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Schöne neue Welt

Gerade fertiggelesen. Kann ich im Endeffekt gar nicht so viel zu sagen. 🤷🏻‍♂️ Eine frühe Dystopie (1932 geschrieben), leicht zu lesen, durchaus spannend und natürlich existentiell. Die Menschen, einige hundert Jahre nach unser Zeit haben Henry Ford (!) nach außen hin zum Gott erklärt. Familien und klassische Fortpflanzung gibt es nicht. Menschen werden gezüchtet und in Kasten geboren. Hässlichkeit und Alltagsherausforderungen sind abgeschafft. Wem es aus welchimmer Grund nicht gut geht, ist dazu angeraten, Stimmungsaufheller zu nehmen – an denen kein Mangel herrscht. Den Alltag vertreiben sich die oberen Kasten mit Vergnügen – jeder schläft mit jedem. Abfuhren gibt es praktisch nicht. Nicht alle aber sind endlos zufrieden mit diesem System. Als ein jugendlicher Halbwilder aus einem Reservat in die schöne neue Welt geholt wird, gerät alles kurzzeitig ins Wanken.

Ich mag Dystopien, weil an ihnen immer auch ein Stück Wahrheit haftet und die Spannung genau dadurch entsteht, dass man sich fragt, wie man selbst in diesem System agieren würde. „Schöne neue Welt“ ist tatsächlich noch nie ernsthaft verfilmt worden. Könnte sich aber noch lohnen. Vielleicht zum hundertjährigen Geburtstag 2032?

Mir fallen noch ein paar weitere Dystopien ein, die mich ziemlich beeindruckt (mitgenommen) haben:

  • Der Report der Magd (grandiose TV-Serie!)
  • Children of Men (extrem beunruhigender Film)
  • Farm der Tiere (erschien als nicht unkomischer Trickfilm)
  • A Clockwork Orange (super gespielt, keine schöne Geschichte)
  • 1984 (bisher nur den Film gesehen, aber so ungefähr stelle ich mir die Hölle vor)
  • Inside (ein Videospiel, das Hendrik mir mal empfohlen hat, kleiner Junge muss aus einer menschenfeindlichen Umgebung flüchten)

Es darf gerne noch mehr Dystopien geben.

„Schöne neue Welt“ habe ich neulich in einem öffentlichen Bücherschrank gefunden. Geht jetzt auch dahin zurück. 🙂

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Alright!

„Menschen aus anderen Ländern sind ja immer so nett“

Das schrieb ich heute Nicky, als wir uns darüber austauschten, wie der gestrige Abend noch war. Da traf ich Mattes und Björn zum Cornern auf dem Frankie. Die beiden hatten drei Bekannte aus Peru zu Gast. Mit einem davon unterhielt ich mich sehr lange sehr gut.

Im Grunde ist das eine bemerkenswerte Erkenntnis. Zumindest gemessen daran, wie viel Gewese in der Politik tagein, tagaus darum gemacht wird, wer und wenn ja wie viele reinkommen dürfen, obwohl unsere Volkswirtschaft dringend Migration braucht. Und gemessen auch daran, wie wenig Menschen aus anderen Kulturkreisen ich letztendlich in meinem eigenen Freundeskreis habe. (Warum eigentlich?)

Aber zumindest aus meiner subjektiven Sicht stimmt es. Immer wenn ich mal mit jemandem aus einem anderen Kulturkreis ein paar Worte gewechselt habe, sei es hier oder im Ausland, war das eigentlich immer sehr nett. Netter meist sogar, als der Kontakt mit Deutschen, bei denen man ja nie so richtig weiß, an wen man da gerade gerät und ob er dich seine Ablehnung spüren lässt oder nicht.

Klar, ich bin in der Hinsicht oft naiv. Und man kann es natürlich nicht generalisieren. Auch in anderen Ländern wird es Ablehnung, schlechte Menschen und Idioten geben. Da hatte ich bisher wohl Glück, dass ich – bis auf ganz wenige Ausnahmen – noch nie jemanden davon getroffen habe.

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Frankenbad-Kaaba

Zwei Frauen, wie sie eine ganze Weile versuchen, das E-Bike der einen in das hypermoderne neue Fahrradparkhaus zu schieben – und es passt nicht. Während der Typ daneben offenbar mit der Hotline telefoniert, weil sein dort eingestelltes Fahrrad da nicht mehr rauskommt.

Hab mal geschaut: Die Länge für einzustellende Fahrräder dort ist auf 1,90m begrenzt. Fahrräder mit Rahmengröße 28 – man könnte auch sagen: Erwachsenen-Räder – sind laut Internet im Schnitt so 1,80 bis 2,00m lang, E-Bikes im Schnitt gerne auch etwas länger.

Da bauen sie stadtweit mehrere dieser riesigen Fahrradparkhäuser, und jetzt passt ein Großteil ganz normaler Fahrräder da gar nicht rein?

Wie schlecht ist das denn!

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That time of year when you’re a tourist in your own city (#bonncherryblossom)

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Wissenschaften erfinden

Wie du auf Linkedin richtig durchstarten kannst, stand neulich in der Mail, und deinen Output dort um 10x steigern.

Dieses 10x- oder 100x-Ding ist so ein BWL-Ding, non?

Opa will jetzt hier gar nicht wieder von vor dem Krieg erzählen, wie schön das Internet doch war, bevor Business-ADHSler es für sich entdeckt haben. Mich ärgert diesmal eigentlich nur, dass man Wissenschaften aus Dingen macht, die keine sein müssten. Nur damit findige Geschäftsleute was zum Skalieren haben und den Leuten Angst machen, sie würden einen Trend verpassen.

Linkedin, Facebook und auch Google waren mal ganz einfache Tools mit einer recht klaren Struktur und einfachen Usability. Man war damit zufrieden. Dann fingen die Unternehmen irgendwann damit an, ihre Produkte komplexer und komplexer zu machen. Und heute brauchst du fast schon ein Studium, um zum Beispiel Google Analytics zu verstehen.

Warum wollen wir das so?

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Spam wird besser. Diese Nachricht erhielt ich neulich per SMS:

Ich habe wirklich ein Konto bei der Bank und ich benutze wirklich das PhotoTan-Verfahren. Nur der Link konnte nicht stimmen. Und diese „Sicherheitsprüfung“ irgendwie auch nicht.

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Euroback 2000

Hinter dem Namen und dieser verranzten Hütte im Sankt Augustiner Industriegebiet verbirgt sich genau das, was man erwarten würde.

Der beste Italiener der ganzen Gegend! 💁🏻‍♂️

Göttliche Pizzini! 👌🏻

Danke an Christian für den Tipp und das halbe Frühstück!

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Wo einen durchziehen?

Seit Cannabis nun legal ist, stellt sich auch die Frage, wo es denn eigentlich legal ist. Also wo es weit genug weg von allen Schulen, Kindergärten und anderen Bildungseinrichtungen wie dem Hallenbad mit Lehrschwimmbecken direkt vor der Tür. Also wo man es dann rauchen und wo einen Cannabis-Verein stationieren dürfte.

Ein Entwickler aus Koblenz hat deswegen die Bubatzkarte ins Leben gerufen, die solche Abstände misst und auf der Open Street Map anzeigt. Kurz gesagt: Hier in der Hood wird’s draußen eher nix:

Screenshot

Aber am Bahnhof sieht’s gut aus. 😉

Screenshot

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DuoLingo Music

Ist mal richtig cool. Lernsoftware können die!

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Right

That Special Someone

Im Grunde ist es ganz einfach: Finde jemanden, der zu dir passt, bei dem du dich fallen lassen kannst, dich nicht verstellen musst, um geliebt zu werden, der deinen verschrobenen Humor teilt – sei du selbst! Der auf deiner Seite ist, selbst wenn es mal schlecht läuft, der deine Schwächen akzeptiert und du seine. Ein Seelenpartner, mit dem du durchs Leben streifst, dich niederlässt, vielleicht sogar Nachwuchs in die Welt setzt. Es ist das Gute, es ist das, wie es sein sollte. Es ist das, wonach wir alle irgendwo streben, zumindest die 95 Prozent, die ich kenne, die so jemanden eben noch nicht gefunden haben.

Why is it so fucking hard?!

Ich kenne Menschen, die so jemanden haben, mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich sowas sehe, aber es ist die absolute Ausnahme. Der ganze Rest hatte so jemanden vielleicht mal kurzzeitig oder auch nicht. Er arrangiert sich mit irgendwem, schaut sich verzweifelt um, sucht sein Glück im Alkohol, Hobbys oder anderen Drogen, wenn es nicht klappt, geht Affären ein, gibt sich mit weniger zufrieden oder gibt irgendwann ganz auf.

Klar: zu einfach darf es auch wieder nicht sein, das wäre langweilig. Aber wenn es wirklich für jeden Topf einen Deckel gibt, dann wäre es doch für alle gut, wenn jeder seinen passenden Gegenpart zumindest irgendwann im Laufe seiner 20er oder 30er kennenlernt. Jedem einzelnen wäre damit gehofen. Der Welt wäre damit geholfen.

Warum um alles in der Welt geht das nicht?

Adele hat das in „Someone like you“ und ihrem magischen Video in der Royal Albert Hall sehr treffend thematisiert. Dass nachher die ganze Halle mitsingt, sagt eigentlich alles. Achtet auch mal auf das Pärchen, das in Minute 6:11 einmal kurz eingespielt wird. Das ist das, was ich meine. Diese 5%, die es irgendwie doch gibt. Aber warum nur 5% Prozent? Warum?

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My biggest feat

Gestern Morgen auf der Waage: 75,8. Wir hatten gesagt: kleinen Toleranzbereich lassen wir zu, auf rund 75 muss ich kommen. Von 6x Sport in 5 Tagen war ich einfach nur noch platt, hab mich aber noch ein letztes Mal ins Fitnessstudio geschleppt. 30 min auf dem Rudergerät + meine drei Geräte. Danach ein ganz kleiner Schluck Wasser und dann in die Sauna, zwei Gänge. Den zweiten dehne ich sogar über die vorgeschlagenen 15 Minuten aus. Ich hatte noch nicht genug geschwitzt. Anschließend sehr langsames Auskühlen auf der Ruheliege. Die Waage hatte ich gleich mitgenommen ins Studio. Danach also fly or die. Und siehe da:

Also note for later: Der gute, alte Saunatrick bringt 1,5 kg! Challenge won! Christian – der aber auch immerhin 4-5 kg geschafft hat, darf morgen die Tapas zahlen. 🙂

Und jetzt, da ich es geschafft habe? Mache ich weiter! Jetzt, wo ich gesehen habe, dass Abnehmen geht und wie es geht, versuche ich mal ein wenig Muskelaufbau, und das Bauchfett wirklich noch ganz loszuwerden. Geschrumpft immerhin isses merklich.

Aber erst nach Ostern und nachdem ich meinen Kreislauf stabilisiert habe. Der ist jetzt natürlich hin.

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Mein Kumpel, der Verschwörungsmythiker

Als er wieder davon anfing, dass Russland sich ja nur verteidige und der Westen Putin den Krieg aufgezwungen habe, habe ich mir gesagt: diesmal nicht. Diesmal halte ich nicht die Klappe und sage wie immer „jaja“ oder gar nichts, weil man überzeugte Verschwörungsmythiker eh nicht zurücküberzeugt. Ich fragte also ruhig aber bestimmt zurück, wie er darauf komme, woher er meint, seine Informationen zu haben, warum er glaubt, dass diese richtiger seien als die der „westlichen Propagandamaschine“ und was bitteschön einen Krieg legitimiere.

Er reagierte mit einer Schimpftirade, vielen Buzzwords wie dem 2. Minsker Abkommen und Whataboutism. Wenn die Amerikaner irgendwo einen Krieg vom Zaun brächen, würde das auch niemanden interessieren und Israel seien überhaupt die schlimmsten. Was das jetzt damit zu tun hätte, fragte ich zurück, und was einen Krieg legitimieren würde, unabhängig davon, ob jemand anders auch einen vom Zaun bräche.

Es ging noch eine Weile hin und her, ein dritter Bekannter stand die ganze Zeit still daneben und sah uns zu.

Als wir fertig waren, waren wir beide erstaunlich gelassen und sahen uns an. Grinsten. Da schien jeweils Druck auf dem Kessel gewesen zu sein, der einfach mal raus musste. Und jetzt wo er das war, war es auch wieder gut.

„Ich muss los. Sehen wir uns heute Abend?“

„Ja, ich denke, ich bin auch da. Schreibe noch in die Gruppe.“

„Dann bis nachher.“

„Bis nachher.“

Wir trafen uns später, unterhielten uns ganz normal über andere Dinge, und das Thema kam nicht mehr auf.

*

Friedefeld

Bitte mal aufzeigen, wer eine deutsche Animationsserie kennt!

Ich nämlich auch nicht. Deswegen wollte ich „Friedefeld“ doof finden, was wohl die deutsche Antwort auf die Simpsons sein soll und inhaltlich irgendwo zwischen Futurama und Rick & Morty liegt.

Friedefeld. Bild: BR

Und was soll ich sagen? Die erste Folge fand ich noch okay, bei der zweiten hat’s mich aber schon genervt. All zu offensichtliche Gags, die dann zu weit ausgeschmückt werden. Dass Lieferando-Fahrer etwa nach der Arbeit ihre Räder im Park abstellen und dann ihr wahres Dasein als Penner weiter fristen, weil sie halt zu schlecht und die Mieten in der Großstadt hoch… Ist genau zwei Sekunden lang originell, wird aber hier auf mehrere Minuten gestreckt. Zu wenige Gags, zu wenig lustig, brauche ich nicht.

*

Abnehm-Challenge

6x Sport in 5 Tagen , heute nur 1 Mahlzeit, aber irgendwie stagniert mein Gewicht und ich bin kaputt. 76,4 kg heute Morgen. Ich kann es allenfalls noch mit dem Saunatrick schaffen. Mag aber auch nicht mehr.

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Yeah

Das Gefühl, es schaffen zu können

Gestern saß ich eine Stunde konzentriert am Rechner, habe meine restlichen Belege für die Steuererklärungen 2022 und 2023 zusammengesucht und zur Steuerberaterin rübergeschickt. Etwas, was ich bekanntlich sehr gerne tue.

Aber irgendwann mittendrin, als ich da saß, merkte ich, ich bin erstaunlich ruhig, ganz gelassen, für eine Steuererklärung wenig verschwitzt*. Da merkte ich irgendwo, dass irgendwas in mir „klick“ gemacht hatte. Das Thema ist jetzt eigentlich abgehakt, vielleicht sogar final. Ich weiß jetzt, wie das geht, was ich machen muss, was reingehört und was nicht, wie ich das automatisieren kann. Jetzt schaffe ich das auch mit dem final Minimieren**. Oder überhaupt alles. Was soll mich stoppen. ***

Schlimm ist eigentlich nur, wenn einem dieses Gefühl abgeht. Die Herausforderung ist die gleiche, die Aufgaben sind dieselben, aber es fühlt sich dann unmöglich an. Mir geht’s mal so, mal so. Und ich weiß noch nicht, was dieses Gefühl beeinflussen kann.

* Das ist für gewöhnlich kein Angstschweiß vor einer hohen Nachzahlung, ich bekomme meist etwas wieder, sondern mehr das Stressschwitzen aufgrund eines Absolutnichtwollens.

** Muss ich auch. Ich hab noch genau drei Wochen, um mein ganzes Leben final fertig minimiert zu haben. Zumindest ist es das, worüber ich mit Nicky gewettet habe. Zum Glück nur um 100 Euro. Aber das wird verdammt knapp. Andererseits hat Nicky gerade ganz andere Sorgen, vielleicht vergisst sie das vorübergehend. 😉 Und, wie früher schon einmal gesagt: Unterschätze niemals einen Aventurer auf einer Challenge. In drei Wochen geht noch einiges.

*** Es kann immer eine Menge passieren. Ich kann mir das Bein brechen, irgendeine Behörde kann auf die Idee kommen, 5.000 Euro für irgendwas nachzuverlangen, von dem ich nicht mal wusste, dass es das gibt, der Himmel kann einstürzen. Und sowieso: Sooner or later God’s gonna cut you down. Wie geht ihr mit dem Wissen darüber um, dass irgendwann doch eh alles vorbei sein wird?

*

Glasfaser

Gestern klingelte einer an der Tür und fragte, ob ich Glasfaser. Im Nachhinein wäre ich versucht gewesen so etwas zu sagen wie:

„Machen Sie Witze? Ich bin Technikjournalist von Beruf! Ich teste täglich die neuesten Gadgets und Tools, die viel Bandbreite verschlingen, hochauflösende Bilder, Videos, Streaming, 4K, 8K, wöchentlich Videokonferenzen, KI! Ich habe eine Fülle an Smart-Home-Geräten hier, bestimmt 30 internetfähige Geräte, kürzlich meinen Fernseher von Kabel auf IPTV umgestellt.

Mir reicht selbstverständlich noch meine 50-Mbits-DSL-Leitung!“

Habe ich aber natürlich nicht. Ich war wie immer nett und hab ihm so höflich wie möglich zu verstehen gegeben, dass ich an der Haustür nie etwas kaufe.

*

Kirschblüte

It’s here!

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Right

Ikea, der real gelebte Kommunismus

Kommt man raus aus seiner loftigen Großstadtwohnung und strebt das Aufhübschen dersolchen an, geht es immer erst zu Ikea. Und dann steht immer auch ein Besuch im Restaurant dort an.

Warum eigentlich? Es gibt die überwürzten Hackebällchen aus Fleisch und die aus Pflanzenzeugs, die nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Mausgrauer Kartoffelklecks dazu, siebzehn Erbsen, die sehr lange eingefroren waren, braune Soße aus dem Reservoir, abgepackter Salat.

Zur Mittagszeit ist es dort voll. Du musst um deinen Platz im schummrigen Neonlicht kämpfen, weil die wenigen Plätze am Fenster sofort weg sind. Kannste nämlich raus auf den Parkplatz gucken!

Brühwarme Kaffeespezialitäten aus dem Vollautomaten. Free-Flow-Limo für 1,75 Euro (es waren mal 50 Cent), und die Leute gehen Eiger-Nordwand-steil. Schweden-Cola, Himbeerbrause oder Zitronenlimo. Der Clou ist das Mischen! Man achtet darauf, mindestens ein zweites Mal hinzugehen und auf die abgefingerten Knöpfe zu drücken. Man will das Geld wieder raushaben.

Als ich da sitze, erinnere ich mich an einen Besuch in der originalgetreu erhaltenen Kantine eines DDR-Museums vor zwei Jahren in Oschersleben. Die Deko dort war uriger – Ernst Thälmann faustete dir zum Essen zu. Die Lichtfarbe war genauso, das Essen – irgendwie auch.

Egal ob Sao Paolo, Peking, New York oder halt Köln-Godorf: Es gibt dieselben Grönsaksbullar, dieselbe Himbeerlimo, dasselbe Billy-Regal, dieselben Topflappen. Und jeder kauft da, weil die Preise halt noch ganz okay sind und die Auswahl auch nicht so schlecht ist. Und weil er so eine Weile vom kapitalistischen Alltag da draußen entfliehen kann.

Ich will hier gar nicht die alten Kamellen aufwärmen, dass schon DDR-Zwangsarbeiter für Ikea schuften mussten, aber es passt ganz gut ins Bild. Ikea ist gelebter Kommunismus mit all seinen Licht- und Schattenseiten.

*

Ach, Autokorrektur…

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OK

5 before bed

Bevor ich schlafen gehe, blogge ich oft noch, lese ein paar Seiten, notiere mir drei Dinge, für die ich an dem Tag dankbar war, trinke noch ein Glas Wasser, checke meine Termine für morgen, putze mir die Zähne, höre einen Podcast weiter, meditiere noch manchmal, spiele mein Mobile Game, chatte…

Dass ich in letzter Zeit schlecht einschlafe, kommt da vielleicht nicht so überraschend…

Womit ich deswegen jetzt angefangen habe: 5 Minuten Nichtstun vor dem Schlafengehen. Ich liege dann einfach auf meiner Couch, lege alle Gegenstände weit weg, liege nur da, entspanne ein wenig und denke über den Tag nach.

Aus den 5 Minuten wurden auch schon mal 10 oder 15. Ich mache das erst seit ein paar Tagen. Zu früh also für ein Resümee oder gar dafür, es Gewohnheit zu nennen. Aber bisher tut mir das nicht nur sehr gut und ich schlafe wieder besser ein, es geht mir auch erstaunlich leicht von der Hand. Oft brechen wir ja in Panik aus, wenn wir nichts zu tun haben, ich für gewöhnlich auch.

Vielleicht gelingt es mir allein deshalb, weil ich auf der Couch seit ein paar Tagen zur Tür blicke, nicht zum Fenster raus, wo die große weite Welt wartet. Dafür verantwortlich ist mein neuer Fernseher, der in der Ecke der Tür wohnt. So trägt der jetzt indirekt dazu bei, dass ich besser schlafe. Verrückt.

*

Deniz Undav

Ist der erste ehemalige Spieler des SV Meppen, der es in die deutsche Nationalmannschaft geschafft hat. Heute beim tollen 2:0-Spektakel gegen Frankreich feierte er sein Debüt:

Freue mich sehr für ihn. Seit ich 2019 mal mit Mattes zusammen in Duisburg bei einem Auswärtsspiel des SV war (3:1 gewonnen) und Undav ein Tor schoss, verfolge ich seine Karriere ein wenig. Er wurde in der Saison vom „Kicker“ zum besten Spieler der 3. Liga gewählt, wechselte dann – in meinen Augen etwas unglücklich – in die 2. belgische Liga immerhin zum aufstrebenden Klub Union St. Gilloise, mit denen er aufstieg und ein weiteres Jahr später Torschützenkönig in Belgien wurde. Sein Wechsel in die Premier League zu Brighton & Hove Albion war bisher dann leider gar nicht von Erfolg gekrönt, so dass er in dieser Saison an den VfB Stuttgart verliehen wurde. Dort fügte er sich wunderbar in das Überraschungsteam ein (aktuell Platz 3 in der Bundesliga), schoss bereits 14 Tore, lieferte 7 Vorlagen. Und nun das Debüt in der Nationalmannschaft.

Steht außer Frage, dass „wir“ in Meppen alle stolz auf ihn sind. 🙂 Ich behaupte sogar, das wäre schon 2-3 Jahre früher möglich gewesen, wenn er diesen Schlenker in die 2. belgische Liga ausgelassen hätte, aber nun ja, besser spät als nie.

*

Abnehm-Challenge Endspurt

Bin wieder halbwegs gesund und habe jetzt noch genau 1 Woche Zeit, um die Challenge gegen Christian zu gewinnen und von ursprünglich 83 auf 75 kg zu kommen. Ich habe trotz aller Widrigkeiten (immer wieder verletzt und öfter krank als gesund) weiter abgenommen und bin jetzt bei 77 kg. Obwohl ich die letzten 2 Wochen kein Sport machen, geschweige denn mich viel bewegen konnte.

Jetzt bin ich noch weit vom Ziel entfernt, und die Woche dürfte hart werden, wenn ich das noch schaffen will. Aber schon jetzt finde ich es verblüffend, wie mein Körper die Kilos abwirft, seit er realisiert hat, dass ich sie definitiv nicht mehr haben will. Die Psyche spielt da eine enorme Rolle.

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Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Du kennst vielleicht auch einige Bücher, Filme, Theaterstücke oder Serien, in denen die Handelnden die vierte Wand durchbrechen. Sie wenden sich dann direkt an das Publikum. Shakespeare etwa hat das in einigen Stücken gemacht. Bekannt geworden sind auch die Momente in der Serie „House of Cards“, in der der Protagonist dem Zuschauer sein Handeln erklärt. Gleich in der allerersten Szene beginnt dieses Spiel, das sich bis zum Ende seines Auftretens in mehreren Staffeln immer wiederholt:

Mel Brooks geht in seiner Star-Wars-Satire „Spaceballs“ noch ein paar Schritte weiter. Er spielt immer wieder mit der Tatsache, dass das Ganze ein Film ist. Etwa wenn der Antagonist direkt in die Kamera fragt: „Haben das alle verstanden?“, die Sturmtruppen glauben, die Rebellen nach einer wilden Verfolgungsjagd in der Falle zu haben, dabei haben sie nur deren Stunt-Doubles erwischt. Oder wo der 1. Offizier die Idee hat, man könne doch einfach ein Instant-Video des Films, den man gerade dreht, einlegen und vorspulen, um so in Erfahrung zu bringen, was die Gegenseite als nächstes tut:

Metafiktion nennt sich das. Das Auflösen zwischen Realität und Fiktion. Und genau das treibt Autor Italo Calvino in seinem Roman „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ auf die Spitze. Schon auf der ersten Seite wendet sich Calvino an Leserin und Leser und begrüßt sie im Buch. Es dauert nicht lange, da wird der Leser zum Handelnden, quasi zur Hauptfigur. Die Leserin folgt im im letzten Drittel des Buchs.

Ab Seite 30 ufert der Plot dann völlig aus. Plötzlich spielt Calvino mit der Idee, dass sich Seiten eines anderen Buchs in das seine verloren haben. Du als Leser gehst dem Ganzen auf den Grund und landest in der Druckerei, sprichst mit dem Verleger, stellst dabei fest, dass selbst die vertauschten Seiten gar nicht echt sind und die Wahrheit vielleicht in völlig anderen Büchern liegen – aus denen nach und nach Kapitel um Kapitel im Buch auftauchen. Nebenbei verliebst du dich in eine mysteriöse Büchernärrin, findest dich plötzlich auf der Flucht wieder und stellst fest, dass der Übersetzer des Buchs in all dem seine Finger haben könnte.

Was für ein Wahnwitz! Calvino persifliert dabei ganz nebenbei zahlreiche Literaturstile, vom südamerikanischen Historienepos über einen japanischen Erotikzyklus bis hin zum französischen Groschenroman. Vor allem der Auszug aus letztem ist so herrlich übertrieben, dass ich mich beinahe weggeschmissen habe. Alles in allem eine bunte Reise durch die moderne Literatur wohl mit der Aussage, dass jedes Buch auf seine Weise einzigartig ist, jeder jede Geschichte anders wahrnimmt, aber kein Autor dieser Welt etwas wäre ohne seine Leser.

Toll!

Und wo ich oben eh schon bei Filmen war: Erinnert hat mich das irgendwie an „Everything Everywhere All At Once“. Wahrscheinlich wegen der vielen Sprünge, dem Genremix, den vielen Subplots und der wahnwitzigen Handlung. Falls ihr den Film gesehen habt: So ungefähr könnt ihr euch Calvinos Buch vorstellen. Es sollte mehr von sowas geben.

„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ wurde aber anscheinend noch nicht verfilmt. Dürfte auch schwer werden, aber würde sich lohnen.

Die ersten drei Titel auf meiner Bücherliste habe ich damit gelesen. Jetzt bin ich sehr auf eins der nächsten gespannt. Vielleicht wird’s „Rayuela“, ein Buch, dessen Kapitel man in beliebiger Reihenfolge lesen können soll.

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Was ich an der deutschen Sprache gerne ändern würde

Ob ich mich selbst als solchen sehe oder nicht, ist beinahe einerlei: Ich bin ein Sprachprofi, weil ich mich täglich mit Sprache befasse, insbesondere der deutschen. Und jetzt, wo ich diese Sprache seit über 40 Jahren benutze und viel darüber gelernt habe, muss ich sagen: Ich mag sie. Man kann viel mit ihr anstellen, wunderbar treffende Formulierungen finden und einiges schöner ausdrücken als in allen anderen Sprachen. Was sich in der Grammatik der deutschen Sprache aber auch widerspiegelt, ist die Regelungswut, mit der sie aufgebaut ist. Frag mal einen Einwander oder eine Einwanderin, die Deutsch lernen, was die über die Grammatik sagen. Platt gesagt: Wir haben über 30 verschiedene Fälle, in denen der Engländer einfach „the“ sagen kann.

Es gibt allerdings selbst für Muttersprachler und Sprachprofis immer wieder Ungenauigkeiten, Fallstricke, Regeln, die bei genauerer Betrachtung überflüssige Relikte sind. Und einige davon könnte man relativ einfach abschaffen und den Menschen damit das Leben erleichtern. Ich möchte mal einige Vorschläge der Dinge ins Feld werfen, die ich an der deutschen Sprache gerne ändern oder abschaffen würde.

1. Das Großschreiben von Hauptwörtern

Das Großschreiben von Substantiven (Hauptwörtern) ist etwas, was die deutsche Sprache relativ exklusiv hat. Man findet es nicht im Spanischen, nicht im Französischen, nicht im Niederländischen, nicht im Englischen. Es gibt dort Ausnahmen, wie natürlich Eigennamen, Ortsnamen, im Spanischen oder Englischen auch Monatsnamen und natürlich Satzanfänge. Das war es aber für gewöhnlich auch schon. Herrlich einfach!

Im Deutschen brechen wir uns einen ab mit der Groß- und Kleinschreibung. Es ist nicht besonders kompliziert bei klar erkennbaren Hauptwörtern wie Gegenständen (Auto, Fahrrad, Türklinke). Aber Zweifelsfälle gibt es dennoch zuhauf:

Wenn ich deutsch [groß oder klein?] spreche, etwas im Großen und Ganzen [groß oder klein?] über kurz oder lang [groß oder klein] meine, den einen [groß oder klein?] mit einschließe, den anderen [groß oder klein] aber nicht. Schreibe ich „hundert“ groß oder klein? Kann ich dir das eine [groß oder klein?] sagen, aber nicht das Andere [groß oder klein]? Im Folgenden [groß oder klein?] nämlich halte ich dich auf dem Laufenden [groß oder klein?].

mein punkt ist: die großschreibung von hauptwörtern hat keinerlei vorteile. der text wird dadurch nicht verständlicher, das lesen nicht einfacher. in diesem absatz schreibe ich gerade – du wirst es gemerkt haben – alles klein. und obwohl das für dich ungewohnt aussieht, wirst du alles problemlos verstehen. ein dickes argument dafür, die großschreibung von hauptwörtern abzuschaffen.

2. Das ß

Eigentlich hat die Rechtschreibreform die Regel ganz gut hinbekommen und jahrzehntelange Zweifelsfälle beendet:

  • Nach einem kurz gesprochenen Vokal schreibst du ss, z.B. Fluss.
  • Nach einem lang gesprochenen oder Doppelvokal schreibst du ß, zum Beispiel fließen oder Fußball.

Das war anno 1996 im Grunde schon die halbe Abschaffung des ß. Die große Frage ist: Warum nicht ganz weg damit, wenn man es mit ss sowohl schriftlich als auch phonetisch doch gleichwertig ersetzen kann?

In der Schweiz klappt das seit den 1930er-Jahren ziemlich gut. Ja, es gibt einzelne Zweifelsfälle wie Busse: Sehe ich Busse über die Straße fahren ohne tue ich gerade Busse, indem ich eine Woche lang nichts esse? Es erschließt sich meist aus dem Kontext.

Nicky, die ja seit einigen Monaten meine Kollegin ist, hat sich das ß bereits abgewöhnt. Das ist ein wenig nervig, weil ich das dann in ihren Texten wieder zurückändern muss (lasse ich dich bald selbst machen, freu dich drauf! 😉 ). Und jedes Mal frage ich mich dabei: Warum eigentlich noch? Wozu braucht es das ß noch?

Ich prophezeie, dass das ß in wenigen Jahrzehnten sowieso abgeschafft wird, weil es das Schreiben nicht einfacher macht und das Erlernen der Sprache auch nicht. Vor allem aber, weil man es ganz einfach abschaffen kann: Man benutzt es einfach nicht mehr und kaum jemandem wird es auffallen.

Ich geb es ehrlich zu: Ich bin sogar ein kleiner Fan des ß. Es ist eine ganz niedliche Eigenart der deutschen Sprache, ähnlich wie die Tilde im Spanischen („señor“), das Trema im Französischen oder Niederländischen („geïnteresserd“) oder den Accent circonflexe im Französischen („ragoût“) – der aber auch nur historische Gründe hat und für die korrekte Aussprache nicht notwendig ist.

Ähnlich wie das ß. Ist ganz hübsch, aber brauchen tut es das nicht mehr. Für eine niedliche Eigenart blieben uns im Deutschen ja noch die Umlaute.

3. „Person!“

Ich möchte einiges abschaffen; das hier würde ich gerne neu einführen. Und zwar die Möglichkeit, fremde Menschen auf der Straße mit einer Anrede anzusprechen, wie es auch die Briten, Niederländer, Franzosen, Italiener, Spanier können:

ItalienischSignor, Signora
SpanischSeñor, Señora
FranzösischMonsieur, Madame
NiederländischMeneer, Mevrouw
EnglischSir, Madam
Deutsch?, ?

Im Prinzip haben wir im Deutschen „Herr“ und „Frau“ dafür. Klingt aber komisch, sagt man nicht, ruft man schon gar nicht. „Herr, Sie haben Ihre Tasche dort vergessen!“, „Frau, Frau! Bitte warten Sie.“ Klingt komisch, fast wie eine Belästigung.

Aber was nehmen wir stattdessen? Wir behelfen uns mit Verlegenheitskonstruktionen wie „Tschuldigung!“, etwas höflicher: „Verzeihen Sie…“ oder „Guten Tag! Könnten Sie…“. Richtig praktisch ist das alles nicht und – steile These – es könnte sogar dafür sorgen, dass wir im Alltag noch mehr für uns bleiben als sowieso schon. Es hält den einen oder anderen davon ab, jemand Fremden einfach anzusprechen.

Eine Lösung habe ich dafür leider nicht. Ich kann hier nur den Wunsch äußern, dass man da etwas einführt.

Und das war’s auch erstmal schon. Diese drei Dinge würde ich an der deutschen Sprache gerne ändern. Es gäbe noch viel mehr, wenn man erstmal anfinge, aber dafür bin ich dann doch wieder nicht Sprachprofi genug.

Was würdet ihr gerne an der deutschen Sprache ändern?