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Right

Wo sind die anderen?

Fahre mit der U-Bahn zur Demo gegen Rechts. Die Bahn ist so voll, dass sie auf halbem Wege Höhe Telekom kollabiert. Der Fahrer gibt auf: „Bitte alle Fahrgäste aussteigen!“ Die Türen lassen sich nicht mehr schließen, es kommt niemand mehr rein noch raus. Böse Worte hört man keine. Viele sind zur Demo unterwegs, einige haben Transparente dabei, kommen mit Wildfremden ins Gespräch. Dass alle aussteigen müssen, sorgt für Heiterkeit.

Also zu Fuß weiter zum Marktplatz. Ein Demonstrant vor mir hat die Deutschlandflagge dabei und ein Transparent darunter, auf dem steht: „Das ist die Fahne der deutschen Demokratie. Lasst sie euch nicht wegnehmen von den Rechten.“ Ich beeile mich, um noch zu meinen Bekannten auf dem Marktplatz zu kommen, entschuldige mich, wenn ich an anderen vorbeieile. Sie lächeln, ich lächle.

Schon kurz vor dem Marktplatz kommen mir erste Demonstranten entgegen, die vor der Überfüllung kapituliert haben, eine Frau mit einem Kinderwagen wird von dem Umstehenden klaglos durchgelassen. Jeder zeigt sich hier von seiner besten, freundlichsten Seite. Man will klare Kante für etwas zeigen. Die Stimmung ist toll, die Demo friedlich, freundlich.

Man hat das Gefühl, dass das die Ausnahme geworden ist. Nett zueinander sein, Verständnis zeigen, Andersartigkeit zelebrieren, Wokeness. Es fühlt sich an, als wäre das eine Mode aus einer lange vergangenen Zeit. Aber wenn dem so ist: Warum eigentlich? Was ist passiert? Wenn so viele dann doch gegen Rechts sind, wer sind dann die anderen, wo kommen sie her und wo sind sie?

Im Wahljahr 2024 werden wir die Fahnen noch eine Weile hochhalten müssen. Leicht wird es nicht werden, aber der Anfang ist gemacht.

*

Dünnes kulturelles Eis hier. Pur war eine Band, die man in den frühen 90ern mit 13 mal gehört hatte und ihre Texte voll deep fand. Sie sangen für Frieden, das schon, aber das auch auf eine so triefige Art und Weise. „Lass mich los, kapp die Nabelschnur“, „Hochprozentig Liebesrausch, den schlaf ich mit dir aus“, „Spürst du den Seiltänzertraum“. Geh mir wech mit deinen Funkelperlenaugen!

Ich weiß nicht, warum mir gestern der Song „Indianer“ plötzlich wieder einfiel. Simple Geschichte darüber, warum man wahre Freundschaft, Ehrlichkeit, Vertrauen, Füreinander einstehen, Versprechen und auch Ehre nur so schwer ins Erwachsenenalter mit rübernehmen kann. Gar nicht einmal soooo schlecht gealtert. So, und jetzt für immer wieder zu mit dem Kapitel.

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Alright!

Bücher

Literaturbuch durchgearbeitet, zu lesende Bücher daraus extrahiert, zwei Gruppen daraus gemacht: Welche, die ich wegen literarischen Stilen lesen sollte, und welche, die auch Vertreter eines besonderen Stils sind und mich obendrein noch interessieren.

Will lesen:

  • Heart of Darkness (Conrad)
  • Huckleberry Finn (Twain)
  • Wie ein Reisender in einer Winternacht (Calvino)
  • Rayuela (Cortazar)
  • Report der Magd (Atwood)
  • Verbrechen und Strafe (Dostojewski)
  • Wem die Stunde schlägt (Hemingway)
  • Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland (Basho)
  • Die Räuber (Schiller)
  • Sturmhöhe (Brontë)
  • Zauberberg (Mann)
  • Narziss und Goldmund (Hesse)
  • Was ihr wollt (Shakespeare)
  • 1984 (Orwell)

Sollte lesen:

  • Don Quixote (Cervantes)
  • Odyssee (Homer)
  • Die Wespen (Aristophanes)
  • Wolkenatlas (Mitchell)
  • Candide (Voltaire)
  • Gefährliche Liebschaften (Laclos)
  • Tristram Shandy (Stern)
  • Werther (Goethe)
  • Grasblätter (Whitman)
  • Jane Eyre (Brontë)
  • Moby Dick (Melville)
  • Der zerbrochene Krug (Kleist)
  • David Copperfield (Dickens)
  • Madame Bovary (Flaubert)
  • Fiesta (Hemingway)
  • Früchte des Zorns (Steinbeck)
  • Die rote Tapferkeitsmedaille (Crane)
  • Große Erwartungen (Dickens)
  • Das Erwachen (Chopin)
  • Dulce et Decorum Est (Owen)
  • Ulysses (Joyce)
  • Der große Schlaf (Chandler)
  • Reise ans Ende der Nacht (Celine)
  • Brave New World (Huxley)
  • Mrs. Dalloway (Woolf)
  • Wendekreis des Krebses (Miller)
  • Der Fremde (Camus)
  • Der Nazi und der Friseur (Hilsenrath)
  • Alles zerfällt (Achebe)
  • Blechtrommel (Grass)
  • Wer die Nachtigall stört (Lee)
  • Catch-22 (Heller)
  • Kaltblütig (Capote)
  • Hundert Jahre Einsamkeit (Marquez)
  • Die Stadt und die Hunde (Vargas Llosa)
  • Nachdenken über Christa T. (Wolf)
  • Schlachthof 5 (Vonnegut)
  • Die Geliebte des französischen Leutnants (Fowles)
  • Mitternachtskinder (Rushdie)
  • Menschenkind (Morrison)
  • American Psycho (Ellis)
  • Stadt der Blinden (Saramago)
  • Extrem laut und unglaublich nah (Foer)
  • Glaubst du, es war Liebe (Munro)
  • Wo warst du Robert? (Enzensberger)
  • Elementarteilchen (Houllebecq)
  • Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch (Alexander Solschenyzin) (Vorschlag von Christoph)

Das wäre ja eigentlich mal was, zumindest alle Bücher, die ich lesen möchte, in diesem Jahr auch mal wirklich zu lesen + zwei, drei derer, die ich lesen sollte. Ausnahmsweise mache ich aber mal keine Challenge daraus. Davon laufen gerade schon genug.

Würde aber mal versuchen, alle Bücher, die ich lesen möchte, auf Papier zu lesen und gebraucht zu kaufen. Das hätte irgendwie was.

Kennt ihr welche davon, könnt ihr welche davon (oder andere) besonders empfehlen?

*

Heute übrigens nach ein paar Jahren mal wieder ins Fitnessstudio eingetreten. Nimm das, Christian! 💪🏻

War aber anscheinend nicht der einzige. In der Männerumkleide nur noch einzelne Spinde frei, im Funktionsraum jedes Gerät besetzt, ebenso nahezu alle der geschätzt dreißig Stepper. Wirkte ein bisschen wie Metropolis. Sklaven des Systems schuften in Fabriken nicht mehr für die Arbeit, sondern für ein ubiquitäres Schönheitsideal (und ein bisschen auch fürs eigene Wohlbefinden).

Gehe beim nächsten Mal besser zu einer anderen Uhrzeit.

*

Überlegt, Karneval als Olaf Scholz zu gehen. Frisur: identisch, blauer Anzug: vorhanden. Einmal glattrasieren (wie ging das noch?), Augenklappe besorgen. Scholz.

Will man das, ist die Frage.

*

Ramen

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Yeah

Komme vor lauter Lesen nicht mehr zum Fernsehen

Hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde. 😅

Es wird bestimmt auch nicht für immer sein, dazu kenne ich mich zu gut. Aber jetzt gerade lese ich vier Dinge gleichzeitig, darunter zwei Bücher, eins zum Wegminimieren, eins über Literatur, aktuell auch regelmäßig die „Zeit“. Dafür ging fast mein ganzes Wochenende drauf und so blieb mir keine Zeit, um einige Filme nachzuholen, die ich noch nachholen wollte, zum Beispiel „Oppenheimer“ oder „Crazy Rich Asians“, den ich für das Singapur-Buch noch studieren wollte.

Frage an euch: Wie macht ihr das? Wann lest ihr? Wie lange braucht ihr dafür? Die aktuelle „Zeit“ habe ich nach zwei Tagen zu 2/3 durch. Kann man sicher auch ganz schaffen, wenn man die Woche über auf lästige Zeitfresser wie Arbeit verzichtet. Bin ich ein langsamer Leser oder bin ich bloß der einzige, der ehrlich ist und das Ding wirklich zu großen Teilen ganz liest?

*

Ach, iPhone…

Ein Shuttler ist ein Badminton-Spieler, verriet dann Google. Und Loh Kean Yew der erste Singapurer, der Weltmeister im Badminton wurde, was für die kleine Nation ein Riesending ist.

*

Schweinhunde, wollt ihr ewig leben!

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:)

Land unter?

Es gibt Videos von mir, wie ich in der Silvesternacht auf dem Balkon stehe und mit Andreas und Jasmin zusammen „Land unter“ von Herbert Grönemeyer singe gröle. Werde ich hier nicht posten, aber hat Spaß gemacht und ist nebenbei ein unterschätzter Song. Weil der damals auf Viva rauf und runter lief und Grönemeyer da gerade nicht cool war, hatte ich den irgendwie unter „Nie wieder hören“ abgespeichert. Ziemlicher Frevel, aber immerhin konnte ich noch weite Teile des Texts. Mein unnützes Wissen: Fast alle Songs der 90er kennen und mitsingen können.

Hätte ich in der Zeit mal mehr gelesen, statt nur Viva und MTV zu gucken, müsste ich das jetzt nicht tun. Mache ich aber trotzdem gerne. Hab ein Buch über die Geschichte der Literatur zu Weihnachten bekommen, es schon durchgelesen und gehe gerade noch einmal durch, welche literarische Meisterwerke ich eigentlich gerne mal lesen würde. Nebenbei lese ich seit einigen Wochen ganz gerne die gedruckte „Zeit“. Ein erster Effekt des Ganzen? Ich hab Bock einen Beitrag im Stile der „Zeit“ zu schreiben und tue das gerade auch. Mal sehen, ob die „Zeit“ selbst da auch Bock drauf hat.

Irgendwie bin ich auch sortierter seitdem, also Jahresbeginn ohne Land unter. Auch mal schön.

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Alright!

Hi 2024!

On a more positive note ist 2023 jetzt auch vorbei und damit abgehakt. Und 2024 kann besser werden. Ziele habe ich einige, gute Vorsätze eigentlich nur einen:

Mich weiter verändern, aber so, wie ich gerne möchte.

Und überhaupt, das eigene Arbeitstempo selbst bestimmen.

You see, Veränderungen müssen sein, auch wenn sie nicht immer Spaß machen. Alle mal aufzeigen, bitte, die älter als 35 sind und Veränderungen lieben! Gut. Und wenn sie dir dann noch aufgezwungen werden?

Natürlich ist die extrinsische Motivation manchmal hilfreich, gerade, wenn man sich nicht mehr bewegt, aber eben auch nicht die beste Form der Incentivierung. Viel schöner, wenn man sich schon verändern muss, ist es Dinge anzugehen, die auch Spaß machen, dich persönlich weiterbringen und die du dann umsetzen kannst, wann du möchtest.

Machen wir’s so!

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Argh

Fuck 2023

Machen wir’s kurz: So ein Jahr brauche ich nicht noch einmal.

Ein Jahr, in dem zwar am Ende nicht alles völlig misslang. Aber in dem alles fünfmal so viel Energie kostete, damit doch noch etwas funktionierte.

Ein Jahr, in dem das Leben mich gleich mehrmals dazu zwang, aufzuwachen, mich zu verändern. Noch und nöcher. Und trotzdem eine Menge hundsgemeiner Rückschläge auf Halde hatte. So einfach kommst du nicht davon, Bürschchen…

Ein Jahr, in dem ich gezwungen war, mein Naturell zu erkennen, zu hinterfragen, zu verändern. Weiß Gott, ob das überhaupt geht.

Ein Jahr, in dem mehrere Konstanten wegbrachen, ich mich genau genommen auf nichts mehr verlassen konnte. Politik, Meinungen, Weltgeschehen, dieses sonderbare Land.

Vielleicht auch die bittere Erkenntnis, endgültig nicht mehr jung zu sein, aber in einer Welt zu leben, in der sich das Leben allein ums Jungsein dreht.

Und am Ende? Alles so lala. Nichts völlig daneben. Et hät noch iwie joot jejange. Aber auch wenig wirklich toll. Es fühlt sich wie ein Zwischenschritt an, unfertig. Noch lange nicht zu Ende, dieser Veränderungsprozess, der wohl auch notwendig war, den ich aber irgendwie lieber unter anderen, fröhlicheren Voraussetzungen angegangen wäre.

Und das Schlimmste: Ich werde noch so ein Jahr brauchen… 🤮

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Yeah

Double Challenge

„… dann noch einmal alle Schränke ausmisten (aber das dürfte schnell gehen, das habe ich ja schon mehrfach gemacht), dann dürfte es das eigentlich gewesen sein“, schrieb ich Nicky.

„So in nem Jahr bist dann fertig?“, schrieb sie zurück.

„Eigentlich wollte ich im April schon fertig sein…“

„Da würde ich gerne gegen wetten.“

„Challenge accepted“. 😁

Es gibt Gründe dafür, warum Männer im Schnitt als weniger intelligent gelten als Frauen. Vielleicht, weil man uns ständig herausfordert und wir uns dann zu Sachen hinreißen lassen, die uns viel Zeit und Energie kosten. 🙄

In diesem Falle ist es aber sinnvoll. Ich wollte ja ohnehin endlich mal fertig werden mit dem Minimieren. Jetzt habe ich einen Anreiz dafür.

Und weil zeitgleich noch die BMI-Challenge mit Christian läuft, wird mir die nächsten Monate sicher nicht langweilig werden.

Wenn alles klappt, bin ich dann Ende April 2024 ebenso rank und schlank wie meine Wohnung, ich hätte alle meine Dämonen abgeschüttelt und endlich die Energie für etwas Neues, was auch immer.

Doch, das könnte gut werden. Bin motiviert!

Worum wir gewettet haben? Der/die Verlierer:in muss dem anderen den Flug zu einem gemeinsamen Städetrip irgendwo in Europa zahlen. Werde ich gewinnen. 🙂

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Right

Sex, Threads und LSD

Mein Osteopath ist einer… Bei der ersten Sitzung hat er noch einiges an Blockaden und Verspannungen an meinem Körper gelöst, bei der zweiten mehr gehorcht und gespürt und heute, bei der dritten – haben wir uns eigentlich nur noch unterhalten. Über Drogen und Sex.

Sei Frau und er genössen das langsame Älterwerden und das Leben auf dem Land. Auch dass sie zugenommen hätten, wäre kein so großes Problem. Er habe einen Bauch bekommen, seine Frau einen dicken Hintern. „Eine Sexstellung können wir jetzt leider nicht mehr machen.“

Dude! 🙈 Bisschen viel Information, aber lachen muss ich trotzdem, und ich kann mir schon denken, welche Position das sein dürfte.

Dass ich auf seinen Tipp hin LSD gegoogelt hätte, sage ich noch. Das gäbe es ja wirklich legal. Ja, und gar nicht teuer, sagt er. „Willst du welches haben? Ich will meins loswerden.“ Er geht kurz nach nebenan und bringt dann auch Iboga mit. Könne er mir aber nicht wirklich empfehlen, wäre nur entspannend, wenn man liege, stehst du auf, fühlt es sich wie ein Kater an. Wollte er mir nur mal zeigen.

Ein LSD-Derivat ist derzeit legal erhältlich.

Dann whatsappt er mir noch den Link zu einem Shop, in dem es auch noch manch andere Psychopharmaka legal zu kaufen gibt und verschreibt verkauft mir 10 Mikropellets 1T-LSD deutlich unter Ladenpreis. Wann und ob ich die nehme, weiß ich noch nicht. Aber interessieren würd’s mich schon.

Und als Osteopath… Wie gesagt: Prima Kerl, Ich hätte ihn gerne als Kumpel, jemanden, den ich zum Geburtstag einladen würde. Der wäre der spannendste Gast auf der Party. Wenn ich das nächste Mal einen schlimmen Nacken habe, gehe ich aber doch lieber wieder zum Orthopäden, denn am Ende war der es, der mich „geheilt“ hat, nicht der Osteopath.

*

Threads

Threads ist heute mit ein paar Monaten Verspätung in Deutschland gestartet. Probiere ich mal aus, dachte ich. Ließ sich via Instagram starten, ich konnte alle meine Kontakte darüber mitnehmen und hatte dadurch auch schon einige Follower, als ich dort aufschlug.

Und nach fünf Minuten war ich wieder weg. Klar, Sven war da. Aber ansonsten die gleichen Nasen dort, die ich auf Twitter damals schon nicht mehr lesen mochte, die gleichen Selbstdarsteller, die mich von Facebook davongetrieben haben. Leute, die sich dort beschweren, dass LinkedIn gerade down sei…

Threads wirkt wie Twitter anno 2013, und auch wenn das bedeutet, dass noch wenig Hass da ist: spannender ist es dadurch nicht.

Es gab wohl auch andere Gründe, warum ich damals gegangen bin: Die Welt hat sich weitergedreht. Die zweite Generation Social Media ist visuell (Storys, Bilder, Reels, TikToks) und irgendwie auch sauberer, selbst wenn da auch nicht alles perfekt ist. Zu den Facebooks, Twitters, Xs, Blueskys, Mastodons oder eben auch Threads muss ich nicht zurück.

*

Podcast: SchwarzRotGold: Mesut Özil zu Gast bei Freunden

Khesrau Behroz ist der beste Podcaster Deutschlands – zumindest, wenn es um Porträts geht. In seiner Reihe „Cui Bono“ hat er sich nach Ken Jebsen und dem Drachenlord diesmal Mesut Özil vorgenommen. Man könnte sagen: Aufstieg und tiefer Fall des Fußballers Mesut Özil. Heute habe ich die letzte Folge der 8-teiligen Serie gehört.

Bild: Undone, RTL+

Und auch wenn ich die Reihe mit dem Drachenlord deutlich besser, weil tiefer, fand, bleibe ich hier sehr nachdenklich zurück. Vor allem, weil ich gar nicht mehr so sehr auf dem Schirm hatte, wie groß der immer irgendwie selbstunsicher, schüchtern wirkende Özil tatsächlich war. Wie sehr er sich für den Nachwuchs eingesetzt, wie vielen jungen Leuten er das Studium finanziert hat. Und wie Deutschland ihn dann hat fallen lassen, wegen eines umstrittenen Fotos. Man muss es nach dem Hören dieses Podcasts so hart sagen: Özil wurde von einem rassistischen Deutschland dafür abgestraft, dass er türkische Wurzeln hat. Mit keinem „weißen“ deutschen Fußballer wäre man so hart ins Gericht gegangen.

In Deutschland kann man mittlerweile fast bedenkenlos Rassist oder Antisemit sein. Es macht mich traurig. Einmal für dieses Volk, von dem ich immer dachte, wir wären trotz aller Verschrobenheit besser als das. Zum anderen aber auch für Özil, den Weltmeister von 2014 und begnadeten Fußballer. Dass man ihn für die Fotos mit Erdogan derart geschlachtet hat, hat er nicht verdient.

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Oha

Life’s Challenges

Neulich meinen BMI berechnet. Raus kam: 24,2. Das ist mir zu viel! Hab ganz schön zugelegt, die letzten Monate. Wie kriegt man das wieder weg? Mit einer Challenge!

Den Christian angeschrieben: „Was ist dein BMI?“ Christian sagt: 23,2. Ich sag: „Lust auf ne Challenge? Wir lowern unseren BMI jeweils um 2 Punkte bis zum Frühling“.

Christian hat einen Alternativvorschlag. Er hat 73 Kilo, will auf 68 kommen. Ich hab 83, will auf 75 kommen. Wer das als erster schafft, hat gewonnen. Deal!

Halt Moment – fällt mir heute beim Bloggen auf. Da hast du dich ganz schön über den Tisch ziehen lassen. Christian nur 5 kg, du 8. Das ist nicht ganz fair. Ich schreibe ihn noch mal an.

Wir einigen uns auf jeweils 8 – Christian auf 65, ich auf 75. Now we have a deal!

Erst hinterher dämmert mir, worauf ich mich da eingelassen habe. Christian, der normal mehrere dutzend Kilometer die Woche läuft, gerade auch an einer Winterlauf-Reihe teilnimmt, wöchentlich ein HIIT-Kurs macht. Neulich sprach er davon, wie wohl er sich fühle und wie schnell er Kilos verbrennen könne.

Ich kann derzeit eigentlich nur radfahren – und das auch nur, wenn es nicht glatt ist. Beim Laufen langsames Aufbautraining wegen Knie. Beim Tischtennis Aufbautraining wegen Nacken.

Christian schlägt vor, für jedes geschaffte Kilo 10 Euro in die Kasse zu werfen und für das Geld hinterher was Deftiges essen zu gehen. Und wer sein Ziel nicht erreicht, muss alles zahlen…

Eventuell habe ich da die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Andererseits: Unterschätze nie die Macht eines Aventurers auf einer Challenge! Ich werde zum Asketen, wenn es sein muss. 😉

*

Yoga

Physio fiel diese Woche aus. Ich blättere durch das Angebot des Yoga-Studios: „Yoga speziell für den Rücken“, noch am selben Abend. Soll ich?

Ich hab noch nie zuvor Yoga gemacht. Also am besten nicht groß drüber nachdenken. Probestunde gebucht und bezahlt. Und dann hin.

Nur dass ich mich in der Adresse geirrt habe. Im Annagraben, wo ich dachte, dass es wäre, gibt es die gesuchte Hausnummer gar nicht. Ich schaue noch einmal: ist in Wahrheit in der Acherstraße. Acht Minuten von dort, sagte Google Maps. Es ist 20:05, um 20:15 beginnt der Kurs. Neulinge sollten 5-10 Minuten vorher da sein, steht dort, falls noch Fragen sind. Also gibt’s jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: aufgeben und nach Hause gehen – oder hinrennen. Ich sprinte hin.

Es geht durch die Innenstadt, vorbei an Glühweintouristen, Besenwagen. Natürlich sind alle Ampeln rot, ein oranger Lieferandofahrer mäht mich fast um. Mit meiner dicken Gymnastikmatte (eine coole Yogamatte habe ich noch nicht) laufe ich durch die Fußgängerzone, am gewünschten Haus vorbei, wieder zurück, hoch in den dritten Stock. Außer Puste und schon gut angeschwitzt, stehe ich um 2010 Uhr vor dem Tresen.

Ein supergechillter Dude begrüßt mich: „Du bist Jürgen und neu hier! Ich bin Jens, hallo. Ich leite gleich durch den Kurs. Da vorne kannst du dich umziehen. Hast du noch Fragen?“

Ich sage ihm, dass ich alles schon anhabe und zum ersten Mal Yoga mache. „Oh“, sagt er. „Aber kein Problem, das kriegen wir hin.“

Im Kursraum insgesamt acht Leute plus Jens. Fünf Frauen, drei Männer. Jeder irgendwie für sich. Ich breite meine Matte aus, hole mir eine Decke, ein Bolster und zwei Klötze dazu, wie die anderen auch. „Hol dir auch noch einen Gurt“, sagt der Typ neben mir freundlich. „Den brauchen wir auch noch.“

Alle sind nett, entspannt. Die Übungen sind dann gar nicht so schwer oder neu für mich. Vieles erinnert mich an den Rückenkurs, den ich mal im Fitnessstudio gemacht habe, einiges an die Meditation. Jens geht zwischendurch herum und gibt mir Tipps. Toll ist aber vor allem, dass er mir vorher rät: „Schau nicht zu sehr links und rechts, was die anderen machen. Das sind alles schon erfahrene Yoga-Teilnehmer. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst.“

Ein bisschen schaue ich dann später doch über meine Schulter. Aber das meiste bekomme ich schon erstaunlich gut alleine hin. Nur zweimal gibt mir Jens zwei Tipps, besonders anstrengend ist es im Übrigen nicht. Wenn etwas zu leicht läuft, schaue ich doch noch einmal um mich: das kann ja eigentlich nicht sein. Im Großen und Ganzen ist es aber Entspannungsyoga, nur bei zwei Übungen wird mir kurzzeitig ein wenig warm. Die letzte Viertelstunde ist pure Entspannung, ich hätte nichts dagegen, gleich an Ort und Stelle einzuschlafen.

Nach Kursende unterhalte ich mich noch ein wenig mit Jens. „Schau mal, wie du heute Abend einschläfst und ob du gut schlafen kannst. Das sollte eigentlich heute ganz einfach für dich gehen.“ Er bestätigt, dass es auch noch anstrengenderes Yoga gebe. „Komm vielleicht am Montag noch einmal wieder. Der Kursleiter da macht es noch deutlich munterer.“

Zuhause schlafe ich dann wirklich wie ein Stein ein.

Hat irre Spaß gemacht, aber als Sport zum Abnehmen muss noch etwas Anderes her.

*

Osteopath

Zweite Session. Der Mann ist definitiv ein dufter Typ und unlike anyone I’ve ever met before. Total kumpelhaft. Duzt mich, ist geschätzt zehn Jahre jünger als ich. Spricht über Zusammenhänge zwischen Körper, Erde und Universum. Aber nicht auf eine spinnerte Art, sondern rein wissenschaftlich, kennt die Zusammenhänge im Körper, benennt jede Sehne und Arterie richtig, nennt den Körper ein Informationssystem. Und erwähnt beiläufig, wie er schon einmal eine außerkörperliche Erfahrung hatte, nachdem er die und die Droge ausprobiert hatte. Und ob ich selber mit bewusstseinserweiternden Dingen schon Erfahrung gesammelt hätte.

Na ja, sage ich: Ich meditiere täglich, trinke hin und wieder Alkohol und habe ein paarmal Gras geraucht, aber da würde ich auch die Grenze ziehen. Er berichtet von legal erhältlichen Drogen und einer aus Österreich, bei der man sich eine Woche so beschwingt fühlen würde wie nach einer Flasche Wein, allerdings ohne die Nebenwirkungen des Alkohols. Übrigens könne man gerade legal LSD kaufen. Einzelne Startups würden immer neue Präparate auf den Markt werfen, die normal wenig später wieder verboten würden. Aber diesmal hätte das Gesundheitsministerium in der Klage einen Formfehler gemacht, weswegen das Verfassungsgericht die Klage in der Form abgewiesen hätte. So dass man derzeit legal in Deutschland ein LSD-Derivat bestellen könne.

Ich google später. Es stimmt. Man kann derzeit eine Form von LSD legal in Deutschland kaufen. 20 Euro für 10 Pellets. Wäre schon eine spannende Erfahrung.

Andererseits: Warum? Es geht mir nicht schlecht im Moment. Das Leben hat seine Herausforderungen, und 2023 war eine beeatch, aber Drogen haben noch nie irgendein Problem gelöst.

Bei unserer Session liege ich rücklings auf der Bank unter einer Decke. Er steht bei meinen Füßen, nimmt meine Waden in die Hände, schließt die Augen und spürt nur, bestimmt drei, vier Minuten lang. Ich liege da unschlüssig. Was macht er da?

Plötzlich legt er meine Beine ab und geht zu meiner Hüfte: „Da ist eine Verspannung in deinem Dickdarm“. Ah ja? „Die löse ich mal eben.“

Es klingt spannend, was er erzählt, wie er auf Fortbildungen lernt, einfach nur in den Körper hineinzuhorchen. Und dadurch festzustellen, wo eventuell Probleme sind. Ursprünglich kam ich mal her, weil ich Nackenprobleme hatte. Gelöst hatte die eher der Orthopäde, aber weder der noch der Osteopath jetzt haben sich für Haltungsmuster, Bewegungsabläufe oder ähnliches besonders interessiert.

Vielleicht kann er wirklich den Körper verstehen, indem er einfach nur hinhört und hinspürt. Für unmöglich halte ich das nicht. Im Körper passiert so viel mehr, als die Schulmedizin beachtet. Darum geht es ja auch beim Yoga.

Oder er verarscht mich da auf ganzer Linie, auch nicht unmöglich. 😅

So oder so: Schlechter geht es mir danach nie.

*

Eventpreise

Arnd Zeigler kommt im Frühling nach Bonn. Die Show heißt „Zeigler hat schon Gelb“, Fußball-Betrachtung auf die intellektuelle Art. Warum nicht. Ich frag den Oli, ob er darauf Bock hätte. Er sagt ja. Ich schaue mir die Preise an: 38 Euro für eine Karte. 😳

Neulich fragte dann Mattes, ob ich Lust hätte, mal wieder zu einem Werder-Auswärtsspiel mitzukommen. Diesmal in Mönchengladbach.

Klar, letztes Mal ist lange her, Werder taugt gerade nicht viel, aber hin und wieder mal ein Bundesliga-Spiel live gucken – macht doch immer Spaß. Ich sage zu, ohne vorher nach dem Preis zu fragen. Mattes schreibt mir dann: „Karte kostet 43 Euro“.

Wie viel?! 😳

Ja, wäre halt Sitzplatz, Auswärtstickets immer etwas teurer. Ob ich trotzdem dabei wäre…

Am Ende habe ich beides durchgezogen. Das eine, weil es mir nach Betrachtung des anderen nun auch gar nicht mehr so viel teurer vorkam. Und Noël Gallagher neulich hat auch über 60 Euro gekostet.

Ich glaube, wir haben eine Zäsur endgültig erreicht. Kannste das Rad nicht mehr zurückdrehen. Das Geld von „vor Corona“ ist heute nur noch zwei Drittel davon wert.

Ich fürchte, ich brauche mehr davon!

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Im Weihnachtsmarkt-Himmel

*

2023

„Was wünschst du dir für 2024, Jürgen?“, fragt Joachim.

Alles könnte ein wenig einfacher laufen. 2023 war bestimmt kein schlechtes Jahr, aber auch kein gutes. Ich war gezwungen, mich zu bewegen, neu zu erfinden, aus meiner Komfortzone rauszukommen. Und am Ende hat doch alles nicht so geklappt wie gesollt oder war viermal so aufwändig oder anstrengend wie in den Jahren davor.

Und wenn das einfach nur am Alter liegt und jetzt Standard wird?

Dann wäre mit viel Ruhe in den nächsten Jahren nicht gerade zu rechnen.

*

Fugees: Ready or not (1996)

Was für ein geniales Album war eigentlich „The Score“? Die Fugees kamen damals aus dem Nichts und holten Menschen mit einer Mischung aus Soul, Hiphop und Jungle ab, die so etwas nie zuvor gehört hatten (unter anderem mich). Klar, die Neuinterpretation des Klassikers „Killing me softly“ war ein Selbstläufer, aber schon die ersten Single „Fu-gee-la“ schlug ein wie eine Rakete (Platz 6 sogar in Deutschland). Das Album wirkt wie eine Geschichte aus einer anderen Welt. Kürzlich wiederentdeckt. Ready or not – refugees taking over.

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Alright!

Der Kampf gegen den Winter

Wintereinbruch in Bonn mit Schnee, 1 Tag später…

Der Winter in diesen Breiten spielt sich vorwiegend innen ab. Das ist gut, es geht auch bei diesem Wetter kaum anders. Es ist kalt, es regnet, es ist möh… Und dann bleibt das bisschen Schnee noch nicht einmal liegen. Ich sagte es schon einmal und ich sage es wieder: Ich mag den Winter hier im Rheinland nicht.

Trotzdem, diesen Winter kämpfe ich bisher eigentlich halbwegs leidlich gegen die jährliche Verstimmung an:

  • Treffe Leute
  • Lese viel
  • Schmiede Pläne
  • Mache es drinnen gemütlich
  • Esse ab und an mal was Gesundes
  • Zwinge mich zum Sport
  • Versuche, bisschen Kultur mitzunehmen

Gestern waren wir zum Beispiel im Theater. Und es war richtig lustig:

Der Titel „Der nackte Wahnsinn“ ist hier Programm. Es handelt von der Generalprobe eines völlig chaotischen Theaterstücks. Die Hauptdarstellerin vergisst den Text, die Grande Dame ist ständig betrunken, gleich zwei Darstellerinnen haben eine Affäre mit dem Regisseur und der schwule Lebemann ist auch in Wahrheit schwul und in seinen Bühnenpartner verliebt – der aber nicht.

So weit, so normal. Das Schöne ist, dass sie dem Zuschauer an dem ganzen Wirrwarr teilhaben lassen. In der zweiten Hälfte dreht die Bühne sogar noch und wir sehen das ganze Chaos backstage. Ein heilloses Durcheinander, ein irres Gerenne, ein herrlicher Spaß!

Und so verrückt inszeniert, dass man selbst durcheinander kommt. Als nach knapp anderthalb Stunden der Vorhang fiel, wussten wir erst gar nicht: Ist das jetzt schon das Ende oder nur die Pause?

Läuft noch ein paarmal diesen Winter in Godesberg im Schauspielhaus. Can recommend!

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Farbberatung

Heute kam der Farbfächer. Gedeckte Farben…

Helle Töne scheinen es also eher nicht zu sein. Naaa gut…

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Die drei ??? und der Adventskalender

Die drei ??? begleiten mich wieder seit einigen Wochen. Es gibt alle Folgen auf Spotify und irgendwie habe ich hören wollen, was aus ihnen geworden ist. Und jetzt komme ich nicht mehr so richtig davon los.

Wäre da nicht… dieses Schema F. Eine Folge muss nach einer bestimmten Zeit fertig sein. Wenn es sich nicht schnell genug entwirrt, hat irgendwie doch einer vorab noch die Bullen gerufen und die kommen dann und nehmen alle fest. Dann wird gelacht.

Das wäre doch eigentlich viel schöner, sie hätten mal Zeit, eine Geschichte „horizontal“ zu erzählen, dachte ich. Sprich: eine Serienstaffel draus zu machen. Und siehe da: Haben sie! Und zwar nicht zum ersten Mal.

Bild: Europa

Aktuell gibt es brandneu den drei ??? Adventskalender „Böser die Glocken nie klingen“, und hier haben die Jungs ganze 24 Folgen Zeit, einen Fall zu lösen. Und das klappt gut. Du könntest dir das wirklich als Adventskalender anhören, also jeden Tag nur eine Folge. Oder du hörst alle am Stück. Habe ich gemacht. Und hat Laune gemacht! Solche Specials sollten sie häufiger fahren.

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Letzte Bücher auslesen

Heute gemerkt: Wow! Ich habe von allen Büchern, die ich jemals besaß, wirklich nur noch vier recht dünne übrig, die ich noch ein letztes Mal lesen und dann entweder behalten oder weggeben möchte. Dann hätte ich meine Bücher fertig minimiert und würde nur noch solche behalten, die mir wirklich etwas bedeuten und joy sparken. Das Ende ist in Sicht. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr noch. Wenn nicht – auch nicht schlimm.

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Xiaomi HyperOS

Macht einen verdammt guten ersten Eindruck!

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Also, wenn mir an einer Powerbank eins wichtig ist, dann…

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Spiegel Online

Verabschiedet sich nach und nach auch noch vom letzten freien Content oder sogar dem Zugang dorthin. Bin ich gar kein Freund von:

Furiosa

„Mad Max: Fury Road“ ist einer der besten Filme, die ich jemals gesehen habe. Nur kommt ein Prequel davon, „Furiosa“. Und so richtig begeistert bin ich vom Trailer noch nicht. Es sieht mir fast nach einem klassischen zweiten Teil aus. Aber lassen wir uns überraschen.

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Fallout

Und bei der „Fallout“-Serie hoffe ich, dass das a) nicht noch ein Walking-Dead-Abklatsch und b) nicht wieder so eine Gewaltorgie wie „Westworld“ wird. Sonst bin ich raus. Trailer sieht aber gut aus: