Scheinen zusammenzuhängen. Ersteres nagt – zumindest bei mir – an zweitem. Heute bei einem Spaziergang kam mir zum ersten Mal in den Sinn wieso. Ich versuche bei Stress alles schneller zu erledigen, wirke gehetzt, husche so durchs Leben, achte nicht auf meine Körperhaltung, nehme mir auch wenig Zeit, für mich selbst einzustehen und meine Bedürfnisse überhaupt zu erkennen.
Was hilft da außer Achtsamkeit und Meditation? Bei mir noch ein wenig: Regelmäßigkeit und kleine Ziele:
Ich habe wieder angefangen, täglich 10.000 Schritte zu gehen. Die Fitbit Charge 6, die ich gerade teste, hilft mir dabei.
Mal wieder bisschen abnehmen und gesünder essen. Ich hab gut zugelegt, die letzten Monate, weil ich hauptsächlich aus der Pfanne gegessen habe. Hab irgendwo gelesen: Ersetze Pfanne standardmäßig durch Topf und schon wird dein Essen gesünder. Probiere ich aus. 1 kg ist schon runter, woher genau, weiß ich nicht.
Lesen. Ich lese gerade noch einmal das Reisebuch „Hinter dem Horizont Rechts“, wo einer mit dem Motorrad bis nach Australien gefahren ist. An den meisten Tagen schaffe ich 50 Seiten.
„Die drei ???“ hören. ??♂️ Macht mir gerade irre Spaß. Spotify hat sehr viele (alle?) Folgen, und eine Folge lässt sich gut in den Nebentätigkeiten eines Tages (Duschen, Kochen, Kaffee zubereiten, auf Couch chillen) unterbringen. Nur beim Essen bleibe ich dabei, dass ich esse und sonst nichts.
Ob’s hilft? Ich weiß nicht. Spätestens nächste Woche ist ja wirklich Herbst, und die Umstellung bekommt mir für gewöhnlich nicht. Es wird wohl mal wieder ein Kampf werden.
Zum ersten Mal sehe ich mittlerweile wirklich Licht am Ende des Tunnels. Ich lese meine letzten Bücher weg, ich organisiere meine Finanzen, gehe alte Erinnerungsstücke durch. Das Final-Minimieren wird schon noch ein paar Monate dauern (und ich weiß, genau das schreibe ich hier immer wieder), aber das Ende ist diesmal wirklich absehbar. Mittlerweile deutet sich sogar an, dass ich am Ende auch mental gestärkt da herauskomme. Es ändert sich gerade viel, und das ist gut so.
Was ich mich angesichts der anstehenden Freiheit neulich mal gefragt habe, ist: Wenn weder materieller noch seelischer Ballast da sein sollten, was wird aus der freigewordenen Energie? Gehe ich neuen Hobbys nach und, wenn ja, welchen? Dinge ausmisten, also Minimieren, ist ja schon auch irgendwo ein Hobby geworden. Auch wenn das wegfällt, dürfte Potential freiwerden. Lese ich dann lieber als jetzt, zeichne ich, sammle ich etwas oder erfreue ich mich am Nichtstun? Jemand hier unter euch, der in der Lebensmitte noch ein völlig neues Hobby für sich entdeckt hat?
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Zum Sport verdammt
Zum x-ten Male habe ich mir gerade mal wieder den Nacken verzogen. Ärzte, Physios, meine Ex (Ergotherapeutin), sie alle sagten im Grunde dasselbe: Stärke deine Körpermitte, und das machst du am besten mit entsprechendem Sport: Rückenkurs, Core-Training, Yoga, Pilates, wenn es sein muss.
Ich bin auch schon drauf und dran, mich wieder für ein Fitnessstudio anzumelden, sobald das abgeklungen ist. Es ist nur das erste Mal, dass ich zum Sport wirklich gezwungen bin, weil es aufgrund von Alterserscheinungen nicht mehr anders geht. Oha.
(Na gut, das zweite Mal. Vor ein paar Jahren hatte ich dauerhaft so starke Rückenschmerzen, dass ich irgendwann mit dem Radfahren und allgemein Bewegen, sprich: Spazieren, anfing. Es hat Wunder gewirkt und viele spannende Reisen seitdem begünstigt. Man kann das also durchaus positiv sehen. Ich bewege mich ja auch gerne.)
Weil so vieles in der Schwebe hängt – und ich auch gar nicht alles erzählen möchte, was so los war. ??♂️ Beratungsgespräch wegen Ehrenamts gehabt, lief gut. Harry sitzt immer noch da unten, und man hat ihm sogar das Portemonnaie geklaut. ? Mir fehlt leider oft die Zeit, ihn noch weiter zu unterstützen, das notwendige Wissen sowieso. Es geht nur in mühseligen Schritten voran.
Normal würde keiner obdachlos werden, weil er keine Wohnung finde, sagte die Beraterin über das Ehrenamt noch. Aber ich erlebe es gerade live, wie da jemand auf der Straße wohnt, unter anderem auch, weil der Amtsschimmel Monate braucht, um ihm das Bürgergeld, das ihm zusteht, erstens zu bewilligen und zweitens auch auszuzahlen. Da kann es also doch passieren, dass einer solange auf der Straße wohnt.
Dass in der Politik überdies zu wenig für bezahlbaren Wohnraum getan wird und sich nicht nur die jetzige, auch die vorherige Regierung gar nicht erst wirklich an eine Lösung des Problems gewagt hat, liest man wohl an den aktuellen Landtagswahlen in Bayern und Hessen ab. Einerseits konsequent, dass man die Fehler von CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP abstraft (wobei die CDU in Hessen ja sogar zugelegt hat, und was hat die nochmal für bezahlbaren Wohnraum getan, als sie noch an der Macht war?).
Andererseits kriege ich das Kotzen, wenn ich Bilder von feiernden AfD-Politikern sehe. Die regierenden Parteien machen es nicht gut (von einem Versagen würde ich aber noch lange nicht sprechen), eine ernstzunehmende andere Protestpartei gibt es nicht mehr (was machen eigentlich die Linken so?), also halten die Leute Rechts plötzlich für wählbar? Das ist entwürdigend. Ich dachte, wir wären besser als das.
Die Bilder aus Israel stimmen auch alles andere als fröhlich. 260 Tote bei einem Massaker auf einem Festival (!), der israelische Armeesprecher Arye Shalicar vergleicht das Vorgehen der Hamas-Kämpfer bei diesem Überfall mit den Todesschwadronen des Islamischen Staats. Und in Deutschland feiern einige diesen menschenverachtenden Überfall. Selbst in Bonn gab es vorhin Autokorsos. Auch hier dachte ich, wir wären besser als das.
Was ich trotzdem nirgendwo in den deutschen Medien heute gefunden habe: einen Hintergrundbeitrag, der das ganze Geschehen vernünftig einordnet. Was sind jetzt die Hintergründe für die Eskalation der Gewalt? Wer hat die Angriffe koordiniert? Und warum diese neue, massive Form der Gewalt auch gegen Zivilisten, das an den Islamischen Staat erinnert? Lediglich Zeit.de hat sich dem Thema gewidmet, die Beiträge sind aber alle hinter der Bezahlschranke versteckt…
Ungesundes Essen habe ich mittlerweile auch durchgespielt. Langsam wäre es mal gut, bisschen in die andere Richtung zu gehen. Seit ich mehr auf meinen Körper höre, sagt der mir auch interessante Dinge, wie, was eigentlich gerade ganz angebracht wäre und wie man es vernünftig würzen könnte. Ich weiß nicht, woher der das plötzlich weiß…
Also gesund kochen, trotzdem nicht zu viel Zeit für alles verwenden – und Rezepte aufschreiben, sagte man mir heute. 😉 Ich kam auf folgendes Rezept für selbstgemachten Kartoffelstampf:
1 Glas geschälte und vorgekochte junge Kartoffeln. Gab’s beim Rewe, gar nicht mal so teuer, 1,29 Euro das Glas. Die Kartoffeln abgießen, in einen breiten Topf geben und mit einer Gabel zerdrücken (falls wie bei mir ein Stampf nicht vorhanden)
Mit bisschen Hafermilch (oder echter Milch) aufgießen, erhitzen
Würzen mit Muskatnuss (nicht zu viel ?, ich musste welches wieder rausschöpfen), Rosenpaprika, einer Ecke Butter, einmal mit dem Salzstreuer drübergehen. That’s it.
Schmeckte erstaunlich gut.
Ich bin großer Freund von vorgekochten Kartoffeln, Pasta oder Reis. Spart unfassbar viel Zeit und gelingt immer. Kaufe ich in Angeboten oder zur Not eine Billigmarke.
Dazu gab’s übrigens Sauerkraut aus der Tüte und vegetarische Nürnberger. Keine 10 Minuten, und alles war fertig.
Mir fehlen weiterhin die Ideen. Es müsste eine App geben, die einem täglich drei Ideen für 1 personalisiertes gesundes, leckeres Schnellgericht rüberschickt.
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Hab im Trendblog heute über das neue Google Pixel 8 Pro geschrieben. Es hat einen magischen Editor. Der magische Radierer in der Vorversion konnte per Knopfdruck Personen und Gegenstände aus einem Bild löschen, die man dort nicht haben wollte. Das war schon nice. Mit dem magischen Editor könnt ihr jetzt Personen und Gegenstände in einem Bild neu anordnen. Dave steht zu weit links und ist außerdem sehr klein? Kein Problem: Rücken wir ihn mehr nach rechts und machen ihn größer:
Das dürfte die Fotografie ganz schön verändern. ?
Apples neuere iPhones können das übrigens im Prinzip auch, also Personen von Hintergründen lösen. Anders als Google weiß Apple damit aber noch nicht wirklich was anzufangen…
Best Take ist außerdem eine Funktion, die von einer Personengruppe eine Bilderserie aufnimmt und dann von jeder Person das beste Motiv in einem Bild zusammen“merged“:
Das wird aber noch etwas dauern, bis das gut funktioniert. Schon im Demofoto sieht das in den Umrissen um die Gesichter herum nicht gerade sauber aus (schaut mal genau hin!), und das Grinsen der Eltern auf dem Bild erinnert mich an das Musikvideo von Black Hole Sun. ?
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Ich mache solange Fotos mit dem iPhone 15 Pro. Sehen auch ganz anständig aus:
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Jetzt will ich aber was sehen!
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War einer der ganz Großen! Wer weiß, ob Filme mit Terence Hill (der im Original ganz anders klingt) ohne ihn überhaupt so ein großer Erfolg geworden wären. RIP! ?
Hier ist Danneberg, der natürlich auch schauspielen konnte, in einem alten Film in einer Szene mit Klaus Kinski (!) zu sehen:
Ich war immer schon ein Grübler. Was ich daran mag: dass ich mittlerweile auf Lösungen komme. Das war jahrzehntelang nicht der Fall. ? Aber gut, besser jetzt als erst mit 90.
Schreiben hilft dabei. Legt euch ein Erfolgsjournal an oder wartet, bis Apple die Journaling-App für iOS 17 nachreicht! (Angeblich noch vor Weihnachten, da wird man sie auch brauchen.)
Es ist konstruktiver. Ich bin konstruktiver geworden. Deswegen heißt dieses Blog auch nicht mehr Leidartikel.de, sondern Aventurer.com, wobei ersteres schon der coolere Name war…
„Moin Jürgen, wir stehen am Pawlow. Komm jetzt!“
Schrieb mir Thorsten vorhin (von dem ich seit Wochen nichts gehört hatte) und rief kurz danach an.
Auch Felix meldete sich neulich (nach Jahren!) ähnlich. „90er-Party im Nyx nachher?!“ Eine Viertelstunde später kam er mit drei Bier vorbei (weil Joachim auch gerade zu Besuch war).
Bitte hört nie auf, spontan zu sein!!!
Auch nicht mit 80!
Erwartet aber bitte trotzdem nicht, dass ich zu allem immer ja sagen kann. Zur 90er-Party gingen wir tatsächlich noch. Thorsten musste ich heute absagen, weil ich noch krank bin – und ich weiß, dass wir uns am Sonntag auf einer Weinwanderung sowieso sehen werden. Wird also nachgeholt!
Es war nett am Telefon. Sage ich selten, aber wenn beide Seiten die Belange des anderen respektieren, kann man fröhlicher da heraus gehen, als man vorher war.
Die VHS Bonn hat richtig coole Kurse zum Teil. Hab mich für welche angemeldet, darunter ein „English Christmas Singalong“ kurz vor Weihnachten, weil ich weiß, dass es richtig schöne englische Weihnachtslieder gibt and because: why not?
Es beginnt nämlich die kalte und dunkle Jahreszeit. Und wenn ich eins in der Vergangenheit gelernt habe, dann, dass ich da unter netten Menschen sein will. Ja! Ich!!
Um da mitsingen zu dürfen, sollte man vorher einen Englisch-Sprachtest machen. Na denn…
Wurde wegen zwei, drei kleiner Fehlerchen unter (ziemlichem!) Zeitdruck auf B2-Niveau runtergeschätzt. Frechheit!1!!11
Zwei meiner Exfreundinnen waren Muttersprachlerinnen, ich hatte Englisch-LK, gucke seit 20 Jahren Filme und Serien nur noch im Original. I am very proud of my Jerman äksent. Und dann B2… ? Passt lieber euren Test an!
iOS 17 schlägt mir als Hintergrundbild Fotos der Exfreundin vor. Hat man dann davon…
Ehrenamt-Beratungsgespräch am Freitag!
Mein restlicher noch auszusortierender Krempel:
Jepp, das Ende ist buchstäblich in Sicht.
Heute wäre ein Brückentag möglich gewesen. Morgen ist Feiertag. Ich arbeite an beiden Tagen. Und es ist erstaunlich, wie viel entspannter es sich arbeitet, allein mit dem Gedanken, dass eigentlich gar nicht gearbeitet werden muss. ?
Ich bin darin auch kurz erwähnt als Nachbar, der immer mal wieder nach ihm schaut und sich fragt, ob und wer von der Stadt sich eigentlich um ihn kümmert.
Lisa Inhoffen, die GA-Redakteurin, hat das richtig gut gemacht, finde ich. Sie hat die zuständigen Stellen kontaktiert und herausgefunden, dass er schon Betreuer hat, von einigen allerdings keine Hilfe annehmen will. Ihm ist demnach nun Bürgergeld bewilligt worden – wenn auch erst vor zwei Wochen, als Harry schon rund zwei Monate auf der Straße lebte. So langsam mahlen die Mühlen dann doch. Der zuständige Betreuer kümmere sich demnach darum, dass Harry das Bürgergeld nun auf ein Konto überwiesen wird, das erst noch eingerichtet werden muss. Da sie Harry das Smartphone ja gestohlen haben (?) wird es für ihn auch schwer, online darauf zuzugreifen. Mir sagte er, dass er jemanden kenne, bei dem er vorübergehend einziehen könne. Er brauche nur das Geld dafür. Wenn ihm das Bürgergeld ausgezahlt wird, müsste das dann ja eigentlich möglich sein. Bin jetzt gespannt, wie lange er da noch sitzen wird/muss.
Ich hab ihn vorhin nochmal besucht. Er hat sich über den Beitrag gefreut und mir noch einmal sehr herzlich gedankt. ? Ich hab den Dank an Frau Inhoffen weitergegeben. Und feiern tun wir eh erst, wenn er da nicht mehr sitzen muss oder, wie Harry sagt, „der Wahnsinn hier ein Ende hat“. Der Witz ist: Ich würde ihn vermissen, alleine schon als tollen Gesprächspartner, und ich glaube, viele andere Leute, die ihn regelmäßig besuchen, mittlerweile auch.
Die Geschichte um Harry, die Begegnung mit der alten Frau neulich… Vielleicht passiert ja nichts durch Zufall auf dieser Welt. Ich glaube, mir hat etwas gefehlt. Ich habe Frau Inhoffen gefragt, ob ich sie bei solchen Geschichten mal unterstützen kann. Und hab mich außerdem um ein Ehrenamt beworben (Beratungsgespräch ist am Freitag). Ist noch nichts beschlossen, aber wäre auf jeden Fall was, mich im Herbst mal ein wenig karitativ zu betätigen.
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Das iPhone 15 Pro macht richtig tolle Bilder ?:
Das iPhone 14 Pro aber auch ?:
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Heiteres Suchspiel: Finde den eigentlichen Content auf dieser Seite:
Es scheint die Zeit des Jahres zu sein, in der die Webanbieter wieder Kohle brauchen. ?
Stimmt übrigens irgendwie nicht. Das ist im Intro doch kein Am nach dem G, sondern ein viel höherer Akkord, den die da spielen. ? Wenn ich nur wüsste, welcher.
Für einen Pop-Act haben Florence + the Machine übrigens einige Songs, die mich regelmäßig richtig packen. Wie auch immer die das machen.
… war offenbar das, was ein Nachbar mit Harry, „meinem“ Obdachlosen direkt vor seiner Tür, vorhatte. Er rief zum wiederholen Male das Ordnungsamt, das kam und Harry eine Frist setzte: bis um 1500 Uhr heute bist du da weg, sonst räumen wir dich da weg!
Als er mir das heute Morgen erzählte, setzte ich mich erstmal dazu und wir redeten eine Weile niedergeschlagen miteinander. Und was er jetzt tun wolle, fragte ich. Na ja, er würde sich halt eine neue Ecke irgendwo suchen. Ich wusste: ich muss das irgendwie verhindern, hatte aber keine Ahnung wie. Mit diesem Behördenkram kenne ich mich null aus. Ein weiterer Bekannter von Harry kam vorbei und forderte, recht aggressiv, er müsse jetzt was tun, ins Obdachlosenasyl gehen oder so. Dar war er schon mal, sagte Harry, will er nie wieder hin. Wenn man die Geschichten, was sich dort abspielt, mal gehört hat, kann man verstehen warum. Ich musste den Kopf freikriegen und ging eine Runde.
Ich würde jetzt gerne schreiben, wie ich heroisch auf die Lösung stieß und Harry da wegrettete. Aber so war es leider nicht. Mir fiel überhaupt nichts ein, was ich tun konnte, außer zwei Dingen: noch ein letztes Mal beim Generalanzeiger um Hilfe zu bitten. Und: einen Anzug anzuziehen, mich mit meinem Laptop statt Harry dahinzusetzen und auf das Ordnungsamt zu warten. Mal sehen, ob die einen Hipster mit MacBook da genauso entschlossen verscheuchen.
Nach meiner Runde ging ich zu Harry, bat ihn darum, ein Foto von ihm aufnehmen zu dürfen (durfte ich) und schickte es noch einmal an meinen Kontakt beim GA, nach dem Motto: jetzt oder nie. Ich duschte, zog mir den Anzug an und ging runter. In der Zwischenzeit hatte sich der GA-Redakteur tatsächlich bei mir gemeldet. Er entschuldigte sich, er war und sei im Urlaub, schicke aber eine Kollegin vorbei. Die kam dann auch wenig später tatsächlich, während wir da saßen, schien sich sehr gut mit der Materie auszukennen, befragte Harry und auch mich und versprach, sich um die Sache zu kümmern. Das Ordnungsamt allerdings, vermutete sie, würde wohl nun nicht mehr kommen. Die hätten vor einer halben Stunde Schichtwechsel gemacht.
Wir warteten noch eine knappe Stunde bis nach 1500 Uhr. Es kam wirklich niemand mehr vom Ordnungsamt, nur noch eine Frau, die Harry Lebensmittel brachte. Er bedankte sich bei mir, und ich zog von mit MacBook und Rucksack wieder von dannen.
Ich kann gar nicht sagen, wie weltfremd ich mir vorkam, während ich da saß und die GA-Redakteurin Fragen auch an mich stellte, wie: „Haben Sie und die anderen Nachbarn da mal zusammen versucht, etwas für ihn zu tun? Oder sich bei der Stadt gemeldet?“ Nein, haben wir nämlich nicht. :(( Und ob das, was ich da jetzt unternommen habe, nicht unfreiwillig komisch war – hat sie nicht gefragt, aber ich mich selbst: Und ja, war es wohl. Aber auf eine Sache bin ich stolz: Die Entschlossenheit, mit der ich diese kleine Aktion heute durchgezogen habe. Das kannte ich von mir gar nicht.
*
Lightning Crashes: Gewitterfotos mit dem Smartphone aufzunehmen, ist einfacher, als manch einer denkt:
Live-Fotos einschalten > auslösen, sobald du den Blitz siehst > kurz warten > Aufnahme ansehen > vom Stapel das gewünschte Foto auswählen (einige Smartphone-Cams suchen auch automatisch das beste Bild einer Reihe aus, was in dem Fall der Blitz ist).
Grund ist: Bei einer Live-Aufnahme beginnt die Smartphonekamera schon 2-3 Sekunden VOR dem Auslösen mit der Aufnahme und erstellt ein Video oder eine Bildreihe, auf der dann auch der Blitz vorkommt, selbst wenn der nur kurz zu sehen war:
Idee: Out-of-the-Office-Reply einfach dauerhaft eingeschaltet lassen, nur die Daten alle zwei Wochen ändern. ? Möglicher Effekt: keiner belästigt dich mehr mit E-Mails, freut sich aber umso mehr, wenn du ihm aus dem Urlaub heraus doch antwortest, fasst sich dann aber kurz oder sagt: „ist auch gar nicht so wichtig, kläre ich schon selbst“.
Heute mal etwas Praktisches, das ich gerade in mehreren Bereichen meines Lebens probiere: ungute Glaubenssätze mit besseren überschreiben. Das Prinzip ist eigentlich geradlinig:
1. Ermittle dein Problem, zum Beispiel:
Ich trau mir nichts zu.
Mir hört nie einer zu.
Ich werde immer übersehen.
2. Horche in dich hinein und beginne zu schreiben. Schreiben hilft, Gedanken freizusetzen. Schreibe auf, welche Glaubenssätze damit verknüpft sind und woher sie wahrscheinlich kommen. Setze diese Glaubenssätze ganz bewusst in Anführungszeichen, um sie als etwas zu kennzeichnen, das gedacht wurde, aber kein Fakt ist. Zum Beispiel:
„Ich bin nichts wert“ -> Elternhaus, Lehrer haben es mir gesagt, Freunde/Partner haben mich im Stich gelassen.
„Ich bekomme nichts auf die Reihe“ -> Ich war pleite, hab mein Studium abbrechen müssen, im Job werden andere bevorzugt
„Ich werde ja eh wieder verlassen“ -> wurde ich oft, immer rennen mir die Männer/Frauen fort, ich kann machen, was ich will
3. Abstrahiere ehrlich und fair, auch dir selbst gegenüber. Ist es wirklich so schwarz-weiß? Stimmt das denn überhaupt? Was könnten die Ursachen dafür sein? Und was hättest du Anderes tun können? Schreib deine Gedanken wörtlich auf:
Na ja, das eine oder andere kann ich schon: Lesen, Schreiben, den „Schimmelreiter“ auswendig vorsagen.
Der Lehrer, der das damals sagte, war auch ein komplettes Arschloch. Das hat mich so verunsichert, dass ich mir eine Weile wirklich nichts mehr zugetraut habe und auch andere bescheuerte Lehrer in den Kanon einstimmten.
Gegen den Lehrer in meinem Alter mit meiner Unerfahrenheit hatte ich keine Chance.
Paar Dinge habe ich schon erreicht, zum Beispiel den Motorradführerschein bestanden.
Es haben mich nicht wirklich alle grundlos sofort wieder verlassen. P. etwa ging erst nach einem heftigen Streit nach zwei Jahren in unserer Beziehung. Beziehungen danach bin ich eventuell weniger ernst angegangen.
Eventuell habe ich aber auch einfach zu sehr geklammert.
Meine Ausbildung habe ich vor allem abbrechen müssen, weil in der Zeit meine Mutter gestorben ist und mich das völlig aus der Bahn geworfen hat.
Vielleicht würde ich es beim nächsten Mal schaffen, den Spanischkurs zu bestehen, wenn ich etwas mehr Ehrgeiz entwickle.
4. Erstelle dir eine Liste positiver Glaubenssätze und konstruktiver Vorschläge:
Ich kann einiges, wenn man es mal addiert.
Bisher habe ich eigentlich noch jede Krise irgendwie durchgestanden.
Ich werde den Kurs diesmal schaffen, indem ich erstmal jedes Mal hingehe.
Italienisch kann ich am besten morgens vor der Arbeit lernen.
Mittwochs schlafe ich aus, das hilft mir, die Wochen besser zu überstehen
Ich muss nicht jedem gefallen.
Wenn ich schneller Rad fahren will, muss ich mich mehr nach vorne lehnen.
Wenn du jetzt „Affirmationen!“ sagst, dann stimmt das – fast. Einige Lebenshilfe-Literatur rät dazu, dir z.B. Post-its mit der Aufschrift „Ich seh super aus“ auf den Badezimmerspiegel zu kleben. Ich finde das so aber zu holzhammerartig. Wenn es aus der Luft gegriffen ist, wirkt es auch auf dich nicht überzeugend. Lieber etwas länger, detaillierter und echter in eine Liste packen, wie: „Ich habe schon Komplimente für meine Stupsnase bekommen. / Ich hab dichtes Haar und mag das eigentlich. / Ich habe schöne Augen, haben mir meine Partner immer gesagt“.
5. Erstelle dir eine Notiz auf deinem Smartphone mit dem Titel „Babysteps“. Hier listest du täglich stichpunktartig alles auf, was dir in deiner Sache an diese Tag Gutes widerfahren ist:
Hab die Französisch-Lektion 3.1 beendet
Bin am Tresen endlich mal als erster bedient worden
Kollege X hat mich angelächelt.
Hab 3,40 Euro gespart, indem ich einfach mal keine Zeitschrift gekauft habe, die ich eh nicht gelesen hätte.
Die Einträge müssen weder immer mehr werden, noch sich steigern. Wenn dir an einem Tag nichts Gutes passiert ist, ist das zwar schade, aber hierfür nicht schlimm. Die Liste hilft dir, dein Selbstbewusstsein zu steigern. Und, ja, das ist im Grunde das, was ein Erfolgsjournal auch ist. Kannst du gerne statt dessen benutzen.
6. Nimm dir Zeit! Große Veränderungen, die dauerhaft Bestand haben sollen, schafft man nur nach Monaten, nicht ein paar Tagen.
7. Und das ist die wahrscheinlich wichtigste und doch undankbarste Übung: Wiederhole! Schaue am besten täglich in deine Liste positiver, neuer Glaubenssätze und deine Babysteps-Liste. Hämmere dir diese Glaubenssätze ein und vergewissere dich, dass dir auch Gutes passiert.
8. Halte durch! Der Tag wird kommen, an dem sich das alles falsch anfühlt, als wärst das nicht du. Das ist wahrscheinlich der Moment, in dem einige deiner neuen Glaubenssätze schon greifen, du andere aber noch nicht verinnerlicht hast. Auch so werden Rückschläge kommen, es werden Tage kommen, an denen gar nichts läuft. Aber wenn du alle Punkte dauerhaft befolgst und deine Aufzeichnungen immer wieder durchgehst und wiederholst, ist es beinahe unmöglich, dass es bei dir nicht langsam aufwärts geht. Wenn etwas nicht gut läuft, erinnere dich daran, dass du ja noch im Training bist und gar nicht alles perfekt laufen kann.
–
Seit ein paar Wochen nehme ich Tischtennistraining bei einem Privatcoach, und habe mir angewöhnt, nach jeder Trainingssession die wichtigsten Punkte herauszuschreiben, die er mir gesagt oder die wir gemeinsam ermittelt haben. Es sind einfache Merksätze wie „Topspin auf Unterschnitt nach oben ziehen“ oder „Aufschlag halblang auf Vorhand servieren“. Vor jeder Trainingsstunde gehe ich alle Aufzeichnungen noch einmal durch. Und mir fiel auf, dass ich in Stresssituationen – also in Turnier- oder Meisterschaftsspielen, in denen es eng wurde – einige dieser Affirmationen wieder ausgraben und anbringen konnte. Das hat mir tatsächlich schon geholfen, den einen oder anderen Satz zu gewinnen, den ich sonst wahrscheinlich verloren hätte.
Für Sport ist die Methode geradezu prädestiniert. Jetzt gerade probiere ich sie aber auch für ein selbst erstelltes Selbstbewusstseins-Training aus. Und der Erfolg in den ersten fünf Tagen ist verblüffend. Jetzt heißt es nur noch: Punkte 6-8: Geduld haben, Rückschläge einkalkulieren, durchhalten! Denn damit es eine positive Gewohnheit wird, dauert es. „It takes 30 days to build a habit – and three days to destroy it“, sagt ein Sprichwort. Vor allem, wenn der Herbst kommt und alles plötzlich möh wird und die Energie raubt. Ich glaube aber, dass es möglich ist, und ich werde berichten!
Dass ich mir jedes Jahr etwa um diese Zeit den Nacken verziehe, wie heute Morgen… hätte es mit 25 schon nicht gegeben, aber na gut. Und da begegnete mir bei einem kurzen Mittagsspaziergang diese alte Frau auf der Straße. Mit Gehstock halb an der Wand ihres Hauseingangs lehnend.
„Werden Sie bloß nicht alt!“, rief sie mir zu.
„Ich versuche, es hinauszuzögern“, entgegnete ich mit einem Augenzwinkern und wollte schon weitergehen. Aber dann wollte ich doch noch mehr erfahren.
„Wissen Sie, wenn Sie alt sind, ist gar nichts mehr schön. Sie kommen nirgendwo mehr hin und Sie haben niemanden mehr, mit dem Sie sich unterhalten können.“
„Na ja, wir unterhalten uns doch gerade. Aber glauben Sie es mir oder nicht, ich kann das sehr gut nachvollziehen.“
„Ja, wissen Sie. Es sind schon solche Dinge, dass es keinen mehr gibt, der Sie versteht. Fast alle meiner Freunde und Bekannten sind tot, und die, die es noch nicht sind, sind meistens balla-balla im Kopf.“
„Aber Sie können doch immer noch Leute kennenlernen. Es gibt doch Aktivitäten und sicher so Treffs.“
Sie winkt ab. „Wissen Sie, was da dann für Leute sitzen? Die reden den ganzen Tag über nichts Anderes als Ihre Gebrechen.“
„Nun ja, das tut man in meinem Alter langsam auch schon… ?? Aber ist doch immer noch besser, als den ganzen Tag alleine zu sein. Wohnt Ihre Familie denn hier?“
Sie schüttelt den Kopf: „Mein Mann ist tot, meine Kinder und Enkelkinder wohnen woanders. Wissen Sie, ich hab alles getan, um fit zu bleiben. Ich hab Arabisch gelernt, Französisch, Spanisch… bin immer gerne Auto gefahren – ich bin schon in New York mit dem Auto über den Broadway gefahren! Aber heute komme ich nirgendwo mehr hin, ich kann ja nicht mal mehr Auto fahren.“
„Sie können ja noch spazieren gehen, dann wird es zumindest nicht schlechter.“
Sie deutet auf ihren Gehstock: „Na ja, weit komme ich damit nicht.“
„Versuchen Sie’s! Geben Sie nicht auf! Bleiben Sie fit!“, rufe ich ihr noch zweckoptimistisch zu, dann verabschiede ich mich, in Gedanken versunken.
Als ich Mitte zwanzig war, habe ich mir über das Altwerden gar keine Gedanken gemacht. Es gab die Alten und die Jungen. Wir haben die Alten nicht direkt verlacht, aber sie waren mir immer irgendwie im Weg, haben komisch gewählt, sonderbare Dinge gemacht, um sich zu amüsieren. Dass ich irgendwann selbst mal einer von ihnen sein würde – der Gedanke ist mir nie gekommen. Selbst diejenigen im Verein, die 15, 10 oder auch nur 5 Jahre älter waren, waren irgendwie ein ganz anderes Klientel, aber kaum jemand, bei dem ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre, sie mal zu ner Party einzuladen.
Ich habe ein paar Positivbeispiele fürs – sagen wir – In-Würde-Altern. Meine Mutter ist Ü80, macht Sport, kümmert sich um die Enkel, widmet sich den neuen Medien und unternimmt noch richtig viel. Der 86-jährige alte Fuchs, gegen den ich neulich mit 0:3-Sätzen im Tischtennis verloren habe. Mein ehemaliger Chef in Singapur (ein ausgewanderter Deutscher), der mit 70 noch seine damalige, kleine Agentur betrieb (und sie mit weit über 80 auch noch hatte). Nicht weil er musste, sondern weil er wollte.
Man versucht fit zu bleiben, geistig wie körperlich – aber klar ist auch: Die Gesundheit und auch die eigenen Social Skills sind der limitierende Faktor. Und wenn Freunde wegziehen oder gar sterben, kannst du nichts machen. Es ist interessiert niemand für dich, du bist für den Datingmarkt nicht mehr interessant, obwohl du eigentlich gerade dann ein guter Fang wärst, treu, weise, gesettled. Du bist der Wirtschaft zu teuer, und sie will dich loswerden. Und gänzlich aufhalten lässt sich der Verfall sowieso nicht.
Fuck.
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Bonner Skyline (2023), gefühlt jährlich wird’s ein Hochhaus mehr.
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Herrenmagazin: Keine Angst (2012)
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