Plünderer und gewalttätige Demonstranten vorgehen. Ich werde die Antifa als Terrororganisation einfstufen lassen!“

„Die was?“

„Die Antifa! Dieser schwarze Block, der auf Demos immer Krawall macht.“

„Und was hat das mit den Protesten gegen Polizeigewalt zu tun? Sollten wir nicht vielleicht…“

„Die ausländischen Agitatoren, die unser Land in Trümmern sehen wollen, sie werden keine Genugtuung erfahren. Sie wettern gegen uns in den sozialen Netzwerken und warten nur auf unsere Schwäche. China, Iran, Zimbabwe.“

„Zim-wer?“

„Ich werde die Antifa als Terrororganisation einstufen lassen und eine Erklärung gegen Zimbabwe auf die Tagesordnung bringen.“

„Okay, und wie soll das die Proteste…“

„Wir werden hart vorgehen gegen alle, die uns schwächen wollen. Ich bin der beste Präsident, den dieses Land je gesehen hat. Im November werden sie mich wiederwählen!“

Kannste dir alles nicht ausdenken. Musste dir aber auch nicht ausdenken.

Im Zuge des finalen Ausmistens ist der Endgegner schon einmal eingekreist:

Ihn zu besiegen, wird aber noch ein harter Kampf werden. Zumal es auf dem Weg dahin noch massig andere Bosse gibt: Steuer, Altersvorsorge, 80.000 Fotos, alte Dateien, Kladden, Tagebücher. Wünscht mir Glück…

Final aufgeräumt:

  • Das Auto (leichter Gegner, aber guter Start)
  • Den Keller (Oh ja!)

Und das freut mich jetzt irgendwie, weil es ja immer heißt: Du kannst keinen Frieden finden, nicht abnehmen etc. wenn du deinen Keller nicht ausgemistet hast. Habe ich jetzt. Waren kaum Leichen drin zu finden.

Ich habe nur kurz mal meine Kamera ausprobieren wollen. Am Ende wurden es in einer knappen Stunde 101 Fotos. Kein Wunder, dass sich da über die Jahre 80.000 Fotos angesammelt haben. Dass es nicht noch viel, viel mehr sind, wundert mich jetzt fast…

Smartphone oder Kamera? Das ist die Frage. Lassen wir mal Bilder sprechen. Links Smartphone, rechts Kamera:

Und hier noch ein paar exklusive Bilder mit der Kamera:

Stimmt schon, die Kamera nimmt paar mehr Details auf. Ihr könnt stufenlos und insgesamt auch etwas weiter heranzoomen (vorausgesetzt, ihr habt das passende Objektiv). Wollt ihr mit Effekten, Unschärfen etc. spielen und arbeiten, kommt das Smartphone an seine Grenzen. Sonst… fühle ich mich tatsächlich wohler mit meinem S10. Ja, exorziert mich!

Aus dem Bonner Generalanzeiger von Freitag (Hervorhebung von mir):

Tiefbauamtsleiter Esch räumte ein, dass ihm die geplante Rampe zur Viktoriabrücke „große Sorgen bereitet“. (…)

Die Statikberechnungen für die Rampe mache es nach bisherigem Stand erforderlich, dass das Fundament näher an die Bahntrasse herankommt, als bisher angenommen. Es stünde auf Grund und Boden der Deutschen Bahn, somit wäre ein Gestattungsvertrag mit der DB zu vereinbaren. Ein Verfahren, das nach Erfahrung der Tiefbauer ein bis zwei Jahre in Anspruch nähme.

Man möchte in den nächsten Flieger nach Südostasien steigen und niemals zurückkommen, wenn man so etwas liest. Ernsthaft: Es wird langsam mal Zeit, dass wir im stolzen Europa unseren Shit zusammenkriegen. Solche Dinge müssen vereinfacht werden, schneller gehen, unbürokratisch gelöst werden können. Es darf einfach nicht sein, dass sich etliche Instanzen, die eigentlich dasselbe wollen, gegenseitig blockieren. Und es kann nicht immer erst ein Virus kommen, bevor Dinge mal schnell gelöst werden.

Vier Jahre dauert der Neubau der verdammten Brücke jetzt schon, und sie ist noch nicht einmal halb fertig. In Singapur hätte sie ein Jahr später fahrtüchtig dagestanden mit der Entschuldigung for any inconvenience caused. Unser einziges Argument dann immer: Ja, aber die scheren sich da halt nicht um irgendwelche Menschenrechte!

Mag sogar sein, aber ganz ehrlich: Welche Menschenrechte sind denn bitte vom Bau einer Eisenbahnbrücke betroffen? Das Ding soll gebaut werden und den Innenstadtverkehr entlasten, mehr nicht.

Meine Smartphone-Halterung fürs Auto sieht aus wie ein Pinguin. Fällt mir jetzt erst auf, wo es Zeit ist, getrennte Wege zu gehen (meine neues Autoradio hat eine Halterung gleich eingebaut). Soll noch einer sagen, es wäre leicht, sich von Dingen zu trennen…

Aber es nützt ja nichts, schnief. :´( Pinguin in verantwortungsvolle Hände abzugeben:

Auch mein iPad 4 wechselt jetzt den Besitzer. Trenn dich von allen Besitztümern, haben sie gesagt. Dann bist du frei, haben sie gesagt. Bist du dann auch glücklich? Das haben sie nicht gesagt…

Symbolbild des Tages:

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Aventure Pieces #13

Ich dachte immer, Elon Musk würde einen perfekten James-Bond-Gegenspieler abgeben. Er hat irrsinnig viel Kohle, baut futuristische Objekte wie einen kugelsicheren Pick-up-Truck, einen Flammenwerfer, Raketen und ein gigantisches Tunnelsystem. Er schert sich nicht um Regeln, hat immer wieder Ärger mit den Behörden und einen Chefdesigner mit dem Namen Franz von Holzhausen. (Es sei in dem Zusammenhang kurz an die lange Tradition deutscher oder österreichischer Oberbösewichte oder zumindest Handlanger in James-Bond-Filmen erinnert).

Nach seinem jüngsten Video mit Jay Leno denke ich mir allerdings: Leno ist noch viel, viel fieser und gegen ihn ist Musk ja nur ein kleiner, ungezogener Junge. Beide zusammen… oha, da hätte Bond viel zu tun:

Der schon wieder. Und schon wieder so ein komisches Format. Die Sache mit Amazons PR-Maschine ist auf jeden Fall hochinteressant…

Just a few pics

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Aventure Pieces #12: Once in a Lifetime

Stellt euch vor, ihr könntet mit eurer Vergangenheit komplett abschließen. Mental, aber auch materiell. Also alles, was ihr Zeit eures Lebens angehäuft habt, loswerden. Ein für alle Mal. Alte Unterlagen, Papierkram, Klamotten von anno dazumal, Bücher, die ihr seit vier Umzügen mit euch rumschleppt, alte Technik, die ihr nie wieder braucht. Alte Dateien und Fotos auf euren Festplatten. Aber auch negative Gedankenmuster und sogar Gewicht.

Ich reduziere das alles seit Jahren. Der Rest wird kleiner und kleiner. Nun habe ich die einmalige Chance, alles loszuwerden. In einem Monat möchte ich so weit sein. Was ich behalten möchte, kommt in eine Schatzkiste, alles Andere, was ich auch nicht wirklich zum Leben brauche, kommt weg oder wird ausgetauscht. Ich sprach schon Anfang des Jahres des Jahres davon. Jetzt gilt’s.

Auf das Ende des Regenbogens bin ich gespannt. Was wird da sein? Werde ich glücklich sein, erleichtert, frei? Vorher wird es auf jeden Fall noch viiieeel zu tun geben. Stellt euch die nächsten Wochen darauf ein, dass es hier viel darum gehen wird.

Ach ja, wenn noch einer ein kaum benutztes iPad Mini 4 samt Hülle und Logitech Crayon braucht…

Ladies and Gentlemen, we have a new car stereo! Der Anschluss war am Ende das kleinste Problem, zwei Stecker einfach einstöpseln. Schwerer war es, den alten Käfig da wieder rauszubekommen, den neuen rein und dann das neue Radio so reinzufriemeln, dass es nicht rausguckt.

Hat mich einiges an Nerven gekostet, aber war so gesehen mein größtes Erfolgserlebnis heute. Danke an Bene für die Supervision!

Talking about Super Vision: Oberhalb spannt ihr euer eigenes Smartphone ein. Dann sieht’s zumindest auf den ersten Blick so aus wie eins dieser neuartigen Autoradios mit Display.

Schluss aus vorbei übrigens: Ich hab mir jetzt endlich ein Notebook bestellt. Geworden ist’s das Dell XPS 13 (2020). Nachdem ich gestern keins mit Rabatt gefunden habe, habe ich heute noch einmal unter den Business-Konfigurationen nachgeschaut. Und siehe da: Eins mit Full HD+, 16 GB RAM und Touch – und sogar 14 statt 10 Prozent Rabatt.

Der Plan ist, Linux draufzuhauen, Windows aber draufzulassen. Ich würde gerne wieder mehr zocken. Und für den Notfall, wenn mal das eine oder andere auf Linux nicht funktioniert. Wieso und warum jetzt das und warum kein Apple mehr. Darüber wird’s später noch viel zu erzählen geben.

Der Podcast mit dem Gerhard war dann in Folge 1 irgendwie auch sooo toll nicht. Okay, der Mann ist mittlerweile 76, aber er redet immer noch genauso wie früher. Es vergingen keine 2 Minuten, da hatte er sich schon selbst auf die Schulter geklopft. Neulich schrieb ich, dass ich den Typ Schröder mag. So ganz kann ich das jetzt nicht mehr unterschreiben. Dafür kam er mir in der halben Stunde schon wieder zu altklug, selbstbeweihräuchernd und auch gar nicht mehr so intelligent vor. Die Agenda 2010 hält er immer noch für eine gute Idee. Dann waren die 30 Minuten immerhin gut, um einen Mythos zu entzaubern. Auch nicht schlecht.

Bild des Tages ist ein Schnappschuss von gestern. Der ist mir da vor die Linse gehuscht und verleiht dem Ganzen eine nicht geplante Dynamik:

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Aventure Pieces #2

Schaut man sich die Tage im Netz um, könnte man meinen, die Welt wäre binnen zweier Wochen komplett verrückt geworden.

Da lässt Sido krude Verschwörungsmythen los, so dass ihm ein Bild-Reporterteam auf die Pelle rückt, Sido sie tätlich angreift, ein RND-Journalist dafür sogar Verständnis äußert, weil selbst Promis ein Recht auf Privatsphäre haben, und Sido sich am Ende von den Verschwörungsmythikern distanziert.

Journalistsein ist in diesen Tagen ein gefährlicher Beruf geworden. Überhaupt scheint in diesem Land nichts mehr selbstverständlich. Ich würde gerne mal einen Soziologen fragen, was eigentlich in den letzten 20 Jahren passiert ist. Das kann doch bitte alles nicht nur an Hartz IV und dem Internet liegen!

Mittlerweile gibt es Tipps für den Umgang mit Verschwörungstheoretikern, die sicher nicht schaden können. Aber was tun, wenn man es mit aggressiven solchen zu tun bekommt, für die ja jeder Journalist mittlerweile ein rotes Tuch ist? Sicht bewaffnen? Einfach nicht mehr berichten?

Warum nicht Letzteres! Wenn Teilnehmer solcher Demos ohnehin nur noch das glauben, was sie wollen, Journalisten für Intriganten halten und teilweise handgreiflich werden, warum lässt man sie dann nicht am langen Arm verhungern und schenkt ihnen einfach keine Aufmerksamkeit mehr? Bekehren kann man sie ja eh nicht.

Oder einfach gleich wieder damit anfangen, keine Nachrichten mehr zu hören bzw. nur noch morgens und abends kurz im Radio, ob die Welt sich noch dreht? Es macht glücklicher und am Lauf der Welt ändert es auch nichts, ob man hinhört oder nicht. Ich bin immer wieder versucht…

Gibt aber auch gute Nachrichten zwischendurch, wie dass sich Dutzende Bonner für einen Obdachlosen einsetzen, den die Stadt einfach wegräumen ließ. Letzteres ist echt eine Schande, aber die Reaktion zeigt, dass noch nicht alles verloren ist.

Als Deutscher schüttelt man immer den Kopf über die Amis und ihre Waffenlobby. Als wären wir da so viel besser. Die Politik hier lässt sich dafür von der Autolobby auf der Nase herumtanzen. Kommt die tatsächlich mit dem Vorschlag um die Ecke, neue Abwrackprämien für Verbrennermotoren aufzulegen, um die Industrie zu retten, die das Elektroauto völlig verschlafen und lieber Stimmung dagegen gemacht hat. Auch mit der Raserei geht es weiter. Das Bundesverkehrsministerium hat erwirkt, die geplanten, strengeren Strafen für Raserei wieder zurückzunehmen. Tenor: Haben wir eh nicht wirklich ernst gemeint, wir wollten nur mal sehen, wer sich alles drüber aufregt.

Es sterben Menschen deswegen. Nicht so viele wie durch Waffen, meinetwegen. Aber beide Beispiele zeigen, dass mit Vernunft gegen eine fest etablierte Lobby hüben wie drüben nicht mehr anzukommen ist.

Come on, SPD! Die Grundrente einzuführen, ist die richtige Entscheidung. Bleibt hart, bleibt ein einziges Mal hart!

Was war ich nochmal von Beruf? Ach ja, einer, der schon als 6-Jähriger an Autos rumgeschraubt und Fernseher auseinander genommen hat, so dass er damals schon wusste, dass er was mit Technik machen würde, weil er Technik einfach lebt und sowas wie Handbücher nicht braucht, um ein simples Autoradio… (Hilfääääää!)

Abgefahren, im positiven Sinne abgefahren!

War mit dem Moped im Siebengebirge unterwegs. Lief gut und war schön:

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Das Jahr der E-Vespas?

Viel mit Wegfahren ist dieses Jahr nicht. Österreich überlegt derzeit, die Grenzen wieder zu öffnen; ich hoffe noch, die Schweiz wird folgen. So oder so wird Urlaub 2020 eher im Nahbereich stattfinden. Travel at home sozusagen, ein erzwungener, aber ein eigentlich auch fürs Klima einmal hübscher Trend.

Ich hätte ja Lust, mit einer Elektrovespa durch die Gegend zu fahren, gerne sogar bis ins Tessin. Auf dem Trendblog habe ich passend dazu mal das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und euch und mir über 20 Elektro-Mopeds präsentiert, die auch nach was aussehen.

Emco Nova

Solche Gefährten machen auf mich Urlaubsstimmung, und sie sind die naheliegendste Lösung. Bieten ein wenig Motorradfeeling, fahren aber nur 45 km/h schnell und lassen sich deswegen mit einem KFZ-Führerschein fahren. Ab 2.000 Euro, eher 3.000, seid ihr mit einem ordentlichen Modell und einer halbwegs okayen Reichweite auch für Überlandfahrten dabei. Ich soll kommende Woche ein Testgerät bekommen und bin sehr gespannt.

Auch was für euch?

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The One Thing That Unites Us All

„One World – together at home“ war ein gestern Abend live gestreamtes Konzert von Weltstars wie Lady Gaga, Rolling Stones, Paul McCartney, Taylor Swift, Billie Eilish… Weil das Virus keine gemeinsamen Auftritte erlaubt, haben die Künstler sich von zuhause gestreamt, und jeder weltweit mit einer stabilen, unzensierten Internetverbindung konnte es sehen. Über 6 Stunden dauerte das Ganze.

Etwas in der Form hat es bisher noch nie gegeben. Ja, es gab Livekonzerte, Super-Bowl-Halbzeit-Shows oder auch Eurovision Song Contests, die in viele Länder der Welt übertragen wurden. Aber nicht in alle Länder, immer abhängig von Auswahl und Einkäufen bestimmter Programmmanager. Weltweit unbeschränkter Zugang, für alle gleich, das ist neu. Ein Virus also, das in einigen Lebensbereichen kurzzeitig den Kommunismus herbeiführt. Marx und Lenin hätten sich das nicht besser hätten ausmalen können.

Besonders schön aber in meinen Augen der damit verbundene Wegfall einer Social Pressure. Niemand, der mit teuer Geld (oder hohem Dispo) zu der Show selbst anreisen konnte, um dann auf Instagram mit Bildern vom roten Teppich oder nebenbei dem eigenen Spaziergang auf dem Walk of Fame zu prahlen. Kein anderer Star, der mit den Stones zusammen ein After-Show-Selfie aufnahm, das von irgendwelchen Klatschpostillen aufgegriffen und viral geschaltet wurde, wo dann am nächsten Nachmittag 1live-Moderatoren keine anderen Beiträge mehr brauchen.

Zum ersten Mal seit den faktischem Sieg über den Kommunismus waren für einen kurzen Moment alle gleich.

Oder hätten es sein können. Ich habe es nämlich verpasst. 🙈

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Wie jetzt, was jetzt? Aventurer?!

Die handverlesene Auswahl von euch, die trotz der nicht gerade wenigen Umzüge des vergangenen Jahres hier gelandet ist, fragt sich wahrscheinlich gerade, was um alles in der Welt das jetzt wieder soll. Gestern war noch Junglenotes, vorgestern Leidartikel und jetzt Aven-was? Was zum Teufel, Jürgen! Was soll das hier?

Tja, was soll ich sagen: Sorry dafür! Ich sagte es schon einmal und ich sage es hier jetzt wieder: Leidartikel war es nicht mehr, Junglenotes aber irgendwie auch nicht. Aventurer kam bei meiner letzten Namensfindung schon einmal auf und war ein Name, der mir gut gefiel.

Bin ich jetzt nicht mehr der leidende Hobbypoet, sondern der draufgängerische Abenteurer? Nun, ich wäre es zumindest lieber. Der Name Aventurer soll mich von nun an immer wieder daran erinnern und dazu motivieren, nicht rumzuheulen, sondern den Arsch hoch zu bekommen und aktiv zu werden. In der Taiga mit Bären um mein selbst erlegtes Essen ringen werde ich (erst einmal) eher nicht. Aber die Komfortzone verlassen, gegen die Schwere ankämpfen und das eine oder andere urbane Abenteuer erleben. Das würde ich gerne und darum soll es hier gehen.

Und, nope, ich kann noch nicht einmal Stein und Bein schwören, dass das hier der endgültige finale Namenswechsel sein wird. Und ja, ihr könnt das gerne auf meine (langsam aber sicher endende) Midlife Crisis schieben. Diesmal war ich immerhin so schlau, Weiterleitungen ein(zu)richten zu lassen. Großen Dank übrigens an Nicky für die technische Umsetzung des Umzugs!

Und vielen Dank für eure Treue, wenn ihr jetzt immer noch nicht genug von dem Ganzen habt…

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Ein paar Gedanken über Corona

Ich war gerade eine Runde draußen (und bin froh, dass das noch geht). Dabei macht man natürlich Beobachtungen und sich so seine Gedanken.

  • Viele Restaurants verkaufen jetzt außer Haus. Bei mir in der Gegend sind das gleiche mehrere (Italiener, Asiate, Spanier…) Wenn ihr wollt, dass es sie nach der ganzen Sache noch gibt, dann ruft da einfach mal an, bestellt was vor und holt es ab.
  • Generell: Ruft doch mal an (oder schickt, bisschen diskreter noch, eine Sprachnachricht). Ihr müsst es ja nicht gleich übertreiben. Aber alle paar Tage mal ein gutes Gespräch mit einem Freund ist ein ganz guter Ersatz für nun ausbleibende soziale Kontakte.
  • Mittlerweile sind die Leute allerdings auch gefühlt des Kommunizierens ein wenig überdrüssig. Die vergangenen Tage flatterten noch täglich mehrmals „Wie geht’s dir?“-Nachrichten oder Klopapier-Memes ins Haus. WhatsApp-Status blüht mehr denn je, ansonsten scheinen die Leute mittlerweile ein klein wenig mehr auf Abstand zu gehen – auch, weil sie mit dem weniger Abstand zuhause erstmal klarkommen müssen. Die Nachrichten werden weniger. Zum einen brauchen wir vielleicht alle gerade wirklich etwas Ruhe. Zum anderen ist die Krise aber auch schneller Alltag geworden, als man für möglich gehalten hat.
  • Ähnlich wie bei Restaurants sieht es mit einigen Einzelhandelsgeschäften aus. Sie verkaufen außer Haus. Auch das eine gute Möglichkeit, sie in diesen wirtschaftlich sehr schweren Zeiten zu unterstützen. Rainer hat es hier schon kommentiert und die Idee scheint mir eigentlich gut: Wenn ihr etwas einkaufen wollt, dann guckt doch vielleicht erstmal, ob das Geschäft, zu dem ihr sonst gegangen wärt, nicht auch einen Online-Shop hat, bevor ihr direkt zu Amazon geht. Was mich zum nächsten Punkt bringt:
  • Wohl dem, der jetzt einen Online-Shop hat! Praktisch jedes Geschäft hat jetzt einen Info-Zettel an der Tür hängen, ob und wie man gerade noch etwas verkauft. „Ihr könnt bei uns online oder telefonisch bestellen“ schreiben die einen. „Ihr findet uns weiterhin auf Facebook oder Instagram“ die anderen. Wer von beiden ist wohl besser aufgestellt…
  • Es war noch nie so einfach wie jetzt, dumme Leute auf der Straße zu erkennen. Ich sage nicht, dass jeder sofort eine hohle Nuss ist, nur weil er noch im Pulk mit anderen rumsteht. Aber die paar, die ich gerade unterwegs traf, und die zu fünf oder sechs im Kreis standen, teils vor sich hin spuckend (wie blöd kann man sein!), sah man die Dummheit aus drei Kilometern Entfernung an. Vielen Dank für diesen Einblick!
  • Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet: Die allerallermeisten Anderen sind zuhause geblieben, haben es also begriffen. Wie auch im Supermarkt die meisten mittlerweile wirklich auf Abstand gehen und überhaupt die meisten Maßnahmen beherzigen. Das ist nicht nur schlau, das ist auch nachsichtig. Manchmal ist die Welt doch gar nicht so schlecht.
  • Zumindest bis morgen, Samstagnachmittag. Denn wie ich meine Pappenheimer kenne, halten gute Vorsätze nur so lange wie man arbeitsmüde in der Ecke liegt. Bei schönem Wetter am freien Samstag setzt der Herdentrieb ein. Cafés haben zum Glück geschlossen, aber es wird viele, viele Leute nicht davon abhalten, sich in Gruppen auf öffentlichen Plätzen zu versammeln.
  • Das heißt auch: Das Laissez-faire der Bundesregierung fruchtet nicht. Es werden Ausgangsbeschränkungen auch hier kommen, wie einzele Bundesländer und Städte sie schon eingeführt haben.
  • Mit der erzwungenen Freizeit könnte man jetzt eigentlich ganz schön viel Sinnvolles anfangen. Aufräumen, ausmisten, renovieren, ein gutes Buch lesen, vielleicht auch – wie wir es im Trendblog vorgeschlagen haben – mit spannenden Online-Angeboten etwas Neues lernen. Reell ist mir gerade am meisten danach, zu couchen und weiter „The Morning Show“ zu sehen. Wie das kommt? Weil die Woche sich abgesehen vom Ausnahmezustand so sehr gar nicht von anderen unterschieden hat. Es gab viel Arbeit und sehr viel Information zu verarbeiten. Der eine oder andere hat jetzt auch noch lärmende Kinder ständig im Haus. Meine Prognose deswegen: Vielleicht sind wir in 2-3 Wochen dann auch mal etwas aufnahmefähiger, aber die ersten erzwungenen Tage zuhause werden die meisten nicht viel Anderes tun als netflixen, zocken oder die Kinder zu bespaßen.
  • Und nach Corona? Rainer schickte mir einen Link zu einem Essay von Zukunftsforscher Matthias Horx: Die Welt nach Corona. Horx malt darin das rosige Bild einer entschleunigten Gesellschaft, bewusst über das, was wirklich wichtig ist (gute soziale Kontakte z.B.) und von den Schattenseiten des Kapitalismus größtenteils geheilt. Zur Normalität, wie wir sie kannten, würden wir niemals zurückkehren. Liest sich gut, mag ich aber nicht so ganz glauben. So leicht werden wir wohl nicht auf unseren Wohlstand verzichten, der im Kapitalismus eben auch begründet ist. Aber einige Dinge werden sich ändern, haben sich schon jetzt geändert. Und, ja, ich sehe auch, dass die Krise durchaus auch ihre rosigen Seiten hat.
  • Und dann fragt man sich einige Dinge über den Kapitalismus, die so absurd sind, dass man sie wirklich zu lange nicht gefragt hat. Um in meiner Branche zu bleiben: Warum muss es z.B. über 200 verschiedene Notebooks geben, die sich größtenteils ähneln wie ein Ei dem anderen? Warum reicht ein Smartphone namens E15 nicht? Warum muss es auch ein E15 Pro, Pro Premium Edition, Lite, Plus, i, i smart, i smart lite, i smart young geben? Neben einem Y (2020), Pro, smart, lite, plus, i, i smart lite… (jeweils fiktive Namen aber keine fiktive Darstellung)? Warum von jedem Hersteller? Warum jedes Jahr aufs Neue? Was soll die Scheiße eigentlich? Das ist Kapitalismus, den wirklich keiner braucht.

Ein abschließendes Fazit habe ich hier gar nicht. 🙂 Bleibt’s gesund und macht’s a guade Stimmung vernünftig, dann ist der ganze Mist vielleicht noch vor dem Sommer zu Ende.

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Ein Jahr ohne Süßigkeiten

Ein Kumpel erzählt gerne herum, ich hätte 1 Jahr kein Alkohol getrunken, und ich ernte dann respektvolle Blicke. Wenn ich dann einwerfe, dass es „nur“ Süßigkeiten waren, ist der Respekt schon nicht mehr ganz so groß. Zucker ist (noch) nicht allgemein als Droge anerkannt, sollte es in meinen Augen eigentlich aber.

Aber nun, wie war es denn so, dieses Jahr als Ex-Junkie? Kurz gesagt: Anfangs verdammt hart, und schwer ist es bis heute. Ihr müsst euch vorstellen, dass mein Süßigkeitenkonsum schon etwas Suchtartiges hatte. Ich aß Süßigkeiten eigentlich täglich und kannte kein wirkliches Maß. Was da war, habe ich meistens auch vertilgt. Egal ob die Schokolade dann 100 oder 300 Gramm hatte. Im Nachhinein betrachtet, ist es ein halbes Wunder, dass sich mein Gewicht noch halbwegs im Rahmen hielt. Mein „Rekord“, sofern ich mich erinnere, lag bei 93-94kg bei 1,84m Körpergröße. Das ist drüber, aber nicht exorbitant. Mittlerweile bin ich bei 76kg angelangt, womit ich mir deutlich besser gefalle.

Die ersten Wochen waren eine langsame Entwöhnung. Ich begann mit dem Verzicht noch in Singapur und gestand mir zwar keine „festen“ Süßigkeiten zu, wohl aber gesüßte Drinks. Und in Singapur gibt es da nicht nur die fantastischen Teh C oder Kopi C (jeweils mit reichlich gesüßter Kondensmilch und dazu noch Zucker aufgeschäumter Tee oder Kaffee) und dazu noch Snickers oder Mars als Drink. Aber im Endeffekt gar nicht so viel davon. Nach ein paar Monaten gab ich auch die gesüßten Drinks auf, statt Süßes zum Nachtisch gab es Nüsse. Ich betrieb eine Art Methadonprogramm. Und es wirkte. Es wurde weniger.

Mein Retter, wenn es ganz schlimm kam, waren zuckerfreie Zahnpflegekaugummis. Gerade nach dem Essen teilen die dem Körper anscheinend mit, dass er gerade Nachtisch bekommt. Dann ist erstmal Ruhe.

Anfangs musste ich die Augen schließen, wenn ich im Supermarkt am Süßigkeitenregal vorbei lief. Hundsgemein, was in dem Jahr alles auf den Markt kam! Oreos eingebaut in praktisch allem, von der Milka-Schokolade bishin zur Festtagstorte, roher Keksteig zum Löffeln, M&Ms in Erdnussbutter- oder Kaffeegeschmack. Ich stand vor dem Regel und muss geweint haben wie ein Präriehund.

Es dauerte ein ganzes verdammtes halbes Jahr bis ich halbwegs von dem ganzen Mist kuriert war. Ich ging dann etwas gelassener durch den Supermarkt. Das Zeug interessierte mich immer weniger. Angebote nach Kuchen schlug ich viel leichter aus.

Nach dem überstandenen Jahr begann ich das langsame Wiedereingewöhnen mit ein paar Stücken filipinischem Yema Cake zu Weihnachten (fantastisch!) und aß die Tage darauf nur ein paar kleine süße Snacks, wobei es blieb und was problemlos ging.

Wieder zurück in Deutschland durchstreifte ich das Süßigkeitenregal. Ich gestand mir zu, einmal richtig zuzuschlagen mit all dem, was ich in dem Jahr versäumt hatte. Ich ging das Regal auf und ab, durchsuchte alles genau, fand aber bei Gott nichts, was ich unbedingt kaufen wollte. Die Sache hatte ihren Reiz völlig verloren. Ich kaufte schließlich eine Packung Mars mit Brownie-Füllung – und war am Ende ziemlich enttäuscht. Coole Idee eigentlich, aber schmeckte wie purer Zucker ohne wesentlichen Hauptgeschmack. Dazu gummiartig in der Konsistenz. Und darauf hatte ich nun ein Jahr gewartet?

Mittlerweile ist der Alltag eingekehrt, ich kaufe mir hin und wieder jetzt was Süßes, wenn ich Bock drauf habe, oder esse ein Eis, wenn es lecker aussieht. Das alles längst nicht mehr täglich. Und doch, tatsächlich versuchen die alten Geister immer wieder durchzurufen. „Iss die ganze Tafel!“, „Du brauchst mehr!“. Ich weiß nicht einmal, woher das überhaupt kommt. Vor allem schreit mein Körper nach jeder größeren Mahlzeit immer noch lauthals „NACHTISCH“, warum auch immer. Ich hatte vor, es einfach natürlich handzuhaben, zu hoffen, der Körper gebe sich auch mit weniger zufrieden. Aber das ist gar nicht so einfach. Ohne Disziplin geht es nicht. Ich habe mir nun auferlegt, nichts mehr über 200 Gramm zu kaufen und nie mehr als die Hälfte davon auf einmal zu essen. Eine Art zweite Entwöhnung. Es ist hart, aber bisher klappt’s.

Aktuell liegt in meiner Vorratsschublade eine Tafel Kinderschokolade, die seit vier Tagen täglich um ein paar Riegel schrumpft. Früher hätte sie keinen Tag überlebt. Ganz klar ein Fortschritt. Und doch frage ich mich, wie das sein kann, dass Zucker eine derartige Sucht entfachen kann, die bei einem Raucher oder Alkoholiker kaum größer sein kann. Ganz ohne Zucker wäre es schon ein fades Leben, aber ob es klug ist, Süßigkeiten weiterhin als normale Mahlzeit zu betrachten und das Zeug in rauen Mengen zu Spottpreisen kaufen zu können? Irgendwie scheint mir das gar nicht gut zu sein.

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Nichtstu-Challenge

Wann kommt man eigentlich mal dazu, wirklich nichts zu tun, um, sagen wir, über das Leben nachzudenken? Ich hab da gerade einiges, was ich durchdenken müsste, aber wenig Zeit übrig. Außerdem strebe ich danach, die Freizeit mit irgendwelchen Aktivitäten zu füllen. Es gibt da ja noch Arbeit vorzubereiten, Bücher zu lesen, Podcasts zu hören, Dinge wegzuschmeißen, an Linux rumzubasteln, Netflix zu gucken.

Von daher ist wohl mal wieder eine neue Challenge notwendig. Ich beginne mal mit 30 Minuten Nichtstun vor dem Schlafengehen. Ab jetzt täglich. Abschließen möchte ich das Ganze mit einem Wochenende voller Nichtstun. Und wenn ich Nichtstun schreibe, dann meine ich auch Nichtstun. Einfach nur dasitzen oder liegen und die Gedanken kommen und gehen lassen. Sonst nichts. Meditieren, nennen das die Esoteriker wahrscheinlich. Aber ob es dasselbe ist, weiß ich nicht und ist mir auch erstmal egal.

Heute am ersten Tag gehe ich mal für ein paar Stunden all out. Wir haben es jetzt 2230 Uhr und für gewöhnlich gehe ich nicht vor 0100 Uhr schlafen. 15-20 Minuten erledige ich jetzt alles, was ich noch wollte, damit ich da gleich nicht dran denken muss. Dann sollten 2 Stunden Nichtstun folgen. Das wird hart! Denn ich weiß jetzt schon, dass mir erstmal 20 Sachen in den Sinn kommen, die ich unbedingt noch machen wollte. Da wird Durchhalten gefragt sein.

Okay, bis später…

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Kaltdusche als Morgenroutine

Heute Morgen bin ich aus dem Bett geklettert, auf direktem Wege ins Bad, habe mich unterwegs meiner Klamotten entledigt und stand Sekunden später ohne weiter drüber nachzudenken in der Dusche, wo ich den Kaltwasserhahn (und nur den Kaltwasserhahn) voll aufgedreht und mich druntergestellt habe.

Die Kurzfassung einer Morgenroutine, wenn ihr so wollt.

Die sieht bei mir eigentlich anders aus: Aufwachen, Aufstehen, Jalousien hoch, Fenster auf, das Zimmer lüften, Zähneputzen und dabei auf dem Google Home Mini die Nachrichten hören, die Kaffeemaschine warmlaufen lassen, erst warm, dann kalt duschen, Anziehen, Bett machen, Kaffee kochen, mit Kaffee auf die Couch und bisschen mit dem Handy daddeln. Langsam in den Arbeitstag starten…

Fühlt sich gut an, dauert aber auch gut und gerne 30-45 Minuten. Heute hatte ich irgendwie keine Lust auf sowas Langes.

Und die Erfahrung des Ganzen? Die Dusche: nicht so schlimm wie erwartet. Ist die echt ganz kalt? Mein Körper nimmt es gelassen entgegen. Es kann an den Kaltdusch-Trainings gelegen haben oder daran, dass der schlaftrunkene Kopf in den 20 Sekunden von Bett zu Dusche einfach keine Möglichkeit hatte, auf Angst umzuschalten.

Ich hab sie kalt gelassen, mich eingeseift und dann auch kalt wieder abgespült. Danach natürlich noch Zähne geputzt, angezogen, gelüftet und Bett gemacht, bisschen mit dem Handy gedaddelt und dann an den Rechner. Wacher bin ich nicht, motivierter: höchstens ein bisschen. Scheint also egal zu sein, wie diese Morgenroutine aussieht. Es muss nur eine da sein.

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Was war, was wird

Der erste Monat Junglenotes ist rum. Ich habe euch einen Monat tägliches Bloggen versprochen. Das habe ich gehalten. Zeit, ein wenig inne zu halten. Gleich vorab: Es könnte gleichzeitig der letzte Monat von Junglenotes gewesen sein.

Nach dem Ende von Leidartikel habe ich nach etwas Neuem gesucht, etwas Positivem, habe lange nach einem guten Namen gefahndet. Und jetzt, nachdem es Junglenotes wurde, bekomme ich mehr und mehr das Gefühl, dass es Junglenotes eben doch nicht ist.

Was ist schon ein Name, mag der eine oder andere denken. Für einen Blogger sehr viel. Der Name ist Zugpferd, Motor und Inspirationsquelle in einem. Und daher muss er passen, sonst wird es kein Selbstläufer, sonst schleppt man sich täglich ab. Zu oft hatte ich in diesem Monat das Gefühl, mich abzuschleppen. Ob es jetzt nur am Namen lag oder auch ein paar anderen, teils unvorhergesehenen, Ereignissen, kann ich noch nicht genau sagen.

Fakt ist, dass ich aber schon mit irgend etwas weiter machen möchte. Geht also davon aus, dass ich euch in absehbarer Zeit etwas Neues präsentiere, auf das ihr, notfalls, automatisch umgeleitet werdet. Es tut mir Leid für das ganze Hin und Her der letzten Monate. Es ist wohl so eine Art Selbstfindungsprozess, und ich hoffe, der ist bald abgeschlossen.

A propos: Danke! Ich wollte das hier nicht an Zahlen fest machen, aber es ist toll, wie sehr ihr in diesem kurzen Monat bei Junglenotes mitgemacht habt, wie ihr kommentiert habt und wie mich das immer wieder neu motiviert hat. Dieser Monat zählt 63 Blogbeiträge, 167 Kommentare, davon 65 Antworten von mir, also 102 Kommentare von euch. Ihr seid einsame spitze!