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OK

91: Moria

Keiner hört uns zu, keinen interessiert’s. Das Lager ist vierfach überbelegt und jetzt werden wir hier wegen Corona auch noch unter Quarantäne gestellt, die Lage ist hoffnungslos, die wollen dass wir hier krepieren. Was machen wir? Wir fackeln das ganze Ding ab! Dann müssen sie uns evakuieren. Und dann rollt plötzlich auch eine ungeahnte Welle der Solidarität.

Europäische Flüchtlingspolitik...

Kaum Corona-Fälle in Deutschland und der Deutsch-Schweiz. 10.000 neue Fälle täglich in Frankreich. Reisewarnungen für erste Teile Frankreichs und zwei frankophone Schweizer Kantone.

Wie bitte hängt das zusammen?!

Auch ich hab neulich „Wehrt euch“ gefordert, als Jünger eines wild gewordenen Fernsehkochs auf Journalisten losgegangen sind. Klaas Heufer-Umlauf ist als Mann der Tat gleich in Aktionismus verfallen und hatte die glorreiche Idee, Bodybuilder zu Journalisten auszubilden und sie auf die große Anti-Corona-Demo zu schicken. Herrlische 14 Minuten, vor allem Minute 6:10, die Rache am berühmten Hut-Bürger. 🙂

Bild des Tages (Köln-Ehrenfeld):

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Yeah

90: Social Media

Jürgen, du musst Social Media benutzen, du verpasst sonst alle Trends, wirst abgehängt, vergessen, für Journalisten ist das wichtig, du musst wissen, was die Menschen bewegt, Kontakt zu deinem Netzwerk halten!

Oha, na gut.

Twitter-Account entstaubt, eingeloggt.

Die Timeline diskutiert über die Farbe, die das neue iPhone haben könnte (blau), ob am 15. wirklich iPhones vorgestellt werden oder doch nur Watches oder iPads. Viele Tweets, wo Leute, denen ich folge, einfach nur wem geantwortet haben, massig Werbung dazwischen. Eine fährt eine Runde Motorrad, einer trinkt ein Glas Gin, noch einer will unbedingt ein neues E-Auto leasen, jemand ärgert sich über seine Brille.

Der Hashtag #appleevent bekommt ein eigenes Icon, einige jubeln, dass die Sache damit offiziell wird. Viele (morgen wird sicher in einigen Online-Postillen stehen: „das Netz“) ärgern sich über den Wunsch von Verkehrsminister Scheuer, auch Verbrennungsmotoren staatlich zu fördern. Neben einem Bericht der Drogenbeauftragten der CSU trendet auch die Deutsche Bank. Im ersten Tweet, den ich dazu finde, steht:

https://twitter.com/janicepaulma/status/1303390972785684481

Aha.

Noch einmal die Timeline. Einer wirbt für sich selbst, ein anderer ärgert sich, dass es gar nicht 42 Corworking-Spaces in München gäbe, sondern nur 8, der Rest wären Shared Offices, Serviced Offices und Business Center. „WTF“.

Ja, in der Tat! WTF…

Jemand, an den ich mich nicht erinnere, schickt ein Bild mit Blättchen und Cannibis auf einem Tisch. Noch einer fordert, dass technische Schulden bezahlt werden müssten. Ein anderer stimmt ihm zu. Aber das wäre eh der Fall, wenn Consultants ins Spiel kämen.

Hm-mh.

Twitter wieder zu.

Joa, ich glaube, so viel habe ich vielleicht doch gar nicht verpasst und werde das auch in Zukunft nicht. Macht ihr mal! Ich bin dann solange gerne frei.

Zahnpasta-Verpackungen bei Alnatura. Noch kleinere Mengen, noch mehr Plastik. „Öko“ und „Bio“ sind doch ein Witz!

Vorsprung vor Technik (unfreiwilliger Werbe-Schnappschuss):

Bild des Tages, et Blömsche:

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Argh

89: Wir werden an unserer Convenience noch ersticken

Just sayin’…

Mal aufgefallen, dass in Supermärkten und Drogerien alles, aber auch alles mehrfach in Plastik eingeschweißt ist? Das ist hier in D nicht anders als anderswo auf der Welt. Und da kann unser Plastikrecycling noch so gut sein (was es im Übrigen nicht ist), da ist ja eigentlich klar, dass viel davon am Ende in der Umwelt, im Meer und dann wieder in unserer Nahrungskette landet.

Zum Spaß war ich danach noch in einem Bio-Supermarkt, weil da ja alles besser ist, oder anders gesagt: in mehr oder weniger genauso viel Plastik ist da dann ökologisch wertvolles Zeug drin. Macht voll Sinn…

Ich habe noch nicht einmal das Gefühl, dass die Richtung stimmt, dass das Plastik irgendwie weniger würde, jetzt wo wir wenigstens so tun, als würden wir ein bisschen auf Grün machen. Bisherige Maßnahmen der Supermärkte: Du darfst dein Gemüse jetzt im Frischenetz einpacken. Yeah, das wird einen gewaltigen Unterschied machen.

Ist aber nicht nur das Plastik. Wann immer ich mal einen Blick drauf werfe, was die Startup-Szene so macht, dann ist das meist: die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir heute über (in Plastik eingeschweißtes) koreanisches Make-up/ Torte/ Hasenfutter nachdenken.

Können wir bitte langsam mal anfangen, die wirklichen Probleme anzugehen?!?

Na klasse, Jürgen, mal wieder auf die Anderen schimpfen. Was bitte tust DU denn dagegen?

Ja, gute Frage. Okay, fangen wir mal klein an. Ich werde den September mal dazu nutzen, mich umzuschauen, wo und wie ich Plastik vermeiden kann. Ich muss gestehen: Ich hab teilweise schon völlig verlernt, wie das geht. Tipps nehme ich gerne entgegen. Erste Aktionen:

  1. Den Bonner Unverpackt-Laden am Wilhelmsplatz besuchen.
  2. Mir Kaffee in der Rösterei in meinen eigenen Bohnenbehälter füllen lassen (ja, muss ich erstmal kaufen, Kaffee ist auch so schon nicht ökologisch, ja…).
  3. Ein Frischenetzt kaufen (ja, ich weiß, s.o. Aber Kleinvieh und so…)
  4. Biomärkte abgrasen, ob es nicht doch welche mit weniger Plastik gibt. Denn’s war eine herbe Enttäuschung.

Auch der GA kostet online jetzt was:

Bei Spiegel.de war der Aufmacher heute teilweise ein Spiegel+-Artikel.

Ich fürchte, Paid Content hat sich endgültig durchgesetzt. Glücklich bin ich damit nicht, vor allem mit den meisten Bezahlmodellen nicht. Glücklich bin ich aber auch mit Online-Werbeformen und -finanzierungen nicht. Mal gucken, was es offline noch so gibt…

Bild des Tages: Sonne auf das Stadthaus:

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Yeah

88: Am Ende des Rheins

Irgendwann weit vor dem Wecker wache ich auf. Es ist irgendwas zwischen nicht mehr schlafen können und eigentlich fit genug sein. Meistens macht das Aufdieuhrgucken müde, deswegen stehe ich einfach auf und fang schonmal an zu packen, lüfte durch. Draußen auf dem Frankenbadplatz ist noch Party. Es muss also noch recht früh sein. Als ich fertig gepackt habe, gucke ich dann doch auf die Uhr: Es ist gerade mal 0400. Zeit für den ersten Powernap des Tages. 😉

Ich verstaue alle Taschen im Auto, mache mir einen schwarzen Kaffee, checke noch einmal die Route und den Parkplatz von ’s-Hertogenbosch, auf den ich möchte. Und dann kann’s eigentlich auch losgehen. Jetzt nur noch das Fahrrad in den Skoda Octavia, den ich mir am Vortag ausgeliefen habe. „Soll auf jeden Fall ein Kombi sein?“, hatte der Typ von Europcar gefragt. „Ja, ich möchte ein Fahrrad damit transportieren“. Und jetzt passt das Fahrrad nicht… Lenker und Vorderrad zusammen geben einen denkbar ungünstigen rechten Winkel. Doch nicht sowas jetzt…

Morgens um fünf ist noch nicht die Zeit für kreative Ideen. Ich beschließe, den Lenker abzumontieren. Das Werkzeug ist noch in meiner Wohnung. Dort angekommen nutze ich die Chance, um kurz das Internet nach „Fahrrad im Kombi transportieren“ zu fragen (warum nicht?). Und siehe da: Eine Seite schreibt ganz beiläufig: passt nicht immer, „manchmal muss man auch das Vorderrad abmontieren“. Ach cool, das hat doch einen Schnellspanner! Und 10 Minuten später sitze ich dann doch mit verstautem E-Bike im Auto. Kann losgehen. Muss es aber langsam auch, es ist bereits 05:30 Uhr.

Kurz hinter der Autobahnauffahrt erwartet mich ein gigantisches Blaulichtgewitter. Auf der Gegenspur scheint ein schwerer Unfall passiert zu sein, ich muss ganz schön schlucken.

Hinter Mönchengladbach schickt mich das Navi des Skoda plötzlich von der Autobahn runter. Ich solle Richtung Venlo jetzt über die Dörfer fahren. Ernsthaft, warum denn das? Aber okay, vielleicht kennt das Ding ja eine Abkürzung. Die Route kommt mir komisch vor. Das Navi schickt mich auf Straßen, in denen keinerlei Wegweiser mehr stehen, die Gegend wird immer ländlicher, es folgt ein Sackgassenschild. Ich fahre trotzdem rein, jetzt will ich’s wissen. Und plötzlich hört die Straße auf, gesperrt seit dem 20. Juli, sagt ein Schild. Hinter einem Abhang taucht ein Lichtermeer wie von fünf riesigen Frachtschiffen auf. Bin hier plötzlich am Rhein?

Als ich genauer schaue, stelle ich fest, dass es Bagger sind, monströs große Bagger. Ich bin mitten im Braunkohlerevier gelandet, ein ganz schön gespenstischer Anblick bei Dunkelheit. Als ich zurücksetze und einen weiteren Wagen mit auswärtigem Kennzeichen sehe, das etwas ratlos in der Gegend rumsteht, muss ich lachen: Da ist noch einer der Fehlinformation erlegen. Dem Navi traue ich jetzt auf jeden Fall nicht mehr blind.

Nach einer weiteren Pause mit dem zweiten Powernap des Tages auf einem KFC-Parkplatz komme ich schließlich in ’s-Hertogenbosch auf dem geplanten P+R-Parkplatz an. In wenigen Augenblicken habe ich alles startklar, auch das Vorderrad zurückmontiert, doch die Scheibenbremse schleift. Wieder geht eine Viertelstunde drauf, bis es die Ausrichtung stimmt. Dann, gegen 0830 Uhr kann es endlich losgehen.

Google Maps fand eine schöne Radstrecke, die nur 120 Kilometer lang sein soll. Die nehme ich jetzt und lasse mich einfach per Smartphone navigieren (was sich noch als Fehler herausstellen wird). Meinen Reserveakku habe ich dabei. Ohnehin ist der Plan, die letzte Etappe an einem Tag zurückzulegen. Ich hätte mehr Lust, am nächsten Tag auszuschlafen und auf der Couch zu liegen. Meine Campingsachen habe ich trotzdem für den Notfall dabei.

Ich sagte es schon einmal, ich sage es wieder (und ich werde nicht müde werden, es zu wiederholen): Die Niederlande haben das weltbeste Radverkehrsnetz. Du fährst wie auf der Autobahn auf bestens ausgebauten, breiten Wegen, auf denen du kaum jemals mit Autos ins Gehege kommst. Das System mit klar abgetrennten Fahrradspuren durchzieht nicht nur ein paar Gegenden und Städte, sondern das ganze Land. Es ist ein Traum. Du musst nur wissen, wohin du willst, dann wird die Reise zum Kinderspiel.

Und genau das ist das Problem mit Google Maps. Anfangs schiebe ich es noch auf meine eigene Schusseligkeit. Spätestens nach der Hälfte der Strecke ist aber klar: Es ist auch sehr, sehr oft die App. So gut Google Maps als Autonavi funktioniert, das Fahrradnavi schickt dich auf Gegenspuren, wo du den Ärger des Gegenverkehrs auf dich ziehst, auf Fußgängerwege, auch wenn 10 Meter daneben ein Radweg verläuft, kündigt vor Kreisverkehren nur die Straßennamen an, in die du fahren sollst, auch wenn es keine Straßenschilder gibt, schickt dich auf linker Seite am Kanal vorbei, und wenn du auf die rechte Seite wechselst, weil links eine Baustelle ist, soll der Weg plötzlich 8 Minuten länger sein… Es liegt daran, dass ich Komoot auch nicht besonders mag, weswegen ich immer wieder auf Maps hereinfalle.

Trotzdem komme ich eigentlich wunderbar voran. Dichte Bebauung und Wälder machen den eigentlich starken Gegenwind kaum spürbar. Die ersten 40km schaffe ich ohne Pause, danach fülle ich meine Trinkflasche zum Erstaunen der Anwesenden auf einem Friedhof kurz auf. Ich fahre die Route an der Maas entlang, die kurz vor Dordrecht in die Waal mündet (der Rhein heißt etwa ab der Grenze nicht mehr Rhein, sondern teilt sich in mehrere Arme auf, von der die Waal der größte ist). Erst kurz vor der gigantischen Waalbrücke vor Dordrecht schickt mich die App an den Fluss und es gibt reichlich Gegenwind. Ich fahre ein paar Kilometer tief nach vorne gebeugt, was mich gut und gerne 2 km/h schneller macht. Den Motor lasse ich auf Stufe 1/4, weil ich ahne, dass da später noch weit mehr Wind kommen könnte.

Hinter der Brücke geht es an Dordrecht vorbei, aber nicht direkt nach Rotterdam rein, sondern erst über eine Flussinsel zwischen neuer und alter Maas (das Gewirr an Flussarmen, Kanälen und Inseln ist gewaltig; schaut euch das mal auf einer Karte an!). Ich habe mittlerweile schon 70km hinter mir, als es Mittag wird, langsam schwinden meine Kräfte (ich hab noch gar nichts gegessen heute), die App schickt mich durch Tunnel und über Brücken, und wie es immer so ist: Wenn du ein Café oder eine Bäckerei suchst, kommt kilometerweit keine.

Ich bin schon kurz vor Rotterdam, als ich an einem Campingplatz vorbei komme und aus der Ferne das Wort „Pannekoekenhuis“ erspähe. Hin! Den (sehr leckeren) Pfannkuchen mit Vanilleeis und Sahne inhaliere ist fast, der Cappuccino dazu weckt Wunder. Auf der Toilette fülle ich noch einmal (mehr oder weniger) heimlich meine Trinkflasche auf, dann geht es gefühlt mit Siebenmeilenstiefeln weiter.

Und das muss es auch, denn der Wind weht langsam deutlich frischer. Es geht durch den Beneluxtunnel über die neue Maas endlich nach Rotterdam, beziehungsweise die Vororte. Hier ist keine Stadt mehr, hier ist eigentlich nur noch Hafen, kilometerweit. Und nach einem Hafen kommt noch ein Hafen und wieder ein Hafen. Das Ganze ist nicht unbedingt malerisch aber durchaus beeindruckend.

Wer immer bestimmt hat, dass die Rheinroute oder die offizielle Eurovelo 15 (deren Spur ich längst verloren habe) in Rotterdam enden soll, hat nicht ganz die Wahrheit gesagt. Denn was da als Fluss, Kanal oder was auch immer schließlich in die Nordsee fließt, tut das erst 30 Kilometer hinter Rotterdam bei Hoek van Holland.

Und 30 Kilometer können bei Gegenwind ganz schön lang sein. Zum Glück habe ich mir Akku aufgespart und kann nun etwas mehr in die Vollen gehen. Die Strecke ist nicht mehr die Allerhübscheste. Es geht durch eine Arbeitersiedlung, weitere Hafenanlagen… Es heißt zwar nicht mehr Rotterdam, aber der Hafen der Stadt geht hier nahtlos in weitere über. Ein Blick vom Deich auf den Fluss entschädigt aber für alle Strapazen.

Kurz vor dem Ziel gegen 1700 Uhr saust mir dann noch einmal richtig Wind um die Ohren. Der Himmel zieht sich langsam zu. Der Wetterbericht hält also Wort: Tagsüber trocken, abends Regen. Ich sehe zu, dass ich ans Ziel komme, und erreiche um 1730 schließlich den Strand von Hoek van Holland.

Hier warten natürlich kein Empfangskomitee oder eine Ziellinie, aber ein obligatorischer Wegweiser zu Orten wie Hamburg, New York oder Paris (der mir zu kitschig ist, um ihn zu fotografieren). Immerhin: ein paar Einheimische lächeln mich an, als sie mich in voller Montur kommen sehen.

So ganz alleine mache ich es denn auch kurz. Nehme ein paar Fotos und Selfies vom Ziel auf, gönne mir einen großen Schluck aus der Wasserpulle und gehe dann in der Fischbude um die Ecke (fantastische!) Fish and Chips essen. Das ist auch notwendig, mir ist ein bisschen kalt und ich bin erschöpft; schon das Reden fällt mir schwer. Der Imbissverkäufer wechselt freundlicherweise sofort auf Deutsch, nachdem ich ihm halb auf Niederländisch, halb auf Englisch meine Bestellung vornuschele (ich muss echt noch einmal an meinem Akzent arbeiten).

Dass ich mit meinem Motto („Irgendwie kommst du schon zurück“) diesmal gar nicht weit kommen würde, war mir vorher klar. Aber verschiedenste Apps zeigen mir einen absurden Weg von Hoek van Holland (wo es nur eine S-Bahn-Station gibt) zurück nach ’s-Hertogenbosch. Obwohl schon 125 km auf dem Tacho (ja, es werden immer mehr, als die Apps vorher ankündigen), entscheide ich mich schließlich, mich noch einmal aufs Rad zu schwingen und nach Den Haag zum Bahnhof zu fahren. Klingt furchtbar weit, sind aber nur 18 km, oder sollen es zumindest sein.

Denn hier versagt Google Maps schlussendlich völlig. Will mich quer über die Dünen schicken, weiß nicht, ob links oder rechts, schickt mich an der Gabelung rechts, um mich dann zurückzupfeifen: falsch abgebogen. Und am Ende sind es zum Bahnhof eher 24km. Ich verpasse deswegen meinen geplanten Zug und ärgere mich schwarz.

Allerdings nur fünf Minuten lang, als ich sehe, dass der nächste Zug nach Utrecht (da umsteigen nach ’s-Hertogenbosch) bloß 15 Minuten später fährt, der danach wieder 15 Minuten später und so weiter. Die Anschlüsse dann übrigens im selben Takt. Ich kann in aller Ruhe ein Ticket kaufen, meine FPP2-Maske aufsetzen und mein Fahrrad in den schon wartenden Zug einladen. Also ist nicht nur die Fahrradinfrastruktur in den Niederlanden Welten besser als in Deutschland, auch die Bahn.

Ach, mehr noch. Ich sehe an diesem Tag Menschen, die gemeinsam Sport machen, nicht nur Fußball, es gibt auch große Radfahrerpulks, Laufgruppen, Wanderer. Die Menschen unterwegs kommen mir insgesamt entspannt vor, der gesamte Straßenverkehr viel weniger ellenbogenartig, Radfahrer werden nicht von der Straße gewünscht, sondern auf ihrer eigenen Spur respektiert. Wie angenehm! (Note to self: Die Sprache lernen und überlegen, dahin auszuwandern.)

Von Den Haag sehe ich leider nicht mehr viel, nur kurz die Skyline und das Diplomatenviertel. Was ich sehe, erinnert mich an eine Planstadt. Ich komme durch zwei Straßen, in denen sich eine Botschaft an die nächste reiht, teilweise sogar thematisch gruppiert (hier etwa vier südostasische Länder direkt nebeneinander). Die Stadtplaner überlassen hier nichts dem Zufall.

Um kurz nach 9 kommt die Bahn in ’s-Hertogenbosch an. Ich rolle das Fahrrad nach draußen, stehe noch kurz vor dem Eingang und will die Navigation zum Parkplatz starten. Sofort kommen ein junger und ein alter Kerl arabischen Aussehens auf mich zugerannt. Ob sie eben mein Handy benutzen dürften, um jemanden anzurufen. Ich bin nicht überzeugt: „Actually no, I need my phone and I don’t even know you.“ Es wäre aber dringend, sie müssten einen Anruf tätigen um zu wissen, ob ihre Übernachtung klargehe. „Sorry, I don’t know. Maybe better ask a local to help you.“ Sie lassen nicht locker. Ob ich dann eine Nummer wählen könnte, die sie mir diktieren und dann auf Lautsprecher schalten. „Hm, okay, why not…“

Sie diktieren mir die lokale Nummer, ich wähle und schalte auf Lautsprecher, jemand hebt ab. Der Alte ruft einen kurzen Satz ins Telefon in einer Sprache, die ich nicht verstehe, die andere Seite antwortet mit einem Wort. Das war’s schon. Die beiden bedanken sich nicht übermäßig überschwänglich und gehen sofort ihren Weges. Sonderbare Begegnung… Sollte sich die nächsten Tage die Kripo bei mir melden, warum ich die Nummer eines internationalen Irgendwas-Händlerrings gewählt hätte, ich wäre nur mäßig überrascht.

Google Maps lotst mich durch die Innenstadt von ’s-Hertogenbosch (die hübscher ist als erwartet) zum Parkplatz. Ich verstaue Fahrrad und Sachen, sehe auf Google Maps dass ich gerade noch Zeit habe, einen Supermarkt zu besuchen, mache mich kurz dorthin, kaufe Käse, Milch im Kanister (jaja, ist nur Milch, aber damit fühle ich mich immer wie im Film), eine Flasche Wasser und um kurz vor 22 Uhr geht’s dann zurück.

Diesmal navigiere ich mit Google Maps statt dem Autonavi (dem traue ich nicht mehr, und KFZ-Navi kann Maps ja eigentlich) und lande auf einer Straße, auf der ich die ganze Zeit bis zur Grenze nur 80 fahren darf. Eindeutig eine andere Straße als die Autobahn, über die ich gekommen bin. Na ja, dann ist heute eben nicht Welttag der Navigationssysteme. Ich singe zu meiner Lieblingsplaylist, um mich wach zu halten, komme wieder an den schiffartigen Braunkohlebaggern vorbei und ansonsten ohne weitere Zwischenfälle um kurz vor Mitternacht zu Hause an. Packe noch aus, hänge meine Klamotten auf, dusche und falle gegen 0100 Uhr halbtot ins Bett. Was für ein Trip!

Ich bin den ganzen Rhein abgefahren. :)) In mehreren Zügen und Richtungen, klar, aber durch Wind und Wetter, über Stock und Stein. Erst von Bonn nach Koblenz, die eiskalte, erste Übernachtung auf dem Campingplatz, die regnerische Etappe gleich zu Anfang der Eurovelo 15 hinter Andermatt den Oberalppass hinauf, an der Rheinschlucht und dem Bodensee vorbei. Und schließlich am Niederrhein entlang durch die Niederlande. Die schönste Etappe? Tatsächlich die Mammutstrecke neulich linksrheinisch von Düsseldorf über Dusiburg, Moers, Krefeld, Xanten und so weiter bis nach und inklusive Arnheim. Ein richtig schönes Fleckchen Erde!

Und? Bin ich jetzt ein anderer Mensch? Ganz ehrlich: ja. Da hat sich etwas verändert in den letzten Wochen. Was das bedeutet und wie es nun weiter geht. Wir werden sehen. 🙂

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Hm

87: Autumn is coming

Jedes Jahr um die Zeit stelle ich für gewöhnlich alles in Frage. Die Arbeit fällt mir schwer, die IFA kommt und nervt, weil die Business-Kasper da wieder einmal von Innovationen reden, die keine sind (obwohl ich’s diesmal gar nicht so schlecht finde), mit englischen Business-Floskeln um sich schmeißen und entweder nicht zugeben wollen und tatsächlich nicht verstehen, dass das, was sie da präsentieren, zu 90 Prozent Spielzeuge für Erwachsene sind. Der Beitrag, den ich gerade dazu schreibe, fällt mir erstaunlich schwer zu schreiben, obwohl ich mir schon die besten Sachen rausgesucht habe. Aber vielleicht ist es auch einfach das. Die Zeit des Jahres ist da, in der die Tage kürzer werden, der Schlafbedarf steigt. Die Temperaturen tagsüber lassen dich noch in dem Glauben, dass Sommer ist. Aber spätestens abends ist klar: der Herbst ist da.

Normal ereilt mich jetzt die Herbst- oder Winterdepression. Aber diesmal sind ein paar Dinge anders. Ich weiß, was dagegen zu tun ist. Es geht Samstag noch einmal auf die Piste (Rhein-Route, letzte 2 Etappen) und ansonsten fahre ich einfach alles runter und mache es mir hier gemütlich.

Nur das mit der Weltrettung, das bleibt jetzt mal als Projekt. Danke Jens und Boris schon einmal für eure (deprimierenden 😉 Kommentare dazu. Geht da nicht doch noch etwas? Kann doch nicht das Ende sein…

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Hm

86: Okay, let’s save the world

Oder anders gesagt: Was ist euer Plan zur Rettung der Welt?

Ökologisch, vor allem. Denn alles andere leitet sich davon ab.

Denn ich hab das Gefühl, es wird langsam ernst. Wir sind nur noch nicht so weit, dass wir das begriffen haben. Und niemand möchte darüber belehrt werden.

Habt ihr eine Idee?

Nee, jetzt mal so richtig im Ernst und so.

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Hm

85: Pläne und Gedanken

Heute ist nichts passiert. Deswegen nur ein paar Pläne und Gedanken:

  • Ich würde gerne einmal einen Marathon laufen. Vielleicht bekomme ich in dieser oder der nächsten Woche von Christian ein paar Tipps, wie das geht und (na ja, in dem Falle aufgrund der Gesundheit auch) ob.
  • Wenn es am Wochenende halbwegs trocken bleibt, würde ich gerne den Rest der Rhein-Tour von Hertogenbosch bis Hoek van Holland in Angriff nehmen.
  • Ich habe in meinen ersten ETF-Sparplan investiert. Aber aus Gründen führt die Bank die Order erst am 15.9. aus.
  • Es ist ein halbwegs nachhaltiger ETF. Ich dachte: Warum nicht.
  • Frage (mehr an mich selbst): Kann die Welt noch irgendwie gerettet werden, und wenn ja, wie kann ich beruflich meinen Teil dazu beitragen? Einiges, was man bei den Kollegen so liest, macht nicht gerade Hoffnung. Und CO2 ist nur eins der Probleme.
  • Das Projekt Entrümpeln und Entmüllen geht mal wieder in die Endphase. Die hatte ich schon mehrfach angekündigt, und im Grunde stimmt das auch jedes Mal. Aber kurz vor dem Ende liegen einfach noch verdammt große Brocken, die viel Zeit fressen.
  • No one said it would be easy. And maybe easy isn’t the way that would help.
  • Wie großartig ist (bisher) „The Last Dance“? Wann immer ich bisschen Zeit übrig habe, verschlinge ich das gerade.
  • „Felix Krull“ hingegen… Ja, ich mag es bestimmt vor allem deswegen bislang (39%) nicht so sehr, weil es anspruchsvoll ist. Wer mag schon intellektuell gefordert werden von etwas, was eigentlich Schulstoff ist…
  • 50% there. 🙂 Das Gute daran, dass neulich meine Espressomaschine defekt war, ist, dass ich mich gerade noch einmal mit Kaffeezubereitung befasse und viel dazu auf YouTube schaue. Wäre schön, das irgendwann zu 100% hinzukriegen.

Bild des Tages:

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Argh

84: Nicht ob, sondern wie

Da setze ich mich heute früh ins Auto zum Termin, und die Karre springt nicht an. Da wird doch wohl nicht gestern jemand vergessen haben, das Licht… Scheiße… Verdammt!

Der erste Impuls: Zum Telefon greifen, den Partner anrufen und mich entschuldigen, vielleicht eine Ausrede erfinden. Wäre kein Problem, würden alle verstehen. Und sooo wichtig ist der Termin heute auch nicht. Es geht um eine Probefahrt mit dem Aiways U5. Allerdings noch mit dem 2020er-Modell, nicht dem 2021er, das Aiways und Euronics ab Ende des Jahres letztendlich verkaufen wollen. Das soll ich in ein paar Wochen auch noch testen. Insofern vielleicht Trotz, dass der alte Benziner nicht anspringt, mit dem ich zum Elektroauto fahren will.

Mein neues, und wie ich finde: konstruktiveres, Motto ist aber: „Nicht ob, sondern wie“. Also nicht: Geht das, sondern wie geht das? Nachdem ich zehn Sekunden später damit fertig bin, wütend auf dem Lenkrad herumzuhämmern, heißt es, mal schnell den Kopf anzuschmeißen: Wie komme ich jetzt binnen 50 Minuten von der Bonner Altstadt nach Mechernich-Kommern?

Von den folgenden 10 Minuten weiß ich nur noch, was ich alles gemacht habe. Ich weiß nicht mehr, was wie lange gedauert hat und ich kann auch nicht erklären, wie es möglich ist, das alles in 10 Minuten zu packen. Aber es war anscheinend möglich.

Mein Kopf entscheidet sich spontan für Flinkster. Noch im nicht startenden Lupo lade ich mir die App herunter, steige aus dem Auto, schließe es ab, sprinte hoch in meine Wohnung, krame die vier Jahre alte Flinkster-Kundenkarte heraus, die ich auch seitdem nicht mehr benutzt habe, starte die App, habe Glück: mein Account existiert noch, lasse mir ein neues Passwort zuschicken, finde ein Fahrzeug in 500 Metern Entfernung, buche es, renne aus dem Haus, wo zufällig gerade ein Leih-Scooter vor der Tür steht, dessen App ich noch installiert habe, buche die Fahrt, fahre damit zum Parkplatz, stelle den Scooter ab, gehe zum Auto, bekomme es mit der App nicht aufgeschlossen, versuche es mit der Kundenkarte, es funktioniert, starte das Auto, verstelle auf dem Weg zur Ausfahrt Sitz und Spiegel, treffe irgendwie mit der Fernbedienung den richtigen Knopf, um das Gatter zu öffnen und bin auf dem Weg. Puh!

Ich behaupte aber auch: Das wäre im Jahr 2015 noch nicht möglich gewesen. Einmal weil es da noch keine E-Scooter gab. Aber auch, weil man sich da nicht so schnell Apps unterwegs runterladen konnte und mobile Anwendungen einfach noch nicht so reibungslos funktioniert hatten.

Müßig zu erwähnen, dass ich mich noch einmal verfahre, am Ende aber trotzdem nur 5 Minuten später als vereinbart in Kommern ankomme. Der Andrang ist so riesig, dass die Leute von Euronics Urfey ohnehin andere Sorgen haben. 😉 Aber ich bekomme meine Probefahrt mit dem Aiways U5 und bin durchaus angetan:

Wieder in Bonn, bleibt mir der Gang nach Canossa nicht erspart: der Anruf beim Pannendienst, um zum (wenn ich mich nicht verzählt habe) sechsten Mal seit meiner Mitgliedschaft um Starthilfe zu bitten. Wer kommt natürlich raus? Mein Dude, der schon meinen Espace bestens kannte und mit mir zusammen vergangenen Sommer den legendären Bus-Unfall miterlebt hat. Der Typ gehört schon fast zur Familie und darf dann natürlich auch sticheln: „Geben Sie’s zu, Sie hatten Sehnsucht nach mir!“ ?

Den Rest der Prozedur kenne ich schon: Den Wagen jetzt mindestens eine Stunde laufen lassen, besser sogar damit fahren. Ich fahre im Feierabendverkehr nach Köln und Troisdorf, um ihn Juan zurückzubringen, der ihn eigentlich ausgeliehen hatte und von dem ich ihn mir gestern zurückausgeliehen hatte. Es ist kompliziert.

Wofür Corona immerhin gesorgt hat: Dass fast jeder in öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch mobil bezahlt. Ich hatte mich lange dagegen gesträubt (warum eigentlich?), aber mittlerweile bin auch ich eifrig dabei. (Auch wenn ein Blinder sieht, was an der SWB.Go-App noch optimiert werden könnte: die Suchvorschläge. Wenn ich nach „Dorotheenstraße“ suche, dann zeig mir doch als erstes die Haltestelle Dorotheenstraße der Stadt an, für die die App programmiert ist, nicht alle Dorotheenstraßen samt Hausnummer in ganz NRW.)

Für alle, die noch interessiert, wie die Tischtennis-Corona-Geschichte weitergegangen ist: Ich habe zum Glück einen Partner in Crime gefunden, unseren Mannschaftsführer Nico. Er hält das Hygienekonzept des WTTV ebenfalls für nicht ausreichend, möchte kein Corona bekommen und hat deswegen unsere ersten beiden Spiele nach hinten verlegt. Nun hätten wir unser erstes Spiel erst Mitte September, und sollten wir das auch noch verlegt bekommen: Anfang Oktober.

Und sagen wir’s mal so: Weil der großen Mehrheit die Maßnahmen ja ausreichen und sie es gar nicht erwarten können, wieder zu spielen, werden wir bis dahin schon deutlich genauer wissen, ob sich Corona-Fälle durch Tischtennis in Sporthallen häufen oder nicht. Und dann gucken wir noch mal. ?‍♂️

Mein heimliches Highlight am Aiways U5:

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Allgemein

83: Sag mir, wie weit willst du gehen

Ja, wie weit eigentlich. Ihr seht mich gerade hin- und hergerissen. Zum einen denke ich, man sollte es vielleicht mal langsam Fünfe gerade sein lassen, wegen des Virus‘ nicht alles komplett runterfahren.

Auf der anderen Seite würde ich gerne selbst entscheiden können, ob ich mich der Gefahr aussetze oder nicht, und die Entscheidung wird mir gerade von einem Sportverband abgenommen, der die Verantwortung auf das Land abschiebt und sich nicht die Mühe macht, zwischen drinnen und draußen zu unterscheiden.

Nein, kann ich so nicht akzeptieren.

Der Verband hat sich dagegen entschieden, aktiv zu werden. Mein Verein hat sich dagegen entschieden zu intervenieren. Ich muss es also selber tun. Ich habe einen Kommentar aus der Hüfte geschossen und ihn einer ersten, überregionalen Redaktion angeboten. Das war noch etwas wenig strategisch, aber es war ein weiterer Schritt nach Mails an den Verband und das zuständige Ministerium, worauf ich aufbauen kann.

Ich habe keine Ahnung, was ich sonst machen soll, denn vor so einem Problem stand ich noch nie. Die Gesetzeslage ist zu meinen Ungunsten, die Gefahr wird nicht als solche erkannt, meine Mitmenschen sind größtenteils Lemmige, die das tun, was die Masse vorlebt (muss ich mal so krass formulieren), die meisten Spieler freuen sich, dass sie wieder antreten dürfen, und ihnen gehen die Maßnahmen noch zu weit. Ich bin nun in der besonderen Lage, dass sie mir nicht weit genug gehen. An die Möglichkeit hat irgendwie keiner gedacht.

Bild des Tages: 1 Hund, 1 Sonnenuntergang

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Möh

82: Immer höflich bleiben

Okay, also der Westdeutsche Tischtennisverband hat auf meine höflichen Mails ebenso höflich reagiert und mir durch die Blume gesagt, dass man an den beschlossenen Maßnahmen (Aerosolparty in der Halle) nichts mehr ändern wird. Worauf ich noch einmal höflichst geantwortet habe, dass ich die Meldung zur Kenntnis nehme, mich damit aber nicht zufrieden gebe und nun eine höhere Instanz anrufen würde. Worauf ein Mitglied des Verbands noch einmal höflich geantwortet und mir sogar mitgeteilt hat, wer die höhere Instanz wäre und an welches Gericht ich mich höflicherweise wenden könnte, wenn ich wollte. Sehr nett alles.

Immer höflich bleiben, auch wenn man anderer Meinung ist. Das zeugt von Stärke.

Ich habe jetzt mal das – Achtung langer Name – Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen angeschrieben. In der Hoffnung, dass die weiterhin für den Sport zuständig sind. Ich glaube nicht mehr, dass ich hier noch etwas erreiche. Jetzt geht es mir eher um ein wenig Neugierde, mal zu erkunden, wie die Dinge eigentlich zusammenhängen, wer für was zuständig ist, was man erreicht, wenn man es versucht. Einfach mal durch die Instanzen wandern und sich desillusionieren lassen. Warum nicht.

Die Frage ist ohnehin: Was machen wir hier eigentlich? Sind die Maßnahmen übertrieben? Wenn ja, dann sollte man den brasilianischen Weg gehen, alles wieder erlauben, die Wirtschaft wieder hochfahren und nur diejenigen mit einschlägigen Vorerkrankungen (und alle, die wollen) Masken aus Eigenschutz tragen lassen. Wenn nicht, dann sollte man das Thema Aerosole in Innenräumen mal zum Thema machen. Denn das scheint einfach keinen zu interessieren, zumindest solange nicht, wie das Kind nicht in den Brunnen gefallen ist.

Zwei Fragen:

  • Was macht eigentlich Christian Drosten? (Vermutung: In den Medien nur noch das Allernötigste. Einen Gastbeitrag mit Handlungsempfehlungen in der „Zeit“ nach seinem endlos scheinenden Sommerurlaub kam Anfang August. Der Podcast mit ihm scheint Geschichte zu sein. Die letzte Folge mit ihm lief im Juni.)
  • Warum hinterfragt wirklich niemand in den als halbwegs seriös geltenden überregionalen Online-Medien die aktuellen Corona-Maßnahmen? Ist das verboten? Sind sich da wirklich alle einig? Wer gegen die Maßnahmen demonstriert, wird derzeit direkt als spinnert abgetan. Und zugegeben gehen auch wirklich viele Bekloppte zu solchen Demos. Aber die Maßnahmen zu hinterfragen, auch in Bezug auf die aktuelle Mortalitätsrate muss doch erlaubt sein.

Bin noch am überlegen, die Rheinradtour am kommenden Wochenende zu beenden, aber die Wetteraussichten (Dauerregen) bessern sich nicht.

„Felix Krull“ von Thomas Mann. Hui, da habe ich mir was aufgehalst. Nach 14 Prozent des Buchs (ja, ich lese nur noch Ebooks und da sind Seitenzahlen ein Relikt der Vergangenheit) muss ich sagen: der hat sich schon gerne schwätzen hören, der Thomas Mann. Und er scheint mit seinen Büchern auch eine Art erzieherischen Auftrag erfüllen zu wollen, dem zur Einfältigkeit neigenden Bürger die gesamte Klaviatur des Wortschatzes der deutschen Sprache sehenden Auges unter die Nase zu reiben. Den Kopf auszuschalten und sich dem Müßiggang hinzugeben, scheint bei der erhabenen Lektüre seines Schriftguts nicht die angestammte Reaktion zu sein. Da ich häufig der Adaption mir vorgelebter Tugenden anheim zu fallen neige, mögen die hochgeachteten Lesenden von der Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass mein Wort in nahender Zeit ähnlicher Art zu elektronischem Papiere gebracht werden könnte.

Es ist Ewigkeiten her, dass ich hier ein Bild des Tages veröffentlicht habe, und ich habe auch schon lange keins mehr geschossen. Vielleicht bin ich deswegen so unausgeglichen.