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So bored, I could do stuff

Stress kommt ja manchmal schleichend, und ich bin ausgelaugt, auch wenn ich objektiv gar nicht so viel gemacht habe. Jetzt nach einer Woche Weihnachtsurlaub bin ich deutlich entschleunigter. Ich hatte jeden Tag mit Menschen zu tun, was schön war, aber letztlich auch die Social Battery geleert hat. Also habe ich mir mal drei Tage im Stillen verordnet. Niemand sehen, niemand hören, nur faul auf der Couch liegen.

Kriege ich für zwei, drei, vielleicht auch mal vier Stunden hin, aber dann passiert für gewöhnlich was, und es nennt sich: Aktionismus. Der Volksmund könnte auch „Hummeln im Hintern“ dazu sagen. Mir ist dann so langweilig, ich will unbedingt etwas tun, aktiv werden. Meistens gibt es ja um die Weihnachtstage genug zu tun. Geschenke ausprobieren und wegräumen, Geschenkpapier oder Adventskalender entsorgen, mal durchsaugen, Wäsche machen, Bloggen

Damit bin ich tatsächlich schon durch. Jetzt gerade habe ich deswegen begonnen, meine elendige Flurkommode auszuräumen. Die besteht aus den fünf Schubladen:

  • Leben
  • Elektronik
  • Werkzeug
  • Sport & Spiel
  • Kartons für Elektronik, die ich noch weiterverkaufen könnte

Und da sammelt sich binnen kürzester Zeit allerhand Gerümpel an, das mühsam wegminimiert werden will. Also mal gemacht. Dauert dann auch 1-2 Stunden + spätere Mülltrennung & Verkauf, was natürlich noch weiteren zeitlichen Aufwand nach sich zieht.

Es geht sogar so weit, dass ich gelegentlich an einem solchen Tag etwas arbeite. Zum Beispiel ein Foto von einem Gerät mache, das ich gerade teste und ausprobiere, weil ich eh schon dabei bin.

Der Punkt ist: Ich bin an solchen Tagen, an denen ich eigentlich nichts machen will, meist produktiver als an Arbeitstagen, an denen ich weiß, dass ich was machen muss. Und noch habe ich leider nicht geschafft, das produktiv einzusetzen. Auf meine Arbeit habe ich eben dann leider nicht immer gerade Bock, wenn sie ansteht. Auf das, was ich an einem gelangweilten Tag mache, aber irgendwo schon. Aber es ist für mich nicht planbar. Ich mache da irgendwas, was mir spontan in den Sinn kommt. Ein Mittel, um das auf der Arbeit auch so zu machen, habe ich leider noch nicht gefunden. Schade.

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2025

Okay, gleich vorweg: Für dich als Leser dieses Blogs war es sicher ein enttäuschendes Jahr. Bitte gehen Sie weiter, hier gab es nichts zu sehen. Man könnte annehmen, mir wäre nichts Berichtenswertes passiert. Aber das Gegenteil ist der Fall: Je mehr mir passiert, desto weniger habe ich meist das Bedürfnis es zu verbloggen. Es ist ja schon erlebt.

Was mich zum zweiten Grund bringt: Ich schreibe gerade ein Buch, was eine Art Tagebuch ist. Beinahe tägliche Einträge. Da bleibt nicht mehr viel übrig zum Verbloggen. Sorry auch dafür. Aber kauf dir das Buch, wenn es irgendwann mal fertig sein wird. Da steht dann alles drin, was hier nicht stand.

Ein Problem habe ich noch nicht gelöst: Es scheint eine Menge auszumachen, für welches Medium und mit welcher Software man schreibt. Hier auf dem Blog fließen die Worte meist nur so. Wenn ich vor meinem Tagebuch sitze, bekomme ich das meist nicht gut geschichtsmäßig in Form gebracht. Aber einfach hier im Blogeditor Tagebuch zu schreiben, funktioniert auch wieder nicht. Seit ein paar Tagen bin ich probeweise auf iA Writer umgestiegen und dessen Minimalismus fühlt sich eigentlich sehr gut an. Problem ist aber jetzt eh, den ganzen Rohtext schönzuschreiben. Das wird eine Menge Arbeit werden.

Wie war 2025 so für dich? Für mich ein Jahr großer Veränderung, auch wenn man von draußen gar nicht so viel davon sieht. Nicht das erste dieser Jahre, aber definitiv besser als 2023. Und auch als 2024, aber ein hartes Jahr in dem viel erkämpft werden wollte, mit Rückschlägen, aber auch großen Erkenntnissen, die mir sehr lieb sind. Mit Happy End? Wird sich noch zeigen.

Für 2026 steht ein erstaunlich klarer Plan, wie es weitergehen soll. Aber dazu bei Zeiten mehr. Dir und mir, also uns, erst einmal einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2026. Wir können es brauchen!

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Tempo

Tja, Achtsamkeit…

Vor einer Woche belegte ich einen MBSR-Kurs in einem Kloster in der Eifel. Eine ganze Woche lang täglich Meditationen, Yoga, Bodyscans, Achtsamkeits-Theorie, Spaziergänge, Austausch mit zehn tollen, ruhigen, sehr reflektierten Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation.

Keine Esoterik übrigens, sondern basierend auf wissenschaftlichen Studien. Klar, dass ich mir hinterher natürlich trotzdem ein paar kecke Sprüche anhören musste, zumal wir zumindest einen Tag auch geschwiegen haben. 🙂 Geschenkt.

Alles für den Moment komplett entschleunigt, das ganze Leben einmal ganz durchleuchtet irgendwie. Und dann: Zurück in den Alltag.

Noch bei der Abschlussrunde gab ich der Kursleiterin als Feedback: Das alles wäre wie ein schöner Urlaub für mich gewesen, aber ab Montag ginge es ja zurück in die Realität. Und die würde regiert von lauten, unreflektierten Haudraufs wie Trump.

„Na ja“, entgegnete sie. „Das hier ist ja irgendwo auch ein Teil der Realität.“

Am Schluss blieb für mich der Wunsch, zumindest einiges von dem mit in den Alltag zu heben, und eine wichtige Erkenntnis:

Ich mache in meinem Leben alles immer schnell.

  • Ich arbeite schnell
  • Ich bewege mich schnell
  • Ich putze mir morgens schnell die Zähne und höre dabei schon mal schnell die Nachrichten
  • Danach geht es schnell einen Kaffee kochen und zack an die Arbeit
  • Ich tippe schnell
  • Ich kaufe schnell ein
  • Ich beende Gespräche schnell
  • Ich esse schnell
  • Ich rede schnell…
  • Ich muss dann schnell noch mal …

Immer alles schnell, schnell, schnell, schnell, schnell.

Warum eigentlich?

Am zweiten Arbeitstag erkannte ich zumindest eins der Symptome dafür. Ich bin in meinem Job quasi Mädchen für alles, erledige jede Woche gefühlt siebenundreißig Dinge gleichzeitig. Ein Stück verlangt und belohnt unsere Gesellschaft auch schnelles Handeln. Wer schnell ist und trotzdem hochwertige Arbeit abliefert, den liebt der Arbeitsmarkt. Wer viele Aktivitäten in seinen Alltag unterbringen kann, auf den schaut das Umfeld mit Respekt. Viel-viel bedeutet aber auch wieder schnell-schnell.

Der eigentliche Grund ist bei mir aber ein anderer, ein tiefenpsychologischer. Ich bin aufgewachsen mit dem Gedanken, nicht klug genug, auf Zack genug, attraktiv genug, gut genug, schnell genug, genug zu sein. Der Autor Jack Brody schreibt mir in einem aktuellen Essay aus der Seele: Erst waren es tatsächliche Kritiker, aber die braucht es längst nicht mehr, denn der innere Kritiker hat übernommen und übertönt seitdem alles.

Bei mir war ein richtiger innerer Diktator am Werk, fast ein Nazi. Ist erst ein paar Monate her, dass ich ihn vor meinem geistigen Auge feierlich gestürzt und gegen einen toughen, aber gutmütigen Lenker ersetzt habe. Das schaltet Prozesse, die sich über Jahrzehnte eingespielt haben, nicht von heute auf morgen ab. Aber es wird besser.

Nun, nach gut einer Woche seit dem Ende des Seminars habe ich einiges in den Alltag rübergeholt und alles ist etwas langsamer geworden. Ich habe seitdem täglich einen langsamen, achtsamen Morgenspaziergang eingelegt, ich schreibe mir einen eher entschleunigten Tagesplan in die Kladde und habe gestern mal einen Lazy Workday eingelegt. Dazu muss ich vielleicht noch einmal separat bloggen. Ich habe einfach mal einen Tag lang nicht schnell-schnell, sondern so langsam wie möglich gearbeitet – mit mehr oder weniger dem gleichen Arbeitsergebnis.

Noch muss ich mich zur Langsamkeit zwingen. Langsam ist nach all den Jahren der Hochgeschwindigkeit eben einfach nicht antrainiert.

Und ich suche noch nach meinem perfekten Tempo. Denn gaaanz langsam ist dann auch wieder nicht meins. Wenn mein Herbst-und-Winter-Alltag die 100 sind und der Sommer die 150, dann könnte ich mir gut vorstellen, am Ende irgendwo bei 30 bis 60 zu landen.

Entschleunigen ist nicht leicht, aber ich möchte es versuchen.

*

Pudding mit Gabel

In Wien haben sich am Sonntag Vertreter der Gen Z in einem Park getroffen, um Pudding mit einer Gabel zu essen. Ein junger Mann hatte in den sozialen Medien dazu aufgerufen. Hunderte kamen. Der Trend stammt ursprünglich aus Karlsruhe.

Und die gesammelten O-Töne der Wiener Zeitung sind einfach wunderschön. Die Leute hatten einfach Lust, in einer kaputten Welt, in der jeder irgendwie nur noch für sich ist und täglich stundenlang aufs Handy starrt, endlich mal wieder andere Leute zu treffen, die die absurde Idee genau lustig fanden wie sie. Reale Kontakte mit normalen Menschen in einer Welt, die von Verrückten regiert, von Reichen und Schönen dominiert wird und jeder nur noch irgendwie funktionieren soll.

Ich sehe immer mehr Initiativen, die das so nicht mehr wollen. Social ja, Network auch, aber bitte mit echten, menschlichen Kontakten. Me too, please!

*

Milka Brotaufstrich

They nailed it. Die Bezeichung „Haselnusscreme“ ist natürlich quatsch, sind nur 5 Prozent Haselnüsse drin. Das ist ein Schokobrotaufstrich, flüssige Milka-Schokolade. Und fertig. Verdammt lecker und – überraschend – ohne Palmöl.

Nanu, der eklige Konzern Mondelez, der hinter Milka steht und sich sonst für keine Trickserei zu schade ist, in einer edlen Mission unterwegs?

Ich glaube eher an Marketing. Palmölfrei, um am Markt anzukommen und Nutella ein paar Marktanteile abzujagen. Aber sobald das läuft, kommt die „verbesserte Rezeptur“ mit Palmöl – jede Wette. Ich gebe dem 1-2 Jahre.

*

Can you English please

Diese Almgaudi-Ballermann-Oktoberfest-Hits sind eine Klasse für sich. An der Gürtellinie wird fest gezurrt, aber gerissen wird sie – meist – nicht. Oft aber die gleiche Leier zu einem pappigen Beat. Wobei ich hin und wieder einen solcher Song ganz witzig finde. „Ich überleg mit dem Saufen aufzuhören, aber ich schwanke noch“ bringt mich immer zum Schmunzeln. Ich kann den Song mittlerweile auf der Ukulele nachklimpern.

Und dann spielte mir Spotify neulich diesn Song der Schweizer Pop-Folk-Band Fäaschtbänkler, die mittlerweile einige Hits in der Sparte gelandet haben. Und ich war überrascht, sogar ein wenig von der Musik und der Story begeistert. Typ versucht sich auf plumpe Art an eine Frau ranzuschmeißen, aber dann kommt alles ganz anders. Schöner Song!

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Das Leben ist ein seltsames Spiel

Mir neulich mal wieder bewusst geworden, dass ich in meiner Freizeit eigentlich kaum mal etwas spiele. Brettspiele mit anderen schon selten, aber fast noch häufiger als Computerspiele, was für andere das Höchste ist. Ist nach dem C64 nie wieder richtig mein Ding geworden, viel auch, weil ich irgendwann wusste, dass da zu viel Zeit bei draufgeht.

Manchmal blicke ich aber schon fast ein wenig neidisch auf alle, die mal eine Call-of-Duty-Phase hatten (nie gespielt), die Fallout (auch nicht), The Last of Us (no, no, never) oder anderes mal gezockt haben. Dadurch ist mir auch viel entgangen.

Was mache ich dann als Single ohne Kinder und große Karriereambitionen mit meiner ganzen Freizeit? Na ja paar so Sachen, z.B.:

  1. Dating
  2. Ukulele
  3. Tischtennis
  4. Nach einem Gebrauchtwagen suchen
  5. Lesen
  6. Ein Buch schreiben

Und vielleicht ahnst du schon, worauf ich jetzt hinaus will. All das kann man auch als Spiele begreifen, muss man eventuell sogar:

  1. Dating: Was du da alles falsch machen kannst und auch erst mal lernen musst, über dich, über andere, über das Flirten, über das richtige Kommunizieren, das Treffen IRL. Wie du lernst, besser darin zu werden, alles nicht mehr so ernst zu nehmen und das Ganze – nun ja – spielerischer zu sehen.
  2. Ukulele: Ich spiele jeden Tag ein paar Minuten auf dem Instrument, meistens Songs, die mir gerade in den Sinn kommen und wodurch ich immer ein paar neue Akkorde lerne. Es ist toll zu sehen, wie man darin über die Zeit immer besser wird, wie in einem Computerspiel.
  3. Tischtennis ist ohnehin ein gamifizierter Sport. In Deutschland gibt es ein Punktesystem, das ungefähr deine Spielstärke anzeigt. Ich hatte neulich 1500 Punkte, jetzt wieder etwas weniger, und ich will dort wieder hin. Irgendwie will man das. Dazu will ich mehr trainieren und mehr Spiele gegen andere Gegner machen.
  4. Okay, ein Autokauf als Spiel betrachten… Zumindest als etwas, in dem man besser werden kann. Nachdem ich mit ChatGPTs Hilfe neulich von einem Gebrauchtwagenkauf Abstand nahm und mich seitdem bei Freunden und –wieder – ChatGPT nach geeigneten Modellen erkundige und dabei immer mehr über Autos lerne, besser darin werde, wie bei einem Spiel.
  5. Lesen: Zuweilen lese ich vier Bücher gleichzeitig. Auch eine Art von Spiel. Und ich habe das Gefühl, dass ich mit etwas Training schneller lese, mehr Dinge behalte, viel lerne und Lust habe, weitere Bücher zu lesen.
  6. Ein Buch schreiben. Okay, was ich da gerade als Buch verzapfte, ist mehr oder weniger ein Tagebuch. Und sollte das irgendwann mal als echter Roman rauskommen, muss da noch viel dran gefeilt und anonymisiert werden. Vor allem aber muss da noch mehr Tiefe, Variation, ja, Spiel rein. Und Literaturtechniken nähert man sich eher spielerisch.

Okay, und dann noch die ganzen Scharaden auf der Arbeit, Dinge automatisieren, ähnlich wie Spielen, um besser darin zu werden, Herausforderungen zu meisten.

Also ja, eigentlich spiele ich genug. Und du? Bleibt natürlich die Frage, was mit echten Gaming-Leckerbissen wie GTA ist, von dem der sechste Teil immer näher rückt. Würde ich schon auch gerne spielen. Aber woher die ganze Zeit nehmen, wenn das ganze Leben schon irgendwo ein Spiel ist?

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2025

Okay, Neujahrsvorsätze für 2025:

  • Lernen glücklich zu werden (ja, ist lernbar)
  • Auf Reise gehen
  • Vorher (und unterwegs) lernen, das Buch zu schreiben
  • Vorher (und unterwegs) noch eben Social Skills lernen

Das ist es eigentlich „schon“. Klingt wenig, aber wenn man das mal aufdröselt, verbergen sich hinter jedem einzelnen Punkt dutzende, wenn nicht hunderte Subtasks. Ich hoffe, ich finde die Zeit dafür.

Und ganz nebenbei kann ich mal den Klassiker „5 Kilo abnehmen“ hinzufügen. Die habe ich mittlerweile nämlich wirklich nötig…

Eure wichtigsten Vorsätze?

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Den Februar überspringen

Neuwahlen am 23. Februar. Dann ist eigentlich klar, wo man im Februar am besten ist: Mit bereits abgegebenen Briefwahlunterlagen ganz, ganz, ganz weit weg. Das wird der hässlichste Wahlkampf werden, den die Bundesrepublik je gesehen hat. Dabei steht das Ergebnis ja schon fest. Ausgehen wird es so:

  • CDU/CSU wird stärkste Kraft (25-28%)
  • AfD zweistärkste Partei (20-25%)
  • SPD und Grüne je etwas über 10%, wobei das bei den Grünen schon knapp wird
  • Sahra Wagenknecht kanpp unter 10%
  • FDP um die 5% – werden aber nicht so krass abgestraft, wie sie es eigentlich verdient hätten.

Freut euch also auf eine Kenia-Koalition mit Union, SPD und Grünen. Und die wird maximal ein bisschen besser funktionieren als die Ampel.

Der Februar ist generell kein schöner Monat, er wird durch den Wahlkampf noch hässlicher, Karneval, worauf ich diesmal sogar ein wenig Lust habe, ist erst im März. Kann man den Februar also getrost überspringen.

Die Frage ist jetzt eigentlich nur noch: wo macht man das am besten? Marokko, Indonesien oder noch woanders, wo es warm ist, deutsche Politik kein Thema und wo man gut remote arbeiten kann. Was ratet ihr?

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People

Hätte nie gedacht, dass ich mal dahin kommen würde, dass es mir Spaß macht, neue Leute kennenzulernen.

Eventuell liegt das daran, dass es mich sehr viel Energie kostet, Energie, die ich in den kalten Monaten oft nicht habe, und dass ich zu allem Überfluss dazu tendiere, in stressigen Situationen zu schwitzen. Und da gehört das Kennenlernen unbekannter Menschen dazu. Klar, manchmal sind auch welche dabei, mit denen man weniger anfangen kann. Aber ich habe zuletzt die Erfahrung gemacht, dass es sich fast immer lohnt.

Für wenn es wieder Herbst wird und ich mich dann frage, warum ich unbedingt von der Couch aufstehen sollte, hier erneut eine Note to Self als Erinnerung:

  1. Man kann von jedem etwas lernen
  2. Viele haben spannende Geschichten zu erzählen
  3. Und kennen tolle Urlaubsziele, haben Hobbys oder arbeiten für Organisationen, von denen du noch nie gehört hattest
  4. Sie bringen andere Perspektiven in deinen Alltag (besonders Menschen aus einer anderen Generation und/oder einem anderen Kulturkreis)
  5. Sie kennen weitere interessante Menschen (privat/beruflich) und können dich mit ihnen zusammenbringen
  6. In fast jedem Land im Ausland, in dem ich war, waren die Menschen netter und aufgeschlossener zueinander als hier. Gerade Menschen im Ausland oder Menschen aus anderen Kulturkreisen hierzulande kann es sich lohnen anzusprechen.

Könnt ihr übrigens auch, wenn ihr bislang davor zurückschreckt. Und wenn doch mal jemand dabei ist, mit dem man nicht harmoniert (vielleicht sogar der ganzen Gruppe), dann einfach weitergehen.

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Kind sein

Ich werde öfter jünger geschätzt, als ich bin. Gestern, als ich nach Hause kam, traf ich meine Nachbarn von unten mit einem befreundeten Pärchen und deren Tochter im Garten. Ich smalltalkte eine Weile mit ihnen. „Schätz mal, wie alt Jürgen ist“, bat meine Nachbarin irgendwann das Mädchen, das in die dritte Klasse geht. Sie überlegte kurz und sagte dann: „Ich glaube, vielleicht so: 31?“

Ich bin natürlich um einiges älter, fühle mich dann aber immer sehr geschmeichelt. Wenn der-/diejenige überrascht über mein wahres Alter ist, sage ich dann oft, wie gestern auch, halb im Scherz: „Ich bin einfach noch nicht erwachsen geworden.“ Gestern fügte ich aber hinzu: „Vielleicht sollte ich das langsam mal.“

„Weiß ich nicht, ob das gut wäre“, antwortete meine Nachbarin. „Was wäre denn dann anders?“

Ja, was wäre dann eigentlich anders? Ich hab darüber mal ein wenig nachgedacht. Ich wäre dann wahrscheinlich verheiratet und hätte eine Doppelhaushälfte irgendwo im Speckgürtel, vielleicht auch 1-2 Kinder. Einen Job mit Leitungsfunktion, eine Mittelklasselimousine einer deutschen Marke als Firmenwagen. Ich wäre immer noch etwas unkonventionell, würde nicht voll in meiner Arbeit aufgehen, eher, wie mein Vater, im Garten und am Haus werkeln, und wäre auch in dieser alternativen Realität im Tischtennisverein aktiv. Mein Leben wäre… anders… Aber wäre es auch besser?

Einen Job mit Leitungsfunktion habe ich im Grunde, auch wenn der wieder etwas unkonventionell ist. Ich verdiene nicht schlecht. Dadurch, dass ich kein Haus und keinen Garten habe, benötige ich auch weniger Geld zum Leben und dürfte den ähnlich bescheidenen Wohlstand haben, den mein mehr verdienendes Alternativ-Ich wahrscheinlich auch hätte.

Wenn ich das wirklich, wirklich, wirklich gewollt hätte: Die Chance zu heiraten und dann auch Kinder zu kriegen, war mehrfach da. Ich habe sie jeweils ausgeschlagen, weil mir Werte wie Freiheit und Selbstbestimmheit wichtiger waren, mit den entsprechenden Konsequenzen. Gegen eine Doppelhaushälfte – oder noch eher ein klein Bungalow mit Minigarten – hätte ich nichts. Aber für diesen Traum hätte ich – haben viele andere in den letzten Jahren – teuer bezahlt.

Nur eine Sache wäre wirklich anders, wenn ich das Leben eines Erwachsenen leben würde: Ich würde Verantwortung für jemanden übernehmen. Das ist tatsächlich das, was ich noch nie in meinem Leben für mehr als ein paar Stunden musste.

Wobei ich mir das zutrauen würde.

Ach, und dieses Kind-Erwachsenen-Ding kam neulich auch einmal bei einer Fortbildung zu Tage. Ich besuche derzeit einige Kurse über kreatives Schreiben. Bei einer Übung verlangte die Dozentin tatsächlich: „Stellen Sie sich vor, Sie wären noch einmal Kind. Ich weiß, das hat man uns allen im Laufe des Lebens abtrainiert, aber…“

Ja, das hatte man uns in der Schule abtrainiert. Viel zu früh in meinen Augen und teils auch auf einen Schlag. Profitiert haben davon diejenigen, die unbedingt schnell erwachsen werden wollten, geschwollen reden konnten und heute Ärzte oder Rechtsanwälte sind. Sind die wohl besser, reicher, glücklicher?

Ich glaube, sie sind erwachsener. Mehr aber auch nicht.

*

Important note to self: Telefonat mit meiner Schwester hat meine Stimmung heute um 180 Grad gedreht. Zum Guten! Meine Abneigung gegenüber dem Telefonieren relativiert sich langsam. Es kommt aber anscheinend schon darauf an, mit wem man worüber telefoniert.

Ja, für mich kommt das überraschend. 😉

*

Eminem – Houdini

Wohl das neueste Video, das ich hier jemals gepostet habe (via Hendrik). Eminem macht immer noch Laune, das Video auch. Lässt sich nur leider hier nich einbetten, müsster auf YouTube gucken.

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The One Thing You Can’t Beat

Es gibt diesen Film „Manchester by the Sea“ mit Casey Affleck, in dem der Hauptdarsteller nach einem schweren Schicksalsschlag einfach nur versuchen muss, ein normales Leben zu führen. Das gelingt ihm jedes Mal so weit, bis er dann doch wieder an diesen Schicksalsschlag erinnert wird und alles, was er aufgebaut hat, zerschlägt. Es ist diese eine Sache, die er nicht überwinden kann. Und gegen Ende des Films (sorry für den Spoiler!) in einer sehr bewegenden Szene offenbart es sich seinem Nebendarsteller und sieht es ein: „I can’t beat it.“ Egal, was ich versuche, ich schaffe es nicht.

Okay, dieses Geschiedener-Typ-meistens-mit-Bart-in-Neuenglischem-Fischerdörfchen-findet-durch-junge-Bezugsperson-zu-sich-selbst-Klischee wurde in amerikanischen Indiefilmen jetzt etwas zu oft bemüht. Aber der Film ist gut und die Problematik echt.

Es muss nicht zwingend ein Schicksalsschlag, es darf auch gerne eine schlechte Eigenschaft sein, die man dir in die Gene gelegt hat oder die du durch Umstände im Laufe des Lebens erworben hast. Aber ich glaube mittlerweile, jeder hat diese eine Sache, die er nicht überwunden bekommt. Bei mir ist es wahrscheinlich, dass ich in sozialen Situationen einfach nicht entspannt sein kann. Vor allem, wenn ich die Mehrheit der Menschen dort nicht kenne. Ich wünsche mich dann weg, überspiele meine Ängste, kann nicht entspannen oder ganz ich selbst sein. Probiere das jetzt seit Jahrzehnten, kriege es nicht hin.

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit wieder verstärkt mit dem Thema Religion. Interessanterweise hat mich diese Erkenntnis daran erinnert. Ein weit verbreiteter Irrtum ist etwa, dass derjenige in den Himmel komme, der ständig Gutes tut. Ist nämlich nicht so. In den Himmel soll kommen, wer Jesus Christus als seinen Erlöser annimmt. That’s it. Gleichermaßen fordert Jesus von einem Christen gute Taten ein, und zwar so viele, dass schon Propheten sagten und auch Theologen abwinken: Es ist überhaupt nicht möglich, all das zu tun, was Christus forderte. Aber versuchen und guten Willen zeigen müssen Christen trotzdem, wenn sie in den Himmel kommen wollen. Das ist quasi Bedingung 2.

Also sind gute Taten eigentlich nur ein Nebenprodukt des Christseins, nicht die Hauptsache. Gutes entsteht nur dadurch, dass man sich redlich bemüht, auch wenn man die Vollkommenheit nicht erreichen kann, wie sehr man es auch versucht. So ähnlich wie diese eine Sache im Diesseits, die man nicht besiegen kann, wie sehr man sich auch bemüht.

Oder anders gesagt: Aufgeben ist nicht. Ein wenig radikale Selbstannahme kann das Leben allerdings erleichtern. Kommt man dann trotzdem noch in den Himmel? Ich denke, wenn du das wirklich willst, Bedingung 1 erfüllst und dich – nach der Selbstannahme – bemühst, weiterhin Gutes zu tun, sollte das schon klappen. So verstehe ich das zumindest.

Und diese eine Sache, die du nicht besiegen kannst? Musst du wohl mit leben. Es ist besser, sie zu akzeptieren, als zu versuchen, sie zu verstecken oder vergeblich alles dafür zu tun, sie nicht haben zu wollen.

*

The Dead South: Yours to Keep

Cooler Song, weirdes Video, aber das ist wohl so gewollt.

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Op Nederland

Mein 1 Task für heute war, mal zu schauen, ob es die Niederlande noch gibt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin immer irgendwie nervös, wenn es ins Ausland geht und ich weiß, dass ich mich nicht perfekt mit den Leuten verständigen kann. Könnte ich nicht mal in England. Oder Bayern.

Heute lief es aber erstaunlich gut. Die Leute hinter der Grenze verstehe ich irgendwie dreimal besser als die in der Randstad. Ich war mir erst unsicher, aber dann stand ich mit einem Euro in der Hand vor der Einkaufswagen-Reihe des Jumbo und merkte: Der Typ neben mir steckt keinen Euro ein, sondern zieht seinen Einkaufswagen einfach so raus. Dann sagt er sehr freundlich zu mir: „Nee, dat heb je niet nodig. Niet meer!“ Und ich dachte mir: Hey! Das habe ich verstanden.

Ich bin dann nicht schreiend davongelaufen, als der brummige alte Mann im Rollstuhl vor der Zeitschriftentheke mich fragte, welcher Tag Samstag sei und ob die Fernsehzeitung da noch aktuell wäre. Mir fiel auf die Schnelle die Zahl 27 (sevenentwintig) nicht mehr ein, aber ich muss so gestrahlt haben, dass ich verstanden habe, was er mich fragt, dass er irgendwas murmelte, irritiert zurückrollte und dann den Verkäufer fragte. Machte mir aber nichts.

Der Kassiererin schaffte ich es dann zu erklären, dass meine Karte wohl nicht funktioniere, weil das eine ausländische (buitenlandse) sei. Die meisten Konversationsfetzen der anderen Kunden verstand ich ebenfalls. Und dann ging ich noch ins Café, bestellte einen koffie verkeerd (Milchkaffee) und danach in ein indonesisches Restaurant, und bekam es hin, mit der Bedienung ein ganz klein wenig zu smalltalken. Ich setzte mich draußen hin, ein Kellner kam mit der rijsttafel raus und sagte, dass es drinnen viel wärmer sei und ob ich nicht reinkommen wolle. Ich sagte, nee, draußen wäre mir eigentlich sehr warm. Aber danke, und das Essen sehe toll aus (siehe Beitragsbild).

Een kopje koffie verkeerd

Erkenntnisse also: Das viele Vokabelnlernen hat doch etwas gebracht. Die Limburger verstehe ich viel besser als die Holländer. Und ruhig mal versuchen, ein paar Sätze zurechtzulegen und öfter mal rüberfahren. Vielleicht mit einem Ritual, um es einfacher zu machen. So wie heute:

  1. In den Supermarkt, Craftbeer, Nüsse, Vla, exta-oude kaas, Kruidnoten (saisonal) oder andere Spezialitäten kaufen
  2. Im Zeitschriftkiosk, Supermarkt oder Buchhandlung eine Ausgabe „De Volkskrant“ kaufen. Ich bleibe dabei: beste Zeitung der Welt!
  3. Die dann in einem Café bei einem koffie verkeerd in Ruhe durchblättern
  4. Auf Google Maps nach einem indonesischen Restaurant suchen (sooo viele gibt’s da gar nicht, dafür dass das mal deren Kolonie war) und die rijsttafel bestellen!
  5. Mit dem Servicepersonal smalltalken, andere Kunden belauschen und vielleicht sogar mal einen Verkäufer was fragen.

Ein bisschen konsterniert bin ich schon, dass mein Niederländisch nach vier Jahren immer noch nicht für eine gepflegte Konversation reicht, aber es wird langsam.

Kerkrade

Interessant übrigens, dass mir bei Ankunft auf dem Jumbo-Supermarkt auffiel, dass ich da schon einmal war. Vor zwei oder drei Jahren während der Corona-Zeit (ist das schon wieder so lange her?). Ich hatte einfach nach dem nächsten Jumbo hinter der Grenze gesucht (es gibt allerdings etliche!) und mich dann offenbar zweimal für denselben entschieden. Ich werde berechenbar…

Ich glaube, damals hatte ich auch Craftbeer gekauft, und das dann mit zu Nicky und Juan auf die Terrasse genommen. Okay, DAS fühlt sich lange her an. Die beiden sind ja mittlerweile leider ausgewandert. 🙁

*

Coldplay – Everything’s not lost

Ich mag es, zufällig alte Lieder wiederzuentdecken, die man mal sehr mochte, aber die dann irgendwie in Vergessenheit gerieten. Irgendwie dachte ich neulich an Coldplay und wollte das erste Album von denen (Parachutes) noch mal hören. Das habe ich heute im Auto getan. Und ich wusste gar nicht mehr, dass „Everything’s not lost“ da drauf ist. War ziemlich begeistert, als das dann plötzlich kam. Habe ich mit meiner ersten Freundin damals sehr viel zusammengehört. Sehr, sehr lange her. 🙂