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Yeah

1:45 Minute

Sport bietet viele Lebensweisheiten. Man muss nur die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Was ich gestern Abend nicht tat.

Nach drei Stunden Tischtennis-Training, darunter zwei Stunden Einzeltraining, spielte ich noch eine Partie gegen Cedric und verlor recht klar. Cedric gab mir hinterher ein paar Tipps, was ich besser machen könnte. Unter anderem mit meinem Vorhand-Topspin. Den würde ich irgendwie nicht ganz richtig machen.

Du interessierst dich nicht für Tischtennis, das ist schade, aber in Ordnung. Wichtig ist hier nur zu wissen: Der Vorhand-Topspin ist so in etwa der wichtigste Angriffsschlag im Tischtennis, wenn nicht der wichtigste Schlag überhaupt. Vergleichbar vielleicht mit dem Dribbling beim Fußball oder dem Schalten beim Autofahren. Schwer zu lernen, aber sollte man schon können, wenn man in der Tätigkeit aktiv ist.

Cedric zeigte mir anhand einer Trockenübung, wie der Topspin wirklich geht. Ich versuchte ihn nachzuahmen, bekam es nicht hin…

– „Du hebst die Schulter zu sehr nach oben, lass den Arm nach vorne schwingen.“
– „So?“
– „Du ziehst wieder nach oben. Hol den Schwung aus der Schulter und dreh den Oberkörper dabei.“
– „So?“
– „Jetzt drehst du nur den Oberkörper. Hol den Schwung mehr aus der Hüfte.“
– „So?“
– „Nein, jetzt…“

Cedric hatte eine Engelsgeduld, aber ich bekam es nicht hin… Gut, ich hatte da schon dreieinhalb Stunden Training hinter mir, lechzte nach einem Schluck Wasser und mein Kopf war voll.

– „Ich werde es zuhause mit Trockenübungen vor dem Spiegel versuchen“, versprach ich.
– „Oder nimm dich dabei auf Video auf“, schlug Cedric noch vor.

Als ich wieder zuhause war, war ich zerknirscht. Seit über 30 Jahren spiele ich jetzt Tischtennis, hab nur ein leicht gehobenes Fortgeschrittenenniveau erreicht. Seit etwa einem halben Jahr nehme ich zudem gelegentlich Einzeltraining, den Vorhand-Topspin hatten wir natürlich da schon längst behandelt. Aber ich kann den Schlag immer noch nicht richtig.

Es ist zudem so, dass ich oft erstarre und gar nichts mehr hinkriege, wenn mir einer eine Übung vormacht. Das ist auch bei Kunst oder Musik so, und das war schon im Sportunterricht in der Schule so, wo ich selten mal über eine 3 hinauskam. Auch super, wenn jetzt plötzlich Erinnerungen daran und diesen besch* Sportlehrer hochkommen. Mir fehlen da anscheinend einfach Spiegelneuronen. Oder bin ich schlicht zu dumm dafür? Oder gar zu dumm für alles? Zu einer Karriere in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik hat es ja auch nicht gereicht.

Kurz kam mir dann gestern Abend der Gedanke, es zu akzeptieren und einfach so weiterzumachen. Dann bin ich halt zu doof und kann nicht jeden Schlag richtig. Von Tischtennis hängt zum Glück nicht das eigene Wohlbefinden und ganz selten nur das Wohl der Welt ab (eine erfreuliche Ausnahme war die Pingpong-Diplomatie). Ganz, ganz kurz kam mir dann auch die Idee, Tischtennis ganz dranzugeben, weil, wenn man sich in seinem Elend suhlt, man zu Übertreibungen neigt. Aber den Gedanken verwarf ich ganz schnell wieder.

Heute Abend schwang ich mich aufs Rad, was mir immer gut tut, fuhr ein paarmal den Berg rauf und wieder runter und kam recht gut gelaunt nach Hause. Das Badewasser lief bereits ein, da beschloss ich, die Energie zu nutzen, um noch schnell die Trockenübungen für den Vorhand-Topspin zu machen, wie Cedric versprochen.

Ich baute in meinem Schlafzimmer kurz das Stativ auf, klemmte das iPhone ein, drückte auf Play, schwang ein wenig den Arm und beobachtete mich dabei im Display. Hey, das sah schon gut aus. Noch etwas mehr ausholen. Wirklich schwingen lassen. Okay, jetzt, so könnte es gehen. Ich trat einen Schritt zurück, sah mich dann noch besser selbst im Display. Und schon Sekunden später gelang es mir: Ich hatte den nötigen Schwung raus, von hinten nach vorne, Oberkörper und Hüfte schwangen wie von selbst mit. Schnell! Kurz den Schläger ausgepackt und geschaut, ob es auch damit funktioniert. Jepp, noch bisschen anders, aber genauso einfach. Fünfmal geschwungen, dann sah es gut aus. Könnte ich das auch noch mit der Rückhand? Mal versuchen. Doch, sah ebenfalls gut aus, ein paarmal hörte ich sogar ein „Woosh“-Geräusch dabei, was wohl bedeutet, dass ich das dynamisch genug gemacht hatte. So könnte es gehen. Morgen und übermorgen nochmal, und dann das alles mal an der Platte mit Mitspielern/Gegnern ausprobieren. Aber genug, ich wollte ja ins Bad.

Ich ging zum iPhone und wollte die Aufnahme stoppen. Da sah ich die Anzeige im Display: 1:45 Minute. Das ganze Brimborium hatte nicht einmal 2 Minuten gedauert. 1:45 Minute, und ich kenne nun die Grundbewegung des Schlags, von dem ich dachte, ich wäre zu doof dafür, ich könne das einfach nicht, ich könne im Grunde gar nichts, ich sollte es doch einfach lassen.

1:45 Minute…

Ja, sicher, ich werde noch ein paar Minuten:45 mehr brauchen, um die Bewegung zu verinnerlichen, sie auch an der Platte umzusetzen und sie so zu verfeinern, dass meine Gegner reihenweise die Flucht ergreifen. 😉 Viel länger aber wahrscheinlich auch nicht…

1:45 min…

Ich muss euch nicht sagen, was diese Erkenntnis für dich, für mich, für alle bedeutet, tue es aber trotzdem: Du bist nicht zu doof dazu. Du lernst vielleicht nur anders und besser in einem anderen Umfeld als andere. Oft liegt es am Lehrer, den Mitschülern, deiner Verfassung an dem Tag und wie viel Aufmerksamkeit du gerade noch hast. Vielleicht lernst du auch anfangs besser alleine oder bist eher der Typ, der mit anderen Leuten besser lernen kann. Aber nein, gerade wenn du schon ein gewisses Level in etwas erreicht hast (und das hast du meist), dann bist du definitiv nicht zu doof.

1:45 min…

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Gar nicht erst depressiv werden

Man rät depressiven Menschen während einer Therapie unter anderem zu:

  • Viel Schlaf
  • Viel Bewegung
  • Gute Hydration
  • Gesunde Ernährung
  • Verzicht auf Alkohol
  • Vermeidung von Stress
  • Einnorden der Erwartungen an sich selbst. Du bist nur ein Mensch, du musst die Welt nicht alleine retten.

Also alles natürlich, sofern das möglich ist. Und erst sobald das toxische Umfeld verlassen ist, wenn eins vorliegt, klar.

Also wenn wir jetzt mal davon ausgehen, dass eine Depression bei jemandem nicht durch etwas anderes ausgelöst ist als Stress, ließe sie sich im Vorfeld vermeiden, wenn man die Punkte oben beachtet. Im Prinzip hat man alle davon selbst in der Hand, es ist nur sehr schwer, die meisten davon umzusetzen.

Das mit dem Alkohol zum Beispiel. 🙄

Aber im Ernst: Depressionen sind (längst nicht immer, aber) häufig stressbedingt, und sie werden dann kuriert. Es wird noch sehr wenig dafür getan, sie im Vorneherein zu vermeiden. Sollte man tun.

*

War ein Schnappschuss von der langsam nachlassenden Kirschblüte gestern Abend. Nix Filter und so, ich weiß auch noch nicht mal, wodurch auch der Hintergrund so fliederfarben geworden ist. Könnte aber ganz nebenbei eins der schönsten Landschaftsfotos sein, die ich je geschossen habe. 🤔🤷🏻‍♂️

*

Und hier wollte ich mal in Reel-Form lustig sein. Vielleicht hat’s ja funktioniert. (Einbetten ging leider nicht.)

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Das Gefühl, es schaffen zu können

Gestern saß ich eine Stunde konzentriert am Rechner, habe meine restlichen Belege für die Steuererklärungen 2022 und 2023 zusammengesucht und zur Steuerberaterin rübergeschickt. Etwas, was ich bekanntlich sehr gerne tue.

Aber irgendwann mittendrin, als ich da saß, merkte ich, ich bin erstaunlich ruhig, ganz gelassen, für eine Steuererklärung wenig verschwitzt*. Da merkte ich irgendwo, dass irgendwas in mir „klick“ gemacht hatte. Das Thema ist jetzt eigentlich abgehakt, vielleicht sogar final. Ich weiß jetzt, wie das geht, was ich machen muss, was reingehört und was nicht, wie ich das automatisieren kann. Jetzt schaffe ich das auch mit dem final Minimieren**. Oder überhaupt alles. Was soll mich stoppen. ***

Schlimm ist eigentlich nur, wenn einem dieses Gefühl abgeht. Die Herausforderung ist die gleiche, die Aufgaben sind dieselben, aber es fühlt sich dann unmöglich an. Mir geht’s mal so, mal so. Und ich weiß noch nicht, was dieses Gefühl beeinflussen kann.

* Das ist für gewöhnlich kein Angstschweiß vor einer hohen Nachzahlung, ich bekomme meist etwas wieder, sondern mehr das Stressschwitzen aufgrund eines Absolutnichtwollens.

** Muss ich auch. Ich hab noch genau drei Wochen, um mein ganzes Leben final fertig minimiert zu haben. Zumindest ist es das, worüber ich mit Nicky gewettet habe. Zum Glück nur um 100 Euro. Aber das wird verdammt knapp. Andererseits hat Nicky gerade ganz andere Sorgen, vielleicht vergisst sie das vorübergehend. 😉 Und, wie früher schon einmal gesagt: Unterschätze niemals einen Aventurer auf einer Challenge. In drei Wochen geht noch einiges.

*** Es kann immer eine Menge passieren. Ich kann mir das Bein brechen, irgendeine Behörde kann auf die Idee kommen, 5.000 Euro für irgendwas nachzuverlangen, von dem ich nicht mal wusste, dass es das gibt, der Himmel kann einstürzen. Und sowieso: Sooner or later God’s gonna cut you down. Wie geht ihr mit dem Wissen darüber um, dass irgendwann doch eh alles vorbei sein wird?

*

Glasfaser

Gestern klingelte einer an der Tür und fragte, ob ich Glasfaser. Im Nachhinein wäre ich versucht gewesen so etwas zu sagen wie:

„Machen Sie Witze? Ich bin Technikjournalist von Beruf! Ich teste täglich die neuesten Gadgets und Tools, die viel Bandbreite verschlingen, hochauflösende Bilder, Videos, Streaming, 4K, 8K, wöchentlich Videokonferenzen, KI! Ich habe eine Fülle an Smart-Home-Geräten hier, bestimmt 30 internetfähige Geräte, kürzlich meinen Fernseher von Kabel auf IPTV umgestellt.

Mir reicht selbstverständlich noch meine 50-Mbits-DSL-Leitung!“

Habe ich aber natürlich nicht. Ich war wie immer nett und hab ihm so höflich wie möglich zu verstehen gegeben, dass ich an der Haustür nie etwas kaufe.

*

Kirschblüte

It’s here!

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Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Du kennst vielleicht auch einige Bücher, Filme, Theaterstücke oder Serien, in denen die Handelnden die vierte Wand durchbrechen. Sie wenden sich dann direkt an das Publikum. Shakespeare etwa hat das in einigen Stücken gemacht. Bekannt geworden sind auch die Momente in der Serie „House of Cards“, in der der Protagonist dem Zuschauer sein Handeln erklärt. Gleich in der allerersten Szene beginnt dieses Spiel, das sich bis zum Ende seines Auftretens in mehreren Staffeln immer wiederholt:

Mel Brooks geht in seiner Star-Wars-Satire „Spaceballs“ noch ein paar Schritte weiter. Er spielt immer wieder mit der Tatsache, dass das Ganze ein Film ist. Etwa wenn der Antagonist direkt in die Kamera fragt: „Haben das alle verstanden?“, die Sturmtruppen glauben, die Rebellen nach einer wilden Verfolgungsjagd in der Falle zu haben, dabei haben sie nur deren Stunt-Doubles erwischt. Oder wo der 1. Offizier die Idee hat, man könne doch einfach ein Instant-Video des Films, den man gerade dreht, einlegen und vorspulen, um so in Erfahrung zu bringen, was die Gegenseite als nächstes tut:

Metafiktion nennt sich das. Das Auflösen zwischen Realität und Fiktion. Und genau das treibt Autor Italo Calvino in seinem Roman „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ auf die Spitze. Schon auf der ersten Seite wendet sich Calvino an Leserin und Leser und begrüßt sie im Buch. Es dauert nicht lange, da wird der Leser zum Handelnden, quasi zur Hauptfigur. Die Leserin folgt im im letzten Drittel des Buchs.

Ab Seite 30 ufert der Plot dann völlig aus. Plötzlich spielt Calvino mit der Idee, dass sich Seiten eines anderen Buchs in das seine verloren haben. Du als Leser gehst dem Ganzen auf den Grund und landest in der Druckerei, sprichst mit dem Verleger, stellst dabei fest, dass selbst die vertauschten Seiten gar nicht echt sind und die Wahrheit vielleicht in völlig anderen Büchern liegen – aus denen nach und nach Kapitel um Kapitel im Buch auftauchen. Nebenbei verliebst du dich in eine mysteriöse Büchernärrin, findest dich plötzlich auf der Flucht wieder und stellst fest, dass der Übersetzer des Buchs in all dem seine Finger haben könnte.

Was für ein Wahnwitz! Calvino persifliert dabei ganz nebenbei zahlreiche Literaturstile, vom südamerikanischen Historienepos über einen japanischen Erotikzyklus bis hin zum französischen Groschenroman. Vor allem der Auszug aus letztem ist so herrlich übertrieben, dass ich mich beinahe weggeschmissen habe. Alles in allem eine bunte Reise durch die moderne Literatur wohl mit der Aussage, dass jedes Buch auf seine Weise einzigartig ist, jeder jede Geschichte anders wahrnimmt, aber kein Autor dieser Welt etwas wäre ohne seine Leser.

Toll!

Und wo ich oben eh schon bei Filmen war: Erinnert hat mich das irgendwie an „Everything Everywhere All At Once“. Wahrscheinlich wegen der vielen Sprünge, dem Genremix, den vielen Subplots und der wahnwitzigen Handlung. Falls ihr den Film gesehen habt: So ungefähr könnt ihr euch Calvinos Buch vorstellen. Es sollte mehr von sowas geben.

„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ wurde aber anscheinend noch nicht verfilmt. Dürfte auch schwer werden, aber würde sich lohnen.

Die ersten drei Titel auf meiner Bücherliste habe ich damit gelesen. Jetzt bin ich sehr auf eins der nächsten gespannt. Vielleicht wird’s „Rayuela“, ein Buch, dessen Kapitel man in beliebiger Reihenfolge lesen können soll.

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Podcasts auf dem Fernseher

Ich habe mir tatsächlich nach über 5 Jahren ohne mal wieder einen Fernseher zugelegt. Warum weiß ich selber gar nicht so genau. Choose your favorite answer among those four:

  • Zum Fußballgucken
  • Um mal wieder mit Menschen zusammen was gucken zu können
  • Weil Filme und Serien auf dem großen Bildschirm mehr Spaß machen
  • Als Deko-Objekt

Irgendwie sind es tatsächlich alle vier Gründe. Punkt 2 wundert mich auch am meisten, aber irgendwie ist das doof, nie jemanden einladen zu können, um mal nen Film, nen Fußballspiel oder den Eurovision zusammen zu gucken, weil das auf dem Laptop nicht so die brilliant experience ist. Weil ich mir einen Samsung „The Frame“ zugelegt habe, kann ich den jetzt auch als Bilderrahmen benutzen (Ein passendes Schränkchen kommt noch):

Und noch etwas habe ich die ersten zwei Tage damit viel gemacht: Podcasts hören! Das Ding hat nämlich auch eine Spotify-App, und irgendwie höre ich gerade wieder gerne vermehrt Podcasts, während ich mein Handyspiel spiele. Weil der Fernseher zufällig auch den besten Lautsprecher aller Geräte hier im Raum hat (die anderen beiden sind Notebook, Handy und Smartwatch), höre ich Podcasts gerade auf dem Fernseher tatsächlich am liebsten:

Und dann verwende ich ihn im Bildmodus außerdem gerne als Leselampe, weil meine eigentliche neue zwar superstylisch aussieht, aber zu funzlig ist…

Stimmt schon, energietechnisch (Klasse F) werde ich in die Hölle kommen.

*

Dienstanbieter is‘ nich‘

Was das Thema Live-Fernsehen anbelangt und wer mein nächster Anbieter wird, wo der Kabelanschluss bald wegfällt, muss ich demnächst mal auf dem Trendblog was zu schreiben. Ich glaube nämlich: gar keiner. ARD und ZDF kann ich in HD über die Mediatheken-Apps der Smart-TV-Oberfläche live streamen. Alle anderen 700 Sender brauche ich in 101 % der Fälle eigentlich nicht. Gemein nur, dass RTL die wenigen Länderspiele, die ARD und ZDF nicht zeigt, gegen teuer Geld streamt.

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Wenn ich krank bin, geht es mir seelisch gut

Meine aktuelle Erkältung ist in mehrfacher Hinsicht sonderbar. Zum ersten hatte ich vor etwas mehr als einer Woche schon mal eine. Warum jetzt nochmal? Gibt es sowas wie Immunität nicht mehr?

Zum zweiten bin ich hellwach dabei. Ich schlafe nicht ein, werde nie müde. Was immerhin die positive Erkenntnis hinterlässt, dass ich so alt und leistungsunfähig, wie ich manchmal denke, offenbar doch nicht bin. Viel Müdigkeit ist im Alltag wohl einfach Kopf.

Womit wir bei Punkt 3 wären: Wenn ich krank bin, habe ich keine seelischen Problem, kaum Ängste, Sorgen oder Nöte. Dass meine berufliche Situation ungewiss ist? Ist halt so. Dass ich gerade Single bin? Passt schon, fühlt sich sogar gut an. Dass ich immer noch nicht genau weiß, wo ich im Leben eigentlich hin will? Geschenkt.

Ich will nicht sagen, man sollte öfter mal krank sein, aber es verändert den Blick auf die Dinge. Ist eine sehr lehrreiche Woche gerade.

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Im Sexshop

„Kann ich was helfen?“

„Ja, ich suche so Kleinigkeiten, die ich auf einer Party verschenken kann. Taschenmuschi oder Penisring oder sowas.“

„Taschenmuschis haben wir hier vorne“ (geleitet mich zum Regal). „Penisring musst du mal gucken. Gibt welche mit Vibration und ohne.“

Es ist Freitagmittag und ich besuche einen Sexshop in Bonn. Ich habe für den nächsten Tag eine Geburtstagsreinfeier mit Pubcrawl geplant, und will für die Sieger ein paar Geschenke springen lassen, für die Verlierer Trostpreise. Mir kam die Idee, das alles Sextoys werden zu lassen – mein Sinn für Humor. Es ist wenig los an diesem Mittag. Zwei in Schwarz gekleidete junge Frauen stehen vor dem Regal mit Lack und Leder, ein älterer Kunde informiert sich über Schulungsvideos und illustrierte Bildbände. Ich streife durch die Gänge, vermeide es, anderen Kund:innen direkt in die Augen zu schauen, gucke mal, was es so gibt. Und merke: Ganz schön teuer, dieser Kram. Dildos für 50-100 Euro, nachgebildete Vulven für 70. Da fällt dem Besitzer, einem freundlichen, älteren Mann, noch etwas ein:

„Ach so, und hier ist noch ein Regal mit Scherzartikeln, falls du sowas suchst. Hätte ich dir auch gleich zeigen können, habe ich vorhin nicht schnell genug geschaltet.“

Ich gehe zu dem Regal und bin im Paradies. Das ist alles genau das, was ich für die Party suche! Stellungswürfel, Aufblaspuppen, Eiswürfel-Bereiter in Penisform, 2 Riesenpenisse zum Aufblasen für ein Spiel (genannt Cock Fight), Kamasutra-Kaffeetassen, Feigenblätter… Herrlisch!

An der Kasse komme ich mit dem Besitzer noch einmal etwas genauer ins Gespräch – über das Thema Unternehmertum, Selbstständigkeit, politische Krise, die AfD. Er erzählt, dass er wegen der Bürokratie gleich vier Geschäftskonten brauche, die Abgabenlast immens sei. Deutschland sei einfach teuer und viele würden auch deswegen Protest wählen. Dass unter den AfD-Wählern die meisten Protestwähler seien, da sei er sich sicher. Er hatte mal überlegt auszuwandern, aber da, wo es schön sei, auf den Kanaren oder so, war es unbezahlbar gewesen. „Es muss sich doch mal was ändern in diesem Land“, sagt er. „Schon“, sage ich. „Aber was genau?“ Wir zucken beiden mit den Achseln.

Bestimmt eine Viertelstunde stehen wir da und reden. Seine Aushilfe verdreht die Augen. Schon nicht das, was man in einem Sexshop erwarten würde, aber so gut und unverkrampft habe ich mich schon lange nicht mehr mit jemandem unterhalten.

Über Politik und Wirtschaft. Worüber auch sonst.

*

Die Erkenntnis ist jetzt nicht gerade bahnbrechend, aber auch wenn KI uns wohl nicht alle ersetzen wird: Zumindest für Bilder zu Illustationszwecken wird sie das. Siehe auch dieses Blog. Seit aktuelle KI-Tools ganz anständige Bilder erzeugen kann, müssen es keine Stock-Fotos mehr sein, oder eigene Bilder. Teure Bilder von Fotografen sowieso nicht. Für alle, die ihre Texte irgendwie bebildern müssen, ist das Thema eigentlich jetzt durch. Mein neues Lieblingstool dafür übrigens: das minimalistische Ideogram.

Beispiel-KI-Bild

Und mich wundert eigentlich nur, dass die KI Bilder mittlerweile ziemlich gut hinbekommt (unsere Ansprüche sind da auch nicht gerade hoch), Texte aber noch nicht mal annähernd. Grammatikalisch richtig, stilistisch okay, aber inhaltlich meist alles falsch, was eine KI so produziert.

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Gänsehaut vom Podcasthören

Die Geschichte ist so irre, dass man sie kaum glauben kann. Die RAF-Terroristin Daniela Klette wurde diese Woche in Berlin-Kreuzberg festgenommen, nach 30 Jahren im Untergrund. Und ein Podcast-Team um Deutschlands derzeit wohl besten Podcaster Khesrau Behroz hatte sie im Grunde schon kurz vor Weihnachten enttarnt. Das Team war sich aber nicht sicher und hat die Spur aus redaktionellen Gründen nicht weiter verfolgt. Denn der Podcasts sollte noch kurz vor Weihnachten raus. Da war nicht mehr Zeit, dem Ganzen noch weiter nachzugehen… Doch alleine schon der Weg dahin, die Recherche ist unfassbar spannend und teilweise kaum zu glauben. Ich hatte Gänsehaut beim Hören von Legion Most Wanted: Wo ist RAF-Terroristin Daniela Klette? Was ich mich bis heute frage, ist: Wer ist dieser Informant Sebastian? Ist er wirklich so vercheckt oder ist er ein V-Mann? Warum war Daniela Klette so unvorsichtig? War sie am Ende des Untergrunds überdrüssig?

Bild: ARD

Und wo wir eh schon bei Podcasts oder Audios sind. Heute habe ich ein interessantes Hörspiel ebenfalls in der ARD Audiothek gehört. „24-7: Mörderische Intrigen per Live-App“. Der verzogene, aber integer wirkende Benjamin streamt die Abschiedsfeier seiner Mutter live, die Chefin eines (RTL nicht unähnlichen) Medienhauses ist und die Nachfolge bekannt geben möchte. Benjamin geht davon aus, dass er der designierte Nachfolger wird, aber, nun ja… Dann überschlagen sich die Ereignisse, die Medienmagnatin verschwindet plötzlich von der Bildfläche, praktisch jeder im Saal hat ein Motiv und nicht nur Benjamin ist mit seiner Live-Reportage mittendrin. In Folge 2 wechseln die Rollen. Und plötzlich ist Benjamin der, der von einer Investigativjournalistin live gestreamt wird.

Ist letztlich übertrieben und so nicht ganz glaubwürdig, aber unterhaltsam gemacht. Die ARD-Politthriller-Reihe „Schlechte Gesellschaft“, in der „24-7“ erschien, scheint noch mehr solcher spannenden Geschichten zu haben. Bin auf beides übrigens via den turi2-Newsletter gestolpert. Noch weniger Zeit zum Fernsehen…

Bild: Audio Alliance, RTL, 11 Freunde

Und dann bin ich tatsächlich mit Zeigler & Köster schon durch, meine beiden treuen Begleiter der letzten Wochen. Ja, wirklich durch. Ich habe alle alten Folgen gehört. Mal beim Frühstück, mal beim Abendessen, mal zwischendurch… Eigentlich ein schnöder Talk-Podcast, aber einfach mit wunderbaren Hosts. Ich liebe ihre Sprachbilder, ihren Humor und ihre Integrität, für auch brisante Themen klar Stellung zu beziehen. Womit fülle ich jetzt die Zeit…

Bild: ARD-Sportschau

Vielleicht mit neuen Folgen von „Das Werder-Märchen 2004: Die Double-Saison reloaded„, die Matthias mir empfohlen hatte. Sein alter Kollege Moritz Cassalette arbeitet hier in quasi Echtzeit, nur 20 Jahre verschoben Werders letzte Meistersaison 2003/04 noch einmal auf. Habe ich aber die meisten Folgen auch schon von gehört.

Fazit: Lasst den Fernseher aus und hört mehr Podcasts, wenn ihr nicht sowieso lest (was ihr solltet)!

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Komme vor lauter Lesen nicht mehr zum Fernsehen

Hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde. 😅

Es wird bestimmt auch nicht für immer sein, dazu kenne ich mich zu gut. Aber jetzt gerade lese ich vier Dinge gleichzeitig, darunter zwei Bücher, eins zum Wegminimieren, eins über Literatur, aktuell auch regelmäßig die „Zeit“. Dafür ging fast mein ganzes Wochenende drauf und so blieb mir keine Zeit, um einige Filme nachzuholen, die ich noch nachholen wollte, zum Beispiel „Oppenheimer“ oder „Crazy Rich Asians“, den ich für das Singapur-Buch noch studieren wollte.

Frage an euch: Wie macht ihr das? Wann lest ihr? Wie lange braucht ihr dafür? Die aktuelle „Zeit“ habe ich nach zwei Tagen zu 2/3 durch. Kann man sicher auch ganz schaffen, wenn man die Woche über auf lästige Zeitfresser wie Arbeit verzichtet. Bin ich ein langsamer Leser oder bin ich bloß der einzige, der ehrlich ist und das Ding wirklich zu großen Teilen ganz liest?

*

Ach, iPhone…

Ein Shuttler ist ein Badminton-Spieler, verriet dann Google. Und Loh Kean Yew der erste Singapurer, der Weltmeister im Badminton wurde, was für die kleine Nation ein Riesending ist.

*

Schweinhunde, wollt ihr ewig leben!

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Double Challenge

„… dann noch einmal alle Schränke ausmisten (aber das dürfte schnell gehen, das habe ich ja schon mehrfach gemacht), dann dürfte es das eigentlich gewesen sein“, schrieb ich Nicky.

„So in nem Jahr bist dann fertig?“, schrieb sie zurück.

„Eigentlich wollte ich im April schon fertig sein…“

„Da würde ich gerne gegen wetten.“

„Challenge accepted“. 😁

Es gibt Gründe dafür, warum Männer im Schnitt als weniger intelligent gelten als Frauen. Vielleicht, weil man uns ständig herausfordert und wir uns dann zu Sachen hinreißen lassen, die uns viel Zeit und Energie kosten. 🙄

In diesem Falle ist es aber sinnvoll. Ich wollte ja ohnehin endlich mal fertig werden mit dem Minimieren. Jetzt habe ich einen Anreiz dafür.

Und weil zeitgleich noch die BMI-Challenge mit Christian läuft, wird mir die nächsten Monate sicher nicht langweilig werden.

Wenn alles klappt, bin ich dann Ende April 2024 ebenso rank und schlank wie meine Wohnung, ich hätte alle meine Dämonen abgeschüttelt und endlich die Energie für etwas Neues, was auch immer.

Doch, das könnte gut werden. Bin motiviert!

Worum wir gewettet haben? Der/die Verlierer:in muss dem anderen den Flug zu einem gemeinsamen Städetrip irgendwo in Europa zahlen. Werde ich gewinnen. 🙂