Ach, Alltag… Ich verstehe ja, dass es dich braucht, aber du kannst auch nerven wie die Sau. Unterwegs zu sein, eins mit den Elementen (na ja, mehr oder weniger schon) ist einfach zielgerichteter. Du machst, du weißt genau wohin, die Leute nerven nicht.
Oder anders gesagt: Das größte Aventure ist der Alltag. Die Leute kapieren zum Beispiel nicht, dass es im Zusammenhang mit Corona einen Unterschied zwischen drinnen und draußen gibt. Falls sie überhaupt kapieren, dass es da einen Unterschied gibt. Ein letztes Mal versuche ich es noch:
Draußen: Freie Luft, kein Dach über dem Kopf (Sonnenschirme sind nicht super, aber okay), im Winter kalt. Tröpfchen und Aerosole verfliegen, bei Wind besonders schnell. Drinnen: Festes Dach über dem Kopf, hat Fenster und Türen, und die sind sehr oft geschlossen. (Sind sie geöffnet, hilft das ein bisschen, zumindest genau an der Öffnung.) Im Winter warm, sofern beheizt. Aerosole, die das Virus in sich tragen, bleiben dort viele Minuten lang in der Luft. Hält sich der Verursacher dauerhaft an diesem Ort auf, bleiben immer wieder neue Aerosole viele Minuten lang in der Luft. Treibt derjenige auch noch Sport, kommen ganz, ganz, ganz, ganz viele Aerosole aus ihm heraus, die viele Minuten in der Luft bleiben.
Die Leute kapieren es nicht, wollen es nicht kapieren oder blenden es aus. Sie tun einfach, was die anderen in der Masse gerade auch machen, das, woran sich die meisten halten.
Ich finde das aus rein wissenschaftlicher Sicht irgendwo auch schon wieder interessant. Der Mensch präsentiert sich gerade par excellence als Herdentier. Vielleicht muss man das nur irgendwie für seine Zwecke ausnutzen…
Mein nächstes Mini-Projekt: Whisky & Soda probieren. Die große Frage dabei: Was ist überhaupt Soda? Da gehen die Begrifflichkeiten schon auseinander. Je nach Land und Definition versteht man unter Sodawasser einen süßen Softdrink, gesprudeltes Wasser oder Sprudelwasser mit einem höheren Anteil an Natriumhydrogencarbonat (Natron). Nach deutscher Lebensmittelverordnung etwa genau das: Kohlensäureversetztes Wasser mit mindestens 570mg/l Natriumhydrogencarbonat.
Was ein echter Aventurer ist, der rennt sofort in den Rewe und checkt die Etiketten der Mineralwässer. Volvic, Evian, Vio und Co. – alle so um die 100-300mg Hydrogencarbonat. Mit einer Ausnahme: Eifelwasser! Gerolsteiner Medium mit gleich dreimal so viel Hydrogencarbonat wie verlangt. Perfektes Soda!
Was ein echter Aventurer ist, der nimmt das natürlich sofort mit nach Hause – und liest dann erst auf der Gerolsteiner-Website:
Kohlensäurehaltige Mineralwässer mit einem hohen Gehalt an Hydrogencarbonat wie Gerolsteiner Sprudel und Medium sind also natürliche Alternativen zu Sodawasser. In vielen Cocktailrezepten werden die Begriffe Soda und Mineralwasser synonym verwendet.
Der Grund ist, dass Sodawasser eigentlich nur künstlich hergestellt wird. Also wieder nicht the real deal? Mir ist es für den ersten Anlauf mal egal. Der Versuch, Natron im Sprudelwasser aufzulösen, dürfte auch kaum besser schmecken.
„Und hier siehst du meinen 2-5, nur leicht überkront, mit toller Hintergrundunschärfe.“ – „Boah, wie ästhetisch. Was für tolle Zähne du hast!“
Meh. Ein Tag, der besser ist, wenn er vorbei ist. Macht’s gut!
Auf Quora habe ich mir einen Schlagabtausch mit einem „der anderen Seite“ geliefert. Er hält Corona zwar nicht für einen Hoax, die Maßnahmen aber für völlig übertrieben und diejenigen, die sie klaglos mitgetragen haben und Andersdenkende diffamiert haben, für Schäfchen, die auch klaglos mit in eine Diktatur gehen würden. Ich war anderer Meinung und hielt etwa dagegen, ob es ihm mal in den Sinn gekommen wäre, dass die Leute die Maßnahmen aus Vernunftgründen mitgetragen hätten, um eine hochansteckende Krankheit einzudämmen? Und dann sagte er einen Satz, der mir schon zu denken gab:
„Seit Wochen stirbt kaum noch jemand an Corona, trotz steigenden Infektionszahlen.“
Stimmt das? Laut RKI haben wir an diesem Montag 711 gemeldete, neue Corona-Fälle bundesweit (was erheblich weniger wären als noch am Freitag) und 3 neue Todesfälle. Am Freitag noch 1.427 Infektionsmeldungen und 7 Todesfälle. Am Donnerstag davor noch 1.707 neue Fälle und 10 an oder mit Corona Verstorbene. Das alles ist eine Mortalitätsrate von weit unter 1 Prozent. Das liegt deutlich unter den im Schnitt 4 Prozent in Deutschland an oder mit Corona Verstorbenen insgesamt, deren Durchschnittsalter (!) laut RKI-Bericht vom Donnerstag im Übrigen 81 Jahre beträgt. Von den knapp 10.000 Todesfällen in Deutschland insgesamt waren 85 Prozent 70 Jahre oder älter. Dem RKI wurden bislang im Zusammenhang mit Corona 3 Todesfälle unter 20 Jahren gemeldet. Alle davon hatten Vorerkrankungen.
Von einigen Fällen ist bekannt, dass Menschen mit Corona starben, die eine Vorerkrankung wie hohes Cholesterin, Diabetes oder Bluthochdruck hatten.
Bei wieder genesenen Patienten wurde mehrfach von einem dauerhaften Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns berichtet. Es gibt weitere Untersuchungen zu Begleiterscheinungen wie Gedächtnisverlust, gar Wahnvorstellungen, Nesselsucht. Der Merkur hat hier einige zusammengetragen. Die Forschenden berichten aber auch davon, dass die Begleiterscheinungen bei einer Genesung in den meisten Fällen auch wieder verschwünden.
Also zusammengefasst: Mir den gesunkenen Todesfällen hat der Typ Recht. Es dürfte daran liegen, dass heute mehr getestet wird als noch im Frühling und damit auch Menschen mit positiven Testergebnissen in die Statistik eingerechnet sind, die keine oder nur wenige Symptome haben und vorher nicht getestet worden sind.
Ich habe erblich bedingt ein leicht erhöhtes Schlaganfallrisiko und leicht erhöhtes Cholesterin. Dennoch halte ich mich in der Hinsicht nicht für einen Risikopatienten. Das Schlimmste, was mir also mit geschätzt 1 Prozent Chance blühen würde, wenn ich mir Corona einfinge, wäre ein langer Genesungsprozess und ein dauerhafter Verlust von Geruch- und Geschmackssinn. Keine Frage, das wäre mal richtig scheiße. Aber das könnte mir auch blühen, wenn ich mir eine andere Krankheit einfange.
Die Frage, die ich mir jetzt stelle, ist: Übertreiben wir es nicht wirklich gerade? Das Lahmlegen weiter Teile des Alltags auf unbestimmte Zeit für eine letztendlich gar nicht so gefährliche Krankheit?
Ich finde es nicht in Ordnung, dass Dritte wie der Tischtennisverband einfach über meinen Kopf hinweg entscheiden wollen, die Gefahr einseitig für nichtig erklären, durch unzureichende Maßnahmen eine erneute Gefahr heraufbeschwören und mich vor die Wahl stellen, mich für meine Gesundheit oder meinen Verein zu entscheiden. Zumal das gegen jede Vernunft spricht. Das hätte ich mir gerne erspart.
Ich muss den ganzen Irrsinn hier noch einmal gesondert erwähnen, so bekloppt ist das: Da gehen die Behörden hin und kontrollieren heute, ob in Bussen und Bahnen, wo sich kaum einer bewegt, jeder ordentlich seine Maske trägt. In Schulen herrscht Maskenpflicht, in Geschäften auch. Und beim Tischtennis in engen Hallen mit vielen Leuten beim Sport steigt die feinste Aerosolparty, und es ist völlig legal, okay, und keinen interessiert’s. Da wirste doch bekloppt.
Aber ist es den ganzen Ärger wert, mich mit dem Verband und Teilen meines Vereins anzulegen, ein Jahr mit dem Spielen auszusetzen aufgrund der sehr geringen Wahrscheinlichkeit, dass ich mir was Schweres einfange?
Ich bin unschlüssig. Glücklich wäre ich mit keiner Entscheidung.
Update: Bin gerade mal durch die Bonner Innenstadt marschiert. Die Leute sitzen wieder fröhlich drinnen in Restaurants, Bars und Kneipen. Eigentlich egal ob Personal oder Gäste, kaum noch einer hat eine Maske (richtig) auf. Joa, ganz ehrlich, dann kann man die Pandemie auch gleich ganz für beendet erklären. Es hat keinen Sinn, in Bussen und Bahnen noch auf Maskenpflicht zu bestehen und überall anders drauf zu scheißen.
Kriegt das erstmal mit dem schlimmsten aller Deppenapostrophe hin, dann können wir auch übers Digitale reden:
Ich weiß ja nicht, ob der Slogan so clever gewählt ist. Wir machen keine 50, aber dafür 60 Prozent? Ja toll…
So der Plan. Die letzten 300 Kilometer auf der Veloroute 15 von Bonn bis Hoek van Holland kurz hinter Rotterdam. Das sollte doch an drei Tagen schaffbar sein, denke ich, im Campingmodus bin ich eh noch. Also los.
Am ersten Tag breche ich nach Feierabend auf. Die Strecke zwischen Wesseling und Köln kenne ich fast schon auswendig. Macht aber nichts, hübsch ist sie eh nicht, und heute möchte ich wegen der späten Startzeit vor allem Kilometer abreißen. Es läuft aber eher so schleppend. Der Weg führt mich am Kölner Rheinufer vorbei, mitten durch die flanierenden Menschenmassen. Ein paar Fahrradaktivisten bieten mir an, auf der Straße zu fahren, sie haben eine Spur abgeklebt, irgendwas Politisches. Leider nur für etwa einen halben Kilometer.
Schöner als gedacht und definitiv mal etwas für einen Kurztrip: Zons am Rhein, und auch das, was ich von Neuss gesehen habe, sieht nicht schlecht aus. Als es Abend wird, suche ich auf Google Maps einen Campingplatz, finde einen mit einer Bewertung von 4,7, klingle durch und erwische nur den Anrufbeantworter: Sorry, aber nach einer ausgedehnten Mittagspause ist unsere Rezeption nur bis 1830 geöffnet. In der Hauptsaison?! Nicht euer Ernst! Ich rufe die nächstbesten anderen an, Google-Bewertung 3,4. Tenor der Rezensionen: Platz okay, Leute nett, das mit den Ratten war was doof. Aber, come on, eine Nacht? Ich will es riskieren und kann auch noch vorbei kommen, kein Problem, auch um 2100 Uhr noch.
Und siehe da: Ein schöner, ruhiger Platz direkt gegenüber der Düsseldorfer City, eine Dusche ist gerade frei, nachts kommen keinerlei Nagetiere zu Besuch. Dafür Regen und Gewitter. Im Morgengrauen um 0600 rolle ich bei gefühlten 24 Grad das Zelt zusammen, das diesmal nass vom Regen ist, nicht vom Morgentau.
Weil es gestern nur 80km waren, plane ich für heute eine „Gewaltetappe“. Möglichst früh los, möglichst weit kommen. Was ich da noch nicht ahne: Dass es wahrscheinlich auch die für mich schönste Etappe der ganzen Rheinroute wird. Und das überrascht mich. Fast den ganzen Morgen nieselt und regnet es. Und es geht an dem vorbei, was Landschaftsarchitekten nicht gerade als malerisch beschreiben würden. Fabriken, alte Hochöfen und Destillerien im Duisburger Umland (wusstet ihr, dass Dujardin aus einem baufälligen Backsteinbau in Krefeld-Uerdingen stammt?). Aber diese Industrie-Kultur ist ebenso ehrlich wie atemberaubend. Wer einen Einblick darüber will, wie die industrialisierte, westliche Welt im Jahr 2020 mit all ihren Licht- und Schattenseiten funktioniert, der sollte diese Etappe mal gefahren sein.
Gegen Mittag hinter Moers wird die Gegend plötzlich unerwartet hübsch und auch das Wetter bessert sich. Orte wie Homberg, Baerl und Rheinberg sagen mir zwar nichts, aber gefallen mir mit ihren traditionellen Häuschen und weiten Wiesen erstaunlich gut. Xanten! Ein Ort, in den die Lateiner in der Mittelstufe unfreiwillig einen Exkurs machen mussten: eine richtig hübsche Altstadt mit angrenzender Nord- und Südsee (jaja!).
Der Plan, direkt an diesem Tag noch nach Arnheim zu fahren und dabei noch ein paar Mini-Umwege in Orte einzulegen, an dem Freunde und Bekannte aufgewachsen sind, erscheint mir zunehmend ambitioniert. Zumal ich mich mehrmals verfahre. Die Beschilderung ist schlecht und nichts kostet mehr Zeit und Kraft, als immer wieder in die falsche Richtung zu fahren. Aber so bekomme ich wenigstens mal Rees, Emmerich und Elten zu sehen. Wirklich keine schlechte Gegend.
Es wird langsam später und Arnheim ist immer noch 30-40 Kilometer entfernt. Ich spare mir Kleve und fahre direkt von Elten nach Arnheim. Nicht der hübscheste Weg an der Hauptstraße entlang, und seit Rees ist der Gegenwind auch mächtig aufgefrischt. Aber als deutscher Radfahrer kommt man sich in den Niederländern sofort vor wie in der Zukunft. Klar gekennzeichnete Fahrradwege, Fahrradampeln, Verkehrsverlangsamungen für Autos, viele Schilder, die Radwege top in Schuss. Alle Macht dem Fiets. Wow!
Nur eins vermisse ich: die offiziellen Schilder für die Eurovelo 15. Tatsächlich finde ich sie hier und am nächsten Tag trotz Ankündigung kein einziges Mal vor.
Schon die kurze Fahrt durch das Zentrum von Arnheim ist schön. Leider habe ich auf diesem Trip nicht mehr die Zeit, mir sie genau anzuschauen. Aber ich werde garantiert mal wiederkommen und das nachholen!
Aber es ist spät und ich möchte zum Zeltplatz. Meine Kräfte sind am Ende, der Akku ist leergefahren und ausgerechnet jetzt wird die Gegend erstaunlich hügelig (hallo, Niederlande?!).
Am Campingplatz das übliche Spiel: nichts mehr frei, aber irgendwas geht noch. Eigentlich sei man voll besetzt, heißt es meist von den Betreibern, die was von modernem Marketing (Stichwort: Overperforming ) verstehen. Mit traurigen Kulleraugen beschreibe ich dann meist, dass mein kleines, (wirklich!) schmales Zelt noch in jede Ecke passe und dass ich ja am nächsten Morgen schon wieder weg wäre. Und so ist es auch diesmal. Die Betreiberin telefoniert kurz mit ihrem Mann am anderen Ende des Platzes und lächelt mich dann an: ja, wir haben doch noch einen Platz frei. Na sowas… 😉
Ihren Mann treffe ich dann am anderen Ende des Zeltplatzes. Er erklärt mir alles. Toll sage ich, und echt nur 13 Euro? Ja, voll günstig, ne? Ach so, es gibt da einen kleinen Haken. Über uns steht ein Birnenbaum, der gerade Früchte abwirft. Das lockt die Wespen an. Ich mach’s dann immer so, dass ich sie mit Fallobst anlocke und dann einfach totschlage. Zur Demonstration schnappt er sich eine Schaufel und hämmert wie verrückt ein paarmal auf den Wespen am Boden herum, die sonderbarerweise daraufhin nicht über ihn herfallen und ihn allemachen. Hier die Schaufel, wenn du es nachher selbst einmal versuchen willst? Äh, danke, gerne, mal sehen.
Ich behalte die Schaufel, aber lasse die Wespen danach lieber Wespen sein. Live and let live und so. Freue mich aber auch darüber, dass mein kleines, schmales Zelt erstaunlich insektendicht und das Obst schon reif ist.
170km bin ich an diesem einen Tag gefahren. Was für Strecke! Ein wenig ruhte meine die Hoffnung darauf, dass ich es am nächsten Tag dafür halbwegs ruhig angehen könnte, mit den restlichen, geplanten 100 km nach Rotterdam. Doch mein Nebenzelter, ein Engländer aus Plymouth, mit dem ich danach ein Bier trinke, ist in den letzten zwei Tagen die Gegenrichtung gefahren. No way, dude, das seien mehr so 200km gewesen und ganz schön anstrengend, selbst mit Rückenwind.
200? Woher kommt denn meine Info, dass es nur 100 seien? Ich checke Komoot, Google Maps, die offizielle Website der Eurovelo. Und ja, tatsächlich. Alles deutet auf eher 200km hin. Ich könnte eine eigene Route fahren, das ganze abkürzen, aber dann wären es immer noch etwa 150km. Bisschen viel, um einen Lauen zu machen. Die Eurovelo-Website ernüchtert mich noch obendrein. Denkt bitte daran: Aktuell könnt ihr in der niederländischen Bahn keine Fahrräder mitnehmen. Ouha. Vergiss nicht den Gegenwind!, gibt der Engländer mir noch einen mit. Oh ja, richtig. Und was das heißt, die ganze Zeit, heftigsten Gegenwind zu haben, habe ich schon auf der Strecke Eltern-Emmerich gelernt. Es kostet dich 5-10 km/h und massenweise Akku.
Ziemlich konsterniert gehe ich früh schlafen in der Hoffnung, dass mir dabei die goldene Idee für den nächsten Tag kommt. Die letzte Etappe an einem Tag durchzuziehen, halte ich für beinahe unmöglich. Aventurer hin oder her. 150-200km, und das mit Gegenwind, nachdem ich mich am Vortag schon voll verausgabt habe? Ich könnte ein Stück in die Richtung fahren, aber wie soll ich dann ohne Bahn nach Hause kommen? Ich entscheide mich dafür, zurück bis Wesel zu fahren. Denn eine kleine Tour möchte ich schon noch machen, und von dort fährt der Regionalexpress direkt bis Bonn durch.
Diesmal ist es schon fast 0800 Uhr, als ich alles zusammgepackt habe. Mein anderer Nebenzelter, den ich bis dahin noch gar nicht gesehen habe, überholt mich beim Zusammenpacken, spaziert an mir vorbei, grüßt, deutet auf den Himmel und dann auf seine Wetter-App, die einen heftigen Ausschlag nach oben zeigt. Das da kommt in 5 Minuten auf uns runter, ich hab mich nur deswegen beeilt. Ich packe daraufhin etwas schneller zusammen, und tatsächlich: Nicht 5 aber 10 Minuten später setzt recht starker Regen ein. Ich geselle mich zu meinem Lebensretter unter die überdachte Terrasse der Rezeption. Und er bietet mir freundlicherweise einen Kaffee aus seinem Campingkocher an. Wir kommen ins Gespräch. Wohin er reise, wohin ich. Und ach ja, frage ich beiläufig. Warum ist denn der Fahrradtransport in niederländischen Bahnen nicht erlaubt, nur wegen Corona. Das ist doch Quatsch. Ach so das, erwidert er, das war vor ein paar Wochen noch so, aber Fahrrad kannst du längst wieder mitnehmen. Aha!
Er wird es nicht mehr erfahren, aber damit hat er meine letzte Etappe für mich geplant. Ich möchte nun einfach so weit Richtung Westen fahren, wie ich schaffe, und mich dann in den Zug Richtung Heimat setzen.
Und es geht schwerlich voran. Wieder einmal ist nichts mit Schildern für die Eurovelo, und selbst mit der auf Komoot geladenen GPX-Strecke verfahre ich mich. Anfangs ist der Weg noch bewaldet und immer noch erstaunlich hügelig (was ist denn da bitte los, Niederlande?). Die Gegend ist hübsch, aber als ich endlich am Rhein ankomme, ist der Spaß denn auch begrenzt. Der schon erwartete Gegenwind ist da, und er weht heftig aus westlicher Richtung. Selbst mit Stufe 2/4 auf dem E-Bike schaffe ich nur knapp 20 km/h. Der Akku leert sich zusehends und langsam vergeht mir auch die Lust, zumal ich immer wieder in Regenschauer gerate.
Gegen Mittag steht mein Entschluss fest: Ich fahre noch bis ’s-Hertogenbosch, wo ein Zug direkt nach Venlo durchfährt. Und das reicht mir dann. Dort umsteigen nach Düsseldorf und dann noch einmal umsteigen nach Bonn. 3x Zugfahrt insgesamt mit extra für den Trip gekauften, diesmal ventilfreien FPP2-Masken. Sollte halbwegs sicher sein.
Und so kommt es dann auch. Mit massivem Gegenwind und einem Platzregen am Ende der Etappe schleppe ich mich zum Bahnhof von ’s-Hertogenbosch, kaufe mir ein Ticket und einen heißen Kaffee und verschiffe mich über drei Etappen nach Bonn. Was erstaunlich problemarm funktioniert, von einer sehr kurzen Umsteigezeit in Venlo, defekten Fahrstühlen und nervigen deutschen Fahrgästen einmal abgesehen. Aber das war ja zu erwarten.
Laut Karte fehlen mir jetzt noch 110km bis zum Ende der Rheinroute. Das dürfte mit Gegenwind in 2 Etappen zu schaffen sein. Ich könnte es mir auch leicht machen und in die Gegenrichtung fahren. 😉 Aber ein schöneres Gefühl wäre es natürlich, wenn sich nach all den Strapazen zu guter Letzt die Nordsee vor dir auftut und du weißt, dass du am Ende des Films bist. Mal sehen, wie am nächsten oder übernächsten Wochenende das Wetter wird…
Ich muss hier eine kleine Warnung voranstellen. Es wird hier etwas gemein werden. Ich kenne die meisten KandidatInnen noch nicht, weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau, wer ihr seid und wofür ihr inhaltlich steht. Aber ihr habt mich und die ganze Altstadt in den letzten Wochen mit Wahlplakaten nur so zugekleistert. Ich analysiere deswegen hier erstmal nur die Bilder, die ihr dafür eingebracht habt. Und, ja, ich weiß auch, dass ihr Wahlkampf genauso wenig mögt wie ich, er in einer Demokratie aber leider dazugehört. Let’s go!
Soll, vermutlich, ausstrahlen: I bim’s, euer OB, der in sich ruhende, kluge Typ mit den weißen Haaren. Und seitdem ich im Amt bin, wird in Bonn mal wirklich was gebaut.
Wirkt auf mich: Doch erstaunlich seriös. Der hatte einen guten Fotografen, der Mann, an dem selbst Vorwürfe wie die Baufiasken Beethovenhalle und Viktoriabrücke abperlen könnten. Die waren ja ohnehin maßgeblich noch von seinem Vorgänger geplant worden.
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Klarer Favorit, wird im ersten Wahlgang 40-50% der Stimmen bekommen und in der Stichwahl 60-70.
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Wir machen das hier zusammen, so Workshop-mäßig. Und ihr dürft auch mitmachen, ich entscheide nicht über eure Köpfe hinweg, mehr Demokratie wagen!
Wirkt auf mich: Wie eine übermotivierte Mittelstufen-Klassenlehrerin: „So jetzt alle mal die Bücher weglegen, wir machen ein Bräin-stoar-minng! Kommt, macht mal alle mit. Jeanluca-Kevin: Leg mal das Nintendo weg! Das hier ist viel spannender. Na kommt, macht mit, ach kommt schooon!“
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Der Kampf um Platz 2 ist noch lange nicht entschieden. Für die SPD wird es eng.
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Bonn ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin der Stadt verbunden und ich würde sie mit Leidenschaft führen.
Wirkt auf mich: Hallo, ich bin die Katja und ich kleide mich ganz bunt, weil schon die GründungsväterInnen meiner Partei sich so gekleidet haben. Und wenn ich groß bin, dann wäre ich gerne mal Oberbürgermeisterin einer ganz tollen Stadt.
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Spricht nur einen kleinen Teil der Wählerschaft an, anders als in anderen Großstädten werden die Grünen bei der Bonner OB-Wahl nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Entspannter Dude, mit dem kannste reden, der hat auch was im Köpfchen, „digital“ ist für ihn kein Fremdwort.
Wirkt auf mich: Nicht unsympathisch, nicht übertrieben. Clever von der FDP, diese Bunt-auf-Schwarzweiß-Wahlplakate nochmal auszugraben, mit denen auch Christian Lindner vor drei Jahren in den Bundestag eingezogen ist. Aber wer sagte damals noch so schön: „Dreitagebart und ein paar schwarz-weiße Fotos sind noch keine Politik.“
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Der Mann sitzt in einer zu kleinen Partei, aber im Rennen um Platz 2 hat er noch nicht verloren.
Gemeint ist hier das obere Bild der Linkspartei, das untere ist mehr so Typ Horst Lichter, isch kandidiere.
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Jung, erfahren, unbestechlich. Ihr müsst gar nicht warten, bis Kevin Kühnert sich für erfahren genug hält, mich könnt ihr jetzt schon haben.
Wirkt auf mich: Ein bisschen wenigsagend, fast schon lustlos. Nach dem Motto: Wir wissen, dass wir eh nicht gewinnen können, aber wir müssen wenigstens so tun als ob. Wer ist der Typ, wofür steht er, was ist sein großes Ziel außer gegen die CDU zu sein?
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: Um die 5%.
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Wir sind so divers wie möglich und deswegen gut.
Wirkt auf mich: Wie ein versprengter Haufen derer, die den etablierten Parteien aufgrund kruder Ideen zu exotisch waren. Die Inglourious Basterds der Nordstadt. Für jeden der Kandidaten fällt mir spontan ein B-Promi ein, der genauso aussieht. Viktor Lukaschenko inklusive.
Prognose, alleine aus Basis des Wahlkampffotos: <1%
Was meint ihr?
Update, noch zwei Kandidaten:
Soll, vermutlich, ausstrahlen: Ich bin unkonventionell! Und ich verbinde das Traditionelle (alten VW-Bus) mit dem Modernen (hipstermäßig mit altem VW-Bus campen gehen).
Wirkt auf mich: Wählt mich, dann brause ich mit der Kohle davon.
Prognose, alleine auf Basis des Wahlkampffotos: 2-5 Prozent. Aber ganz ehrlich: Die männlichen Kandidaten dieser OB-Wahl, auch Manka, kommen allesamt besser bei mir an als die weiblichen. Woran liegt das?
Unfair! Die Partei darf Satire und deswegen mit der Wahrheit werben, also dem, was die anderen gerne würden. Prognose: >1%.
Die Sachen sind gepackt, am Wochenende geht es los zum Endspurt Richtung Rotterdam. Wetter soll ganz okay werden. Diesmal nehme ich nur das Nötigste mit. Idee ist jetzt, mit teilweise Bahn, teilweise Rad wieder zurückzufahren. Paar bessere Masken versuche ich morgen noch aufzutreiben. Fühlt sich auf jeden Fall an wie ein guter Abschluss.
Ich hätte nicht gedacht, das mal zu sagen, aber eigentlich ist es ganz schön, dass es in diesen verrückten Zeiten wenigstens ein bisschen Fußball gibt. Auch das Abschlussturnier von Europa League und Champions League macht gerade sehr viel Spaß. Jeden Tag ein Topgame. Und in der CL wird’s jetzt zum Traumfinale Bayern – Paris kommen (Sonntag 2100 Uhr). Werde mal versuchen, bis dahin wieder da zu sein.
Für mich endet heute ein Lebensabschnitt und ein neuer beginnt. Weiß gar nicht, ob ich da hier näher drauf eingehen sollte, ist wohl zu privat. Aber ich schreibe hier ja irgendwie auch Tagebuch, um mich zu sortieren. Da wollte ich das wenigstens mal losgeworden sein. Und auf jeden Fall beginnt jetzt ein hervorragender Abschnitt!
Über meine neue Bialetti freue ich mich bislang jeden Tag. Merke aber auch: Der Kaffee ist um einiges stärker als der aus der French Press. Und starker Kaffee und ich, das ist überhaupt keine gute Kombination. Ich bin da nach mehreren Tagen meist nah an einer Psychose mit anschließender Depression. Muss mich da echt einschränken.
„Luft nach oben“, 3. Versuch. Ich sehe es selbst: Die Perspektive ist zu sehr Frosch, ich rede mal wieder zu schnell und ein Stativ könnte ich ruhig auch mal wieder benutzen. Schon gut, schon gut. 😉
Habe Bilder für meine große Wahlkampfanalyse gesammelt, aber gemerkt, dass man die besser tagsüber aufnimmt, wenn man sich über ihre schlechte Qualität lustig machen will. Kommt demnächst. Glaube übrigens alleine deswegen schon, dass die Bonner OB-Wahl entschieden ist, aber dazu dann mehr.
Es ist gekommen, wie befürchtet. Der Westdeutsche Tischtennisverband (WTTV) will die Saison kommende Woche ganz normal starten lassen. Unter Hygieneregeln, die für einen Draußensport ausreichen würden. Weitere Maßnahmen für drinnen sind, sinngemäß: lüfteter halt nen bisschen.
Können wir in der eigenen Halle bei den aktuellen Temperaturen auch machen. Aber was ist bei Auswärtsspielen? Und wenn’s deutlich kälter wird? Bei 10 Grad Außentemperatur stellt keiner mehr eine Turnhalle auf Durchzug. Dann frieren dir auch die Finger beim Spielen ein. Wir haben derzeit mehr Neuinfektionen pro Tag als Mitte März, als derselbe Verband es (zu Recht!) nicht mehr verantworten konnte, die Sicherheit seiner Mitglieder aufs Spiel zu setzen und die Saison abbrach. Aber jetzt soll es plötzlich wieder sicher sein?
Ebenfalls wie erwartet: Im Verein haben das alle erstmal abgenickt oder nichts dazu gesagt.
Ich habe beschlossen, das so nicht hinzunehmen. Ich will unter diesen Voraussetzungen nicht spielen. Ich sehe aber auch nicht ein, mir dafür den Schwarzen Peter unterjubeln zu lassen. Ich habe erstmal eine Mail an den WTTV geschrieben und eine Nachricht an die Vereins-WhatsApp-Gruppe geschickt. Wir haben auch ältere Leute im Verein, die eindeutig zur Risikogruppe zählen. Viele schätze ich so ein, dass sie aus Pflichtgefühl lieber nichts sagen und sich für den Verein dem Risiko aussetzen würden. Das würde ich all zu gerne verhindern.
Mal sehen, was noch passiert und was ich noch machen kann. Ich werde kämpfen.
Weg da, Partybus!
Aah! (Brühler Schloss)
Heute war schlicht mal nichts los, außer dass ich nach der Arbeit mit dem E-Bike nach Brühl gefahren bin, um Matthias zu treffen, dort erst nass geworden bin und den ganzen Abend gefroren habe (meine Regenjacke ist vielleicht doch gar nicht so toll? Ich sollte auf jeden Fall nochmal alles neu imprägnieren vor der finalen Tour.)
Zweite Ausgabe „Luft nach oben“:
Und mehr war heute nicht los. ? Reicht mir aber auch schon.
Es gibt Leute, die denken einfach nicht drüber nach und machen. Und es gibt Leute, zu denen ich leider auch gehöre, die sich denken: Ich bin doch nur einer von 8 Milliarden unter unendlich vielen Sternen. Was ich mache, hat im großen Kosmos keinerlei Einfluss. Warum also so viel Aufhebens um sich machen? (Warum überhaupt etwas machen?)
Weil es die Gesellschaft leider nun einmal verlangt. Und weil du ihr scheißegal bist, wenn du dich nicht selbst um dich kümmerst.
Muss ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen.
Heute habe ich einen Tag, wo mir das alles recht leicht fällt. Erstmal einen Zahnarzttermin (Jahreshauptuntersuchung) gemacht. Kam ich erstaunlich schnell dran. Ja, um sowas kümmere ich mich meist erst Ende des Jahres. Auch weil ich mir selbst nicht so wichtig bin.
Dann fiel mir heute ein, eigentlich ist es ja egal, von welcher Seite aus man es sieht. Eigentlich könnte ich auch reich werden. Reich werden zu wollen ist in diesem Land im Grunde eine Wahl. Es ist möglich! Es ist nur die Frage, wie du es dann am besten anstellst und wie weit du zu gehen bereit bist.
Wollen musst du es natürlich auch.
Und auf der einen Seite Geld sparen. Hier wieder einmal ein Akt aus der Gesellschaftstragödie „Du musst kündigen, sonst lacht sich der Vertragsteilnehmer über dich kaputt“:
2 Jahre war ich zufriedener Kunde von Vodafone (damals noch UnityMedia), zahlte für eine 150-Mbit/s-Leitung 25 Euro im Monat. Die Welt war in Ordnung. Dann plötzlich standen 30 Euro auf der Rechnung. Um zum ersten Mal Ärger. Wie kam es dazu? Die 2 Jahre, in denen der Preis galt, waren abgelaufen. Und treue Kunden erhalten als Dank für ihre Treue höhere Preise. Und ärgern sich auch noch über sich selbst, wenn sie vergessen, rechtzeitig zu kündigen.
Den Monat drauf berechnete Vodafone mir dann 35 Euro. Wutenbrannt durchsuchte ich das Kundencenter nach einem Service-Kontakt, hing 10 Minuten in der Warteschleife, legte dann auf. Schrieb eine E-Mail mit der Bitte um Aufklärung, bekam nie eine Antwort.
Stattdessen bekam ich eine standardisierte Mail mit Bitte um Feedback, in der ich den Service bewerten sollte. Welchen Service? Mir wurde ja gar nicht geholfen. Ich gab in allen Kategorien 0/10 Punkten und schrieb noch wütend „Nie wieder Vodafone!“ dazu.
Danach stand erst einmal mein Urlaub an. Als ich wiederkam, hatte ich eine Kündigungsbestätigung von Vodafone im Briefkasten. Was interessant ist, denn offiziell hatte ich gar nicht gekündigt. Beleidigt war ich trotzdem nicht, hier hatte der Service zwar übertrieben, aber meinen Ärger vorausschauend kanalisiert. Eine Nummer war dort noch angegeben, unter der ich mir ein neues Angebot einholen und die Kündigung zurücknehmen könnte.
Aus schlechter früherer Erfahrung weiß ich noch: An der Kündigungshotline sitzen die Leute, die Kompetenzen haben, also die fachlich was können und produktpolitisch was dürfen. Die wollen dich halten, die können und sollen dir was anbieten.
Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt zwei Jahre weiter Vodafone-Kunde sein werde, mir das spätestmögliche Kündigungsdatum rot im Kalender markiert habe und dass ich downgegradet habe: auf 100 Mbit/s für 22 Euro (für zwei Jahre). 250 Mbit/s hätten für zwei Jahre 30 gekostet, danach 40. Aber warum dem Saftladen mehr bezahlen? So viel lade ich ja gar nicht runter, Kabelinternet leidet meist eh unter einer schwachen Response-Zeit; es dauert dann immer einen kleinen Moment, bis Webseiten beginnen zu laden. Aber da ist kein Unterschied, ob 100 oder 150 Mbit/s. Damit werde ich klarkommen.
Nur den ganzen Ärger hätten sich beide Seiten ersparen können, man hätte die Servicekosten gering halten können, seinen guten Ruf verteidigen, wenn man einfach nur alles so gelassen hätte, wie es war. Warum tut man das? Warum verärgert man Kunden so, wenn man sie doch eigentlich gar nicht loswerden will?
Ein Bild habe ich heute nicht, aber ein Video. Mir kam der Gedanke, mal ein neues Format für die Arbeit auszuprobieren. Arbeitstitel: „Luft nach oben“. Mit einem täglichen Aufreger, kurz und schmerzlos aus der Hüfte geschossen. Aber es muss gut sein, sonst kann es nicht auf Arbeit. Hier der erste Versuch:
Ein richtig guter Longread auf Spiegel.de über offenen Rassismus in Deutschland, erstaunlicherweise frei und nicht auf Spiegel+. Sollte sich jeder mal zu Gemüte führen.
In nicht mal mehr zwei Wochen wartet ein Aventure, das ich mir Stand jetzt gerne ersparen würde: die neue Tischtennis-Saison. Natürlich haben die Verbände ein Sicherheitskonzept mit Desinfektionen, Abstand, Lüftung etc. vorgesehen. Aber die Aerosolparty wird natürlich trotzdem steigen. In kleinen Turnhallen sammelt sich über den Abend die Atemluft von Dutzenden in der Halle. Und wenn einer davon Corona hat… joa, dann bekommst du es auch.
Ich kann mir im Grunde jetzt schon ausmalen, wie das laufen wird. Bei Heimspielen und solange es noch halbwegs warm draußen ist, kann ich mich zum Spießer aufspielen und die Türen auf Durchzug stellen. Bei Auswärtsspielen werde ich darum bitten müssen und als Weirdo dastehen, wenn ich das tue. Denn die meisten Leute werden die Maßnahmen als lächerliche, überflüssige, von oben diktierte Pflicht ansehen und irgendwann auf die meisten Regeln scheißen. Spätestens dann, wenn das Thermometer draußen unter 10 Grad fällt.
Man stellt mich (und die Anderen) vor das Dilemma, entweder mitzuspielen, die Abende mit einem mulmigen Gefühl zu verbringen und sich im schlimmsten Fall Corona einzuhandeln. Viele denken sich auch hier: na was soll’s. Weil die Medien gerade eiskalt darin versagen, Einzelfälle zu schildern, die Langzeitfolgen der Infizierten zu beschreiben und damit angemessen vor der Krankheit zu warmen. Oder ich spiele eben nicht mit, weil mir meine Gesundheit wichtiger ist. Und laufe damit Gefahr, als Kameradenschwein dazustehen, weil ich meine Mannschaft und meinen Verein im Stich lasse…
Hab noch keine Ahnung, wie ich das lösen soll.
Wer das mit Corona noch ernst nimmt, ist die Mondorfer Fähre, auf der ich heute auf Rückweg meiner kurzen Radtour vorbeikam. Ein Schild weist auf Bedeckung von Mund und Nase hin. Shit, ich hab meine Maske gar nicht dabei, will aber nicht den ganzen Weg zurück. Also fahre ich auf die Fähre, halte mich abseits, improvisiere und ziehe mein T-Shirt hoch und über Mund und Nase und sorge mit einer Hand dafür, dass es auch dort bleibt. Wir sind schon weit über der Hälfte, als der Fährmann mich abkassieren kommt. Ob ich keine Maske dabei hätte? – Nein, leider nicht, deswegen würde ich das T-Shirt dafür benutzen. – Es wäre Maskenpflicht an Bord. Wenn ich keine dabei hätte, müsste ich eine kaufen, Vorschrift. – Äh, nun gut. Was sie koste? – 1,80, das gleiche wie eine Überfahrt mit Fahrrad. – Na gut.
Er nimmt das Geld und geht eine Maske holen, überreicht sie mir und bittet mich, sich aufzuziehen, was ich auch tue. Kaum fünf Sekunden später legen wir an… ?
Bisschen witzlos eigentlich. Finde trotzdem, er hat sich korrekt verhalten. Lieber einer nimmt’s ein bisschen zu ernst, als dass es allen egal ist.
Eigentlich wollte ich mal Schriftsteller werden, aber ich bin gerade so weit davon entfernt wie nur irgendwas. Hab trotzdem mal mein altes Manuskript wieder ausgegraben, mich dran erinnert, dass ich vor fast 15 Jahren mal ein Seminar zu kreativem Schreiben besucht habe, und ein, zwei jecke Ideen von damals wiedergefunden. Vielleicht probiere ich es einfach mal mit einer.
Schreiben kann ich übrigens besser, wenn es mir schlecht geht. Geht es mir gut, fehlen mir die entsprechenden Emotionen. Von daher „gut“, dass ich gerade ins Nach-Urlaubs-Loch gefallen bin (Pilger nennen es auch Post-Pilger-Syndrom). Die Klarheit im Urlaub, die Reduktion auf das Wesentliche, die Einfachheit, die vielen neuen Eindrücke, die Menschen, die man unterwegs trifft, bei einem Sporturlaub auch, wie Körper und Geist in Eintracht sind (jaja!). Das alles hört mit einem Schlag auf, und der Alltag mit all seinen Pflichten zieht wieder ein. Ich habe mich schon viermal aufs Fahrrad geschwungen seitdem und einmal war ich (mit erbärmlichem Fitnesswert) joggen. Aber es ist alles nicht dasselbe. Du versuchst, deinen Alltag möglichst bunt zu machen, vielleicht mal ein anderes Café und Restaurant auszuprobieren, was Schönes zu lesen. Das alles macht es auch ein bisschen erträglicher. Aber am Ende hilft nur, es auszuhalten, zu wissen, dass das Loch eben leider kommt, sich nach ein paar Tagen dann aber auch wieder schließt.
Ein bisschen erträglicher gemacht hat es heute ein leckerer Eiskaffee im Galestro:
Und ein fantastischer Köfte-Teller im Sela Beef Döner am Kaiserplatz (die nehmen hier Steak-Fleisch statt dem üblichen Billigfleisch!). Danke an Bonngehtessen für den Tipp!
Und ein bisschen nachgeholte Schulliteratur:
Max Frisch: „Andorra“. Jaja! In der Mittelstufe nur von der Parallelklasse drangenommen. Wir hatten dafür irgendnen anderen Driss, weiß gar nicht mehr welchen, nur dass es ziemlich sicher eins dieser hässlichen gelben Reclam-Hefte war. „Andorra“ gefällt mir. Die gefährliche Stereotypisierung und Gleichgültigkeit der Anderen als Thema. Passend dazu:
Friedrich Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame“. Herrlich zynisch, wie eine Gemeinde ihre Moral verkauft und eine vermeintliche neue Moral einführt, um an das große Geld zu kommen. Dabei muss man nur leider über eine Leiche gehen, aber die hat ja irgendwo auch selbst Schuld daran, wenn man sich das alles nur so ein bisschen zurechtbiegt… Wohlstand auf Kosten Anderer, den man sich erlaubt, indem man das alles schönredet, was man so tut. Willkommen im Jahr 2020.
Was habt ihr noch an Schulliteratur, was euch in guter Erinnerung geblieben ist? Ich hab gerade Lust, da einiges nachzuholen.
Heute Morgen direkt verschlafen und erst um 0900 aufgewacht (statt der geplanten 0630). Es bleibt dabei, es geht nicht. Frühes Aufstehen scheint bei mir nur beim Campen zu funktionieren. Urban ist alles zeitversetzt.
Zu viel Planen ist auch wieder nichts. Warum nicht einfach nach Rotterdam fahren und dann erstmal weiterschauen?
Weil eben auch Corona ist und damit einige Optionen wegfallen wie Flixbus, Stundenlang im Zug sitzen, unterwegs arbeiten und mich in Coworking-Spaces einmieten. Auch Mietwagen sind, des Preises wegen, nicht so richtig eine Option:
Das wäre eine Fahrt von Rotterdam nach Bonn. Klar, Ausland, mit Rückführung…
Aber man könnte von Rotterdam bis Arnheim mit dem Zug (nur gut 1h), mit dem Fahrrad rüber nach Emmerich und von da mit dem RE nach Bonn. Nur schade, dass der RE5 nicht mehr durchfährt und die Fahrt deswegen fast 3 Stunden dauert… Hm. Alles noch nicht ideal.
Da war wohl ganz schön was los in der Rheinaue gestern:
Wenn du deinen eigenen Schnaps hast, dann hast du’s irgendwo auch geschafft:
Ja. Heute nur kurz. War ein richtiggehend ereignisarmer Tag. Selbst zur Corona-Aufzeichnungs-Panne in Bayern habe ich nichts zu sagen. Ihr denn? 🙂 Gute Nacht!
… war schon toll zu haben. Im Urlaub an den meisten Tagen zu wissen, wohin, das hat mächtig beflügelt. Erst einmal in die Schweiz, dann durch die Schweiz, und dann wieder zurück. Vor jeder Etappe stand meist ein Fragezeichen, wohin es genau gehen soll, aber sobald es fiel, konnte mich nichts und niemand aufhalten.
Es wäre immer gut, so einen Fokus zu haben, auch in Beruf, Hobby und Sport, ohne dass es in Stress ausartet. Gar nicht so einfach…
Mein erster Versuch, was aus dem Urlaub mitzunehmen, war das frühe Aufstehen. Und am dritten neuen Arbeitstag ist es morgens schon erheblich später geworden. 😉 Ich glaube, das wird auf Dauer nichts. Was eigentlich schade ist, weil frühes Aufstehen und damit verbunden früher Feierabend gut mit einer Hitzewelle harmonieren würde.
Bei offenem Fenster zu schlafen, was ich zeitgleich versucht habe, ist am Bonner Frankenbadplatz aber keine gute Idee. Es ist da einfach zu laut, und obwohl ich erstaunlich gut dabei einschlafen kann, ist der Schlaf nicht wirklich erholsam.
Arbeiten ist ganz nebenbei anstrengender als Radfahren, zumindest für den Kopf. Da scheint er schlicht mehr Schlaf zu brauchen.
Wenn ich eins aus dem Urlaub gerne mitnehmen wollte, was mir besonders gut gefallen hat, dann ist das – die Bialetti aus der ersten AirBnB-Wohnung. Steht für mich für Ferien, Ferienwohnungen, irgendwie ein gutes Lebensgefühl. Ich habe mir eine bestellt, eine, die (okay, bisschen weniger Urlaubsgefühl) auch auf dem Induktionsherd funktioniert.
Das hatte überraschenderweise nichts damit zu tun, dass meine Espressomaschine seit heute bei der Reparatur ist. Die Heißwasserdüse wollte nicht mehr aufhören zu tropfen…
Die Public Beta von macOS Big Sur führt bisher dazu, dass ich heute dreimal den Akku aufladen musste. Im Firefox stürzt jedes zweite Browser-Fenster ab. Das kriegen sie hoffentlich noch in den Griff…
Ja, jetzt sieht alles was iPad-mäßiger aus. Das isses dann aber auch im Großen und Ganzen. Da von „macOS 11“ zu sprechen, scheint mir reichlich übertrieben.
Mal nachgeschaut, wie weit es eigentlich noch bis Hoek van Holland ist (dem offiziellen Ende der Eurovelo 15 entlang des Rheins). Wieder mal festgestellt: Die Strecke ist das geringste Problem. Das bekäme man an einem Freitagmittag startenden Wochenende hin. Das eigentliche Problem ist die An- oder Abreise mit Bahn und Fahrrad. Ja, die kriegen jetzt Geld, ja, die investieren jetzt. Aber Radreisen sind im Kanon der Deutschen Bahn (die auch in die Niederlande fährt) nicht ernsthaft vorgesehen, in ICEs ohnehin nicht. Ich fürchte, das wird sich auch nicht großartig ändern.
Lustig in diesem Zusammenhang: Gerhard Schröders aktuelle Ehefrau Soyeon Schröder-Kim sorgt sich um den Zustand der Deutschen Bahn. Was sie vermutlich nicht ahnt (aber ruhig mal nachrecherchieren könnte): Mit einem der Hauptverursacher der Misere teilt sie das Bett. Der und sein Duzfreund Hartmut Mehdorn hielten es damals für eine gute Idee, die Bahn auf Kosten der Reisenden kaputtzusparen, damit sie für Investoren attraktiv würde (wie auch immer das genau funktionieren sollte). Schröder ist derweil damit beschäftigt, seinem ehemaligen Regierungssprecher seine getönten Altersmemoiren zu diktieren. Motto, wie früher auch schon: Toll, wie ich das alles wieder hinbekommen habe.
Paar Meter weiter der halbe Baum liegt zur Stunde immer noch da.
Einmal noch, weil’s so schön war:
https://www.instagram.com/p/CDzI_mAHPez/
Cookies
Diese Website verwendet Cookies. Ich gehe davon aus, dass du mit der Nutzung einverstanden bist. Wenn nicht, kannst du sie in den Cookie Settings unten deaktivieren.
This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Cookie settingsACCEPT
Privacy & Cookies Policy
Privacy Overview
This website uses cookies to improve your experience while you navigate through the website. Out of these cookies, the cookies that are categorized as necessary are stored on your browser as they are essential for the working of basic functionalities of the website. We also use third-party cookies that help us analyze and understand how you use this website. These cookies will be stored in your browser only with your consent. You also have the option to opt-out of these cookies. But opting out of some of these cookies may have an effect on your browsing experience.
Necessary cookies are absolutely essential for the website to function properly. This category only includes cookies that ensures basic functionalities and security features of the website. These cookies do not store any personal information.
Any cookies that may not be particularly necessary for the website to function and is used specifically to collect user personal data via analytics, ads, other embedded contents are termed as non-necessary cookies. It is mandatory to procure user consent prior to running these cookies on your website.