Kategorien
Allgemein

.61: Gotthard, Locarno und Ascona

Der Wecker klingelt um 0600, ich stelle noch einmal auf Schlummern, aber um 0610 stehe ich dann wirklich auf der Matte. Heute steht die Königsetappe an, und ich möchte sie lieber möglichst früh geschafft haben. Ich finde zwar sonderbarerweise meine Sonnencreme nicht wieder. Aber das ist mir jetzt egal, ist ja noch kaum Sonne da. Um 0630 ist alles gepackt, und es geht los.

Es ist bitterkalt, außer mir ist kaum ein Mensch unterwegs. Ein paar Kühe stehen und grasen schon. Ein paar Bauarbeiter werkeln an der Straße, hin und wieder fährt ein Auto vorbei. Das war’s. Warum nochmal musste ich unbedingt schon im Morgengrauen aufbrechen?

2 Kilometer später weiß ich es. Es geht bergauf und mir geht sofort die Pumpe. Kalt ist mir augenblicklich auch nicht mehr. So früh zu fahren hat den Vorteil, dass es noch nicht so heiß ist und kaum jemand unterwegs ist. Bei Hitze im Feierabendverkehr würde die Tour zur Tortour.

So strampel ich beinahe alleine den Berg hinauf und fühle mich gut dabei. 600 Meter auf 9 Kilometern beschreibt ein Schild die Steigung. Aber die Straße ist gut ausgebaut, asphaltiert. Die Aussicht ist die Wucht. Ich habe Stufe 2/4 am Ebike eingestellt, manchmal 3. Aber die Steigung ist überschaubar, anfangs sogar weniger steil als die 10 Kilometer davor. Aber die 9 Kilometer zum Gotthard hinauf ziehen sich. Ich muss mich richtig anstrengen, und das E-Bike auch. Später werden schon 40% des Akkus verbraucht sein.

Es ist 0742 Uhr, als ich plötzlich ein Plateau erreiche: eine Statue, eine Kapelle, ein See, viele, viele Campingwagen. Das ist die höchste Stelle, der Gotthardpass. Ich habe es geschafft. Ich habe die Alpen überquert.

Ich mache ein Selfie, wechsle das Shirt (das unterste ist durch) und gönne mir jetzt einen schwarzen Kaffee im Restaurant. Die Leute strahlen mich an. Ich muss grinsen wie ein Honigkuchenpferd, so freue ich mich. Es fällt ziemlich genau mit km 800 meiner Fahrt zusammen. 800km von Bonn bis zum Gotthard. Ich bin zufrieden mit mir und fühle mich unverwundbar.

Doch jetzt wartet der eigentlich schönste Teil der Strecke, und es stellt sich heraus: die Gerüchte stimmen. Die Tremola, den alten Pass, etwa 12 Kilometer größtenteils auf Kopfsteinpflaster geht es nun hinunter. Die Strecke ist atemberaubend. Obwohl alles von selbst geht, komme ich kaum voran. Ich muss alle paar hundert Meter anhalten, um ein Foto zu machen.

Die Straße führt vorbei an Wasserfällen, geht durch Serpentinen, andere Radfahrer hecheln sie hoch und grüßen mich mit ciao. Bauarbeiter verbessern die Strecke unterwegs. Ich sehe einen Steinmetz, wie er passend einen Kopfstein zurechtklopft.

Ich muss kein einziges Mal treten auf dem Weg. Ich rolle und rolle und plötzlich bin ich in – Italien. Zumindest sieht es so aus. Die Häuser sehen anders aus, die Autos fahren rasanter, die Manschen reden plötzlich italienisch. Ich bin im Tessin. Kann es noch ein schöneres Flechchen Erde geben?

Der Weg heute ist dankbar. Es geht sehr lange eigentlich nur bergab. Unterwegs kaufe ich mir in einem Coop neue Sonnencreme, in dem Laden trägt jeder Zweite keine Maske, darunter der Dorfsheriff, der vor mir an der Kasse steht. Als ich gegenüber eine Apotheke sehe, erinnert mich das deswegen an Kristines Rat: Wenn du da wirklich Bahn fahren musst, warum dann nicht mit der krassestmöglichen Maske, unter der du kaum noch atmen kannst?

Die gibt es in der Dorfapotheke leider nicht. Die Verkäuferinnen verstehen erst nicht ganz, was ich da von ihnen will, warum ich den Aufstand probe. Möcjte ich FFP2-Masken? Nein, FFP3 sogar. Aber warum denn? In Bussen und Bahnen würden doch ganz einfache reichen, FFP3 bräuchten nur Ärzte und Krankenhauspersonal. Ja, aber über Stunden im Zug mit lauter anderen Leuten, große Aerosolparty. Das mit den Aerosolen wäre ja noch gar nicht bewiesen…

Fangt an zu preppen, Leute! Die 2. Welle wird kommen, und sie wird härter werden als die erste. Weil die Leute wieder reingehen, Aerosolpartys feiern und sich dann wundern, dass alle angesteckt sind.

Ich fahre und fahre, ver-fahre mich auch einmal ziemlich krass, und stehe um Punkt 1300 in Bellinzona vor dem Campingplatz. Ich könnte einfach hier bleiben, es soll ein hübsches Städtchen mit einem Game-of-Thrones-mäßigen Schloss sein. Aber mir fehlt etwas. Ich schaue aufs Navi. Und der Gedanke, ich könnte in gut einer Stunde am Lago Maggiore sein, meine Füße ins Wasser halten und auf Dolce Vita machen, klingt verlockender.

Ich denke die ganze Zeit, ich bin in Italien. Es sieht genauso aus, die Leute reden und wirken auch wie Italiener. Lediglich die roten Flaggen mit weißem Kreut irritieren. Langsam mag mein Körper nicht mehr. Mein Nacken meldet sich (Zeichen dafür, dass es zu viel ist), ich werde zunehmend gereizter und trotz LSF 50 bekomme ich Sonnwnbrand auf meinen Beinen. Und so kommt sie bei 35 Grad, direkt von oben brennender Sonne und keiner Wolke am Himmel doch noch zum Einsatz: meine Regenhose. Als Sonnenschutz.

Ich hatte mir nicht viele Ziele in der Schweiz notiert, die ich unbedingt sehen will, aber eins der wenigen davon ist Ascona. Hier wirke die Schweiz wie am Mittelmeer, schreibt mein (bislang selten benutzter) Reiseführer. Und es stimmt. Ein richtig mediterraner Ort, dazu über 30 Grad, Italienisch an allen Ecken und Enden und ein See, der so groß wirkt wie das Mittelmeer. Traumhaft.

Ich gehe zur Osteria, die der Reiseführer vorschlägt, ich bin früh da, nach mir ist die Schlange lang, es ist brütendheiß, die Stimmung ist gechillt, die Kellner reden italienisch, die Pizza ist – möh. Leider Welten von einer guten italienischen entfernt. Es wirkt hier fast alles so, aber die Schweiz ist halt doch nicht Italien. Es bleibt dabei.

Eins ist aber klar: Hier kann ich nicht bleiben. Der Campingplatz will unglaubliche 64 Euro für mich für eine Übernachtung – das ist fast dreimal so viel, wie ich bisher für den teuersten bezahlt habe. Morgen ist Schweizer Nationalfeiertag. Bedeute das geschlossene Geschäfte, frage ich meinen Sankt Galler Nebenzelter? Eigentlich nicht, sagt der, nur leicht geänderte Öffnungszeiten, alle Schweizer auf den Beinen und auf jeden Fall Feuerwerk am Abend. Sicher auch über dem Lago.

Tja, aber wo soll ich hin? Wo kann ich sicher hin, wenn alle Schweizer auf den Beinen und sicher auch in den Zügen sind?

Es ist so heiß, dass ich gar nicht weiß, ob ich überhaupt im Zelt schlafen kann heute. Warum nicht draußen? Weil hier irgendwie alles kreucht und fleucht, was die Tierwelt hergibt. Aber wenn nicht heute, wann dann? Es soll nicht kälter als 23 Grad werden.

Ich trinke noch zwei Bier im angeschlossenen Biergarten, denke an Bonn und vermisse meine Freunde. Ich mag die Menschen hier, aber sie sind doch etwas reservierter.

Und was ich morgen mache – ich habe noch nicht die geringste Ahnung. Ich bin fast fertig mit meinem Wunschprogramm. Was kommt jetzt?

Kategorien
Allgemein

.60: Andermatt II

Der freie Tag tut mir gut. Ich schlendere einmal durch die Stadt und trinke gemütlich einen Kaffee, lese was, plane die Weiterreise. Auch mit der Seilbahn möchte ich einmal hinauf fahren. Gehört ja irgendwie auch zur Schweiz dazu. Der Tagespass soll am Automaten 38 Franken kosten. Ja, nee, nur die Fahrt einmal rauf und runter. Ja doch, das sei der günstigste Preis, bestätigt man mir am Schalter. Zähneknirschend kaufe ich das Ticket. Immerhin: Die Aussicht ist toll:

Die Preise in der Schweiz sind seltsam. In Luzern sollte ein Käsefondue 33 Franken kosten, im Vergleich dazu kommt mir ein Rösti hier in Andermatt für 20F fast günstig vor. Als ich gestern ein Abschluss-Craftbeer trinken gehe, will der Kellner am Ende nur 6F von mir (für 1/2 Liter IPA). Das ist in Deutschland auch nicht billiger. Auch Backwaren kosten kaum mehr als in D. Dafür dann jetzt diese Seilbahnfahrt zum Preis einer Jahres-Autobahnvignette. Es ist komisch.

Alles in allem halten sich meine Ausgaben aber in Grenzen. Ich habe nie Hunger und esse eigentlich nur, um leckere Dinge zu probieren. Gerade das wohl beste Rösti meines Lebens:

Oder heute Morgen (!) nach dem Kaffee der „Saft vom Fass“ mit 4% Alkohol, den ich auf der Karte entdecke. Er stellt sich dann als simpler Apfelwein aus der Flasche heraus, aber schmeckte nicht schlecht:

Als ich danach ein Schild für den Glacier Express sehe, der in Andermatt hält, kommt mir spontan die Idee, mich danach zu erkundigen. Heute würde sogar noch einer fahren, die Preise sind nicht exorbitant. Aber etwas Anderes stört mich. Es gibt nur Panoramawagen. Das ist optisch für die Fahrt genau das richtige, aber eben auch ein Großraumabteil und für Corona verdammt schlecht.

Die Seite der SBB schreibt, ähnlich wie die Deutsche Bahn, dass man alles für die Sicherheit der Passagiere tue usw. Abstand halten, Maskenpflicht. Aber gsnz ehlich: Das hilft im Supermarkt, wo jeder nur kurz ist. Über Stunden mit Maske im Zug bringt null komma nichts und ist die feinste Aerosol-Party. Das einzige, was Corona-technisch bei Bahnreisen etwas bringen würde, wäre ein Abteil für jeden Fahrgast mit leicht geöffnetem Fenster während der Fahrt.

Ich schaue nach anderen Zügen, aber auch da: nur Panoramawagen. Mich beschleicht das Gefühl: die haben nichts Anderes. Und um den Bahnverkehr nicht gänzlich einstellen zu müssen, ignorieren sie das bekannte Risiko oder nehmen es in Kauf. 1x werde ich leider mit der SBB fahren müssen (Tessin bis Basel), da werde ich es nicht vermeiden können. Ab da muss ich versuchen, im EC oder ICE der Deutschen Bahn für mich alleine zu reservieren.

Andermatt ist nett, ein richtig lebendiges Dorf, durch das täglich hunderte Wanderer, Radtouristen und verrückte Motorradfahrer fließen. Dafür gibt es auf der Hauptstraße, der Gotthardstraße, eigentlich alles, was das Herz begehrt. Eine Art Knotenpunkt direkt vor den Alpen mit gleich vier Möglichkeiten (Pässen), sie zu überqueren. Ein wirklich schönes Örtchen:

Am Nachmittag habe ich von dem kleinen Ort aber auch schon alles mehrfach gesehen, mir wird langweilig. Soll ich nicht vielleicht doch heute noch über den Gotthard? Unangenehm würde es so oder so, ein bisschen Workout am Ende des ruhigen Tages. Aber irgendwie sehe ich mich mehr am frühen Morgen dorthin fahren.

Ich belasse es bei meinen Ursprungsplänen, mache heute einen kulinarischen, packe alles und lese. Es gäb schließlich weit unangenehmere Orte, um sich mal zu langweilen.

Kategorien
Allgemein

.59: Andermatt

Es hat die ganze Nacht durch geregnet, gewittert und einmal auch gehagelt. Das Zelt hat so lange dichtgehalten, bis ich die gleiche Stelle zu oft berührt hatte. Aber im Großen und Ganzen alles gut. Ich ersehne mir einen entspannten Tag herbei. Aber so viel sei vorweggenommen: dazu kommt es nicht.

Ich nutze die Checkout-Zeit bis 1200 Uhr voll aus, um meine Sachen zu trocknen. Wenigstens am Morgen ist es trocken. Aber es dauert und einige meiner Sachen stinken, weil sie über Nacht nicht richtig getrocknet sind. Mist.

Anyway. Um 1200 breche ich auf und nehme die Tour um den Vierwäldstätter See. Eine weise Entscheidung. Hier wird die Schweiz langsam zu dem, woran man denkt, wenn man an die Schweiz denkt. Ein unglaubliches See- und Bergpanorama.

Der Tourguide empfiehlt dringendst, die 11km von Brunnen nach Fluelen nicht auf der unabgesicherten Schnellstraße, sondern auf dem Boot zurückzulegen. Dem komme ich gerne nach, und auch das ist, wenn auch vielleicht sonst nichts, dann auf jeden Fall optisch, eine weise Entscheidung.

Ich komme kaum voran heute, es liegt schlicht daran, dass ich alle paar Meter anhalten und Fotos der wahnsinnig hübschen Landschaft schießen muss. In Fluelen, nach gerade mal 30 km heute und um etwa 1600 Uhr, habe ich dann auch schon genug. Ich sehne mich danach, alle Viere von mir zu strecken, zu lesen, vielleicht sogar schwimmen zu gehen. Das alte Spiel beginnt: Nach einem Campingplatz in der Nähe suchen, kurz die Bewertungen checken, und dann los. Einer ganz in der Nähe hat gute Bewertungen, er sei toll gelegen und die Besitzerin sei sehr hilfsbereit, heißt es da. Hin!

Als ich ankomme, sieht die Dame wenig begeistert aus. Leider alles voll und ausgebucht und wegen Corona könne man auch nicht mal eben ein Zelt dazwischen schieben. Ich deute auf eine noch fast leere Wiese am Ende des Platzes. Nein. Leider nichts mehr zu machen. Oha. Klar, musste ich damit rechnen, irgendwann mal einen vollen Campingplatz zu erwischen, aber dass ausgerechnet sie mich so undiplomatisch abweist… Hätte ich nicht mit gerechnet.

Was mache ich denn jetzt? Andere Campingplätze am Ort sind 5km in der Richtung, aus der ich komme, und zurückfahren… Der nächste ist erst wieder in Andermatt und das wäre laut dem Tourguide eine ganze weite Etappe von 40km und vor allem 1000 Höhenmetern. 3h Fahrt laut Google Maps. Die Alternative wäre, sich an Ort und Stelle (Flüelen) n einem Hotel einzuquartieren. Wäre nicht billig aber könnte ich mir im Notfall leisten. Wollte ich mir auch dafür aufheben. Aber ist das jetzt wirklich ein Notfall? Und wenn nicht heute, dann müsste ich halt morgen da oben hoch.

Ich beschließe, die Höllentour nach Andermatt zu machen. Vorher rufe ich den einzigen Campingplatz am Ort an um mich zu vergewissern, dass die Fahrt auch nicht umsonst sind. Neinein, wäre kein Ptoblem, sagt der erstaunlich entspannt klingende Schweizer am anderen Ende. Die Rezeption wäre bis 2000 Uhr besetzt und Platz wäre auch noch. Alles klar, ich fahre los.

Die ersten 20km sind beinahe flach. Was ist denn das, stimmte das Höhenprofil nicht? Das zeigte eine langsam gleichmäßig ansteigende Linie an. Steige ich schon und merke das gar nicht?

Ich gebe Gas, ich will nicht zu spät kommen. Etwa 20km vor Andermatt wird es doch langsam steil. Es ist heiß, heute scheint praktisch nur die Sonne. Ich schwitze aus allen Poren. Schaffe ich es noch rechtzeitig?

Da plötzlich sehe ich einen Wandersmann mit Campingausrüstung an der Straße gehen. Wo kommt der denn jetzt her? Es ist 1730, mich kann man auswringen, er sieht aus wie aus dem Ei gepellt. Ich spreche ihn an.

Wo er hingehe? – Wisse er noch nicht genau.

Wo er übernachte? – Auch nicht, mal sehen.

Ob er wisse, dass der nächste Campingplatz 20km in alle Richtungen weg sei? – Nein, aber das wäre kein Problem, er schlafe meist unter freiem Himmel.

Oh, und das gäbe keinen Ärger mit der Polizei oder so? – Nein, bisher nicht.

Er sagt, er sei aus Polen, seit 30 Tagen unterwegs und er gehe den Jakobsweg von Polen nach Santiago.

30 Tage?! Und schon in der Zentralschweiz? – Ja, er gehe so 30 km am Tag.

Ich weiß nicht. Entweder er ist der tiefenentspannteste Dude, den ich jemals getroffen habe oder er bindet mir gerade einen ganzen Grizzly auf die Schulter. Etwa eine Stunde später rast ein Motorradfahrer an mir vorbei, der einen ziemlich ähnlichen und ähnlich bepackten Rucksack trägt wie er. Der wird doch nicht…

Auf jeden Fall gibt mir die kurze Begegnung Hoffnung: Das wird schon alles irgendwie, und wenn nicht, dann geht im Notfall immer noch heimlich wild campen.

Die Straßen werden steiler. 1500 Höhenmeter auf den nächsten 34km sagt das Schild. 20 davon habe ich noch vor mir. Und jetzt geht es wirklich bergauf. Nicht Alpes d’Hues-mäßig nur noch bergauf, es geht zwischendurch auch mal wieder ein bisschen bergab, aber schon deutlich nach oben. Der Akkustand geht dabei ganz schön schnell in die Knie.

An jedem Ort auf dem Weg, der mit einer schönen Holzfassade, Bergpamorama und „Zimmer frei“ wirbt, bin ich kurz davor schwach zu werden. Warum nicht einfach hier bleiben, so, für immer?

Göschenen wirbt am Ortsschild mit „Willkommen im Paradies“ und das ist gar nicht mal so falsch. Die Gegend entschädigt für die Strapazen. Die Sonne scheint auf kilometerhohe, grasbewachsene Berge, auf denen Almhütten stehen, Wasserfälle rauschen herunter, die Sonne taucht blutrot hinter Bergen auf, sogar Ziegen tragen Glocken, alte Kirchen mit großen Uhren säumen das Panorama. Es ist wunderschön hier.

Aber jetzt schaffe ich den Rest auch noch. „6km“ heißt es am Ortsausgang von Göschenen bis Andermatt. Nen Klacks.

Am Ende des Ortes macht die steile Straße plötzlich einen Bogen, und dann noch einen. Im Hintergrund sehe ich die Autos in ziemlicher Höhe in Serpentinen den Berg hochfahren. Aber das ist ja nur der Weg für die Autos, oder? Oder??

Nein, ich soll da irgendwie auch hoch. Die Straße schlängelt und schlängelt sich, und ein Andermatt ist nicht in Sicht. Ich quäle mich rauf, so gut ich kann. Aber bald ist der Akku im roten Bereich, und ich auch. Wo ist dieses Dreckskaff? Warum kommt da nichts? Ich müsste doch schon längst… Oder nicht.

Am Ende meiner Kräfte und mit fast leerem Akku beschließe ich so weit zu fahren, wie es geht. Und dann zur Not zu schieben. Mehr als 3km können es eigentlich nicht mehr sein. Und dass ich nach all den Eindrücken und Strapazen irgendwie so gar keine Lust mehr auf Campingplatz habe. Lieber nach Almhütte.

Irgendwie erreiche ich den Ortseingang von Andermatt. Und endlich wird es was flacher. Im Ort suche ich auf Booking.com nach Hotels oder Hütten, aber es ist tatsächlich fast alles ausgebucht. Bis auf eine Ferienwohnung im Skiclub für 140 Franken die Nacht (billig für Schweizer Verhältnisse). Ich rufe an und stehe 3 Minuten später an der Rezeption.

1 oder 2 Nächte, fragt die Rezeptionistin, die sich liebevoll um mich kümmert. Ganz ehrlich, ich weiß es noch nicht. Denn vor mir steht der Gotthard, der hat 20km, die sind wie heute die letzten 6 sind.

Und da graut mir jetzt schon ein bisschen vor…

(Hab heute keine Kilometerangaben. Weiß nicht mehr genau was wo, aber müssten so 70km (gefühlt 200) gewesen sein. War halt alles hübsch, seht ihr ja.)

Kategorien
Allgemein

.58: Luzern

Es gibt Städte, bei denen man sich denkt: Wow, schön, und jetzt alles geseheb, lass‘ ma weiter fahren. Und es gibt Städte, wo man sich direkt sagt: ja! Hier gefällt es mir, hier bleibe ich. Zur letzten Kategorie gehört Luzern.

Auch wenn das hier eine reiche, superchice Stadt ist und ich sie praktisch nur im Regen erlebe. Ich mag Luzern.

Der Weg dahin kommt dann am Ende gar nicht mal so krass wie gedacht. Ich erinnere mich an drei sehr heftige Aufstiege und anschließend imposante Abfahrten (Höchstgeschwindigkeit heute: 61 km/h), die man gar nicht so richtig genießen kann, weil man weiß: die musst du ja auch noch wieder rauf.

Trotz allem: hart aber machbar. Ich hatte sogar noch Luft für die zweite Etappe Aarau – Luzern. Aarau übrigens auch ganz hübsch, aber kein Vergleich zu Luzern:

Am Anfang verfahre ich mich gleich viermal, die Schweizer Zeichen sind irgendwie anders aufgestellt, aber nicht minder verwirrend als die in Frankreich oder Deutschland. Einer Medizinstudentin aus Mannheim geht es genauso. Wir fahren ein Stück der Strecke zusammen. Auch mal nett, ein wenig Begleitung zu haben.

Wie das oft so ist: Legst du dich um Neun schlafen, um mal früh im Bett zu sein, schläfst du am Ende erst um 2. Ich war dann plötzlich doch nicht mehr müde, es war heiß, laut und die halbe Nacht ist ein Hubschrauber über mich hinweggeflogen. Keine Ahnung genau warum.

Ich fasse mich heute mal wieder kurz, mir fallen die Augen zu. Morgen steht eine entspanntere Etappe an.

Km 600:

Km 610:

Km 620:

Km 630

Km 640:

Km 650:

Km 660:

Km 670:

Km 680:

Km 690:

Km 700:

Km 710:

Gute Nacht und bis morgen. 😉

Kategorien
Allgemein

.58: Basel II

Heute ein kürzerer Eintrag, bin ja immer noch in Basel. Etwas schade zwar, dass alle Museen einschließlich dem weltberühmten Kunstmuseum heute geschlossen haben. Aber rückblickend ist es wahrscheinlich sogar besser. Muss ich halt noch mal wiederkommen.

So hatte ich einen entspannten Morgen, den ich mit lecker Frühstück, Kaffee aus der Bialetti, Lesen, Solarladen meiner Powerbank auf dem Hausdach (Solar challenge still alive!) und einem Besuch des Fahrradgeschäfts um die Ecke verbracht habe, um den Reifen noch ein bisschen Luft zu gönnen. Mittendrin ruft auch noch meine Steuerberaterin an, um sich zu erkundigen, wie ich so durch die Krise komme.

Es wird ein nachdenklicher Nachmittag. Warum genau, weiß ich gar nicht, denn das anschließende Rheinschwimmen bei Lufttemperaturen um 33 Grad ist göttlich:

In der Hand halte ich da übrigens einen Wickelfisch. Das ist ein wasserdichter Packsack in Fischform, in dem ihr eure Sachen verstaut, von dem ihr dann die Öffnung genau 7 Mal faltet (nur dann ist er dicht) und mit dem ihr euch dann ein paar Kilometer im Rhein treiben lasst. Bei dem Wetter, wie gesagt, herrlisch! (Ich bitte trotzdem zwei erfahrene Locals um Assistenz beim sicheren Wickeln.)

Das abschließende Radler (ich hielt Panaché für eine regionale Biermarke ;), haut mich erstaunlich um.

Zurück zur Nachdenklichkeit. Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass morgen der Tag der Wahrheit ansteht. Die Strecke Basel-Aarau hat zwar nur 60km aber 700 Höhenmeter. Jetzt wird sich zeigen, was die Technik und ich wirklich drauf haben.

(Andererseits: Wenn es morgen nicht klappt, dann weiß ich es dann wenigstens. Wäre kein Weltuntergang, dann halt weiter am Rhein entlang.)

Vielleicht ist es das Gespräch mit der Steuerberaterin und die Erkenntnis, dass Corona noch lange nicht vorbei ist, wir sogar wahrscheinlich erst am Anfang des Ganzen stehen, es wieder Lockdowns geben könnte, der Staat irgendwann auch nichts mehr machen kann und es meine Freunde, Kollegen und mich dann irgendwann auch erwischen würde.

Dann wird das so oder so der wohl letzte Urlaub in absehbarer Zeit, und ich sollte quasi (sorry für die Floskel) mehr denn je im Jetzt leben und das Beste daraus machen.

Was auch immer das dann ist.

Rheinschwimmen auf jeden Fall fühlte sich nicht so falsch an…

Finally a use case for these things (am bestmöglichen Einstieg zum Rheinschwimmen, siehe Bild darüber)

Die Schweiz ist teuer, aber das war auch das verdammtnochmal leckerste Hummus mit Brot, das ich je hatte.

Kategorien
Allgemein

.57: Basel

Es ist geschafft, ich bin in der Schweiz. \○/

Und Basel ist mal richtig schön, vor allem das Großmünster in der Abendsonne, aber nicht nur:

Nur schade, dass morgen Montag ist und irgendwie alles zu hat. Mal sehen ob ich wenigstens ein paar Cafés zum Chillen und mich Sortieren finde. Sonst könnte ich eigentlich auch schon weiterfahren…

Nach 6 Tagen Zelten eine AirBnB-Wohnung kommt mir so seltsam vor… Es hat schon Sinn. Die Wäsche braucht mal eine richtige Maschine und… Na ja, und eigentlich ist es das auch schon. Für nichts Anderes bin ich im Grunde hier, auch weil Basel selbst keinen eigenen Campingplatz hat. Jetzt wo ich hier im Bett liege und das schreibe, denke ich mir: die Luma war fei schon auch bequem und draußen ist es schöner…

Zumindest solange Sommer ist und es nicht regnet. Das hat es gestern Nacht, das Zelt hielt dicht, und die Morgensonne hat dann die letzten Tropfen schon wieder verdampft. Würde es länger regnen, auch noch beim Abbauen, das wäre ätzend, weil die Sachen dann nicht trocknen können.

Ich vermisse das Campen, jetzt schon. Es ist weniger die Routine als dieses herrliche Improvisieren und die Smalltalks mit anderen Radreisenden… Ja, ausgerechnet ich, der Smalltalks nicht mag, eher kontaktscheu und introvertiert ist. Es ist verrückt…

Aber vielleicht auch nicht. Selbst wenn man mit den anderen Campern nichts zu tun hat (so wie gestern in Rust der Fall), so fühlt man sich doch irgendwie als Teil einer Gemeinschaft. In der AirBnB-Wohnung heute hat mich die Gastgeberin kurz freundlich begrüßt, mir alles gezeigt. Ihr Mann kam dazu und hat mir ein „Grüezi“ spendiert. Und dann waren beide auch schon wieder weg. Und ich habe mich zum ersten Mal auf der Reise ein wenig einsam gefühlt…

Aber auch nicht für lang, gottseidank, denn es galt ja auch noch Basel zu erkunden. Wie oben schon gesagt: sehr schöne Stadt. Was mir vielleicht am besten gefällt: die Innenstadt ist autofrei (was mir erst nach ein paar Stunden wirklich bewusst geworden ist). Ständig brettern Trams durch die Gegend, die meisten sind auf ihrem Velo unterwegs oder zu Fuß. Und das ist verdammt angenehm. Ich habe noch nie so entspannt eine Stadt erkundet und dabei, nun ja, so wenig geschwitzt. Es ist komplett stressfrei, ruhig, fast schon unwirklich. Für mich ist das die Weiterentwicklung der Fußgängerzone. Gerne auch überall anders einführen!

Die Fahrt heute war schon eine Tour de Force. Ich hab mich anfangs verfahren, dabei aber wenigstens schöne Orte gesehen. War es wert. Aber am Ende war ich auch froh als es vorbei war. Ein Tag Pause ist jetzt mal nicht schlecht.

Km 480, immer noch Rust im Hintergrund:

Km 490:

Km 500:

Km 510, dahinten! Der Kaiserstuhl!

Km 520, Breisach, ein unterschätzter Ort:

Km 530, der Rhein wird hier zunehmend laguniger:

Km 540, der Schwarzwald!

Km 550, der Rhein ist hier nur noch ein Flüsschen:

Km 560:

Km 570:

Km 580:

Km 590, Basel Neustadt:

Kategorien
Allgemein

.56: Europapark Rust

Wie bin ich jetzt bloß hier gelandet? Okay, der Reihe nach.

Ich kann machen, was ich will, ich komme jeden Tag um Punkt 9:48 Uhr los. Heute war ich in Rekordzeit mit dem Packen fertig, habe sogar die beiden Österreicher neben mir überholt (die übrigens den ganzen Rhein abfahren, diese Schlawiner). Ich wollte aber noch eine Unterkunft in Basel buchen (es wird eine kurze Auszeit vom Camping geben).

Um 0930 bin ich an der Rezeption zum Auschecken, und die ziemlich resolute Lady bittet um den Duschtürschlüssel. „Den Duschschlüssel, jaja, klar, den habe ich gleich… Moment mal eben.“

So an Seich! Die Duschen gönnt man doch eh seinen ärgsten Feind nicht. Warum Schlüssel dafür? Nachdem ich in der jetzt schon heißen Sonne mein halbes Zeug auseinandernehme und durchsuche, tauchen sie schließlich in meiner Kulturtasche wieder auf. Klar, wo sonst.

Ich fahre fast in einem bis Strasbourg durch. Ja, es gibt schöne Dörfer unterwegs, aber die meiste Zeit geht es an der Hauptstraße lang. Und ab Strasbourg warten 30km Schnellstraße. Klingt nicht unbedingt reizvoll.

Strasbourg selbst ist toll. Nicht nur die Innenstadt, die aber natürlich auch.

Auch diese moderne Vorstadt, die mich an die Speicherstadt in Hamburg erinnert.

Ich esse einen wirklich sehr leckeren Flammkuchen (der Teig ist irgendie porös-knusprig. Wie auch immer die das auf so wenigen Millimetern hinkriegen.

Nach dem Flammkuchen würde ich gerne weiterfahren. Aber ich weiß gar nicht wohin eigentlich. Ich hatte mich immer an den Schildern für die Veloroute 15 orientiert, aber plötzlich kommen keine mehr. Google Maps und Komoot helfen nicht wirklich weiter. Ich irre eine ganze Zeit durch die Stadt. Bis ich irgendwann feststelle: Das ist die Route schon, ⁰mehr oder weniger, sie ist nur einfach nicht mehr so hübsch.

In der Aussicht auf 30km Schnellstraße wechsle ich doch noch einmal die Rheinseite. Hello again Deutschland.

Die Seite gefällt mir besser. Ich schaue auf die Uhr und den Tacho. Es ist schon fast 1700 Uhr und ich bin bei 100km. Irgwndwie fehlen in meiner Rechnung 20km und 1-2 Stunden. Was haben die Aliens mit mir gemacht? Warum haben sie mich nicht näher an Basel heran gebracht?

Langsam schwinden mir die Kräfte. Es weht warmer, aber starker Gegenwind. Der hintere Reifen wirkt nach all den Strapazen etwas platt. Ich selbst auch. Zeit, es für heute zu beenden. Ich hatte eigentlich einen anderen Platz im Sinn, aber als ich das Hinweisschild „Rust“ sehe und mich erinnere, dass sie da am Europapark einen Campingplatz haben, gefällt mir die Idee plötzlich, mich da einzuquartieren. Ich rufe vorher an, ob das ohne Park-Ticket geht, und der Dude sagt: „Na ja, eigentlich nicht. Aber jetzt kommet se scho noa!“

Guter Mann!

Und so lande ich hier in der Westernstadt, gönne mit ein Teller Bohnen und ein paar Bier im Saloon und genieße den Abend am, nun ja, Teich.

Morgen sollte ich dann wirklich in Basel aufschlagen. Ich hab mir ein AirBnB gegönnt. Glaube, der Pöppes könnte ganz gut mal eine Pause vertragen, meine Klamotten lechzen nach einer echten Waschmaschine, Campingplätze gibt es in Basel selbst gar keine, und zum Stadterkunden ist das so einfacher. Spricht alles dafür!

Km 370, Fischen scheint am Rhein ein dickes Ding zu sein, und irgendwie sieht man auf französischer Seite nur deutsche KFZ-Kennzeichen. ?

Km 380, im Hintergrund der schöne Schwarzwald:

Km 390:

Km 400:

Km 410 geht doch!

Km 420, Strasbourg!

Und es geht noch hübscher:

Km 430, Strasbourg-Outskirts:

Km 440, zurück auf die deutsche Seite über die gefühlt höchste Brücke aller Zeiten:

Km 450:

Km 460:

Km 470, da kommen die ersten Berge:

Am Ziel für heute:

Strecke heute: ca. 115 km, Gefühl: ausgezeichnet. Noch 95km bis nach Basel. Kein dünnes Brett, aber bohrbar.

Kategorien
Allgemein

55: Seltz am Rhein

Der Tag verläuft unspektakulär, aber ich komme weiter, als ich dachte. Mein netter gestriger Nebenzelter legt mir die linksrheinische Route durch Frankreich nahe und die trete ich denn auch an. Dass ich heute schon dort landen würde, hatte ich gar nicht gedacht. Aber ich komme sehr gut vorwärts. Ich habe es mir mal „gemütlich“ gemacht, so gut das auf einem E-Bike überhaupt geht, und meist Stufe 2 von 4 genommen. Muss auch mal erlaubt sein. Zumal der Großteil der Strecke heute überraschend fad war.

Vor der Fahrt schaue ich den anderen beiden Bikepackern, die in die Gegenrichrung unterwegs sind, erstaunt zu, wie sie nach 45 Minuten abmarschbereit sind (ich brauche doppelt so lange). Und dann äußert die holländischische Nebenzelterin ihr großes Gefallen zunächst an meinem Zelt, dann meinem E-Bike, dann meiner Solarzelle.

Nun ja, was man heute halt so dabei hat als Bikepacker. Der vierte Nebenzelter kommt auch noch dazu, begibt sich auf Nabenhöhe und schaut sich 1 Minute lang die Hinterradnabe meines E-Bikes an. Nun ja, nen E-Bike halt.

Aber bisher eigentlich fast alles nette Leute, die man unterwegs so trifft.

Was mich am meisten wundert: Ich esse kaum was während der Fahrt, habe auch kaum Hunger, komme meist mit einer Mahlzeit hin. Mein Pöppes tut immer weniger weh. Ziel wahrscheinlich erreicht: einen Tag aufs Ganze gehen, dann wird es danach immer weniger schlimm. Heute kommt sogar erstmals ein Gefühl von Langeweile auf. Macht mir aber nichts, ich genieße das sogar.

Km 270:

Km 280: Speyer, I like!

Km 290, seufz…

Km 300, jetzt wenigstens mal mit Storch!

Km 310, tja…

Km 320. Immerhin mal ne Autobahn zwischendurch:

Km 330:

Km 340, nahe der Grenze:

Km 350: (Das kann doch nicht wahr sein, dass es in Frankreich ganz genauso aussieht…)

Km 360:

Am Ziel für heute:

Leider nicht mein Bulli. Auf der anderen Seite ist Deutschland:

Und sonst noch:

Und sie hatten beide etwas an, der Mann und das Weib, und sie schämten sich nicht.

Kategorien
Allgemein

.54: Mannheim

Beim Aufwachen merke ich: Heute geht was! Dass sich die Reissverschlus-Enden vom neuen Schlafsack sich nicht mehr zusammenbringen lassen und er kaum noch zurück in die Hülle passt, das Zelt gefaltet diesmal irgendwie doppelt so groß ist, nichts mehr so wie es soll in die Radtaschen passt. Egal. Heute soll mich nichts aufhalten.

Km 140, der Rhein ist weg:

Km 150, nee, ist nicht das gleiche Foto. Entdeckt die auffälligen Unterschiede rechts und links:

Km 160, langsam vermisse ihn den Rhein ein bisschen:

Km 170, irgendwo im Mainzer Industriegebiet:

Km 180: Schon hübsche Gegend sonst:

Km 190, dafür jetzt Weinberge:

Km 200, da isser endlich wieder:

Wartet, da muss ich kurz runter:

Km 210:

Gönn dir!

Gegönnt:

Km 220:

Km 230, Worms scheint echt hübsch zu sein, aber ich will heute wirklich lieber ein bisschen Strecke gutmachen. Es läuft.

Km 240: Ab jetzt kommt Industrie:

Unser aller BASF:

Km 250, Zeit, die Rheinseite zu wechseln:

Km 260, am Ziel für heute ein Stück hinter der Mannheimer City am Stadtbad. Das ist mal ne Lage:

Zurückgelegte Strecke: ca. 120 km, Akku am Schluss: 27% Urlaubsstimmung: 100%. Fitness: wird so langsam. 🙂

Kategorien
Allgemein

.53: Bingen

Schon als ich gestern ins Zelt gehe, denke ich mir: Oha, das ist aber jetzt gut dzrchgelüftet, um nicht zu sagen: kalt hier drinnen. Aber im Schlafsack wird mir gleich bestimmt warm werden, oder, oder?

Leider nein. Nach einer halben Stunde ist klar: Das geht so nicht. Es sind 14 Grad, okay, ganz schön kalt für nen Jahrhundertsommer. Aber da ist der Schlafsack einfach nicht warm genug für.

Ich ziehe mir Socken, meine einzige lange Hose und mein Funktions-Oberteil an. Damit ist es gerade so auszuhalten. Und jetzt? Da werden noch andere kalte Nächte kommen, gerade in den Bergen.

Ich liege lange wach, teils wegen des Lärms (praktisch laufend fahren am Deutschen Ecke Güterzüge und Schiffe durch, die ganze Nacht. Im Hintergrund singt ein Opernsänger. Klar). Teils male ich mir aus, was ich jetzt mache. In 1 Stunde mit dem Zug wäre ich zuhause und könnte mir den anderen Schlafsack holen, das vergessene Ladegerät für das Handy und das größere Handtuch gleich mit. 3-4h und ich wäre wieder da. Aber ist der andere Schlafsack überhaupt so viel wärmer?

„Na, gute erste Nacht gehabt“, fragt mich mein Nebenzelter auf der Ligewiese am Morgen. Jaja, allenfalls bisschen frisch geworden, so später. „Ich geb dir einen Tipp“, fügt er an. „Zieh dir Socken an! Dann wird dir nicht so schnell kalt.“ Ah, danke. „Und hol dir so’n Stuhl (zeigt auf seinen), dann musst du nicht immer auf dem Boden rumhocken. „Du meinst so einen?“, entgegne ich und deute auf den gleichen Stuhl selben Fabrikats. Er hat mich offenbar nicht gesehen, wie ich gestern, genau wie er, vor dem Zelt saß. Anderthalb Stunden lang.

Um Punkt 1000 Uhr heute Morgen stehe ich in der „Biwakschachtel“ in Koblenz-Zentrum auf der Matte. „Was habt ihr noch so für Schlafsäcke? Nein, muss gar nicht superwarm sein, nur so 5 Grad rum“.

Warten, Beraten, Aussuchen, zufällig hat der Laden gegenüber Frühstück. Und wo entsorge ich eigentlich den alten Schlafsack, wo ist die Caritas, wenn man sie mal braucht? Ich toure durch halb Koblenz auf der Suche nach einem Altkleidercontainer und komme schon wieder sehr spät los.

Aber was für eine Strecke! Wenn von Rheinromantik die Rede ist, dann kann nur der Teil Koblenz-Bingen gemeint sein. Burg nach Burg nach Schloss nach Schloss, und dazwischen die Loreley und Oberwesel.

Ich bin immer noch nicht so richtig fit. Die Sonne brennt den ganzen Tag, mit brummt der Kopf. Den anderen Schlafsack entsorge ich mangels eines Altkleidercontainers unterwegs in einem passenden Mülleimer (sorry, Welt! 🙁 ). Ich schaffe 75km und schiffe mich auf dem Bingener Zeltplatz mit angeschlossenem Biergarten ein. Was für ein schönes Fleckchen Erde!

Km 70-140. Ich hab die genauen Punkte vergessen, es waren zu viele historische Gebäude, aber die Reihenfolge stimmt.