Wir waren in Köln in einer sehr netten Runde Tapas essen und das eine oder andere Getränk dabei trinken, als Mary sagte: „Das Glas ist halb“.
Wie, halb? Da fehlte doch noch was. Halb voll oder halb leer? Optimist oder Pessimist? Jeder kennt wohl den Vergleich. Aber wenn das Glas einfach nur halb ist…
Dann entspricht der Inhalt 50 Prozent der möglichen Füllmenge von 100 Prozent. ??♂️ 1/2. Rein mathematisch die Zahlen betrachtend. Nicht wertend.
Ist der Urlaub zur Hälfte rum, liegt dann noch eine tolle Hälfte vor dir oder ist der Urlaub einfach halb? Ist das Leben halb gut oder halb schlecht oder ist es einfach das Leben?
Ich mag die Idee, nicht zu werten. Es wird dazu geraten, nicht zu werten, auch wenn ein sehr, sehr schweres Unterfangen ist. Aber das mit dem halben Glas ist schon mal ein sehr guter Anfang.
Sehr cooler Gedanke! 🙂
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Ach so und ach ja, in bin gerade mal wieder in Porto, und es ist hübsch hier:
Auf dem Weg nach Porto zu Nicky und Juan traf es sich, dass ich das Buch „Die 4-Stunden-Woche“ noch einmal rausgekramt und angelesen habe. Eins der Bücher, die ich noch einmal lesen wollte, bevor ich sie wegminimiere. Doch es kam anders…
Ich las das Buch und ein seltsamer Schauer lief mir über den Rücken. Der Mann hat recht, dachte ich. Mit so vielen Dingen hat er recht. Vor zehn Jahren hatte ich das schon einmal gelesen, das meiste für gut befunden, eine 4-Stunden-Woche aber schlicht für zu radikal erachtet, um es in der Praxis umzusetzen. Ich war dabei, immerhin die 4-Tage-Woche recht erfolgreich umzusetzen. Mittlerweile ist aber auch das beinahe obsolet, oder einfach sehr schwer in der Praxis umzusetzen.
Weil es einfach die vorherrschende Idee ist, weil es einfach schwer ist, sich von dem Gedanken zu lösen, grundsätzlich anders zu sein als die Norm, die nun einmal vorsieht, montags bis freitags nine to five zu arbeiten. Und so dehnt sich meine Arbeit meist auch auf die vollen fünf Tage aus. Dass ich vier schaffe, ist eher die Ausnahme.
Als ich das Buch jetzt noch einmal in die Hand nahm und die ersten hundert Seiten direkt auf dem Flug verschlang, hatte ich teilweise Tränen in den Augen. Wie viel Bullshit wir Tag für Tag tun, weil wir meinen, den Arbeitstag eben ausfüllen zu müssen. Weil wir der Meinung sind, Arbeit müsse anstrengend sein, sonst wäre es keine Arbeit. Weil wir immer noch meinen, je länger wir arbeiten, desto besser wäre unsere Arbeit. Weil wir nicht diejenigen sein wollen, die als Faulpelze gelten, wenn wir weniger arbeiten als andere. Weil wir nicht delegieren können oder wollen, weil wir nur einen Sinn in unseren Leben finden, wenn wir eine Aufgabe haben, die so und so lange dauert. Wie wir uns mit Nebensächlichkeiten und endlosen Meetings herumschlagen, nur damit wir bei Feierabend sagen können: hey, heute habe ich ja viel geschafft.
So viel Dummheit, Tag für Tag, und doch machen wir da mit, weil wir eben denken, dass es so sein muss, dass das Aussteigertum auch dekadent wäre und das ja auch nicht jeder machen kann.
Es muss nicht am Ende wirklich eine 4-Stunden-Woche dabei herauskommen, aber so ein Buch zu lesen, kann ungemein Wirkung erzeugen.
Und wenn es nur das ist, dass ich mir heute zum Ziel gesetzt hatte, eine sehr wichtige E-Mail vorzubereiten, meinen Smartphone-Testbericht zu strukturieren, ein paar unwichtige Aufgaben wegzulassen und alles so geradlinig und schnörkellos anzugehen, dass ich heute um 1600 den Hammer hinlegen und nach Foz ans Meer laufen könnte.
Und mehr noch, ich war so begeistert von der Idee, dass ich das klar kommunizierte und mit dem Plan meine beiden Gastgeber:innen mit meinem Enthusiasmus ansteckte. Nicky war mehr oder weniger sofort dabei, sagte zwar: joa, morgen würde ihr zwar eigentlich besser passen mit einem Meerabend, aber what the heck, sie ist dabei. Juan hatte noch einen wichtigen anderen Termin vorher, aber es kam später nach.
Nicky und ich spazierten dann die gute Stunde ans Meer. Wir kamen an einem koreanischen Markt vorbei und Nicky meinte: „Ach ja, da wollte ich auch noch mit dir rein, während du hier bist. Wir müssen mal gucken, wann wir das am besten…“ Zack, Jürgen schon in den Laden reingelaufen, Nicky hinterher.
Wenig später kamen wir an einem Laden für Enchiladas vorbei. Ich hatte tatsächlich gerade ein wenig Hunger. Kurz Nicky gefragt, ob sie eins probieren würde. Zack, waren wir in dem Laden und haben jeder ein – durchaus leckeres – Enchilada probiert.
Als uns dann eine halbe Stunde später noch ein koreanischer Burgerladen über den Weg lief, in dem wir noch nie waren… you get the picture.
Einfach mal machen, woran man Spaß hat, statt immer nur im „Müssten wir mal“ zu bleiben. Warum ist man nach ein paar Monaten Alltag nur immer so festgefahren?
Als Juan später dazu kam und wir in einer Beachbar in Foz ein paar Drinks nahmen, am Meer saßen, den Sonnenuntergang begutachteten und was aßen, meinte Juan irgendwann: „Ist das nicht einfach schön hier?“. Und ja, das war es. Es wurde, relativ spontan, einer der coolsten Abende überhaupt.
Das könnten wir uns rein finanziell schon nicht jeden Tag leisten, und was für den einen Alltag ist für den anderen Urlaub, dann geht sowas manchmal.
Der Punkt ist: Zu all dem wäre es nicht gekommen, wenn ich das Buch auf dem Hinflug nicht angelesen und mir ein paar Ideen wie „Arbeit dehnt sich immer bis in die dafür zur Verfügung stehende Zeit aus, also setze frühe Deadlines“ nicht als Wiederauffrischung geholt hätte.
Zu all dem hat „Die 4-Stunden-Woche“ schon beigetragen. Ich bin erst auf Seite 120, aber ich kann jetzt schon sagen: Das Buch ist von 2007, aber verdammt gut gealtert. Taugt nur sehr gut dazu, einen zum Umdenken zu bewegen.
Auf meiner Bucketlist steht immer noch Marathon, aber den hatte ich eigentlich aufgegeben, weil ich nach wenigen Kilometern nach wie vor Knieschmerzen bekomme. „Sie laufen falsch“, hat der Sportarzt damals gesagt. Ich habe versucht, meinen Laufstil anzupassen, aber das hat nichts gebracht. Bin ich halt nicht für lange Weiten gemacht, dachte ich. Schade, aber dann halt kein Marathon.
Was mich deswegen wundert, denn beim Wandern bekomme ich solche Knieschmerzen selten bis nie. Und da wäre ich nie auf die Idee gekommen, ernsthaft mal weiter als 30 km am Tag zu gehen. Bis ich neulich von Bonn nach Trier gepilgert bin, darunter mit mehreren 30er-Etappen, dabei gemerkt habe: Hey, das geht ja eigentlich ohne große Probleme. Und bis Joachim mir vom Megamarsch in Köln berichtet hat: 100 km marschieren in 24 Stunden.
Um das Ganze abzukürzen: Dazu haben wir uns angemeldet und darauf trainieren wir jetzt. Neulich wanderten wir 36 km, ich vergangenen Sonntag dann 42 km über den Rheinsteig (die Distanz eines Marathons), heute nahmen Joachim und ich uns zum ersten Mal 50 km vor, und wir nahmen noch Christoph dazu mit, der in Kürze mit Christian den Nimwegenmarsch gehen will (4x 50 km) und wofür ich beide damals noch für verrückt erklärt hatte (heute nicht mehr ganz so vehement ;).
Es war heute ein anstengender Tag, wir hatten 10 Stunden Laufzeit, kamen in zwei Gewitterschauer, hatten zur Abwechslung mehrere Stunden sengende Hitze oft ohne Schatten, und weil keiner von uns die Strecke so jemals gegangen war, gegen Ende ein paar Orientierungsprobleme. Jeder von uns hatte einmal einen kleinen oder größeren Durchhänger, einer ganz kurz vor dem Ende, ich selber etwa bei km 22, als ich eine Mittagspause forderte und wenig später im Biergarten am Bahnhof Kottenforst bekam.
Klar, am Ende in Rolandseck hatte die Bahn Verspätung, wir waren vom Regen so kalt, dass keiner mehr wirklich Lust hatte, im eigentlich angepeilten Biergarten noch Krüge zu stemmen. Wir aßen noch Pizza in einer italienischen Pommesbude und fuhren dann ohne viel Tamtam mit der Bahn heim.
Das alles ging aber ohne große Komplikationen, ohne Schmerzen, bei mir auch ohne Blasen an den Füßen. Klar, ich bin jetzt platt, meine Füße natürlich auch und meine Beine fühlen sich einen halben Zentner schwerer an. Aber ansonsten ging das, ich hätte sogar noch weiter gekonnt (wenn auch heute nicht mehr gewollt) und freue mich auf die nächste Tour.
Das eine (Laufen) scheint also mit dem anderen (Marschieren) nichts zu tun zu haben. Interessante Erfahrung! Ganz aufgegeben habe ich den Traum vom Marathon aber trotzdem noch nicht…
Ja, man könnte sie auch einfach „Spaziergänge“ nennen, aber das wäre nicht so cool. Außerdem haben diese Microwalks einen Sinn: Sie helfen mir beim Nachdenken.
Auf der Arbeit ist derzeit viel Organisatorisches zu erledigen und da kommen mir die besten Ideen nicht am Schreibtisch. Genau genommen bringt mich das Sitzen am Schreibtisch bei manchen Entwicklungen auf die Palme. Ich muss dann raus…
Mittlerweile mache ich oft zwei Runden am Tag draus. Muss nicht lang sein. Einmal um den Block, 1.500 bis 2.500 Schritte. Mittlerweile oft schon vor der Arbeit. Es hilft mir einfach, Dinge zu sortieren. Und dann noch einmal während der Arbeit. Hilft mir, Ärger, der manchmal entsteht, zu halbieren und clevere Lösungen zu finden, statt sofort dem ersten Impuls zu folgen.
So ein Microwalk dauert nicht mehr als 15-20 Minuten. Und wirkt immer wieder Wunder. Würde ich gerne Ratschläge erteilen (und das tue ich ja eigentlich), würde ich das jedem Bürohengst empfehlen, irgendwie in die Arbeit einzubauen. Probiert das mal!
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Tapas Essen in Köln mit Christian, Jasmin, Mary, Inga, Pascal und Nicola. War sehr cool. Vor allem, wenn man dann im Gespräch rauskriegt, dass die Nebensitzer:innen Ähnliches denken. Unter Menschen gehen? Joa, auch nur, wenn es unbedingt muss. So ein Wochenende im Pyjama ist doch mindestens genauso schön. Corona-Lockdown? War eine ungemein relaxte Zeit, weil man keinerlei sozialen Druck hatte und einfach nichts musste. Ich bin also nicht der einzige, der die Zeit des Lockdowns in positiver Erinnerung behalten wird. Sehr angenehm!
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Shakespeare’s Sister
Ja, die Assoziationskette im Kopf. Ich war heute Nachmittag kurz Radsporten und hab irgendwo an einem Lieferwagen für einen Bruchteil einer Sekunde einen Werbeslogan gesehen, der irgendwas „… yours“ hieß, was mein Gehirn auf die Idee brachte, das mit „Hormonally yours“ zu ergänzen. Und weil mein unnützes Wissen darin besteht, beinahe jeden Song und jedes Album aus den 1990ern zu kennen, weiß ich, dass das Album von Shakespeare’s Sister so hieß. Mich wundert das schon gar nicht mehr, mein Kopf arbeitet einfach so (euer auch? ?). Mich wundert dann eher, dass ich ich die Songs, die mir dadurch dann einfallen auch am liebsten sofort hören mag und sie nicht irgendwie über habe, weil damals schon zu oft gehört.
Bei Shakespeare’s Sister waren das natürlich die geniale Megaballade „Stay„, die ich immer schon geliebt habe. Der eigentliche Hit und mehr noch, der musikalische Evergreen, war aber eigentlich die übernächste Single „Hello, turn your radio on“.
Ein richtig cleverer Text voller Existentialismus:
„We’re bingo numbers and our names are obsolete Why do I feel bitter when I should be feeling sweet?“
Ich übersetze mal: Wir sind alle im Grunde austauschbar: Was machen wir eigentlich hier? Warum schaffen wir dieses elendige Chaos, wenn nach 80-90 Jahren doch eh alles vorbei ist? Unterstützt vom Refrain:
„Life is a strange thing Just when you think you learned how to use it it’s gone“
Der Witz ist ja, dass jedem das im Grunde klar ist und trotzdem jeder so tut, als wäre irgendwas Superwichtiges am Start und man müsse sich voll beeilen, was zu erreichen, obwohl ja nichts für die Ewigkeit ist.
Und weil jeder so tut, ist man verwirrt, weiß nicht, was eigentlich gespielt wird und muss sich hin und wieder vergewissern, ob man sie noch alle hat – als ob jemand das genau sagen könnte:
„Woke up this morning and my head was in a daze A brave new world had dawned upon the human race Where words are meaningless and everything’s surreal Gonna have to reach my friends to find out how I feel.“
Und hey, das muss doch irgendjemand checken. Oder bin ich wirklich der einzige, der merkt, was los ist?
„Hello, hello, turn your radio on Is there anybody out there? Help me sing my song“
Nein, bin ich nicht, sonst wäre der Song nicht ein solcher Erfolg und so oft gecovert worden.
Und wenn dann noch das Gitarrensolo erklingt, das diesen Radiosong darstellen soll…
Hach, einfach ein toller Song. Zeitlos!
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Wir gehen morgen die 50 km an und ich gehe dann besser mal schlafen…
Was einem so durch den Kopf geht, wenn man mal kurz spazieren geht, was ich derzeit oft mache (da muss mal ein eigener Beitrag für her): Ordne dich niemandem unter.
Egal ob du dich zu dick fühlst, zu hässlich, zu unerfahren, zu schlecht in einem Metier, zu schwach, zu … irgendwas. Du bist so auf die Welt geschickt worden, du bist suchend, du bist ein Mensch. Niemand ist etwas Besseres oder Schlechteres als du. Handle deswegen auch danach. Lass dich von niemandem wie Luft behandeln, blöd anmachen, benutzen. Kniee vor niemandem nieder, krieche niemandem in den Arsch, kusche nicht einfach so, wenn jemand mit dem Finger schnippt. Triff jeden auf Augenhöhe.
Mach das alles natürlich umgekehrt auch mit niemand anderem. Hilf anderen, aber nicht bis zur Aufopferung, mach demjenigen klar, woher die Hilfe stammt. Lass mal jemanden vor, der es augenscheinlich sehr eilig hat und der gute Gründe dafür haben könnte. Lass aber nicht jeden vor. Du selbst bist auch noch da. Ordne dich niemandem unter.
So, und jetzt weiter im Text.
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Na, ist die Apple Vision Pro jetzt wirklich die Zukunft? 🙂 Ach, ganz ehrlich: Das könnte spannend werden! Sieht wie die erste wirklich gelungene und angenehm zu tragende AR/VR-Brille aus. Und das mit dem Fingertippen als Eingabe könnte ein ähnlicher Erfolg werden wie Multitouch damals im ersten iPhone.
Bild: Apple
Vielleicht kaufen die Leute sie aber auch nur, weil sie mindestens 4.000 Euro kostet. Wenn das von Apple kommt und so teuer ist, dann muss es ja gut sein. 😉
Eine Erscheinung in Bonn, in etwa so selten wie eine offene Schranke, wenn man gerade eine braucht: eine Bahn der Linie 65:
Hab mich all die Jahre gefragt, was das eigentlich soll. Die fährt vom Endpunkt der Strecke der Linie 61 bis zu der der 62, aber nur ein paar Mal überhaupt am Tag, darunter ganz früh morgens, ganz spät abends und noch zweimal mittags.
Dabei geht es mittags tatsächlich darum, den Schülerverkehr zu entlasten. Die Fahrten ganz früh morgens und ganz spät abends sind Fahrten, um die Wagen aus dem Depot zu holen und an die Endpunkte zu bringen, wo sie für die Linien 61 und 62 gebraucht werden. Spät am Abend dann wieder ins Depot zurück. Wisster jetzt Bescheid. Ist bei anderen so seltenen Linien in anderen Städten wahrscheinlich auch so.
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Das war mal ein Sonnenuntergang! Die Wolken standen so bestimmt ein paar Stunden lang. Völlig windstill:
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Hab den Song neulich schon einmal erwähnt, weil er nach den Rolling Stones klingt, aber er ist schlicht Spitze. Ich wusste gar nicht, dass Puddle of Mudd so coole Songs aufgenommen hat:
Und es macht immer noch sooo fassungslos, dass solche Songs heute nicht mehr im Radio rauf und runter gespielt werden, die Jungs keine Hallen füllen und gerade mal 1 Million Aufrufe damit auf YouTube haben, und dafür Namika und so ein Schrott im Radio läuft.
Wenn das Puzzle falsch zusammengesetzt ist, könnte man es zerschlagen, damit man es besser neu zusammensetzen kann.
Oft hält man dennoch am Alten fest, weil es irgendwie ganz okay geht. Man ist einer halbwegs glücklichen Beziehung, man ist in einem halbwegs zufriedenstellenden Job, man ist ein halbwegs erfolgreicher Tischtennisspieler. Man hat zu viel Angst vor dem Verlust und dem Danach.
Für euch ausprobiert: Single werden macht keinen Spaß, aber man lernt daraus, und das Leben geht weiter, eröffnet plötzlich sogar Möglichkeiten, die man nie für möglich gehalten halt. Man wächst.
Für euch ebenfalls ausprobiert: Im Tischtennis völlig abkacken. Dazu müsst ihr wissen, dass es im Tischtennis eine Zahl gibt, die in etwa die Stärke eines Spielers angibt, ähnlich wie bei einem Handicap im Golf. Verlierst du ein Einzel, geht dieser Wert runter, bei einem Sieg entsprechend hoch. Diesen so genannten TTR-Wert hütet man wie seinen Augapfel. Man sieht zu, dass man immer weiter nach oben steigt und verlorene Punkte schnell wieder ausgleicht.
Bei mir sank dieser Wert schleichend seit Jahren. Trotz Trainings, trotz vieler Spiele. Das hat mir zu denken gegeben. Bin ich zu doof, bin ich zu alt, ist meine Zeit vorbei? Ich habe lange erfolglos versucht, den Wert wieder auszugleichen, wieder dahin zu kommen, wo ich einmal war. Lange vergebens. Bis ich neulich beschlossen habe, es komplett zu eskalieren. Ich will sehen, wie tief der Wert geht, ob es nur an mir liegt oder auch an den anderen. Und wie es einem eigentlich damit geht, wenn der gehütete Augapfel schutzlos daliegt.
In der letzten Woche habe ich 85 TTR-Punkte verloren. Das ist ein astronomischer Wert. Ich habe bei vier Turnieren mitgespielt und die meisten meiner Spiele verloren. Nicht absichtlich, aber mal abgesehen davon, dass ich derzeit extrem viele Fehler mache und einige Schläge verlernt zu haben scheine, habe ich nicht in jedem Spiel Vollgas gegeben, sondern versucht, es locker runterzuspielen. Das hat mir natürlich noch mehr Niederlagen eingebracht – drei Einzel gegen schwächere Gegner habe ich so aber auch gewonnen.
Meine Laune war anfangs am Boden, nach und nach wurde es weniger schlimm. Tatsache ist aber auch: Es fällt mir schwerer als gedacht zu verlieren. Warum, habe ich noch nicht ganz herausgefunden. Es ist ja eigentlich klar: Du kannst nur gewinnen oder verlieren, also verlierst du manchmal. Wieso ärgert eine Niederlage also derart? Welche andere Emotion liegt darunter? Das versuche ich gerade bei mir herauszubekommen. Auch hier ist natürlich jeder Spieler anders. Es gibt sehr viele, die nehmen es erstaunlich gelassen, während für andere der Tag gelaufen ist. Ich neigte bisher tatsächlich eher zur letzten Kategorie. Warum eigentlich?
Auf eine erstaunliche Art war das Verlieren der Punkte auch irgendwo befreiend. „Was soll jetzt noch passieren?“, dachte ich mir heute. „Tiefer kannst du eigentlich nicht mehr fallen.“ Nun, kann ich schon noch. Die Punkteskala geht noch um einiges tiefer. Aber es hat mir ein wenig den Druck genommen. Jetzt muss ich nicht mehr gewinnen, niemand erwartet das noch von mir, ich selbst muss es auch nicht.
Was noch ein wenig bleibt, ist der Neid. Man tendiert leider auch im Tischtennis (wie im restlichen Leben) dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Was man tunlichst lassen sollte, raten Psychologen aller Orten. Trotzdem: Mir fällt es schwer zu akzeptieren, wenn jemand mit weniger Training besser wird als ich, weil er jünger ist, mehr Talent hat oder gar sich mit einem deutlich kleineren Repertoire erfolgreich durchmogelt. Also Neid, und was noch? Stolz. Ego. Und sogar irgendwo Dummheit. Warum es nicht einfach auch so machen wie derjenige, der mit weniger mehr schafft? Oder mal zu schauen oder sogar konstruktiv zu fragen, was der andere genau gemacht hat, um besser zu werden. Was ist sein Geheimrezept?
Mein Gefühl sagt mir, dass ich das Schlimmste zwar hinter mir habe, dass ich aber eigentlich gar noch ein bisschen tiefer fallen sollte. Um auf der anderen Seite mein Training zu verbessern und daran zu arbeiten, wirklich so gut zu werden, wie ich glaube, dass ich mal war. Ich glaube nämlich, da hatte ich mich in Wahrheit selbst nur hingemogelt. Auch eine Erkenntnis, die ich vorher noch nicht hatte.
Also ja, wenn man die Möglichkeit hat, das Puzzle zu zerschlagen und neu zusammenzusetzen, dann braucht es Mut – auch zur Selbstzerstörung. Bei Beziehungen kommt es manchmal, wie es kommt. Im Job sehe ich noch keine Veranlassung dafür. Und im Tischtennis – habe ich das jetzt eben mal forciert. Wie ein Fehler fühlt es sich nicht an. Selbst wenn ich nie wieder da lande, wo ich einmal war.
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Tauben
Ein Taubenpärchen hält es für eine gute Idee, auf meinem Balkon hinter meinem Gummibaum ein Nest zu bauen. Vorgestern ging es los:
Ich will das nicht haben, habe es nach reiflicher Überlegung, recht schweren Herzens und Rücksprache mit meinem „Team“ einfach runtergekickt. Sie haben es dann noch einmal neu aufgebaut, ich hab es wieder entfernt.
Heute, als ich vom Wandern komme, dann das…
Fuck…
Und außerdem ist das doch kein tolles Nest jetzt so… Och Mensch…
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Wandern
Warum fehlt der Wegweiser eigentlich immer da, wo gerade kein Netz ist? ?
Zum Wandern ist das Siebengebirge aber wieder einmal wunderschön gewesen.
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Der Rheinsteig beginnt tatsächlich auf dem Bonner Marktplatz und geht dann, äh…
Bisschen staubig isser auch:
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Begegnungen
Was mir selten passiert: Mit fremden Menschen ins Gespräch kommen.
Was mir noch seltener passiert: Dass andere Menschen auch mit mit ins Gespräch kommen wollen. ?
Heute aber passiert im Löwenburg-Biergarten. Die – ich vermute – gleichaltrige Frau hatte ihren Hund dabei. Ich fragte, ob ich mich an ihren Tisch setzen dürfte, wollte nur schnell mein alkoholfreies Radler trinken (war am verdursten, hatte zu wenig Wasser dabei), sofort bezahlen und dann weiter. Sie bestellte ebenfalls ein alkoholfreies Bier, wollte sofort zahlen und dann weiter. Und so kamen wir dann ins Gespräch. Und sie begann zu erzählen und zu erzählen.
Und ich fand’s eigentlich sehr charmant. Und irgendwie hat mir das gezeigt, dass ich zumindest nicht mehr der allerschlechteste Gesprächspartner der Welt bin (da war ich früher auf Platz 1, hands down) und dass ich das vielleicht sogar öfter mal versuchen sollte.
The camino provides, heißt es. Er gibt dir genau das, was du gerade brauchst.
Nur dass das gar nicht der Camino war, sondern halt der Rheinsteig. ?
Und dass ich dann wirklich los musste. Es wurden am Ende 42km im fast 9 Stunden. Musste mich beeilen, dass es nicht dunkel wird…
Okay, die Erkenntnis ist nicht besonders revolutionär. Aber mir ist aufgefallen, dass ich bei tiefergehenden Fragen in letzter Zeit lieber ChatGPT benutze als Google. Das sind Fragen, von denen ich im Grunde schon vorher weiß, dass mir das Ergebnis bei Google nicht viel bringen wird. Als Beispiel:
Wie kann ich besser im Tischtennis werden? oder
Wie kann ich empathischer werden?
Google zeigt dir dann eine Wüste aus überoptimierten Seiten, Angeboten, schlecht beantworteten Fragen an und du musst dir das, was du willst, erst mühsam zusammensuchen. Also eigentlich das, was eine Suchmaschine eigentlich liefern sollte. Google wird dann zur Such-Maschine.
Während dessen liefert dir ChatGPT schlicht die Antwort und tut dabei nicht viel mehr, als verschiedene Quellen clever zu verbinden.
Ist nur eine von hunderttausend Möglichkeiten, was dieses Tool kann, aber zumindest eine Killerfunktion davon und ein echter Segen. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Google ausgerechnet dadurch Konkurrenz entstehen könnte?
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Mein Spotify-Mix der Woche hat in letzter Zeit einen Lauf. In dieser Woche drei Songs direkt hintereinander, die wie ein Rock’n’Roll-Revival klingen.
Led Zeppelin! (eigentlich: Rival Sons)
Rolling Stones! (eigentlich: Puddle of Mudd)
Faith No More! (eigentlich: Peeping Tom ft. Rahzel & Dan the Automator. Erst beim Einbetten des Videos erfuhr ich, dass das ein Projekt von und mit Faith-No-More-Sänger Mike Patton ist. Dann hinkt der Vergleich natürlich bzw. ist gar keiner.)
Na ja, alle immerhin aus diesem Jahrtausend. Noch lieber wäre mir gewesen: aus diesem Jahrzehnt.
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Oppenheimer von Nolan. Das sieht gut aus!
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Der HSV tut mir langsam fast leid. Wird wohl jetzt auch im fünften Anlauf nichts mit dem Wiederaufstieg:
Wenn Onkel Maynard über die Straße geht, dann gucken die Menschen ganz sonderbar. Einige grüßen, andere tun so, als würden sie ihn nicht sehen. Onkel Maynard grüßt immer so, dass er nur mit dem Kopf nickt. Ich finde das ulkig. Es sei denn, er kennt jemanden besser. Dann gibt er auch die Hand. Er lächelt nie, aber ich mag Onkel Maynard, denn er weiß immer, was ich denke, und kann für mich sprechen, weil ich selbst es nicht kann.
Es ist spannend, Onkel Maynard zuzuhören, denn er ist gut darin, Worte zusammenzusetzen: „Diese linken Bazillen wollen unseren Staat zersetzen“, habe ich mal von ihm gehört, oder „Diesem Lump vom Premierminister müsste man das Dasein entziehen“. Ich verstehe nicht immer alles, was Onkel Maynard sagt. Aber ich weiß, dass er gut darin ist zu reden und dass die Leute ihm immer zuhören, wenn er etwas sagt. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte das auch.
Wenn Onkel Maynard sich kämmt, dann kämmt er sich so eine durchsichtige Paste in die Haare und legt sich einen ganz strengen Scheitel an. „Es ist wichtig gut auszusehen“, sagt Onkel Maynard. „Nicht so, wie dieses einfältige Pack“, sagt er er dann. „Achte immer darauf, dass deine Sachen sauber sind, der Kragen gut sitzt und deine Haare gekämmt sind, Jojanne. Alles klar?“ Ja, alles klar, Onkel Maynard. Würde ich gerne sagen, aber kann ich ja nicht. Ich nicke dann nur und lächle. Onkel Maynard nickt zurück, aber er lächelt nie.
Onkel Maynard ist in einer Partei, sagt er. Es sei die schnellstwachsende Partei Europas, was immer das heißt. Hin und wieder kommen Freunde von Onkel Maynard vorbei. Sie treffen sich und trinken Bier. Auch die Freunde von Onkel Maynard sehen so aus wie er. Weiße Hemden, Hosenträger, Seitenscheitel. Sie beachten mich kaum, die Freunde von Onkel Maynard, und sie lächeln auch nicht viel.
Neulich war ich mit Onkel Maynard beim Kinderarzt, und wir haben uns Bilder auf so Folien angeschaut. „Da muss man doch was machen können“, hat Onkel Maynard zu dem Arzt gesagt. „Tun Sie was!“. Aber der Arzt hat mit dem Kopf geschüttelt und mich freundlich angelächelt. „Ich wollte es gäbe etwas“, hat der Arzt gesagt“, aber man wird bei dem Mädchen nichts machen können.“ Onkel Maynard ist dann aufsprungen, hat auf den Tisch gehauen und ist hinausgestürmt. Dabei hat er dem Arzt noch zugerufen: „Sie Schwein! Ich werde zusehen, dass Sie Ihren Job verlieren!“ Die Tür hat er hinter sich geknallt. Ganz verstanden habe ich nicht, warum Onkel Maynard so böse zu dem Arzt war, ich fand den eigentlich ganz nett. Der Arzt hat eine Weile erschrocken dagesessen und mich dann angelächelt. „Möchtest du einen Loli? Dein Onkel wartet sicher draußen auf dich, so schlimm ist es nicht.“ Ich habe auch gelächelt und meine Finger ausgestreckt, damit ich den Loli bekomme.
„Du darfst dir von niemandem etwas gefallen lassen, Jojanne, hörst du! Von niemandem!“, hat Onkel Maynard abends gesagt. „Und wenn dich jemand damit aufzieht, vielleicht sogar einer von diesen Zecken, dann haust du ihm eine, verstanden?“. Ich hatte verstanden, und nickte. Aber ich würde niemanden hauen, auch wenn Onkel Maynard das sagte. Ich wollte niemandem wehtun.
Eines Tages klingelte es an der Tür und Onkel Maynard öffnete. Draußen standen zwei Polizisten und eine Frau. Sie redeten miteinander. Onkel Maynard ist sehr wütend geworden und hat gegen den Türrahmen geschlagen, da haben die beiden Polizisten ihn runtergedrückt und ihm die Hände verbunden. Ich wollte schreien, als ich das gesehen habe, aber ich konnte nicht. Also habe ich geweint. Aber Onkel Maynard ist dann trotzdem mit den Polizisten mitgegangen. Zum Abschied hat er mich noch einmal angeguckt und mir zugerufen: „Von niemandem, Jojanne, verstehst du? Von niemandem!“ Ich habe geweint, aber auch genickt, weil ich glaube, dass Onkel Maynard das Mut gemacht hat, in diesem Moment.
Ich wohne jetzt nicht mehr bei Onkel Maynard, ich wohne jetzt in einer Gruppe mit anderen Kindern. Es geht mir eigentlich ganz gut hier, aber manchmal vermisse ich Onkel Maynard. Die meisten anderen Kinder sind nett zu mir. Einige versuchen mich zu ärgern, sie lachen über meine weißen Blusen und meine Hosenträger. „Es ist wichtig gut auszusehen“, hatte Onkel Maynard gesagt. Die anderen Kinder wundern sich, wenn ich nicht antworte, und dann tue ich so, als hätte ich sie nicht gehört. Dann lassen sie mich meist in Ruhe. Es gibt auch eine Leiterin, eine Erwachsene, und ich finde, die ist ganz nett. Sie lächelt sogar manchmal. Onkel Maynard hat nie gelächelt.
Gerade mal bisschen überschlagen: Viel Urlaub ist bei mir diesen Sommer nicht drin. Oder sagen wir eher: Diesmal will ich Nägel mit Köpfen machen. Erst wird zu Ende minimiert, dann kann ich in Ruhe in Urlaub fahren. Sonst werde ich hier ja nie fertig. Minimieren wäre eigentlich eine wunderbare Beschäftigung für nen drögen Winter. Aber da kriege ich einfach nichts gebacken, mag nicht, laufe auf 50, 60 Prozent. Nur im Sommer kriege ich Dinge wirklich gewuppt.
Vielleicht reicht es trotzdem für eine kleine Zwischendurchtour. Mein aktuelles Traumziel nach überraschend schöner Pilgertour ist: die Eifel – jaja! Und den berühmten Moselradweg wollte ich immer schon einmal machen. Also, Traum: Mit dem Rad runterfahren, an der Mosel entlang bis Koblenz und wieder nach Hause. Kann man in ner Woche wohl schaffen.
Oder man erweitert das noch und schaut sich bei der Gelegenheit mal ein wenig den Westerwald an. Der ist eventuell unterschätzt. 2-3 Tage mehr:
Nach der erfolgreichen Pilgertour bis Trier steht allerdings auch zur Debatte, mit den Jungs den Jakobsweg weiterzugehen – oder zu radeln, auch das wäre erlaubt. Zumindest die Strecke durch Frankreich bis Saint-Jean-Pied-de-Port, also dort, wo man dann für gewöhnlich zu Fuß beginnt, den Camino Frances bis Santiago zu laufen.
14 Tage wäre man bis dahin mit dem Rad fei scho auch unterwegs:
Worauf ich hinaus will? Der- oder diejenige hatte schon recht, als er/sie den Kalenderblattspruch erfand: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“.
Wenn es aber gerade einfach vernünftig wäre, ein paar Dinge vorher zu tun, dann hilft das Täumen. Hilft mir sowieso immer, damit Ideen erst einmal im Kopf reifen können. Umsetzen ist gut, richtig und dann the real deep shit. Vorher träumen ist aber auch notwendig, finde ich. Und schafft erst die Sehnsucht, den Traum auch zu leben.
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Megamarsch Köln 2023 oder auch: Herrje, was habe ich mir da aufgehalst… ?
Wir kriegen 24 Stunden Zeit, 100km zu gehen. Und, na ja, die Zeit brauchst du dann auch. Immerhin haben wir noch gut drei Monate Zeit zu trainieren…
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Every Brilliant Thing (HBO/Sky/WOW). Eine knappe Stunde – ja, was ist das eigentlich – Live-Theater? Ich kann nur sagen, dass es wunderschön ist!
Hat tip to Nicky für die Empfehlung!
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Alkoholfreies Radler wird mein Getränk des Sommers! Hab das Zeug jetzt schon flaschenweise vernichtet. Ja, ist nicht neu, aber ging als potenziell leckeres Erfrischungs- oder gar Biergartengetränk bisher an mir vorbei. Den Alkohol vermisst man eigentlich nicht (es sei denn, man will sich besaufen ☝?) und nicht einmal besonders viele Kalorien hat es:
Schade nur, dass es gerade wohl meine Allergie getriggert hat. Meine Augen jucken wie Teufel, und das haben sie trotz starken Gräserpollenflugs bisher eigentlich nicht. ??
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Muss nen heißer Feger sein, die bekommt sogar 2 Herzen – wenn auch nur 1 Maibaum. ?
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Hat einen kleinen Moment gedauert, dann musste ich lachen. 🙂
via Dense Discovery
(NPR ist Non-Profit Radio, also vergleichbar mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.)
Barry ist ein Auftragskiller auf Sinnsuche. Bei einem Job gerät er zufällig in einer Schauspielschule auf die Bühne und glaubt, seine wahre Bestimmung gefunden zu haben. Seine Auftraggeber aber haben natürlich gänzlich andere Pläne mit ihm. Die famose Comedy mit tragikomischen Elementen von und mit Bill Hader ist gestern zu Ende gegangen. Und Mann, hat das gut getan, die zu sehen!
Barry. (Bild: HBO)
Einmal natürlich wegen der teils völlig hanebüchen-absurden Comedyszenen, die auch einigen der wunderbar gezeichneten Charakteren geschuldet ist. Zu vorderst natürlich der viel zu schnell unter Strom stehende Hauptcharakter, aber auch sein schriller Auftraggeber NoHo Hank, der seine Rolle als tschetschenischer Gangsterboss lieber dem modernen woken-veganen Lebensstil unterordnet. Eine Augenweide aber auch die Improvisationskünste von Barrys Mentor und vermeintlich bestem Freund Monroe Fuches (Running Gag: von allen Schurken kriegt immer nur er eine Abreibung). Sein Darsteller Stephen Root dürfte neben der von Anthony Carrigan (NoHo Hank) die eigentliche Entdeckung der Serie sein.
Das Gesamtprojekt ist allerdings mehr als nur richtig gute Comedy. Es geht tiefer als das, viel tiefer. So wird etwa Barrys Afghanistan-Einsatz immer wieder thematisiert und extrapoliert auf Amerikas Gewaltproblem, das auch aus bestens ausgebildeten, teils traumatisierten „Anti-Terror“-Veteranen besteht. Es geht daneben um häusliche Gewalt, Missbrauch und ganz allgemein die Frage, ob wir nicht alle irgendwo Schauspieler sind, die das moderne, komfortable Leben in Frieden genießen wollen, dafür aber bereit sind, so manches Eigenverschulden auf kleiner und großer Bühne einfach wegzuignorieren und ob wir nicht auch dadurch irgendwo alle eine dunkle Seite haben. Was in der Serie immer wieder pittoresk persifliert wird.
Die Szene etwa, in der Barry ein paar Gangster mit einer Bombe ins Jenseits befördern soll, Hank darauf besteht, dass er die neueste Version einer angesagten App dafür benutzt, dann aber stundenlang dort im Service in der Warteschlange hängt und schließlich als Tipp bekommt, WLAN an seinem Smartphone zu deaktivieren, damit Bluetooth funktioniert. Der ultracoole Inhaber der hippen Zimtschnecken-Bäckerei, der im Vorbeigehen die privaten Probleme seiner Kunden löst, was offenbar sonst keiner tut. Oder wie Barry von einer alten Freundin zum Essen eingeladen wird, nervös ist, weil er nicht gut mit Menschen kann, zur Beruhigung einen Song vor sich hinsummt und dann auf dem Weg dahin vor einer Motorradbande fliehen muss, die es auf ihn abgesehen hat. Immer wenn er glaubt, sie abgeschüttelt zu haben, summt er den Song einfach weiter, als wäre das ein ganz normaler Job. Pulp Fiction lässt grüßen.
Beste Folge – da ist sich das Internet ausnahmsweise mal mit mir einig – Episode S02 E05 – wo Barry versucht, den Kerl, den er eigentlich umlegen soll aber nicht will, davon zu überzeugen, abzuhauen und anderswo ein neues Leben anzufangen, aber der andere ist nicht so der gesprächige Typ… Lange Kamerafahrten, unglaublich viel Zeit, die die Macher auch Nebencharakteren widmen, immer wieder Szenen, in denen im Vordergrund ganz Normales passiert (z.B. Gast in einem Restaurant isst einen Burger, während im Hintergrund ein Informant im Kofferraum verstaut wird).
Dazwischen aber auch immer todernste Momente, die beinahe zu Tränen rühren. Etwa als Barry von seinem ersten Todesschuss in Afghanistan erzählen soll oder der Vater eines Opfers ihn zu fassen bekommt und eigentlich Rache nehmen will/kann/sollte? Eigentlich.
Einfach eine richtig tolle Serie, wunderbar kurzweilig. Findet schließlich ein rundes Ende und ist dennoch schade, dass es jetzt vorbei ist. Wer reinschauen mag: Gibt es aktuell noch auf WOW (Skys monatlich kündbaren Streaming-Dienst für nen Zehner im Monat).
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