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Not a care in the world

Manchmal ist es ja gut, gar nicht so viel Zeit zu haben, sich auf etwas vorzubereiten. Ich nehme mir den Freitag frei, arbeite aber ansonsten normal in dieser Woche, komme nebenher gerade mal dazu, ein bisschen zu packen. Nicky kümmert sich dankenswerterweise um den Hauptteil der Orga.

Und dann geht’s auch schon los. Donnerstagabend mit meinem bis beinahe obenhin gefüllten VW Lupo Richtung Eifel: Rock am Ring! Zum ersten Mal in meinem Leben. Und ich muss gestehen: Je näher wir dem Geschehen kommen, desto nervöser werde ich. Keinerlei Ahnung, was uns Greenhorns dort erwartet. Wo müssen wir eigentlich genau hin, wie voll ist es, wie läuft das da alles ab und: kriegen wir wohl überhaupt noch einen Zeltplatz?

Wir verfahren uns einmal, müssen an einer Straßensperrung vorbei, sehen überhaupt nur ein Schild zu unserem Camping-Abschnitt, dann ziemlich lange keins mehr und sind auf einmal ziemlich lost. Irgendwann sehen wir eine Autoschlange am Straßenrand, wir fahren langsamer und Nicky fragt die beiden Insassen im letzten Auto in der Schlange, wofür sie anstehen. Als sie „Wir denken: Green Camping“ sagen, reihen wir uns spontan hinter ihnen ein – hier noch nicht ahnend, dass die beiden später unsere Nebenzelter und Festival-Buddies werden und wir auch gemeinsam zum Green-Day-Auftritt gehen würden.

Geparkt, die ersten Sachen aufgeladen und rüber zum Eingang des Zeltplatzes geschleppt. Kurze Taschenkontrolle durch einen Späthippie, dem alles ziemlich egal ist. Er gibt uns Chip und Bändchen und lässt uns rein. Kurz hinter dem Eingang spielt die erste Gruppe enthusiastisch Flunkyball, der Platz ist schon sehr voll und wir haben ein recht großes Zelt im Gepäck. Nicky und Ursula aus unserem Nachbarauto checken den ganzen Platz und finden schließlich eine noch kleine, freie Fläche in Mitten des Geschehens. Jan und ich hocken erst einmal ab und lernen uns ein wenig kennen. Immerhin: Die beiden anderen finden was!

Als ich mein Zeug aufschultere und die letzten hundert Meter des Weges gehen will, spricht mich ein junger Typ neben mir an: „Oh, das sieht schwer aus. Komm, ich helf dir!“. Trägt einfach mit mir zusammen die schwere Kiste bis zum Platz. Als wir die Zelte aufgebaut haben, lassen wir uns erstmal kurz in die Campingstühle fallen. Ich biete Jan ein Bier an. Als der Typ ein Zelt weiter davon hört, dass wir einen Gummihammer für die Heringe brauchen könnten, besorgt er uns prompt seinen und fragt, ob wir auch einen Blasebalg brauchen (tun wir nicht). Ein Dritter kommt mit einem Teller voll (feinstem!) Grillfreisch dazu und bittet (!) uns, den anzunehmen, sie hätten viel zu viel gegrillt und bekämen das im Leben nicht mehr auf.

Die erste Nacht wird dann weniger harmonisch. Zwei Zelte in unmittelbarer Nähe haben jeweils ihre Anlage bis zum Anschlag laufen, und so werden wir die halbe Nacht von links und rechts mit völlig unterschiedlicher Musik beschallt, was für das Gehirn kaum zu computen ist. An die verordnete Nachtruhe von 1 bis 8 Uhr halten sie sich natürlich auch nicht, und so wird die erste Nacht ziemlich kurz. Im Nachhinein denke ich, wir hätten einfach mitfeiern sollen, statt zu versuchen zu schlafen. Denn die nächsten Nächte werden deutlich ruhiger und der Körper holt sich irgendwann sowieso den Schlaf, den er braucht.

Am Freitag, unserem zweiten Tag, brechen wir nach bisschen Chillen und Organisieren zum Festivalgelände auf. Ich erwarte, dass das schon nicht so weit weg sein wird, aber am Ende sind es stolze 3 km vom Zelt bis zur ersten Bühne. Und das macht irgendwann keinen Spaß mehr. Dafür ist das Wetter top und wir sehen noch das Ende der Donots. Ich wundere mich noch, warum sie etwas von den Ärzten und den Toten Hosen spielen. Das liegt ganz einfach daran, dass die Hosen als Special Guest mit aufgetreten sind. Shit, leider nur gehört, nicht gesehen, aber passt schon. Zum minutenlangen „So long“ am Schluss singen wir mit.

Wir checken die Lage am Ring, essen und trinken was, gucken Weezer (ziemlich cool), Måneskin (sehr geil) und Offspring (slightly underwhelming), aber ich gehe in mein erstes Moshpit vor Ort. Nach „Self Esteem“ umarmen sich die drei Jungs und ich uns herzlich, mit denen ich am intensivsten gemosht habe. Die Leute haben echt was nachzuholen. Und dieses Gefühl zieht sich durchs ganze Festival. Es ist nicht das beste Line-up aller Zeiten, aber eigentlich alle Leute vor Ort, Bands wie Fans und Offizielle, haben richtig, richtig Bock, nach fast drei Jahren Zwangspause mal wieder richtig Gas zu geben.

Auf friedliche Art übrigens. Die Leute sind größtenteils nett zueinander, scherzen miteinander, feiern miteinander, die Bands propagieren Frieden und „Liebe für alle“. Die Welt kann doch manchmal ganz schön gut sein.

Abends gehen wir „kurz“ zurück ins Zelt, um uns was wärmer anzuziehen und kommen kurz mit unseren Buddies Jan und Ursula aus dem Nebenzelt ins Gespräch. Sie sind beide Anfang/Mitte 20, also fast 20 Jahre jünger als wir. Sie hören deutlich mehr Deutschrap als wir, aber ansonsten auch sehr gerne Rockmusik. „Wie kann das eigentlich sein?“, fragen wir. „Als wir in unserer Jugend Nirvana, Green Day und Co. gehört haben, wart ihr doch noch gar nicht auf der Welt“. Ja, sagen sie, aber sie hätten das schon als Kinder gehört, weil es halt im Radio lief. Und heute gebe es halt so gut wie keine neuen Rock-Acts mehr.

Was mich halt immer wieder wundert – und auch ärgert: der Bedarf ist da, der Altersdurchschnitt auf Festivals wie Rock am Ring liegt gefühlt bei unter 30. Trotzdem schafft heute kaum noch eine Rock-Combo den internationalen Durchbruch. Ich sehe da einen Großteil der Verantwortung auch schlicht bei Radiosendern wie – dem mittlerweile unterirdischen – 1live. Wenn man lieber nur noch schlechten Deutschrap spielt und jeden Furz als Popsensation bringt, den Rita Ora auf Insta raushaut, statt mal einen Musikredakteur nach ein paar aufstrebenden Rockbands suchen zu lassen, ist es ja irgendwo auch klar, dass es so gekommen ist.

Ich gehe mit Jan und Ursula danach noch zu Green Day – Nicky zieht einen Abend Pause bei einem Glas Wein am Zelt vor. Der Weg hinauf zum Festivalgelände nervt langsam, aber wir unterhalten uns unterwegs prima und schauen bei Ankunft zuerst noch ein paar Minuten Marteria. Und ich bin ehrlich überrascht, wie gut das klingt und wie genial die Bühnenshow ist – obwohl das eigentlich sonst so gar nicht meine Musik ist.

Und dann Green Day! Sie sehen aus, als wären sie schon auf der Bühne zur Welt gekommen, sie spielen sauber alle Hits, sie interagieren bei jedem Song mit dem Publikum, sie machen richtig Spaß. Billy Joe holt erst jemanden auf der Bühne, der einen Song mit ihm singt. Es kommen Basket Case, She, American Idiot und Wake me up when September ends. Jan und Ursula verabschieden sich plötzlich mittendrin, um noch beim Lidl Rockstore einzukaufen, bevor es zu spät wird – ich kann es kaum fassen. Ich bin plötzlich alleine in einem Pulk voller mir unbekannter Menschen. Aber ich fühle mich nicht alleine. Es ist, als wäre ich mit den drei Jungs auf der Bühne hier und mit den anderen Menschen wie auf einer gigantischen Party verbunden.

Billy Joe fragt dann plötzlich die Fans in der ersten Reihe, wer von ihnen Gitarre spielen kann. „Du? Du? Du! Ja, wirklich? Na gut. Kommt Leute, ich brauche einen oder eine, die Gitarre spielen kann. Sind nur drei Akkorde, mehr können wir auch nicht. Du?! Ja, klasse, dann rauf auf die Bühne.“

Eine junge Frau, die einen Sonnenhut trägt, wird auf die Bühne gehoben. Billy Joe drückt ihr eine Gitarre in die Hand und setzt sich selbst ihren Sonnenhut auf. Traumhafter Moment. Sie spielen tatsächlich einen Song zusammen, Billy Joe verabschiedet sie anschließend mit einem „Thank you, I love you!“, bevor er zum letzten Song anstimmt. Es kommt mein Green-Day-Lieblingslied „Time of my Life“ und für einen kurzen Moment bin ich der glücklichste Mensch auf dem ganzen Planeten.

Spätestens am dritten Tag bin ich auch endlich in der Festivalwelt angekommen. Die Nacht ist zwar wieder recht laut, aber – das kenne ich noch vom Bund – der Körper nimmt sich irgendwann den Schlaf, den er braucht.

Es kommt der Samstag und legen einen Chilltag ein. Uns interessieren erst die Bands, die abends spielen, also schlafen wir aus, tragen schon einmal in weiser Voraussicht ein paar Dinge ins Auto, die wir im Zelt nicht brauchen, damit wir das am letzten Tag nicht mehr müssen, besuchen den Lidl-Rockstore – eine fantastische Parallelwelt neben dem Festivalgelände mit eigener Chillout-Zone, halbbesoffenen Menschenmassen am Fließband und gängeweise Festivalbedarf – und klettern die nahe gelegene Nürburg hinauf. Schon ein toller Ausblick über Festival, Campingplatz und die Eifel in allen Richtungen.

Später sitzen wir mit einem Bier im Campingstuhl without a care in the world. Wir grillen, wir trinken gemütlich Bier, wir grüßen Wildfremde, die an unserem Zelt vorbei kommen und versuchen unsere überschüssigen Bratwürstchen loszuwerden – und dann geben wir noch mal Gas. Placebo, die Kassierer, Muse! Bei den Kassierern ist am einzigen Bierstand neben der Stage allen Ernstes das Bier alle – kannste dir nicht ausdenken. Muse ist handwerklich die wahrscheinlich beste Band, die ich je gesehen habe. Placebo sind auch richtig, richtig gut. Die Kassierer eine ganz andere Liga, aber ich mag ihren trockenen Humor: „Wir sind die einzige Band mit einem Song über Quantenphysik, und weil wir ihn jetzt spielen, habe ich mir mal den Text dazu ausgedruckt und mitgebracht“. ?

Als wir um kurz vor 2 Uhr nachts am Zelt ankommen, fällt uns ein: Wir müssen noch Dosen-Ravioli auf dem Campingkocher machen und essen! Sonst ist es nicht real! Gesagt getan. Die Luft ist kalt, es schmeckt schlimm, aber wir haben damit – außer Flunkyball – eigentlich alles erfüllt, was wir uns an Festival-Must-dos vorgenommen haben.

Und so fies ist das dort alles gar nicht. Zumindest auf dem Green Camping – vom General Camping kann ich nicht sprechen, da scheint ja allerhand möglich. Aber bei uns: erstaunlich zivilisierte Zustände. Dixie-Klos, die mehrmals täglich geleert und gereinigt werden, Trinkwasser, das ebenso oft wieder aufgefüllt wird, Duschkabinen in erstaunlich gutem Zustand, wenn auch mit gefühlten 120% Luftfeuchtigkeit – in der Umkleide davor immerhin geht die Party weiter, weil ein paar Jungs einfach ihre Anlage hier mit reingeschleppt haben. Keiner fällt einem besoffen aufs Zelt und kotzt danach noch rein. Keine überlaufenden oder umgestoßenen Dixies, während du drin sitzt. Beinahe schade…

Für den letzten Tag ist Regen angekündigt. Wir sind mittlerweile dann doch langsam mit der Energie am Ende, beschließen, spätestens abends zurück zu fahren. Die Verlockung auf das eigene Bett und einen Chilltag zu Hause, bis der Alltag wieder beginnt, sind verlockender als Volbeat, Beatsteaks und Billy Talent, die uns nur so halb interessieren. So packen wir gegen Mittag alles zusammen, treffen unsere Freunde vom Nachbarzelt am Parkplatz wieder, chillen noch ein wenig und checken den Wetterradar. Für mich fehlt noch etwas, wenn ich nicht mindestens einmal nass geworden bin und im Regenponcho getanzt habe, also breche ich ein wenig vor den anderen auf, werde zumindest ein klein wenig nass und werfe schon einmal einen Blick auf The Faim (ganz nice) und Skynd (abgefahren!), bis auch die anderen kommen und wir uns noch einmal zusammen Grandson anschauen.

Endlich fängt es wirklich einmal ein wenig an zu regnen, aus dem Moshpit fliegt ein gelber Gummistiefel auf die Bühne. Grandson sprintet rüber, zieht ihn sich an, bittet um das passende Gegenstück, bekommt es und zieht auch das an. In Gummistiefeln klettert er schließlich die Balustrade hoch und singt einfach von oben weiter. Schon eine coole Aktion und tolle Show, auch wenn die Akustik auf der kleinsten Bühne leider nur mäßig ist.

Und das war es dann. Unsere beiden Freunde wollen tatsächlich noch bis zum Ende bleiben, obwohl sie noch nach Bremen zurückfahren müssen und Ursula am nächsten Tag arbeiten muss (Respekt!). Wir Alten verabschieden uns und brausen wenig später als weit und breit einzige von dannen. Ich habe kaum noch Stimme, Nicky versucht auf der Rückfahrt auffällig emsig, mich in Gespräche zu verwickeln, weil ich offenbar schläfrig wirke und wir ja noch heil ankommen wollen. Es gelingt. Während ich in meiner Wohnung die Bilder, die in der Zwischenzeit angekommen sind, in meiner Küche in Rahmen stecke, streame ich die letzten Konzerte von Volbeat und Billy Talent und fühle mich noch einmal kurzzeitig wieder vor Ort. Klar, man hätte das jetzt auch noch mitnehmen können, aber ich bereue nichts. Denn es war schön, aber dann war auch gut.

War ein großartiges Erlebnis! Und ich könnte mir fast vorstellen, das trotz meines hohen Alters noch einmal zu machen. Auch wenn ein kürzeres Festival ebenso in Ordnung wäre.

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? Gar nicht so viel, aber ich würde wahrscheinlich noch aufgeschlossener den anderen Leuten dort gegenübertreten, mich vorstellen, mit ihnen zusammen feiern, noch mehr austauschen. Zum Beispiel haben wir die Clique im Nachbarzelt erst beim Abbauen kurz kennengelernt. Uns einfach ohne hi zu sagen am ersten Tag direkt vor ihre Nase zu setzen, war vielleicht auch nicht die feine englische Art.

Was nehme ich von dem Ganzen mit? Warum nicht einfach die ganze Welt von jetzt an als gigantisches Festivalgelände betrachten! ? Erst einmal nett zu allen sein, das Beste, nicht das Schlechteste annehmen, sich gegenseitig helfen, mit Fremden auf der Straße quatschen. Könnte man ja eigentlich einfach mal machen. Ohnehin ein Event wie die meisten meiner Reisen bisher: So etwas wie Vorfreude kenne ich nicht, ich kenne nur den Stress in der Woche vor dem Urlaub. Aber wenn ich dann da bin – egal ob am Urlaubsort oder auf dem Festivalgelände – blühe ich auf.

Sollte ich vielleicht mit der ganzen Welt an sich so machen. ?

Daily sort-out/Epilog: Ich habe meine alten Kladden noch einmal durchgearbeitet (da war noch Material von diversen Fortbildungen drin…) und bin mit einem Campingstuhl runter auf den Frankie, um bei einem Kaffee das Buch „500 einmalige Erlebnisse: Deutschland“ noch einmal durchzublättern, bevor ich es wegminimiere. Es fing an zu regnen. Ich bin demonstrativ sitzen geblieben.

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So macht das Spaß

Heute mal über Fußball. Ja, sicher ist das langweilig, wenn Bayern München zum zehnten (!) Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewinnt. Die Bundesliga hat dann die Außenwahrnehmung der Betriebssportveranstaltung einer Bananenrepublik. In echten Profiligen wie in England oder Spanien gibt es eine solche Dominanz nicht; ja nicht einmal in Frankreich hat der Scheichklub Paris St. Germain ein derartiges Abo auf die Meisterschaft.

Was diese Liga in der nun endenden Saison aber durchaus hatte, war Drama und Leidenschaft. Und davon so viel, dass man sagen muss: Abschalten und sich nicht mehr für Fußball interessieren, wäre definitiv auch die falsche Entscheidung gewesen. Als Beispiele:

  • Der SC Freiburg, dieser ewige Underdog mit dem engagiertesten aller Trainer, Christian Streich, der plötzlich um die Champions-League-Plätze mitspielt und die am Ende mit Platz 6 nur knapp verpasst…
  • Zuletzt nur noch überholt von Union Berlin. Dieser zweite, zwangsweise bodenständige Klub aus Köpenick, der nun schon zum dritten Mal in Folge seit dem Aufstieg aber auch gar nichts mit dem Abstieg zu tun hat, statt dessen nun sogar Platz 5 erreicht und damit zum zweiten Mal in Folge europäisch spielt.
  • Ganz anders als dieser andere Club aus der Hauptstadt, der eigentlich seit Jahren gerne da wäre, wo der Lokalrivale jetzt ist: Hertha BSC bot in dieser Saison herrlich viel Theater um hohe Ansprüche, hunderte Millionen versenktes Investorengeld, gescheiterte Träume, innere Zäsuren, ernüchternde Realitäten und die ebenso überraschende wie hochinteressante Rückkehr von „Quäl-Opa“ Felix Magath.
  • Der muss nun in der Relegation gegen den HSV ran, der plötzlich seinerseits erstaunlich bodenständig wirkt (ist das die neue Erfolgsformel?) und nach drei vierten Plätzen in Folge nun tatsächlich mal eine Zweitliga-Saison nach einem überraschend nervenstarken Schlussspurt auf Platz 3 abschließt. Zwei Clubs also, die in den letzten Jahren viel Anlass für Schadenfreude boten, nun gegeneinander in zwei Entscheidungsspielen. Das wird Drama pur. Entzückend!
  • Werder Bremen dafür tatsächlich nach nur einem Jahr zweite Liga direkt wieder aufgestiegen. ? Hätte ich mir kaum träumen lassen.
  • Allerorten übrigens, wo die entscheidenden Erfolge gefeiert wurden, Platzstürme (nicht immer ganz ungefährlich) und ganz viel Leidenschaft.
  • So etwa auch bei Frankfurts Husarenstück, der Übernahme des Camp Nou und dem sensationellen Auswärtssieg beim FC Barcelona. Jetzt sogar noch mit der Chance, die Europa League zu gewinnen.
  • Oder Kölns Coup, statt gegen den Abstieg zu spielen, am Ende sorgenfrei Siebter zu werden, augenscheinlich allein geschuldet der Verpflichtung des schnodderigen Fischkopps mit der kultigen Schlappmütze, Steffen Baumgart.
  • So viele Bewiese dafür, dass eben nicht immer nur das schnöde Geld gewinnt, wie Adi Hütters erfolgloses Engagement in Mönchengladbach (vor der Saison für 7,5 Mio. € geholt), Bayerns überraschendes Ausscheiden gegen den „Dorfklub“ Villareal im Viertelfinale der Championsleague oder eben die Er.folge von Freiburg, Köln und Union Berlin in der Liga.

Nee, war schon schön alles. In der Zukunft würde ich mir noch ein bisschen mehr klare Kante wünschen wie einen Boykott der WM in Katar oder eine europäische Gehaltsobergrenze. Aber vielleicht war diese Saison die Wende zum Besseren. Möchte ich wirklich gerne glauben.

Landtagswahl. Grüne rocken NRW – am selben Tag, wie Grün-Weiß Bremen rockt. Und irgendwie geht und ging die Wahl beinahe völlig an mir vorbei diesmal. Ist wie ein spannendes Fußballspiel, für das du ein Ticket hast. Mehr aber eigentlich nicht.

Gut, musikalisch war ich eher für die Niederlande, Norwegen und Moldawien. Aber auch den ukrainischen Beitrag fand ich so gut, dass ich mit der eindeutig politischen Wahl selbstverständlich gut leben kann.

Tolle ESC-Party übrigens bei uns, von der auf jeden Fall alles Gesagte für immer im Raum bleiben muss, weil sonst alle Anwesenden für den Rest ihres Lebens sozial geächtet wären (und mehr sage ich dazu selbstverständlich auch nicht). ?

Adriaan!

Daily sort-out. Ich sehne den Tag herbei, an dem ich keine Bilder mehr aussortieren „muss“. Ja gut, ich habe selbst in der Hand, was ich tue und wann. Aber wenn mein Reiseführer irgendwann mal fertig sein soll, sollten auch die Bilder dafür bereit sein. Wie kann ein Mensch so viele Fotos machen? Ich muss da echt umdenken…

Trotzdem, natürlich und immer noch: hach, Singapur!

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Prenzlauer Berg

Ich mag das hier. Und hab gerade zu meiner Überraschung festgestellt, dass ich schon 5 Tage hier bin und es bald wieder zurückgeht. In meiner unmittelbaren Umgebung, dem Gleimviertel, gibt es:

  • Einen Sportpark mit Tartanbahn
  • Einen Drittliga-Fußballverein (Viktoria Berlin)
  • Den Mauerpark mit Action quasi rund um die Uhr
  • Zahlreiche Spätis, Schankräume, Cafés, Restaurants
  • Ein paar zu viele vietnamesische Restaurants höchstens. Gefühlt jedes zweite Restaurant hier ist vietnamesisch.
  • Hab deswegen gestern bei einem Indonesier gegessen und das war sehr lecker.
  • Viele Hipster, viele freakige Typen, sehr viele Normalos
  • Und insgesamt einfach viele nette Menschen

Praktisch täglich warte ich darauf, dass mich einer auf der Straße komisch anschaut oder gar blöd von der Seite anmacht. Für was auch immer, vielleicht dass ich nicht hip genug aussehe. Aber es ist bisher noch nicht passiert. Ich werde sogar hin und wieder angelächelt, was mir in Bonn nie passiert.

Trotzdem habe ich mittlerweile nach fünf Tagen das Gefühl, hier im Kiez (der sich ungefähr von der Ringbahn im Norden bis runter zum Alex erstreckt) alles gesehen zu haben. So schnell kann das gehen.

Wenn ich jetzt noch paar Leute kennen würde und Britta die Wohnung nicht mehr zwingend bräuchte, könnte ich auch direkt hier bleiben. 🙂

Habe beschlossen, mir ein Übergangs-Smartphone zu kaufen. Die aktuellen iPhones gefallen mir zu wenig, als dass ich dafür 1.000+ Euro ausgeben würde, außerdem gibt es ja bald schon wieder neue. Und auch die aktuell getesteten Samsungs und Xiaomis ließen zu viel Luft nach oben. Ich mag das Google Pixel 6, aber das ist mir zu viel Google. Ergo: ein Ding kaufen, das mich eine Weile begleitet, bis mich irgendwas wirklich umhaut. Ansprüche an das Gerät:

  • Gute Frontkamera mit 4K-Aufllösung, weil ich damit vloggen möchte
  • Android 12, möglichst mit Update-Garantie
  • Ein Akku, der was durchhält
  • OLED-Display, um damit Bücher zu lesen
  • Schnelllademodus
  • Und wenn es dann noch irgendwie Joy sparkt…

Tja, und ich wette, darauf wärt ihr in 20 Jahren nicht gekommen. Vorhin im Mädchenmarkt ausprobiert, für tauglich befunden (außer dem Schnelllademodus) und was dann sogar ein wenig Joy gesparkt hat: das Samsung A33 in weiß. Ja, im Ernst. Ja, ich bin noch bei Trost.

Kostet knapp unter 400 Euro, bekäme Updates, dürfte seinen Zweck erfüllen, sieht toll aus und sparkt durchaus ein wenig Joy.

Wobei, vielleicht wird’s doch noch das A53. Das sieht fast genauso aus, kostet fast das gleiche, kann aber noch bisschen mehr. ? Ich schlafe jetzt nochmal drüber.

Wir schreiben das Jahr 2022 und noch immer gibt es keine sorgenfreie Möglichkeit, um Dateien von einem Android-Phone kabellos zu einem Mac zu übertragen. Vorhin habe ich tatsächlich ein paar Bilder via Bluetooth vom S22 Ultra zum MacBook rübergeschoben, weil das MacBook Wifi direct nicht erlaubt. Bilder gingen auch recht flott rüber, das 200 MB große Video brauchte so 20 Minuten…

Mein Soundtrack für die aktuelle Berlin-Woche. Ich höre den Song rauf und runter und weiß gar nicht mal, wo der plötzlich wieder herkam, nur dass er plötzlich da war und mir immer besser gefällt, je öfter ich ihn höre:

Daily sort-out, immer noch und wohl für immer Singapur…

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Berlin

Ach, eigentlich habe ich Berlin immer schon gemocht..

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Boris

Sieht etwas anders aus, aber ist genau so nett, wie ich es mir vorgestellt hätte. 🙂 Ich habe ihm Bonn gezeigt, das, was von der Kirschblüte noch übrig ist (nicht mehr viel) und ein paar der Orte, über die ich immer mal wieder blogge, wie die Ampel, über die ich neulich bei Rot gegangen bin. 😉 Na gut, nur, weil wir zufällig daran vorbeikamen. Und natürlich haben wir auch ein Bier auf dem Frankenbadplatz getrunken. Was man Menschen halt so zeigt, die man bisher nur aus dem Internet kannte. Boris = prima Typ, ähnliche Wellenlänge, wie auch schon hier im Blog! Hat mich sehr gefreut, dich jetzt auch mal live kennenzulernen!

Ladies and gentleman, we have ourselves a new Induktionskochfeld!

Und sogar selbst angeschlossen, auch wenn man das ja eigentlich nicht soll… Aber, come on. Sicherungen raus, Phasenprüfer drüber, vier alte Kabel raus, vier neue Kabel rein, Sicherungen wieder rein. That’s all. Sogar der Elektriker, der letzte Woche da war, meinte: „das können Sie auch eigentlich selbst“ und hat mir erklärt, wie es geht. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis da was durchbrennt. Aber eigentlich sollte ich sauber gearbeitet haben.

Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar… Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wann ich so etwas schon einmal erlebt hätte. Also, klar, Mark Zuckerberg wollte WhatsApp, und deswegen hat sein Unternehmen Facebook das Unternehmen WhatsApp gekauft. Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte Nokia so weit runterwirtschaften lassen, dass Microsoft die Finnen recht preiswert übernehmen konnte. Aber dass eine Einzelperson ein ganzes Unternehmen übernimmt, das hab ich meines Wissens noch nicht gesehen.

Okay, stimmt gar nicht. Jeff Bezos wollte die Washington Post und hat sie sich dann selbst gekauft. Auch US-Sportmannschaften gehören nicht selten Einzelpersonen, die LA Clippers etwa dem oben bereits genannten Steve Ballmer. Trotzdem: verrückte Zeiten!

Daily sort-out, Singapur, Dezember 2021:

Jaja!

Meine Jogging-Stecke vor Ort. Ja, for real!

Seit gerade eben Kratzen im Hals, Nase zu, meine Wangen seltsam heiß. Bin vielleicht doch nicht unverwundbar… ??

Mal sehen, was Schlaf davon noch abwenden kann. Gute Nacht!

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Dinge tun

Nicky hat mich damals für ein Wochenende in Scheveningen besucht. Wir zogen über die Strandpromenade, tranken Craftbeer auf dem Pier, ließen uns den Wind um die Ohren wehen und aßen noch was in einem zugigen Burgerrestaurant. Später kamen wir an einem Laden vorbei, in dem man Axtwerfen konnte. Ja, exakt, der Laden war wie eine Dartbar, nur dass man dort mit Äxten auf eine Zielscheibe warf statt mit Pfeilen.

Sollen wir da jetzt reingehen, fragten wir uns? Ist doch bestimmt teuer und irgendwie verrückt. Ist gerade außer uns auch keiner drin. Kann das überhaupt Spaß machen, werden wir das können, was soll daran so besonders sein, wollen wir nicht lieber was Anderes…?

Am Ende gingen wir rein. Ich glaube, nicht direkt, wir mussten erst noch eine Runde drehen, um uns selbst davon zu überzeugen, dass das eine gute Idee ist. Dann haben irgendwann gesagt: why the hell not? Wir waren anfangs die einzigen im Laden, die fröhliche Kellnerin schnappte sich eine Axt und warf sie mit Wumms gegen die Wand, um uns einzuweisen. Wir wollten erst eine halbe Stunde buchen, wählten dann aber doch eine ganze. Am Ende verging die Zeit wie im Flug, es machte tierisch Spaß, und ich meine, wir hätten beide jeweils nur 2x so geworfen, dass die Axt auch wirklich stecken blieb. Ist nämlich gar nicht so einfach.

Kürzlich beim Aussortieren schickte ich Nicky ein paar Bilder von dem Wochenende. Sie antwortete: „Ich bin dir immer noch dankbar, dass du durchgesetzt hast dass wir das Axtwerfen machen“.

Von all dem, was wir an dem Wochenende in Scheveningen gemacht haben, erinnert sich Nicky also am besten noch an das Axtwerfen. Und ich habe auch gute Erinnerungen daran. Hat halt einfach Spaß gemacht.

Aber um das mal zusammenzufassen: Die Urlaube oder auch nur Ausflüge waren immer besonders, in denen ich auch aktiv etwas „gemacht“ habe. Also nicht nur geguckt, nicht nur gegessen, sondern auch etwas Neues ausprobiert, etwas mit den Händen gemacht, irgendetwas Abgefahrenes, was ich vorher noch nicht gemacht habe. Ähnlich positiv erinnere ich mich noch an das erste erfolgreiche, weil angstfreie Klettern in Singapur oder den Moment, in dem ich auf meiner Radtour durch die Schweiz damals zusammen mit den Locals in Basel mit einem Wickelfisch in den Rhein gesprungen und ein paar Kilometer weit geschwommen bin. Aktiv etwas tun und etwas dabei fühlen. Dann erst wird der Urlaub zu einem richtig guten Urlaub.

Eine Ex-Freundin von mir sagte einmal: Wenn du reist und nicht weißt, ob du ein Angebot wahrnehmen sollst, oder nicht, mach es! Es lohnt sich immer.

Zumindest damit hatte sie recht…

Die AXES Indoor Axe Throwing Bar in Scheveningen hat übrigens im Schnitt ein 5,0/5 auf Google Maps

Reiseführer: Schade dass ich nur die Zeit habe, den nebenbei zu schreiben – und ehrlich gesagt auch gar nicht viel mehr Motivation, als ein oder zwei Kapitel am Tag davon zu schreiben. Dabei macht mir das eigentlich richtig Spaß und geht mir erstaunlich leicht von der Hand.

Das muss eine dieser „Stärken“ sein, die jeder Mensch angeblich hat und von denen man immer so viel liest. Ich wusste gar nicht, dass ich überhaupt welche habe oder dachte halt immer: Reisejournalismus kann ja jeder Idiot – macht von daher auch jeder Idiot, dann verdiene ich mein Geld lieber mit ehrlicher, harter Arbeit. Wie Technikjournalismus, was mir eigentlich gar nicht so super liegt. Aber na gut, wenn ich jetzt meine Art von Reiseführer dann doch mal schreibe und veröffentliche und mir das leicht fällt, ist ja keinem damit geschadet. ??‍♂️

Nebenbei lerne ich dafür gerade, wie ich am Rechner eigene Landkarten erstelle, möglichst auch so, dass sie hinterher nicht all zu peinlich aussehen, und jetzt schließt sich der Kreis, weil bei meinem täglichen Bilderaussortieren Singapur-Bilder dran sind, von denen natürlich einige mit ins Buch sollen. Ich dürfte jetzt ungefähr halb durch sein mit allem. Bin sehr gespannt, wie das alles wird…

Daily sort-out, Singapur, November 2021, my first day:

<3

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Extrem ehrlich kommunizieren II

Würde man ein Buch über diesen Abend schreiben, könnte man ein Vermögen machen. 🙂 Aber das widerspricht – aus gutem Grund! – den Regeln, und daran halte ich mich natürlich. Zumal die letzte Frage des Abends war: Was sind deine Fetische, wie viel Geld hast du auf dem Konto, wen würdest du gerne verschwinden lassen?

Als die ersten beiden Teilnehmer zur letzten Frage wie aus der Pistole geschossen antworteten „Meine Freundin!“ war das Gelächter groß. Die Frage mit den Fetischen allerdings war zugleich die größte Herausforderung für die meisten (für mich auch) als auch die erkenntnisreichste. Vor allem deswegen, weil jeder da etwas zu sagen musste und es auch offen getan hat, egal ob Männlein oder Weiblein. Dass in der Gruppe danach jeder von jedem wusste, dass jeder auf seine oder ihre Art speziell ist, hat uns in dem Moment alle gleich gemacht und in eine sehr gelöste, fröhliche Stimmung versetzt.

Als ich danach noch mit einer anderen Kursteilnehmerin die 45 Minuten in der Bahn zurück nach Bonn gefahren bin, haben wir uns völlig unverkrampft unterhalten, trotz des intimen Wissens, das wir kurz vorher übereinander gesammelt hatten. Ich habe mich ehrlich sogar schon lange nicht mehr so gut mit jemandem unterhalten und mir die andere Person auch kein einziges Mal weggewünscht, was mir normal bei den meisten neuen Bekanntschaften erst einmal so geht.

Einer Fehler zugeben als Politiker? Das sollte einer zwar nicht jeden Tag müssen, aber bei so etwas wie einer in der Zukunft liegenden Formalität wie jetzt der Lauterbach oder zur Not auch im Nachhinein wie Steinmeier im Hinblick auf Putin: warum denn nicht? Ich erinnere mich damals an die Netzsperren-Debatte von Ursula von der Leyen (zu der Zeit noch Familienministerin), die selbst dann nicht von ihrer Linie abgewichen ist, als alle Fachleute ihr vehement davon ab- und zu Anpassungen geraten haben und sie es irgendwann auch selbst eingesehen haben muss (dumm ist sie ja eigentlich nicht). Trotzdem hat sie den Gesetzesentwurf wider besseren Wissens und besserer Möglichkeiten durchgepeitscht. Das war schlechte Politik.

Trivia Quest ist Netflix‘ erste Gameshow, die man interaktiv spielen kann. Ist ganz nett und gar nicht sooo einfach, wie die kindliche Grafik es vermuten lässt:

Daily sort-out, immer noch Nederland-fietstocht 2021:

Gouda:

Utrecht:

Pompöses Denkmal (vergessen welches):

Veluve:

Arnhem:

Düsseldorf:

Tier:

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Freundlich sein ist anstrengend, aber möglich

Das habe ich auch noch nicht erlebt. Ich komme vom Sport mit dem Rad wieder und wechsle kurz vor unserem Haus auf den Bürgersteig, weil von der Straße aus meist alles zugeparkt ist. Natürlich steige ich für die letzten 20 Meter nicht mehr ab. Ausgerechnet jetzt kommt mir aber ein Fußgänger entgegen, ein älterer Herr.

Er wechselt von links nach rechts und wieder nach links und sieht allgemein unzufrieden aus, dass ich da jetzt fahre. „Und wo soll ich hin?“, fragte er schließlich, als ich weiterfahre und wir Augenkontakt aufgenommen haben. „Na ja, an den Rand oder so“, entfällt es mir. „Die Straße ist da vorne, da müssen Sie hin“, wehrt er sich. „Ja, aber ich wohne hier, ich muss hier lang“, entgegne ich und fahre an ihm vorbei.

Ich bin eigentlich aber gut drauf, und vielleicht liegt es daran, dass ich zur Abwechslung meinen letzten Satz recht freundlich formuliert hatte, dass nun etwas Überraschendes passiert.

„Ah“, höre ich es plötzlich einige Meter laut hinter mir, als ich vor unserem Haus absteige und mich neben mein Rad stelle. „Sie wohnen ja wirklich da“, ruft der Mann mir hinterher. „Das habe ich nicht gewusst. Entschuldigung!“

Ich drehe mich zu ihm um, hebe die Hand und rufe: „War auch nicht böse gemeint. Tut mir Leid!“

Wir nicken uns zu, lächeln tatsächlich ein wenig dabei, und dann geht jeder seines Weges.

Holla, die Waldfee! Normal bin ich im Straßenverkehr kein Kind von Traurigkeit, ärgere mich über anderer Leute Marotten und brülle auch schon mal einen an, der meint, mir sein Verständnis der Straßenverkehrsordnung aufdrücken zu müssen. Aber etwas derart de-eskalieren lassen, das habe ich noch nie.

Und meine Güte, war das anstrengend!

Heute bei den Bonn International Toastmasters. Ist etwas anders, als ich mir das vorgestellt habe. Zum einen folgt die Gruppe (wie wohl alle Toastmasters) einem relativ streng formalisierten Programm. Zum anderen halten sie ihre Präsentationen auf Englisch. Ganz angenehm war das eigentlich trotzdem, und auch mein englischer Vortrag aus dem Stegreif zum spontan vorgegebenen Thema „What is the one thing that made a big change in your life you last year“ funktionierte recht gut und kam gut an. Hab als (sehr freundliches) Feedback bekommen, ich könnte beim nächsten Mal vielleicht noch etwas mehr meine Zuhörer:innen angucken statt der Decke. Okay, werde ich versuchen… ?

Es gibt aber auch eine deutschsprachige Gruppe. Hätte vielleicht auch was, es erst einmal mit der zu probieren. Bin auf jeden Fall nach wie vor überrascht, wie selbstverständlich ich mittlerweile neue Dinge ausprobiere und überhaupt keine Angst mehr habe, zu so etwas zu gehen. Seltsam.

Die Veranstaltung war in den neuen Design Offices (ziemlich cool!) in der Nähe des Hauptbahnhofs. Nach der Veranstaltung unterhalte ich mich draußen noch ein wenig mit dem anderen Gast, einer Kroatin. Wir gehen ein Stück zusammen, die Ampel vor dem Gebäude ist rot. Aber weil es schon spät abends ist und weit und breit kein Auto kommt, gehe ich einfach bei Rot über die Straße.

Die Kroatin kann es kaum fassen und hält sich vor Freude den Bauch: „Dass hab ich ja noch nie gesehen, dass ein Deutscher bei Rot über die Ampel geht! Und ich wohne seit 13 Jahren hier.“

„Ja nun“, entgegne ich. „Da war ja niemand, auf den wir hätten warten müssen. Außerdem war ich jetzt viel im Ausland.“

Wir kommen noch ein wenig auf Deutschland und den Straßenverkehr zu sprechen. Manchmal, sagt sie, schimpfen andere Leute auch hinter ihr her, wenn sie eine Verkehrsregel missachtet. Oh ja, sage ich, das kenne ich aber auch wirklich nur aus Deutschland. Bei Rot über die Ampel gehen, kostet auch anderswo eine Strafe, weswegen es dann kaum einer tut (in Singapur zum Beispiel). Aber andere Leute auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen, selbst wenn es nur Kleinigkeiten sind? Habe ich selten bis nie im Ausland mal erlebt.

Ihr?

Auf dieses Blitzrezept bin ich jetzt fast ein bisschen stolz:

  • Auflaufform füllen mit: Gnocchi, Sauerkraut, Veggi-Hack, Kräuter-Creme-Fraiche. Alles vermengen.
  • 1-2 Scheiben Höhlenkäse auseinanderzupfen und damit garnieren.
  • Für 20 Minuten bei 200°C in den Ofen.
  • ??

2 Minuten Zubereitungszeit!

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Das wär’s ja noch

Dass der russische Vormarsch in der Ukraine wegen Unvermögens derart zum Erliegen gekommen wäre, dass Russland sich nur noch auf militärische Ziele im Osten der Ukraine konzentrieren kann. Schlimm genug ist das schon noch. Mariupol muss aktuell die Hölle auf Erden sein. Trotzdem bietet die neue Nachrichtenlage ein wenig Hoffnung für Optimismus, und ich male – zur Abwechslung – mal ein positives Bild:

  • Russland muss sich aus der Ukraine zurückziehen, und das schon nächste Woche
  • Der Dritte Weltkrieg findet nicht statt
  • Putin ist nach diesem blamablen Eigentor erledigt
  • Auf der Welt sieht jeder aktuelle oder potentiell kommende Despot ein, dass ein Krieg im 21. Jahrhundert sinnlos und nicht zu gewinnen ist.
  • Wir halten trotzdem an der Abkehr von Gas und Öl fest und beeilen uns mit der Klimaneutralität
  • Wir merken, dass wir die 100 Milliarden gar nicht in die Armee stecken müssen und investieren sie statt dessen in Solarzellen auf allen Dächern Deutschlands.
  • Demokratische Reformen in Russland

Klingt vielleicht etwas zu positiv, aber darf ja ruhig auch mal sein.

Minimization today: alle iPhone-Fotos bis Juli 2021. Kann es kaum glauben, aber die 27.000 Bilder sind alle aus weniger als einem Jahr. Und, ja, der Bart war zu lang…

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2021 & 22

2021 war ein ziemlich gutes Jahr für mich. Ja, das mag den einen oder anderen überraschen. Denn es war ja immerhin ein Seuchenjahr, ein Katastrophenjahr, ein politisch beinahe unruhiges Jahr, das auch mir natürlich ziemlich zu denken gegeben hat.

Ein Unwetter hat das wunderschöne Ahrtal unweit Bonns verwüstet, tausende wurden obdach- und mittellos in einer Katastrophe, die man in Deutschland heute nicht mehr für möglich gehalten hätte. Mehr als 100 Menschen starben. Und das tut mir wirklich, wirklich Leid. Übrigens nicht nur das, sondern auch die Tatsache, dass ich nur 1 Tag wirklich dort helfen war. Meinen Urlaub wenige Tage nach der Katastrophe habe ich lieber im Ausland verbracht. Ich kann und will das in keiner Weise schön reden, ich sag es, wie es ist: Ich wollte die Zeit lieber auf dem Rad in den Niederlanden verbringen.

Und dann einige Wochen später sogar wiederkommen, dort bleiben und die Sprache lernen. Einfach so, mitten in der Pandemie. Um danach kurz wiederzukommen und das seuchengeplagte Land gleich noch einmal für ein paar Monate zu verlassen, also immer jeweils dorthin, wo die Leute ganz anders auf die Pandemie reagieren als in Deutschland: In dem einen Land mit betontem Laissez-faire und in dem anderen mit so eindeutig harter Konsequenz, dass es schon wieder erfrischend angenehm war. Geschwurbel wird in Singapur einfach nicht zugelassen. Herrlich!

Die zweite Jahreshälfte war für mich großartig. Ich konnte mich impfen lassen, ich hatte einen fantastischen Urlaub, ich habe eine neue Sprache gelernt, ich bin Corona 2x entflohen. Ich habe meinen Job noch und auch hier viel Neues gelernt, ich habe die allergrößten Teile meines Besitzes (analog wie digital) wegminimiert, und ich habe Corona bei allem gebotenen Respekt nicht ernster genommen als der Antichrist das Weihwasser.

Und, ach ja, ganz nebenbei wurde der elendige, bayerische Knabengesangschor, der aus irgendeinem, kaum nachvollziehbaren Grund 16 Jahre lang mitregieren durfte, entmachtet und durch eine deutlich frauen-, klima- und generell menschenfreundlichere Regierung ersetzt. How cool ist that?

Ich halte es wie Faith No More schon in den 80ern:

We care a lot!
About disasters, fires, floods and killer bees.
We care a lot!
About the NASA shuttle fallin‘ in the sea.
We care a lot!

About starvation and the food that Live Aid buys
We care a lot!
About disease, baby, Rock, Hudson, rock!

Ja, das alles geht mir nahe! Diese furchtbare Ahrkatastrophe! Jeder, der unter Corona direkt oder indirekt leidet. Es ist ein verdammtes Elend und es tut mir unendlich leid.

Aber jeder für sich selbst? Ich weiß nicht. Ich kann auf die Straße gehen und dagegen demonstrieren, dass die Regierung mich notfalls mit Gewalt vor einer Pandemie schützen will. Oder ich kann die Zeit nutzen, mich über meine Impfung zu freuen und mein Leben auf Vordermann zu bringen. Das habe ich 2021 getan und das möchte ich auch 2022 tun.

Meine Vorsätze:

  1. Zu Ende minimieren. Jetzt wirklich. Das Ende ist absehbar, auch wenn noch einiges zu tun ist.
  2. Auf Radtour gehen. So lange, bis ich rank und schlank bin. Wird hart, aber es ist jetzt mal Zeit.
  3. Ein guter Mensch werden. Da geht, ihr seht es, immer noch einiges.

Und ihr?