Kategorien
Yeah

Endlich cool

Schadet nichts, cool zu sein. Ich war es aber noch nie. Vielleicht letztmalig so halb in der Grundschule, definitiv nicht in der Jugend und danach sowieso nicht.

Was auch an meinen Hobbys liegt. Ich gehe lieber auf ein Bier in eine schäbbige Kneipe statt auf die Goa-Party, praktiziere Ukulele statt E-Gitarre, Tischtennis statt Paragliding.

Doch, halt, stop! Tischtennis ist gerade cool. Es gab Zeiten, da habe ich mein Lieblingshobby so ein bisschen versteckt, lieber niemanden davon erzählt, dass ich das mache. Ist halt kein Bouldern, Scuba Diving, Surfen oder Fallschirmspringen. Tischtennis ist der sicherste Sport der Welt, ohne Adrenalin (wobei…), nicht körperlich, drinnen gespielt, wo es nie kalt wird (außer in der Lessenicher Mehrzweckhalle im Winter) und man vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt ist.

Dann aber hast du die letzten Jahre schon gemerkt, dass sich da etwas gewandelt hat. Freunde, die gerne in New York sind, erzählten mir von Underground-Partys, auf denen die Hipster Ping-Pong spielen würden (ich konnte es nicht glauben), während Corona entdeckten viele Leute in hippen Metropolen Outdoor-Platten für sich, auf Social Media gingen Videos atemberaubender Spielzüge viral (am epischsten wahrscheinlich der hier mit 171 Millionen Views auf YouTube Shorts) und zumindest das Gerücht kam auf, die NASA hätte Tischtennis zum komplexesten Sport der Welt erklärt (ist aber ein Gerücht, eine solche Rangliste gibt es nicht wirklich).

Und jetzt gibt es einen Spielfilm, eine teure Hollywood-Produktion über den Tischtennis-Star Marty Reisman der späten 1940er und frühen 1950er-Jahre namens Marty Supreme (mehrere Oscar-Nominierungen, unter anderem für den besten Film und besten Hauptdarsteller). Verfilmt mit Gwyneth Paltrow und niemand Geringerem als Hollywoods derzeit wohl gefeiertstem Star Timothée Chalamet. Ihr wisst schon, dem aus Dune, Wonka, The French Dispatch, der aber in Like A Complete Unknown auch Bob Dylan war und dafür jahrelang Gesangs- und Gitarrenunterricht genommen hat. Und acht Jahre lang Tischtennis trainiert haben soll, um sich auf seine Rolle in Marty Surpreme vorzubereiten. Sieht gut aus!

Und, tja, damit ist Tischtennis wohl endgültig im Mainstream angekommen. Geholfen hat hier sicher auch, dass es seit 2021 vom Weltverband die sogenannten WTT-Turniere gibt, die ATP-Turnieren beim Tennis gleichen, mit Hundertauenden als Preisgeld dotiert sind und den Sport deutlich professionalisiert haben. Bekannt wurde Tischtennis vielen Deutschen auch dadurch ;), dass Tischtennis-Legende Timo Boll (der in einer chinesisch dominierten Konkurrenz kurzzeitig Weltranglistenerster war) bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio Fahnenträger der deutschen Mannschaft war.

Und wer hat’s gespielt, bevor es cool war? 🙂 Ja nun…

Und langsam kommt die Erinnerung zurück, wie ich in Singapur mit den Locals unter Hochhäusern Tische und Banden aufgebaut und dort geklickt habe, bevor wir oft noch ins nächste Hawker Center eine leckere Kleinigkeit essen sind. Das war, rein wörtlich genommen, kein Underground-Tischtennis, wir waren im Erdgeschoss. 😉 Und alles völlig legal, aber definitiv improvisiert, nicht immer gerne gesehen von den Nachbarn (wir waren laut) und eine eingeschworene Gemeinschaft.

Wie ich in Bonn vor Jahren einmal zu spät auf die Geburtstagsparty meiner besten Freundin kam, weil wir an dem Abend ein wichtiges Aufstiegsspiel hatten, das ich nicht absagen konnte, das wir aber verloren, und wo ich später auf der Party mit ansehen musste, wie sich das Mädel, an dem ich zu der Zeit sehr interessiert war, längst blendend mit einem anderen Partygast verstand und später von ihm nach Hause gefahren wurde… Ja nun…

Wie ich für mein Alter so uncoole Sachen letztendlich gar nicht mache, wenn man es sich genau überlegt. Freiberuflich, Blogger von Beruf, coole Altbauwohnung in einer der hipsten Städte Deutschlands (no shit!), Workation in Portugal, letztes Wochenende Hamburg. Und mir zunehmend egal ist, was andere von mir denken, ohne mich dabei sozial abzukapseln. Langsam wird ja sogar Ukulelespielen cool. Wer hat damit noch gleich schon 2017 angefangen? 😉

Okay, okay, und im gleichen Moment, an dem man sich für cool hält, ist man es nicht mehr. Also höre ich jetzt besser wieder damit auf und kümmere mich um was immer mir gerade Spaß macht.

Kategorien
Right

So bored, I could do stuff

Stress kommt ja manchmal schleichend, und ich bin ausgelaugt, auch wenn ich objektiv gar nicht so viel gemacht habe. Jetzt nach einer Woche Weihnachtsurlaub bin ich deutlich entschleunigter. Ich hatte jeden Tag mit Menschen zu tun, was schön war, aber letztlich auch die Social Battery geleert hat. Also habe ich mir mal drei Tage im Stillen verordnet. Niemand sehen, niemand hören, nur faul auf der Couch liegen.

Kriege ich für zwei, drei, vielleicht auch mal vier Stunden hin, aber dann passiert für gewöhnlich was, und es nennt sich: Aktionismus. Der Volksmund könnte auch „Hummeln im Hintern“ dazu sagen. Mir ist dann so langweilig, ich will unbedingt etwas tun, aktiv werden. Meistens gibt es ja um die Weihnachtstage genug zu tun. Geschenke ausprobieren und wegräumen, Geschenkpapier oder Adventskalender entsorgen, mal durchsaugen, Wäsche machen, Bloggen

Damit bin ich tatsächlich schon durch. Jetzt gerade habe ich deswegen begonnen, meine elendige Flurkommode auszuräumen. Die besteht aus den fünf Schubladen:

  • Leben
  • Elektronik
  • Werkzeug
  • Sport & Spiel
  • Kartons für Elektronik, die ich noch weiterverkaufen könnte

Und da sammelt sich binnen kürzester Zeit allerhand Gerümpel an, das mühsam wegminimiert werden will. Also mal gemacht. Dauert dann auch 1-2 Stunden + spätere Mülltrennung & Verkauf, was natürlich noch weiteren zeitlichen Aufwand nach sich zieht.

Es geht sogar so weit, dass ich gelegentlich an einem solchen Tag etwas arbeite. Zum Beispiel ein Foto von einem Gerät mache, das ich gerade teste und ausprobiere, weil ich eh schon dabei bin.

Der Punkt ist: Ich bin an solchen Tagen, an denen ich eigentlich nichts machen will, meist produktiver als an Arbeitstagen, an denen ich weiß, dass ich was machen muss. Und noch habe ich leider nicht geschafft, das produktiv einzusetzen. Auf meine Arbeit habe ich eben dann leider nicht immer gerade Bock, wenn sie ansteht. Auf das, was ich an einem gelangweilten Tag mache, aber irgendwo schon. Aber es ist für mich nicht planbar. Ich mache da irgendwas, was mir spontan in den Sinn kommt. Ein Mittel, um das auf der Arbeit auch so zu machen, habe ich leider noch nicht gefunden. Schade.

Kategorien
Right

2025

Okay, gleich vorweg: Für dich als Leser dieses Blogs war es sicher ein enttäuschendes Jahr. Bitte gehen Sie weiter, hier gab es nichts zu sehen. Man könnte annehmen, mir wäre nichts Berichtenswertes passiert. Aber das Gegenteil ist der Fall: Je mehr mir passiert, desto weniger habe ich meist das Bedürfnis es zu verbloggen. Es ist ja schon erlebt.

Was mich zum zweiten Grund bringt: Ich schreibe gerade ein Buch, was eine Art Tagebuch ist. Beinahe tägliche Einträge. Da bleibt nicht mehr viel übrig zum Verbloggen. Sorry auch dafür. Aber kauf dir das Buch, wenn es irgendwann mal fertig sein wird. Da steht dann alles drin, was hier nicht stand.

Ein Problem habe ich noch nicht gelöst: Es scheint eine Menge auszumachen, für welches Medium und mit welcher Software man schreibt. Hier auf dem Blog fließen die Worte meist nur so. Wenn ich vor meinem Tagebuch sitze, bekomme ich das meist nicht gut geschichtsmäßig in Form gebracht. Aber einfach hier im Blogeditor Tagebuch zu schreiben, funktioniert auch wieder nicht. Seit ein paar Tagen bin ich probeweise auf iA Writer umgestiegen und dessen Minimalismus fühlt sich eigentlich sehr gut an. Problem ist aber jetzt eh, den ganzen Rohtext schönzuschreiben. Das wird eine Menge Arbeit werden.

Wie war 2025 so für dich? Für mich ein Jahr großer Veränderung, auch wenn man von draußen gar nicht so viel davon sieht. Nicht das erste dieser Jahre, aber definitiv besser als 2023. Und auch als 2024, aber ein hartes Jahr in dem viel erkämpft werden wollte, mit Rückschlägen, aber auch großen Erkenntnissen, die mir sehr lieb sind. Mit Happy End? Wird sich noch zeigen.

Für 2026 steht ein erstaunlich klarer Plan, wie es weitergehen soll. Aber dazu bei Zeiten mehr. Dir und mir, also uns, erst einmal einen guten Rutsch und ein erfolgreiches 2026. Wir können es brauchen!

Kategorien
Alright!

Belgrade Aventure

Letztes Jahr, etwa um diese Zeit, fuhr ich spontan für eine Woche nach Triest. Ich startete in Koblenz, schlug mich irgendwie nach München durch, nahm von dort den Nachtzug nach Udine, war morgens in Triest. Schaute mir die Stadt an, verließ sie am nächsten Morgen wieder, weil sich eine Regenfront ankündigte, endete in Kroatien, traf fantastische Leute in Hostels, flog über Manchester zurück, hatte eine der besten Wochen meines Lebens.

Das wollte ich dieses Jahr wieder machen, nur woanders hin. Nach meinem letzten Porto-Besuch sah ich im Flugzeug-Magazin, wie dort Würstelstände in Wien als Weltkulturerbe angespriesen wurden. Fand ich witzig, wollte ich hin. Zurück zuhause buchte ich ein Bahnticket nach Wien. Gar nicht teuer und die Bahn würde direkt durchfahren. Und von da? Mal schauen. Problem nur: Die Herbstdepression hatte mich da längst gepackt und ich wusste bis kurz vor Antritt der Fahrt noch nicht, ob ich auch wirklich fahren würde.

Am Ende tat ich es, rein in den Zug, acht Stunden nach Wien, eine erstaunlich schöne Fahrt im funktionierenden ICE mit Bordbistro, Beinfreiheit und wenig Verspätung. In Wien checkte ich im Hostel ein, traf Felix, einen alten Bekannten von den Kapverden, auf ein Würstchen und hinterher noch ein paar Gläser Wein. Am nächsten Tag schaute ich mir die Donauinsel an, spazierte am Prater, zündete eine Kerze im Stephansdom an, aß ein original Wiener Schnitzel vom Kalb, trank eine Melange im Kaffeehaus und las Zeitung dazu, aß eine Sachertorte und fuhr zum Sonnenuntergang noch rauf zu einer Heurigen, wo es Federweißen und ein leckeres Brot mit einem Kartoffel-Käse-Brotaufstrich gab. Perfekt.

Und dann hatte ich Wien eigentlich auch schon durchgespielt. Und wollte weiter, aber wohin? Ich kann nicht mehr genau sagen warum, aber es wurde Belgrad, ich fand noch einen Bus, der mitten in der Nacht abfuhr, bezahlbar war, suchte mir ein schönes Hostel auf Booking heraus, buchte, ging zurück ins Hostel für eine Mütze Schlaf, stand um halb drei wieder auf, nahm den Nachtbus zum Hauptbahnhof und von dort den Flixbus.

Irgendwo hinter der serbischen Grenze (es gab natürlich noch eine Passkontrolle) wechselte mein Nebensitzer in Luc aus Groningen. Wir verstanden uns auf Anhieb und verabredeten uns noch am gleichen Abend auf was zu essen und ein paar Bier und am nächsten Tag zu einem Basketballspiel von Roter Stern. Lucs Idee und warum nicht? Es war brisant und spannend und am Ende gewannen wir.

Tags drauf schlenderte ich durch die Stadt. Eigentlich war es eine Arbeitswoche, und ich erledigte alles gewissenhaft im Hostel, und irgendwie ging alles schneller, wenn das Wissen da ist, dass noch Sightseeing ansteht. Ich sah den Regierungspalast, den Tempel des Heiligen Sava (wow!), die Kirche des Heiligen Markus, ein marodes Stadion des OFC, die Festung, natürlich, ein richtig tolles Craftbeer-Brauhaus, und ich fuhr rüber auf die andere Flussseite nach Zemun für einen Blick vom Tower auf die Altstadt.

Belgrad ist toll! Der öffentliche Nahverkehr ist seit diesem Jahr kostenlos, was ein echter Gewinn ist. Die Stadt umarmt den zerfallenen Charme der alten Bausubstanz und garniert ihn mit teils atemberaubenden Gebäuden. Es gibt viel Grau, viel Verfall, aber dann doch so viel Farbe darin, so viel Leben. Leckeres Essen, sehr nette Menschen.

Luc fuhr danach noch weiter nach Sarajewo und Albanien (wäre auch mal spannend!), ich musste leider zurück, wieder um 4 Uhr aufstehen, irgendwie mit Bus, dann Tram, dann Taxi zusammen mit einer ebenfalls verloren wirkenden Russin zum Flughafen und wieder zurück nach Frankfurt, Koblenz, Bonn. Alles in allem keine Woche unterwegs, und doch hat es wieder irre Spaß gemacht. Ich hoffe, ich habe nächstes Jahr die Möglichkeit, wieder sowas Irres zu erleben.

*

Simpsons revisited

Ich war sehr großer Simpsons-Fan in den 90ern, etwa bis zur 10. Staffel. Aber dann änderte sich etwas. Viel platterer, brachialerer Humor. Ich habe nie ganz rausgefunden, was da eigentlich genau passiert ist, aber relativ schnell war ich raus. Das ist jetzt 25 (!) Jahre her und die Simpsons gibt es immer noch.

Weil ich gerade für ein paar Monate ein Disney+-Abo habe (guckt Andor!), dachte ich, ich gebe dem noch einmal eine Chance und suchte auf IMDB nach den 50 best bewerteten Simpsons-Folgen aller Zeiten.

Turns out: 46 davon sind aus den 90ern. Es geht also anscheinend nicht nur mir so. Und einige der anderen vier kannte ich schon. Einige aber auch nicht, und die schaute ich mir an: Barthood etwa, eine richtig schöne Folge in der Tradition des Spielfilms Boyhood, in der Bart erwachsen wird. Oder A Serious Flanders, eine offensichtliche Hommage an die Coen Brüder und die „Fargo“-Serie.

Ich schaute mir dann noch zwei weitere Folgen an. In einer wird das berüchtigte Kamp Krusty aus den 90er-Jahren wieder besucht. In einer anderen hat Smithers zum ersten Mal ein Date mit einem anderen Schwulen. Und das schöne daran ist, dass da keine große Sache draus gemacht wird.

Doch, der Humor ist anders. Homer Simpson ist einfach zu einer anderen Figur geworden – warum auch immer. Der Rest ist irgendwo in Ordnung, weiterhin Gesellschaftskritik, in der Smithers-Dating-Folge etwa an Fast Fashion. Konnte ich mir ganz okay noch einmal anschauen, ohne – wie in den 90ern – noch begeistert zu sein. Hab meinen Frieden damit gemacht, und das finde ich okay.

*

Ocie Elliott – Feeling fine

They did it again. 😍

Kategorien
Right

Tempo

Tja, Achtsamkeit…

Vor einer Woche belegte ich einen MBSR-Kurs in einem Kloster in der Eifel. Eine ganze Woche lang täglich Meditationen, Yoga, Bodyscans, Achtsamkeits-Theorie, Spaziergänge, Austausch mit zehn tollen, ruhigen, sehr reflektierten Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation.

Keine Esoterik übrigens, sondern basierend auf wissenschaftlichen Studien. Klar, dass ich mir hinterher natürlich trotzdem ein paar kecke Sprüche anhören musste, zumal wir zumindest einen Tag auch geschwiegen haben. 🙂 Geschenkt.

Alles für den Moment komplett entschleunigt, das ganze Leben einmal ganz durchleuchtet irgendwie. Und dann: Zurück in den Alltag.

Noch bei der Abschlussrunde gab ich der Kursleiterin als Feedback: Das alles wäre wie ein schöner Urlaub für mich gewesen, aber ab Montag ginge es ja zurück in die Realität. Und die würde regiert von lauten, unreflektierten Haudraufs wie Trump.

„Na ja“, entgegnete sie. „Das hier ist ja irgendwo auch ein Teil der Realität.“

Am Schluss blieb für mich der Wunsch, zumindest einiges von dem mit in den Alltag zu heben, und eine wichtige Erkenntnis:

Ich mache in meinem Leben alles immer schnell.

  • Ich arbeite schnell
  • Ich bewege mich schnell
  • Ich putze mir morgens schnell die Zähne und höre dabei schon mal schnell die Nachrichten
  • Danach geht es schnell einen Kaffee kochen und zack an die Arbeit
  • Ich tippe schnell
  • Ich kaufe schnell ein
  • Ich beende Gespräche schnell
  • Ich esse schnell
  • Ich rede schnell…
  • Ich muss dann schnell noch mal …

Immer alles schnell, schnell, schnell, schnell, schnell.

Warum eigentlich?

Am zweiten Arbeitstag erkannte ich zumindest eins der Symptome dafür. Ich bin in meinem Job quasi Mädchen für alles, erledige jede Woche gefühlt siebenundreißig Dinge gleichzeitig. Ein Stück verlangt und belohnt unsere Gesellschaft auch schnelles Handeln. Wer schnell ist und trotzdem hochwertige Arbeit abliefert, den liebt der Arbeitsmarkt. Wer viele Aktivitäten in seinen Alltag unterbringen kann, auf den schaut das Umfeld mit Respekt. Viel-viel bedeutet aber auch wieder schnell-schnell.

Der eigentliche Grund ist bei mir aber ein anderer, ein tiefenpsychologischer. Ich bin aufgewachsen mit dem Gedanken, nicht klug genug, auf Zack genug, attraktiv genug, gut genug, schnell genug, genug zu sein. Der Autor Jack Brody schreibt mir in einem aktuellen Essay aus der Seele: Erst waren es tatsächliche Kritiker, aber die braucht es längst nicht mehr, denn der innere Kritiker hat übernommen und übertönt seitdem alles.

Bei mir war ein richtiger innerer Diktator am Werk, fast ein Nazi. Ist erst ein paar Monate her, dass ich ihn vor meinem geistigen Auge feierlich gestürzt und gegen einen toughen, aber gutmütigen Lenker ersetzt habe. Das schaltet Prozesse, die sich über Jahrzehnte eingespielt haben, nicht von heute auf morgen ab. Aber es wird besser.

Nun, nach gut einer Woche seit dem Ende des Seminars habe ich einiges in den Alltag rübergeholt und alles ist etwas langsamer geworden. Ich habe seitdem täglich einen langsamen, achtsamen Morgenspaziergang eingelegt, ich schreibe mir einen eher entschleunigten Tagesplan in die Kladde und habe gestern mal einen Lazy Workday eingelegt. Dazu muss ich vielleicht noch einmal separat bloggen. Ich habe einfach mal einen Tag lang nicht schnell-schnell, sondern so langsam wie möglich gearbeitet – mit mehr oder weniger dem gleichen Arbeitsergebnis.

Noch muss ich mich zur Langsamkeit zwingen. Langsam ist nach all den Jahren der Hochgeschwindigkeit eben einfach nicht antrainiert.

Und ich suche noch nach meinem perfekten Tempo. Denn gaaanz langsam ist dann auch wieder nicht meins. Wenn mein Herbst-und-Winter-Alltag die 100 sind und der Sommer die 150, dann könnte ich mir gut vorstellen, am Ende irgendwo bei 30 bis 60 zu landen.

Entschleunigen ist nicht leicht, aber ich möchte es versuchen.

*

Pudding mit Gabel

In Wien haben sich am Sonntag Vertreter der Gen Z in einem Park getroffen, um Pudding mit einer Gabel zu essen. Ein junger Mann hatte in den sozialen Medien dazu aufgerufen. Hunderte kamen. Der Trend stammt ursprünglich aus Karlsruhe.

Und die gesammelten O-Töne der Wiener Zeitung sind einfach wunderschön. Die Leute hatten einfach Lust, in einer kaputten Welt, in der jeder irgendwie nur noch für sich ist und täglich stundenlang aufs Handy starrt, endlich mal wieder andere Leute zu treffen, die die absurde Idee genau lustig fanden wie sie. Reale Kontakte mit normalen Menschen in einer Welt, die von Verrückten regiert, von Reichen und Schönen dominiert wird und jeder nur noch irgendwie funktionieren soll.

Ich sehe immer mehr Initiativen, die das so nicht mehr wollen. Social ja, Network auch, aber bitte mit echten, menschlichen Kontakten. Me too, please!

*

Milka Brotaufstrich

They nailed it. Die Bezeichung „Haselnusscreme“ ist natürlich quatsch, sind nur 5 Prozent Haselnüsse drin. Das ist ein Schokobrotaufstrich, flüssige Milka-Schokolade. Und fertig. Verdammt lecker und – überraschend – ohne Palmöl.

Nanu, der eklige Konzern Mondelez, der hinter Milka steht und sich sonst für keine Trickserei zu schade ist, in einer edlen Mission unterwegs?

Ich glaube eher an Marketing. Palmölfrei, um am Markt anzukommen und Nutella ein paar Marktanteile abzujagen. Aber sobald das läuft, kommt die „verbesserte Rezeptur“ mit Palmöl – jede Wette. Ich gebe dem 1-2 Jahre.

*

Can you English please

Diese Almgaudi-Ballermann-Oktoberfest-Hits sind eine Klasse für sich. An der Gürtellinie wird fest gezurrt, aber gerissen wird sie – meist – nicht. Oft aber die gleiche Leier zu einem pappigen Beat. Wobei ich hin und wieder einen solcher Song ganz witzig finde. „Ich überleg mit dem Saufen aufzuhören, aber ich schwanke noch“ bringt mich immer zum Schmunzeln. Ich kann den Song mittlerweile auf der Ukulele nachklimpern.

Und dann spielte mir Spotify neulich diesn Song der Schweizer Pop-Folk-Band Fäaschtbänkler, die mittlerweile einige Hits in der Sparte gelandet haben. Und ich war überrascht, sogar ein wenig von der Musik und der Story begeistert. Typ versucht sich auf plumpe Art an eine Frau ranzuschmeißen, aber dann kommt alles ganz anders. Schöner Song!

Kategorien
Sigh

Business-Kasper im Anzug

Ich hatte mich eine Woche lang in Barcelona (Spanien) und Porto (Portugal) herumgetrieben. Am Gate vor dem Rückflug nach Düsseldorf fiel mir zum ersten Mal seit dem Abflug ein offensichtlich deutscher Typ mit geschniegelten Haaren, Hornbrille und Anzug auf. Genau so einer hatte mich vor dem Ablug in Köln noch im Starbucks belästigt. Saß direkt neben mir, hatte Over-Ear-Kopfhörer auf und telefonierte lautstark mit einem Mitarbeiter, um über irgendwelche Geschäftsabschlüsse zu diskutieren.

Ich steckte mir irgendwann Ohropax rein, um mir den Kasperkram nicht mehr anhören zu müssen. Werde ich das nächste Mal nicht tun, da werde ich ihn drauf hinweisen, er möge bitte woanders oder leiser telefonieren. Mir egal, um welche vermeintlichen Millionensummen es dabei geht. Er hat andere damit in Ruhe zu lassen.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will: In Barcelona und Porto ist mir niemand aufgefallen, der auf Business-Kasper gemacht hätte. Hier ging es den Leuten offensichtlich darum, sich gemäß ihres persönlichen und nicht beruflichen Stils zu kleiden und zu stylen. Und das tun die Leute dort in meinen Augen ziemlich gut und bei allem guten Aussehen auch: irgendwie auf entspannte Art.

Dieses Zurschaustellen, wie wichtig man bei der Arbeit ist, scheint ein deutsches Phänomen zu sein. Komisches Land.

Die deutsche Nationalmannschaft spielt derzeit nicht gut, verlor vergangene Woche zum ersten Mal überhaupt ein WM-Qualifikationsspiel in der Ferne, mit 0:2 in der Slowakei. Und was machen die „Fans“? Haben nichts Besseres zu tun, als drei der Spieler rassistisch zu beleidigen.

Wer sowas macht, hat einen Sieg seiner Mannschaft nicht verdient, geschweige denn die Weltmeisterschaft. Punkt.

Es war Basketball-Star Dennis Schröder, der neulich sagte: Egal wie gut er spiele, egal wie erfolgreich er in seiner Karriere noch würde: Er würde alleine aufgrund seiner Hautfarbe in Deutschland niemals die gleiche Liebe abbekommen wie seinerzeit Dirk Nowitzki.

Nowitzki ist natürlich eine Legende und zweifellos der bislang beste deutsche Basketballspieler aller Zeiten. Aber Schröder? Für einen deutschen Spieler bisher äußerst erfolgreich in der NBA. Er war die treibende Kraft in der deutschen Nationalmannschaft, als die 2023 sensationell und zum ersten und wahrscheinlich einzigen Mal Weltmeister geworden war. Als man im Halbfinale sogar die USA rausgekickt hatte. Und er ist einer, der den Mund aufmacht, das Trading-System der NBA etwa öffentlich kritisiert.

Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe in Deutschland: Wenn sie erfolgreich sind: unsere Helden! Wenn sie mal einen schlechten Tag haben oder mit einem schlechten Team zusammen verlieren: dann werden sie wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, nicht wegen ihrer Leistung kritisiert.

Und wieder: komisches Land.

Ja, gibt es anderswo auch, leider. Aber irgendwie dachte ich lange, wir könnten besser als das sein. Können wir nicht.

Kategorien
Alright!

Being Someone

Es ist mir manchmal selbst rätselhaft. Da bin ich 47 geworden und kann immer noch nicht genau sagen, wer ich eigentlich bin.

Ich kann das über die meisten meiner Freunde:

  • Nicky, die nach Porto gezogen ist, dort Jakobswege plant und sich für alle engagiert
  • Duc, der Informatiker und Kampfsporttrainer geworden ist
  • Björn, der gerne Musik hört und macht, genauso wie Weltreisen, bei einer Bundesbehörde arbeitet und einfach superentspannt bei allem ist.
  • Jan, die rheinische Frohnatur, der über sich lachen kann und einer zum Pferdestehlen ist.

Im Studium war es interessant, weil Mattes, der wie ich aus dem Emsland kommt, sich ein Stück weit darüber definierte. Ich selber überhaupt nicht, was vielleicht auch daran liegt, dass mich das Emsland nicht sonderlich mochte und ich eine Zeitlang auch das Emsland nicht. Jürgen, der Emsländer? Passt irgendwie nicht. Jürgen, der Fischkopf? Haut auch nicht hin, ich komme nicht von der Waterkant und spreche kein Platt. Jürgen, der Rheinländer? Zu wenig Frohnatur dafür. Jürgen, der Deutsche? In Zügen natürlich schon, aber dann auch weit weg vom Standarddeutschen mit Haus, Frau, Garten, zwei Kindern und Passat.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich auch lange über nichts definieren wollte. Über meine Herkunft nicht, meine Art und Weise nicht, bin halt eher der Grübler. Meine Hobbys nicht – ich hatte auch lange keine, außer vermeintlich uncoolen Sport wie Tischtennis (der dann irgendwann hip wurde und in New Yorker Underground-Clubs gespielt wurde). Über meine politische Ausrichtung nicht. Auch über meine Reisen eigentlich nicht. Immer nur Singapur, das war dann doch weit weg von einem Globetrotter. Am ehesten noch über meinen Job.

Ein Stück weit war es allerdings auch ein Sichverstecken. Ein sich irgendwie nicht zeigen Wollen aus Angst dafür angefeindet zu werden oder gegen den möglichen Spott nicht schlagfertig genug zu sein. Aber niemand sein zu wollen, weil die anderen einen dafür ablehnen könnten? Irgendwie doch traurig. Und welche anderen überhaupt? Und warum ablehnen?

In den letzten Jahren habe ich mich, würde sagen, der Welt etwas mehr geöffnet und zugewandt. Immer nur alleine in meinem stillen Kämmerlein hocken, das hatte nicht gerade glücklich gemacht.

Irgendwann meinte Alex, mein Kunde, im Videocall dann mal in einem Nebensatz: „Jürgen, du bist ja viel unterwegs. Mir kam da neulich mal die Idee…“

Ich war schon drauf und dran zu entgegnen: „So viel jetzt auch nicht“, aber dann dachte ich: Ach, weißte was? Sollen der Alex und die anderen doch ruhig denken, dass ich viel reise. Scheint ihnen zu gefallen. Und der eine oder andere guckt gerne meinen Status. Fotos mache ich ja auch sehr gerne, lieber noch als zu verreisen.

Irgendwann kam ich dann zum Ukulelespielen. Das machte mir Spaß und war simpel genug, dass selbst ungeduldige Menschen wie ich ein Instrument erlernen können. Auf der Weihnachtsfeier meiner Tischtennismannschaft erwähnte ich dann, dass ich ein paar Tage später über meinen Ukulele-Stammtisch im Kölner Dom sein würde und zusammen mit den Höhnern (und noch hunderten anderen Musikern, das muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden) Weihnachtslieder singen und spielen.

Das klang nach ner Mordsgaudi und deswegen war ich begeistert. Die Jungs offenbar auch: „Du machst was?! Wann? Und kann man das dann irgendwo sehen?“ – „Ja, soll auf Bibel.tv live übertragen werden.“

Es endete damit, dass meine halbe Mannschaft an dem Tag zusah und Nico und Stefan sogar Screenshots aufnahmen, wenn ich kurz im Bild war. Seitdem bin ich für sie Jürgen, der Ukulelespieler.

Und ganz ehrlich, warum denn nicht? Was spricht gegen die eine oder andere Schublade? Dann bin ich halt für andere der Jürgen, der gerne reist, schreibt, Rad fährt, Fotos macht, Ukulele und Tischtennis spielt, viel grübelt und meist etwas links von der Mitte wählt. So what?

Ich glaube, den meisten meiner Freunde und Bekannten ist das nicht nur egal, sie mögen es. Und ich selbst? Lerne langsam auch mich mit diesem Typen anzufreunden. Hat lang genug gedauert, jemand zu sein. Wird aber auch langsam mal Zeit.

Und du? Wer bist du?

*

Anna Golden – Peace

Gilt als Worship und da bin ich immer vorsichtig, aber ist hier ein Hammersong, den meine Yogalehrerin auf ihre Liste gesetzt hat (ja, Yoga mache ich auch noch):

Kategorien
Argh

Wie ich dem Staat einmal 20.000 Euro schenkte

Ehrlich wärt am längsten, heißt es. Schaue ich mir an, wer gerade wegen Veruntreuungen während der Corona-Zeit so alles am Pranger steht, könnte das stimmen. Und dann wiederum hört man nicht umsonst immer: Reiche zahlen keine Steuern. Und nicht zuletzt gilt derjenige als Idiot, der brav seine Steuern abdrückt, um damit Gutes zu tun.

Nun begibt es sich so, dass ich zwar Freiberufler bin, aber auch Pauschalist. Das heißt, meine Haupteinnahme geht auf einen Hauptkunden zurück. Trotz einiger Zusatzprojekte sind die Schwankungen, was da an Einnahmen reinkommt, Jahr für Jahr eigentlich gering.

Umso erfreuter war ich, als meine Steuerberaterin mir für 2022 einiges an Steuern sparte. Nach getätigten Vorauszahlungen und allem bekam ich fast 10.000 Euro wieder. Yeah. Ende 2021 und Anfang 2022 hatte ich mich ja auch selbst zu einer Dienstreise nach Singapur abgestellt, dort für einen Reiseführer recherchiert (den ich immer noch vollenden muss…), und um die Sache wasserdicht zu machen obendrein noch einen Englisch-Sprachkurs dort belegt. Und später im Jahr noch einen Sprachkurs in den Niederlanden obendrauf (Werbekosten en masse). Das Finanzamt stellte zwar Rückfragen, aber dann ging die Sache durch.

Als meine Steuerberaterin mir nun auch für 2023 eine Rückzahlung von 10.000 Euro bilanzierte, wurde ich skeptisch. Denn diesmal war da kein Singapur und keine Niederlande, kein Sprachkurs, keine Einnahmeausfall und eigentlich nichts Außergewöhnliches, was diese Rückzahlungen erklären würde. Ich wollte mit ihr telefonieren, weil ich noch ein paar Rückfragen hatte, zuvorderst, um sie für ihre tolle Arbeit zu loben, zu fragen, wie sie das hinbekommen hat und was ich tun müsste, um wieder ein so steuerarmes Jahr hinzulegen.

Hellhörig wurde ich am Telefon erst, als sie sagte, ich hätte in dem Jahr ja deutlich weniger verdient als sonst und deswegen. Ich sagte: nein, eigentlich nicht. Und ob sie mir das erklären könnte. Ja klar, könne sie. Sie schickte mir ihre Unterlagen dazu, die ich mir übers Wochenende anschauen sollte.

Als ich die Buchungsliste sah, klappte mir die Kinnlade runter. Sie hatte fast jede zweite Rechnung übersehen, es fehlten Einnahmen im (gar nicht so) niedrigen fünfstelligen Bereich. Den Fehler hatte ich nach fünf Minuten entdeckt.

Ich fragte mich, wie das passieren konnte. Ich schicke ihr alle meine Rechnungen quartalsweise rüber, nummeriere sie fortlaufend wie mit „1/2023“, „2/2023“, „3/2023“ usw., mehr als 30 Rechnungen im Jahr sind es selten, eigentlich alle meine Rechnungen sind auch umsatz- und einkommensteuerrelevant. Ihr war dabei nicht aufgefallen, dass sie etliche Rechnungen wie „7/2023“ oder „9/2023“ schlicht übersehen hatte.

Lady, you had one job…

Ich wies sie per Mail darauf hin und blieb dabei möglichst sachlich („… sind offenbar nicht gebucht worden…“). Eine Woche später – jetzt am Montag – dann der Anruf mit einer dicken Entschuldigung. Wegen des Buchungssystems sei da der Fehler passiert, sie haben deswegen noch einmal nachgerechnet und nun bekäme ich für 2023 doch keine 10.000 Euro wieder. (Na sowas…) Es bleibe bei Vorauszahlungen. Aber weil sie nun noch einmal nachgerechnet hätten, sei aufgefallen, dass sie auch 2022 schon Fehler gemacht hätten und deswegen nun eine Nachzahlung von 10.000 Euro für 2022 zu leisten sei.

Geil…

Sie könne verstehen, wenn ich nun verärgert sei und eine andere Sachbearbeiterin wolle. Weil es ja früher schonmal ein wenig Ärger gab (gab es?) könne sie auch verstehen, wenn ich nun eine ganz neue Kanzlei beauftragen wolle.

Wollte ich nicht. Ich bin ja kein Arsch, und Fehler passieren.

Nur doof, wenn so ein Fehler bedeutet, dass am Ende 20.000 Euro weniger auf meinem Konto sind als erhofft…

Doof, dass ich selbst erst den Stein ins Rollen gebracht habe, weil es mich stutzig gemacht hat, statt dass ich Steuer, wie sonst gerne, einfach als Blackbox betrachtet hätte.

Und doof vor allem deswegen, weil die Chance sehr groß war, dass das überhaupt niemals mehr jemandem aufgefallen wäre. Eine Betriebsprüfung hatte ich noch nie, die Steuerberaterin hat es durchgewunken, ihre Chefs haben es durchgewunken und das Finanzamt hat es auch durchgewunken. Nur der Typ, der von Steuern keine Ahnung haben will, hat es nicht durchgewunken und nun eben 20.000 Euro weniger auf dem Konto.

20.000! Was hätte ich mir davon alles kaufen können? Na ja, zum Beispiel den Gebrauchtwagen, den ich mir morgen anschaue… und noch einiges mehr.

Ärgere ich mich jetzt? Erstaunlich wenig. Es war Geld, das mir nicht zustand, ob ich die Gründe dafür nun mag oder nicht, ich hab nach meinem Gewissen gehandelt, ich habe nochmal nachgefragt, weil mir etwas komisch vorkam – gute Journalisten machen sowas. Ich muss nun nicht für die nächsten zehn Jahre um meinen Schlaf bangen, weil doch noch mal irgendwann ein Steuerprüfer draufschauen und den Fehler dann finden könnte. Und wie es dann immer so wäre, hätte ich dann wahrscheinlich gerade keine 20.000 Euro auf der hohen Kante. Jetzt gerade habe ich sie, weil ich mir was gespart habe.

Und ehrlich währt eben doch am längsten, auch wenn es sich im ersten Moment nicht immer so anfühlt. Karma und so. Always remember die Corona-Zeit.

Aber wenn Ehrlichkeit am Ende 20.000 Euro kostet, dann ist das schon ein verfluchter Scheißdreck…

*

Das kann doch nicht euer Ernst sein!

Wie hieß noch mal das Land, in das man so gut auswandern konnte, weil man dort ein Krankenhaus in einer Woche, eine Brücke in zwei Tagen und eine 4-Millionen-Stadt in einem Jahr bauen konnte? Menschenrechte, jaja, aber auch funktionierende Bahntrassen und Schnellzüge mit 500 km/h.

Kategorien
Yeah

Oh, wie schön ist Andor!

Wie immer in letzter Zeit bin ich eher spät dran mit Serien. Das ganze hat seinen Reiz ein Stück weit verloren, die ganz große Serien-Zeit scheint vorbei, was jetzt noch rauskommt, ist sehr oft Stangenware. Aber natürlich gibt es großartige Ausnahmen wie The White Lotus, Severance – oder eben Andor.

Andor ist kein Planet, wie ich anfangs dachte (habe ich mit dem Waldmond Endor verwechselt, auf dem die knuffigen Ewoks aus „Rückkehr der Jediritter“ wohnen). Andor ist vielmehr die Hauptfigur Cassian Andor (Diego Luna), der in der Serie mehr oder weniger unfreiwillig gleich mehrfach zum Revolutionär wird. Einfach, weil er so ist, wie er ist. Er zettelt nicht groß etwas an, er ist kein Mastermind der Rebellion wie die eigentlichen Strategen, die gegen das Imperium aufbegehren.

Andor schlittert mehr oder weniger immer wieder in Situationen, in denen er nicht anders kann als sich aufzulehnen. Er ist nie die treibende Kraft, aber er ist resolut, er bestärkt andere und folgt dann seinem Gespür und seinem Gewissen. Nicht immer heldenhaft, aber immer mutig, immer konsequent.

Die erste Staffel von „Andor“ ist bereits von 2022, und ich habe sie am Wochenende durchgesuchtet. Einfach ein wunderbarer Plot, spannend als Politthriller inszeniert von Tony Gilroy, der auch für die Bourne-Filme bekannt ist. Daneben atemberaubend besetzt mit Stellan Skarsgard, Anton Lesser, Genevieve O’Reilly und eben auch Luna. Selbst für Forest Whitaker war da nur in einer kleinen Nebenrolle noch Platz.

„Andor“ ist praktisch das Prequel zu Gilroys 2016er-Spielfilm „Rogue One“, der wiederum das Prequel zum ersten verfilmten Star Wars, also Episode IV „Eine neue Hoffnung“, ist. Kurz vor Vollendung des ersten Todessterns. Bisschen kompliziert, aber Star-Wars-Fans wissen Bescheid. 🙂

Hab die 12 Folgen sehr genossen und musste mich bremsen, nicht auch sofort mit Staffel 2 anzufangen, sondern das alles erstmal etwas sacken zu lassen. Hat die Serie auf jeden Fall verdient.

*

Okay, es ist also so weit: Das iPad wird zum Mac, zumindest fast. iPadOS 26 erhält eine Menüleiste, eine Vorschau, ein neues Design für die Dateien-App, die dann wie auf dem Mac aussieht, die gleiche Designsprache, auswählbare Audioquellen, anpassbare Fenster. Der Mac mit Touch, der nie sein durfte, ist jetzt also praktisch da. Warum auch nicht.

Der Rest der WWDC 25 sieht übrigens nicht so spektakulär aus. Die Systeme heißen jetzt wie das Jahr, in dem sie hauptsächlich aktiv sein werden: iOS 26, macOS 26, iPadOS 26, tvOS 26… Es gibt für alle Systeme eine einheitliche Designsprache namens Liquid Glass – und die ist echt hübsch geworden:

Sonst? Nicht viel. Wenig KI, Apple Intelligence hängt noch weit hinterher, der Rest sind auf den ersten Blick eher kleine Anpassungen. Bis eben auf das neue Design und das Mac-iPad. Zumindest darauf bin ich gespannt.

Kategorien
Right

Das Leben ist ein seltsames Spiel

Mir neulich mal wieder bewusst geworden, dass ich in meiner Freizeit eigentlich kaum mal etwas spiele. Brettspiele mit anderen schon selten, aber fast noch häufiger als Computerspiele, was für andere das Höchste ist. Ist nach dem C64 nie wieder richtig mein Ding geworden, viel auch, weil ich irgendwann wusste, dass da zu viel Zeit bei draufgeht.

Manchmal blicke ich aber schon fast ein wenig neidisch auf alle, die mal eine Call-of-Duty-Phase hatten (nie gespielt), die Fallout (auch nicht), The Last of Us (no, no, never) oder anderes mal gezockt haben. Dadurch ist mir auch viel entgangen.

Was mache ich dann als Single ohne Kinder und große Karriereambitionen mit meiner ganzen Freizeit? Na ja paar so Sachen, z.B.:

  1. Dating
  2. Ukulele
  3. Tischtennis
  4. Nach einem Gebrauchtwagen suchen
  5. Lesen
  6. Ein Buch schreiben

Und vielleicht ahnst du schon, worauf ich jetzt hinaus will. All das kann man auch als Spiele begreifen, muss man eventuell sogar:

  1. Dating: Was du da alles falsch machen kannst und auch erst mal lernen musst, über dich, über andere, über das Flirten, über das richtige Kommunizieren, das Treffen IRL. Wie du lernst, besser darin zu werden, alles nicht mehr so ernst zu nehmen und das Ganze – nun ja – spielerischer zu sehen.
  2. Ukulele: Ich spiele jeden Tag ein paar Minuten auf dem Instrument, meistens Songs, die mir gerade in den Sinn kommen und wodurch ich immer ein paar neue Akkorde lerne. Es ist toll zu sehen, wie man darin über die Zeit immer besser wird, wie in einem Computerspiel.
  3. Tischtennis ist ohnehin ein gamifizierter Sport. In Deutschland gibt es ein Punktesystem, das ungefähr deine Spielstärke anzeigt. Ich hatte neulich 1500 Punkte, jetzt wieder etwas weniger, und ich will dort wieder hin. Irgendwie will man das. Dazu will ich mehr trainieren und mehr Spiele gegen andere Gegner machen.
  4. Okay, ein Autokauf als Spiel betrachten… Zumindest als etwas, in dem man besser werden kann. Nachdem ich mit ChatGPTs Hilfe neulich von einem Gebrauchtwagenkauf Abstand nahm und mich seitdem bei Freunden und –wieder – ChatGPT nach geeigneten Modellen erkundige und dabei immer mehr über Autos lerne, besser darin werde, wie bei einem Spiel.
  5. Lesen: Zuweilen lese ich vier Bücher gleichzeitig. Auch eine Art von Spiel. Und ich habe das Gefühl, dass ich mit etwas Training schneller lese, mehr Dinge behalte, viel lerne und Lust habe, weitere Bücher zu lesen.
  6. Ein Buch schreiben. Okay, was ich da gerade als Buch verzapfte, ist mehr oder weniger ein Tagebuch. Und sollte das irgendwann mal als echter Roman rauskommen, muss da noch viel dran gefeilt und anonymisiert werden. Vor allem aber muss da noch mehr Tiefe, Variation, ja, Spiel rein. Und Literaturtechniken nähert man sich eher spielerisch.

Okay, und dann noch die ganzen Scharaden auf der Arbeit, Dinge automatisieren, ähnlich wie Spielen, um besser darin zu werden, Herausforderungen zu meisten.

Also ja, eigentlich spiele ich genug. Und du? Bleibt natürlich die Frage, was mit echten Gaming-Leckerbissen wie GTA ist, von dem der sechste Teil immer näher rückt. Würde ich schon auch gerne spielen. Aber woher die ganze Zeit nehmen, wenn das ganze Leben schon irgendwo ein Spiel ist?