Kategorien
Allgemein

Bikepacker ohne Bike (Etappe 3)

„Oh nein, das sieht gar nicht gut aus. Und wir haben da auch nicht das richtige Zeug für“, sagt der unfassbar nette, von oben bis unten tätowierte Fahrradmechaniker mit langen Haaren. „Aber es gibt da einen Laden, der dir vielleicht helfen kann. Sag denen, dass ich dich geschickt habe!“

Und so komme ich dann nach einem sehr langen Vormittag ungeplanterweise in Karlsruhe an.

Nachts raschelt es bedenklich auf dem Zeltplatz, und hin und wieder brummt auf dem Rhein ein Kahn vorbei. Aber sonst schlafe ich wie ein Baby. Am nächsten Morgen zeigt mir mein Nebenzelter Nico die Tafel Schokolade, die er nachts vor seinem Zelt vergessen hatte ?.

Es ist einer der schönsten Zeltplätze, die ich kenne und das Betreiber-Pärchen ist mit Herzblut bei der Sache. Aber das mit den Ratten… Na ja, solange sie dir nicht in den Schlafsack hüpfen…

Ich bin der Letzte auf dem Zeltplatz heute, hab es nicht ganz so eilig, verabschiede mich von Nico, der Familie und dem Betreiberpärchen und fahre dann ganz gemütlich los Richtung Stuttgart.

Last Man Camnping auf dem Zeltplatz

Nach etwa 20km treffe ich plötzlich Nico wieder, der vor einer Absperrung nicht weiter kommt. Wir dachten eigentlich, dass wir unterschiedliche Wege hätten, weil er nach Karlsruhe will und ich nach Stuttgart. Aber nun fahren wir ein Stück gemeinsam. Macht Spaß, mal mit jemandem zusammen zu fahren, auch wenn es nur 5 Kilometer sind.

Muss außerdem witzig wirken, wie unsere gleichzeitig eingeschalteten Navis immer leicht zeitversetzt dasselbe sagen. Bis sie es plötzlich nicht mehr tun und ich mich von Nico verabschieden muss.

In einem kleinen Ort sehe ich das Schild zu einem Fahrradgeschäft und fahre spontan hin. Seit Tagen suche ich eine Werkstatt, die mal einen Blick auf die Acht in meinem Hinterrad werfen könnte. Aber alle Radläden unterwegs haben gerade Mittagspause, generell geschlossen oder Sommerferien. Und der nun hat jetzt auch Mittagspause ab 1300. Es ist 1300 Uhr, ich rüttele an der Eingangstür, aber sie ist zu. Na dann, wie immer. Ich sattele auf und will davon rollen. Als sich die Tür dann plötzlich doch noch öffnet, der Besitzer rauskommt – und mein Verhängnis wird. Oder sagen wir lieber: Botschafter meines Verhängnisses.

Denn er wirft ganz entspannt und mit geübtem Auge einen Blick auf mein Hinterrad, bestätigt dass das eine veritable Acht habe und das anscheinend schon lange (wusste ich) und fügt en passant hinzu dass die Felge gerissen sei. „Die wird irgendwann ganz auseinander brechen. Das wird jetzt nur noch schlimmer.“ Bis Neuschwanstein käme ich damit eher nicht mehr, geschweige denn bis Sylt.

Felge gerissen

Und jetzt? Müsste repariert werden. Entweder neues Hinterrad – kostet zusammen mit Nabe um die 600 Euro und müsste erstmal jemand da haben, jetzt, wo gerade Ersatzteilkrise ist. Oder neue Felge und dann noch mal geraderichten. Kostet etwas über 100 Euro, aber dafür müsste man erstmal jemanden finden, der passendes Werkzeug und vor allem dafür Zeit hat. Er leider nicht.

Etwas niedergeschlagen bedanke und verabschiede ich mich, lasse ihm noch den Rest seiner Mittagspause und gönne mir selbst eine. Viel ist nicht los an dem Ort, aber es gibt einen Dönermann, bei dem ich etwas Vegetarisches bestelle, und eine Eisdiele.

Plötzlich kommt mir eine verrückte Idee: Im Grunde fällt mein Bike schon halb auseinander (etwas übertrieben gesprochen). Die Gangschaltung macht schon lange Probleme, der Bremsschlitten lässt sich nicht mehr ganz festziehen, der Ständer und die Klingel, dazu manchmal das Display…. Es sind hauptsächlich Kleinigkeiten, aber spätestens nach dem Trip hätte ich das E-Bike eh verkaufen wollen und wäre auf was ohne Motor umgestiegen. Warum nicht jetzt gleich Nägel mit Köpfen machen, das alte in Zahlung geben, ein neues kaufen?

Long story short: Um 1400 stehe ich erneut in seinem Laden und schlage ihm genau das vor. Even longer story even shorter: Wir finden nichts Passendes und er dafür etliche, leider stichhaltige Gründe, warum er mein E-Bike lieber nicht in Zahlung nehmen würde. Unter anderem, weil er seinen Laden in drei Wochen für immer schließen würde. Warum, möchte er lieber nicht sagen. Aber ich ziehe geschlagen von dannen, auch wenn die Idee bleibt. Und so setze ich mich, weil der kleine Ort immerhin einen S-Bahn-Anschluss hat, in die nächste Bahn in die nächste Großstadt, in der ich mir besten Fahrradservice erhoffe: Karlsruhe.

Und kaum bin ich da, gucke ich auf Booking.com nach einem Zimmer für die Nacht (Zeltplätze sind VIEL zu weit draußen), finde eins direkt am Bahnhof mit guten Bewertungen für nur 46 Euro und fahre direkt zum ersten Fahrradgeschäft, wo ich auf den liebenswerten, hippen Mechaniker treffe. Er sei mehr auf Fahrräder spezialisiert, mit denen man von einem Haus zum anderen springen könne. Ja, natürlich… Aber in Karlsruhe wären alle Radgeschäfte miteinander vernetzt und irgendjemand würde bestimmt helfen können. Wenn nicht, solle ich ihn nochmal anrufen. Unfassbar nett…

Der nächste Laden schickt mich auch direkt eins weiter. Erst der Dritte, ein Spezialist für Rennräder, erbarmt sich schließlich meiner. Er könnte mir anbieten, das bis Ende der Woche „auszuwuchten“. Ende der Woche?! Wir haben gerade mal Dienstag. Aber ich habe mitbekommen, wie ausgelastet jede Radwerkstatt von hier bis zum Mississippi gerade ist. Und ich will nicht immer nein sagen, habe eh keine Alternative und sage erstmal zu.

Schon gut angeschwitzt durch die Fahrten durch die Stadt (dafür taugte das Rad gerade noch) schleppe ich dann meine Taschen vom Fahrradgeschäft bis zur Tram, frage eine alte Frau nach den Weg, muss umsteigen, erreiche meine Bleibe direkt am Bahnhof, gebe den Code ein, bekomme den Schlüssel, öffne die Tür und sehe, dass das Zimmer offensichtlich noch nicht gemacht worden ist:

Das nicht jetzt auch noch! Ich rufe den Vermieter an, der sofort erstaunlich hilfsbereit und emsig wird und sich vielmals entschuldigt. Und tatsächlich: binnen 5 Minuten die Lösung: ich werde kurzfristig auf das größere Nebenzimmer upgegradet, muss dafür nur eben den Schlüssel unten in der Eisdiele nebenan holen. Öh, okay.

Das tue ich dann auch noch, die Italiener sind sehr hilfsbereit und siehe, wenige Minuten später ziehe ich in ein präsidiales Zimmer in zentralster Lage. Für nur 46 Euro!

Dort liege ich jetzt und schreibe dieses Kapitel. Weil ich mich errinerte, dass Nico ja auch nach Karlsruhe wollte und wir Instagram-Kontakte ausgetauscht hatten, schreibe ich ihm und wir treffen uns noch. Trinken und essen was zusammen. Und Karlsruhe ist schon schön. Gefällt mir hier!

Und wie es jetzt weiter geht?

Ich habe noch nicht die leiseste Ahnung!

Kategorien
Allgemein

Familie (Etappe 2)

Ich hatte zwei Möglichkeiten heute Abend. Mich mit einem Aperol Spritz am Mannheimer Stadtbad bei herrlicher Abendsonne an den Rhein zu setzen. Oder mit der Familie zu Abend essen, mit der ich mich bei meiner Ankunft angefreundet hatte. Etwas überraschend vielleicht habe letzteres gewählt:

Als ich nach 160 km heute endlich am Ziel ankomme, ist die Rezeption schon geschlossen. Öh. Und jetzt?!

„Kein Problem“, sagt der Camper, der mit seiner Familie direkt daneben auf der Zeltwiese sein Lager aufgeschlagen hat. „Schnapp dir einfach einen Platz und sag denen morgen Bescheid. Die schicken hier normal keine Radfahrer weg.“

Na gut, denke ich mir, das passt dann irgendwie auch zu diesem chaotischen Tag…

Die Nacht war laut und kurz, ich bin immer wieder hochgeschreckt. Und meistens war ein tuckernder Kahn auf dem Rhein die Ursache dafür. Oder ein Auto, oder ein Güterzug. Gleich hinter dem Campingplatz an der Loreley, die direkt am Rhein gelegen ist, führt die Schnellstraße B9 entlang, dahinter eine Bahntrasse. Und auf der gegenüberliegenden Seite, von der die Geräusche herüberhallen: noch einmal genau dasselbe.

Netto dürfte ich kaum Tiefschlaf abbekommen haben. Hat man dann davon, wenn man zu stolz ist, seine Ohrstöpsel zu verwenden. Um 0630 gebe ich auf und packe zusammen. Nur um dann festzustellen, dass mein quasi leeres Smartphone überhaupt nicht geladen hat. Es hat meine Powerbank über USB-C als Zubehör eingestuft und dann einfach nichts gemacht. Super!

Die Rezeption mit ihrem kleinen Campingshop hat noch geschlossen, ich fahre also auf gut Glück los, frage den Verkäufer einer Tankstelle, der mich zu einem Baumarkt weiter schickt, welcher aber noch geschlossen hat, als ich ankomme. Ein neues Ladekabel und ein paar Automatenbrötchen bekomme ich schließlich eine Ecke weiter in einem Rewe.

Irgendwie läuft heute alles schleppend. Alle paar Kilometer bremst mich was aus, ich finde den Weg nicht mehr, das Smartphone braucht 3 Stunden zum Laden und mein Rückrad eiert. Ja tatsächlich, da scheine ich eine Acht reingefahren zu haben, was natürlich sensationell ist…

Aber wenigstens das Frühstücksambiente ist dann ganz nett. 🙂

Und ein paar Kilometer weiter in Bingen komme ich zufällig an dem Zeltplatz mit Biergarten vorbei, an dem ich vor zwei Jahren abgestiegen war, und ich beschließe spontan, da meinen zweiten Kaffee zu trinken. Und weil mich erinnere, dass die das beste Helle haben, das ich je getrunken hatte, bestelle ich gleich eins mit. Biertrinken um 10 Uhr morgens?! Na ja, es ist Urlaub – und ich bin hier noch nicht einmal der einzige, der das tut. Ist an der Zeit, das mal auszuprobieren!

Stellt sich dann aber als keine so gute Idee heraus. Ich komme in schlechte Stimmung, meine Gedanken kreisen um negative Dinge. Und zu allem Übel gurke ich stundenlang in Mainz herum. Ich suche ein Fahrradgeschäft, das mir kurzfristig wegen des Rückrads helfen könnte, aber der Fahrradgroßhändler winkt ab: 2-3 Wochen Wartezeit auf einen Termin. Zwei kleine Radläden etwas außerhalb der Innenstadt: gerade Betriebsferien.

Ich esse was an einer Pommesbude und ärgere mich über mich selbst. Bisher habe ich noch kein einziges Vitamin zu mir genommen, seit ich losgefahren bin. Später suche ich einen Friedhof, um meine Wasserflasche wieder aufzufüllen, finde nur einen den Berg rauf und schalte zum ersten Mal auf der Reise meinen E-Bike-Motor an. Müde sinke ich wenig später am Rhein im Schatten auf eine Parkbank und mache erstmal ein Schläfchen:

Es ist schon 1530, als ich endlich aus Mainz rauskomme. Erst knapp 70 km habe ich geschafft. Doch dann gerate ich in den Nachmittagsflow, komme plötzlich besser voran und überlege mir kurz vor Worms, hier eigentlich Schluss für heute zu machen. Das Problem: es gibt keine Campingplätze in der Nähe, die zu erreichen wären. Der nächste ist tatsächlich erst der in Mannheim, auf dem ich vor zwei Jahren schon einmal war.

Eigentlich wollte ich an keinem Ort ein zweites Mal absteigen, aber den habe ich als gut in Erinnerung, und damals habe ich nette Leute dort kennengelernt. Und so lasse ich mich von Google Maps dahin leiten, fliege in einem Gewaltakt die letzten Kilometer nach Mannheim, schleppe mein Zeugs zwischendurch notgedrungen eine steile Brücke rauf und wieder runter, warte ewig vor einem Bahnübergang, nur um hinterher festzustellen, dass es die Brücke dahinter gerade gar nicht gibt:

Und erreiche schließlich um 19:56 die Rezeption, die eigentlich bis 2000 auf haben sollte. Na toll… Aber dann die unerwartete Hilfe durch den Familienvater.

Während ich mein Zelt aufbaue, erzählt mir sein Sohn ein bisschen was und erwähnt nebenbei, dass sie schon seit 3 Monaten unterwegs seien. Auf den Kanaren gestartet, dann über Marokko, Spanien und Frankreich mit dem Rad nach Deutschland zurück. Musstet ihr gar nicht in die Schule, frage ich? Nein, die Eltern hätten da Gesetze gewälzt und rausgefunden dass bis zu 2 Monate erlaubt sein. Der Rest dann Sommerferien. Die Schule hatte am Ende eingewilligt mit der Bitte, das nicht an die allergrößte Glocke zu hängen.

Oha, erst drei Monate die Freiheit gespürt und jetzt zurück in den deutschen Alltag… Beim Essen frage ich sie, ob sie sich darauf freuen. Die Kinder (ca. 11 und 14) so: „Jaaa!“ Die Eltern sagen nichts.

Sehr nette, sehr aufgeweckte Leute! Der Junge sagt, ihm sei aufgefallen, dass ich vor dem Aufpusten meiner Luftmatratze auf die Uhr geschaut hätte (in der Tat, ich wollte heute einfach mal wissen, wie lange ich dafür brauche, 1:30 min) und später, als mein E-Bike-Akku geladen ist, dass jetzt sogar die Leuchte am Ladegerät grün sei. Vorher habe sie orange geleuchtet. Aufmerksamer Typ das!

Ich hatte eine eigene Familie für mich eigentlich immer ausgeschlossen, weil ich mir im Geiste nicht ausmalen konnte, wie das ohne Trauer und Drama funktionieren könnte. Noch dazu habe ich sowas immer als Klotz am Bein gesehen; adé Freiheit. Aber ich sehe immer wieder Beispiele, gerade auf Campingplätzen, wo Familien eben doch gut funktionieren. Eine Familie zu haben, kann etwas richtig Schönes sein. Muss ich einfach mal anerkennen.

Während ich diese Zeilen schreibe, schnarchen hinter mir schon die ersten auf der Zeltwiese. Es ist nach Mitternacht, die Ratten quietschen. Ja, es gibt hier einige. Und ja, es stellt sich trotzdem wieder als der freundlichste Zeltplatz heraus, auf dem ich je war. Nach dem Abendessen mit der sportlichen Familie unterhalte ich mich noch eine Stunde sehr gut mit meinem Nebenzelter Nico aus Oldenburg. Sehr netter Kerl, und ich habe mir fest vorgenommen, gute Gespräche nie durch etwas wie Bloggen zu verkürzen. Aber jetzt Zeit zu schlafen. Weil morgen… hui, mal sehen!

Notizen

Es gibt sie wirklich:

Stadtbad Mannheim:

Ich habe den Kellerschlüssel, den ich neulich verloren habe und für den ich das Vorhängeschloss knacken musste, heute früh in meinem Portemonnaie wiedergefunden… ?

Fluss des sichelförmigen Mondes:

Kategorien
Allgemein

Gevatter Rhein (Etappe 1)

Es ist Sonntag, und ich plane, um 1100 Uhr loszufahren. Es wird 1330. Das heißt, nein, eigentlich hatte ich mal geplant, am Freitagnachmittag schon loszufahren, aber die berühmte Woche vor dem Urlaub kam mir dazwischen. Und dann wollte ich auch noch einmal meine besten Freunde zum Abschied sehen. Das war Samstag.

Jetzt packe ich zu Ende, versuche noch einmal, den kaputten Ständer mit Panzertape aus dem Auto am Rad zu fixieren. Es klappt nicht, ich lasse ihn zu Hause. Ich frühstücke und fechte diverse Kämpfe mit meiner inneren Stimme aus: „Fahr erst morgen, ist doch jetzt eh schon zu spät. Was willst du da eigentlich? Es ist Hauptsaison, glaubst du ernsthaft, dass da noch Platz für dich auf nem Campingplatz ist? Weißt du, was unterwegs alles passieren kann? Chill doch lieber auf dem Balkon! Das ist eh alles eine Nummer zu groß für dich!“

Ach, halt doch die Schnauze, innere Stimme!

Aber die Frage treibt mich in der Tat um: Ist das nicht alles ein bisschen weit? Ist das in drei Wochen überhaupt zu schaffen? Ist es wirklich klug, ins Blaue zu fahren? Was ist, wenn…?

Denn es soll einmal durch das ganze Land gehen. Einmal von Süd nach Nord durch Deutschland, und weil ich in Bonn wohne und damit so ziemlich in der Mitte, muss ich natürlich erst einmal in den Süden kommen. Ich könnte die Bahn nehmen, es ist der Sommer des 9-Euro-Tickets, aber ich fühle mich wohler auf dem Rad.

Ich gehe noch einmal auf den Balkon, lasse mir den warmen Wind um die Ohren wehen und atme ein paar Mal tief durch. Im Hintergrund läuft Dido auf meinem Laptop: „There will be no white flag upon my door.“

Dann packe ich zusammen und fahre los:

Bonn zieht sich eine Ewigkeit, ich brauche fast eine Stunde, um aus der Stadt raus zu sein. Aber schön ist Bonn dann irgendwo doch da an der Promenade. Ach, Gevatter Rhein! Wie wenig du gerade von dir zeigst! Es hat seit Wochen kaum geregnet, es herrscht eine der schwersten Dürren in diesem Land seit Jahrzehnten, und davon werde ich unterwegs wohl noch einiges zu spüren bekommen.

Kurz hinter Remagen ist dann die Brücke über die Ahr weg. Die Flut vor fast genau einem Jahr hat sie, wie so vieles Andere, einfach mitgerissen. 140 Menschen starben in der Nacht in etwas, von dem wir dachten, dass es uns nicht mehr passieren könnte. Dabei dürften es erst die Vorboten dessen gewesen sein, was wohl traurige Realität werden wird: unsere Sorglosigkeit hat uns eingeholt.

Weil das Flussbett durch die Dürre fast ausgetrocknet ist, trippeln die Leute über eine Reihe von Steinen und schieben ihr Rad dabei. Das ist die improvisierte Brücke. Take it or leave it. Ich gehe natürlich auch darüber und hole mir dabei einen nassen Fuß. Aber es ist warm, das Wasser wie die Luft. Es macht nichts.

Der Weg dahinter ist holprig und eigentlich abgesperrt, aber was heißt das schon. Zwei Frauen und ich schlagen sich durch. Wir sind gerade aus dem Gehege raus, da kommt ein Mann von der Seite angefahren und ruft sehr laut: „Das scheint mir kein guter Weg nach Remagen zu sein!!!“

Ich habe mir vorgenommen, solchen Leuten nicht mehr zu antworten. Ist das einer von denen, die gerne Sheriff spielen wollen, will er Beserwisser spielen oder provozieren? Es klingt für mich so. Zumindest, bis er ein „Oder?“ hinterher schiebt. Vielleicht wollte er wirklich nur wissen, ob man da langfahren kann. Aber dann soll er danach fragen, wie jeder Andere auch!

Ich bin noch nicht ganz angekommen im Urlaub, scheint es, aber ich komme gut voran, die Gegend bin ich vor zwei Jahren auf dem Weg in die Schweiz schon einmal abgefahren. Aber ich bin nicht gut drauf, irgendwie emotional. Ich vermisse Kristine, mit der ich hier mal im Auto langfahren bin. Das ist alles grandios schief gegangen mit uns. Ach verdammt… Was, wenn meine innere Stimme doch recht hatte?

Aber Radfahren hilft und ich erinnere mich an frühere Fahrten. Zu Beginn das Gedankenchaos. Aber irgendwann, so nach 3-4 Stunden am 1. Tag, hört das für gewöhnlich auf.

Was auch mit der Grund dafür ist, dass ich noch weiterfahren möchte, als ich gegen 1700 Uhr bei Kilometer 70 schon Koblenz erreiche und am gleichen Zeltplatz vorbei komme, bei dem ich vor zwei Jahren abgestiegen war, direkt am Deutschen Eck:

Ich bin schon überraschend kaputt, doch das kann auch schlicht daran liegen, dass ich bis hierhin noch gar keine Pause eingelegt habe, wie mir jetzt erst auffällt. Die mache ich dann hier, schleiche mich kurz auf den Zeltplatz, um meine Wasserflasche wieder aufzufüllen. Dann fahre ich weiter. Es ist noch zu früh, um jetzt schon irgendwo anzukommen.

Im Süden von Koblenz verirre ich mich auf dem Weg zurück zum Rhein, finde den Radweg wieder und plötzlich kommen mir Scharen von Fußballfans entgegen, Bielefelder Fußballfans.

Am Stadion dann surreale Szenen. Das Spiel scheint sich dem Ende zu zu neigen, ich habe keine Ahnung wie es steht, aber die Bielefelder Fans mit T-Shirts, auf denen „Ultras“ steht, sind ruhig. Besoffen aber ruhig. Sie scheinen zu gewinnen. Etwa zehn Polizisten stehen in Zweierreihen abwartend daneben. Ich rolle langsam an dem bizarren Geschehen vorbei.

(Nachtrag: Es war der FV Engers 07, ein Fünftligist aus der Nähe, der sich für den DFB-Pokal qualifiziert und für das Spiel das Koblenzer Stadion ausgeliehen hatte. Der Zweitligist Bielefeld gewinnt allerdings erwartungsgemäß mit 7:1.)

Aber hier wird die Gegend dann richtig schön, denn es kommt die Burgenromantik. Ich mache viele kitschige Fotos vom UNESCO Weltkulturerbe:

Aber das Gedankenchaos kommt zurück: „Warum bist du immer alleine, warum vermasselst du alle deine Beziehungen, warum bist du immer so unschlüssig bei allem?“

Tja, wenn ich das wüsste…

Direkt unter der Lorelei ist ein Campingplatz, sehe ich auf Google Maps. Das wäre doch chefig und trashig zugleich, hier unterzukommen, denke ich mir. Ist bestimmt voll, aber fragen tust du!

Und siehe da: es ist noch massig Platz. „Sie können sich aussuchen, wo Sie das Zelt aufschlagen“, sagt der Rezeptionist, als ich gegen 1900 Uhr dort eintreffe. „Nur die erste Reihe ist reserviert.“

Hier reiht sich in der Tat Wohnmobil an Wohnmobil, in der Mehrzahl aus Nederland. Aber ich finde tatsächlich noch einen freien Platz auf einer einsamen Wiese mit direktem Loreley-Blick. Hier lasse ich mich nieder und schlage das Lager auf. Heute ist mir nicht nach Menschen:

Bis mir dann irgendwann doch noch nach Menschen ist. Nachdem ich alles aufgebaut und dabei das Deutschland-Spiel auf dem Handy gestreamt habe, nehme ich meinen ganzen Mut zusammen und spreche meine niederländischen Nachbarn (ein altes Ehepaar) auf Niederländisch an: „Goedenavond, hoe gaat het me jullie?“ Seit zwei Jahren nach einem kurzen Urlaub dort lerne ich die Sprache, aber ich komme nicht wirklich voran. Mir fehlt die Praxis. Aber Camper sind ja eigentlich meist offen, denke ich mir, und dass Niederländer oft auf Campingplätzen zu finden sind, ist mehr als ein Klischee. Es ist die Wahrheit.

Und dann wird es ein nettes Gespräch. Sie freuen sich offensichtlich, dass ich sie auf ihrer eigenen Sprache angesprochen habe, aber streamen nebenbei weiter das Finale auf dem Tablet. Wie übrigens die allermeisten hier auf dem Platz. Die deutschen Fußballfrauen erleben in diesen Tagen ihren medialen Durchbruch. Schon das Halbfinale verfolgten Millionen, und jetzt steht das Team von Martina Voss-Tecklenburg im Finale gegen England – und endlich mal fiebern alle mit.

Mit dem Mann komme ich aber doch noch ins Gespräch. Er merkt, dass ich nicht viel verstehe und verwendet einfachere Begriffe. Ich tue mich sehr schwer, aber schaffe es, ganz Sätze zu formulieren und verstehe auch das meiste, was er sagt. Irgendwann bedanke ich mich und versuche, den beiden noch einen schönen Abend zu wünschen, was misslingt, aber nichts macht.

Hinterher muss ich strahlen wie ein Honigkuchenpferd. Ich schlendere über den Platz und jeder Zweite grüßt mich freundlich. Grüßt man Menschen eher, wenn sie lächeln? ?

Deutschland verliert das Spiel in der Verlängerung (sehr schade). Ich beschließe, nur noch diesen Text zu schreiben und dann schlafen zu gehen. Und das tue ich dann auch.

Notizen:

Day-Challenge: mich nicht über andere Verkehrsteilnehmer aufregen, selbst wenn sie als Fußgänger zu viert nebeneinander auf dem Radweg laufen. War anstrengend aber hat funktionieren müssen, auch weil meine Klingel zwischendurch den Geist aufgibt und ich die Leute dann mündlich bitten muss zur Seite zu gehen.

Der Gerät: Ich mache auf dieser Tour alles mit dem Smartphone: Fotos, Bloggen, Musikhören, EM-Finale der Frauen live streamen, den Weg finden… Schade dass es langsam ist, aber zumindest der Akku scheint was zu taugen. Hat immer noch 25 Prozent.

Luma: Meine alte Luftmatratze hatte Rock am Ring nicht überlebt. Sie war schwer aufzupusten aber unfassbar komfortabel, deswegen habe ich sie mir noch einmal bestellt. Und siehe da: der Hersteller hat das Aufblasventil verbessert. Aufpusten geht jetzt binnen einer Minute statt vorher so drei bis vier. How cool is that!

Merino: Stinkt ja nicht oder erst nach Tagen. Überlege deswegen jetzt ernsthaft, das gleiche Shirt, das ich auf der Fahrt anhatte und jetzt tatsächlich immer noch trage, auch zum Schlafen anzuziehen. Vielleicht ist mir dafür aber alleine der Gedanke zu fies…

Könnte laut werden heute Nacht. Züge, Autos, Partyschiffe, vor allem aber Lastkähne brummen hier vorbei. Aber wird schon – ich bin todmüde.

Kategorien
OK

Ertussendoor

Okay, alles weggearbeitet, gepackt, aufgeräumt, geputzt. Morgen geht’s los. Soll regnen, na egal.

Wollte noch schnell den Ständer wieder anschrauben. Merke dabei: Das geht gar nicht. Das Gewinde ist derart ausgeleiert, dass die Schrauben nicht halten:

Na toll, und jetzt? Beschließe erst, den Ständer dann eben hier zu lassen und es ohne zu versuchen. Später am Abend fällt mir ein, dass das ziemlich schwierig würde beim Aus- und Abladen täglich. Würde den Ständer dann einfach mit Panzertape wieder ankleben, das müsste den ja nur fixieren.

Wenn ich nicht die glorreiche Idee gehabt hätte, das Panzertape just heute Nachmittag nach den letzteren Schönheitsreparaturen wegzuminimieren… ?

Warum eigentlich nur eine Deutschland-Tour? Warum jetzt nicht einfach die Sachen ins Auto schmeißen und nach Australien fahren, wie ich es immer vorhatte? Einfach mal spontan sein.

Na ja, weil das nicht mal eben so geht. Ich bräuchte Visas, Versicherung, Impfungen, noch eine ganze Menge mehr Geld und viel mehr Zeit.

Aber sonst? Was denn eigentlich noch?

Zumindest bis in den Iran sieht’s nach nem ganz smoothen Ride aus. Mal abgesehen von den ganzen Baustellen in Deutschland und Österreich…

Ist beinahe rührend, wie ihr euch jetzt plötzlich um mich kümmert, Vodafone, mit mittlerweile dem fünften Rückholversuch, jetzt wo ich gekündigt habe. Und hättet ihr auch nur ein einziges Mal gefragt, warum ich eigentlich die Beine in die Hand genommen habe, um von euch weg zu kommen, dann hättet ihr vielleicht sogar eine Chance gehabt.

Und Google so: Zahl endlich, du Sau! Sonst schicke ich dir solche 20-Sekunden-Spots vor jedem Video, das du sehen willst. Wir haben hier ein Megaprodukt, es gibt keine Alternative, das kostenlose Internet ist Geschichte und wir haben erkannt, dass wir damit jetzt Asche machen können.

?

Dido – White Flag (2003). Na, kennter noch? 🙂

Und, meine Güte, ist der Song gut gealtert ? (ganz im Gegensatz zum Video)…

Kategorien
Sigh

Urlaub(sreif)

Na endlich! Aber ganz ehrlich: Dieser Urlaub war beinahe zu teuer erkauft. Ja, ich habe noch einmal richtig vor Augen geführt bekommen, was bei mir alles schief läuft, warum die Woche vor dem Urlaub bei mir immer so katastrophal verläuft. Und das war auch gut. Aber ich habe es jetzt erst einmal nicht verhindern können, war praktisch 16 Stunden am Tag auf Achse (schon nicht nur Arbeit, aber größtenteils), bin jetzt platt wie ne Flunder – körperlich wie mental. Und hab ein wenig Angst jetzt krank zu werden, was ja oft genug nach so einer Woche passiert.

Als ich gerade Feierabend gemacht hatte – am Freitag um Mitternacht – bin ich runter zu Aksoys Kiosk, um mir eine Flasche Gerolsteiner zu holen (Rock’n’Roll!). Einige andere Kund:innen dort waren gelöster Stimmung, redeten belangloses Zeug miteinander oder auch mit Wildfremden. Was tun die da, dachte ich für einen kurzen Moment. Ach ja, es ist Freitagabend.

Ich weiß gar nicht mehr, wie das geht, gelöster Stimmung zu sein und mit wildfremden Menschen Kontakt aufzunehmen, gar noch auf der Straße. Warum denn? Wie denn? Seit wann denn?

Sind jetzt die Überarbeitung, mein hohes Alter oder die Nachwehen der Isolation durch die Pandemie daran Schuld? Ich weiß es auch nicht genau. Aber wäre ich ein Außenstehender, würde ich sagen: Der Mann ist absolut urlaubsreif!

Ach…

Ozark Staffel 4, Medium Spoilers ahead:

Jetzt rennen die da nicht nur durch und entfremden einen von den Charakteren, jetzt wird das zum Ende hin auch noch vorhersagbar.

Und du denkst dir: „Nein!!! Schick das SWAT-Team jetzt nicht zu dem LKW, von dem der Fahrer gerade auf freier Strecke gehalten hat und dann geflüchtet ist. Das weiß doch jedes Kind, dass da gleich ne Bom… ah…“

Erfahrener Gangsterboss fährt raus zu der als schießwütig und unbeherrscht bekannten Gegenspielerin, um sie zu konfrontieren. Natürlich alleine, ohne Backup und ohne jemandem vorher Bescheid zu sagen. Na, der macht jetzt die Grätsche, sagt der TV-erfahrene 13-Jährige in dir. Typ wird laut, die unbeherrschte Gegenspielerin drückt ab, Typ macht die Grätsche… Ech…

Das erinnert mich alles schmerzlich an die letzte Game of Thrones-Staffel. Irgendwie die Story zu einem Abschluss bringen, durchjagen, fertig werden. Das Niveau ist immer noch hoch, aber alles in allem hätte das ein weniger durchgehastetes Ende verdient.

Urlaub: Plane, am Sonntag loszufahren. Morgen dann noch aufräumen, saubermachen, die Wohnung Housesitter-fähig machen und außerdem mit meinem Rudel noch Bier abfüllen.

Die Frau hat balls!

Ich weiß schon, warum der Punkrock erfunden wurde…

Masked Intruder: Stick ‚em up (2012):

Kategorien
Argh

Die Woche vor dem Urlaub II

Ich sagte es schon einmal und ich sage es wieder: Ich liebe Urlaube, aber ich hasse die Woche vor dem Urlaub. Du musst alles packen, zu Hause sauber machen, die Reiseroute langsam vorplanen, deine Arbeit delegieren, zehntausend Fragen dazu beantworten, deinen geplanten Arbeitsausfall teilweise vorschaffen, natürlich trotzdem weiter essen, Sport machen, auf 300% laufen.

Ich wollte eigentlich nie wieder dahin. Ich habe die meisten meiner Sachen ja auch schon vorher gepackt, die grobe Route abgesteckt. Und jetzt bin ich doch wieder genau da gelandet, wo ich immer lande.

Aber anders als früher kann ich mich jetzt wenigstens selbst so weit analysieren, dass ich weiß, woran es liegen könnte. Auf der Arbeit laufen zu viele Entscheidungen über mich. Wahrscheinlich habe ich das selbst so eingerichtet in den letzten Jahren aus Angst nicht loslassen zu können. Aber das muss ein Ende haben, das kann ja so nicht weiter gehen…

Erkenntnis… immerhin ein Anfang. Und jetzt noch irgendwie die letzten zwei Tage durchhalten, hoffentlich zum letzten Mal.

Ozark: Bin in der vierten Staffel, die auch schon die letzte ist. Und ja, es macht Spaß, es unterhält und mir gefällt die Botschaft: Wie weit darfst du gehen, um dein eigenes Leben und das deiner Familie zu retten? Wie viele andere Leben darfst du dadurch unwiderbringlich zerstören?

Aber irgendwie ist es auch seltsam. Es passieren einfach zu viele krasse Dinge. Gerade in der letzten Staffel wird ständig einer abgemurkst, wechselt die Seiten, stellt sich gegen seine Familie, erpresst wieder jemanden, sabotiert die Aktion eines Anderen, wechselt nochmal die Seiten. Und es lässt einen seltsam teilnahmslos zurück. Vielleicht einfach deswegen, weil die Show derart durchjagt, dass man zu keinem Charakter mehr eine richtige Beziehung aufbauen kann. Und sie einem deswegen auch beinahe alle egal sind.

Ja, coole Geschichte, toll geschauspielert, gut gescriptete Dialoge, spannend, keine Frage, A-Level-Serie, aber mit den ganz Großen wie Game of Thrones, Breaking Bad oder auch Better Call Saul (wo ich jede neue Folge herbei sehne) kann Ozark letztendlich nicht mitspielen.

Daily sort-out: Selbsthilfebuch beende ich gleich, die eine Spotify-Playlist wohl auch noch. Dann ist auch erstmal genug wegminimiert vor dem Urlaub. Wird mir fehlen, fühlt sich mittlerweile so normal an.

Wo ist der Sommer hin?

Hässlich ist der Sommer aber schon nicht:

Moderat: Reminder (2016):

Kategorien
OK

Sich den Tag schönschlafen

Es gibt Tage, da wache ich einfach zu früh auf und kann dann nicht mehr einschlafen. Was mir nicht gut bekommt. Ich brauche tatsächlich meine 9 Stunden (außer auf Festivals, außer auf Radreisen), sonst werde ich unleidlich.

So ähnlich heute. Um 0630 aufgewacht, nicht mehr einschlafen können, schon mal angefangen zu arbeiten. Alles meh, alles Stress, alles doof. Irgendwann gegen 1000 gebe ich auf und lege mich einfach noch einmal kurz hin. Es wirkt manchmal Wunder. 30 Minuten später springe ich aus dem Bett, bin das blühende Leben, hochproduktiv, könnte Bäume ausreißen.

Ich weiß, die meisten Menschen haben diesen Luxus nicht. Deswegen bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass ich im Homeoffice arbeiten und mir den Tag notfalls nochmal schönschlafen kann. Und ja, meine Projektpartner haben auch etwas davon. Ich schaffe dann letztendlich mehr.

Make Instagram Instagram again: Ja, nervt schon, was da gerade passiert. Facebook hat beschlossen, dass es jetzt TikTok sein will und flutet die Instagram-Timeline mit schlecht zuammengewürfelten Vertikalvideos (ich bekomme hauptsächlich welche über Reisen, Tischtennis und Futsal angezeigt. Für letzteres interessiere ich mich null). Macht überhaupt keinen Spaß so. Ich gehe dann solange zu TikTok.

Wundere mich nur immer wieder, warum sich das so diametral gegenüberstehen muss. Meta ist börsennotiert und muss folglich Geld mit Social Media verdienen. Okay, verstehe ich. Und keine Sorge, ich habe schon viel Geld über Instagram-Anzeigen verdaddelt. Ganz unlukrativ kann das also nicht sein.

Drüben in Menlo Park beschließen Zuck und seine Schergen derweil, glücklichen Nutzern so lange den Spaß zu verderben, bis die eine Hälfte geflüchtet und die andere zu hasserfüllten, Verschwörungstheorien verbreitenden, Demokratien stürzenden Zombies geworden ist. So wie man das schon mit Facebook gemacht hat. Ist das ihr Ernst? Das ist die einzige Möglichkeit, wie man mit Social Media Geld verdienen kann?

Wirklich?

Ich hätte es gerne vermieden, aber es wird wohl wieder eine der üblichen Wochen vor dem Urlaub. Monsterstress, Gedanken, den Urlaub zu unterbrechen, zu verschieben oder ganz sein zu lassen. Ich hab’s versucht, es nicht so weit kommen zu lassen. Aber ich rödele eh schon seit Wochen wie ein Tier. Da hätte sich kaum was einsparen lassen. Nee, nützt einfach nichts. Nur durchhalten hilft. 🙂

Daily sort-out: Wieder eine Spotify-Playlist wegminimiert, das läuft erstaunlich gut. Versuche heute noch, das Lebenshilfe-Buch fertig zu bekommen. Dann erstmal genug minimiert vor dem Urlaub. Es sei denn, es packt mich noch und ich leere die Bilder von meinem zwei Monate alten Samsung-Smartphone. Das Ding ist so unfassbar langsam, dass ich zu beinahe allem bereit bin.

Beach House – Myth (2012):

Kategorien
Right

Learnings vom Telekom-Mann

Nein, es war kein komischer Vogel, er kam auch sogar pünktlich und mein neues Internet lief direkt. Aber er hat mich mitgenommen auf eine kleine Reise. Und weil ich ja an Technik interessiert sein muss bin, bin ich mitgekommen und hab viele neugierige Fragen gestellt. Die Learnings möchte ich euch nicht vorenthalten:

  • Hinter einer Steckdose kann sich Staub in rauen Mengen ansammeln
  • Das kann zu Bränden führen!
  • Ihr müsst also tatsächlich hin und wieder mal (nachdem ihr die Sicherung rausgenommen habt), die Steckdose rausschrauben, prüfen wie viel Staub da ist und ihn nötigenfalls wegsaugen.
  • Meine Kupferkabel sind aus den 60ern.
  • Alte Kupferkabel sind dicker als neue. Schnelleres Internet funktioniert besser mit dünneren Kabeln.
  • Kupferkabel können mit der Zeit oxidieren. Deswegen hat er die Spitzen abgeschnitten und ein Stück weiter unten de-isoliert.
  • Kupferoxid ist hochgiftig!
  • Vor einigen hundert Jahren seien die Leute reihenweise daran gestorben.
  • „Deswegen sind die damals auch alle nicht so alt geworden.“ Und auf meine ungläubige Reaktion: „Na gut, es gab natürlich auch damals tausend andere Gründe, aus denen die Leute früher gestorben sind.“
  • Kupferoxid ist grün, also recht leicht zu erkennen.
  • Deswegen seien in Bayern so viele Dächern grün, weil die früher oft Kupferdächer verbaut haben (muss ich mal drauf achten).
  • Besser nicht anfassen! Niemals danach die Finger ablecken!
  • Weil es hinter meiner Steckdose grün schimmerte, hat er sie vorsorglich abgeschraubt und dabei den Staub entdeckt.
  • Und das Krepppapier, das mein damaliger Mitbewohner benutzt und dann wohl vergessen hat, als er seine Wand grün strich.
  • Die Kabel auszutauschen würde ca. 2.000 Euro kosten und wäre Vermietersache.
  • Wenn die alten Kabel nicht mehr gehen und der Vermieter die Kosten nicht tragen will, gibt es keinen DSL-Anschluss. ??‍♂️
  • Und bei Glasfaser weiß ich jetzt gar nicht, wer dafür eigentlich zuständig ist und wo das geschaltet wird. Vergessen zu fragen.
  • Um die Leitung zu überprüfen, klemmt er oben ein Gerät an, das einen Ton durch die Leitung schickt. Unten im Keller an der Gegenstelle drückt er mit dem Schraubenzieher kurz auf den Kontakt jeder Verkabelung, bis er auf einem davon denselben Ton hört.

Wisster jetzt Bescheid. DSL funktioniert auch. Bin gespannt, ob die 50 Mbit/s (ich hab downgegradet) sich auch so anfühlen.

Ein entgegenkommender Radfahrer hat mich heute im Vorbeifahren tatsächlich „Du Luftpumpe“ und noch irgendwas genannt, was ich nicht mehr verstanden habe. Das war, als ich gerade zum fünften Mal den Ippendorfer Berg mit dem E-Bike hochgefahren war. Ohne Motorunterstützung, übrigens, aber so weit denken die Leute ja nicht.

Weniger annehmen, mehr miteinander reden!

In der Richtung heute nichts gerissen, aber beschlossen, das Buch noch einmal umzuschreiben. Es bleibt ein alternativer Reiseführer, aber ich gehe weg vom „Ich empfehle dir“-Stil hin zu einer Sammlung von Reisegeschichten. Ist einfach mehr mein Stil, fühlt sich richtiger an – und wird noch einmal eine Menge Mehrarbeit bedeuten. Muss aufpassen, dass das Buch nicht zur Vaporware wird.

Daily sort-out: Nicht viel mehr geschafft außer ein paar Seiten im Selbsthilfebuch und immerhin 2 alten Spotify-Playlists. Werde aber gleich schon mal packen. Daily sort-out wird Urlaub machen, wenn ich auch Urlaub mache.

Haut mich noch nicht um (warum nicht?):

The Orwells: Let it burn (2014):

The Submarines: You, me and the bourgeoisie (2008):

Kategorien
Right

Unangenehme Dinge gegeneinander wegprokrastinieren

Guter alter Trick: Wenn du etwas tun musst, wozu du absolut keine Lust hast, bietet das dir die Chance, die dadurch auftretende Prokrastinationsenergie in etwas Anderes zu stecken. Zum Beispiel etwas, was du fast genauso ungerne tust und das dir angesichts der großen Strafarbeit etwas weniger schlimm erscheint. Als Beispiel:

  • Belege für Steuererklärung heraussuchen (???)
  • Das Klo putzen (??‍♂️)

Wenn du weißt, dass die Steuererklärung an Termin X fertig werden muss, kannst du sie nicht umgehen. Es ärgert dich dermaßen, dass du lieber das Klo putzt, als damit anzufangen. Voilà, im Handumdrehen blitzt und blinkt das Badezimmer.

Das habe ich erstaunlich oft gemacht in den vergangenen Jahren und einiges dabei erledigt. Den Königsweg, die tatsächlich wichtige Arbeit dann auch wegzuschaffen, habe ich indes noch nicht gefunden. Am Ende habe ich mir meist eine Tafel Schokolade eingeschmissen (Drogen des kleinen Mannes) und mich fluchend gezwungen, mich zusammenzureißen und den Mist jetzt endlich hinter mich zu bringen. Nachdem ich ihn in kleine Teilschritte unterteilt hatte, was ja angeblich helfen soll, es aber nicht tut.

Ich müsste mir in dem Moment wahrscheinlich etwas ausdenken, was mir noch unangenehmer ist als die Steuer. Aber was könnte das bloß sein…

Heute gegeneinander wegprokrastiniert:

  • Scheibenbremsen am Fahrrad auswechseln (sonst kann ich nicht in Urlaub fahren)
  • Singapur-Buch weiter schreiben (sonst werde ich nie damit fertig)

Es endete damit, dass ich erstmal in dem Buch weitergelesen habe, das ich gerade lese, mir dann ein paar Anleitungen und YouTube-Videos zum Wechseln von Scheibenbremsen am Fahrrad angeschaut habe, die Chance nutzte, wo ich schon einmal da saß, um zumindest ein Kapitel im Singapur-Buch von „Sie“ auf „Du“ umzuschreiben und dann letztendlich doch alles zusammengepackt habe und runter zum Fahrrad bin.

Und später dann sogar noch ein wenig Prokrastinationsenergie übrig hatte, um auch die Reifen am Fahrrad aufzupumpen, meinen Download-Ordner aufzuräumen, die Küche sauber zu machen und eine Stunde joggen zu gehen. Erstaunlich, diese Form der Energie!

Scheibenbremsen wechseln. Um erstmal klein anzufangen, mache ich Fahrrad und Scheiben ein bisschen sauber und versuche es zunächst am Vorderrad. Die alten Beläge gehen ganz einfach raus, die neuen wollen aber nicht reinpassen. Es endet damit, dass ich das ganze Rad abschraube, es immer noch nicht hinkriege, hin und her probiere und schiebe und rüttele, mir der Schweiß von der Stirn flutet und ich nach einer Stunde schweißgebadet und mit kohlrabenschwarzen Fingern endlich mit dem Vorderrad fertig bin. Argh!

Am Rückrad dauert’s dann erstaunlicherweise nur fünf Minuten. Jetzt weiß ich ja schon, wie es geht. Alte Beläge raus, bisschen sauber machen, neue rein, bisschen rumbiegen, fertig.

Und wenn du dann noch feststellst, dass die alten Beläge erstaunlicherweise noch gar nicht so abgefahren waren:

Statt dessen hat die Hinterradbremse in letzter Zeit offenbar deswegen so komisch gebremst, weil der ganze Schlitten sich mitbewegt hat. Und das hat er offenbar getan, weil das Rückrad nicht ganz festgeschraubt war. ? Dann… Ja, dann kommt Freunde auf… Freude zumindest darüber, dass mir bei meinen zahlreichen Bergabfahrten nichts passiert ist und ich den Fehler jetzt beheben konnte, bevor bald echte Bergabfahrten dazukommen.

Hab ein paar Bilder im Arbeitszimmer aufgehängt. Bin noch nicht ganz glücklich damit… Die hängen zu hoch, oder?

Daily sort-out:

Was für ein Scheiß! Nicht einmal ein besonders angenehm zu lesendes, belgisches Kinderbuch auf Niederländisch, 150 Seiten. Dann kam ich auf die Idee, jeden Ausdruck, jedes Wort, das ich noch nicht kannte, zu unterstreichen, später nachzuschlagen und in den Vokabeltrainer einzutragen.

550 (!) neue Vokabeln. Zwei Wochen Arbeit damit. Und wie soll das erst laufen, wenn ich mal ein Erwachsenenbuch auf Niederländisch lese? Eine Sprache zu lernen, ist echt ein Fass ohne Boden. So ein verdammter Mist!

Hab außerdem ein paar alte Reise-Wäscheklammern auf die Fensterbank vor dem Haus gelegt… Waren sofort weg.

Wenn du alte Bilder von dir siehst und sie dir nicht einmal peinlich sind. 🙂 (Muss so um 2014 rum gewesen sein.)

Grouplove – No Drama Queen (2015): Ach, Mensch, DIE Band habe ich vermisst! <3

Kategorien
Yeah

Alles auf null

Ich wollte erst „Kurz vor dem Nullpunkt“ schreiben, aber das klang zu negativ. „Balance“ wäre zu blumig. Ich meine zumindest den Punkt, dem ich mich nähere, an dem alles neu beginnen kann.

Wie ihr wisst, sortiere ich aus, nehme ab, ich befasse mich mit mir selbst und meinen Problemen. In letzter Zeit noch einmal besonders viel davon. Ich analysiere, auch Dinge, die ich hier nicht alle öffentlich teilen möchte. Das Thema Selbstliebe zum Beispiel. Wenn wenig davon da ist: warum eigentlich? Wann hat das angefangen? Wo kommt das her? Ist das noch zeitgemäß? Manchmal triggert irgendwer oder irgendwas etwas, was bei mir „Thema“ ist. Und dann analysiere ich, sobald ich mich wieder beruhigt und die Zeit dazu habe. Das tut gut, es ist heilsam.

Auch wenn es nicht ganz so blumig ist, wie es klingt. Es sind ereignisreiche Zeiten für mich im Moment, es geht aufwärts. Es ist aber auch ungeheuer anstrengend, es gibt deprimierende Tage und welche, an denen einfach keine Motivation da ist. Und dann geht es irgendwie doch weiter, langsam aber sicher.

Vor allem ist faszinierend, wie das alles zusammenhängt. Wenn alles klappt, wird es eine Punktlandung. Dann besitze ich keinen Gegenstand mehr, den ich nicht brauche, habe kein Gramm Ballast am Körper zu viel, auch mit der Vergangenheit aufgeräumt und keine der berühmten Altlasten mehr. Alles zum gleichen Zeitpunkt.

Dann wäre ich frei, ziellos zwar, alleine irgendwo auch, aber frei.

Ein ganz schön beängstigender Gedanke. Ich muss zusehen, dass ich mich auf den letzten Metern deswegen jetzt nicht noch selbst sabotiere. 🙂

Drückerkolonnen und Paketboten

Sonderbar eigentlich. Zu Paketboten bin ich immer besonders nett, zu Drückern gar nicht. Dabei sind eigentlich beide Berufsgruppen arme Schweine.

Paketboten komme ich meist entgegen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich weiß, wie viel Stress die haben, ich mag es ihnen nicht zumuten, tonnenschwere Sachen bei mir in den 3. Stock hochzutragen. Deswegen bin ich ihnen vor Corona immer auf halbem Wege entgegen gekommen (was die meisten über die Maßen überrascht hat, das tut nämlich niemand sonst). Seit sie wegen Corona ihre Prozesse umgestellt haben, mache ich es ihnen noch einfacher und bitte sie gleich an der Gegensprechanlage, die Sendung einfach ins Treppenhaus zu legen. Machen alle sofort, und auch gerne. Und ich kann ich schon ein bisschen Frühsport machen, wenn ich die Päckchen unten abhole, was mir gut tut.

Zu Drückern an der Gegensprechanlage bin ich hingegen schonmal pampig geworden.

– „Telekom, guten Tag, es geht um Ihren Internetanschluss!“
– „Was soll mit dem sein, ich habe keinen von Ihnen.“
– „Lassen Sie mich doch bitte mal rein, dann können wir das besprechen.“
– „Nö“

Oder auch:

– „Telekom!“
– „Äh. Ja, und?“
– „Es geht um Ihren Internetanschluss.“
– „Was soll mit dem sein?“
– „Wir haben da was für Sie.“
– „Was denn?“
– „Machen Sie bitte mal auf, dann können wir das besprechen.“
– „Nee.“

Heute standen zwei vor meiner Wohnungstür, sie müssen es irgendwie ins Treppenhaus geschafft haben. Aber sie hatten Glück, ich war gut drauf. Und redselig. Und freundlich zu ihnen. Neinein, Internetanschluss habe ich schon, den alten sogar gerade gekündigt und der neue wird am Montag geschaltet, also der ist von NetCologne und gerade frisch beauftragt also ich bin da gut versorgt. Dankedanke.

Die beiden haben dann gar nicht mehr groß diskutieren wollen, nur noch einmal zusammengefasst, dass ich dann schon versorgt wäre, derzeit nichts brauche und dann auch schon danke und noch einen schönen Tag.

Man hat ja jeden Grund, genervt von denen zu sein. Aber besonders Gentleman-like ist das nicht. Ich halte es für kompletten Blödsinn, Leute loszuschicken und Breitbandanschlüsse an der Haustür zu verkaufen. Viele der Drücker sind arme Schweine, manche wissen es vielleicht nur nicht. Aber nett zu ihnen zu sein, selbstverständlich ohne irgendwas an der Haustür abzuschließen, hat viel mehr Stil. Außerdem kann ich meine rhetorischen Fähigkeiten an ihnen testen. Also ich muss die nicht jeden Tag im Haus haben, aber ich freue mich tatsächlich auf die nächsten.

Daily sort-out: 30 Seiten unbekannte Vokabeln aus Niederländisch-Kinderbuch nachgeschlagen und in den Vokalbetrainer eingetragen (ist das ein Mist!), Selbstliebe analysiert (s.o.), gleich noch Selbsthilfebuch lesen, sonst erstmal nichts.

Dinge, die du NICHT von deinem Steuerberater hören willst…

Vor allem dann nicht, wenn du fest davon ausgegangen warst, dass der Vorgänger die Steuererklärung 2020 längst eingereicht hatte. ??

Eil, Breaking… WTF!

Nichts davon war in den Abendnachrichten noch ein Thema.

DAS hingegen ist ne echte Killermeldung. Kommt nämlich tatsächlich überraschend:

Wie man hört, hat er sich mit den Arbeitnehmerverbänden überworfen und damit die „Herrscherfamilien“ gegen sich aufgebracht. Ich kenne mich zu wenig mit den Interna dort und generell mit Autos aus. Aber was ich so verfolgt habe in den letzten Jahren, hat er definitiv Mut bewiesen mit der frühen Entscheidung, die VW-Flotte komplett auf Elektroautos umzustellen, zu einem Zeitpunkt, in dem das Verbrenner-Aus noch in weiter Ferne lag. Das muss man sich im konservativen Deutschland mit der noch konservativeren KFZ-Industrie erst einmal trauen.

Whuät?!

Kein Spam, chinesisches Marketing. Was der Titel soll und warum er dann unten trotzdem auf Englisch schreibt… verstehe einer die Chinesen…

Hab trotzdem geantwortet, abgelehnt und sehr nett erklärt warum. Hatte heute wohl einen guten Tag. Email-Marketer sind ja auch irgendwo Drücker…

Auf vielfachen Wunsch noch einmal die geplante Strecke meiner Deutschlandtour. Wer wo in der Nähe wohnt, sagt Bescheid! Rainers Wohnort liegt tatsächlich direkt auf der Route. Freue mich aufs Wiedersehen! 🙂

Und danach dann noch irgendwie zurück. Mal sehen, wie…

The Fog Joggers: Waiting in the Wings (2011): Auf alter Playlist wiedergefunden. Ihr kennt den Tune aus einer überprominenten Bierwerbung. Das tut dem Song aber in meinen Augen unrecht, denn er ist trotzdem ein echter Ohrwurm (im positiven Sinne):