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.42: Feiern

Nach dem 2:2 in der Relegation gegen Heidenheim, mit dem sich Werder Bremen ein weiteres Jahr Bundesliga gesichert hat, traf ich auf dem Heimweg eine Freundin, die auch Werder-Fan ist. „Freust du dich?“, fragte sie. Ich überlegte und zuckte dann mit den Achseln. „Und du?“. Ich glaube, nach so einem Spiel, nach so einer Saison gibt es nicht viel zu freuen, man ist bestenfalls vorübergehend erleichtert.

Jetzt fangen ja die Probleme erst an. Viele Spieler, die man gar nicht mehr so richtig will, muss man jetzt behalten oder sogar kaufen. Ob da von dem knappen Geld überhaupt noch was da ist, um dringend benötigte Verstärkungen in Offensive und Defensive zu holen, ist die Frage. Ich kann schon verstehen, warum der HSV damals aus dem Schlamassel gar nicht mehr raus gekommen ist.

Ich hab meistens ein Sub-Thema hier. Aber heute war beim besten Willen nicht mehr los. Vielleicht bleiben wir deswegen noch kurz beim Fußball, gepaart mit ein wenig Wirtschaftstheorie, und lauschen Karl-Heinz Rummenigges Erklärung, warum der FC Bayern so dominant ist. Angeblich, weil er immer mit dem Worst-Case-Szenario plant und dann doch alles besser kommt. Soso.

Ein Bild noch, dann schon genug für heute. Macht’s gut.

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Yeah

.41: Härtetest

95-100 km auf dem E-Bike an einem Nachmittag. Ich wollte mir beweisen, dass es geht. Notes to my totally naive self:

  • Nimm niemals wieder Google Maps als Fahrradnavi!
  • Check den Wetterbericht nicht nur von da, wo du startest, sondern auch der Orte unterwegs!
  • Mach nicht am Anfang schon den Faulen, sonst ist der Akku nach ner Stunde leer (oder weniger übertrieben gesprochen: nach 1:30h auf 40%)
  • Zieh nen Funktionsshirt an und nimm dir auch ein zweites mit!
  • Nein, du wirst keine 25 km/h im Durchschnitt schaffen. Schon gar nicht, wenn du alle Nasen lang fotografierst.
  • Fotografiere nie, wenn du die Fahrradbrille aufhast:

Sonst wird nämlich die Hälfte deiner Bilder zu dunkel, zu schief oder einfach falsch belichtet. Der „Profi-Modus“ war völlig verstellt und ich hab’s nicht mal gesehen. Die Automatik hat’s schöner hingekriegt:

Ansonsten würde ich aber sagen: Härtetest bestanden. Mir tut diesmal nicht alles weh. Wenn man sich den Akku bisschen einteilt, kommt man damit ganz schön weit, auch über Berge. Auf ganz flacher Strecke geht vielleicht noch mehr.

Aber klar ist auch: Wenn ich da jeden Tag 100-150km abreißen will, danach schnell das Zelt aufbauen, Klamotten waschen, halbtot ins Bett auf die Luma fallen und am nächsten Morgen weiter, dann wird das eher ein Pilgerurlaub als alles andere. Und was soll ich eigentlich essen? Geld will ich natürlich auch möglichst wenig ausgeben.

Auf dem Weg war ich mal ein bisschen Location Hunting. Zwei Drehorte der (von mir hochgeschätzten) deutschen Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ sind in Bonn-Ippendorf:

Der Rest ist Schweigen, oder hier halt: paar Impressionen noch der Tour ins Ahrtal (wie „versprochen“, teils nicht so ideal belichtet):

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.40: Puh

Schon wieder eine Woche fast rum. Ich könnte Urlaub brauchen. Ihr vom Lesen bestimmt auch. Machen wir es deswegen heute mal kurz.

Werder Bremen – kann froh sein, im Relegations-Hinspiel mit einem 0:0 gegen Heidenheim davongekommen zu sein. Der Gegner war besser. Meine Hoffnung fürs Rückspiel: Heidenheim kann aufsteigen, muss es aber nicht. Wir können es zwar nicht besser, aber wollen es mehr. Meistens geht das dann doch irgendwie gut.

Passend dazu: Kollege Peter Giesecke schaut kein Fußball mehr. Ich kann’s verstehen, wenn auch aus anderen Gründen als er.

Einen Verein mit Geld zum Meister machen? Haben schon ganz andere versucht, auch in Berlin schon paar mal. Hat in Deutschland noch nie funktioniert, zumindest nicht so. Wenn ich sowas lese, dann denke ich eher: Berlin muss aufpassen, in der übernächsten Saison nicht abzusteigen.

Von allen Cartoon-Serien, die möglich gewesen wären, kommen ausgerechnet Beavis & Butthead zurück. Ja, ich glaube, das geht heute immer noch, oder vielmehr: es geht wieder. Ich frage mich allerdings, was für Musikvideos sie heute noch verreißen oder wozu sie headbangen wollen. Rock’n’Roll ist ja in der Zwischenzeit gestorben.

Ja, sieht anders aus. Aber ganz ehrlich: Nachdem ich nach meinen ersten E-Bike-Trips Tonnen von Insekten aus meinen Tränensäcken puhlen musste, habe ich auf Amazon beim erstbesten 4,5-Sterne-Review auf Bestellen geklickt. Musste sein.

Heute war nicht viel mehr, muss auch mal reichen. Bild des Tages ist deswegen eine schnöde Wolke:

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Yeah

.39: Wir machen das

Erste Tour mit Gepäck, bei (ein wenig) Regen und bergauf. Iiiirgendwas ist komisch mit dem Ding, aber nachdem es, zumindest mit E-Unterstützung, problemlos den Petersberg hinauf kommt und die Fahrt auch so eigentlich Spaß gemacht hat, denke ich: Wir machen das. Ich behalte das E-Bike und dann wird es irgendwann in nicht mehr all zu ferner Zukunft damit in die Schweiz gehen.

Mit lauter Zeugs. Vor drei Jahren bin ich mehr oder weniger Hals über Kopf mit einem Auto, das ich gerade erst gekauft hatte, durch Skandinavien und zurück über Russland ans Nordkap gefahren. Eins der größten Aventures meines Lebens, aber irgendwas hat da auch nicht gestimmt. Ich hatte es etwa vor Beginn der Reise nicht mehr geschafft, die extra gekauften Vorhänge ins Auto einzubauen. Motto: Machste unterwegs. Als einige Wochen später der russische Grenzbeamte, der meinen Wagen durchsuchte, eben jene Vorhangsstangen in die Hand bekam, auf die Fenster zeigte und wissend nickte, da erst wusste ich: das ging alles zu schnell irgendwie.

Diesmal ist es anders, und ich merke, wie viel Zeit für das alles drauf geht. Was man an Zeug braucht, wie jedes einzelne Item (Fahrrad, Schloss, Akku, Seitentasche, Display, Regenjacke, Radhosen, Trikots, Handyhalter, Fahrradbrille, Zelt, Schlafsack, Handtücher, Isomatte… erst einmal aufwändig ausgesucht, bestellt, empfangen, begutachtet, verstanden, aufgesetzt, ausprobiert werden will. Gestern Abend im Dunkeln nach der anstrengenden Tour nach Köln stand ich etwa verzweifelt vor dem Akku, den ich einfach nicht ausgebaut bekam. Erst der Blick ins Handbuch heute verriet: Du musst ihn nicht nach oben herausziehen, sondern zur Seite wegschieben. Ah…

Diesmal habe ich mehr Zeit für alles, und vielleicht wird’s damit später auch entspannter, wenn es erstmal losgeht. Wobei man immer das Gefühl hat, dass Andere so eine Vorbereitung irgendwie aus dem Ärmel schütteln und unsere Eltern früher mit uns einfach losgefahren sind in den Urlaub. Ist gar nicht so?

Putin möglicherweise bis 2036 russischer Präsident, neues Sicherheitsgesetz in Hongkong – keine gute Zeit für die Demokratie gerade, die ganzen letzten Jahre schon nicht. Was mich zu zwei steilen Thesen veranlasst:

  1. Die Demokratie ist ein Auslaufmodell. Ist kein Wunsch, ist eine Beobachtung. Beliebt war sie noch nie, und man muss nicht erst Winston Churchill zitieren, um zu wissen: es gab nur noch nichts Besseres. Was die Leute eher zu wollen scheinen, ist einen starken Mann (USA, Brasilien, Russland, Türkei, China… Deutschland?).
  2. Die Demokratie ist in der Maslowschen Bedürfnispyramide sehr nah an der Spitze angesiedelt. These: Wenn es mir wirtschaftlich gut geht, ich einen okayen Job mit Aufstiegschancen habe, der genug Geld bringt, so dass ich mir jeden Morgen den Cappuccino und danach den neuen SUV kaufen, mit meiner schönen Frau und meinen zwei Kindern damit in den Urlaub fahren kann, dann ist mir die Staatsform herzlich egal.

Ideal ist das nicht. Vor allem dann nicht, wenn in Ländern wie Hongkong oder der Türkei ein Rückbau der Demokratie stattfindet. Weil die Leute hier Errungenschaften, die wichtig aber nur schwer greifbar sind, achtlos wegwerfen. Vielleicht müssen wir uns aber auch mal nach Nachfolgern, wenn möglich: Verbesserungen, der Demokratie umschauen. Gibt es da eigentlich was?

Das erste Halbjahr ist um, kurzes Kulturfazit.

Beste gesehene Serie: The Morning Show, mit weitem Abstand. Schlicht genial, vor allem die unerwartete Dynamik, die die Serie mit jeder Folge aufnimmt, und die sich im furiosen Finale entlädt. Ein Glanzstück.

Bild: Apple

Ohnehin finde ich die handverlesene Auswahl von Apple TV+ gar nicht schlecht. Auch See und Little America waren teils erwartet, teils überraschend gut.

Watchmen setzte ich auf Platz 2. Wahrscheinlich die tiefste Superheldengeschichte aller Zeiten.

Bestes gelesenes Buch: Wiener Straße, wenn auch schon was älter. Sven Regener liefert (bis auf Magical Mystery, sorry Fans) alle paar Jahre wunderbare Komödien und steigert sich immer weiter. In Wiener Straße zeichnet er Charaktere für die Ewigkeit und wirft sie Battle-Royale-mäßig in die Manege. Ich habe jede Seite herbeigesehnt und ich will das auf jeden Fall als Theaterstück sehen, wofür es sich wunderbar eignen würde.

Bester gesehener Film: 1917. Ich bin ein Story-Guy, ich brauche eine gute Geschichte. Von daher gibt es für gewöhnlich wenig Filme, die mich in erster Linie visuell begeistern. Aber alle paar Jahre kommt dann doch einer, der das schafft. Das war bei Mad Max: Fury Road der Fall (seitdem kann per Definition nichts Anderes mehr „Spektakel“ heißen), das hat Roma geschafft (wobei hier eine wahnsinnig gute Geschichte noch obendrauf kommt; mir liefen die Tränen, und ich kann nicht einmal sagen warum), das gelingt auf ganze andere Art auch 1917.

Untypisch für einen Kriegsfilm (wenn auch nicht einzigartig, siehe Tigerland, siehe Jarhead, siehe Apocalypse Now, siehe Johnny got his gun) gibt es in 1917 kaum Kriegshandlungen. Der 2-Take-Shot ist mehr ein Abenteuerfilm eines Soldaten, der einen lebenswichtigen Befehl an die Front bringen soll, während sich der Feind scheinbar zurückgezogen hat. Visuelles Highlight für mich: die Nachtszene in der zerstörsten Stadt. Aus irgendeinem Grund (sagt mir welchen) hat mich 1917 an die fantastischen Videospiele Limbo und Inside erinnert. Vielleicht weil es auch da in Einem durchgeht und Szenerie und Aufgaben für den Protagonisten sich trotzdem alle paar Minuten ändern.

Was ist euere Auswahl?

Schön ist es da oben eigentlich immer:

Und auf der anderen Seite auch:

Good riddance, Schwarzrheindorf, you had it coming!

Wie, der’s nicht echt? Klar ist der echt!

/cc Juan. thx 🙂
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Argh

.38: Alles tut weh

Mit tut alles weh. 60km-Tour nach Köln heute Abend, und auf dem Weg zurück habe ich mich irgendwo in den Lülsdorfer Wiesen verfranst.

Malerisch! Und hätte ich nur ein Bild davon gemacht. Aber es hat nur für die Alte Liebe in Köln-Rodenkirchen gereicht…

Ich bin nicht mehr gemacht für solche Strecken, auch wenn ich 60km gar nicht so schrecklich viel finde… Da muss ich wohl noch viel trainieren.

Nach der mittlerweile 3. Testfahrt innerhalb der zwei Tage denke ich mir: Irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht, das Konzept E-Bike. Bis 25 km/h zieht der Motor rasant an, nur um dich dann bei 27 km/h deinem Schicksal zu überlassen. Knackpunkt ist die Schwelle. Jedes Mal, wenn du von einer hohen Unterstützung kommst und dann die 25 km/h überschreitest, fühlt es sich an, als würdest du rüde abgebremst.

Vermutlich trainierst du als E-Biker irgendwann, möglichst effizient die 25 km/h zu halten und möglichst selten zu überschreiten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum E-Bikes als Rentnerfahrzeug verschrieen sind. Ich würde so gerne 30 oder 35 damit fahren. Kann ich auch, aber dann mit Muskelkraft…

So im Nachhinein hätte ich mir vielleicht doch lieber ein S-Pedelec geholt (Unterstützung bis 45 km/h!). Ich recherchiere gleich noch mal…

Was ich dem Konzept E-Bike aber zugestehen muss: Kannst du nicht mehr (und das war bei mir am Ende der Tour heute der Fall), dann schaltest du einfach auf 3 oder 4 (höchste Stufe), bewegst die Beine ein bisschen und riderst damit easy mit 25 km/h weiter. Das ist im Grunde enorm – nur wenn ich noch gut kann, dann mir irgendwie zu wenig.


Heute Nacht stirbt eine stabile Demokratie, und keinen interessiert’s. Das Radio hat einmal heute Morgen kurz darüber berichtet, dass China das „Sicherheitsgesetz“ für Hongkong durchgewunken hat, es war von „internationaler Kritik“ die Rede, und das war’s dann auch. Heute Abend schon nichts mehr davon in den Nachrichten. Und das finde ich ganz schön schwach, verdammt schwach um genau zu sein. Bei allem Moralischen wird immer auf die Weltpolizei (USA) geschielt, aber, ernsthaft? Die haben sich nicht erst seit dem Donald zumindest vom Thema Gleichberechtigung verabschiedet. Eine Mini-Demokratie irgendwo südlich von China ist denen egal.

Uns aber auch, und das ärgert mich noch mehr. Was tun wir Europäer? Wo ist der Aufschrei? Haben wir gerade wirklich nur uns selbst und Corona im Blick, und wie wir möglichst schnell unser China-Zeugs nach Hause kriegen? Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Chinesen groß umgestimmt hätten. Aber wir hätten es wenigstens versuchen können!

Speaking of which, auch als Ergänzung noch zu gestern: Journalisten sind meiner Meinung nach viel zu lange zu devot aufgetreten. Nur weil es einige schwarze Schafe unter uns gibt (und die gibt es, keine Frage!), heißt das noch lange nicht, dass wir uns gegenüber offensichtlichen Idioten reumütig oder gar unterwürfig verhalten sollten. Das bestärkt Verschwörungsmythiker wie Hildmann ja nur noch. Bei mir ist damit jetzt Schluss. Wer mir mit pauschalen Vorurteilen gegenüber Journalisten kommt, wird sich künftig was anhören müssen.

Philipp Daum hat auf Zeit.de einen Reisebericht über Alaska geschrieben, der eigentlich jetzt schon genauso Kult ist wie Jack Londons „Ruf der Wildnis“ oder Sean Penns Verfilmung von „Into the Wild“. Denn Daum war (wegen Corona) gar nicht da, aber hat alles unternommen, um mit allen Sinnen irgendwie doch da zu sein. Er hat die ganze Strecke auf Streetview abgeklappert, kam mit Einheimischen in Kontakt (per Telefon, Mail und Radio), ist mit einem Flugsimulator mitgeflogen, hat zeitgleich in seiner Berliner Altbauwohnung gezeltet, Lachs gebraten, ein Duschgel namens „Alaska“ gekauft. Da ist ein echtes Meisterwerk entstanden! Kudos, Philipp Daum, und auch Zeit.de dafür, sich auf so eine abgefahrene Idee einzulassen.

Mitten im Wald (war gestern noch mit dem E-Bike im Kottenforst) hast du plötzlich Kunst…

Wirkt schon alles bisschen Blair-Witch-mäßig… Denn ich kam noch an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein…

Was mag das hier für ne hübsche Gegend sein!

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Argh

.37: Wehrt euch!

Ihr habt mich selten so wütend gesehen.

Ein Journalistenteam filmt eine Demo gegen Corona-Lockdown-Maßnahmen, plötzlich kommt Attila Hildmann auf das Team zu. Er beleidigt die Journalisten als „Faschisten, wir werden eure Namen finden und dann gucken wir mal weiter“, droht also eine Straftat an. Zu einem der Journalisten, die er ganz nebenbei duzt (Tatbestand der Beleidung, vor allem aber eine Respektlosigkeit), sagt er: „Zisch mal ab. Abflug!“, als er hätte er dort das Hausrecht. Was schon deswegen nicht geht, weil die Demo draußen in aller Öffentlichkeit vor dem Messegelände in Charlottenburg stattfindet.

Einige seiner Mitdemonstranten zücken die Handykameras, filmen ihrerseits die Journalisten. Das dürfen sie auch nicht einfach so. Jemanden ohne dessen Einverständnis zu filmen, etwa als Retourkutsche, ist etwas völlig anderes, als bewusst in eine Aufnahme zu laufen. Außerdem gibt es noch einen wichtigen Unterschied: Filmen darf man ein Ereignis der Zeitgeschichte, zu der auch eine Demonstration gehört, grundsätzlich, die Bilder auch veröffentlichen: kommt drauf an. Ein Grund für die Veröffentlichung ist dann gegeben, wenn das öffentliche Interesse den Schutz der Persönlichkeit übersteigen könnte. Hier sei zum Beispiel auf den berühmten Hutbürger hingewiesen. Da ist das öffentliche Interesse an der Person Hildmann natürlich größer als an ein paar unbekannten Journalisten.

Irgendwann wird einer der Demonstranten handgreiflich, die Polizei steht daneben. Der YouTuber Stefan Bauer, der zu den Demonstranten gehört, geht auf den Kameramann zu und missachtet bewusst den 1,50-Meter-Sicherheitsabstand mit dem Argument, er sei auch Journalist (korrekt, ist keine geschützte Berufsbezeichnung, im Prinzip ist nach Art. 5 (1) GG jeder ein Journalist), da dürfe er jeden einfach so interviewen (Blödsinn) und da müsse er keine Abstände einhalten (Schwachfug). Das Journalisten-Team hatte keine Abstände missachtet.

Einige Demonstranten fordern die Polizisten auf, einen der Journalisten nach seinem Presseausweis zu fragen, als wäre das Notwendigkeit dafür, eine Demonstration zu filmen (ist es nicht, darf praktisch jeder, siehe wieder Art. 5 (1) GG, sollte auch jeder wissen, zumindest Polizisten). Das Ganze schaukelt sich hoch, mehr Demonstranten kommen drohend auf die Journalisten zu, fragen: „Na, fühlen Sie sich bedroht?“. Die Polizisten greifen erst auf Bitten der Journalisten ein.

Überrascht über das alles bin ich nicht, irgendwo fassungslos dann aber doch. Was mich daran am meisten aufregt, mehr noch als das Selbstverständnis eines Angriffs auf Journalisten (als wären die plötzlich die Bösen in diesem Land, blöde, maßlos übertriebene Pauschalisierung), ist die devote Haltung der Journalisten gegenüber dem radikalen Koch und seinen außerirdischen Hohlköpfen. „Können Sie bitte ein bisschen Abstand halten“ ist schon die größte Beschwerde des Kameramanns. So als wäre das einzige Fehlverhalten des Verschwörungsmythikers, dass er die Corona-Abstandsregeln nicht einhält. Was ist aus „Keinen Fußbreit den Faschisten“ und Zero Tolerance gegenüber Dummheit geworden?

Wer bitte ist denn hier im Recht? Hildmann ja wohl nicht. Die Journalisten filmen die öffentliche Veranstaltung (dürfen sie), Hildmann tritt selbst vor die Kamera. Er darf als Person des öffentlichen Lebens außerhalb seiner Privatsphäre ohnehin gefilmt werden, ganz besonders aber auf einer öffentlichen Veranstaltung. Er stellt sich hier sogar noch in den Vordergrund, kommt von sich aus auf die Journalisten zu. Spätestens nach seinen Drohgebärden ist also auch das öffentliche Interesse da. Darf man filmen, zu 100 Prozent sicher. Im Video sieht man noch, wie die Journalisten versuchen, mit ihm in den Dialog zu treten, als wäre er dafür offen oder das Ganze der richtige Rahmen dafür.

Hildmanns Ziel ist ohnehin offensichtlich: Die Bühne zu nutzen, um seinen Jüngern zu zeigen, was man mit Journalisten in diesem Land anscheinend mittlerweile so alles machen kann. Beleidigen, einschüchtern, mundtot machen, Körperverletzung begehen.

So benimmt sich nur jemand, der offenbar meint, dass er dabei im Recht ist (ist er nicht) und keine Konsequenzen fürchten muss. Was bestärkt ihn? Dass er das offenbar wirklich nicht muss… Oder erwägt ein gewisser Bundesinnenminister auch hier eine Klage? Wohl nicht. Polizisten sollen geschützt werden (das ist seine Aufgabe, und das ist auch richtig), Journalisten aber offenbar nicht – dabei wäre das auch seine Aufgabe. Schärfere Gesetze gegen jeden Mist – warum nicht auch mal für den Schutz von Journalisten? Schutz vor körperlicher Versehrtheit, Schutz vor Angriffen wild gewordener Verschwörungsmythiker und – längst überfällig – eine Anonymisierung für Publizisten im Web. Die rechte PI-News etwa hat kein Impressum, jeder kleine Blogger muss eins haben – und kann damit am Telefon oder zuhause belästigt werden.

Grafik: RSF

Was ist das für ein Land, in dem die Jagd auf Journalisten eröffnet ist, indem die Jäger nichts zu befürchten haben? Wie lange sind wir dann noch eins der letzten 14 weiß markierten Länder in der Weltkarte der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ (s.o.)? Oder anders gefragt: Wie echt ist noch eine Demokratie, in der die Vierte Gewalt nicht gefahrlos arbeiten kann? Gibt es dann überhaupt noch Pressefreiheit?

Es fängt aber schon bei der Haltung der Journalisten an, auch untereinander. Wenn einer sogar Verständnis dafür äußert, dass ein Sido außerhalb seines Hauses gegenüber Journalisten handgreiflich wird, um sich danach in den sozialen Netzwerken dafür die Bestätigung zu holen, dann ist das ein Schritt zu weit. Wenn vermummte Demonstranten ein Team der Heute-Show brutal überfallen können, dann ist das viel zu viel. Wenn ein wild gewordener Verschwörer jedes Fernsehteam einfach so niedermachen kann, dann ist das un-er-träg-lich.

Es fängt allerdings schon bei der eigenen Arbeitseinstellung an oder sagen wir: zu devotem Verhalten. Vielleicht waren wir auch alle einfach zu lange zu nachsichtig, zu zurückhaltend, zu selbstunsicher. Sowohl im Netz, in Diskussionen am Stammtisch, bei der Arbeit auf der Straße. Das hier ist eine (relativ) neue Situation, und das hat so noch keiner erlebt, da steht man oft wie der Ochs vorm Berg. Aber hier ist Selbstbehauptung gefragt, keine Devotion. Warum hört man gegen einen Hildmann, der vor die Kamera tritt, nicht einmal so etwas wie „Verschwinden Sie!“, „Halten Sie gefälligst Abstand!“, „Was bilden Sie sich ein?“ oder „Wenn Sie nicht gefilmt werden wollen, dann gehen Sie nach Hause!“?

Ich bin wütend.

Die Spielregeln sollten natürlich auf beiden Seiten gelten. Ein eindeutiges „Ich möchte nicht gefilmt werden“ von Seiten einer Einzelperson – das muss akzeptiert werden, wenn das öffentliche Interesse nicht gegeben ist. Ja, auch bei einem Promi, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen und gerade nicht im öffentlichen Interesse steht. Das war aber bei Hildmann und bei Sido der Fall. Und das gilt natürlich nicht für größere Menschenansammlungen und schon gar nicht, wenn einer in die Kamera läuft.

Argh…

Noch bisschen was Erfreulicheres: Mein E-Bike wurde geliefert:

Erster Eindruck, leider: Gutes Teil, aber ich hatte mir das Ganze wohl etwas zu einfach vorgestellt. Das Ding hat 4 Stufen der Unterstützung. Mein erster Test heute den Bonner Kreuzberg hinauf (eine der höchsten Steigungen hier) mit Stufe 4 bedeutet aber nicht, dass ihr mal eben schnell den Berg rauffliegt. Ihr kommt mit 10 km/h recht gemütlich hinauf. Auf die Art schafft der Akku aber nicht einmal 20km. Außerdem würde ich eigentlich lieber schneller fahren als 10 km/h, aber dann muss ich doch wieder die meiste Kraft selbst leisten und komme ganz schön ins Schwitzen.

Deutlich weiter komme ich bei Stufe 1 (ca. 80km) oder 2 (50km). Das Problem hierbei: Das E-Bike ist verdammt schwer, etwa doppelt so schwer wie mein ohnehin schon recht schweres „Normalfahrrad“. Das heißt, um den Brocken überhaupt in der gleichen Geschwindigkeit anzuschieben, ist Stufe 2 schon notwendig.

Das dritte Problem: Die Unterstützung geht in allen Stufen nur bis 25 km/h. Darüber seid ihr auf euch alleine gestellt. Ich habe aber heute dank Tacho und Tests noch einmal gemerkt, dass meine Lieblingsgeschwindigkeit zumindest auf gerader Strecke eigentlich eher 30 km/h und noch etwas mehr ist. Das heißt, da strampel ich mir mit einem E-Bike fast genauso einen ab wie mit einem normalen Fahrrad. In diesem Sinne:

Jetzt ist die Frage, ob es sich auf langer Strecke, bei viel Gegenwind und krassen Steigungen (wie in der Schweiz zu erwarten) nicht doch irgendwie auszahlt. Ein 25er-Schnitt wäre ja an sich nicht schlecht und mit dem Ding fast zu halten. Das werde ich dann in den nächsten Tagen mal ausprobieren. Wenn das alles nicht überzeugend genug ist, dann, ganz ehrlich, muss das Ding eben wieder zurück…

Auf dem Kreuzberg ist’s aber immer hübsch:

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Yeah

.36: Manche Dinge ändern sich nie

Also Heidenheim in der Relegation. Unser kommender Gegner konnte es selbst kaum fassen, hatte er doch gerade 0:3 in Bielefeld verloren. Funktionäre sollen sich die Hände vors Gesicht geschlagen haben. Motto: Au weia, da haben wir jetzt aber mal so gar nicht hingewollt, und wir haben doch gerade alles dafür getan, damit der Hamburger SV noch Dritter wird.

Genannter Hamburger SV hatte da aber gerade zuhause (!) mit 1:5 (!) gegen den SV Sandhausen (!) verloren (!). Mehr Häme spare ich mir an dieser Stelle. Da gibt es spezialisiertere Medien für:

Ich habe die Schlussphase des HSV-Spiels auf NDR2 hören wollen, diesem Sender, der sich in mancher Hinsicht auch nach 30 Jahren kein Stück geändert hat.

Um 17:00, kurz vor der Entscheidung, schalte ich ein. Es laufen: die Nachrichten. Es folgen: Die Staumeldungen. Um 17:05 Uhr nach einer kurzen Begrüßung und Bekanntgabe des Zwischenstands (1-2): Musik (2 Titel). Dann kurz nach Hamburg geschaltet (1-3), wieder Musik. Dann doch noch die letzten paar Minuten der Schlusskonferenz im Wechsel mit dem Spiel in Bielefeld. Es fallen zwei weitere Tore für Sandhausen. Im Anschluss läuft „I can’t dance“ von Genesis.

Es war schon in den 90ern ein Running Gag, dass auf NDR2 mindestens 1x die Stunde Phil Collins, Sting, U2 oder Eurythmics liefen. Schon damals hat NDR2 von der Bundesliga-Schlusskonferenz immer nur die letzten 10 Minuten gespielt. Zum Vergleich: WDR2 spielt immer die letzte halbe Stunde komplett und lässt dafür sogar die obligatorischen Nachrichten zur vollen Stunde aus.

Ich hatte mich als Jugendlicher schon einmal so sehr darüber aufgeregt, dass ich mal einen Brief an die NDR2-Redaktion geschrieben habe. Als Antwort kam, sinngemäß: Jaha, lieber, kleiner NDR2-Hörer. Aber wir haben ja nicht nur Fußball-Hörer, die anderen wollen gerne Musik und Nachrichten hören und ob vor dem Elbtunnel wieder Stau ist. Deswegen machen wir das so und bleiben auch dabei.

Auch 25 Jahre später. In einer Sendung, die „Die NDR2 Bundesligashow“ heißt. Nee, ist klar. Da will jeder in der spannenden Schlussphase, wo es für den HSV um alles geht, Phil Collins hören.

Immerhin: Der Moderator ist diesmal konsterniert und spricht mehrfach von einer Blamage und Riesenenttäuschung. Das wäre in den frühen 90ern noch anders gewesen.

Etwa zu der Zeit bekamen wir dann auch endlich einen Kabelanschluss, der zum Glück auch neue Radioprogramme in unser Provinznest mitbrachte. Und ich lernte die Vorzüge der Sender des WDR, von Radio Bremen und Radio 3 FM (Niederlande) kennen.

Aber dass sich bei NDR2 Sport seitdem nichts geändert hat, das ist beinahe fast zum Lachen – wäre man nicht hin und wieder mit dem Auto auch im Norden unterwegs und auf die Halbinformationen des Senders angewiesen. Ich werde übrigens das Gefühl nicht los, dass das maßgeblich etwas mit dieser Person zu tun hat.

Klar spreche ich fließend Autokorrektur, aber ich habe halt auch einen trockenen Humor.

I <3 you, Ersatzhaltestelle!

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Yeah

.35: Wahnsinn

Ich kann’s noch nicht ganz fassen! Heute um 15:30 Uhr ist Werder Bremen fast abgestiegen, nur ein Wunder kann den Klub noch retten. Um 17:30 Uhr hat er 6:1 gegen Köln gewonnen und es in die Relegation geschafft.

Möglich nur dank tatkräftiger Mithilfe des 1. FC Köln (praktisch keine Gegenwehr mehr) und vor allem von Union Berlin, das gegen Düsseldorf normal gespielt hat, obwohl es für sie um nichts mehr ging. Danke Union! <3 In diesem Sinne:

Jetzt Relegation gegen den HSV? Entscheidet sich morgen. Das wär’s!

Der „Express“ ist derweil nicht ganz so begeistert:

„Keine Witze über Nachnamen!“

„Ja, aber…“

„KEINE WITZE ÜBER NACHNAMEN!“

Die erste Fahrradtasche ist da…

Und die ganze Campingausrüstung passt rein. Yeehah!

Das‘ mal’n Prank! Aber all die Spaßbremsen da draußen machen eh nicht mit, oder? ODER?!!

Das borge ich mir aus. 🙂

Ich mag Spotify, aber ich hasse die Spotify-App.

Schon okay.

Hübsche Gegenden

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Möh

.34: Random Thoughts

  • Browser-Anbieter: Bitte in eure nächsten Versionen Tools einbauen, die automatisch jedes Standard-Cookie bestätigen und nach 7 Tagen automatisch wieder löschen, wenn ich die Seite nie wieder besuche. Außerdem jede frickin‘ Anfrage sofort blocken, ob ich Browser-Benachrichtigungen dieser Seiten abonnieren möchte (möchte ich nicht! Möchte keiner!!!) und Anfragen nach Newsletter-Abos automatisch herausfiltern.
  • Online-Redaktionen und Webdesigner: Nur weil es technisch möglich ist, ist es kein Grund, all diesen Mumpitz in eine Seite einzubauen. Das war bei Laufschrift in den 90ern auch schon so.
  • Und wenn ihr schon dabei seid, baut eure Seiten bitte so, dass die 27 Ads, die ihr einfügt, nicht andauernd die Seitenstruktur verändern. So dass der Text in den 30 Sekunden, die die Seite mit allen Trackern und Ads laden muss, nicht kreuz und quer durch die Gegend springt.
  • Alle, die sich depressiv, verängstigt, nicht mehr in Kontakt mit der Welt fühlen und Angst haben, dass wir auf dem Weg in eine Diktatur sind oder der Weltuntergang naht, schmeißt als erstes bitte alle Breaking-News-Apps von eurem Smartphone. Da. kommt. nichts. Breaking-News-Mäßiges. Ihr verpasst nichts, wenn ihr 1x morgens und abends die WDR5- und DLF-Radio-Nachrichten hört oder 1x die Tagesschau guckt.
  • Meldet euch als zweites von Facebook ab. Da verpasst ihr noch viel weniger.
  • Drittens: Von Twitter. Nein, ihr müsst den Ignoranten dort nicht die Welt erklären oder euch von ihnen beleidigen lassen.
  • Geht anschließend eine Runde um den Block und überzeugt euch davon, dass da gerade kein Mord- und Totschlag stattfindet.
  • Ich mache das mal eben gerade selbst, sonst drehe ich hier durch. Augenblick…

  • Hersteller von Camping-Ausrüstung: Bitte Aufbau-Anleitungen standardmäßig um Wieder-Zusammenpack-Anleitungen ergänzen. Beim ersten Auspacken achtet doch keine Sau genau drauf, wie so ein Schlafsack zusammengefriemelt war…

Was ich gerade mache, hat mit Minimalismus wenig zu tun, es läuft allem, was ich eigentlich machen wollte zuwider, und vielleicht bin ich deswegen so unausgeglichen. Der ganze geplante Trip in die Schweiz samt dem E-Bike, der Camping-Ausrüstung, neuer Fahrradklamotten etc. kostet mich Tausende. Ich kaufe das halbe Internet leer, statt Dinge wegzuschmeißen. In meiner Küche stapeln sich schon wieder die Kartons, dabei hatte ich die alten gerade weggeräumt.

Vieles davon ist idealerweise nachhaltig, wird mich also über Jahre begleiten (das Zelt, die Luma, der Schlafsack…). Bei den geplanten Fahrradklamotten, den Fahrradtaschen (kosten 50-70 Euro das Stück!) und überhaupt dem E-Bike weiß ich das noch überhaupt nicht. Werde ich jetzt zum E-Tourenweltmeister oder verkaufe ich das direkt wieder? Man wird sehen.

Um das alles zu kompensieren, habe ich erstmal ein paar alte Klamotten in der Altkleidertonne entsorgt. Hat sich gut angefühlt. Aber ich werde nicht für immer Dinge wegschmeißen können…

Würdet ihr für einen E-Mail-Dienst über 100 US-Dollar im Jahr zahlen?

Auch nicht, wenn er verdammt chic ist und die E-Mail gehörig aufbohrt?

Für das Trendblog habe ich Hey.com getestet, das seit heute frei zugänglich (aber nach der Testphase eben kostenpflichtig) ist. Ich bin über viele frische Ideen gestolpert, ein paar Dinge haben mich aber auch direkt genervt… Wenn ihr das mal testen wollt, schreibt mir zwei Zeilen an jvielmeier@hey.com!

Was für ein Bild! Leider nur eine Zeichnung, leider auch nicht von mir (sondern von der IPAC), aber so ungefähr darf man es sich vorstellen, wenn zwei Schwarze Löcher auf Kollisionskurs sind:

Caltech/R. Hurt (IPAC)

Mein Bild des Tages hält da nicht ganz mit…

Wird ne kurze Nacht. Auf dem Frankenbadplatz steigt die Party des Jahres. Bose, JBL und Co.: Was musstet ihr Bluetooth-Lautsprechern auch so einen Wumms verpassen?

Ich mochte den Corona-Lockdown…

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Yeah

.33: Corona-Urlaub

4 Menschen sind laut offiziellen Angaben in Bonn gerade akut an Covid-19 erkrankt. 4! In einer Stadt mit über 300.000 Einwohnern. Es gab in der vergangenen Woche 0,91 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, sprich: 3 an der Zahl.

Angesichts dessen wirkt eigentlich alles, was es gerade so an Maßnahmen gibt, maßlos übertrieben. Die 4 bekannten und gemeldeten Fälle werden ziemlich sicher überwacht. Die Chance, sich bei denen anzustecken, ist verdammt gering. Eher hole ich mir derzeit irgendwo Typhus.

Trotzdem laufen die Maßnahmen weiter wie bisher. Maske tragen im Supermarkt, Abstände halten. Der Biergarten, in dem wir heute waren, hatte Ein- und Ausgang strikt getrennt. In der Schlange trugen längst nicht alle Mundschutz. Könnte ich ad-hoc aber auch nicht sagen, ob das überhaupt muss. Vermutlich ja, aber – bei wem soll man sich auch anstecken, denke viele. (In meinen Augen nicht ganz zu Unrecht.)

Die Regelungswut klingt zu Weilen ein wenig absurd. Ich zitiere aus der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 des Landes NRW, gültig seit dem 19.6.:

(2) Mehrere Personen dürfen im öffentlichen Raum nur zusammentreffen, wenn es sich

1. ausschließlich um Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartnerin-nen und Lebenspartner,

2. ausschließlich um Personen aus maximal zwei verschiedenen häuslichen Gemeinschaften,

3. um die Begleitung minderjähriger und unterstützungsbedürftiger Personen,

4. um zwingend notwendige Zusammenkünfte aus betreuungsrelevanten Gründen oder

5. in allen übrigen Fällen um eine Gruppe von höchstens zehn Personen handelt.

Sagt mir bitte, was ich da gerade wieder falsch verstehe. Aber macht Punkt 5 nicht das ganze Bohei der anderen 4 Regeln davor überflüssig? Oder gelten die übrigen Punkte für noch größere Gruppen, etwa, wenn ich im Falle von Punkt 1 verdammt viele Eltern, Kinder und Lebenspartner habe?

Gestern beim Grillen bei einem Freund – wir waren zu siebt und saßen auf dem Balkon. Keiner trug eine Maske. Hätten wir das beim Reingehen gemusst? Wenn nur einer alleine reingeht, wenn zwei oder mehr Leute gleichzeitig reingehen? Ich kann es ehrlich nicht sagen.

Aber tatsächlich saßen wir da, genossen die Freiheit und das gute Wetter, tranken ein kühles Blondes, und Corona war verdammt weit weg. Fast ein wenig wie Urlaub von dem ganzen Mist. Denn man ahnt, dass das nicht für immer so bleiben wird. Also nimmt man das jetzt einfach mit und macht, was möglich ist. Urlaub von Corona also. Denn schon bald könnte es wieder losgehen.

Auch die Bonner Lokalpresse macht gerade ein wenig Corona-Urlaub, und das ist ebenso amüsant wie erfrischend. Nach dem Streit neulich um einen rausgerissenen Busch an der S-Bahn-Haltestelle Helmholtzstraße geht es diesmal um die hart geführte Diskussion um die Fußgängerampel vor dem Uni-Hauptgebäude.

Hach, Urlaub!

Speaking of which: Die Sommerlochposse um die taz, Polizisten und die Müllkippe. Hendrik Zörner kritisiert in einem wunderbaren Kommentar für den DJV Bundesinnenminister Horst Seehofer, der Klage gegen die taz einreichen wollte:

„Der Minister also, der qua Amt die Pressefreiheit besonders schützen soll, holt den Knüppel aus der Schublade. Der Minister, der bisher trotz mehrmaliger Aufforderungen keine sichtbaren Anstrengungen unternommen hat, Journalisten vor rechtsextremistischem Hass zu schützen. Horst Seehofer zwingt damit mich und viele andere Journalisten zur Solidarität mit der taz-Kolumnistin. Das ist bitter. Denn ich finde die „Kolumne“ wirklich abgrundtief schlecht.“

Übrigens hat Seehofer trotz der Ankündigung bisher noch keine Klage eingereicht. Einige Tage war der Bundesinnenminister seltsam abgetaucht, bevor er sich heute am späten Nachmittag plötzlich mit einer Pressekonferenz wieder zurückmeldete. Ob er noch Klage einreiche, entscheide sich heute oder morgen, sagt er. Man munkelt, die Kanzerlin habe ihn zurückgepfiffen.

Hach, Angie!

Zwei halbe Ikonen haben just heute ihr Ende verkündet: Olympus-Kameras und Segway PTs. Genau, das eine sind die sußerspießigen, langsamen Fortbewegungsroller, meist eingesetzt für Touristengruppen, die einst als Zukunft der Mobilität galten. Dafür waren sie aber viel zu teuer. Ich könnte mir gut denken, dass letzendlich sogar E-Scooter ihre Nachfolge antreten. Schneller, praktischer, noch verhasster. Nach der Übernahme Segways durch Ninebot gibt es sogar E-Scooter aus eigener Produktion. Tatsächlich bin ich bis heute noch nie einen Segway gefahren. Ich werde mal versuchen, das noch nachzuholen.

Bild: maxmann

Und Olympus? Wundert mich auch nicht so richtig. Hatten zuletzt wenige attraktive Kameras und als einzige noch auf das, für mich, veraltete, kleine 4/3-Format gesetzt. Bessere Bilder dürften damit kaum rausgekommen sein. Fuji, Sony und Panasonic waren umtriebiger. Wobei ich die Pen-Serie echt chic fand!

Olympus Pen-F

In beiden Fällen: Good Riddance!

Hach, Sommer…