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Yeah

Die Sache mit dieser Selbstakzeptanz

Seit etwa Anfang des Jahres habe ich immer mal wieder Phasen, die ungewöhnlich für mich sind. In denen…

  • Ich mir fast alles zutraue
  • Fast keine Angst vor irgendwas habe
  • Völlig in mir selbst ruhe
  • Superentspannt bin
  • Mich nicht ständig selbst hinterfrage
  • Den Tag so gestalte, wie ich gerne möchte
  • Es mir egal ist, was andere von mir denken
  • In denen ich niemanden brauche, um glücklich zu sein
  • Schon gar keine Partnerschaft
  • Pannen und Probleme zwar passieren, aber mich nicht tangieren
  • Ich aus mir heraus lächele und einfach positiv gestimmt bin
  • Was dann auch auf andere wirkt, die dann zurücklächeln
  • Ich andere mit meinen Ideen mitreißen kann

Dann schmiede ich Pläne, die ich mir sonst nicht zutraue, etwa, jetzt doch mal um die Welt zu reisen. Normal schrecke ich davor zurück vor allem aus Angst vor Einsamkeit unterwegs. Aktuell überhaupt nicht.

Zweimal hatte ich diesen Anflug schon, und einige Tage später war das wieder vorbei. Diesmal hält es schon eine ganze Weile. Wenn ihr mich fragt, was das ist, würde ich sagen: ein gesundes Selbstbewusstsein, das mit Selbstannahme einher geht.

So ungefähr, stelle ich mir vor, kann das funktionieren mit einem glücklichen Leben, so könnte es Spaß machen, damit wäre auch der Welt gedient.

Nur hatte ich das irgendwie noch nie. Normal sind bei mir schreiend laute Selbstzweifel an allen Ecken und Enden die Regel. Wie ist denn das bei euch? Was ist da der Normalfall? Würde mich jetzt echt mal interessieren.

*

AI

Ich finde es hochspannend, was die Großkonzerne gerade zum Thema KI raushauen. Es macht mittlerweile allen Anschein, als könnte es unseren Alltag verbessern und weit weniger Arbeitsplätze kosten, als mal befürchtet.

Googles Project Astra letzte Woche sah schon sehr vielversprechend aus:

Microsofts Recall auf den neuen Copilot+-PCs gestern dann auch:

Und dann noch OpenAIs GPT-4o:

Problem ist hier nur, dass die Stimme „Sky“ doch etwas sehr nach Scarlett Johansson klingt, sogar das leicht heisere, das Scarlett in der Stimme hat. Die Stimme und vor allem die wahnsinnig gute Umsetzung der Sprachsteuerung erinnerten nicht wenige an den 2013er-Film „Her“ von Spike Jonze, in dem sich Joaquin Phoenix in die KI-Stimme von Scarlett Johansson verliebt (obwohl er auch Amy Adams in echt haben könnte 🙄):

Zehn Jahre später Realität geworden. Schon klein bisschen gruselig. Ich war schon von der Sprachsteuerung der ChatGPT-App mit der 3.5-Version begeistert, auch wenn ich da mit nem Dude spreche, der aber auch so Nachdenk-Ähs einbaut und damit täuschend echt klingt. GPT-4o soll das jetzt also noch besser hinkriegen. Ich würde es gerne mal ausprobieren, aber seit dem Upgrade kommt bei mir keine Verbindung mehr zustande.

Scarlett Johansson ist auch nicht amused. Zumal OpenAI sie wohl vergangenen Herbst kontaktiert hatte, um der KI ihre Stimme zu verleihen und sie abgelehnt hatte.

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Yeah

Erinnerungen wiederherstellen

Da graute mir am meisten vor: Meine externe Festplatte noch einmal nach alten Erinnerungen durchsehen, die ich über die Jahre wahllos dort gespeichert hatte. Am Ende habe ich es mir einfach gemacht:

  • Alles, was nicht nach Arbeit aussah, habe ich mir noch einmal angeschaut
  • Alles, was ich ohne reichlich Aufwand nicht mehr hätte öffnen können, habe ich einfach gelöscht…

Zu letzterem gehörten vor allem alte E-Mails von vor über zwanzig Jahren. Wären sicher noch einige Schätze darunter gewesen, aber ohne Installation alter E-Mail-Programme und Wiederherstellen der Dateien nicht mehr lesbar. Good Riddance!

Und dann gab es auch noch ein paar schöne Erinnerungen. Tatsächlich ein Verzeichnis alter Bilder, von deren Existenz ich nichts mehr wusste. Der Prototyp für einen Podcast, den ich einmal produzieren wollte, von dem ich nicht dachte, ihn jemals aufgenommen zu haben, und der gar nicht einmal so schlecht klang.

Eine Zeitlang war ich mal in einem Chor und dachte mir damals: Wenn ich auch nur eine Sache aus dieser Zeit mitnehmen könnte, dann wäre das, wie wir „Tourdion“ singen. Und siehe da: Das scheine ich irgendwann tatsächlich mal aufgenommen zu haben. Womit weiß ich nicht mehr, eventuell mit meinem allerersten Smartphone? Man hört mich leider raus und besser wäre es gewesen, das Aufnahmegerät näher an den Sopran und Alt zu halten, die konnten das besser. Aber immerhin: Es gibt einen Mitschnitt dieser Erinnerung. 🙂

Ebenfalls behalten: ein paar alte Arbeitsproben und meine Diplomarbeit. Alle anderen Unterlagen aus dem Studium habe ich ausnahmslos gelöscht.

War eine schöne Erinnerung. Ich rate euch dazu, das auch einmal zu machen, am besten wenn ihr, wie ich heute Abend, in guter Stimmung seid. Dann bessert die sich noch weiter auf.

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Yeah

Sei einfach du selbst

Nun, das erste Problem daran ist zu wissen, wer man denn überhaupt ist. Dauert ja etwas und verlangt auch einige Mühen, das herauszufinden. Ich bin seit einigen Jahrzehnten dabei.

Und dann ist da da Bürgerliche Gesetzbuch, das dir einige Dinge vorschreibt. Ich bin kein Jurist, aber ich vermute mal, des gesunden Miteinanders Willen. Ich kann zum Beispiel nicht, um die Überschrift hier mal wörtlich zu nehmen, einfach mal ich selbst sein und so auf die Straße rennen, wie Gott mich schuf. Gäb Ärger, es sei denn, er wäre Kunst, müsste dann aber vorher angemeldet werden.

Und dann ist da der moralische Komplex. Man brüllt nicht einfach mitten am Nachmittag laut in der Nachbarschaft herum oder trägt noch braune Cordhosen mit Schlag zum karierten Hemd.

Nein? Nun, Ersteres ist den Jungs, die da täglich auf dem Platz vor meiner Tür sitzen, herzlich egal, so wie ihnen fast alles egal ist. Letzteres ist fluid, kannst du schon tragen, wirst du nur eventuell sozial für ausgegrenzt, zumindest solange, bis es wieder in Mode kommt, und das passiert.

Hier sind wir auch beim eigentlichen Thema: Sich immer noch darum scheren, was man jetzt macht und was nicht, obwohl man sich schon gefunden hat, aufs BGB eingeschworen ist und sogar Mode mitmacht, soziale Normen mitspielt. Spätestens dann muss man eigentlich damit aufhören, sich in vorauseilendem Gehorsam selbst zu zensieren. Oder sich seinen Ängsten zu unterwerfen. Oder einer kruden Vorstellung davon, wie man selbst eigentlich zu sein hat.

Gar nicht mal so einfach, eigentlich. Aber ich werde das mal versuchen.

Danke, Nicky!

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Argh

Rayuela

So, jetzt reicht’s auch mal. Gut 300 Seiten von diesem Buch habe ich geschafft und jetzt mag ich auch nicht mehr. Ist ein Buch für Intellektuelle, klar, und da bin ich keiner von. Die meiste Zeit passiert aber auch einfach nichts, und wie es jetzt weitergeht, ist mir schlicht egal.

Dabei hatte ich mich sehr auf das Buch gefreut. Der argentinische Autor Julio Cortazar hat in „Rayuela“ viel ausprobiert. Zwischen den Kapiteln der Hauptgeschichte gibt es weitere, die man lesen kann. Der Autor selbst gibt die Reihenfolge vor. So liest du zum Beispiel Kapitel 6, wirst dann zu Kapitel 132 geleitet und liest erst dann bei Kapitel 7 weiter. Eine geniale Idee – eigentlich.

Denn die Kapitel abseits der Hauptgeschichte sind allesamt belang- und bedeutungslos, während die Hauptgeschichte mich die meiste Zeit genervt hat. So würde ich Rayuela vor allem als Inspiration für andere Autoren betrachten, einmal mit der klassischen Reihenfolge zu brechen und Subgeschichten einzuführen. Die sollten dann aber bitte etwas zum Inhalt beitragen, eine alternative Ebene schaffen und sich munterer lesen lassen als dieses Werk, das ich jetzt dem offenen Bücherschrank übergebe. Es gibt schönere Bücher, die ich jetzt lieber lese.

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Alright!

Poesie

So! Während ihr euch die Sonne auf den Pelz habt brennen lassen oder fremde Städte erkundet, hab ich an diesem Wochenende mal die Schulbank gedrückt und in einem VHS-Kurs das Gedichteschreiben erlernt. Vielleicht geht es euch wie mir: Gedichte schreiben kann echt Spaß machen. Anderer Leute Gedichte lesen: nicht ganz so attraktiv. 😉 Aber vielleicht mögt ihr euch mal anschauen, welche Gedanken nie das Licht der Welt erblickt hätten, wenn ich nicht dort gewesen wäre. Mein erstes und mein letztes Gedicht des Seminars. Vielleicht seht ihr da sogar eine Entwicklung. 🙂

Ein Mensch, er lag bloß da

Ja nun
Ja nun
Ja nuhuhuhuhuhn
Huhn frisst Mann
Was hatte er getann?
Er hatte auf dem Feld gewerkelt
Mann, Mann, Mann

Das Huhn, das ging zum Fenster raus
Dort hinten sprang es aus dem Haus
Der Mann, er lag bloß da
Mit seinem Rechen gar

Die Ente sprang alsdann auf ihn
Und hob den Schnabel volatin
Worauf der Mann im Schlund verschwand
Mann, Mann, Mann

Nur manchmal, wenn der Mensch sich fragt,
Was ihn des langen Tages plagt
Denkt er an diesen armen Mann
Den eine Ente fressen kann.
Halt, nein, es war ein Huhn.

Auch von mir. Collagen-Übung

Habe ich das schonmal geschrieben?

Es war ein Tag, an dem ich aufstand
Einfach aufstand, wie ich war
Und hineinging in das Haus des Meisters
Des Meisters, dessen Schüler ich einst war
Wenig noch, was uns verband
Wärme karger Lebensgeister
Habe ich das schonmal geschrieben?

Als ich einging in das Haus des Meisters
Ging ich ein, so wie ich war
Und beschloss erst, nichts zu sagen
Keine Worte, klar und rar
Im Gefühl doch wohl entgeistert
Gab es vieles, was ich wollte fragen
Hatte ich das nicht wirklich schon geschrieben?

Mein Herz klopfte
Als ich an die Pforte pochte
Und ich lange nichts vernahm
Banges Warten her vom Kopfe
Müh Gedanken mit mir fochte
Wie ein Räuspern mir entkam
Doch, das hatte ich schon einmal geschrieben.

Und erlebt.
Denn ich wusste, was nun folgte
War mit breiter Brust von ihm
Ein sehr laut gestärkter Ruf
Tritt doch ein, mein Baldrachin
Worauf tief ich tollte
Als der Schüler, den er schuf

Dann hatte ich es halt schonmal geschrieben
Und wollte nicht erneut erleben
Was geschehen, was erduldet
Worte, Schwerter er gebar
Nicht nochmal darüber reden
Nur das Schreiben mir geblieben
War, was mir geschuldet

Lieber schreiben, lieber schreiben
Nicht den Mut, noch zu erleiden
Was dort einst geschehen war.

*

Bei Poesie fällt es eigentlich am meisten auf, dass Sprache im Grunde Mathematik ist. Versmaße? Genau vorgegeben. Reimschemata? Algorithmen! Ich glaube, so lässt sich Sprache am klarsten bauen. Und, hui, das hat erst an der Oberfläche gekratzt! Es gibt noch so viel mehr darüber zu lernen und zu erproben. Schade, dass es dann niemand lesen will. 😉

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Yeah

Mentor yourself!

Manchmal steht man vor einer gravierenden Entscheidung, hat aber die Erfahrung nicht. Wohin jetzt gehen? Was jetzt tun? Links oder rechts, ja oder nein. Gut, wenn man einen Mentor dafür hat, der einem mit Rat und Tat zu Seite steht.

Ich finde viele Analogien zu Filmen. Einer meiner Lieblingsfilme ist mittlerweile Gravity: Selbstunsichere Astronautin muss ihre Selbstunsicherheit überwinden, um am Leben zu bleiben. Aber kein Ding, wenn man George Clooney als Mentor hat. Bis man ihn dann plötzlich nicht mehr hat und selbst entscheiden muss.

Wenn du einen Mentor hast: Gut so! Nutze die Chance, lerne von ihm, wachse an ihr. Sehr oft im Leben hat man allerdings keinen und ist auf sich alleine gestellt. Was dann tun?

Ich habe mir in solchen Situationen oft Rat von Freunden geholt, manche Entscheidungen Kollegen aufgebrummt, sie einfach vertagt oder gar nicht angegangen. Alles nur so semi-gute Ideen. Klar, manchmal lösen sich Probleme wahrlich von selbst, Freunde können gute Ratgeber sein, wenn sie etwas von dem verstehen, wonach du sie fragst. Und auch Kollegen wissen viel. Aber sehr oft habe ich Entscheidung einfach „outgesourct“, die ich zu feige war selbst zu treffen. Hätte ich doch nur einen Mentor gehabt…

Nun, hatte ich bei näherer Betrachtung, haben wir alle schon in uns eingebaut. Nennt sich: Bauchgefühl. Das Bauchgefühl, das uns meistens mitteilt, ob etwas richtig oder falsch ist. Mit ihm schaltet man den Kopf ja nicht aus. Der Kopf ist in das Gefühl schon eingearbeitet. Das funktioniert deutlich besser nach einigen Jahren Erfahrung, als wenn wir Neuling auf einem Gebiet sind. Aber mit ein paar Jahren Berufserfahrung? Bauch! Er trifft meist die richtigen Entscheidungen.

Nicht immer, klar. Niemand trifft immer die richtigen Entscheidungen. Das Risiko ist immer da, Fehler zu machen. Manchmal bekommen wir die Chance, eine falsche Entscheidung noch zu korrigieren, manchmal nicht. Aber eine Entscheidung müssen wir treffen. Zum Glück sind nicht alle so grav(ity)ierend, dass wir unseren Bauch dafür fragen müssen. Aber wenn doch, ist er der beste Mentor, den wir kriegen können. Nutze ihn!

*

Technik, die entgeistert

Zwei Stunden. Zwei Stunden heute am Mittag, um meine verdomden Bremsbeläge am Fahrrad auszutauschen. Weil man dafür nämlich das ganze Rad abschrauben muss, ja logo. Ey, es hat doch früher nicht so ewig gedauert, sein Fahrrad zu reparieren, oder etwa doch? Und da soll noch einer sagen, Technik würde unser Leben immer leichter machen.

Okay, früher habe ich alle Nasen lang Reifen flicken, die Kabel wieder in den Dynamo stecken, Ketten ölen oder Birnen austauschen müssen. Das ist heute zum Glück sehr viel seltener geworden. Dafür brauchst jetzt aber zwei Stunden, um Bremsbeläge zu tauschen, musst bei einer Nabe einen Ölwechsel machen oder – na gut, das war’s. Einfacher aber: nicht wirklich. Nur anders komplex.

Well worth it, though: Bremsbeläge getauscht, die Schutzblechhalterung vom freundlichen Fahrradmechaniker um die Ecke geradebiegen lassen, die Reifen mal wieder aufgepumpt (hatten noch 2 bar…), bisschen Staub abgeputzt, währenddessen mit Nachbarn geschnackt. Es fühlte sich danach wie ein neues Fahrrad an. Also ruhig mal bisschen Zeit investieren, um Dinge zu erledigen. Kann sich lohnen.

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Im Auge des Sturms

Screenshot

Sieht vor Ort dann so aus:

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Keiner will Bayern-Trainer werden

Eine wunderbare Anekdote in einer Saison, in der Bayern unter Umständen keinen Titel holt, Leverkusen Meister wird und die selbstgenügsame (und irgendwie viel zu groß geratene) Bank an Ehrenpräsidenten und sonstwelchen Entscheidungsträgern keinen Trainer überzeugt bekommt, das Pulverfass dort anzufassen und ein Jahr den Platzhalter für Xabi Alonso zu spielen, bevor der seine Mission bei Leverkusen beendet hat. Mir geht langsam das Popcorn aus. Einfach herrlisch!

*

Ren: Hi Ren

Abgefahrenste Mischung aus Song und Monodrama, das ich je gesehen habe. 9 Minuten, die deine Sicht auf Musik für immer verändern werden.

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Right

The One Thing You Can’t Beat

Es gibt diesen Film „Manchester by the Sea“ mit Casey Affleck, in dem der Hauptdarsteller nach einem schweren Schicksalsschlag einfach nur versuchen muss, ein normales Leben zu führen. Das gelingt ihm jedes Mal so weit, bis er dann doch wieder an diesen Schicksalsschlag erinnert wird und alles, was er aufgebaut hat, zerschlägt. Es ist diese eine Sache, die er nicht überwinden kann. Und gegen Ende des Films (sorry für den Spoiler!) in einer sehr bewegenden Szene offenbart es sich seinem Nebendarsteller und sieht es ein: „I can’t beat it.“ Egal, was ich versuche, ich schaffe es nicht.

Okay, dieses Geschiedener-Typ-meistens-mit-Bart-in-Neuenglischem-Fischerdörfchen-findet-durch-junge-Bezugsperson-zu-sich-selbst-Klischee wurde in amerikanischen Indiefilmen jetzt etwas zu oft bemüht. Aber der Film ist gut und die Problematik echt.

Es muss nicht zwingend ein Schicksalsschlag, es darf auch gerne eine schlechte Eigenschaft sein, die man dir in die Gene gelegt hat oder die du durch Umstände im Laufe des Lebens erworben hast. Aber ich glaube mittlerweile, jeder hat diese eine Sache, die er nicht überwunden bekommt. Bei mir ist es wahrscheinlich, dass ich in sozialen Situationen einfach nicht entspannt sein kann. Vor allem, wenn ich die Mehrheit der Menschen dort nicht kenne. Ich wünsche mich dann weg, überspiele meine Ängste, kann nicht entspannen oder ganz ich selbst sein. Probiere das jetzt seit Jahrzehnten, kriege es nicht hin.

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit wieder verstärkt mit dem Thema Religion. Interessanterweise hat mich diese Erkenntnis daran erinnert. Ein weit verbreiteter Irrtum ist etwa, dass derjenige in den Himmel komme, der ständig Gutes tut. Ist nämlich nicht so. In den Himmel soll kommen, wer Jesus Christus als seinen Erlöser annimmt. That’s it. Gleichermaßen fordert Jesus von einem Christen gute Taten ein, und zwar so viele, dass schon Propheten sagten und auch Theologen abwinken: Es ist überhaupt nicht möglich, all das zu tun, was Christus forderte. Aber versuchen und guten Willen zeigen müssen Christen trotzdem, wenn sie in den Himmel kommen wollen. Das ist quasi Bedingung 2.

Also sind gute Taten eigentlich nur ein Nebenprodukt des Christseins, nicht die Hauptsache. Gutes entsteht nur dadurch, dass man sich redlich bemüht, auch wenn man die Vollkommenheit nicht erreichen kann, wie sehr man es auch versucht. So ähnlich wie diese eine Sache im Diesseits, die man nicht besiegen kann, wie sehr man sich auch bemüht.

Oder anders gesagt: Aufgeben ist nicht. Ein wenig radikale Selbstannahme kann das Leben allerdings erleichtern. Kommt man dann trotzdem noch in den Himmel? Ich denke, wenn du das wirklich willst, Bedingung 1 erfüllst und dich – nach der Selbstannahme – bemühst, weiterhin Gutes zu tun, sollte das schon klappen. So verstehe ich das zumindest.

Und diese eine Sache, die du nicht besiegen kannst? Musst du wohl mit leben. Es ist besser, sie zu akzeptieren, als zu versuchen, sie zu verstecken oder vergeblich alles dafür zu tun, sie nicht haben zu wollen.

*

The Dead South: Yours to Keep

Cooler Song, weirdes Video, aber das ist wohl so gewollt.

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Yeah

Fallout

Wie grandios ist bitte Fallout, die Serie?!

Ich weiß, ich war von der ersten Folge noch nicht gerade überzeugt, nicht nur wegen der überzogenen Gewaltdarstellung. Für mich wirkte das anfangs noch wie ein erneuter Aklatsch von The Walking Dead/ The Last of Us gekreuzt mit Westworld und einer Prise Wayward Pines. Und auch Sci-Fi-Dystopien mit Experimenten perfekter Gesellschaften gab es schon. Vielleicht erinnert sich noch einer an die Serie Ascension.

Bei Fallout zeigt sich aber schon bald, dass es um mehr geht und dass sich die Macher um eine teuflisch spannende Geschichte und vielschichtige Charaktere bemüht haben. Die gutgläubige Lucy, die plötzlich Kämpfermentalitäten entwickelt, als ihr Bunker von Rebellen gestürmt wird. Knappe Maximus, ein Außenseiter, der die Chance erhält, Ritter zu werden. Und über allen der abscheuliche Kopfgeldjäger Cooper auf persönlichem Rachefeldzug – gegen wen bleibt lange unklar – der sicher nicht zufällig an den „Mann in Schwarz“ aus Westworld erinnert.

Mehr und mehr sickert Folge für Folge der Hintergrund der Geschichte ein und die Charaktere entwickeln eine erstaunliche Verwandlung. Ritter, die zu feigen Schweinen werden, indoktrinierte Bunkerbewohner, die auf der Suche nach der Wahrheit erstaunlichen Mut offenbaren und ein vermeintlicher Antagonist, dessen Rolle auf einmal gar nicht mehr so klar ist.

Schon das Setting der Hintergrundstory ist phänomenal. Die Gesellschaft in einer Art alternativem 1960 hat bereits einen Atomkrieg hinter sich, setzt auf Robotik und Technik wie eine Smartwatch-ähnliche Manschette und hat Rassenkonflikte überwunden. Drei Dinge allerdings nicht: Krieg, Unrecht und Kapitalismus. Und gegen jene rebelliert diese Serie letztlich auf eindrückliche Weise. Es wirkt vom Plot her alles stimmig, selbst die wenigen, aber äußerst brutalen Kampfszenen unterstreichen den Zweck. Und auch die Gesellschaftskritik ist nicht zu übersehen: Darf sich eine Elite (Europa/USA/westliche Demokratien) auf eine Insel der Glückseligkeit zurückziehen, wenn gerade wegen ihr die Welt um sie herum zusammenbricht?

Amazon Prime hatte mit der ersten Großproduktion Ringe der Macht wenig Glück. Mit Fallout ist dem Videodienst nun ein Volltreffer gelungen. Starke Geschichte, großartige Schauspieler, tolle Kulissen, Musik und Kostüme. Ich gucke kaum noch Serien und das ist auch gut so. Aber ich kann jetzt schon Staffel 2 (bereits angekündigt) kaum noch erwarten. Ich hoffe, es dauert nicht zu lange damit!

Und wer es noch nicht getan hat: unbedingt anschauen!

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Xavier Rudd: Follow the Sun

Die Welt ausblenden und Xavier Rudd hören

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Right

Op Nederland

Mein 1 Task für heute war, mal zu schauen, ob es die Niederlande noch gibt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin immer irgendwie nervös, wenn es ins Ausland geht und ich weiß, dass ich mich nicht perfekt mit den Leuten verständigen kann. Könnte ich nicht mal in England. Oder Bayern.

Heute lief es aber erstaunlich gut. Die Leute hinter der Grenze verstehe ich irgendwie dreimal besser als die in der Randstad. Ich war mir erst unsicher, aber dann stand ich mit einem Euro in der Hand vor der Einkaufswagen-Reihe des Jumbo und merkte: Der Typ neben mir steckt keinen Euro ein, sondern zieht seinen Einkaufswagen einfach so raus. Dann sagt er sehr freundlich zu mir: „Nee, dat heb je niet nodig. Niet meer!“ Und ich dachte mir: Hey! Das habe ich verstanden.

Ich bin dann nicht schreiend davongelaufen, als der brummige alte Mann im Rollstuhl vor der Zeitschriftentheke mich fragte, welcher Tag Samstag sei und ob die Fernsehzeitung da noch aktuell wäre. Mir fiel auf die Schnelle die Zahl 27 (sevenentwintig) nicht mehr ein, aber ich muss so gestrahlt haben, dass ich verstanden habe, was er mich fragt, dass er irgendwas murmelte, irritiert zurückrollte und dann den Verkäufer fragte. Machte mir aber nichts.

Der Kassiererin schaffte ich es dann zu erklären, dass meine Karte wohl nicht funktioniere, weil das eine ausländische (buitenlandse) sei. Die meisten Konversationsfetzen der anderen Kunden verstand ich ebenfalls. Und dann ging ich noch ins Café, bestellte einen koffie verkeerd (Milchkaffee) und danach in ein indonesisches Restaurant, und bekam es hin, mit der Bedienung ein ganz klein wenig zu smalltalken. Ich setzte mich draußen hin, ein Kellner kam mit der rijsttafel raus und sagte, dass es drinnen viel wärmer sei und ob ich nicht reinkommen wolle. Ich sagte, nee, draußen wäre mir eigentlich sehr warm. Aber danke, und das Essen sehe toll aus (siehe Beitragsbild).

Een kopje koffie verkeerd

Erkenntnisse also: Das viele Vokabelnlernen hat doch etwas gebracht. Die Limburger verstehe ich viel besser als die Holländer. Und ruhig mal versuchen, ein paar Sätze zurechtzulegen und öfter mal rüberfahren. Vielleicht mit einem Ritual, um es einfacher zu machen. So wie heute:

  1. In den Supermarkt, Craftbeer, Nüsse, Vla, exta-oude kaas, Kruidnoten (saisonal) oder andere Spezialitäten kaufen
  2. Im Zeitschriftkiosk, Supermarkt oder Buchhandlung eine Ausgabe „De Volkskrant“ kaufen. Ich bleibe dabei: beste Zeitung der Welt!
  3. Die dann in einem Café bei einem koffie verkeerd in Ruhe durchblättern
  4. Auf Google Maps nach einem indonesischen Restaurant suchen (sooo viele gibt’s da gar nicht, dafür dass das mal deren Kolonie war) und die rijsttafel bestellen!
  5. Mit dem Servicepersonal smalltalken, andere Kunden belauschen und vielleicht sogar mal einen Verkäufer was fragen.

Ein bisschen konsterniert bin ich schon, dass mein Niederländisch nach vier Jahren immer noch nicht für eine gepflegte Konversation reicht, aber es wird langsam.

Kerkrade

Interessant übrigens, dass mir bei Ankunft auf dem Jumbo-Supermarkt auffiel, dass ich da schon einmal war. Vor zwei oder drei Jahren während der Corona-Zeit (ist das schon wieder so lange her?). Ich hatte einfach nach dem nächsten Jumbo hinter der Grenze gesucht (es gibt allerdings etliche!) und mich dann offenbar zweimal für denselben entschieden. Ich werde berechenbar…

Ich glaube, damals hatte ich auch Craftbeer gekauft, und das dann mit zu Nicky und Juan auf die Terrasse genommen. Okay, DAS fühlt sich lange her an. Die beiden sind ja mittlerweile leider ausgewandert. 🙁

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Coldplay – Everything’s not lost

Ich mag es, zufällig alte Lieder wiederzuentdecken, die man mal sehr mochte, aber die dann irgendwie in Vergessenheit gerieten. Irgendwie dachte ich neulich an Coldplay und wollte das erste Album von denen (Parachutes) noch mal hören. Das habe ich heute im Auto getan. Und ich wusste gar nicht mehr, dass „Everything’s not lost“ da drauf ist. War ziemlich begeistert, als das dann plötzlich kam. Habe ich mit meiner ersten Freundin damals sehr viel zusammengehört. Sehr, sehr lange her. 🙂

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Alright!

1 Task 1 Day

Produktivitätsexperte Ali Abdal taucht mittlerweile an allen Ecken und Enden auf, neulich sogar in meiner Meditationsapp. Eigentlich schaue ich seine Videos nur selten, er lässt keine Werbepause aus, optimiert und vermarktet sich total, das ist oft was drüber. Wir sind alles Menschen, keine Maschinen. Neulich bin ich aber doch mal über eins seiner Video gestolpert, in dem er Produktivitätstechniken auf Herz und Nieren prüft und nach Effektivität rankt. Die meisten davon kannte ich tatsächlich schon. Und einige der besten sind so einfach, dass sie besonders einfach umzusetzen sind. Am besten gefällt mir „1 Task 1 Day“.

Das Prinzip ist hier, sich für einen Tag nur genau eine wichtige Sache vorzunehmen und die dann auch durchzuziehen. Das kann etwas Langes sein, wie, den schwierigen Text endlich fertig zu kriegen, oder auch was vermeintlich Simples wie, die eine wichtige E-Mail an den Chef zu schreiben. Welcher Task das sein soll, schreibt man am besten schon am Abend vorher in den Kalender.

Ich mache das seit einigen Wochen wieder verstärkt, und es klappt erschreckend gut. Manchmal dauert es ein paar Stunden, manchmal prokrastiniere ich ein bisschen. Manchmal bleibt mir zwischen dem ganzen Micromanagement, das ja trotzdem noch gemacht werden will, nur 1-2 Stunden echte konzentrierte Arbeitszeit zur Verfügung. Und wenn ich die klar für eine (und auch wirklich nur eine) Sache verwende, bekomme ich Erstaunliches geschafft.

In dieser Woche habe ich das sogar an einigen Tagen „hochskaliert“ auf erstaunliche 2 Tasks an einem Tag. Aber da bin ich vorsichtig, ob das wirklich sinnvoll ist. Die Effekte der nur einen großen Sache an einem Tag sind auf jeden Fall, dass ich am Ende mehr schaffe dank der besseren Planung und Fokussierung, und dass ich abends zufriedener bin, weil ich meine Arbeit fast immer geschafft bekomme und dann auch einen klaren Cut mache, nachdem ich beruhigt Feierabend machen kann.

Kann ich sehr empfehlen.

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1 Blog 1 Story

Als ich die Überschrift für diesen Beitrag entwarf, kam sie mir so bekannt vor. Ich suchte, und siehe: Ich hatte so eine ähnliche vor Jahren schon einmal benutzt für: 1 Meal 1 Day.

Ich glaube, es wird Zeit, alles noch einmal durchzugehen, was ich seit dem Start dieses Blogs vor auch schon bald 5 (!) Jahren alles verzapft habe.

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Auto

Das wird richtig bitter werden. Zahle 360 Euro im Jahr, damit du dir überhaupt noch einen Parkplatz suchen darfst, für den du dann nicht nochmal was extra bezahlen musst.

Wenn der letzte Parkplatz dann gerodet, der letzte Anwohnerparkplatz eingespart ist, werdet ihr feststellen, dass ihr nicht die Niederlande seid, dass ihr den zweiten vor dem ersten Schritt gegangen seid, dass ihr immer noch kein annähernd zusammenhängendes Fahrradkonzept habt, dass es zu Weilen regnet und dass die, die sich ein Auto dann noch leisten können oder leisten müssen, dann trotzdem damit fahren und die Stadt verstopfen.

Aber ja, es wirkt insoweit, dass ich mijn klein autotje am Ende verschrotten lassen werde. Wollte ich allerdings eigentlich erst in einem Jahr, wenn der TÜV abgelaufen ist.

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Tier

Offenbar scheint man das Problem kurzfristig mit Tier(en) übertünchen zu wollen…

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Cannabis

Doch, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass selbst hier in der Innenstadt die würzige Luft seit dem 1. April deutlich zugenommen hat. Neulich wurde ich im Fitnessstudio auf dem Weg nach oben schon high, weil da einer was im Treppenhaus geharzt hatte. Kürzlich nachmittags sah und roch ich auch am Frankie unten mitten am Nachmittag neben dem Caféroller einen Typen sich gemütlich einen durchziehen. Darf er nicht, weil direkt nebenan ein Spielplatz ist. Was offenbar noch nicht jeder weiß, weil „ist ja jetzt legal“.

Die Polizei wird’s da schwer haben. Und wer sich davon belästigt fühlt, auch.

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Drogen-Spam

Nebenbei, braucht ihr was? 🙈

Screenshot

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Vitesse Arnheim

Klar, immer mal wieder werden Profiklubs wegen Bilanzfälschung o.ä. Punkte abgezogen, wie aktuell Everton in England oder immer mal wieder einem Klub in Italien oder Deutschlands 3. Liga. Aber dass ein Klub kurz vor Saisonende mal mit -1 Punkt dasteht, wie Vitesse Arnheim in der Eredivisie, habe ich auch noch nicht gesehen…

Screenshot

Nebenbei: Morgen wollte ich mal in die Niederlande. War dieses Jahr noch gar nicht im Ausland.

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The Beloved: Sweet Harmony

Spülte mir Spotify gerade – warum auch immer – in meine wöchentliche Playlist und konnte ich mir erstaunlich gut anhören. Was für einen 90er-Jahre-Popsong eigentlich ungewöhnlich ist, zumal der große Erfolg des Lieds zweifellos aus dem kontroversen Video resultiert. Für damalige Verhältnisse ein Tabubruch: Alle Protagonisten sind nackt. Das wäre heute, 30 Jahre später, zwar immer noch interessant zu sehen, allerdings hat die oversexte Gesellschaft nach Temptation Island, Nackt-Datingshows und Forsthaus Rampensau wirklich alles gesehen, so dass ein solches Video heute nicht mehr provozieren kann.

Was endlich den Fokus auf den eigentlichen Song legt. Und der erschien mir jetzt nach 30 Jahren zum ersten Mal als Ohrwurm. Gut gealtert!