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Argh

137: Not macht verschwenderisch

Ich bin mit meinen aktuellen Serien durch (The Handmaid’s Tale S03 kriegt am Ende noch die Kurve, Cobra Kai S02 hält das Niveau, ist allenfalls jetzt mehr Dramedy als Comedy), also Zeit für was Neues. Der Trailer von The Long Way Up mit Ewan McGregor auf Apple TV+ neulich hatte mich überzeugt. Der will mit seinem Main Man auf Elektro-Motorrädern von Feuerland nach Los Angeles brettern. Abgebretterte Idee!

Das klingt ein wenig wie eine moderne Version der „Reise des Jungen Ché“ (The Motorcycle Diaries), die Verfilmung der Tagebücher von Ernesto „Che“ Guevara, der Anfang der 1950er mit seinem besten Freund auf Motorradreise durch Südamerika fährt. Ihr Motto dabei: Improvisation.

Die beiden Jungs kommen aus gutem Hause, haben aber trotzdem nicht viel Geld dabei, haben zwar einen groben Plan im Hinterkopf, lassen sich aber vornehmlich treiben. Sie schauen mal, was der Tag so bringt. Die klassische Reise ins Ungewisse. Oft liest oder hört man Beiträge von Leuten, die es gewagt haben, ihren Job zu schmeißen um dann irgendwann mit den wenigen Ersparnissen, die sie hatten, gewagt, aufzubrechen. Durch Afrika nach Kapstadt, durch Asien bis Peking oder gleich einmal um die Welt. Den groben Plan im Hinterkopf, aber der Weg dahin: das eigentliche Ziel.

Improvisación, sagen wir’s mal so, ist das Motto der Protagonisten von „The Long Way Up“ nicht. Acht Monate vor dem Start der Tour stecken sie mit der Produktionsleiterin die Köpfe zusammen und haarklein die Route ab. Das mag man kleinlich finden, aber es ist natürlich irgendwo ehrlich. Wenn die Nutzer zuhause auf ihren shiny Apple-Geräten eine shiny Serie sehen wollen, dann darf man wenig dem Zufall überlassen. Außerdem fährt natürlich ein Filmteam mit; es käme nichts Shiniges dabei heraus, wenn wir nur Material aus den Helmkameras der beiden Protagonisten bekämen.

Und hier nimmt die erste Folge von „The Long Way Up“ Dynamik auf. Es müssten Elektromotorräder mit einer genügenden Reichweite her, und weil der Ewan ein halber Öko ist, soll auch die Filmcrew sie in Elektroautos begleiten. Dafür treffen sie sich mit spezialisierten Herstellern an verschiedenen Orten in den USA.

Um das alles irgendwie zu koordinieren, wird dann – erster WTF-Moment – ein Office eröffnet, in London.

Warum jetzt ausgerechnet London, wenn McGregor in Los Angeles wohnt, an die Südspitze Südamerikas will und die Produktpartner über die USA verteilt sitzen? So richtig wird das nicht erklärt. Weil Apple offenbar genug Geld überwiesen hat. Wir sehen Bilder von den urigen Londoner Taxis, das Team die Möbel in ein gemütliches Bureau in Downtown London einräumen, einen Haufen Mitarbeiter vor schicken Macs sitzen, die irgendwas koordinieren und austüfteln. Was kommt als nächstes, fragt man sich, die Expansion nach Asien?

Die Details sind wichtig, klar. Zum Beispiel: Wo lädt man denn die Akkus der Motorräder und Autos unterwegs eigentlich wieder auf? Ist ja schließlich nicht LA da unten. Um das besser einschätzen zu können – zweiter WTF-Moment – bestellt man von der argentinischen Botschaft ein paar Diplomaten ein. Mit denen geht es um die argentinische Ladeinfrastruktur, das Stromnetz und wo es da eigentlich am schönsten ist. Die nicht ganz so überraschende Erkenntnis: Rund um den Speckgürtel von Buenes Aires und Córdoba seid ihr gut aufgestellt, schwieriger sieht es im peripheren Süden aus. Hübsch is‘ aber eigentlich überall.

Macht außerdem nichts, weil man ja noch ein paar Kontakte in der Hinterhand hat. Der nächste Termin ist bei Rivian, einem noch nicht ganz so bekannten US-Hersteller für Elektro-Offroader. Deren Vorzeigemodell ist eigentlich noch gar nicht auf dem Markt. Aber man kann ja mal fragen, ob sie für den Ewan und sein Team nicht schon mal einen Prototypen bauen können.

Können sie, und, ach ja: bei der Gelegenheit hat sich Rivian entschieden, auch die Ladeinfrastruktur für die Reise aufzubauen, weil: ihr braucht ja Ladepunkte unterwegs, klar.

Moment mal: was?! Ja, richtig gelesen, Rivian baut extra für die Show ein Netz von 150 Ladepunkten entlang der geplanten Route in Südamerika auf. „Das wird natürlich eine Herausforderung für unser Team“, sagt die Mitarbeiterin. Ach…

Und spätestens hier ist die Idee der Improvisation völlig auf den Kopf gestellt. Es geht nicht mehr darum, sich vor Ort zurechtzufinden und zu lernen, entbehrungsreich zu leben, den Weg als Ziel usw. Der Ansatz ist hier: was es vor Ort nicht gibt, bringen wir halt mit oder lassen wir uns schnell dahinsetzen.

Und als Zuschauer sitzt du fassungslos davor und weißt nicht, ob du weinen oder lachen sollst. Warum überhaupt elektrisch fahren, während die unterschiedlichen Teams aus mittlerweile Dutzenden Mitarbeitern und Projektpartnern von drei Standorten aus mit Schiffen und Flugzeugen Autos, Motorräder, Filmequipment, Schneidetische und Logistik nach Kap Hoorn verladen? Ökologischer Fußabdruck anyone?

Aber irgendwo macht das auch Spaß zu sehen, wie die Jungs das neueste vom Neuesten bekommen und damit die Wildnis unsicher machen können. Und irgendwie rührend zu sehen, wie ein Team von Harley Davidson wochenlang seine Freizeit opfert, um die Motorräder für die beiden Protagonisten nach Feierabend noch Anden-tauglich zu machen und sogar die Reichweite von 70 auf über 100 Meilen zu erweitern.

Jetzt wird interessant zu sehen sein, wie der ganze Tross sich tausende Kilometer über Schotterpisten kämpft (wenn sie die nicht auch noch vorher schnell asphaltieren). Nur Überraschungen kann es so eigentlich nicht mehr geben. Ihr seht mich trotzdem irgendwo fasziniert. Und das war erst die erste Folge…

Ihm zu seinem türkisen Schal gratulieren.

Bild des Tages, shot on iPhone 12 Mini:

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Argh

115: How could you not see this coming?!

Seit ein paar Tagen, Wochen, Monaten ist bekannt, dass Corona in der kalten Jahreszeit zurückkommen wird. Forschende haben schon im Frühjahr prophezeit, dass wir einigermaßen gut durch den Sommer kommen und danach der zunehmende Aufenthalt in den Innenräumen zu vermehrten Infektionen führen wird. Aber wer in den warmen Monaten davor gewarnt hatte (z.B. yours truly), erntete Achselzucken. Ist doch alles in Ordnung, gerade.

Noch war es warm, aber die Zahlen stiegen schon deutlich. Reiserückkehrer, hieß es, kaum Grund zur Sorge, nur junge Leute. Dann Spanien, Frankreich, UK, Schweiz, Niederlande, Belgien. Melden seit Wochen wieder steigende Infektionszahlen, teils sind die Gesundheitsämter und Krankenhäuser dort schon wieder überlastet. Die meisten davon: direkte Nachbarländer. Es gab Einzelne, die zwischen den Zeilen mal versuchten daran zu erinnern, dass das vielleicht nur die Vorboten wären. Mit längst wieder geöffneten Grenzen hätten wir das Desaster bald auch hier. Das wurde zur Kenntnis genommen.

Seit ein, zwei Wochen dann deutlich steigende Fallzahlen plötzlich auch wieder hier. Westliches Niedersachsen, westliches Nordrhein-Westfalen besonders betroffen. (Könnte das damit zusammenhängen, dass die Regionen an Nachbarländer grenzen, die schon länger über die Maßen betroffen waren? Ach, woher denn!)

Aber warum etwas ändern, wenn es keiner vorschreibt! Viele Restaurants und Kneipen bauen ihre Außengastronomie gerade erfolgreich wieder ab, ist ja zu kalt jetzt. Da wo noch eine ist, gehen die Leute lieber rein. „Ich will mir ja keinen Schnupfen holen“, hört man sie sagen. Drinnen ist es so voll wie eh und je.

Im Laufe der vergangenen Tage konnte man täglich der Verdunklung der RKI-Karte beiwohnen.

Vor ein paar Tagen:

Heute:

Morgen, spätestens übermorgen, wird auch Bonn rot eingefärbt sein. Mein Wort drauf.

Und jetzt, jetzt plötzlich, alarmiert von einem Schwellenwert, ist das Geschrei groß. Über 50 irgendwas. Schnell irgendwelche Maßnahmen ergreifen! Sperrstunden! Alkoholverbote! Beherbergungsverbote für Leute aus Risikoregionen!

Laschet stellt sich heute hin und erklärt auf einer Pressekonferenz zu den neu eingeführten Maßnahmen: „Alle haben gewusst, dass im Herbst und im Winter die Infiziertenzahl ansteigen wird.“ Toll. Aber deswegen schon etwas zu unternehmen, bevor das Desaster von Neuem beginnt, nee, so klug waren „alle“ dann doch wieder nicht. (Du auch nicht, Laschi!)

Es nervt so tierisch. Das ist kein gesunder Menschenverstand. Das sind keine Maßnahmen, die auf vorausschauendem Denken fußen. Es ist ein hysterisches Reagieren auf den Alarm, der angeht, weil im Kessel zu wenig Wasser ist. Dabei hätte man den nur vorher regelmäßig füllen müssen. Geht das so weiter, haben wir in drei Wochen die nächsten Hamsterkäufe und alle werden sich wieder um das Toilettenpapier schlagen.

Gut, dass ich meine 2 Packungen schon im Sommer gebunkert habe. 😉

Aber im Ernst. Die menschliche Dummheit ist erschreckend. Am besten hält man jetzt Winterschlaf und lukt erst im April wieder raus.

Vorher noch ne Woche freinehmen und hierhin?! Wobei, äh…

Irgendwer hat sich da doch verzählt, oder nicht? Oder ist der ZweiTälerSteig kein Wanderweg?

Kann ich auch erstmal Niederländisch lernen. Mit DuoLingo macht das echt Spaß:

Na! Na?! 🙂

„Het meisje“ ist denn auch direkt mein Lieblingswort geworden. Schöne Formulierungen haben sie echt. Die hier könnte aus Game of Thrones stammen. („A girl speaks three names and a man will do the rest“).

Und das hier? Klar, so reden die Holländer, vermutlich…

„Goedendaag, sap!“ oder: „Guten Tag, Saft!“, wie man in Deutschland sagt.

King of the Bronze League. Booyah!

Het brood:

Mit Bratkartoffeln und Rosmarin. Schon ein geiles Rezept. 🙂

Habt ihr euch das eigentlich mal genau angeschaut? Hier der Münchner Merkur:

Und das sind nur die Tracker bis zum Buchstaben A…d

Telekom, ihr habt doch nicht alle Latten am Zaun…

Zur (neulich per Videoident (!) eingerichteten) Erwachsenen-PIN für Inhalte ab 18 auf MagentaTV soll jetzt noch eine Jugendschutz-PIN dazu. Macht voll Sinn. Warum nicht gleich den Login vor dem Passwort?

Ach so, habt ihr schon:

Ihr spinnt doch!

Alte, gemütliche Rheinländerin vor mir an der Kasse, ausgerechnet, als ich es eilig habe. „Junge Frau, schauen se mal“, sagt sie zur Kassiererin. „Halte ich hier meine Payback-Karte vor? Ich hab meine Lesebrille nicht auf.“

Die Verkäuferin hilft ihr. Das Ganze geht noch eine Weile hin und her. Die Kassiererin trägt eine Corona-Maske, aber nur über dem Mund. „Sie müssen aufpassen“, sagt die alte Frau schließlich. „Die Maske muss auch über die Nase. Sonst hilft dat nisch“.

„Nee“, winkt die Kassiererin ab. „Ich hab doch diese Plastikwand vor mir“. „Jaja“, sagt die alte Frau und greift demonstrativ darunter, wo natürlich viel Raum zum Durchreichen von Geld und Waren ist. „Aber die Aerosole kommen ja auch hier durch. Da schützt das dann nicht mehr.“

Müßig eigentlich, das einer Kassiererin zu sagen, die den ganzen Tag im Laden ist und sich vor Aerosolen kaum schützen kann. Aber immerhin besteht Hoffnung. Es gibt tatsächlich noch Menschen da draußen, die etwas verstanden haben und denen nicht alles egal ist. <3

Bild des Tages, Boomtown Bonn bei Nacht:

Bis dann!

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Argh

111: Trending: Schadenfreude

„Schadenfreude“ war am vergangenen Wochenende das meist gesuchte Wort im englischsprachigen Online-Lexikon von Merriam Webster. Den Grund könnt ihr euch denken. 😉 Und stellt sich heraus: das Wort wurde schon vor über 150 Jahren anglifiziert:

Mir ist allerdings gar nicht nach Schadenfreude zu Mute. Und das liegt nicht daran, dass ich dem Drecksack nicht die Pest an den Hals wünschen würde. Es liegt er daran, dass er auch da wieder einmal nicht nur unbeschadet, sondern noch gestärkt bei heraus kommen wird. Er wird sich als unbesiegbar hinstellen, seine Jünger werden ihn jetzt erst recht wie den Messias feiern und dass er die Krankheit weder vertuschen wollte noch sie jetzt herunterspielt, wird seine Umfragewerte steigen lassen. Und wenn er die Wahl in einem Monat verlieren sollte (was gerade noch etwas unwahrscheinlicher geworden ist), dann wird er die Niederlage nicht anerkennen und Klagen einreichen.

4 weitere Jahre Trump, und wer weiß, was ihm danach noch einfällt. Die USA kriegen noch (bela-)russische Verhältnisse, wenn das so weiter geht.

Plastik zu vermeiden, ist gar nicht immer so einfach. Heute besuchte ich das dritte Fachgeschäft für Pflanzen (nach dem Internet) und in praktisch keinem davon gibt es Pflanzentöpfe, die gleichzeitig aus Ton bestehen und einen Ablauf haben. Von tonfarbenen Töpfen für draußen einmal abgesehen. Ich brauchte etwas in der Farbe Schwarz oder Anthrazit für mein Wohnzimmer. Machen wir es kurz: Am Ende gab es die gewünschte Kombi nur aus Plastik. Plastik, Plastik, Plastik, wohin das Auge blickt:

Wir werden den Scheiß nicht mehr los, es wird eher noch mehr. Bei vielen Produkten habe ich mittlerweile das Gefühl, da ist fast mehr Verpackung als Inhalt. Wir haben offenbar noch nicht genug Plastik in den Weltmeeren und der Nahrungskette, als dass wir zum Umdenken bereit wären.

Nachdem mein alter Schulfreund Lars mir ja neulich offenbart hat, dass er gleich dreimal neben der Arbeit noch studiert hat und ich nicht so richtig darüber hinweg kam, habe ich beschlossen, auch noch einmal zu studieren, dass zumindest mehr möglich sein muss, als den ganzen Winter durchzuschlafen. Vieles könnte man zumindest langsam mal etwas weniger halbherzig angehen und versuchen sich da zu verbessern. In meinem Falle wären das wohl die Baustellen:

  • Milchkaffee (über Latte Art reden wir ja noch nicht mal, aber ich möchte wenigstens den Milchschaum endlich mal vernünftig hinbekommen, und zwar jedes Mal)
  • Ukulele (wird langsam mal Zeit, flüssig darauf zu werden, Barret-Griffe zu lernen und erste Songs zu spielen)
  • Fotografieren (mal wegkommen vom 08/15 und Bilder bisschen professioneller aussehen lassen)
  • Videofilmen (zumindest etwas so Präsentables erschaffen, dass ich mich nicht mehr schämen muss, es zu veröffentlichen)
  • Ausmisten/Minimalismus (endlich mal fertig werden)
  • Das Gleiche mit der Wunschfigur. Seit bald zwei Jahren mache ich an den meisten Tagen der Woche Intervallfasten und ich habe wirklich abgenommen. Aber es wäre an der Zeit, auch hier endlich mal fertig zu werden und dann zu einem normalen Essensrhythmus zurückzukehren.
  • Und nebenbei endlich mal die Wohnung final hübsch zu machen.

Irgendwie auch genug Programm für ein „Selbststudium“. Zumindest im ersten Semester.

Meinetwegen streiten wir über die technischen Eigenschaften der Zeiss ZX1, aber das System, das sie dort verwenden, ist für mich das beste, was ich seit 10 Jahren gesehen habe. Ein großes Display mit Lightroom gleich onboard. Und wenn ihr wollt, auch andere Apps, denn Betriebssystem ist ein angepasstes Android. Was bedeutet, dass ihr eure Bilder auch direkt dorthin hochladen könnt, wo ihr wollt:

Kostenpunkt, leider: 6.000 US-Dollar. Aber na gut, ist ein Anfang.

No borders?!

Das ist jetzt meine Nachbarschaft. Das mittlerweile komplett verlassene, alte Post-Areal wird immer mehr verrammelt. Und ich habe übrigens noch keine Ahnung, was jetzt eigentlich daraus werden soll. Der Informationsfluss ist da eher bescheiden. Sie werden es wohl abreißen. Und dann?

Mit etwas Fantasie ein Vogel (oder Engel?) 🙂

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Argh

99: Was für eine Farce

Ich kam also nicht mehr drumrum und wollte mein Team auch nicht im Stich lassen. Also war ich heute dabei bei unserem ersten Tischtennis-Ligaspiel seit Corona vorbei ist seit Corona wieder angefangen hat seit Corona.

Von Markus in Niedersachsen weiß ich, dass dort die Hausmeister erst 30 Minuten nach einem Spielende die Halle betreten sollen, um sich vor den Aerosolen zu schützen. Die Spieler dürfen derweil vorher einfach so herein.

Der für NRW zuständige Westdeutsche Tischtennisverband legt Wert auf sein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Etwa dass beim Seitenwechsel beide Spieler in die gleiche Richtung rotieren, dass Tische nach einem Meisterschaftsspiel (aber nicht vorher) zu desinfizieren sind, Bälle nach jedem Spiel auch. Vor allem aber dass in der Halle Masken zu tragen sind, aber nur von den Leuten in der Halle, die gerade nicht spielen. Wer spielt, nimmt die Maske natürlich ab.

Als ich heute in die Halle komme, ist das Jugendtraining gerade beendet. Alle Türen und Notausgänge sind auf, trotzdem sind dort gefühlte 28 Grad, weil der Durchzug nicht reicht, um alles zu belüften. Außerdem sind die Fenster geschlossen, weil die nur der Hausmeister mit einem Spezialschlüssel öffnen kann und der nen Riesenasi ist die Fenster für uns heute nicht geöffnet hat.

Wir haben uns teilweise ein halbes Jahr nicht gesehen (schlanker ist keiner in der Zeit geworden 😉 und begrüßen uns mit Ellenbogencheck, teilweise nicken wir uns auch nur zu, so weit alles regelkonform. Ich desinfiziere mir an dem Abend mehrmals die Hände. Vor meinem erstem Spiel bitte ich darum, dass wir den Ball einmal desinfizieren, was mein Mannschaftkamerad auch anstandslos macht. Vor meinem zweiten Spiel denke ich da nicht mehr dran. Wenn ich das richtig rekapituliere, die anderen vor und nach ihren Spielen auch nicht.

Während des Spiels kommt der dringende Hinweis von unserem Abteilungsvorsitzenden in der WhatsApp-Gruppe, dass wir bitte bitte unbedingt darauf achten sollen, die Maske zu tragen, wenn wir nicht spielen. Das Ordnungsamt käme derzeit verstärkt rum und würde das in öffentlichen Gebäuden kontrollieren.

Vorstellen musst du dir das so: Du gehst mit Maske an den Tisch, nimmst sie dort ab, rödelst dort ein, zwei Sätze herum, gehst in der Satzpause hinter die Abtrennung zu deiner Tasche (wofür du eigentlich die Maske wieder aufsetzen müsstest), trinkst dort einen Schluck, wofür du sie kurzzeitig wieder absetzen darfst, setzt sie wieder auf, gehst an den Tisch, wo die Luft noch steht, und setzt sie dort wieder ab. Macht natürlich keiner genau so, und in den Moment wo du ohne Maske vom Tisch zu deiner Tasche gehst, dürfte dich das Ordnungsamt theoretisch abkassieren.

Ich spiele gar nicht mal so schlecht an dem Abend, dafür dass ich ein halbes Jahr nicht trainieren konnte oder wollte, verliere aber trotzdem meine beiden Einzel (der Gegner hat cleverer gespielt), Doppel werden laut den Statuten ausgelassen.

Während des Spiels müssen alle Einzelspieler des Gegners ihre Personalien in einer Liste eintragen, damit man sie im Notfall benachrichtigen könnte. Adresse, Telefonnummer und so weiter können wir als Heimmannschaft dort einsehen. Jeder Gegner muss das aber ausfüllen und bestätigt mit seiner Unterschrift, dass er sich mit der Einsehbarkeit seiner Daten einverstanden erklärt. Eine Möglichkeit zu widersprechen hat er nicht. Überflüssig ist das ohnehin, denn jeder Spieler wird wie immer auch mit Namen und allen Ergebnissen im Spielsystem online erfasst. Das heißt, es wird ohnehin online gespeichert, wer wann wo mit wem unterwegs war. Sollte er wegen eines Verdachtsfalls benachrichtigt werden müssen, ginge das auch über seinen Mannschaftsführer.

Das Spiel verlieren wir. Es ist mir überraschend egal, weil sich alles so surreal anfühlt. Wie soll’s jetzt ohnehin weitergehen? In zwei Wochen haben wir das nächste Meisterschaftsspiel, diesmal auswärts. Will ich noch halbwegs passabel spielen diese Saison, müsste ich trainieren und das Ganze zwei- bis dreimal die Woche durchziehen.

Gleichzeitig meldet das RKI heute für Deutschland die höchste Zahl an Neuinfektionen seit 4 Monaten, erstmals seit langem über 2.000 an einem Tag. Die Gefahr sich anzustecken, steigt mit jedem Besuch in der Halle an. Es würde mich nicht wundern, wenn sie die Saison in wenigen Wochen wieder abbrechen würden. Aber, hey, dann hätten wir wenigstens zwei bis drei Spiele für die goldene Ananas gemacht und die Herdenimmunität weiter gestärkt. Mein Nacken ist jetzt übrigens auch wieder verspannt, zum ersten Mal seit Wochen.

Nebenbei, immer dieses Gegeneinander. Klar spielt man auch um das Spaßes Willen, aber am Ende geht mit allen doch der Instinkt durch, gewinnen zu wollen. Alles Andere würde auch keinen Sinn machen. Beim E-Bike-Fahren oder dem Stand-up-Paddling neulich, die beiden neuesten Sportarten, die ich für mich entdeckt habe, gibt es so etwas wie ein Gegeneinander nicht. Du fährst raus, weil es dir gut tut, weil es Spaß macht und du in Bewegung bist. Es gibt kein Gegeneinander, du tust es nur für dich.

Zum ersten Mal seit langer Zeit kam mir der Gedanke, mich doch mal nach ein paar neuen Sportarten umzusehen. Fitnessstudio ist erstmal eh nicht mehr, und Tischtennis… hat schon lange nicht mehr so wenig Spaß gemacht wie heute.

Die PS5 kommt bald, die Xbox Series X/S auch. Jemand Bock drauf?

Eine komplett schamlose Kopie, aber tatsächlich leckerer als das Original:

Spam kann manchmal echt süß sein:

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Argh

96: Ach, schleicht’s euch!

„Halt still, nicht lachen. Nicht lachen! Okay, j …etzt. *klick*“

Oder auch: Welchen Wechsel, Frau Dörner? Von Grün zu Grün? Die Grünen sind seit 11 Jahren im Bonner Rat an der Macht, ab 2009 zusammen mit der CDU, seit 2014 zusammen mit CDU und FDP. Liest man sich eine alte Pressemeldung über die Zustimmung der Grünen zum Koalitionsvertrag 2014 durch, so wird es nochmal interessanter. Darin heißt es:

„Der Masterplans (sic!) Klimaschutz, den wir in der Koalition mit der CDU initiiert haben wird nun auch in der Jamaika-Koalition unverändert umgesetzt“, sagte Frau [Brigitta] Poppe.“

Masterplan Klimaschutz? Was genau habt ihr davon umgesetzt? Ist es nicht genau das vermeintliche Fehlen eines solchen, den ihr dem OB gerade vorwerft, mit dessen Partei ihr zusammen an der Macht wart?

Oder auch:

„Die GRÜNEN, so ist es im Vertrag festgehalten sind auch in Zukunft ohne Wenn und Aber gegen das Festspielhaus…“

Heißt, ihr habt die Misere um die Renovierung der Beethovenhalle mitverantwortet, die am Ende wohl fast 200 Millionen Euro schwer werden wird.

Ja, und du, lieber OB bist nix besser…

Kommst ausgerechnet jetzt mit „Verantwortung und Sicherheit“, also dem Motto: Ich stehe mit dem Rücken zur Wand, deswegen beschwöre ich nochmal schnell die Angst herauf und geb den starken Mann, denn das kann die Dörner ja von Haus aus nicht sein.

Dabei sind Bonn und die Region laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2019 sicherer geworden. Die Polizei sorgt am Rheinufer schon vermehrt für Zucht und Ordnung, wo die Jugendlichen gerade nach sechs Monaten Corona-Beschränkungen durchdrehen. Wenn die Cops nicht gerade meinen unbescholtenen Kumpel für nichts und wieder nichts zum Drogentest mit auf die Wache nehmen. Aus Langeweile?

Und „Verantwortung“? Jetzt, wo keiner mehr Angst hat vor Corona noch einmal daran erinnern, wie toll du die Krise gemeistert hast? Motto: Kommt schon, so schlecht war ich gar nicht!

Argh!

Geht mir weg! Alle beide! Und noch einmal die Bitte: Können wir bitte etwas Besseres erfinden als Demokratie und Föderalismus? Es nervt höllisch, und es wird nicht besser.

Dann lieber noch ein paar Fotos von der schönen Abendsonne:

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Argh

89: Wir werden an unserer Convenience noch ersticken

Just sayin’…

Mal aufgefallen, dass in Supermärkten und Drogerien alles, aber auch alles mehrfach in Plastik eingeschweißt ist? Das ist hier in D nicht anders als anderswo auf der Welt. Und da kann unser Plastikrecycling noch so gut sein (was es im Übrigen nicht ist), da ist ja eigentlich klar, dass viel davon am Ende in der Umwelt, im Meer und dann wieder in unserer Nahrungskette landet.

Zum Spaß war ich danach noch in einem Bio-Supermarkt, weil da ja alles besser ist, oder anders gesagt: in mehr oder weniger genauso viel Plastik ist da dann ökologisch wertvolles Zeug drin. Macht voll Sinn…

Ich habe noch nicht einmal das Gefühl, dass die Richtung stimmt, dass das Plastik irgendwie weniger würde, jetzt wo wir wenigstens so tun, als würden wir ein bisschen auf Grün machen. Bisherige Maßnahmen der Supermärkte: Du darfst dein Gemüse jetzt im Frischenetz einpacken. Yeah, das wird einen gewaltigen Unterschied machen.

Ist aber nicht nur das Plastik. Wann immer ich mal einen Blick drauf werfe, was die Startup-Szene so macht, dann ist das meist: die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir heute über (in Plastik eingeschweißtes) koreanisches Make-up/ Torte/ Hasenfutter nachdenken.

Können wir bitte langsam mal anfangen, die wirklichen Probleme anzugehen?!?

Na klasse, Jürgen, mal wieder auf die Anderen schimpfen. Was bitte tust DU denn dagegen?

Ja, gute Frage. Okay, fangen wir mal klein an. Ich werde den September mal dazu nutzen, mich umzuschauen, wo und wie ich Plastik vermeiden kann. Ich muss gestehen: Ich hab teilweise schon völlig verlernt, wie das geht. Tipps nehme ich gerne entgegen. Erste Aktionen:

  1. Den Bonner Unverpackt-Laden am Wilhelmsplatz besuchen.
  2. Mir Kaffee in der Rösterei in meinen eigenen Bohnenbehälter füllen lassen (ja, muss ich erstmal kaufen, Kaffee ist auch so schon nicht ökologisch, ja…).
  3. Ein Frischenetzt kaufen (ja, ich weiß, s.o. Aber Kleinvieh und so…)
  4. Biomärkte abgrasen, ob es nicht doch welche mit weniger Plastik gibt. Denn’s war eine herbe Enttäuschung.

Auch der GA kostet online jetzt was:

Bei Spiegel.de war der Aufmacher heute teilweise ein Spiegel+-Artikel.

Ich fürchte, Paid Content hat sich endgültig durchgesetzt. Glücklich bin ich damit nicht, vor allem mit den meisten Bezahlmodellen nicht. Glücklich bin ich aber auch mit Online-Werbeformen und -finanzierungen nicht. Mal gucken, was es offline noch so gibt…

Bild des Tages: Sonne auf das Stadthaus:

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Argh

84: Nicht ob, sondern wie

Da setze ich mich heute früh ins Auto zum Termin, und die Karre springt nicht an. Da wird doch wohl nicht gestern jemand vergessen haben, das Licht… Scheiße… Verdammt!

Der erste Impuls: Zum Telefon greifen, den Partner anrufen und mich entschuldigen, vielleicht eine Ausrede erfinden. Wäre kein Problem, würden alle verstehen. Und sooo wichtig ist der Termin heute auch nicht. Es geht um eine Probefahrt mit dem Aiways U5. Allerdings noch mit dem 2020er-Modell, nicht dem 2021er, das Aiways und Euronics ab Ende des Jahres letztendlich verkaufen wollen. Das soll ich in ein paar Wochen auch noch testen. Insofern vielleicht Trotz, dass der alte Benziner nicht anspringt, mit dem ich zum Elektroauto fahren will.

Mein neues, und wie ich finde: konstruktiveres, Motto ist aber: „Nicht ob, sondern wie“. Also nicht: Geht das, sondern wie geht das? Nachdem ich zehn Sekunden später damit fertig bin, wütend auf dem Lenkrad herumzuhämmern, heißt es, mal schnell den Kopf anzuschmeißen: Wie komme ich jetzt binnen 50 Minuten von der Bonner Altstadt nach Mechernich-Kommern?

Von den folgenden 10 Minuten weiß ich nur noch, was ich alles gemacht habe. Ich weiß nicht mehr, was wie lange gedauert hat und ich kann auch nicht erklären, wie es möglich ist, das alles in 10 Minuten zu packen. Aber es war anscheinend möglich.

Mein Kopf entscheidet sich spontan für Flinkster. Noch im nicht startenden Lupo lade ich mir die App herunter, steige aus dem Auto, schließe es ab, sprinte hoch in meine Wohnung, krame die vier Jahre alte Flinkster-Kundenkarte heraus, die ich auch seitdem nicht mehr benutzt habe, starte die App, habe Glück: mein Account existiert noch, lasse mir ein neues Passwort zuschicken, finde ein Fahrzeug in 500 Metern Entfernung, buche es, renne aus dem Haus, wo zufällig gerade ein Leih-Scooter vor der Tür steht, dessen App ich noch installiert habe, buche die Fahrt, fahre damit zum Parkplatz, stelle den Scooter ab, gehe zum Auto, bekomme es mit der App nicht aufgeschlossen, versuche es mit der Kundenkarte, es funktioniert, starte das Auto, verstelle auf dem Weg zur Ausfahrt Sitz und Spiegel, treffe irgendwie mit der Fernbedienung den richtigen Knopf, um das Gatter zu öffnen und bin auf dem Weg. Puh!

Ich behaupte aber auch: Das wäre im Jahr 2015 noch nicht möglich gewesen. Einmal weil es da noch keine E-Scooter gab. Aber auch, weil man sich da nicht so schnell Apps unterwegs runterladen konnte und mobile Anwendungen einfach noch nicht so reibungslos funktioniert hatten.

Müßig zu erwähnen, dass ich mich noch einmal verfahre, am Ende aber trotzdem nur 5 Minuten später als vereinbart in Kommern ankomme. Der Andrang ist so riesig, dass die Leute von Euronics Urfey ohnehin andere Sorgen haben. 😉 Aber ich bekomme meine Probefahrt mit dem Aiways U5 und bin durchaus angetan:

Wieder in Bonn, bleibt mir der Gang nach Canossa nicht erspart: der Anruf beim Pannendienst, um zum (wenn ich mich nicht verzählt habe) sechsten Mal seit meiner Mitgliedschaft um Starthilfe zu bitten. Wer kommt natürlich raus? Mein Dude, der schon meinen Espace bestens kannte und mit mir zusammen vergangenen Sommer den legendären Bus-Unfall miterlebt hat. Der Typ gehört schon fast zur Familie und darf dann natürlich auch sticheln: „Geben Sie’s zu, Sie hatten Sehnsucht nach mir!“ 😄

Den Rest der Prozedur kenne ich schon: Den Wagen jetzt mindestens eine Stunde laufen lassen, besser sogar damit fahren. Ich fahre im Feierabendverkehr nach Köln und Troisdorf, um ihn Juan zurückzubringen, der ihn eigentlich ausgeliehen hatte und von dem ich ihn mir gestern zurückausgeliehen hatte. Es ist kompliziert.

Wofür Corona immerhin gesorgt hat: Dass fast jeder in öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch mobil bezahlt. Ich hatte mich lange dagegen gesträubt (warum eigentlich?), aber mittlerweile bin auch ich eifrig dabei. (Auch wenn ein Blinder sieht, was an der SWB.Go-App noch optimiert werden könnte: die Suchvorschläge. Wenn ich nach „Dorotheenstraße“ suche, dann zeig mir doch als erstes die Haltestelle Dorotheenstraße der Stadt an, für die die App programmiert ist, nicht alle Dorotheenstraßen samt Hausnummer in ganz NRW.)

Für alle, die noch interessiert, wie die Tischtennis-Corona-Geschichte weitergegangen ist: Ich habe zum Glück einen Partner in Crime gefunden, unseren Mannschaftsführer Nico. Er hält das Hygienekonzept des WTTV ebenfalls für nicht ausreichend, möchte kein Corona bekommen und hat deswegen unsere ersten beiden Spiele nach hinten verlegt. Nun hätten wir unser erstes Spiel erst Mitte September, und sollten wir das auch noch verlegt bekommen: Anfang Oktober.

Und sagen wir’s mal so: Weil der großen Mehrheit die Maßnahmen ja ausreichen und sie es gar nicht erwarten können, wieder zu spielen, werden wir bis dahin schon deutlich genauer wissen, ob sich Corona-Fälle durch Tischtennis in Sporthallen häufen oder nicht. Und dann gucken wir noch mal. 🤷‍♂️

Mein heimliches Highlight am Aiways U5:

Bilder des Tages:

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Argh

76: Nee, lass mal

Es ist gekommen, wie befürchtet. Der Westdeutsche Tischtennisverband (WTTV) will die Saison kommende Woche ganz normal starten lassen. Unter Hygieneregeln, die für einen Draußensport ausreichen würden. Weitere Maßnahmen für drinnen sind, sinngemäß: lüfteter halt nen bisschen.

Können wir in der eigenen Halle bei den aktuellen Temperaturen auch machen. Aber was ist bei Auswärtsspielen? Und wenn’s deutlich kälter wird? Bei 10 Grad Außentemperatur stellt keiner mehr eine Turnhalle auf Durchzug. Dann frieren dir auch die Finger beim Spielen ein. Wir haben derzeit mehr Neuinfektionen pro Tag als Mitte März, als derselbe Verband es (zu Recht!) nicht mehr verantworten konnte, die Sicherheit seiner Mitglieder aufs Spiel zu setzen und die Saison abbrach. Aber jetzt soll es plötzlich wieder sicher sein?

Ebenfalls wie erwartet: Im Verein haben das alle erstmal abgenickt oder nichts dazu gesagt.

Ich habe beschlossen, das so nicht hinzunehmen. Ich will unter diesen Voraussetzungen nicht spielen. Ich sehe aber auch nicht ein, mir dafür den Schwarzen Peter unterjubeln zu lassen. Ich habe erstmal eine Mail an den WTTV geschrieben und eine Nachricht an die Vereins-WhatsApp-Gruppe geschickt. Wir haben auch ältere Leute im Verein, die eindeutig zur Risikogruppe zählen. Viele schätze ich so ein, dass sie aus Pflichtgefühl lieber nichts sagen und sich für den Verein dem Risiko aussetzen würden. Das würde ich all zu gerne verhindern.

Mal sehen, was noch passiert und was ich noch machen kann. Ich werde kämpfen.

Weg da, Partybus!

Aah! (Brühler Schloss)

Heute war schlicht mal nichts los, außer dass ich nach der Arbeit mit dem E-Bike nach Brühl gefahren bin, um Matthias zu treffen, dort erst nass geworden bin und den ganzen Abend gefroren habe (meine Regenjacke ist vielleicht doch gar nicht so toll? Ich sollte auf jeden Fall nochmal alles neu imprägnieren vor der finalen Tour.)

Zweite Ausgabe „Luft nach oben“:

Und mehr war heute nicht los. 🤷 Reicht mir aber auch schon.

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Argh

.38: Alles tut weh

Mit tut alles weh. 60km-Tour nach Köln heute Abend, und auf dem Weg zurück habe ich mich irgendwo in den Lülsdorfer Wiesen verfranst.

Malerisch! Und hätte ich nur ein Bild davon gemacht. Aber es hat nur für die Alte Liebe in Köln-Rodenkirchen gereicht…

Ich bin nicht mehr gemacht für solche Strecken, auch wenn ich 60km gar nicht so schrecklich viel finde… Da muss ich wohl noch viel trainieren.

Nach der mittlerweile 3. Testfahrt innerhalb der zwei Tage denke ich mir: Irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht, das Konzept E-Bike. Bis 25 km/h zieht der Motor rasant an, nur um dich dann bei 27 km/h deinem Schicksal zu überlassen. Knackpunkt ist die Schwelle. Jedes Mal, wenn du von einer hohen Unterstützung kommst und dann die 25 km/h überschreitest, fühlt es sich an, als würdest du rüde abgebremst.

Vermutlich trainierst du als E-Biker irgendwann, möglichst effizient die 25 km/h zu halten und möglichst selten zu überschreiten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum E-Bikes als Rentnerfahrzeug verschrieen sind. Ich würde so gerne 30 oder 35 damit fahren. Kann ich auch, aber dann mit Muskelkraft…

So im Nachhinein hätte ich mir vielleicht doch lieber ein S-Pedelec geholt (Unterstützung bis 45 km/h!). Ich recherchiere gleich noch mal…

Was ich dem Konzept E-Bike aber zugestehen muss: Kannst du nicht mehr (und das war bei mir am Ende der Tour heute der Fall), dann schaltest du einfach auf 3 oder 4 (höchste Stufe), bewegst die Beine ein bisschen und riderst damit easy mit 25 km/h weiter. Das ist im Grunde enorm – nur wenn ich noch gut kann, dann mir irgendwie zu wenig.


Heute Nacht stirbt eine stabile Demokratie, und keinen interessiert’s. Das Radio hat einmal heute Morgen kurz darüber berichtet, dass China das „Sicherheitsgesetz“ für Hongkong durchgewunken hat, es war von „internationaler Kritik“ die Rede, und das war’s dann auch. Heute Abend schon nichts mehr davon in den Nachrichten. Und das finde ich ganz schön schwach, verdammt schwach um genau zu sein. Bei allem Moralischen wird immer auf die Weltpolizei (USA) geschielt, aber, ernsthaft? Die haben sich nicht erst seit dem Donald zumindest vom Thema Gleichberechtigung verabschiedet. Eine Mini-Demokratie irgendwo südlich von China ist denen egal.

Uns aber auch, und das ärgert mich noch mehr. Was tun wir Europäer? Wo ist der Aufschrei? Haben wir gerade wirklich nur uns selbst und Corona im Blick, und wie wir möglichst schnell unser China-Zeugs nach Hause kriegen? Ich gehe nicht davon aus, dass wir die Chinesen groß umgestimmt hätten. Aber wir hätten es wenigstens versuchen können!

Speaking of which, auch als Ergänzung noch zu gestern: Journalisten sind meiner Meinung nach viel zu lange zu devot aufgetreten. Nur weil es einige schwarze Schafe unter uns gibt (und die gibt es, keine Frage!), heißt das noch lange nicht, dass wir uns gegenüber offensichtlichen Idioten reumütig oder gar unterwürfig verhalten sollten. Das bestärkt Verschwörungsmythiker wie Hildmann ja nur noch. Bei mir ist damit jetzt Schluss. Wer mir mit pauschalen Vorurteilen gegenüber Journalisten kommt, wird sich künftig was anhören müssen.

Philipp Daum hat auf Zeit.de einen Reisebericht über Alaska geschrieben, der eigentlich jetzt schon genauso Kult ist wie Jack Londons „Ruf der Wildnis“ oder Sean Penns Verfilmung von „Into the Wild“. Denn Daum war (wegen Corona) gar nicht da, aber hat alles unternommen, um mit allen Sinnen irgendwie doch da zu sein. Er hat die ganze Strecke auf Streetview abgeklappert, kam mit Einheimischen in Kontakt (per Telefon, Mail und Radio), ist mit einem Flugsimulator mitgeflogen, hat zeitgleich in seiner Berliner Altbauwohnung gezeltet, Lachs gebraten, ein Duschgel namens „Alaska“ gekauft. Da ist ein echtes Meisterwerk entstanden! Kudos, Philipp Daum, und auch Zeit.de dafür, sich auf so eine abgefahrene Idee einzulassen.

Mitten im Wald (war gestern noch mit dem E-Bike im Kottenforst) hast du plötzlich Kunst…

Wirkt schon alles bisschen Blair-Witch-mäßig… Denn ich kam noch an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein…

Was mag das hier für ne hübsche Gegend sein!

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Argh

.37: Wehrt euch!

Ihr habt mich selten so wütend gesehen.

Ein Journalistenteam filmt eine Demo gegen Corona-Lockdown-Maßnahmen, plötzlich kommt Attila Hildmann auf das Team zu. Er beleidigt die Journalisten als „Faschisten, wir werden eure Namen finden und dann gucken wir mal weiter“, droht also eine Straftat an. Zu einem der Journalisten, die er ganz nebenbei duzt (Tatbestand der Beleidung, vor allem aber eine Respektlosigkeit), sagt er: „Zisch mal ab. Abflug!“, als er hätte er dort das Hausrecht. Was schon deswegen nicht geht, weil die Demo draußen in aller Öffentlichkeit vor dem Messegelände in Charlottenburg stattfindet.

Einige seiner Mitdemonstranten zücken die Handykameras, filmen ihrerseits die Journalisten. Das dürfen sie auch nicht einfach so. Jemanden ohne dessen Einverständnis zu filmen, etwa als Retourkutsche, ist etwas völlig anderes, als bewusst in eine Aufnahme zu laufen. Außerdem gibt es noch einen wichtigen Unterschied: Filmen darf man ein Ereignis der Zeitgeschichte, zu der auch eine Demonstration gehört, grundsätzlich, die Bilder auch veröffentlichen: kommt drauf an. Ein Grund für die Veröffentlichung ist dann gegeben, wenn das öffentliche Interesse den Schutz der Persönlichkeit übersteigen könnte. Hier sei zum Beispiel auf den berühmten Hutbürger hingewiesen. Da ist das öffentliche Interesse an der Person Hildmann natürlich größer als an ein paar unbekannten Journalisten.

Irgendwann wird einer der Demonstranten handgreiflich, die Polizei steht daneben. Der YouTuber Stefan Bauer, der zu den Demonstranten gehört, geht auf den Kameramann zu und missachtet bewusst den 1,50-Meter-Sicherheitsabstand mit dem Argument, er sei auch Journalist (korrekt, ist keine geschützte Berufsbezeichnung, im Prinzip ist nach Art. 5 (1) GG jeder ein Journalist), da dürfe er jeden einfach so interviewen (Blödsinn) und da müsse er keine Abstände einhalten (Schwachfug). Das Journalisten-Team hatte keine Abstände missachtet.

Einige Demonstranten fordern die Polizisten auf, einen der Journalisten nach seinem Presseausweis zu fragen, als wäre das Notwendigkeit dafür, eine Demonstration zu filmen (ist es nicht, darf praktisch jeder, siehe wieder Art. 5 (1) GG, sollte auch jeder wissen, zumindest Polizisten). Das Ganze schaukelt sich hoch, mehr Demonstranten kommen drohend auf die Journalisten zu, fragen: „Na, fühlen Sie sich bedroht?“. Die Polizisten greifen erst auf Bitten der Journalisten ein.

Überrascht über das alles bin ich nicht, irgendwo fassungslos dann aber doch. Was mich daran am meisten aufregt, mehr noch als das Selbstverständnis eines Angriffs auf Journalisten (als wären die plötzlich die Bösen in diesem Land, blöde, maßlos übertriebene Pauschalisierung), ist die devote Haltung der Journalisten gegenüber dem radikalen Koch und seinen außerirdischen Hohlköpfen. „Können Sie bitte ein bisschen Abstand halten“ ist schon die größte Beschwerde des Kameramanns. So als wäre das einzige Fehlverhalten des Verschwörungsmythikers, dass er die Corona-Abstandsregeln nicht einhält. Was ist aus „Keinen Fußbreit den Faschisten“ und Zero Tolerance gegenüber Dummheit geworden?

Wer bitte ist denn hier im Recht? Hildmann ja wohl nicht. Die Journalisten filmen die öffentliche Veranstaltung (dürfen sie), Hildmann tritt selbst vor die Kamera. Er darf als Person des öffentlichen Lebens außerhalb seiner Privatsphäre ohnehin gefilmt werden, ganz besonders aber auf einer öffentlichen Veranstaltung. Er stellt sich hier sogar noch in den Vordergrund, kommt von sich aus auf die Journalisten zu. Spätestens nach seinen Drohgebärden ist also auch das öffentliche Interesse da. Darf man filmen, zu 100 Prozent sicher. Im Video sieht man noch, wie die Journalisten versuchen, mit ihm in den Dialog zu treten, als wäre er dafür offen oder das Ganze der richtige Rahmen dafür.

Hildmanns Ziel ist ohnehin offensichtlich: Die Bühne zu nutzen, um seinen Jüngern zu zeigen, was man mit Journalisten in diesem Land anscheinend mittlerweile so alles machen kann. Beleidigen, einschüchtern, mundtot machen, Körperverletzung begehen.

So benimmt sich nur jemand, der offenbar meint, dass er dabei im Recht ist (ist er nicht) und keine Konsequenzen fürchten muss. Was bestärkt ihn? Dass er das offenbar wirklich nicht muss… Oder erwägt ein gewisser Bundesinnenminister auch hier eine Klage? Wohl nicht. Polizisten sollen geschützt werden (das ist seine Aufgabe, und das ist auch richtig), Journalisten aber offenbar nicht – dabei wäre das auch seine Aufgabe. Schärfere Gesetze gegen jeden Mist – warum nicht auch mal für den Schutz von Journalisten? Schutz vor körperlicher Versehrtheit, Schutz vor Angriffen wild gewordener Verschwörungsmythiker und – längst überfällig – eine Anonymisierung für Publizisten im Web. Die rechte PI-News etwa hat kein Impressum, jeder kleine Blogger muss eins haben – und kann damit am Telefon oder zuhause belästigt werden.

Grafik: RSF

Was ist das für ein Land, in dem die Jagd auf Journalisten eröffnet ist, indem die Jäger nichts zu befürchten haben? Wie lange sind wir dann noch eins der letzten 14 weiß markierten Länder in der Weltkarte der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ (s.o.)? Oder anders gefragt: Wie echt ist noch eine Demokratie, in der die Vierte Gewalt nicht gefahrlos arbeiten kann? Gibt es dann überhaupt noch Pressefreiheit?

Es fängt aber schon bei der Haltung der Journalisten an, auch untereinander. Wenn einer sogar Verständnis dafür äußert, dass ein Sido außerhalb seines Hauses gegenüber Journalisten handgreiflich wird, um sich danach in den sozialen Netzwerken dafür die Bestätigung zu holen, dann ist das ein Schritt zu weit. Wenn vermummte Demonstranten ein Team der Heute-Show brutal überfallen können, dann ist das viel zu viel. Wenn ein wild gewordener Verschwörer jedes Fernsehteam einfach so niedermachen kann, dann ist das un-er-träg-lich.

Es fängt allerdings schon bei der eigenen Arbeitseinstellung an oder sagen wir: zu devotem Verhalten. Vielleicht waren wir auch alle einfach zu lange zu nachsichtig, zu zurückhaltend, zu selbstunsicher. Sowohl im Netz, in Diskussionen am Stammtisch, bei der Arbeit auf der Straße. Das hier ist eine (relativ) neue Situation, und das hat so noch keiner erlebt, da steht man oft wie der Ochs vorm Berg. Aber hier ist Selbstbehauptung gefragt, keine Devotion. Warum hört man gegen einen Hildmann, der vor die Kamera tritt, nicht einmal so etwas wie „Verschwinden Sie!“, „Halten Sie gefälligst Abstand!“, „Was bilden Sie sich ein?“ oder „Wenn Sie nicht gefilmt werden wollen, dann gehen Sie nach Hause!“?

Ich bin wütend.

Die Spielregeln sollten natürlich auf beiden Seiten gelten. Ein eindeutiges „Ich möchte nicht gefilmt werden“ von Seiten einer Einzelperson – das muss akzeptiert werden, wenn das öffentliche Interesse nicht gegeben ist. Ja, auch bei einem Promi, der sich nichts zu Schulden hat kommen lassen und gerade nicht im öffentlichen Interesse steht. Das war aber bei Hildmann und bei Sido der Fall. Und das gilt natürlich nicht für größere Menschenansammlungen und schon gar nicht, wenn einer in die Kamera läuft.

Argh…

Noch bisschen was Erfreulicheres: Mein E-Bike wurde geliefert:

Erster Eindruck, leider: Gutes Teil, aber ich hatte mir das Ganze wohl etwas zu einfach vorgestellt. Das Ding hat 4 Stufen der Unterstützung. Mein erster Test heute den Bonner Kreuzberg hinauf (eine der höchsten Steigungen hier) mit Stufe 4 bedeutet aber nicht, dass ihr mal eben schnell den Berg rauffliegt. Ihr kommt mit 10 km/h recht gemütlich hinauf. Auf die Art schafft der Akku aber nicht einmal 20km. Außerdem würde ich eigentlich lieber schneller fahren als 10 km/h, aber dann muss ich doch wieder die meiste Kraft selbst leisten und komme ganz schön ins Schwitzen.

Deutlich weiter komme ich bei Stufe 1 (ca. 80km) oder 2 (50km). Das Problem hierbei: Das E-Bike ist verdammt schwer, etwa doppelt so schwer wie mein ohnehin schon recht schweres „Normalfahrrad“. Das heißt, um den Brocken überhaupt in der gleichen Geschwindigkeit anzuschieben, ist Stufe 2 schon notwendig.

Das dritte Problem: Die Unterstützung geht in allen Stufen nur bis 25 km/h. Darüber seid ihr auf euch alleine gestellt. Ich habe aber heute dank Tacho und Tests noch einmal gemerkt, dass meine Lieblingsgeschwindigkeit zumindest auf gerader Strecke eigentlich eher 30 km/h und noch etwas mehr ist. Das heißt, da strampel ich mir mit einem E-Bike fast genauso einen ab wie mit einem normalen Fahrrad. In diesem Sinne:

Jetzt ist die Frage, ob es sich auf langer Strecke, bei viel Gegenwind und krassen Steigungen (wie in der Schweiz zu erwarten) nicht doch irgendwie auszahlt. Ein 25er-Schnitt wäre ja an sich nicht schlecht und mit dem Ding fast zu halten. Das werde ich dann in den nächsten Tagen mal ausprobieren. Wenn das alles nicht überzeugend genug ist, dann, ganz ehrlich, muss das Ding eben wieder zurück…

Auf dem Kreuzberg ist’s aber immer hübsch: