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Right

Anderen mal was Nettes sagen

Es ist verrückt, ich habe das wirklich so gut wie nie gemacht: Menschen, die ich mag, ab und zu mal etwas Nettes sagen. Warum genau nicht, versuche ich gerade zu erforschen, und habe da eine heiße Spur…

Die Sache ist aber auch die: Ich dachte mal, dass es sich für mich auch falsch anfühlen würde, wenn ich damit anfänge. Und deswegen würde ich das erst recht nicht machen. Ich täte das ja nur, um auch etwas zurück zu kriegen. Phishing for compliments, quasi. Und irgendwie wäre das nicht ich.

Aber wer ist man wirklich, und ist man am Ende nicht nur Produkt seiner vielen Gewohnheiten, von denen man ja alte mit neuen durchaus überschreiben kann? Und vielleicht fühlt es sich ja nach ein wenig Training sogar richtig an. Aber genau das ist eben notwendig: Training. Anderen etwas Nettes sagen, sie in etwas bestärken, sie aufmuntern. Und wenn es vor Kitsch trieft, dann war es wohl noch nicht der richtige Ton, den man nach ein wenig Training ja vielleicht viel besser treffen kann.

Meine ersten Ergebnisse nach drei Tagen Training sind erstaunlich (?) positiv: Es hat sich noch keiner darüber beschwert. ??‍♂️ Nicky und Jens J. haben mich nach meinem Aufruf am Freitag danach befragt und jeweils ein Kompliment zurückbekommen. Meine Nachbarin am Samstag einfach so, und als ich gestern mit zwei Freunden wandern war, habe ich versucht, das eine oder andere Positive in die Gespräche einzustreuen.

Und nein, es hat sich nicht nur keiner beschwert, eigentlich alle fanden es nett, und es hat sich sogar organisch angefühlt. Ich musste mich dafür allenfalls anfangs ein klein bisschen verstellen. Aber beim vierten Versuch fiel es mir schon gar nicht mehr schwer. Wenn man nur sein Ego mal ein wenig ducken lässt… Jetzt muss ich da nur dranbleiben. Wer mag, darf mich in persönlichen Gesprächen gerne daran erinnern, wenn ich es vergesse, und nach einem Kompliment fischen. Ich gebe dann auch gerne eins.

Und wenn du dir beim Lesen gerade denkst: „Wovon um alles in der Welt redet der? Anderen was Nettes sagen, ist doch was ganz Natürliches, das macht doch jeder?!“ Na ja, eben nicht. Schau mal auf deine Schwäche und vielleicht verstehst du dann, dass jeder irgendwo ’ne Meise hat und gar nichts selbstverständlich ist.

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Die FPD

Tempolimit auf deutschen Autobahnen, damit Deutschland die notwendigen Klimaziele kurzfristig eher erreichen kann? Dagegen: die FDP.

Verbrenner-Aus ab 2035? Beinahe alle EU-Länder dafür, Rot-Grün auch. Dagegen: die FDP.

Aus der Atomkraft sofort komplett aussteigen, die letzten Meiler vom Netz nehmen? Dagegen: die FDP.

Gas- und Ölheizungen ab 2024 endlich in den Wind schießen und vornehmlich auf Wärmepumpen setzen, die Energiewende forcieren und die Abhängigkeit von zweifelhaften Öl- und Gasnationen weiter verringern? Dagegen: die FDP.

Tempo 30 statt Tempo 50 in Städten zur Regelgeschwindigkeit machen, um schwere Verkehrsunfälle zu minimieren, einen Beitrag zur Klimawende leisten, KFZ aus Innenstädten möglichst raushalten. Dagegen: die FDP.

Die FDP, die FDP, die FDP.

I get it, okay? Man muss in einer Regierung nicht für alles sein, nur weil es die beiden Koalitionspartner sind. Vor allem, wenn es klar gegen die eigene Überzeugung geht, zu der ein Tempolimit auf Autobahnen meinetwegen gehört, warum auch immer. Aber an einigen der Beispiele wird man das Gefühl nicht los, dass die FDP, gerade in Umweltfragen, zu einer Dagegen-Partei geworden ist und sich in dieser Rolle sogar sehr gut gefällt. Motto: Das kleine bisschen Macht, das diese ungeliebte Koalition uns gegeben hat, nutzen wir voll aus, damit keiner vergisst, dass es uns auch noch gibt. Asterix gegen die Römer, wer auch immer die dann in dem Fall eigentlich wären…

Wäre sogar beinahe charmant, wenn da nicht gute Ideen bei auf der Strecke blieben. Will die ach so fortschrittliche FDP wirklich die Dagegen-Partei werden?

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Freitag schwang ich mich aufs Rad und machte ein wenig Training, fuhr nach Ippendorf und dort ein paarmal den Berg rauf und runter. Die Strecke ließ ich von Strava protokollieren.

Etwas später erhielt ich eine Glückwunsch-E-Mail:

Heißt: Die App hat alleine und korrekterweise aus meinem GPS-Tracking geschlossen, dass ich ich ein paar Mal in Ippendorf den Berg rauf und runter gefahren bin, das ohne mein Zutun mit einer Challenge abgeglichen, die es offenbar gibt („Ippendorf Up & Down“), ermittelt, dass ich das in den letzten 90 Tagen anscheinend öfter gemacht habe als alle anderen Strava-Nutzer und mir daraufhin selbstständig eine Badge per Mail zugeschickt und mich zur „Local Legend“ erklärt.

Das ist clevere Datenanalyse! Well done, Strava, well done!

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Hach, der Frühling!

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Feuerwanzen. Irgendwas sagt mir, dass wir davon dieses Jahr noch einige sehen werden…

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Letting it all out

Wenn man eh schon dabei ist, kann man auch in die Tiefen gehen. Unterhielt mich heute Abend auf WhatsApp mit einer guten Freundin über Beziehungskram. Wir kamen darauf zu sprechen und dann ließ ich es laufen. All meine schlechten Eigenschaften, was sie sind, woher sie – wahrscheinlich – kommen (so genau lässt sich das nicht immer lokalisieren) und was ich dagegen unternehme. Denn dass ich zumindest einige davon noch loswerden muss, um noch ein paar glückliche Jahrzehnte auf diesem Planeten zu führen, das weiß ich mittlerweile.

Immerhin zwei meiner schlechtesten Eigenschaften konnte ich ziemlich genau zurückverfolgen. Warum fällt es mir zum Beispiel so gottverdammt schwer, Menschen, die ich mag, mal etwas Nettes zu sagen? Einfach fehlende Gewohnheit, klar. Aber da steckt auch mehr dahinter, und ich glaube, ich komme langsam dahinter, was.

Und mehr schlechte Eigenschaften möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht aufzählen. Zum einen würde das ein seeehr langer Beitrag werden, zum anderen ist das hier ja alles öffentlich, und das muss dann auch nicht zwingend jeder lesen können. Wen es interessiert und wer sonst noch mit mir in Kontakt steht, der kann sich ja privat bei mir melden. Ich schreibe ihr oder ihm dann auch etwas Nettes zurück! Will das ja jetzt üben. 😉

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Der überflüssige Trainerwechsel ohne bisher deutlichen Erfolg, aus zwei Wettbewerben ausgeschieden, auch aufgrund der schlechten Platzverhältnisse also, dafür dann jetzt der „überfällige“ Greenkeeperwechsel, Oliver Kahn angezählt, wobei es eigentlich Hasan Salihamidzic treffen müsste, was aber als persönliche Niederlage für Uli Hoeneß gälte, und was der nie zulassen würde…

Danke, FC Hollywood Bayern! So irre und daher spannend war die Liga schon lange nicht mehr. Schade dass es keinen Rivalen gibt, der jetzt in der Lage wäre, das auszunutzen.

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Als einzige deutsche Mannschaft im Halbfinale der drei europäischen Wettbewerbe (Champions League, Euro League und Conference League) ist übrigens Bayer Leverkusen verblieben. Sagt auch einiges über die Qualität der Bundesliga aus.

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„Boys‘ Club“: Ganz ehrlich? Noch nicht mal als Journalisten interessiert es mich besonders, was da im Hause Springer und der Causa Reichelt genau vorgefallen ist. Ja, wird übel gewesen sein, ja, ist gut und richtig, dass das jetzt aufgedeckt und der Sumpf trockengelegt wird. Aber nein, kommt nicht überraschend, und einen Podcast dazu hören, wie gut auch immer er wahrscheinlich produziert sein wird? Nö, da weiß ich mit meiner Zeit was Spannenderes anzufangen. ??‍♂️

Ging mir übrigens auch im Falle Claas Relotius so. Ja, der Mann hat Journalistenpreise noch und nöcher für seine teilerfundenen Reportagen bekommen, weil eben keiner genau hingeschaut hat. So what? Vielleicht sollte man dann einfach mal aufhören, Journalistenpreise so hoch zu hängen oder Reportagen als die höchste Kunst der journalistischen Darstellungsformen anzusehen. Hab auch manchmal das Gefühl, dass das nicht all zu viele Leute außerhalb des „Spiegel“-Verlagshauses überhaupt interessiert hat.

Die gefälschten Hitler-Tagebücher (die gerade ihren 40. feiern!) toppt ohnehin nichts mehr.

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Vokabeltraining: 105 von 105. Ich glaube, das ist auch das erste Mal überhaupt, dass mir das gelingt. Es sind die kleinen Dinge…

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Spring in the City

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Alright!

Early Weekend Challenge

Ich hätte mal wieder Bock auf eine Challenge. Und in meinem Falle ist das theoretisch drin: Wie früh in einer Woche könnte ich eigentlich Wochenende machen? Ich habe mehr oder weniger ein Wochenpensum, das ich in meinem Job zu erfüllen habe. Soundsoviele Beiträge redigieren, selbst schreiben, Aufgaben vorgeben, im Team-Planungstool aktiv sein, E-Mails beantworten, konzeptuelles Planen. Das lässt sich in mehrere Schritte aufteilen, und zumindest die schwergewichtigen Aufgaben davon ließen sich en bloc zu einem beinahe beliebigen Zeitpunkt durchführen.

Heißt auf Deutsch: Wenn ich alle Beiträge geschrieben, redigiert, Arbeit verteilt, E-Mails beantwortet und noch ein Happen weiter konzeptioniert habe, wäre ich in der Woche quasi fertig. Wie früh ist das zu schaffen, ohne dass die Qualität oder irgendetwas anderes leidet? Das würde ich gerne mal herausfinden. Haupt-Stellschraube wäre wahrscheinlich die Effizienz. Clever arbeiten statt hart arbeiten.

Und wenn meine Kollegen das hier lesen: Keine Sorge: ich glaube nicht, dass mir die Arbeit so früh ausgeht und ich dann nicht mehr erreichbar wäre. Aber ich sage sogar zu euch/ihnen: Im Grunde ist es mir egal, wie lange ihr in der Woche arbeitet. Ihr müsst nur euer Pensum erfüllen. Schafft ihr das an einem einzigen Tag: super! Braucht ihr fünf Tage dafür: auch okay.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Zeitlang erfolgreich die 4-Tage-Woche bei mir eingeführt. Ich hatte fast jeden Freitag frei, und wenn ich mich richtig erinnere, war ich sehr glücklich damit.

Da würde ich gerne wieder hin.

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Sketchnotes

Eins der letzten Bücher, die ich noch nicht wegminimiert habe, ist ein Einführungsbuch in Sketchnotes. Kaum etwas hat mich seinerzeit mehr begeistert. Kunstlegastheniker wie ich können mit einfachen Mitteln binnen Stunden lernen, witzige, cartoonartige Zeichnungen anzufertigen. Selbst wenn sie (wie ebenfalls ich) eigentlich gar nicht richtig zeichnen können.

Hab mir da heute Abend nochmal eine Übung angesehen und gemacht. Zeichne ein paar Gegenstände nur mit den Grundformen Kreis, Quadrat, Dreieck, Strich und Punkt. Alles andere als leicht…

Wie sieht denn überhaupt so ein Hund schematisch aus? Oder ein Mülleimer? Ein Baum? Ringe um den Saturn? Alles gar nicht so einfach. Und wie bitte soll man die Welt nur mit den Grundformen zeichnen? Aber, ja, im Prinzip kann ich – kann jeder – zeichnen. Das war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens damals.

Und ja, bisschen Übung kann ich auf jeden Fall noch brauchen. ?

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Entweder ist es das iPhone, das meine Bilder aus dem eigenen Fotostream für den Startscreen aufhübscht (Stichwort: KI). Oder manchmal knipse ich gar keine so schlechten Bilder. You decide…

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Ach, einfach mal so, ja?!

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Das scheint denen wichtig zu sein:

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1.FC-Köln-Fanpfahl in meiner Straße. I guess, because: why not?

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Right!

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Right

Momente festhalten

Gestern war ich in der Kirche (ja, schlagt mich) und hab der Messe beigewohnt. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht, bin dann aber doch. Und es gibt genug Gründe, nicht in die Kirche zu gehen. Der Verein wandelt sich halt nur seeehr langsam, und nach all den Missbrauchsskandalen ist der Ruf natürlich völlig lädiert. Ich zahle trotzdem noch Monat für Monat das „Abo“, und da will man ja auch mal was von haben. Jedes Mal, wenn ich dann da auf der Holzbank sitze, denke ich mir aber: Da könntste schon niemanden mit hinbringen, der nicht damit aufgewachsen ist. Dieser altertümliche Gesang, diese ständige Aufstehen und sich Setzen, Weihrauch für die Massen – es könnte auf Außenstehende unfreiwillig komisch wirken.

Nur dass es diesmal gar nicht so komisch war. Keine Orgel, sondern eine Keyboarderin. Und während der Kommunion spielte sie tatsächlich „Champagne Supernova“ von Oasis (kein Scheiß!). Ein Typ drei Reihen weiter grinste in sich hinein – er hatte es auch erkannt. Beim Rest der Anwesenden bin ich mir gar nicht so sicher.

Schönster Moment für mich aber: Beim Auszug setzte sie noch einen drauf und spielte „Halo“ von Beyoncé. Und um mich herum die meisten Leute setzten sich wieder, um noch eine Weile zuzuhören. Ich mich auch. Und als dann das Klaviersolo einsetze, hatte ich ein wenig mit den Tränen zu kämpfen. (Ja, die letzte Woche war nicht gerade leicht…) Als sie fertig war, applaudierten wir alle. Ich hatte das Bedürfnis, die Dame einfach zu umarmen. Habe ich natürlich (leider?) nicht gemacht.

The thing is: Seitdem gehen mir diese Szene und dieser Song nicht mehr aus dem Kopf. Aber leider genau so, wie die Keyboarderin ihn gespielt hat. Ich kann auf Spotify das Original hören oder auch Piano-Versionen „in the style of Halo“. Aber es wird diesen einen Moment nicht mehr zurückbringen. Ich muss ihn im Geiste festhalten oder – Achtung, jetzt wird’s bisschen cheesy – im Herzen tragen. Oder mich mit der Keyboarderin anfreunden und sie irgendwann mal bitten, dass sie das noch einmal für mich spielt. 🙂

Und der „Verein“ hat mich an diesem Abend ein wenig überrascht. Oasis und Beyoncé in einem Gottesdienst – way to go! Warum nicht immer so? Vielleicht macht es doch einen kleinen Unterschied, wer da in Rom auf dem Chefsessel sitzt. Franziskus gilt nicht als der geborene Leader, aber als entspannterer, moderner Zeitgenosse. Hätte es unter Benedikt wohl schon so nicht gegeben. Jetzt noch lückenlose Aufklärung der Missbrauchsfälle, Aufhebung des Zölibats, Frauen in Priesterberufen und Segnung von Homosexuellen, und der Laden hat in den nächsten 50 Jahren noch mal eine Chance. Come on, you can do it!

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Alright!

Innerer und äußerer Jakobsweg

Gestern bin ich spontan die erste Etappe des Bonner Jakobswegs gelaufen (Köln/Bonn – Trier – Metz), und es hat irrsinnig Spaß gemacht. Vor allem wegen der ersten Pause direkt nach 500 Metern (unten im Bonner HBF, ich brauchte unbedingt noch Kaffee und Kuchen, und der Haferkater ist eine erstaunlich gute Anlaufstelle dafür. Vor allem seit nebenan der Starbucks aufgemacht hat und deswegen im Haferkater alles leer ist). Klingt faul, aber am Ende wurden es genau 25 km mit einem steilen Anstieg bei Gielsdorf, dann bis kurz vor Lüftelberg und von da noch zur S-Bahn. Und genau da würde ich gerne demnächst hin zurückkehren und die nächsten Etappen gehen. Ist nicht der berühmte, „echte“ Jakobsweg unten in Spanien (den Nicky gerade geht!), aber ein guter Anfang.

Sehr cool war dann auch noch, hinterher Christian in Bonn zu treffen, die Ereignisse der letzten Tage und Wochen bei einem Bifteki und ein paar Bierchen beim Griechen und in Bonns einziger Craftbeerbar zu besprechen und zwei gemeinsamen Freunden feuchtfröhliche Sprachnachrichten aufs Handy zu schicken. Ich bin mit Alkohol sehr vorsichtig seit dem Ende, das löst bekanntlich keine Probleme, aber das gestern hat wirklich gut getan!

Dabei wollte ich eigentlich gar nicht raus. Ich wollte zuhause meinen letzten noch zu entrümpelnden Schrank angehen, in dem sich Kindheitserinnerungen und meine letzten Bücher stapeln. Der innere Jakobsweg sozusagen, die weit steilere Strecke. Deren erste Etappe bin ich dann heute aber auch noch angegangen:

  • Die letzten Bücher in Stapel sortiert: behalten / noch einmal reinschauen und dann weg / direkt weg. Die meisten kamen auf den zweiten Stapel, direkt weg kam nur mein Niederländisch-Arbeitsbuch vom Sprachkurs in Den Haag, das brauche ich nun wirklich nicht mehr.
  • Alte Mappen mit Spielberichten der Schul-Tipperliga, sozusagen meine ersten journalistischen Gehversuche.

Und da nochmal reinzuschauen, hat richtig Spaß gemacht. Sich Woche für Woche neuen Blödsinn einfallen lassen, den man dann zu quasi Fake-Spielberichten verarbeitet. Das habe ich damals gemacht. Was war das? Irgendwas genau zwischen Prosa mit zweistelligen Leserzahlen und harten News. Ich habe es „Sportsatire“ genannt – und Jahre später dann sogar meine Diplomarbeit darüber geschrieben.

Das war schon das größte Schelmenstück meines Lebens bisher, muss man sagen. Wenn auch alles ehrliche und teils harte Arbeit war, aber ich keine Scheu davor hatte und auch Rückschläge meist gut weggesteckt habe. So gesehen eine durchaus gelungene erste Etappe und anscheinend wenig Strecke, vor der man Angst haben müsste. Aber eben auch das: ein Weg mit vielen Etappen, der mit dem ersten Schritt beginnt.

Mehr Pilgern also in nächster Zeit: innerlich wie äußerlich.

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OK

Lesen erdet

Wenn Schluss ist, spielt das innere Team Theater. Alles nicht so schlimm, sagt eine innere Stimme, jetzt bist du wieder frei, eine andere. Ein wenig Panik stieg heute in mir auf bei dem Gedanken daran, alleine zu sein, zu keinem Kreis dazuzugehören, oder anders gesagt: niemanden zu haben, der sich für mich interessiert. Warum genau das mit solche Angst bereitet, konnte ich leider ad-hoc nicht herausfinden.

Schmerz zuzulassen ist wichtig und richtig. Aber heute habe ich also auch die Grenzen dieser Idee kennengelernt. Was ist, wenn dann nicht Trauer aufsteigt, sondern Angst, und kein Mittel da ist, um sie wieder abzustellen?

Ich ging mein Telefonbuch durch und suchte nach Namen, die ich im Notfall anrufen könnte, wenn ich nicht mehr weiter wüsste. Ich fand zum Glück einige.

Weil ich mich aber immer noch nicht lange ablenken oder den Schmerz betäuben wollte, begann ich schließlich zu lesen. Wolfgang Herrndorfs seinerzeit postum als Buch veröffentlichtes, aber weiterhin online verfügbares Blog „Arbeit und Struktur„. Es ging mir nicht direkt gut damit, aber sofort deutlich besser.

Für einen Journalisten lese ich sehr selten Prosa. Dabei macht mir das bei guten Romanen sehr oft sogar richtig Spaß und ich lerne viel guten Stil davon. Und doch muss ich mich immer wieder ein Stück weit dazu zwingen, mir ins Gedächtnis rufen, dass Lesen mich erdet. Anders als Schreiben oder Spazieren/Wandern, was ich jeden Tag von selbst einfach mache. Schade eigentlich.

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It’s here!

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Right

Lass mit dir Schluss machen

Ich habe einen sehr emotionalen Beitrag über das Ende einer tollen Beziehung geschrieben, aber ich weiß noch nicht, ob es klug wäre, den hier zu veröffentlichen. Wenn meine größten Feinde den lesen würden, oder gar meine Kollegen… 😉

Was ich öffentlich sagen mag, ist, dass diesmal etwas anders ist. Man neigt dazu, den Schmerz direkt betäuben zu wollen, der entsteht. Das wollte ich diesmal nicht, ich habe ihn zugelassen. Und ich glaube, das hat etwas verändert. So guten Zugang zu meinen Gefühlen hatte ich lange nicht mehr.

Wie die meisten von euch auch habe ich Angst davor, meine Gefühle zuzulassen. Klar, die sind auch oft negativ. Mit der jetzt gemachten Erfahrung kann ich aber fast Entwarnung geben. Ja, es tut weh, sehr sogar, aber es tut gar nicht mal so lange weh. Und es tut in Summe weniger weh, als wochen-, monate-, jahrelang etwas mit sich herumzuschleppen, als halber Zombie rumzulaufen. Es geht schneller vorbei, als du denkst und es fühlt sich am Ende wie Heilung an.

Ich habe viel gelernt dadurch, wer ich bin, wie ich mit anderen Menschen umgehe, wie ich anderen weh getan habe, ohne mir das selbst einzugestehen. Ich habe mich anderen gegenüber verletzlich gezeigt (und es ist mir nichts passiert), ich bin sehr offen mit dem Thema umgegangen, was ich früher nie so getan hätte, und es hat sich befreiend angefühlt – ich glaube sogar, auch für die anderen. Nicht mehr diese Arroganz, die ich wohl sonst immer an den Tag gelegt habe, ohne es selbst zu merken: „Probleme? Ich? IHR vielleicht! ICH habe doch keine Schwächen!1!11“.

Ich werde einige Dinge ändern in meinem Leben, alles natürlich nicht, dafür ist mein Dachschaden zu groß, und die Gewohnheiten sind zu stark. Aber loslassen, mehr zu mir selbst stehen und mehr Mensch sein. Das sollte jetzt möglich sein. Von daher war diese Erfahrung heilsam.

Versteht mich nicht falsch: Es ist immer noch sehr, sehr traurig, das Ganze, es ist etwas Tolles zerbrochen, und ich rate bestimmt nicht dazu, aus einer Laune heraus einfach Schluss zu machen. So masochistisch bin ich auch wieder nicht veranlagt. (Oder sadistisch – dem anderen tut es mindestens genauso weh!) Aber wenn es passiert, wenn es unvermeidlich ist, dann die Gefühle zulassen, statt sie wegzuschieben, das wäre mein Rat.

Oder noch besser: Lasst es in euren Beziehungen gar nicht erst so weit kommen! Stellt vorher schon Verbindung zu euren Gefühlen her und lasst sie zu statt sie zu betäuben. Redet miteinander, zeigt euch verletzlich, hört zu. Dann bleibt euch das ganz dicke Ende vielleicht erspart.

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Sigh

Sich als Narzisst fühlen

Ich habe einen längeren beitrag vorbereitet der ziemlich emotional wurde weil ich mich am montag auch so gefühlt habe dann habe ich beim schreiben gemerkt dass das ziemlich mimimi ist dann habe ich ihn entschärft und dann war das gel da raus es muss ja triefen sonst nimmt es einem keiner ab und das ist ganz schön übel wenn man mal darüber nachdenkt vor allem weil es mir hinterher fast schon wieder gut ging und jetzt halte ich mich für einen narzissten wahrscheinlich bin ich auch einer.

Hab mir vorhin beim Pneumologen ein Rezept abgeholt. Die Arzthelferin (nennt man sie noch so? Wahrscheinlich längst irgendwas mit -assistent:in) zog dabei ein wenig über den Patienten her, der mir entgegen kam und den sie wieder weggeschickt hatte, weil er behaupte habe, es sei ein Notfall. Ein Notfall aber, sagte sie, sei, wenn jemand blau angelaufen wäre oder es aus dem Arm suppe, aber nicht, wenn einer nur keine zwei Monate auf einen Facharzttermin warten könne, da müsse man zum Hausarzt gehen. Und dann dachte ich und sagte leider nicht: Im Grunde sind wir eine ganze Nation von Narzissten, vielleicht sogar ein ganzer Planet, und der größte Narzisst von uns allen ist US-Präsident geworden.

Vielleicht bin ich gerade aber auch einfach nur in der Verdrängungsphase und deswegen auf das Thema fixiert.

Ich glaube zumindest, dass es nicht schadet, sich mal als Narzisst zu fühlen (ob man es nun ist oder nicht) und dann mit dem Wiedergutmachungsgedanken im Hinterkopf einfach mal nett zu und interessiert an anderen zu sein. Das tue ich nämlich seitdem, das habe ich vorher definitiv noch nicht gemacht, und seitdem sind die Ergebnisse teilweise verblüffend. Wobei, so verblüffend auch wieder nicht: die anderen freuen sich, wenn man sich für sie interessiert, sind halt auch Narzissten. Und wenn nun alle Narzissten nett zueinander sind, nur um etwas zurückzubekommen, dann ist das ja auch gar nicht so schlecht. Dann gibt man ja trotzdem und bekommt auch etwas zurück.

Und vielleicht bin ich auch etwas unzurechnungsfähig gerade und schreibe mir einen ziemlichen Schwachfug zusammen.

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Right

Gefühl und Erinnerung

Drei Monate lang habe ich jetzt täglich verschiedene Werte von mir festgehalten. Auf einer Skala von 0 bis 100:

  • Wie geht es mir (Mood)?
  • Wie entspannt bin ich (Relaxation)?
  • Wie sehr ruhe ich in mir (Spirit)?
  • Wie viel Energie habe ich (Energy)?
  • Wie ist es um meine Gesundheit bestellt (Health)?
  • Wie gut habe ich mich ernährt (Nutrition)?
  • Wie viel habe ich mich bewegt (Motion)?
  • Wie viel habe ich an diesem Tag gelernt (Education)?
  • Wie war das Wetter (Weather)?

Aus einigen dieser Werte haben ich Grafiken erstellt, die Zusammenhänge darstellen sollen.

Vermutlich ist es nicht so spannend für euch, wie es mir so ging und was ich so gemacht habe. Deswegen versuche ich etwas zu abstrahieren und zu generalisieren.

Mood & Relaxation = Wie sehr hängt meine Stimmung von meinem Stresslevel ab:

Antwort: Im Januar sehr stark. Ich war – erstaunlicherweise durch eine zweiwöchige Corona-Infektion – tiefenentspannt, hab viel gelesen, nur das tun müssen und war gut drauf.

Schon der März zeigt allerdings: Trotz erstaunlich hoher Entspannung war meine Stimmung deutlich getrübter:

Die Frage also: Woran hat’s gelegen, wenn nicht an der vorhandenen Entspannung? Zumindest auch nicht an der Ernährung und der Bewegung. Da scheint es zwar deutliche Zusammenhänge zu geben. Januar:

Oder März:

Allerdings war beides insgesamt hoch: Heißt, ich habe mich in beiden Monaten ausreichend bewegt (70 = mindestens 10.000 Schritte am Tag. >70 = Sport) und an vielen Tagen halbwegs gesund gegessen.

Es scheint tatsächlich etwas mit dem Wetter zu tun zu haben. Im Januar war die Stimmung trotz schlechten Wetters noch okay:

Im März war die Stimmung dann deutlich getrübter:

Rückblickend würde ich sagen: Das Wetter war schon nicht das einzige Problem. Aber der nicht enden wollende Winter hat mir schon irgendwann ganz schön zu schaffen gemacht, da bin ich ganz ehrlich.

Zusammenhänge gibt es auch zwischen Ernährung und dem Energielevel (hier der Februar-Wert), aber das dürfte jetzt nicht besonders überraschend kommen:

Vielleicht noch ein paar Unterschiede zwischen Gefühl und Wahrnehmung:

  • Ich habe die letzten Monate als „ein wenig getrübt“ in Erinnerung. Tatsächlich hatte ich allerdings nur an 9 der 90 Tage bei mir eine Stimmung unterhalb von 50 notiert.
  • Des Weiteren kam es mir vor, als wäre es eine recht stressige Zeit für mich gewesen, vor allem im Januar und Februar, als ich noch fleißig Chemie gelernt habe (im März habe ich dann ganz damit ausgesetzt). Tatsächlich aber habe ich im Januar nur 2x bei Relaxation einen Wert unter 70 notiert. Im Februar dann allerdings gleich 17x! Und das besserte sich erst, als ich mit dem Lernen vorläufig ausgesetzt hatte. Da scheint aber noch etwas Anderes der Auslöser gewesen zu sein.
  • Ferner hatte ich im Kopf, dass ich „die ganze Zeit krank“ gewesen wäre, oder zumindest diesen Winter „öfter krank als gesund“. Die notierten Werte zeigen da ein anderes Bild. Ja, demnach war ich dreimal krank, was für drei Monate schon recht häufig ist. Allerdings war ich insgesamt nur 14 von 90 Tagen insgesamt so krank, dass ich ernsthaft außer Gefecht gewesen wäre. Und klar, am liebsten wäre man gar nicht krank. Aber so schlimm war es dann also fei auch wieder nicht.

Und die Moral von der Geschicht: Zumindest die nähere Vergangenheit malt man keinesfalls immer rosarot, eher im Gegenteil. Sie scheint deutlich besser gewesen zu sein, als man sich an sie erinnert.

Das Wertenotieren macht übrigens Spaß. Es ist eine Art Tagebuchführen ohne vieler Worte, und es erdet. Ich werde damit weiter machen.

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Bayern hat Dortmund auseinander genommen am letzten Samstag, dann aber gestern überraschend zuhause im Pokal gegen Freiburg verloren. Und schon liest man Meldungen wie diese hier:

Seit der Posse um den Trainerwechsel ist der FC Hollywood endgültig zurück. ?

Und es nährt die Hoffnung, dass da vielleicht doch noch nicht alles entschieden ist im Meisterrennen…

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Die Kirschblüte muss jeden Tag kommen, ist aber noch nicht da. Die Gelegenheit für die Nebenstraßen, den ersten Touris was zu bieten:

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Yeah

Einen Monat Runterchillen

Ich hatte mir vorgenommen, den ganzen März nichts zu machen, was mich irgendwie stressen könnte. Einfach, weil mir der ganze Stress der Wochen davon nicht gut getan hatte. Ich war irgendwie andauernd krank. Was ich im Chillmonat März dann jetzt gemacht habe:

  • Ganz normal gearbeitet ??‍♂️
  • Viele Serien geguckt (vor allem Silicon Valley, The White Lotus, Der Schwarm und jetzt: Succession)
  • Die Wohnung entstaubt und gesäubert
  • Und irgendwie richtig viel geschlafen, also mehr, als ich Schlafmütze sowieso schon schlafe

Eigentlich habe ich noch mehr getan, als die Wohnung in allen Ecken gesäubert: Ich habe mir ein richtiges Update verpasst. Einige Dinge ersetzt, die schon lange nicht mehr schön waren oder gut funktioniert haben (Reisetrolley, Bettdecke, ANC-Kopfhörer (Nothing Ear 2 – ziemlich gut!). Ein Rucksack, eine Softshelljacke und eine elektrische Zahnbürste stehen u.a. noch aus).

Und jetzt, wo der Monat rum ist… werde ich weiter machen mit dem Runterchillen. Denn irgendwie bin ich damit noch nicht fertig. Nach dem Säubern ist vor dem Renovieren. Ich sollte unter anderem mal die Heizungen streichen, wollte mir eine Außensteckdose legen lassen und dann ein Balkonkraftwerk installieren. Und auch wieder paar Dinge wegminimieren.

Einige richtig heftige Aktion wäre Marie-Kondo-mäßig den ganzen Kleiderschrank wegzuminimieren, durch eine Kommode zu ersetzen und die Klamotten künftig nur noch einzurollen. Echter Hardcore-Minimalismus, vor allem, weil mein Kleiderschrank auch ganz viel anderes Zeugs beherbergt. Echte Challenge also, von daher gefällt mir die Idee eigentlich immer besser, je mehr ich drauf rumdenke……… ?

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Denn ja, wie gesagt, ich möchte gerne noch weitermachen. Zumal ja ich doch wieder nicht gar nichts mache. Denn ich glaube, ich kann nicht nichts tun, so bin ich einfach nicht.

Aber danach würde ich irgendwann schon gerne wieder paar neue Dinge lesen und lernen. Grafikdesign zum Beispiel.

Ich berichte Anfang Mai, wie das hier weitergegangen sein wird.

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Kudos für diese Überschrift, @Spox!

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Noch ein Foto, mehr heute nicht. 🙂