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Ungeduld

Ist eine meiner schlechtesten Eigenschaften und eine, die mir das Leben immer wieder schwer macht. Besonders im Kommunikationsverhalten. Ich bin, glaube ich, ein klassisches Social-Media-Opfer, das auf Antworten von Freunden manchmal minütlich wartet und sich dann wundert, dass einige fünf oder zehn Minuten für eine Antwort brauchen. Spontan bin ich eigentlich nur, wenn es sich für mich lohnt, dafür erwarte ich oft von Anderen, spontan zu sein. Da kommt dann auch immer Neid, Missgunst, teilweise sogar mein latent narzisstischer Charakter zum Vorschein.

Diesen Sommer wollte ich bei mir zu Ende aufräumen, also nicht nur die Wohnung, auch meinen Kopf und meinen Geist. Und dann auch mit schlechten Eigenschaften brechen. Aber wie wird man sowas wie Neid, Ungeduld, Geiz und Gier eigentlich los? Mit Liebe vermutlich. 🤔 Aber wie geht das dann konkret?

Ich hatte mir das etwas leichter vorgestellt mit dem Reiseführer. Zum einen fehlt mir gerade die Zeit und Energie für das Inhaltliche. Vor allem habe ich aber zum Anderen das mit den Bildern unterschätzt. Ich sortiere da mittlerweile seit Monaten, und es wird einfach nicht weniger. Mittlerweile mag ich Singapur weder sehen, noch den Namen überhaupt hören. Das mag ein gutes Zeichen sein, Motto: Es wird nicht gut, ehe du nicht Blut, Schweiß und Tränen vergossen hast. Ich wollte natürlich dennoch, ich wäre schon weiter. Bücherschreiben schüttelt man also auch nicht mal eben aus dem Ärmel. *rumheul*

Auch wenn es natürlich lustig ist, dass in Singapur Raucher nicht nur in klein abgegrenzten Zonen rauchen müssen, sondern bei >30 Grad mittags auch in der prallen Sonne. 😅

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Kleinigkeiten in Summe

Nicht zu wissen, was als nächstes kommt, kein klares Ziel zu haben, eigentlich gar nicht zu wissen, worauf man zielen soll, ist eine der unangenehmsten Erfahrungen, die ich kenne. Das muss in Richtung dieser Perspektivlosigkeit gehen, von der man so oft hört. Mit dem Unterschied, dass ich im Moment leistungsfähig und topfit bin, also eigentlich alles machen könnte, erst einmal nur wissen müsste, was.

Bin in der Krise.

Eine tägliche Routine zu haben, ist toll und erdet. Bis zu dem Moment, wo einem das alles zu viel wird. Täglich meditieren, lesen, ein Kapitel für den Reiseführer schreiben, Vokabeln lernen, Dinge aussortieren, Ukulele lernen, Sport treiben…

War vielleicht alles auch wirklich bisschen viel auf einmal… Zumindest an den Wochenende werde ich mit einigen davon mal pausieren.

Zu viele Kleinigkeiten machen den Stress. Mein Induktionskochfeld ist kaputt seit ich aus Singapur wieder da bin, und ich habe mich noch nicht drum gekümmert, weil mir das Vorstellungsvermögen dafür fehlt, wen ich dafür eigentlich anrufen könnte. Ich weiß, das wäre innerhalb einer halben Stunde herauszukriegen und jemand damit zu beauftragen. Ich nenne es meinen blinden Fleck, auch wenn ich das Feld gestern immerhin schon einmal aus der Halterung gehoben (und einen Plastiktortenheber dabei kaputt gemacht) habe.

Gerade war ich mal wieder auf Amazon und aus irgendeinem Grund ist der Account seit Wochen auf Englisch eingestellt und zeigte mir auch Angebote in Pfund an. Wenn ich Bilder aussortiere, tue ich das am liebsten im Finder im Mac. Ich drücke auf die Leertaste, sehe dann das Bild in voller Größe, ohne es mit einer App öffnen zu müssen, und scrolle dann mit den Pfeiltasten zum nächsten. Nur dass im aktuellen macOS das Bild nicht mehr in Gänze angezeigt wird, sondern nur noch in einer kleinen Vorschau. Abhilfe im Netz sagt: Mac neu starten. Ich muss also alle paar Tage den Mac neu starten, bevor ich aussortieren kann, was mich wertvolle Minuten kostet… Den WordPress-Entwicklern würde ich ohnehin am liebsten links und rechts ein paar dranhauen für einige Usability-Fails. Zum Beispiel kann ich die Überschrift eines Beitrags manchmal anwählen und markieren, aber nicht verändern. Dann springt der Browser ein paar Blöcke runter. Sämtliche Smartphones nehmen Audios und Videos in m4a, m4v oder mov auf. Aber WordPress erlaubt genau diese Formate nicht…

All das sind Kleinigkeiten, die sich summieren und die bei mir meist der Anfang vom Ende sind, wenn ich zu viele davon zu lange ignoriere. Ist ja schön, dass das Leben nicht langweilig wird, aber das würde es so eigentlich auch nicht. Mir meistens eigentlich am liebsten, wenn Dinge einfach funktionieren.

Was ist los?!

Daily sort-out:

Bonner Skyline:

Just moved to Scheveningen, Sep. 2021:

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Feige Außenpolitik

Sagen wir’s mal so: Unsere neue Regierung ist noch recht frisch im Amt, viele sitzen zum ersten Mal auf einem Minister:innenposten. Und ich bin dankbar für jeden Tag, an dem der selbstgefällige bayerische Hinterwäldlerstammtisch (CSU) nicht an der Macht ist. Bin also eigentlich ganz froh über den Regierungswechsel.

Dass sie aber nicht einmal diesen halbgaren Kompromiss von Impfpflicht durch den Bundestag bekommen hat, ist schon ein schwaches Bild für die Ampel. Von der angekündigten Impfpflicht für alle möglichst schnell war ja sogar nur noch ein Wischiwaschi-Vorschlag übrig geblieben, eine Impfpflicht für alle ab 60 irgendwann im Herbst. Noch nicht einmal alle eigenen Abgeordneten haben da jetzt mitgemacht. Impfpflicht vom Tisch. Schon schwach.

Viel mehr ärgert mich allerdings die feige Außenpolitik. Russland aus Swift ausschließen? Recht früh die meisten EU-Staaten dafür, außer? Deutschland. Viele europäische Nato-Staaten, die noch mehr vom russischen Öl und Gas abhängig sind als wir, sagen: sofort Schluss damit! Ausnahme? Deutschland. Ab sofort keine Steinkohle mehr aus Russland beziehen, die ohnehin nur 10 Prozent der in der EU verbrauchten Steinkohle ausmacht. Auf eine 4-monatige Übergangszeit pochend: Deutschland. 4 Monate Übergangszeit kosten 4 Monate lang Menschenleben. Immer der Verzögerer, der Zauderer, der kühle Rechner: Deutschland.

Ja, alles schlecht für die Wirtschaft wenn sofortiger Stopp und Einbußen für alle. Aber es ist gottverdammtnochmal Krieg, wir müssen Opfer bringen. Was hätten wir denn getan, wenn Russland uns angegriffen hätte? Weiter Kohle und Gas von denen beziehen?

Beim Aufräumen hinter der Flurkommode gefunden. Wo um alles in der Welt kommt der her? Zwischenmieter, ist das deiner? Ich bin ja mittlerweile so digital, ich hab nicht einmal mehr eine Kamera…

Bin aktuell süchtig nach dem Zeug. Ich verlängere die meist mit nem Gemüse, das ist dann 1 von 2 Mahlzeiten von mir am Tag. Und die von Maggi sind wirklich klasse. Ist sogar bisschen weniger Chemie drin als in denen vom Asia-Mann. #aktionfinalesabnehmen

Daily Sort-out, Sommer 2021:

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Putin trockenlegen

Ein Embargo von Öl- und Gaslieferungen könnte den Krieg in der Ukraine stoppen, rechnen die beiden russischen (!) Ökonomen Sergej Gurijew und Oleg Itskhoki im „Spiegel“ vor:

„… [D]a wir keine deutschen Staatsbürger sind, können wir die deutsche Regierung nicht dazu auffordern, Entscheidungen zu treffen, die erhebliche Kosten für die deutsche Bevölkerung mit sich bringen. Wir sind uns als Ökonomen jedoch sicher, dass ein europäisches Embargo gegen russisches Öl und Gas der schnellste Weg ist, um Putins Krieg in Europa zu stoppen.“

Ich bin mir da zwar nicht ganz so sicher, dass das reicht, den Krieg auch zu beenden, aber ich bin auch kein Ökonom. Vor allem aber denke ich mir: Wenn die Sache wirklich so einfach ist, dann: machen! Machen, machen, machen!

Es kann doch nicht sein, dass die Topmeldung in den Nachrichten heute schon wieder unsere hohen Energie- und Benzinpreise sind und nicht die Bombardierung ukrainischer Städte durch die russische Armee. Dass unser grüner (!) Wirtschaftsminister gerade durch Golfstaaten mit zweifelhaftem Ruf tingelt, um dafür zu sorgen, dass uns unser Erdgas nicht ausgeht. Wie tief wollen wir für unsere Bequemlichkeit denn noch sinken?

Wenn wir gerade die Chance haben, das Blutvergießen in der Ukraine zu beenden und einen dritten Weltkrieg mit bescheidenen Mitteln zu verhindern, dann sollten wir sie gefälligst auch nutzen1 Wie Ex-Bundespräsident Gauck neulich noch sagte: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit“.

Ist uns unsere Bequemlichkeit wirklich wichtiger als Menschenleben?

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Das passt mir jetzt aber gar nicht in den Kram

Wir waren es gewohnt, alles tun zu können, was wir wollten, wann immer wir wollten. Schon nicht immer impulsiv und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber den Job hinschmeißen und etwas ganz anderes tun? Jederzeit möglich. Eben Urlaub nehmen und eine Woche nach Teneriffa fliegen? Meist auch irgendwie möglich. Einen Sparplan fürs Alter anlegen, eine Wohnung finanzieren? Einfach machen und schon drauf hoffen, dass es irgendwie passen wird.

Das alles relativiert sich, wenn höhere Gewalt sich einmischt. In Form einer Pandemie, einer Naturkatastrophe oder eines Irren, der nichts Besseres zu tun hat, als grundlos ein anderes Land anzugreifen und damit das labile Gefüge einfach zu zerstören, das die Welt noch irgendwie zusammenhält.

Ich kann mir fünfmal weismachen (lassen), dass der mein Land schon nicht angreifen wird. Das würde mir auch gerade überhaupt nicht in den Kram passen, ich habe genug zu tun (siehe Post von gestern). Aber daran entscheidet es sich nicht. Er könnte es jederzeit tun, ganz egal, wie dumm es wäre, es zu tun, ganz egal, welche Konsequenzen es selbst am Ende für ihn hätte. Die Entscheidung würde uns abgenommen, wir müssten uns damit befassen. Und das hieße im schlimmsten Falle auch für jemanden wie mich, der mal an der Waffe ausgebildet wurde und noch im wehrfähigen Alter ist, zur Waffe zu greifen und auf jemanden zu schießen, der da eigentlich gar nicht sein will.

So ein Irrsinn. Aber glaubt ihr, diejenigen, die in den 1. und 2. Weltkrieg marschieren mussten, hatten gerade nichts Besseres zu tun? Think again.

Und mein Gefühl sagt mir, dass das mit etwas Pech erst der Anfang gewesen sein könnte. Covid-19, Ahrkatastrophe, jetzt der Ukrainekrieg, damit verbunden wohl eine Hungerkatastrophe (weil zwei der wichtigsten Weizenexporteure der Welt eben gerade nicht liefern), ohnehin Dürren, auch hier, mehr Stürme, auch hier, Flüchtlingsströme, sowieso hierhin, weitere Kriege aufgrund des Klimawandels… Mit etwas Pech geht das alles gerade erst los. Und nichts davon liegt noch in unserer Hand.

Unsere Planbarkeit, die uns die letzten Jahrzehnte ein so stabiles, größtenteils friedliches Leben beschert hat, bröckelt gerade bedenklich. Und die Frage, ob uns das in den Kram passt, stellt sich wohl schon bald nicht mehr.

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Dodging bullets

Es sind verrückte Zeiten gerade, das muss ich euch nicht sagen. Und es fühlt sich sonderbar an, dabei irgendwie von einer gemütlichen Oase in die nächste zu springen, während darum herum die Welt gefühlt kollabiert.

Jetzt gerade etwa schreibe ich euch vom Frankfurter Flughafen aus, nachdem ich gerade erst zwei Wochen wieder in Deutschland auf „Heimaturlaub“ war, während sich die Verhältnisse hier dramatisch verschlechtert haben. Jetzt ist ungewiss, wie es weiter geht, ich rechne mit verschärften Maßnahmen, langfristig 2G, 2G+ oder sogar wieder einen Lockdown. Auf einem Bildschirm, auf dem News der Deutschen Welle laufen, sehe ich dann Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in Den Haag und Rotterdam. Zwei Städte, in denen ich gerade erst war und in denen es sich da noch anfühlte, als gäbe es kein Corona mehr. Der Premier hatte im Sommer erst seine Maske weggeworfen und in einer Ansprache an das Volk noch gejubelt, Motto: „Danke für euer Verständnis, Leute, aber jetzt haben wir’s überstanden!“ Kaum war ich weg, hieß es dann wieder: Sorry, doch nicht, jetzt wieder Maßnahmen! Und die Leute drehen durch… Gleich fliege ich dann noch in ein Land, das die vierte Welle gerade gebrochen hat und sich langsam wieder öffnet. Ob nach mir dann die fünfte Welle rollt? Ich will es nicht hoffen.

Ich glaube, es bringt nichts, sich einzureden, man bliebe besser hier und würde den Kampf zusammen mit den eigenen Leuten ausfechten, denn es gibt nicht wirklich etwas zu kämpfen, nur zu erdulden. Es bedarf Lösungen, die gerade noch niemand hat. Wie erreicht man diejenigen, die die Welle brechen könnten? Es ist ein Versagen des Mediensystems, so gesehen auch der Politik, aber natürlich vor allem der Vernunft. Zuhause bleiben und aushalten? Oder Hoffnung lieber da schöpfen, wo sie noch ist? Ich probiere mal Letzteres.

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Millionär – und dann?

Die gesetzliche Rente wird nicht reichen – so weit, so bekannt. Also musst du dir selbst was ansparen, wenn du im Alter nicht unter der Brücke schlafen und Flaschen sammeln willst. Aber: wie viel eigentlich?

Kann man nachrechen, etwa auf zinsen-berechnen.de. Und da wird schnell klar: Wenn du noch im halbwegs gesitteten Alter die Arbeit niederlegen willst und auch noch 20 Jahre was vom Leben haben, dann wird das teuer, auch mit den im Alter steigenden Gesundheitskosten. Mieten und Immobilienpreise klettern fröhlich weiter, Heizkosten auch. Lang verhaal koort: Du brauchst Kohle!

Wenn ich meinen Lebensstandard ungefähr halten will – ich hab’s mal nachgerechnet – brauche ich nach heutiger Kaufkraft etwa 400.000 Euro. 500.000 wären besser. Die Preise steigen aber noch munter weiter. Wer weiß, was noch alles kommt wegen Klimawandel, Wohnungsbedarf und so weiter. Die geringere Kaufkraft eingerechnet, sind wir dann eher bei 600.000. Mach 750.000 draus, wenn du im Alter sorgenfrei leben willst. Klar: Es kann sein, dass du nach 2 Jahren Rente den Löffel abgibst, dann hättest du so viel gar nicht gebraucht. Aber man will ja optimistisch bleiben.

750.000 Euro – da sind wir nicht mehr weit weg von 1 Million. Und da man sich ja höhere Ziele stecken soll, um dann wenigstens die kleinen zu erreichen, muss das eigentlich das verrückt anmutende Ziel für jeden sein: Millionär werden, bis du alt bist, damit du dir in diesem Lande (Deutschland) noch einen Lebensabend leisten kannst.

Ich finde, sich selbst einen ETF-Sparplan oder Ähnliches anzulegen, macht das ganze noch viel greifbarer als irgendeine Renten- oder Lebensversicherung. Da würdest du einen monatlichen Betrag an deine Versicherung zahlen und einfach darauf vertrauen, dass da am Ende was bei rumkommt. Sorgen los, Gedanken los (viel Geld los). Bei einem eigenen Sparplan, sieht du regelmäßig die Zahlen. Du siehst, was du schon angespart hast, wie viel Zinsen es schon gab – und du hoffst dir insgeheim natürlich, dass aus den 7,3 Prozent demnächst 8,4 Prozent werden. Denn es ist ja dein schönes Geld für den hoffentlich schönen Lebensabend.

Das macht etwas mit einem. Geld verdirbt, das steht für mich außer Frage. Oder sagen wir es so: Es lässt sich kaum vermeiden, dass deine Gedanken auch irgendwann um das Geld kreisen, dass du – notwendigerweise – anhäufst.

Beispiel: Das Verwahrentgelt, das viele Banken jetzt einführen. Das sind mehr oder weniger Kontoführungsgebühren, wenn du einen gewissen Freibetrag überschreitest. Es heißt nicht so, aber im Grunde sind das Negativzinsen. Dein Geld wird weniger statt mehr. Ich habe deswegen jetzt einen Teil meines Ersparten auf ein anderes Konto überwiesen, um diese Gebühren zu sparen. Das ist schon a rich guy’s move. Vor ein paar Jahren hätte ich mir – selbst wenn ich das Geld gehabt hätte – darüber keine Gedanken gemacht.

Ich bin kein Materialist, ich würde mein Geld nie in einen teuren Sportwagen oder Ähnliches stecken. Aber ich merke schon, dass sich mein Verhalten mit steigendem Kontostand verändert. Eine Wohnung für weit über 1.000 Euro im Monat in Den Haag oder Singapur? Klar! Für ein paar Monate geht das, die Seele will ja auch was Hübsches. Und von der Steuer lässt sich’s auch absetzen. A money-minded move!

Ein technisches Spielzeug wie meine jüngst erworbene Amazfit Neo für 30, 50 oder auch mal 100 Euro? Hätte ich vor 10 Jahren gar kein Geld für gehabt. Heute denke ich nicht groß nach, sondern mache einfach. Oder im Supermarkt. Klar kaufe ich nicht per se das teuerste, klar schaue ich vorher auf das Preisschild. Aber ich lade ein, was mir gefällt. Und ob dann an der Kasse am Ende 20 oder 30 Euro stehen, ist mir egal. Das macht für mich kaum einen Unterschied. So hätte ich vor 5 oder 10 Jahren schon nicht gedacht.

Neulich sprang meine alte Klapperkiste von Auto nicht an. Ich hatte ein paar Tage davor erst die Glühbirne am Rücklicht getauscht. Eventuell hat das etwas damit zu tun. Klima hat het auto’tje natürlich auch nicht. Warum tue ich mir das eigentlich an, dachte ich mir da kurz? Warum nicht einfach alles an Umweltboni und Finanzierung mitmachen und dir einen hübschen Cupra kaufen? Leisten könntest du ihn dir.

Weil ich ihn schlussendlich nicht brauche, aber selbst das sind Gedanken, die ich vor vier Jahren noch nicht hatte. Damals, als ich mein erstes Auto kaufte und damit zum Nordkap fuhr, um ein kleines Aventure zu erleben, war mir das herzlich egal. Hauptsache, es tut, was es soll. Dieses Gefühl von Freiheit – es schwindet beim Gedanken an Geld.

Der Prozess ist schleichend. Ich will das nicht, ich will nicht geld-orientiert leben. Ich will nicht so werden wie eine mir bekannte Person, die genervt ist, wenn man sie nur anruft, immer kurz angebunden, schrecklich oberflächlich, gehetzt wirkend, aber ein dickes Autos fahrend, immer getrieben von den eigenen Besitztümern und allem, was damit einhergeht.

Ich bin so nicht, aber ich weiß, dass ich irgendwie auch ständig von A nach B hetze, dass das alles irgendwie mit den vielen Dingen zu tun hat, die ich machen will und die letztendlich auch irgendwie mit Geld zu tun haben. Ich merke, dass es mir auf die Nerven geht, in der Fußgängerzone um Geld angebettelt zu werden und alle paar Meter jemanden sitzen zu sehen, der meine Kohle will. Ich habe weniger Mitleid mit den Leuten als vor 10 Jahren und ich gebe ihnen heute nicht mehr Geld als damals, auch wenn ich heute deutlich mehr habe.

Ich war nur einmal im Ahrtal helfen, andere sind da jede Woche oder – heute gehört – haben ihre Jobs aufgegeben und sind dauerhaft dahin gezogen, um beim Wiederaufbau zu helfen. Ich habe meine zwei Wochen Urlaub diesen Sommer lieber auf dem Rad und auf Zeltplätzen verbracht. Ich mache hier in den Niederlanden einen 7-wöchigen Sprachkurs, der mir beruflich wahrscheinlich nichts bringen wird (außer Begeisterung zu wecken, Lernfähigkeit zu stärken und den Kopf nochmal bisschen zu verjüngen). Ich hätte statt dessen auch in Bonn bleiben und mehrmals die Woche abends an die Ahr fahren können. Bedarf ist da. Aber, klar, ich habe genug Ausreden auf meiner Liste, warum das irgendwie nicht geht und ich da gerade nicht helfen kann und konnte. Gebrechen, keine Zeit, keine spezielle Erfahrung, bin außer Landes… Aber klar, wäre am Ende doch möglich gewesen. Wollte ich es nicht, weil mich das vom Geldverdienen abgelenkt hätte?

Wie bleibt man einerseits frei, bescheiden, hilfsbereit und glücklich? Und sichert sich andererseits bestmöglich finanziell ab, denkt ans Geld und schert sich trotzdem nicht darum? Wie geht das? Wie macht ihr das?

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Wozu eigentlich noch Facebook? II

Dass es Probleme bereiten kann, wenn einige der wichtigsten Kommunikationskanäle der Welt in den Händen nur einer Firma liegen, hat man am Dienstag beim historischen, globalen Facebook-Ausfall gesehen. Gleichzeitig trat die Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen auf und warf dem Konzern vor, Profit über das Wohlergehen seiner Nutzer zu stellen. Ein paar Gedanken dazu:

  • Dass bei einem börsennotierten Unternehmen Profit über alles geht, sollte einen jetzt nicht so sehr verwundern, das ist nichts Besonderes.
  • Dass wichtige soziale und private Medien in den Händen eines börsennotierten Unternehmens liegen, ist aber so oder so eine ganz schlechte Idee.
  • Was bin ich froh, dass wir mit der E-Mail zumindest noch einen Kommunikationsweg haben, der nicht in den Händen nur eines globalen Konzerns liegt!
  • Wozu eigentlich noch Facebook? Ich stelle die Frage mittlerweile seit Jahren. Klar, dem Unternehmen gehört mehr als nur dieses schmierige, gleichnamige Social Network. Um WhatsApp kommt man so schnell nicht herum. Instagram ist noch vergleichsweise friedlich und sauber – was auf der anderen Seite auch wieder für Probleme sorgt. Aber Facebook-Facebook… Man liest und hört sehr oft davon, wie sehr das Social Network uns zu sozialen Zombies mache, die Meinungsmache dort beeinflusst sei, die Rechten es unterwandert hätten und dort alles nur noch hässlich und schlimm sei. Ja, dann benutzt es halt nicht! Ich mache das seit Jahren so. Das geht. Längst.
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2 Wochen ohne Sport

Eine Challenge, die ich mir eigentlich gerne erspart hätte. Aber mir ist einfach keine gute Idee gekommen, wie ich hier Sport hätte machen können. Ohne Fahrrad, vom Arzt abgeraten laufen zu gehen, Corona-technisch noch nicht wieder bereit ins Fitnessstudio zu gehen und dann noch mit verzogenem Nacken, dass so etwas wie Tischtennis nicht möglich war.

Heute hat Swapfiets mir dann endlich das versprochene Fiets geliefert und ich bin direkt erst einmal eine Stunde durch die Oostduinen damit gesportet. Ein wunderbares Gefühl, mit dem sich auch tausend Sorgen irgendwie direkt in Luft aufgelöst haben.

Was mich zum Kern dieses Beitrags bringt. Die 2 Wochen haben mir überhaupt nicht gut getan. Die Welt kam mir plötzlich klein, undankbar und hoffnungslos vor. Mein Wohlbefinden hat stark gelitten, mein Stresslevel war höher als normal. Und häufiger als notwendig fiel mir die Decke auf den Kopf – obwohl ich hier in einer neuen Umgebung bin und jeden Tag Neues erlebe. Nein, das möchte nie wieder erleben. Von jetzt an zurück zu 5x Sport in der Woche! Was ich euch natürlich auch rate…

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Mopped-Aventure, ungeplantes

Eigentlich sollte das gar kein Aventure werden. Ich wollte die 70-80km von Bonn nach Düsseldorf mit der E-Schwalbe zurücklegen. 120 km Reichweite zeigt das Display bei voll geladenem Akku normal an, und eine Langstreckenfahrt für meinen Testbericht fehlte eh noch. What could possibly go wrong…

Nun, zum einen schonmal, dass mir der Wind ziemlich schnell, ziemlich kräftig entgegen bläst. 120-130km schafft die Schwalbe bei idealen Bedingungen. Aber, nun ja, bei dem Sturm, der da am Niederrhein auf mich zu weht… Vielleicht hätte sogar alles gepasst, wenn ich mich zum anderen nicht noch einmal kapital verfahren hätte.

Wo genau ich falsch abbiege oder eben nicht abbiege, finde ich erst viel später heraus. Aber ohne Navi ist Köln die Hölle. Und Navi auf einem Moped? Das Smartphone mit Google Maps geht nicht mal eben an den Lenker. Bliebe eigentlich nur noch, AirPods in die Ohren zu stopfen und Ansagen zu hören. Aber 2 Stunden lang? Die fallen ja eh irgendwann raus. Aber ohnehin müßig, wenn man bei den AirPods vorher „brauche ich nicht“ denkt und sie absichtlich zu Hause lässt, genauso wie das iPhone-Ladgerät…

Ich verpasse also meine Ausfahrt irgendwo auf dem Kölner Militärring, weil dort nirgendwo etwas von „B9“, „Fühlingen“ oder „Worringen“ steht, und halte weiter munter auf Köln-West zu. Kurz vor der Autobahnauffahrt nach Aachen dämmert mir, dass da etwas nicht stimmen kann. So verliere ich etwa eine Dreiviertelstunde, womit ich auch langsam spät dran bin für das geplante Treffen und etwa 15 km extra abspule. Das soll sich noch rächen…

Wieder auf der richtigen Spur, beeile ich mich. Die Straßen rund um Dormagen sind nicht gut, der Wind braust richtig auf. Mir ist mittlerweile trotz Jacke und langer Hose bitterkalt. Vielleicht hätte ich doch vorher etwas essen sollen… Der Akkustand sinkt und sinkt – auf 40, 30, 20 Prozent, und Neuss will einfach nicht näher kommen. Immer wieder muss ich anhalten und auf Maps nach dem Weg schauen. Im Kopf schmiede ich längst den Plan B, einfach so weit zu fahren, wie der Akku mich trägt, das Ding vor einer Ladesäule zu parken mit dem Taxi ans Ziel zu gelangen.

Kurz vor der Rheinbrücke nach Düsseldorf sind noch 15 Prozent im Akku, beinahe pro Minute wird es 1 Prozent weniger. Ich wage die Überfahrt trotzdem. Je zentraler, desto mehr Ladesäulen ohnehin. Und so geht es in mehreren Spuren um Kurven, Autos brettern um mich herum. Aus Straßen wurden Tunnel, einer unterquert sogar die Altstadt. Wo bin ich genau, wo muss ich hin, was, wenn die Anzeige, die bei 8% angekommen ist, gar nicht so genau ist und das Ding im Tunnel einfach aus geht?

Auf letzter Rille und laut Display mit <5% Akku schaffe ich es schließlich doch noch in mein Hotel und parke direkt davor. Geschafft!

Oder?

Nein, eine Lademöglichkeit hätten sie leider nicht, sagt der Portier des Hotels, das mit eigenen Parkplätzen im Hof wirbt. Da könne man auch kein Kabel oder was rauslegen. Aber es gebe bestimmt Ladesäulen für E-Autos in Parkhäusern in der Nähe. Er wisse zufällig ein Parkhaus, könne aber nicht sagen, ob da auch Ladesäulen wären. Schon gut, winke ich ab, es gibt ja Apps. Mittlerweile bin ich aber so spät dran, dass ich keine Zeit mehr habe, mich darum zu kümmern, ich muss zum Treffpunkt in der Altstadt. Passenderweise nehme ich einen E-Scooter dorthin…

Als ich spät abends wiederkomme, untersuche ich eine Ladesäule der Stadtwerke Düsseldorf in der Nähe meines Hotels nach der Möglichkeit, mich dort per App anzumelden. Aber keine Chance. Die Säule hat keine QR-Codes, App-Angaben, irgendwas. Die Website der Stadtwerke Düsseldorf zeigt keine eigene App an. Die Säule besteht auf eine Entsperrung per Ladekarte, die ich nicht habe. Die App TankE, die mir in Bonn treue Dienste geleistet hatte, gilt auch für Köln, Dormagen, Leverkusen, Oberhausen und eigentlich alle Städte rund um Düsseldorf – außer Düsseldorf. Ich lade die App Chargemap, die außer der Säule, vor der ich stehe, und die ich wohl nicht benutzen kann, noch genau 5 weitere mit Schuco-Stecker im Düsseldorfer Innenstadtbereich findet. 2 davon in Parkhäusern, die jetzt und am Sonntag geschlossen haben. Bei 2 davon steht nicht beschrieben, wie sie sich nutzen lassen. Aber um mal eben dahin zu fahren und es zu probieren, reicht mein Restakku nicht mehr. Daran habe ich überhaupt nicht gedacht: Dass das irgendwie ein Problem werden könnte, den Akku in Düsseldorf zu laden, um damit dann wieder nach Hause zu kommen.

Ich kehre konsterniert in mein Hotelzimmer zurück, es ist mittlerweile 1 Uhr. Aus Versehen fällt mir das Wasserglas im Bad aus der Hand und zerspringt in tausend Teile. Ich renne zur Rezeption und lasse mir Kehrblech und Handfeger geben und lade nach Beseitigung der Sauerei noch einige weitere Apps mit Ladekarten herunter. Mittlerweile geht auch der iPhone-Akku zur Neige. Wer hätte auch ahnen können, dass ich den dafür brauchen könnte… Irgendwann kann ich einfach nicht mehr, geschweige denn kann ich noch einen klaren Gedanken fassen. Und ich beschließe, dass mein Zukunfts-Ich sich darum kümmern muss. Gute Vorsätze mal sonstwohin gesteckt

Ich schlafe erstaunlich gut und sonntagsmorgens um 8 sieht die Welt schon deutlich rosiger aus. Ich stehe auf und beschließe, die Säule in der Nähe in noch einmal bei Tageslicht in Augenschein zu nehmen. Dabei setze mir eine Fallback-Lösung, mit der ich leben könnte: Im Notfall die Schwalbe halt in Düsseldorf stehen zu lassen, mit dem Zug nach Hause zu fahren und den Hersteller zu bitten, das Testmoped halt statt in Bonn, in Düsseldorf abzuholen… Selbst Schuld, wenn er die Akkus fest verbaut… 🙄

Als ich bei „meiner“ Ladesäule ankomme, sehe ich, dass die Klappe vor der Schuco-Steckdose, die gestern fest verriegelt war, diesmal nur angelehnt ist. Ich hebe sie an und, siehe da, ich komme an die Steckdose! Aber würde da auch Strom fließen? Ich beschließe, mein Glück zu versuchen, laufe zurück zum Hotel, hole den Helm und fahre die Schwalbe langsam rüber. Der Akku zeigt nun sogar wieder 8 Prozent an. Immerhin.

Aber meine Freude wehrt nicht lang: Zwar kann ich vor Ort den Ladestecker einstecken, aber es fließt nicht automatisch Strom. Ich probiere noch zwei weitere Apps, melde mich samt Zahlungsdaten bei zwei angeblich bundesweit operierenden Ladediensten und ihren Apps an. Ich kann darin sogar meine Ladesäule und die Steckdose, die ich möchte, auswählen und den Vorgang einleiten. Aber es passiert nichts, es kommt immer eine Fehlermeldung.

Eins habe ich aber noch nicht probiert. Auf der Klappe steht: „fest herunterdrücken“. Meinen die damit davor oder danach? Egal, ich probiere es: Stecker rein, Klappe zu, in der App den Ladevorgang starten, bange Sekunden warten, ob es klappt…

Es klappt nicht. Es kommt wieder die gleiche Fehlermeldung, die Klappe geht nicht mehr auf und der am Moped fest installierte Stecker ist nun darin gefangen. Ah ja, natürlich…

Mir bleibt keine andere Wahl mehr. Mit den mitterweile nur noch 25 Prozent Restakku im iPhone rufe ich den auf der Säule angegebenen Notruf an. Sonntagsmorgens um kurz vor 9. Ob da überhaupt schon jemand wach ist?

Aber ich habe tatsächlich Glück. Nach kurzer Wartezeit ist ein hilfsbereiter Mitarbeiter dran, ich erkläre ihm die Sachlage, er gibt Tipps, die nicht helfen, dann gibt er auf und sagt, er würde jetzt einen Techniker schicken. Dauere 15-20 Minuten. Und er hält Wort. Mit einem E-Smart kommt tatsächlich nach einer Viertelstunde ein netter Kerl vorgefahren.

Er bewundert die Schwalbe und ist gleichzeitig überrascht, dass es sowas auch elektrisch gibt. Mit ein paar Handgriffen hat er die Ladesäule geöffnet, die Luke entriegelt und den Stecker befreit. Ich erkläre ihm noch, was ich versucht habe, aber er winkt freundlich ab: damit kenne er sich auch nicht aus.

Wir kommen ins Gespräch. Ich sage ihm, dass ich aus Bonn käme und auch wieder dahin zurück müsse und ohne „Tankkarte“ der Stadtwerke wohl auch an anderen Ladesäulen keinen Erfolg haben dürfte. Er versteht und ist zum Glück die Sorte Notfallhelfer, die nicht eher geht, als dass das Gesamtproblem auch wirklich gelöst ist. Und er macht den Vorschlag, dass ich ihm zum Betriebsgelände der Stadtwerke hinterherfahre und die Schwalbe dort auf dem Hof lade. Ob der Akkustand dafür noch reichen würde? „3-4km gehen vielleicht noch“, sage ich. „Das sollte reichen“, sagt er. Und wir fahren los.

Es geht ein paar Kilometer weiter irgendwo ins Gewerbegebiet. Autohaus reiht sich an Autohaus. Da links plötzlich ein riesiger Hof mit grün-weißen Gebäuden und Fahrzeugen. Hier biegt er ab, ich folge ihm. Nach kurzem Tratsch mit dem Pförtner sind wir auf dem Gelände, ich fahre die Schwalbe unter ein Vordach (sie hat es wirklich noch geschafft), und tatsächlich: Hier ist eine Außensteckdose, an die ich die Schwalbe anschließe.

Wie lange die jetzt laden müsse, fragt der nette Techniker, der kurz davor ist, mich zu duzen? „Jetzt wo der Akku fast leer ist: 4 bis 5 Stunden“, sage ich. Mein Helfer in der Not ist verblüfft: „So lange noch? Also darauf hätte ich auf Dauer keine Lust.“ Ich zucke mit den Achseln, eher zustimmend als verneinend.

Nachdem ich mich herzlichst dankend verabschiedet habe und er nicht genau versteht, warum, mache ich mich vom Gelände, schalte einen E-Scooter frei, für den ich mich erst registrieren muss. Ich will anfahren, nichts passiert, nochmal – nichts. Das ist natürlich jetzt nichts Weltbewegendes mehr, aber was ist denn heute bloß los mit der Technik! Natürlich nicht weiter schlimm: Eine Straßenecke weiter steht ein weiterer Scooter (einer wieder anderen Marke) und der funktioniert.

Zurück im Hotel sucht der Portier auf meine Bitte aufopferungsvoll die gesamte Rezeption nach einem iPhone-Ladekabel ab. Er findet aber nur 27 Kabel mit anderen Stecker-Typen. Trotzdem danke. Ich dusche endlich in Ruhe, checke aus, kehre für einen Kaffee im best bewerteten Café der Gegend ein und frage auch dort nach einem iPhone-Ladekabel. Und siehe: sie haben eins und bieten mir an, mein iPhone direkt hinter der Theke zu laden. Dafür müsse ich es kurz hergeben, damit sie es an ihren Ladestecker anschließen können. So herum also… Etwas zögerlich beschließe ich, dass ich den Typen vertrauen kann (4.8/5 auf Google Maps, come on) und gebe mein iPhone für eine knappe halbe Stunde aus der Hand. Ein sonderbares Gefühl des Ausgeliefertseins. Nicht schön. Aber natürlich passiert nichts. Sie geben mir mein zu 45% geladenes iPhone am Ende einfach wieder.

Auch Phil, den ich danach zum Mittag treffe, ist vorgewarnt und bringt ein Ladekabel und ein iPad mit, an dem ich mein iPhone laden kann. (Allersuperherzlichsten Dank!) Nach einem Mittagessen und Kaffee und erstaunlich schnell vergangenen 2-3 Stunden bietet Phil mir an, über seinen Account ein Carsharing-Auto zu buchen (die Variante hatten wir noch nicht) und mich damit auf dem Weg zu seinem Park+Ride bei den Stadtwerken rauszulassen. Für den einzigen verfügbaren Wagen müssen wir gefühlt einmal durch die halbe Stadt laufen. Aber es ist witzig und je länger wir brauchen, desto voller wird der Akku der Schwalbe.

Und endlich klappt mal was auf Anhieb: Phil setzt mich wie geplant bei den Stadtwerken ab, der Pförtner lässt mich durch, die Schwalbe ist voll geladen, ich schaue mir auf Maps die erstaunlich einfache Wegbeschreibung durch die Stadt an und fahre den gleichen Weg zurück, den ich gekommen bin. Keine Experimente mehr heute!

Der Weg ist toll, ab Neuss einfach immer die B9 herunter, zwar schon wieder mit Gegenwind, aber deutlich weniger als gestern. Eine Gruppe entgegenkommender Moped-Fahrer grüßt. Auch verfahre ich mich nicht. Und obwohl die Fahrt erstaunlich lange 2:30h dauert, macht sie sehr viel Spaß. Und mit knapp 30 Prozent Restakku erreiche ich schließlich die Bonner City.

Was für ein verrückter Ritt! Ich behaupte ja, Abenteuer zu mögen, und hinterher habe ich immer was zu erzählen (was ihr gerade lest). Aber das Ganze hat auch Nerven gekostet und mich mehr altern lassen, als mir lieb ist. Die Art von Aventure brauche ich eigentlich nicht. Zumindest nicht so.

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Hell is other Verkehrsteilnehmer

Egal, ob ich in letzter Zeit mal zu Fuß, mit dem Auto, dem Fahrrad oder, wie aktuell, einem E-Moped unterwegs bin: Sie rauben mir den letzten Nerv, diese sonderbaren Verkehrsteilnehmer. Raser, Drängler und rabiate Radfahrer meine ich nicht, die kennt man ja schon, ohne die würde fast etwas fehlen. Es sind eher diese bisher kaum besprochenen Speziäe:

  • Die Nur-Nach-Gehör-über-die-Straße-Geher: Sie gehen einfach, wenn kein Auto zu sehen ist. In letzter Zeit sehe ich vor allem alte Männer, die das tun. Oh, und ich meine hier nicht diejenigen welchen, die schon zum Gehen angesetzt haben, mit einem Bein auf dem Radweg stehen und dann doch noch stoppen. Ich meine Leute, die einfach so gehen. Die schon zwei Meter weit auf der Fahrbahn sind, wenn du gerade den Berg runtergerauscht kommst. Die dich noch nicht einmal bemerkt haben, wenn du mit deinem – erstaunlicherweise – lautlosen Fahrrad schon direkt hinter ihnen bist. Überfahren darfst du sie natürlich trotzdem leider nicht.
  • Die Komme-Was-Wolle-zu-zweit-Nebeneinander-Geher: Ihr trefft sie vor allem gerne vor euch auf schmalen Fußwegen, wenn ihr es selbst gerade eilig habt. Sie bestehen darauf, nebeneinander zu gehen und dabei den ganzen Weg auszufüllen. Sie bemerken euch aber nicht hinter sich, egal, wie laut ihr absichtlich schlurft oder wie sehr ihr ihnen schon in den Nacken atmet. Natürlich gibt es genau dann keine Möglichkeit, irgendwie zu überholen, meist weil Gegenverkehr kommt. Ihr könnt gut und gerne 50 Meter lang hinter ihnen hergehen, sie hören euch erst, wenn ihr euch laut räuspert oder sie irgendwann ansprecht und wörtlich bittet, zur Seite zu treten.
  • Die 40-in-der-50er-Zone-Fahrer: Sie fahren gerne vor euch im dichten Feierabendverkehr. Die Ampel habt ihr hinter euch gelassen, die Tempo-30-Zone ist gerade vorbei, aber der im Auto vor euch macht trotzdem keine Anstalten, in irgendeiner Art und Weise schneller zu werden. Er bleibt bei 30 oder – sehr gerne auch – 40, da wo 50 erlaubt sind. Könnte ja bald die nächste Ampel kommen… Gibt es natürlich nicht nur in 50er-Zonen. Jeder kennt auch die, die nach einer Ampel auf der Landstraße weiter 70 fahren. Neulich habe ich mal mit dem Fahrrad in einer Tempo-30-Zone ein Auto überholt, das stoisch bei 25 blieb.

So sehr die Hölle hier die Anderen sind. So sehr ist es manchmal auch die Verkehrsführung, die sie dazu treibt. Oft sehe ich einen Tempo-30-Hinweis mit gleichzeitigem Baustellen-Schild, obwohl die Baustelle da schon lange nicht mehr ist. Manchmal fehlt ganz offensichtlich das Schild, das eine Beschränkung wieder aufhebt. Es gibt Autofahrer, die bergauf hinter und neben mir auf dem Rad herkriechen, weil sie wegen des 1,50-Abstandsgebots nicht überholen dürfen. Eine völlig unrealistische Regelung, in meinen Augen, die den dichten Feierabendverkehr noch weiter ausbremst und die Autos zu gefährlichen Überholmanövern verleitet. Wie übrigens auch Autos und vor allem LKW, die mich auf dem E-Moped überholen, weil das aus absurden gründen nicht schneller als 45 km/h schnell sein darf.

Es ist immer wieder ein Chaos da draußen. Und du kannst dir nie sicher sein, dass du da lebend wieder raus kommst. Du bist den Anderen hilflos ausgeliefert und wenn es nicht um gefährliche Situationen geht, dann rauben sie dir mit ihren Marotten den allerletzten Nerv.

Ich weiß schon, warum ich lieber im Home Office arbeite.

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Argh

Ich fürchte, das wird uns noch um die Ohren fliegen

Ich bin heute mal durch die Bonner Innenstadt gewandert und beinahe aus meinen Latschen gekippt. Da sitzen die Leute wieder engst an engst draußen oder halb draußen, abgeschirmt durch Schirme und transparente Wände, also praktisch drinnen.

Das sind Leute drinnen bei geschlossener Tür in einer Tanzschule und, nun ja, tanzen. Da sitzen Leute drinnen in Restaurants, obwohl draußen genug frei wäre. Und dann sah ich vor einem Restaurant noch das hier:

Komm, scheißegal, werfen wir alle Vorsicht über Bord. Corona ist ja gerade vorbei, oder?

Ich kann’s echt nicht fassen, dass so viele Leute anderthalb Jahre seit Corona offenbar immer noch nichts gelernt haben. Ihr wollt die Normalität zurück? Dann seid doch nicht so doof und verspielt das alles binnen ein paar Wochen.

Ja, ihr seid möglicherweise schon geimpft, ja, eventuell seid ihr negativ getestet. Aber das bringt doch nen Scheiß, wie auch der Vorfall in einer Discothek in Enschede zeigt.

Es tut mir Leid, ich kann’s nicht anders sagen: ihr seid einfach zu doof.

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Argh

My Greatest Defeat

Wie das manchmal so ist. Kaum hast du dir den ganzen Frust von der Seele geschrieben, so wie ich gestern, geht es dir auch schon wieder besser.

Ich habe mich heute damit arrangiert, dass ich erst einmal keine Impfung bekomme, aber dass das kein Problem für mich ist. Das Leben ist halt nicht gerecht, Geduld auch eine Tugend. Ein paar Lektionen in Demut können ja auch nicht schaden. Ich würde, so der Plan, heute Nachmittag nur noch eben die Ärzte durchtelefonieren, bei denen ich angeblich schon auf der Liste stehe, und nachhorchen, ob das auch wirklich der Fall ist. Damit die Impfung dann wenigstens irgendwann kommt. Und dann gäbe ich Ruhe, versprochen.

Heute Mittag sitze ich bei der Arbeit, teste gerade ein Notebook, auf dem ich Ubuntu installiert habe, und versuche, meine AirPods damit zu koppeln. Für die Tonausgabe klappt das, ich höre ein wenig Musik auf Spotify, schreibe parallel dazu den Text runter.

Da fällt mein Blick auf mein Handy neben mir. Irgendeine Siri-Benachrichtung wegen der Telefon-App. Was ist das? Ah, ein verpasster Anruf, eine mir unbekannte Nummer mit Bonner Vorwahl. Ich bekomme nur noch selten überhaupt Anrufe oder rufe selbst jemanden an, außer mal Arztpraxen. Termine habe ich im Moment keine. Aus Bonn ist das eigentlich immer nur meine Steuerberaterin. Aber das ist nicht ihre Nummer. Und da ich selbst lange niemanden mehr angerufen habe, kann das eigentlich nur bedeuten…

FUCK!!!

Ich drücke sofort auf Rückwahl. Einmal, zweimal, dreimal, viermal. Es ist immer besetzt. Ich versuche, die Nummer zu googeln, aber die Suche findet nichts dazu. Ein fünftes Mal. Besetzt.

Beim sechsten Mal geht mein Lungenfacharzt dran – persönlich. Ja, das wisse er auch nicht, lacht er. Ihre Telefonanlage sei „wie ein Oktopus“, da komme das an allen möglichen Ecken und Enden raus. Vermutlich hätte seine Sprechstundenhilfe mich wegen eines Impftermins anrufen wollen, aber die meldeten sich bestimmt gleich noch einmal. Ihm gehe es übrigens gut.

Nachdem er auflegt, bin ich wie elektrisiert. Was soll ich jetzt daraus machen?! Geduld haben, abwarten? Ruft da wirklich gleich jemand zurück? Ich warte fünf Minuten, dann halte ich es nicht mehr aus, drücke auf Rückwahl. Besetzt. Wähle noch einmal – wieder mein Arzt. „Ja, hähä, Entschuldigung, ich wollte nur sicher gehen“ – „Keine Sorge, die rufen Sie sicher gleich zurück.“

Ach ja?!

Die Nummer der Praxis! Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen. Die lautet ganz anders als die, mit dem ich den Arzt direkt erreicht habe. Ich rufe an und komme sofort durch.

„Wie war Ihr Name? Und Sie rufen wegen einer Impfung an, ja?“

Na ja, denke ich zumindest. Sage ich auch so. Es klingt hoffnungsvoll. Meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Diese Woche plötzlich doch noch geimpft werden?! Das wäre es ja!

Sie schaut auf ihrer Liste nach. Im Hintergrund höre ich ihre Kollegin sagen: „Die Dosen für diese Woche sind weg.“ Die Dame am Telefon wiederholt: „Die Termine für heute haben wir jetzt alle schon vergeben, tut mir sehr leid. Sie können sich am Montag noch einmal melden und sich einen Termin geben lassen. Wir wissen leider immer erst in der Woche selbst, wie viel Impfstoff wir bekommen.“

Ich fühle, wie mir das Herz rausgerissen wird. Das kann doch jetzt nicht wahr sein! 30 Minuten sind seit dem Originalanruf vergangen, den ich knapp verpasst habe. Ich habe alles daran gesetzt, um mich sofort zurückzumelden.

„Was? Nein! Das gibt’s doch nicht. Ich hab sofort zurückgerufen.“

„Ja, die Termine sind immer sehr schnell weg. Tut mir sehr leid.“

„Können Sie mich nicht einfach noch einmal anrufen, wenn Sie nächste Woche neuen Impfstoff haben? Sie wissen doch jetzt, dass ich interessiert bin und dann gehe ich auch sofort dran.“

„Tut mir Leid, das geht leider nicht. Wir gehen streng nach der Liste vor. Aber Sie können sich ja am Montag einen Termin…“

Es klingt wie „FU, das wird nichts mehr mit uns! Du hattest 1 Chance und die hast du vertan.“

Ich knalle mein Handy in die Ecke (Sofa, alles okay), haue auf die Tischplatte, die ich am liebsten zertrampeln würde. So ein verfluchter Mist!!!!1!11

Für 5 Minuten stehe ich wie bräsig in der Gegend herum und weiß nicht, was ich tun soll. Würde am liebsten losheulen, aber es kommen keine Tränen. Dafür ist das alles zu absurd.

Hastig greife ich zum Telefon und rufe wahllos irgendwelche Ärzte an. Meinen Hausarzt, meine Augenärztin, eine Ärztin hier um die Ecke, von der eine Freundin meinte, „die impft alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, du musst nur ein bisschen rumheulen.“

Mache ich auch – aber die Sprechstundenhilfe wimmelt mich ab: „Wir haben schon eine sehr volle Liste und bekommen kaum Impfdosen. Und Frau Doktor ist nicht mehr die Jüngste…“

Bei meinem Hausarzt klingt es ähnlich: „Sie sind noch auf der Liste – zusammen mit 500 anderen. Wir bekommen nur ganz wenig Impfstoff gerade. Letzte Woche waren es 12 Dosen, diese Woche haben wir immerhin 27 bekommen. Da waren wir schon sehr glücklich.“

In meiner Not rufe ich die 116117 an und komme überraschend schnell durch. Nach meinem Hinweis, dass es in Bonn keinen Tropfen Impfstoff und keine freien Termine mehr gäbe und ich auch bereit wäre, 5 Stunden mit dem Auto irgendwohin zu fahren, checkt die freundliche Dame für mich sämtliche Kreise Nordrheins. „Hm, Euskirchen, Leverkusen, Düsseldorf… Nee, nirgendwo was frei. Am besten Sie rufen noch mal an.“

Das war’s, ich gebe mich geschlagen. Wenn ihr mich warten lassen wollt, gut. Wenn ihr keinen Impfstoff habt, okay. Aber lasst mir doch nicht das Herz aufgehen und reißt es mir dann raus!

Ich bin ein spiritueller Mensch. Was anders kann das bedeuten, als dass das Leben dir sagt: „Jaharr, Bürschchen. Du hast mit deinem Schicksal spielen wollen und jetzt siehst du, was du davon hast!“

So! Ein! Scheiß!!! 🤬😔

And then she said something I will never forget:

Und das hat mich am Ende ein wenig wieder aufgebaut. Die werden was von mir hören am nächsten Montag! So leicht gebe ich mich nicht geschlagen.

Und als Quintessenz bleibt: Wenn du nur 1 Chance hast und sie vermasselst – dann nutz halt die nächste…

Soll ja keiner sagen, aus Fehlern lerne man nichts… Mein Handy ist jetzt übrigens immer auf laut.

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Argh

Impfdepp

Laut Jens Spahn sind zwei Drittel der impfwilligen Erwachsenen mittlerweile mindestens einmal geimpft. Bis Mitte Juli sollen es 90 Prozent sein. Das sagte Spahn gestern bei „Anne Will“:

Und hier stehe ich, als Impfgruppe 3, und es ist noch nicht einmal ein Termin in Aussicht. Wem ich das erzähle, der rät mir, meinen Hausarzt und alle Fachärzte durchzuklingeln, bei denen ich jemals war (habe ich größtenteils). Oder er schickt mir einen Link zum Bonner Impfzentrum (den ich längst kenne). „Guck doch mal, ob du da nicht einen Termin bekommst! Bei mir hat das super geklappt“. Na klar doch, einem Termin beim Impfzentrum…

Ich werde morgen tun, was von mir verlangt wird, weil das System es so will. Ich werde noch einmal alle Ärzte abtelefonieren, bei denen ich jemals war und zusätzlich die, die mir empfohlen worden sind, weil sie „unkompliziert impfen“. Ich werde dabei das jeweilige Sprechstundenpersonal, das eh schon im Akkord arbeitet, weiter behelligen. Ich werde kritisch nachfragen müssen, ob denn wirklich kein Impfstoff mehr da ist, ich nicht kurzfristig auf irgendeine Warteliste kann und wer die 500 Leute sein sollen, die noch vor mir auf irgendwelchen Listen stehen und ob das wirklich alles die Gruppen 1, 2 und 3 sind. Ich werde ein wenig Druck machen müssen, um nicht mit einem „jaja, wir melden uns“ abgespeist zu werden. Ich werde die ohnehin schon völlig überlastete 116117 anrufen und dort fragen, zu welchen anderen Impfzentren in der Gegend ich gehen kann, weil das System das so vorsieht. WEIL ES DAS IST, WAS VON MIR VERLANGT WIRD.

Wen ich kenne, der schon geimpft ist, der hat das genauso gemacht. Der kannte jemanden, der hatte Beziehungen, der hat Druck gemacht, der hat sich irgendwie dazwischen gemogelt. (Ach so ja und ganz vereinzelt war auch mal jemand wirklich dran wegen Beruf, Krankheit oder Alter). Und zurück bleiben die „Deppen“, die das eben noch nicht gemacht haben.

Das ist die Ellenbogenmentalität, die wir eigentlich längst hinter uns haben wollten. Wer sich durchzusetzen weiß, gewinnt, kann im Sommer noch in den Süden fliegen und Bilder von sich am Strand auf Instagram posten. Wer brav wartet, bis er an der Reihe ist, wird auch im Herbst noch nicht geimpft sein. Weil das System ihn einfach vergessen wird. Und hier geht es nur um knappen Impfstoff. Wie soll das erst laufen, wenn irgendwann mal das Essen knapp wird?

Mir tut das mal ganz gut, auf etwas zu warten, so ist es nicht. Oder auch mal alle Anderen vorlassen zu müssen – eine sehr lehrreiche Erfahrung. Viele andere machen sie nicht und sind jetzt fein raus. Was mich aber am meisten ärgert, ist, dass diese Ellenbogenmentalität nach wie vor gefördert und gefordert wird. Dass das System so schlecht ist, dass massive Ressourcen bei all dem verschwendet werden. Wir sind als Gesellschaft kein Stück weiter gekommen in den letzten 50 Jahren.

Früher hingen da Party-Plakate und sahen auch so aus. Heute…

Und hier noch wenigstens ein bisschen was Schönes zum Abschluss:

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Argh

It changes you

Noch etwas über 12.000 Bilder hatte ich heute Nachmittag auf der mobilen Festplatte gefunden. Aber ätschbätsch, gräbt man etwas tiefer, kommen noch weitere Verzeichnisse in Ordnern wie „Von der alten Festplatte“ zum Vorschein, die noch Bilder enthalten. Dann bleiben noch rund 5.000 Bilder auf meinem aktuellen Smartphone + 5.000 Bilder, die ich wahllos in einen Ordner „Erinnerungswürdig“ verschoben habe. Und dann stößt du zwischendurch noch auf solche Dateien, die das System als einzelne Dateien zählt, nun ja…

Das alles wird mich (und damit euch) also noch eine Weile auf Trab halten. Soll ja auch nicht zu einfach werden.

Der Punkt ist: Das Ganze macht etwas mit mir. Ich gehe in irgendein Unterverzeichnis, finde alte Bilder von 2005 von einer Japan-Reise, sehe Menschen, mit denen ich dort unterwegs war, die mir nach wie vor etwas bedeuten, die cool drauf waren, jeder für sich. Einige davon sind sogar schon tot. Und dann sehe ich mich selbst und denke mir: OMG, eigentlich ja auch klar, dass alles so gelaufen ist, wie es gelaufen ist.

Ich finde alte Dokumente aus dem Studium, Geschäftsbriefe, die ich mal geschrieben habe. Ich lese die nur mäßig gut versteckte Ironie darin, die ich mal benutzt habe, weil ich mich für besonders geistreich gehalten habe. Ich finde gerippte Serien, die ich mir damals noch im Studien-Netzwerk runtergeladen habe. Die Auswahl sagt einiges aus.

Ich finde alte E-Mails mit beschränktem Inhalt, die ich selbst verzapft habe. Ich sehe alte Arbeitsproben und was an ihnen okay war und was miserabel. Und ich sehe einen Typen, der sich insgeheim für den Größten gehalten hat, obwohl er ganz offensichtlich das Gegenteil war:

Und ich entdecke Facetten an mir, die ich eher den anderen attestiert hätte, nur mir selbst nicht. Bequemlich, feige, engstirnig, borniert, in manchen Situationen strumzdumm? Ich doch nicht! Aber dann halt irgendwie doch. Sehr sogar.

Das alles ist ganz schön harter Tobac.

Wenn ihr noch solche alten Aufzeichnungen über euch selbst habt: Gebt euch das mal. Es ist teilweise nur schwer zu ertragen, aber es macht etwas. Es verändert euch. In welche Richtung? Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr genau sagen. Ich hoffe, dass es die richtige ist.

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Argh

Papier

Meine Güte, was bin ich froh, wenn der Mist ein Ende hat…

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Argh

Malakka

So.

Seit 31 Tagen sortiere ich nun täglich Fotos aus und habe das Versprechen gehalten. Die mögliche Strafe war auch Ansporn genug. Das hat also funktioniert.

Vom Stand her bin ich jetzt von etwa 90.000 Fotos runter auf 43.000. Es gab einige Doubletten-Verzeichnisse und einige, die noch warten. Das Aussortiertempo ist also niedriger, als mir lieb wäre. Aber, na ja, man hat ja auch noch ein, zwei andere Dinge zu tun.

Ich vermute, dass ich für den Rest noch mindestens einen weiteren Monat brauchen werde, auch wenn ich über das kommende Osterwochenende mal eine Extraschicht einlegen möchte – und mir langsam die Lust vergeht. Zumal ich eigentlich auch mal ein paar andere Dinge wegsortieren müsste.

Deswegen wird’s hier weitergehen. Nicht mehr jeden Tag zwingend mit aussortierten Fotos, aber jeden Tag mit was zum Aussortieren. Irgendwann (nur wann?) muss das alles ja mal ein Ende haben…

Bilder aus Malakka, April 2019, Samsung Galaxy S10:

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Argh

Snippets

Die Eigenschaft hat auch nicht jeder digitale Bilderrahmen:

Seiten, die sich gar nicht mehr bedienen lassen, wenn du beim Cookie-Consent-Banner nicht auf OK drückst oder sie keinen Fachmacht für dich finden…

Welchen Teil von „Automatische Updates“ habt ihr nicht verstanden? 🤨

Hi, I’m Jürgen and I’m from the Rest of the World.

It’s just business, right? Right?! 😳 (via turi2)

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Argh

Russland

Einen Oppositionellen wegen Nichtigkeiten 2 Jahre und 8 Monate in ein Straflager sperren. So demokratisch ist Russland. Viel Spaß dort, ihr Merkel-Gegner! Und so erbost ist auch unsere Bundesregierung:

Aber wenn es darum geht, die Wirtschaft möglichst schnell wieder hochzufahren, ist ihr dann doch jedes Mittel recht…

Und uns?

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Argh

Exciting Times

US government standing up for democracy 💪🏻

The very same day, well…

Social Media giants gone public are just a platform?

The very same day:

2021 to get all better than 2020? Well, we’re off to a great start…

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Argh

160: Weihnachten

Vielleicht bin ich zu alt für sowas oder gebe mich mit den falschen Leuten ab. Aber ich habe in diesem Jahr kaum jemanden gesprochen, der sich wirklich auf Weihnachten freut. Die meisten haben sich damit arrangiert und wollen es irgendwie vernünftig hinter sich bringen. Das liegt natürlich an Corona aber auch nicht nur. Von vielen weiß ich, dass sie darunter sogar leiden. Eben wenn Weihnachten nicht das Heile-Welt-Event sein kann, das Funk und Fernsehen™ uns suggerieren.

Was soll der Quatsch eigentlich? Da rennen Millionen Menschen wochenlang gestresst durch die Kaufhäuser oder machen Paketboten noch einmal extra das Leben schwer. Dann versucht man irgendeine heile Welt zu leben, die es so nicht geben kann, kocht ein lecker Essen, das naturgemäß immer irgendwie misslingt und dann geht man sich ein paar Tage auf die Nerven, bis einer heult. Weihnachten kann toll für Kinder sein. Wer keine Kinder hat und auch kein Kind ist: der soll das doch in Gottes Namen ausfallen lassen oder, bitte, zumindest nicht ernster nehmen als alle anderen 364 Tage im Jahr.

Wäre mein Vorschlag. Will ich dieses Jahr auch selbst einmal so angehen. Wer sich an Weihnachten einsam fühlt, der melde sich gerne bei mir! Keiner soll leiden müssen.

Ich hätte nicht gedacht, dass das ein so emotionaler Abschied wird… Immerhin war es keine Person, sondern ein ein Telefon. Aber nun ist es so weit: Mein Galaxy S10 hat mich heute in Richtung Christian verlassen.

Er war ein treuer Begleiter in den letzten, knapp 2 Jahren. (Christian auch, aber ich rede jetzt vom Telefon! ☝🏻) Ein richtig charmanter Begleiter mit einer wahnsinnig tollen Kamera. Was mir jetzt zum Abschied noch einmal schmerzlich bewusst wurde, als ich die Bilder dazu durchging. Teilweise dachte ich mir: Das muss doch ein Profi mit ner fetten Canon geschossen haben. Nee, waren tatsächlich das S10 und meine Wenigkeit, die noch kurz draufgedrückt hat.

Ich werde dich vermissen, Galaxy S10, ungeahnter, überraschender, treuer Begleiter der letzten 2 Jahre. 😭 So und jetzt in Gedenken ein paar schöne Fotos, die ich mit dir und nur dir machen durfte (klickt für ein größeres Bild):

… um nur einige zu nennen. Es war ein schwieriger Abschied, toch.

Möge das iPhone 12 nun wirklich besser sein…

Zweieinhalb Monate Niederländisch. Stunde der Wahrheit:

Sonst bin ich eigentlich immer oben mitgeschwommen. Selbst so hundert Punkte am Tag + einmal bisschen mehr haben für die Top 10 gereicht. Aber diesmal bin ich eindeutig in der Strebergruppe gelandet. 🙁

That’s it for today. Und, ach so, ihr habt es schon gemerkt: Es wird hier etwas sporadischer in diesen Tagen. Ich habe Urlaub – ihr hoffentlich auch. 🙂

Also: Feiert schön – oder lasst es. Auf jeden Fall: fühlt euch nicht einsam, schlecht oder falsch! Das ist es nicht wert. Und wenn doch, meldet euch!

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Argh

137: Not macht verschwenderisch

Ich bin mit meinen aktuellen Serien durch (The Handmaid’s Tale S03 kriegt am Ende noch die Kurve, Cobra Kai S02 hält das Niveau, ist allenfalls jetzt mehr Dramedy als Comedy), also Zeit für was Neues. Der Trailer von The Long Way Up mit Ewan McGregor auf Apple TV+ neulich hatte mich überzeugt. Der will mit seinem Main Man auf Elektro-Motorrädern von Feuerland nach Los Angeles brettern. Abgebretterte Idee!

Das klingt ein wenig wie eine moderne Version der „Reise des Jungen Ché“ (The Motorcycle Diaries), die Verfilmung der Tagebücher von Ernesto „Che“ Guevara, der Anfang der 1950er mit seinem besten Freund auf Motorradreise durch Südamerika fährt. Ihr Motto dabei: Improvisation.

Die beiden Jungs kommen aus gutem Hause, haben aber trotzdem nicht viel Geld dabei, haben zwar einen groben Plan im Hinterkopf, lassen sich aber vornehmlich treiben. Sie schauen mal, was der Tag so bringt. Die klassische Reise ins Ungewisse. Oft liest oder hört man Beiträge von Leuten, die es gewagt haben, ihren Job zu schmeißen um dann irgendwann mit den wenigen Ersparnissen, die sie hatten, gewagt, aufzubrechen. Durch Afrika nach Kapstadt, durch Asien bis Peking oder gleich einmal um die Welt. Den groben Plan im Hinterkopf, aber der Weg dahin: das eigentliche Ziel.

Improvisación, sagen wir’s mal so, ist das Motto der Protagonisten von „The Long Way Up“ nicht. Acht Monate vor dem Start der Tour stecken sie mit der Produktionsleiterin die Köpfe zusammen und haarklein die Route ab. Das mag man kleinlich finden, aber es ist natürlich irgendwo ehrlich. Wenn die Nutzer zuhause auf ihren shiny Apple-Geräten eine shiny Serie sehen wollen, dann darf man wenig dem Zufall überlassen. Außerdem fährt natürlich ein Filmteam mit; es käme nichts Shiniges dabei heraus, wenn wir nur Material aus den Helmkameras der beiden Protagonisten bekämen.

Und hier nimmt die erste Folge von „The Long Way Up“ Dynamik auf. Es müssten Elektromotorräder mit einer genügenden Reichweite her, und weil der Ewan ein halber Öko ist, soll auch die Filmcrew sie in Elektroautos begleiten. Dafür treffen sie sich mit spezialisierten Herstellern an verschiedenen Orten in den USA.

Um das alles irgendwie zu koordinieren, wird dann – erster WTF-Moment – ein Office eröffnet, in London.

Warum jetzt ausgerechnet London, wenn McGregor in Los Angeles wohnt, an die Südspitze Südamerikas will und die Produktpartner über die USA verteilt sitzen? So richtig wird das nicht erklärt. Weil Apple offenbar genug Geld überwiesen hat. Wir sehen Bilder von den urigen Londoner Taxis, das Team die Möbel in ein gemütliches Bureau in Downtown London einräumen, einen Haufen Mitarbeiter vor schicken Macs sitzen, die irgendwas koordinieren und austüfteln. Was kommt als nächstes, fragt man sich, die Expansion nach Asien?

Die Details sind wichtig, klar. Zum Beispiel: Wo lädt man denn die Akkus der Motorräder und Autos unterwegs eigentlich wieder auf? Ist ja schließlich nicht LA da unten. Um das besser einschätzen zu können – zweiter WTF-Moment – bestellt man von der argentinischen Botschaft ein paar Diplomaten ein. Mit denen geht es um die argentinische Ladeinfrastruktur, das Stromnetz und wo es da eigentlich am schönsten ist. Die nicht ganz so überraschende Erkenntnis: Rund um den Speckgürtel von Buenes Aires und Córdoba seid ihr gut aufgestellt, schwieriger sieht es im peripheren Süden aus. Hübsch is‘ aber eigentlich überall.

Macht außerdem nichts, weil man ja noch ein paar Kontakte in der Hinterhand hat. Der nächste Termin ist bei Rivian, einem noch nicht ganz so bekannten US-Hersteller für Elektro-Offroader. Deren Vorzeigemodell ist eigentlich noch gar nicht auf dem Markt. Aber man kann ja mal fragen, ob sie für den Ewan und sein Team nicht schon mal einen Prototypen bauen können.

Können sie, und, ach ja: bei der Gelegenheit hat sich Rivian entschieden, auch die Ladeinfrastruktur für die Reise aufzubauen, weil: ihr braucht ja Ladepunkte unterwegs, klar.

Moment mal: was?! Ja, richtig gelesen, Rivian baut extra für die Show ein Netz von 150 Ladepunkten entlang der geplanten Route in Südamerika auf. „Das wird natürlich eine Herausforderung für unser Team“, sagt die Mitarbeiterin. Ach…

Und spätestens hier ist die Idee der Improvisation völlig auf den Kopf gestellt. Es geht nicht mehr darum, sich vor Ort zurechtzufinden und zu lernen, entbehrungsreich zu leben, den Weg als Ziel usw. Der Ansatz ist hier: was es vor Ort nicht gibt, bringen wir halt mit oder lassen wir uns schnell dahinsetzen.

Und als Zuschauer sitzt du fassungslos davor und weißt nicht, ob du weinen oder lachen sollst. Warum überhaupt elektrisch fahren, während die unterschiedlichen Teams aus mittlerweile Dutzenden Mitarbeitern und Projektpartnern von drei Standorten aus mit Schiffen und Flugzeugen Autos, Motorräder, Filmequipment, Schneidetische und Logistik nach Kap Hoorn verladen? Ökologischer Fußabdruck anyone?

Aber irgendwo macht das auch Spaß zu sehen, wie die Jungs das neueste vom Neuesten bekommen und damit die Wildnis unsicher machen können. Und irgendwie rührend zu sehen, wie ein Team von Harley Davidson wochenlang seine Freizeit opfert, um die Motorräder für die beiden Protagonisten nach Feierabend noch Anden-tauglich zu machen und sogar die Reichweite von 70 auf über 100 Meilen zu erweitern.

Jetzt wird interessant zu sehen sein, wie der ganze Tross sich tausende Kilometer über Schotterpisten kämpft (wenn sie die nicht auch noch vorher schnell asphaltieren). Nur Überraschungen kann es so eigentlich nicht mehr geben. Ihr seht mich trotzdem irgendwo fasziniert. Und das war erst die erste Folge…

Ihm zu seinem türkisen Schal gratulieren.

Bild des Tages, shot on iPhone 12 Mini:

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Argh

115: How could you not see this coming?!

Seit ein paar Tagen, Wochen, Monaten ist bekannt, dass Corona in der kalten Jahreszeit zurückkommen wird. Forschende haben schon im Frühjahr prophezeit, dass wir einigermaßen gut durch den Sommer kommen und danach der zunehmende Aufenthalt in den Innenräumen zu vermehrten Infektionen führen wird. Aber wer in den warmen Monaten davor gewarnt hatte (z.B. yours truly), erntete Achselzucken. Ist doch alles in Ordnung, gerade.

Noch war es warm, aber die Zahlen stiegen schon deutlich. Reiserückkehrer, hieß es, kaum Grund zur Sorge, nur junge Leute. Dann Spanien, Frankreich, UK, Schweiz, Niederlande, Belgien. Melden seit Wochen wieder steigende Infektionszahlen, teils sind die Gesundheitsämter und Krankenhäuser dort schon wieder überlastet. Die meisten davon: direkte Nachbarländer. Es gab Einzelne, die zwischen den Zeilen mal versuchten daran zu erinnern, dass das vielleicht nur die Vorboten wären. Mit längst wieder geöffneten Grenzen hätten wir das Desaster bald auch hier. Das wurde zur Kenntnis genommen.

Seit ein, zwei Wochen dann deutlich steigende Fallzahlen plötzlich auch wieder hier. Westliches Niedersachsen, westliches Nordrhein-Westfalen besonders betroffen. (Könnte das damit zusammenhängen, dass die Regionen an Nachbarländer grenzen, die schon länger über die Maßen betroffen waren? Ach, woher denn!)

Aber warum etwas ändern, wenn es keiner vorschreibt! Viele Restaurants und Kneipen bauen ihre Außengastronomie gerade erfolgreich wieder ab, ist ja zu kalt jetzt. Da wo noch eine ist, gehen die Leute lieber rein. „Ich will mir ja keinen Schnupfen holen“, hört man sie sagen. Drinnen ist es so voll wie eh und je.

Im Laufe der vergangenen Tage konnte man täglich der Verdunklung der RKI-Karte beiwohnen.

Vor ein paar Tagen:

Heute:

Morgen, spätestens übermorgen, wird auch Bonn rot eingefärbt sein. Mein Wort drauf.

Und jetzt, jetzt plötzlich, alarmiert von einem Schwellenwert, ist das Geschrei groß. Über 50 irgendwas. Schnell irgendwelche Maßnahmen ergreifen! Sperrstunden! Alkoholverbote! Beherbergungsverbote für Leute aus Risikoregionen!

Laschet stellt sich heute hin und erklärt auf einer Pressekonferenz zu den neu eingeführten Maßnahmen: „Alle haben gewusst, dass im Herbst und im Winter die Infiziertenzahl ansteigen wird.“ Toll. Aber deswegen schon etwas zu unternehmen, bevor das Desaster von Neuem beginnt, nee, so klug waren „alle“ dann doch wieder nicht. (Du auch nicht, Laschi!)

Es nervt so tierisch. Das ist kein gesunder Menschenverstand. Das sind keine Maßnahmen, die auf vorausschauendem Denken fußen. Es ist ein hysterisches Reagieren auf den Alarm, der angeht, weil im Kessel zu wenig Wasser ist. Dabei hätte man den nur vorher regelmäßig füllen müssen. Geht das so weiter, haben wir in drei Wochen die nächsten Hamsterkäufe und alle werden sich wieder um das Toilettenpapier schlagen.

Gut, dass ich meine 2 Packungen schon im Sommer gebunkert habe. 😉

Aber im Ernst. Die menschliche Dummheit ist erschreckend. Am besten hält man jetzt Winterschlaf und lukt erst im April wieder raus.

Vorher noch ne Woche freinehmen und hierhin?! Wobei, äh…

Irgendwer hat sich da doch verzählt, oder nicht? Oder ist der ZweiTälerSteig kein Wanderweg?

Kann ich auch erstmal Niederländisch lernen. Mit DuoLingo macht das echt Spaß:

Na! Na?! 🙂

„Het meisje“ ist denn auch direkt mein Lieblingswort geworden. Schöne Formulierungen haben sie echt. Die hier könnte aus Game of Thrones stammen. („A girl speaks three names and a man will do the rest“).

Und das hier? Klar, so reden die Holländer, vermutlich…

„Goedendaag, sap!“ oder: „Guten Tag, Saft!“, wie man in Deutschland sagt.

King of the Bronze League. Booyah!

Het brood:

Mit Bratkartoffeln und Rosmarin. Schon ein geiles Rezept. 🙂

Habt ihr euch das eigentlich mal genau angeschaut? Hier der Münchner Merkur:

Und das sind nur die Tracker bis zum Buchstaben A…d

Telekom, ihr habt doch nicht alle Latten am Zaun…

Zur (neulich per Videoident (!) eingerichteten) Erwachsenen-PIN für Inhalte ab 18 auf MagentaTV soll jetzt noch eine Jugendschutz-PIN dazu. Macht voll Sinn. Warum nicht gleich den Login vor dem Passwort?

Ach so, habt ihr schon:

Ihr spinnt doch!

Alte, gemütliche Rheinländerin vor mir an der Kasse, ausgerechnet, als ich es eilig habe. „Junge Frau, schauen se mal“, sagt sie zur Kassiererin. „Halte ich hier meine Payback-Karte vor? Ich hab meine Lesebrille nicht auf.“

Die Verkäuferin hilft ihr. Das Ganze geht noch eine Weile hin und her. Die Kassiererin trägt eine Corona-Maske, aber nur über dem Mund. „Sie müssen aufpassen“, sagt die alte Frau schließlich. „Die Maske muss auch über die Nase. Sonst hilft dat nisch“.

„Nee“, winkt die Kassiererin ab. „Ich hab doch diese Plastikwand vor mir“. „Jaja“, sagt die alte Frau und greift demonstrativ darunter, wo natürlich viel Raum zum Durchreichen von Geld und Waren ist. „Aber die Aerosole kommen ja auch hier durch. Da schützt das dann nicht mehr.“

Müßig eigentlich, das einer Kassiererin zu sagen, die den ganzen Tag im Laden ist und sich vor Aerosolen kaum schützen kann. Aber immerhin besteht Hoffnung. Es gibt tatsächlich noch Menschen da draußen, die etwas verstanden haben und denen nicht alles egal ist. <3

Bild des Tages, Boomtown Bonn bei Nacht:

Bis dann!

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Argh

111: Trending: Schadenfreude

„Schadenfreude“ war am vergangenen Wochenende das meist gesuchte Wort im englischsprachigen Online-Lexikon von Merriam Webster. Den Grund könnt ihr euch denken. 😉 Und stellt sich heraus: das Wort wurde schon vor über 150 Jahren anglifiziert:

Mir ist allerdings gar nicht nach Schadenfreude zu Mute. Und das liegt nicht daran, dass ich dem Drecksack nicht die Pest an den Hals wünschen würde. Es liegt er daran, dass er auch da wieder einmal nicht nur unbeschadet, sondern noch gestärkt bei heraus kommen wird. Er wird sich als unbesiegbar hinstellen, seine Jünger werden ihn jetzt erst recht wie den Messias feiern und dass er die Krankheit weder vertuschen wollte noch sie jetzt herunterspielt, wird seine Umfragewerte steigen lassen. Und wenn er die Wahl in einem Monat verlieren sollte (was gerade noch etwas unwahrscheinlicher geworden ist), dann wird er die Niederlage nicht anerkennen und Klagen einreichen.

4 weitere Jahre Trump, und wer weiß, was ihm danach noch einfällt. Die USA kriegen noch (bela-)russische Verhältnisse, wenn das so weiter geht.

Plastik zu vermeiden, ist gar nicht immer so einfach. Heute besuchte ich das dritte Fachgeschäft für Pflanzen (nach dem Internet) und in praktisch keinem davon gibt es Pflanzentöpfe, die gleichzeitig aus Ton bestehen und einen Ablauf haben. Von tonfarbenen Töpfen für draußen einmal abgesehen. Ich brauchte etwas in der Farbe Schwarz oder Anthrazit für mein Wohnzimmer. Machen wir es kurz: Am Ende gab es die gewünschte Kombi nur aus Plastik. Plastik, Plastik, Plastik, wohin das Auge blickt:

Wir werden den Scheiß nicht mehr los, es wird eher noch mehr. Bei vielen Produkten habe ich mittlerweile das Gefühl, da ist fast mehr Verpackung als Inhalt. Wir haben offenbar noch nicht genug Plastik in den Weltmeeren und der Nahrungskette, als dass wir zum Umdenken bereit wären.

Nachdem mein alter Schulfreund Lars mir ja neulich offenbart hat, dass er gleich dreimal neben der Arbeit noch studiert hat und ich nicht so richtig darüber hinweg kam, habe ich beschlossen, auch noch einmal zu studieren, dass zumindest mehr möglich sein muss, als den ganzen Winter durchzuschlafen. Vieles könnte man zumindest langsam mal etwas weniger halbherzig angehen und versuchen sich da zu verbessern. In meinem Falle wären das wohl die Baustellen:

  • Milchkaffee (über Latte Art reden wir ja noch nicht mal, aber ich möchte wenigstens den Milchschaum endlich mal vernünftig hinbekommen, und zwar jedes Mal)
  • Ukulele (wird langsam mal Zeit, flüssig darauf zu werden, Barret-Griffe zu lernen und erste Songs zu spielen)
  • Fotografieren (mal wegkommen vom 08/15 und Bilder bisschen professioneller aussehen lassen)
  • Videofilmen (zumindest etwas so Präsentables erschaffen, dass ich mich nicht mehr schämen muss, es zu veröffentlichen)
  • Ausmisten/Minimalismus (endlich mal fertig werden)
  • Das Gleiche mit der Wunschfigur. Seit bald zwei Jahren mache ich an den meisten Tagen der Woche Intervallfasten und ich habe wirklich abgenommen. Aber es wäre an der Zeit, auch hier endlich mal fertig zu werden und dann zu einem normalen Essensrhythmus zurückzukehren.
  • Und nebenbei endlich mal die Wohnung final hübsch zu machen.

Irgendwie auch genug Programm für ein „Selbststudium“. Zumindest im ersten Semester.

Meinetwegen streiten wir über die technischen Eigenschaften der Zeiss ZX1, aber das System, das sie dort verwenden, ist für mich das beste, was ich seit 10 Jahren gesehen habe. Ein großes Display mit Lightroom gleich onboard. Und wenn ihr wollt, auch andere Apps, denn Betriebssystem ist ein angepasstes Android. Was bedeutet, dass ihr eure Bilder auch direkt dorthin hochladen könnt, wo ihr wollt:

Kostenpunkt, leider: 6.000 US-Dollar. Aber na gut, ist ein Anfang.

No borders?!

Das ist jetzt meine Nachbarschaft. Das mittlerweile komplett verlassene, alte Post-Areal wird immer mehr verrammelt. Und ich habe übrigens noch keine Ahnung, was jetzt eigentlich daraus werden soll. Der Informationsfluss ist da eher bescheiden. Sie werden es wohl abreißen. Und dann?

Mit etwas Fantasie ein Vogel (oder Engel?) 🙂

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Argh

99: Was für eine Farce

Ich kam also nicht mehr drumrum und wollte mein Team auch nicht im Stich lassen. Also war ich heute dabei bei unserem ersten Tischtennis-Ligaspiel seit Corona vorbei ist seit Corona wieder angefangen hat seit Corona.

Von Markus in Niedersachsen weiß ich, dass dort die Hausmeister erst 30 Minuten nach einem Spielende die Halle betreten sollen, um sich vor den Aerosolen zu schützen. Die Spieler dürfen derweil vorher einfach so herein.

Der für NRW zuständige Westdeutsche Tischtennisverband legt Wert auf sein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Etwa dass beim Seitenwechsel beide Spieler in die gleiche Richtung rotieren, dass Tische nach einem Meisterschaftsspiel (aber nicht vorher) zu desinfizieren sind, Bälle nach jedem Spiel auch. Vor allem aber dass in der Halle Masken zu tragen sind, aber nur von den Leuten in der Halle, die gerade nicht spielen. Wer spielt, nimmt die Maske natürlich ab.

Als ich heute in die Halle komme, ist das Jugendtraining gerade beendet. Alle Türen und Notausgänge sind auf, trotzdem sind dort gefühlte 28 Grad, weil der Durchzug nicht reicht, um alles zu belüften. Außerdem sind die Fenster geschlossen, weil die nur der Hausmeister mit einem Spezialschlüssel öffnen kann und der nen Riesenasi ist die Fenster für uns heute nicht geöffnet hat.

Wir haben uns teilweise ein halbes Jahr nicht gesehen (schlanker ist keiner in der Zeit geworden 😉 und begrüßen uns mit Ellenbogencheck, teilweise nicken wir uns auch nur zu, so weit alles regelkonform. Ich desinfiziere mir an dem Abend mehrmals die Hände. Vor meinem erstem Spiel bitte ich darum, dass wir den Ball einmal desinfizieren, was mein Mannschaftkamerad auch anstandslos macht. Vor meinem zweiten Spiel denke ich da nicht mehr dran. Wenn ich das richtig rekapituliere, die anderen vor und nach ihren Spielen auch nicht.

Während des Spiels kommt der dringende Hinweis von unserem Abteilungsvorsitzenden in der WhatsApp-Gruppe, dass wir bitte bitte unbedingt darauf achten sollen, die Maske zu tragen, wenn wir nicht spielen. Das Ordnungsamt käme derzeit verstärkt rum und würde das in öffentlichen Gebäuden kontrollieren.

Vorstellen musst du dir das so: Du gehst mit Maske an den Tisch, nimmst sie dort ab, rödelst dort ein, zwei Sätze herum, gehst in der Satzpause hinter die Abtrennung zu deiner Tasche (wofür du eigentlich die Maske wieder aufsetzen müsstest), trinkst dort einen Schluck, wofür du sie kurzzeitig wieder absetzen darfst, setzt sie wieder auf, gehst an den Tisch, wo die Luft noch steht, und setzt sie dort wieder ab. Macht natürlich keiner genau so, und in den Moment wo du ohne Maske vom Tisch zu deiner Tasche gehst, dürfte dich das Ordnungsamt theoretisch abkassieren.

Ich spiele gar nicht mal so schlecht an dem Abend, dafür dass ich ein halbes Jahr nicht trainieren konnte oder wollte, verliere aber trotzdem meine beiden Einzel (der Gegner hat cleverer gespielt), Doppel werden laut den Statuten ausgelassen.

Während des Spiels müssen alle Einzelspieler des Gegners ihre Personalien in einer Liste eintragen, damit man sie im Notfall benachrichtigen könnte. Adresse, Telefonnummer und so weiter können wir als Heimmannschaft dort einsehen. Jeder Gegner muss das aber ausfüllen und bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er sich mit der Einsehbarkeit seiner Daten einverstanden erklärt. Eine Möglichkeit zu widersprechen hat er nicht. Überflüssig ist das ohnehin, denn jeder Spieler wird wie immer auch mit Namen und allen Ergebnissen im Spielsystem online erfasst. Das heißt, es wird ohnehin online gespeichert, wer wann wo mit wem unterwegs war. Sollte er wegen eines Verdachtsfalls benachrichtigt werden müssen, ginge das auch über seinen Mannschaftsführer.

Das Spiel verlieren wir. Es ist mir überraschend egal, weil sich alles so surreal anfühlt. Wie soll’s jetzt ohnehin weitergehen? In zwei Wochen haben wir das nächste Meisterschaftsspiel, diesmal auswärts. Will ich noch halbwegs passabel spielen diese Saison, müsste ich trainieren und das Ganze zwei- bis dreimal die Woche durchziehen.

Gleichzeitig meldet das RKI heute für Deutschland die höchste Zahl an Neuinfektionen seit 4 Monaten, erstmals seit langem über 2.000 an einem Tag. Die Gefahr sich anzustecken, steigt mit jedem Besuch in der Halle an. Es würde mich nicht wundern, wenn sie die Saison in wenigen Wochen wieder abbrechen würden. Aber, hey, dann hätten wir wenigstens zwei bis drei Spiele für die goldene Ananas gemacht und die Herdenimmunität weiter gestärkt. Mein Nacken ist jetzt übrigens auch wieder verspannt, zum ersten Mal seit Wochen.

Nebenbei, immer dieses Gegeneinander. Klar spielt man auch um das Spaßes Willen, aber am Ende geht mit allen doch der Instinkt durch, gewinnen zu wollen. Alles Andere würde auch keinen Sinn machen. Beim E-Bike-Fahren oder dem Stand-up-Paddling neulich, die beiden neuesten Sportarten, die ich für mich entdeckt habe, gibt es so etwas wie ein Gegeneinander nicht. Du fährst raus, weil es dir gut tut, weil es Spaß macht und du in Bewegung bist. Es gibt kein Gegeneinander, du tust es nur für dich.

Zum ersten Mal seit langer Zeit kam mir der Gedanke, mich doch mal nach ein paar neuen Sportarten umzusehen. Fitnessstudio ist erstmal eh nicht mehr, und Tischtennis… hat schon lange nicht mehr so wenig Spaß gemacht wie heute.

Die PS5 kommt bald, die Xbox Series X/S auch. Jemand Bock drauf?

Eine komplett schamlose Kopie, aber tatsächlich leckerer als das Original:

Spam kann manchmal echt süß sein: